Ich bin ein gottverdammtes Genie!!! :D

Die Wochen der seelischen Folter sind vorbei – meine Examensarbeitsnote ist da und es ist eine phänomenale

2,0!!!

coolcoolcool
Und damit bin ich endlich FREI!!!

freude2

Als ich heute mittag müßig die Notenseite checkte – müßig deswegen, weil ich seit zwei Wochen jeden Tag mehrmals reingesehen habe und sich die Panik deswegen irgendwann ein bisschen abgenutzt hatte – dachte ich, ich flieg weg!!! Sofort rannte ich meinen Studentenausweis holen und checkte meine Matrikelnummer ungefähr achtzigmal. Dann rannte ich aus meinem Zimmer.

„Dave! Dave!!!“ brüllte ich.
Dave war arbeiten. Dafür öffnete sich die Badezimmertür und ein völlig irritierter Mitbewohner David starrte mich an, seine Zahnbürste noch im Mund. Ich riss ihn trotzdem in eine Umarmung und verkündete ihm die Botschaft. Und er so:

batman augen

„Hast du die Nummer auch richtig gelesen?“ fragte er verdattert. Denn es ist wahr, Leute – meine geschätzten Mitbewohner trauen mir null zu 😀

Sie hatten das gesamte Massaker ja mitgekriegt. Meine, sagen wir, etwas unkonventionelle Art, mit Stress und Arbeit umzugehen, erweckte bei ihnen offensichtlich den Eindruck, dass meine Examensarbeit ein Megafail wird. Sowieso hab ich ja schon mehrmals das Gefühl gehabt, von beiden für ein bisschen blöd gehalten zu werden. Deshalb war der Highfive, den ich nach Abgabe bekam, auch irgendwie bitter.

Mitbewohner Dave: „Super, dass du das noch geschafft hast.“
Ich: „Hättste nicht gedacht, ne?“
Mitbewohner Dave: „Ganz ehrlich? Nein.“

bitch please

Nach der Abgabe folgten mehrere Wochen Panik und elendes Warten. Irgendwie machte der Umstand, dass der Wisch, der mir die fristgerechte Einreichung bestätigt hatte, offiziell verkündete, die Korrektur würde nur sechs Wochen dauern, alles sogar noch schlimmer!

Dann bekam eine Freundin von mir ihre Note sogar schon nach knapp fünf Wochen. Es war leider nur eine 3,7. Ganz bitter. Wobei ich ihr Thema unglaublich unspannend fand und ich nicht verstehen konnte, weshalb sie das überhaupt gewählt hat.
Sie hatte aber auch in Geschichte geschrieben, weswegen mich diese Nachricht komplett fertig machte. Zwar bei einem anderen Dozent, aber trotzdem… in dem Moment begann ich mich selbst dafür zu hassen, diesen Prüfer gewählt zu haben. Einen Dozenten, der Seminare anbietet, an denen man früher nur bei besonders guter Leistung teilnehmen durfte, während inzwischen nach der Bologna-Reform natürlich jeder reinkommt. Ich muss doch komplett verrückt gewesen sein, dachte ich.

Ich konnte mich selbst überhaupt nicht einschätzen. Aber wie gesagt, die Mitbewohner waren sich meines Misserfolges sicher. Deshalb meinte Mitbewohner Dave einige Wochen nach Abgabe aus heiterem Himmel vergnügt, er würde mir einen Kasten Bier zu kaufen, wenn ich mindestens ne 2 hätte.

Ich: „Aber ich trink doch überhaupt nicht gerne Bier.“
Mitbewohner Dave: „Okay, was dann?“
Ich: „Hm, ne Flasche Rum?“
Mitbewohner Dave: „Pfft, total billig. Dein Ernst?“
An dieser Stelle merkte ich, dass er sich seines Wettsieges SEHR sicher war, also erhöhte ich den Einsatz gnadenlos: „Okay, ne Flasche Glenfiddich dann.“
Mitbewohner Dave: „Hehe, alles klar.“
Ich: „Aber wie meinst du das genau, was besseres als ne 2… meinst du von 1,0 bis 2,0 oder alles unter 3,0?“

Dave antwortete nicht. Er lachte. Mitbewohner David lachte auch. Und Daves Freundin.

An dieser Stelle merkte ich, dass sie allein die Vorstellung, ich könnte etwas besseres als ne 3,0 kriegen, für absolut lächerlich hielten.

rudy sarkastisch2

Mitbewohner Dave bekam dann auch seine Note. Ne 1,7. Super, würden manche sagen. Aber auch wenn er sich dazu nicht äußerte, merkte man deutlich, dass er innerlich kochte. Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der so unglaublich viel für die Uni arbeitet. Dementsprechend erfolgsverwöhnt ist er auch. Und nur deswegen wird ihn meine Note sowas von ärgern. Er hat so viel länger daran gearbeitet als ich und ist nun nur unwesentlich besser. Tja. Keks?

Vielleicht, weil er selbst von sich mehr erwartet hätte, meinte er nachdem er von seiner Note erfahren hatte zu mir, dass meine Arbeit ja allein schon wegen den ganzen Tippfehlern unmöglich etwas besseres als ne 3 sein könnte. Ich hielt das für Quatsch. Ich hab ja nicht in Germanistik geschrieben, wo jeder noch so kleine Fehler dem Prüfer einen halben Herzinfarkt beschert hätte. Zwar wird in jedem Fach die Rechtschreibung und die äußere Form mitbewertet, aber vermutlich nur in Form von Punkten. Macht man zu viele Fehler, kriegt man halt keine Punkte dafür und geht… keine Ahnung, vielleicht 0,3 Notenpunkte nach unten? Viel mehr schätze ich nicht.

Jedenfalls saß ich deswegen seit zwei Wochen auf glühenden Kohlen und wartete ständig auf ein Ergebnis. Die Uniseite zu checken war jeden Tag das erste, was ich morgens tat, wenn ich aus dem Bett kroch. Problem dabei war, dass ich meine Matrikelnummer nicht auswendig kann. Das führte letzte Woche oder so zu einem völligen Kollaps. Für ein paar Sekunden habe ich doch tatsächlich geglaubt, ich hätte mit einer 4,3 die bisher schlechteste Note von allen abgeliefert. Wie scheiße wäre das bitte gewesen?! Ich wusste nicht mal, dass das überhaupt möglich ist. Ich dachte, alles über 4,0 wäre automatisch durchgefallen. Natürlich war ich nach diesem Schock hellwach mit einem Puls von 180!!
Am selben Tag später der nächste Schock: Dieses Mal stimmten sogar die ersten drei Zahlen mit meiner Matrikelnummer überein. Eine 1,7!!! Das wäre natürlich ein Traum gewesen. Aber auch dieser Schock ging vorüber und ich musste weiter warten.

Die Analyse meiner Reaktionen hatte mir allerdings gezeigt, dass ich eine gute Note für wahrscheinlicher hielt als eine schlechte. Auch wenn ich mir das selbst irgendwie nicht eingestehen wollte. Verdammte Sozialisation, die jeden Anflug von Stolz mit einem herrischen „Sei nicht so arrogant!“ im Keim erstickt hatte!

Ab Donnerstag war ich dann auf einem Festival (Bericht folgt irgendwann). Freitags wollte ich meine Note checken, aber niemand hatte Internet, also rief ich Mitbewohner David an.
„Willst du das wirklich jetzt wissen? Willst du nicht lieber das Wochenende genießen?“

you suck telefon

Er schaffte es jedenfalls nicht, sich mit meinen Daten einzuloggen, also hatte sich das auch erledigt.

Gestern waren dann schon ganz genau SIEBEN WOCHEN rum und immer noch nichts. Ich fing an, am gesamten Unibetrieb zu zweifeln. Aber heute dann… naja, ich erwähnte es bereits 😀 😀 😀

Jetzt die Frage: Bin ich mit der Note zufrieden? Kurze Antwort: JA. Lange Antwort: Ja, ABER…

Eine 2,0 ist ne 2 plus. Mitbewohner David fand das nicht.
„Ne 2,0 ist ne glatte 2.“
Ich: „Stimmt nicht! Kuck doch, ne 1,0 ist ne 1 plus, ne 1,3 ist ne 1 und ne 1,7 ne 1 minus, demnach ist eine 2,0 ne 2 plus!“
Ich weiß nicht, ob ich ihn überzeugt hat oder ob ihm die Diskussion zu anstrengend geworden ist. Egal. Jedenfalls finde ich ne 2 plus gut, auch wenn es Zeiten in meinem Leben gegeben hat, in denen jede 2 plus mit einem „Was war denn da los?“ seitens meiner Eltern quittiert worden ist. Legen wir jetzt zugrunde, in welcher Zeit ich vor allem den Schluss zusammen gestoppelt habe, kann ich mich echt sowas von gar nicht beschweren. Aber trotzdem – einen Abzug wegen ein paar blöden Tipp- und Grammatikfehlern habe ich auf jeden Fall bekommen… und das wäre definitiv vermeidbar gewesen. Das nagt jetzt irgendwie schon an mir. Andererseits, ICH weiß ja, dass die Note dann eigentlich hätte besser sein müssen und das ist alles was zählt, oder? Ich meine, wen interessiert schon das blöde Kultusministerium, das mir später eine Stelle auf Grundlage meiner Abschlussnote zuweisen wird?

Ja, liebe Kinder, so fällt jede kurzzeitige Euphorie irgendwie doch ziemlich schnell in sich zusammen, wenn man zum illusteren Kreis depressiver Menschen gehört 🙂

dr. cox

Jedenfalls wird heute Abend gesoffen. Immerhin bin ich ja schon seit Sonntag wieder vom Festival zuhause und seitdem nüchtern 😀

Damit bleibt nur zu sagen: Danke an alle Internetmenschen, die mich die letzten Monate motiviert haben und versuchten, mich aufzubauen, die mit mir mitgelitten und sich für mich gefreut haben und mir in einem Fall auch richtig tatkräftig halfen. Ihr seid so toll, Leute ❤

PS:
Ich: "Ne 2,0!!! 2,0!!! Und ich hab die letzten 19 Seiten in der Nacht davor geschrieben!!! Ich bin genial!!! Ich MUSS genial sein!!!"
Mitbewohner David: "19 Seiten, das ist praktisch die ganze Hausarbeit, die ich seit einem Monat nicht fertig kriege…"
Ich: "Ich helf dir! Das schaffst du in einer Nacht! Ich peitsch dich da durch!"
Mitbewohner David: "Mmh, das würde mir ja schon gefallen."

Hach ❤

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Mitbewohner sind asexuell!

Mitbewohner David und ich kommen vom Einkaufen, als ein hübsches Mädel vorbei läuft. Er starrt ihr auffällig hinterher und ich lache ihn deswegen ein bisschen aus.

Mitbewohner David: „Was ist? Ich bin ein alleinstehender Mann.“

Ich: „Jahaha.“

Mitbewohner David: „Hat sie zurück gekuckt?“

Ich: „Nee.“

Mitbewohner David: „Ach, schade.“

Ich: „Mach dir nichts draus. Wir gehen nebeneinander, ich trage das meiste Zeug – die dachte, wir sind zusammen!“

Mitbewohner David: „Ja, das hat meine Ex ja auch mal gedacht.“

Ich: „Hä?“

Mitbewohner David: „Die war eifersüchtig auf dich.“

Ich: „Eifersüchtig? Auf MICH!? Warum?“

Mitbewohner David: „Keine Ahnung!“

Ich: „Alles klar… du Arschloch.“

😀

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Too much information, oder: Die vielleicht einzig richtige Antwort auf eine sehr alte Frage

Draußen: Strahlender Sonnenschein und T-Shirt-Wetter, Drinnen: Klein-Robin, vor einem Berg Literatur für ihre Examensarbeit sitzend, völlig mit den Nerven runter.

Mitbewohner David hört sich mein Rumgeflenne an und schickt mich schließlich rigoros zu einem Spaziergang, um „den Kopf frei zu bekommen“. Ich beuge mich schicksalsergeben und ziehe mich an.

Während ich, fertig zum Ausgang, da stehe und noch das Kabel zu meinem Ipod entwirre, entfährt es mir, als Fortsetzung meines vorherigen Gejammers: „…und außerdem höre ich seit Tagen nur das Weihnachtsalbum von Bad Religion! Was ist nur los mit mir?!“

Mitbewohner David, mild lächelnd: „Hast du vielleicht deine Tage?“

Ich, ohne darüber nachzudenken: „Nein, ich bin eigentlich gerade so ziemlich in der Mitte von meinem Zyklus!“

Mitbewohner David: „…okay.“

Es folgte ein stummer, leicht irritierter Blickwechsel zwischen uns.

Dann bin ich halt spazieren gegangen.

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Ich hätte es besser wissen müssen!

Ich präsentiere: Das laut meinem Mitbewohner Dümmste, was ich je von mir gegeben habe, vom letzten Mittwochabend:

Ich: „Heeey, Jungs, ich hab grad schon Sachen für meine Geburtstagsparty gekauft, auch nen Kasten Bier, der steht in der Küche… äh… und ich wollt nur sagen: Es wär geil, wenn der Sonntag auch noch da wäre, ne.“

Mitbewohner Dave (kuckt verdattert, fängt dann an zu grinsen): „Nein.“

Ich: „Nein?“

Mitbewohner Dave: „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass in diesem Haushalt ein Kasten Bier eine halbe Woche stehen bleibt! Ich versichere dir, am Sonntag steht da ein voller Kasten, eher sogar zwei oder drei, aber erwarte bitte nicht, dass es der selbe ist!“

Ich (piepsig): „Oh… okay.“

Mitbewohner Dave: „Mittwoch bis Sonntag einen Kasten Bier unberührt lassen… ich bitte dich!“

Ich: „Okay, war blöd.“

Mitbewohner Dave: „JA!“

Ich zog mich zurück unter dem dröhnenden Gelächter des Mitbewohners und ein paar seiner Freunde, die zum Kartenspielen gekommen waren. Als Mitbewohner David von einer kleinen Reise wieder kam, war das fast die erste Geschichte, die ihm erzählt wurde. Damit habe ich definitiv den Award für den Facepalm der Woche überreicht bekommen und, wie ich inzwischen einsehe, auch sehr verdient.

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Ich werde so gut umsorgt!

Das will ich euch nicht vorenthalten. Wie es aussehen kann, wenn hilfreiche Mitbewohner bei meiner Blasenentzündung helfen wollen *seufz*

Mitbewohner Dave: „Also, ich hab mit meiner Freundin geredet, die kann dir da ein paar Tipps geben, aber sie meint, Cranberries wären gut dagegen, und, wie gesagt, in der Küche steht noch Nieren-und-Blasen-Tee.“

Ich: „Ja, okay.“

Mitbewohner Dave: „Und, also… äh, ich weiß nicht ob das grade überhaupt aktuell ist, vielleicht wenn du im Club mal, äh…“

Ich: „?!“

Mitbewohner Dave: „… Aber das geht mich ja auch nichts an, jedenfalls, also…“ *tief Luft holend* „Im Bad steht Waschlotion! PH-neutral! Die kannst du benutzen, wenn du willst! Also falls… also, um…“

Ich: „Ich weiß, dass Sex Blasenentzündungen begünstigt.“

Mitbewohner Dave (kichernd): „Jaaa… OBVIOUSLY! Äh, ich mein, hehe… ich wollt eigentlich nur… äh… ach, vergiss es einfach.“ *Fluchtartiger Abgang*

Isser nicht goldig? ❤

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Charmeresistenz

Vor unserer Vermieterin hatten mich meine Mitbewohner schon gewarnt, bevor ich überhaupt eingezogen bin. Sie hatten schon ihre schlechten Erfahrungen mit ihr gemacht und sind davon überzeugt, dass die Tussi sie einfach hasst und am liebsten rausekeln würde.

Jetzt wo ich sie kennen gelernt habe, bin ich geneigt dem zuzustimmen.

Die Fronten hatten sich verhärtet, als David und Dave vor ungefähr eineinhalb Jahren die Miete gekürzt hatten. Wir wohnen nämlich in einem Altbau, der zwar an sich noch okay ist, aber gerade die Fenstern waren und sind schon leicht renovierungsbedürftig. Am schlimmsten war das Bad: Im Winter bekam man den Raum einfach nicht warm, egal wie sehr man die Heizung aufdrehte. Was natürlich nur so mittelangenehm ist.

Jedenfalls, die Jungs kürzten die Miete um den erlaubten Prozentsatz, die Vermieterin ließ die Fenster austauschen, die Jungs zahlten wieder normale Miete. Problem gelöst, könnte man denken.

Leider stand die Vermieterin Wochen später vor der Tür und verlangte, die neuen Fenster zu sehen, immerhin hatte sie sie ja auch bezahlt. Dave wies sie freundlich darauf hin, dass sie natürlich ein Recht habe, sich Handwerksarbeiten in der Wohnung anzusehen, aber doch bitte nur mit Voranmeldung. Dave und David saßen nämlich zu diesem Zeitpunkt im etwas zugemüllten Wohnzimmer und tranken Bier und… so. Nicht gerade toll, wenn da die Vermieterin durchlatscht.

Hat die aber natürlich nicht eingesehen. Wurde fuchsteufelswild. Kam auch nie wieder. Aber seitdem sind beide unten durch!

Obwohl ich nun schon seit drei Monaten hier wohne, habe ich sie aus diesem Grund noch nicht gesehen. Die Jungs haben sie darauf hingewiesen, dass im dritten Zimmer demnächst jemand anderes wohnen wird, aber sie hat darauf nicht reagiert, wie übrigens auch auf keine andere Nachricht, die sie ihr seitdem geschrieben haben. Aber da wir im Mieterbund sind, kann die Tussi leider nicht viel machen. Ich denke, sie würde uns alle am liebsten rausschmeißen!

Ich war ja irgendwie dem Trugschluss anheim gefallen, dass ich ein wenig Entspannungspolitik leisten könnte. Manche Vermieter haben Probleme mit reinen Männer-WGs. Weiß ja jeder, dass Jungs Sachen kaputt schlagen und nie putzen, wenn sie unter sich sind, ne. Ein Mädel, das da ein bisschen Ordnung ins Chaos bringt, ist da doch gerne gesehen!

Das denke ich mir übrigens nicht aus. Das ist ein O-Ton von meinen alten Vermietern und wurde mir zugetragen durch einen Stammgast aus meiner Kneipe, der auch meine Ex-Vermieter kennt. Ich habe mit denen fast nie gesprochen, aber offensichtlich mochten sie mich wirklich. Das hat mich völlig von den Socken gerissen! Und bestärkte mich in meinem Vorhaben.

Denn ich komme ja vom Land. Im Dorf muss man miteinander auskommen. Es wurde mir also von klein auf eingetrichtet, wie man „gut Wetter macht“, sprich, sich präsentiert und erfolgreich einschleimt.

Ich weiß, wie das geht. Ich tue es nur nie.

Es ist mir schlicht zu anstrengend und glücklicherweise auch nicht mal halb so nötig, wie man mir das immer versucht hat einzureden. Dann kommt man halt mit vielen Leuten nicht aus. Na und? Das tangiert mich und mein Leben kaum. Ihres übrigens auch nicht.

Nur schien mir dies eine Situation zu sein, bei der ich meine sagenhaften dorferprobten Fähigkeiten hervor kramen musste, um diese Tussi davon abzuhalten, uns möglicherweise bei der nächsten Gelegenheit vor die Tür zu setzen. Ich wartete darauf, dieser Frau zu begegnen – und vorletzte Woche war es dann endlich so weit!

Ich hörte, dass sie in der Wohnung unter uns mit dem Handwerker laberte. Ich zog mich also an, schlenderte runter und klopfte. „Weiß nicht, wer das ist“, hörte ich den Handwerker sagen, als er zur Tür kam und öffnete.

Draußen stand ein sonnig lächelndes, artiges Mädel, das natürlich sofort nett die Hand gab und sich für die Störung entschuldigte.

„Frau Müller-Pinkel? Wir kennen uns noch gar nicht. Schön, sie endlich zu sehen! Ich bin Ihre neue Mieterin seit ein paar Wochen!“
Die Angesprochene nahm perplex die angebotene Hand und machte ein Gesicht, als stünde sie kurz vor einer Panikattacke. „Ah, ja, von oben. Ich mache da ja keine Verträge mehr.“

An der Stelle hätte mein wahres Ich ja schon direkt ausrasten können. Es stimmt, ich habe keinen Vertrag, nur die Jungs. Auch mein Vormieter hatte keinen Vertrag. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand, vermutlich nicht mal legal. Aber so ist es halt: Verhärtete Fronten aus nichtigen Gründen!

Aber noch hatte ich Hoffnung. Mein Lächeln verrutschte kaum. „Haha… ja.“
Es musste weiter gehen… also streichelte ich ihren hässlichen Köter und gab ein paar Babylaute von mir. Bin ja eigentlich ein Katzenmensch, mag aber auch süße Hunde oder wenigstens welche, die ein Minimum von Würde ausstrahlen, aber diese elende Töle sah aus, als wäre sie zu dämlich, morgens ihren Fressnapf zu finden!

„Ich wollte ohnehin mit Ihnen reden. Wissen Sie, ich bin ab nächster Woche im Ausland und werde vermutlich den ganzen August nicht da sein. Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich deshalb die Miete für den August schon im Juli überweisen werde, nur, damit Sie sich nicht wundern. Von Spanien aus ist das etwas schwieriger. Sie haben hoffentlich nichts dagegen.“
Woraufhin sie mit immer noch weit aufgerissenen Augen von sich gab: „Ja, wenn zwei Monatsmieten nicht bezahlt werden, kann ich fristlos kündigen. Das hat sich jetzt geändert.“

Ich: „Ah.“

An dieser Stelle kapitulierte ich. Ich meine, ich hatte gerade eigentlich genau das Gegenteil gesagt – sie kriegt ihre Miete sogar FRÜHER! Warum mich dann so anscheißen?

Diese Frau war offensichtlich völlig immun gegen meinen Charme, aber ich spielte meine Rolle noch zu Ende, scherzte ein wenig mit dem viel netteren Handwerker, bei dem mein Auftreten mehr zu fruchten schien, verabschiedete mich und ging wieder nach oben.

Das nette, artige Mädel ließ sich im Wohnzimmer auf die Couch fallen, sah Dave an und sagte: „Meine Fresse, ist das eine blöde Fotze.“

Und das ist leider die Wahrheit -.-

Es sind Geschichten wie diese, wegen denen ich mich wie manisch an den tröstlichen Gedanken klammere, dass ich irgendwann einmal ein Haus erben werde.

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Ein neues Nest für Robin – Teil 2

An meiner Wohnung angekommen sprang Dave aus dem Transporter, riss die Seitentür auf und wartete ungeduldig darauf, dass ich ebenfalls ausstieg und die Haustür aufsperrte.

Ich staunte. Warum so hektisch? Ich dachte, wir rauchen erst mal eine…

Aber nein, Dave war voll im Stressmodus, also jumpte er, kaum hatte ich die Tür aufgesperrt, die Treppe hoch, überblickte, im Wohnzimmer angekommen, sofort die Situation und krallte sich vier vollbepackte Plastiktüten mit Zeug. Dann war er schon wieder auf dem Weg nach unten.

Ich war widerwillig beeindruckt (starker Kerl… arbeitet aber auch neben der Uni aufm Bau), aber auch völlig aus dem Konzept. Warum legt der denn so ein Tempo vor?
Ich folgte ihm, etwas weniger bepackt. Zurück am Transporter merkte ich vorsichtig an, dass es vielleicht schlauer wäre, zuerst meine Matratze einzuladen.

„Ach, Unsinn,“ meinte Dave lapidar und war schon wieder halb oben.

Hm, okaaaay? Ich lud mein Zeug ab und ging wieder nach oben, wo ich gerade noch rechtzeitig kam um zu sehen, wie Dave eine Matratze im Wohnzimmer mit Gewalt hochhievte.
„Stop!“ schrie ich. „Die nicht!“
Tatsächlich handelte es sich bei dieser kleinen Matratze um die WG-Couch, weil der letzte Mitbewohner die reguläre Couch mitgenommen hatte, als er ausgezogen ist. Meine viel größere und coolere Matratze befand sich noch in meinem Zimmer!
Dave schmiss die Couch-Matratze wieder hin und gemeinsam schleppten wir meine Matratze nach unten (wobei es ihn, glaube ich, ziemlich angepisst hat, dass er sie nicht allein tragen konnte…).

Dann war auch Mitbewohner Mattes zur Stelle. Tags zuvor hatte ich angefragt, ob er samstags zu Hause sein würde. „Warum, hast du mich zum Schleppen eingeteilt?“ fragte er leicht bissig, was ich ziemlich beschissen fand, denn als er eingezogen war, habe ICH ihm immerhin auch geholfen *grmpf*

Eigentlich ging es ja auch nur um das Zeug, das für mich zu schwer war. Beide begannen, meinen monströsen Röhren-Fernseher (80 Zentimeter Bilddiagonale, 60 Kilo) runter zu hieven, während ich von Dave die Anweisung bekam, meinen restlichen Kram links liegen zu lassen und endlich meinen Schrank fertig auseinander zu bauen.

Ich hatte gerade erst die Schubladen entfernt und war dabei, die Schrauben an der Rückwand zu lösen, als Dave schon wieder herbei gesprungen kam. Inzwischen war auch Aerobicpartner Tim zur Hilfe geeilt, der Süße ♥ der auch mit anpackte.
Hier fing mir die Hektik von Dave an, doch ein bisschen auf den Sack zu gehen. Dreißig Schräubchen zu entfernen – das dauert halt ein paar Minuten.

Nichtsdestotrotz schnappte er sich einen weiteren Schraubenzieher und versuchte schon, die Decke und die erste Seitenwand abzukriegen.

Leider mit Erfolg, was der Statik doch nicht so ganz zuträglich war. Plötzlich kippte das ganze Teil zur Seite… bis auf die Rückwand. Die stand wie eine Eins, bis es knirschte und sämtliche noch verbleibende Schrauben gleichzeitig raus gerissen wurden, dann kippte sie auch, bis ich sie auffangen konnte.

Ich starrte fassungslos auf die ausgefransten, nun völlig nutzlosen Schraublöcher der Rückwand. „Oh nein!“
Die Jungs machten „ups“ und ließen sich ansonsten nicht in ihrer guten Laune stören. In mir dagegen brach eine Welt zusammen. Mein Schrank! Das erste große Möbel, das ich mir selbst gekauft, selbst in die Wohnung geschafft und selbst komplett zusammen gebaut habe!! Und nebenbei momentan auch noch das einzige Möbel, das ich nicht geschenkt bekam, vom Sperrmüll rettete, gebastelt oder mir sonstwie herbei gezaubert habe!!

„Mann, die ganzen Löcher sind kaputt! Das hält doch später niemals,“ jammerte ich mit bebender Unterlippe. Ohne festmontierte Rückwand ist so ein Schrank nämlich eine recht instabile Angelegenheit!
„Ach, wir haben zuhause Gaffa Tape,“ meinte Dave und grinste leichtfertig.

GAFFA TAPE?? Ich soll meinen Schrank mit GAFFA zusammen kleben?? Wie sieht denn das aus!!

Ich verzichtete allerdings auf weitere Zickereien, zumal die Jungs angefangen hatten, Witze über meinen wunderschönen, unschuldigen, gar-nicht-mal-so-billigen Schrank zu reißen. Als wär der nur ein Haufen Schrott!!

Hätte ich nur morgens nicht verschlafen! Dann hätte ich ihn allein auseinander gebaut, wie ich ihn ja auch allein zusammen gebaut hatte. Manche Dinge sollte man einfach selbst machen, vor allem, wenn man diese Dinge einem Menschen in die Hände legt, der Philosophie studiert und für den jeder materielle Besitz unnötiger Ballast auf dem Weg zur geistigen Vollkommenheit darstellt. Und ja, damit meine ich meinen neuen Mitbewohner!!

Naja, damit war meine schlimmste Seelenpein allerdings überstanden. Der Rest ging recht fix. Lediglich die Couch musste noch irgendwie runter (Tim beim Versuch, sie durch meine Tür zu quetschen: „Wie zur Hölle habt ihr die damals hier hoch und hier rein gekriegt?“ Ich: „Mit Gewalt.“), dann waren wir tatsächlich schon fertig. Ein prüfender Blick auf die Uhr zeigte: Gerade mal eine Dreiviertelstunde! Das hatte ich mir wesentlich langwieriger vorgestellt.

Ich bedankte und verabschiedete mich von Mattes (obwohl ich nur einen Tag später wieder auf der Matte stand, um das Zimmer noch zu putzen. Und, naja… um The Biggest Loser zu kucken.), dann war wieder Transporter-Time. Tim und Dave quetschen sich zu mir nach vorne.

Inzwischen wars ja geil, das Ding zu fahren. Allerdings zeigte es jetzt in die falsche Richtung.

„Ich kann nicht wenden,“ stellte ich knapp fest.
„Warum?“
„Ich kann nicht rückwärts fahren.“

Ich wartete, bis die Jungs fertig gelacht hatten, dann fuhr ich trotzig einfach die nächste Straße rechts, um eine Schleife zu fahren, wobei sich die Straße als wesentlich schmaler entpuppte als gedacht.
„Aaaaaah…“ machte Tim, als ich mich zentimeterweise zwischen einem geparkten Auto und einer Hauswand hindurch quetschte. Gegen jede Wahrscheinlichkeit kamen wir trotzdem ohne einen Kratzer an der neuen Wohnung an.
Und dort begegnete ich auch erstmals meinem baldigen Nachbarn, der mir David schon in den buntesten Farben geschildert hatte: Alki, der so heißen soll, weil er einer ist, und was ich schreiben darf, weil er das selbst von sich sagt(!) und offensichtlich trotzdem ganz gut zurecht kommt. Er ist um die sechzig und wohnt in der Wohnung über uns.

„Ah, da kommt das neue Mädel! Na, wie heißt du? Robin? Oje, das kann ich mir nicht merken! Ich nenne alle Mädchen „Petra“, nicht böse sein!“
Ich war nicht böse. Der Typ schien voll okay, da hatte ich mir was GANZ anderes vorgestellt. Er packte auch direkt mit an und half, Zeug hoch zu tragen – und bei dem Zeug, das er nicht tragen konnte, weil er halt schon etwas älter ist, dirigierte er die Jungs routiniert.

Dadurch ging das Entladen sogar noch wesentlich schneller als das Beladen. Ein Problem gab es allerdings…

„Hat der Drogi eigentlich jetzt schon was gemacht?“
‚Drogi‘ ist der Typ, von dem ich das Zimmer übernehme (ich nenne ihn so mit allem Respekt vor Menschen, die drogensüchtig sind). Mein Umzug fand ja am 30. statt, das Zimmer räumen musste er also erst einen Tag später – und er hatte auch versichert, dass er das schaffen würde.
„Keine Ahnung,“ antwortete Dave, „er war eben nicht da, als ich gegangen bin.“

Unser erster Gang führte uns also in sein Zimmer, das bald meins sein sollte.
Dort stand EIN Karton. Der Rest des Zimmers war völlig unverändert.

„Wow…“ konstatierte ich hilflos. Es wurde noch schöner, als wir das Wohnzimmer enterten, denn dort lag eine Notiz von ihm.
Hallo Robyn! Willkommen zuhause. Stell dein Zeug erst mal in Davids Zimmer. Ich räume Sonntag alles aus, brauche aber noch ein paar Kartons. Kannst du mir ein paar von deinen hinstellen? Gruß, Drogi

Ähm. Nein?
1. Die Kartons sind nur geliehen. Ich muss die wieder zurück bringen. Es sind zwar nur Kartons, aber wie man sieht, ist man ohne ziemlich aufgeschmissen!
2. Wie soll ich Kartons ausräumen, um sie nutzbar zu machen, wenn ich nichts habe, wo ich das Zeug hinräumen kann? o.O

Dave stellte Bier auf den Tisch. All mein Zeug war behelfsmäßig verstaut, der Umzug war eigentlich über die Bühne. Aber die Sache Drogi versprach, noch interessant zu werden.

Letztendlich brauchte er volle drei Tage, um endlich auszuziehen und nochmals eine Woche, bis er endlich den Schlüssel zurück brachte. Bis dahin hing er mittags noch gerne bei uns rum und hörte in ohrenbetäubender Lautstärke deutschen Hiphop. Nach dieser Erfahrung konnte ich plötzlich sehr gut verstehen, warum David und Dave über meinen Einzug so begeistert gewesen waren.

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Ein neues Nest für Robin

(Diese Artikelüberschrift ist nur dann lustig, wenn man Englisch kann.)

Mein Umzug ist beendet und während ich dies schreibe, lehne ich mich an meine Matratze.

Ähm, an die Matratze lehnen? Wie geht denn das, wenn man sitzt?

Ganz einfach: Ich bin zwar aus meiner alten Wohnung AUSgezogen, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich in die neue gänzlich EINgezogen bin. Doch vielleicht sollte ich gaaaanz von vorne anfangen…

Zu meiner großartigen Freude hatte ich es gegen alle Wahrscheinlichkeit doch noch geschafft, einen Umzugswagen zu organisieren. Diesen sollte ich am Samstag zur Verfügung haben, weshalb ich Dave als Hilfe für eben diesen Tag bestellte.
David, mein lieber Kollege, konnte leider nicht helfen. Der tourt nämlich gerade mit seiner Freundin in Asien rum. Hat er sich mal schön aus der Affäre gezogen, der Schlingel!

Jedenfalls, das hieß, spätestens Freitag mal so langsam meine Sachen zusammen zu suchen. Ich hatte mir Kartons besorgt und war gerade schon fast mit der Küche fertig, als mein zu diesem Zeitpunkt Noch-Mitbewohner Moritz auftauchte.
Der konnte mir übrigens auch dieses Mal nicht helfen. Ich weiß nicht, ob das nur meine exklusive Meinung ist, aber irgendwie dachte ich immer, wenn man einen neuen Mitbewohner kriegt, hilft man beim Einzug und auch wieder beim Auszug. Moritz findet wohl nicht. Als ich damals mit meinem Stiefvater und einem Auto voll Sachen ankam, saß er in der Küche und frühstückte (es war nach Mittag). Nachdem er sich hatte dazu breitschlagen lassen, bei meiner Couch mit anzupacken und er mich daraufhin angesehen hatte, als hätte ich von ihm seinen erstgeborenen Sohn verlangt, verschwand er in seinem Zimmer und ward nicht mehr gesehen. Tja. Später ist mir dann klar geworden, dass in solchen Fällen „Mann“ nicht automatisch „stärker“ heißt und ich trotz meines Geschlechts vermutlich etwas mehr Beef im Bizeps habe als ein kleiner magerer Hipster, der selbst in voller Montur und tropfnass noch 10 Kilo weniger wiegt als ich.

Jedenfalls erwartete ich auch dieses Mal keine Hilfe und bekam auch keine. Er war samstags nämlich gar nicht da. Dafür aber halt Freitagabends – und schnüffelte in den Schränken rum.
„Hast du ALLE Töpfe mitgenommen?! Das sind aber nicht ALLES deine Töpfe?!“
Mein Stressbarometer sprang direkt an. Dieser Tonfall! „Doch, das sind meine Töpfe, aber es sind ja noch welche da.“

Er kuckte grummelig und schwieg. Dabei sind das WIRKLICH alles meine Töpfe. Und es sind auch nicht ALLE, sondern nur zwei: Einen mittelgroßen und einen ganz kleinen, perfekt für eine einzelne Packung Maggisuppe oder ein Becher Kakao. Dazu ein kleines Pfännchen. Jetzt nicht so arg viel, oder?

Tatsächlich war nicht mehr viel da, als ich die Küche abgegrast hatte. Offensichtlich gehören 90% der Gläser mir und die Hälfte der Becher. Aber tja, ich hab auch mal ziemlich lang allein gewohnt, da braucht man halt Zeug, ne? Ich kann ja nichts dafür, dass die Jungs sich bisher all ihren Hausrat geteilt und deshalb selbst nicht so viel haben.

Aber es musste weiter gehen und tatsächlich schaffte ich es an diesem Abend noch, all meinen Krimskrams zu verpacken. Weil sich die Kartons als nicht sehr stabil erwiesen und es ohnehin praktischer für Bücher ist, dachte ich irgendwann: „Die Dame von Welt zieht mit Plastiktüten um!“ – und so war es dann auch.

Ich stapelte alles im Wohnzimmer. In meinem Zimmer befand sich nur noch das Zeug, das ich nicht alleine schleppen konnte, sowie mein Schrank. Mattes, Noch-Mitbewohner Nr. 2, hatte ganz erstaunt gefragt, wie ich den denn aus meinem Zimmer raus bekommen will.
Die Lösung ist denkbar einfach: Auseinander bauen. So hab ich ihn ja schließlich auch rein bekommen: in Einzelteilen. Als könnte man so einen Schrank in einem Stück rausschleppen, ohne dass er auseinander bricht *ankopffass*

Aber Moritz schlief schon und das Auseinanderbauen hätte Krach gemacht, also beschloss ich, das auf den nächsten Morgen zu vertagen und stellte mir den Wecker.

Ich verschlief.

Gerade noch rechtzeitig wurde ich wach, um mich anzuziehen und den bestellten Wagen abholen zu gehen. Dafür musste ich ins tiefste Industriegebiet fahren und durfte letztendlich noch eine halbe Stunde zu Fuß gehen, weil der blöde Busfahrer mir eine falsche Haltestelle genannt hat.

Zu spät und voll im Stress nahm ich den Schlüssel für den Transporter entgegen. Dann saß ich völlig erstarrt in dem Ding drin.

Fuck, ist das groß! All meine jahrelange von meiner Familie geschürte „FAHR BLOSS DAS AUTO NICHT KAPUTT ICH KANN MIR KEIN NEUES MEHR LEISTEN UND FAHR NICHT SO SCHNELL UND NEIN DEIN COUSIN DARF DAS AUTO FAHREN ABER DU NICHT ES BEDEUTET GAR NICHTS DASS DU NOCH NIE EINEN UNFALL HATTEST“-Panik stürzte mit einem Mal auf mich ein. Hatte ich da in dem Vertrag wirklich etwas von 1000 Euro Selbstbeteiligung im Schadensfall gelesen? Und warum hat das Ding keinen Rückspiegel!?!? (kurz darauf: Ach ja, is ja ein Transporter. Natürlich hat der keinen Rückspiegel. Würde man ja sowieso nix sehen. Haha… grmpf.)

Es nützte nichts, irgendjemand musste das Ding fahren und außer mir war keiner da. Also startete ich den Motor, ruckelte vom Parkplatz und schlängelte mich durch den höllischen Stadtverkehr, den ich in dieser Ecke der Stadt vorher noch nicht mal mit einem normalen Auto zu Gesicht bekommen habe, weil ich ja leider keins habe.
Trotzdem kam ich tatsächlich unbeschadet vor meiner neuen Wohnung an, wo Dave reinsprang. Inzwischen hatte ich mich entspannt und fühlte hinter dem Lenkrad langsam tatsächlich so was wie ein Machtgefühl in mir aufwallen. Verdammt riesige Karre – und heute ist es MEINE!!!

Wir waren bei meiner alten Wohnung angekommen. Doch wie es dort weiter ging, wie der eigentliche Umzug ablief – das erzähle ich euch morgen.

 
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Lebst du schon, oder WGtierst du noch?

Man hat ja so Vorstellungen von gewissen Sachen. Manche nennen das ganz unfreundlich „Klischees“, aber was soll’s.

Ich hatte immer solche Ansichten über das Studentenleben. Es gab und gibt einfach Dinge, die ich als „typisch studentisch“ auffasse. Housepartys zum Beispiel. Oder Kellnern. Oder sich tagelang von Pizza und Miracoli ernähren, während man Playstation zockt und den Gedanken an kommende Abgabetermine für Hausarbeiten erfolgreich mit Billigbier und noch mehr Pizza abtötet. Oder eben – eine WG.

Als ich angefangen habe zu studieren, wäre eine WG undenkbar gewesen. Sozialphobisch und schüchtern war ich eigentlich ganz froh, mich in meinem damaligen, winzigen Wohnheimzimmer verkriechen zu können und so wenig wie möglich mit den Leuten auf meinem Flur zu tun haben zu müssen. Es war schon schlimm genug, dass ich mir mit denen Küche und Bad teilen musste (es war ein SEHR billiges Wohnheim).
Aber naja, meine geistige Gesundheit schritt voran und irgendwann (ich wohnte inzwischen in Wohnheimzimmer Nummer 3, das ist aber eine andere Geschichte) kam mir der Gedanke an eine WG nicht mehr beängstigend, sondern verlockend vor. Ich dachte mir, ich würde es später bereuen, diese wichtige studentische Erfahrung nie gemacht zu haben.
Vor allem ein spezielles Problem trieb mich um: Ich studierte zwar schon ziemlich lange, aber ich kannte kein Schwein. Das ist der Nachteil, wenn Freunde von zuhause mit einem studieren: Man hängt immer aufeinander und hat überhaupt keinen Druck, neue Leute kennen zu lernen. Und dann lernt man auch keine kennen. Es ist mir fast peinlich, das zuzugeben, aber ich hatte keine Freunde, nicht mal flüchtige Bekannte in meiner Unistadt. Und wenn meine Freunde in den Ferien zu Hause waren (wo ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr willkommen war), hockte ich allein rum.

Mission also: coole WG finden, Leute kennen lernen! Und da ich eh mal wieder umziehen wollte (dieses Mal näher in Richtung Innenstadt), passte das gut.

Ich freute ich damals wirklich, eine WG und Max und Moritz als Mitbewohner gefunden zu haben.

Die Freude währte nicht lange.

Wenn ich alles aufzählen müsste, was mich an dieser WG stört, wüsste ich nicht mal, wo ich anfangen soll. Eigentlich sind es nur Kleinigkeiten, aber alle zusammen genommen werden sie zu einem riesigen Berg aus… Unbehaglichkeit.

Ich meine… ich bin jemand, der definitiv ab und zu seine Ruhe braucht, aber ich wollte auf gar keinen Fall eine Zweck-WG. Als ich hier einzog, war ich eigentlich sicher, das Gegenteil gefunden zu haben. Doch das war ein Trugschluss, und das ärgert mich.
Ich meine, warum freut man sich tierisch darüber, dass ein Mensch die selben Serien liebt wie man selbst, wenn man eh nie vorhat, sie sich mit diesem Menschen anzusehen? Es gab Tage, da sah ich mir in meinem Zimmer eine „American Dad“-Folge an, während ich durch die Wand hören konnte, dass Moritz gerade „South Park“ kuckte und Max den Flur runter „Family Guy“. Was soll das? Warum sitzen drei Menschen in drei verschiedenen Zimmern, wenn sie genauso gut im Wohnzimmer ZUSAMMEN sein könnten?

Die wenigen Male, als wir probierten, gemeinsam auf die Piste zu gehen, waren auch eher enttäuschend. Max weigerte sich, in eine Metaldisco zu gehen, Moritz war unter keinen Umständen für eine 90er-Jahre-Party zu haben und ich hätte mir eher die Pulsadern aufgeschnitten, als mir House oder Minimal reinzuziehen. Einigung unmöglich. Folge: Projekt „gemeinsam feiern“ abgeblasen.

Das gleiche ist jetzt übrigens auch mit Mattes, unserem neuen Mitbewohner, der im Herbst als Ersatz für Max kam, der Fall. Das fällt aber schon fast unter „Vorspiegelung falscher Tatsachen“! Angeblich ein Fan der rockigen Musik höre ich von ihm eigentlich auch nur Minimal und extrem langweiligen HipHop. Aber was heißt hier langweilig? RISE AGAINST findet er langweilig. Und zwar im Vergleich zu – Minimal.

Ächz.

Das normale Leben gestaltet sich ebenfalls etwas schwierig. Moritz ist… brummig. Oft. Ich glaube nicht, dass das was mit mir zu tun hat, aber dennoch vertrage ich sowas schlicht und ergreifend nicht gut. Ich bin da halt eine Mimose und reagiere ziemlich sensibel auf die Stimmung anderer.
Und Mattes? Ist ein 21jähriger Klugscheißer. Das stört mich vermutlich deswegen so arg, weil ich selbst so eine üble Klugscheißerin bin. Eine Klugscheißerin, die stark auf die Dreißig zugeht und die es nicht mag, ständig von einem Erstsemester verbessert zu werden, selbst bei Themen, von denen er gar keine Ahnung hat.

All das könnte ich vielleicht noch verkraften, wenn die beiden nicht solche Hipster wären – Moritz mehr als Mattes.
Hipster sind einfach infernalisch. Mit Worten kann ich nicht beschreiben, wie sehr ich Hipster hasse mit ihrem lächerlichen Kleidungsstil, ihrer bekackten „Fritz Kola“, ihren Kunstfilmen, ihrer Schusseligkeit, ihrer Arroganz, ihrer kompletten Inkompetenz in ALLEN Bereichen, ihrer beschissenen Musik!!

Ich meine, okay – jeder Mensch kann so leben, wie es ihm gefällt. Ich finde nur einfach nicht, dass Hipster Menschen sind!!!

Puh. Tief durchatmen.

Jedenfalls fühle ich mich hier wirklich nicht wohl, hatte ich mich eigentlich damit abgefunden, in dieser WG zu bleiben, bis ich mein Studium beende. Außerdem bin ich schon so oft innerhalb dieser Stadt umgezogen und habe schlicht und ergreifend keinen Bock mehr drauf!

Tja, und dann kam Kollege David und fragte mich, ob ich in seine WG ziehen will.

Mein erster Impuls war, sofort nein zu sagen, aus oben genannten Grund. David bat mich aber, wenigstens drüber nachzudenken und zeigte mir schließlich auch die Wohnung.
Und… wow. Altbau. Ein absoluter Traum! ALLES in dieser Wohnung ist der Hammer, aber ich sag nur: EINE BADEWANNE!! Ich kann kaum noch an was anderes denken!!!

Ich mach es kurz: Wegen der puren Großartigkeit der Wohnung, des kaum zu überbietenden Sympathielevels von David sowie seines Mitbewohners (der heißt leider auch David, wird zur besseren Unterscheidung allerdings Dave genannt) und dem bequemen Umstand, dass diese Wohnung sogar etwas billiger ist als mein schon sehr billiges WG-Zimmer, habe ich mich letztendlich entschieden, tatsächlich dort einzuziehen!

David war so glücklich, fast hätte er mich geheiratet. Sein aktueller Mitbewohner Nr. 2 ist nämlich ein absoluter Depp. Ich habe ihn nur kurz getroffen, aber sofort verstanden, was David an ihm stört. Der Kerl wirkt einfach creepy und ist zudem einfach komplett durch. Einer, der am Rande des Alkoholismus wandelt und sich fast das gesamte Hirn weggekifft hat.
Aber auch Dave mag mich total. Verstehe ich ehrlich gesagt nicht so wirklich. Er lernte mich erst durch David kennen und hört seitdem gar nicht mehr auf zu betonen, wie sehr er sich darüber freut, dass ich bei ihnen einziehe. Und seine Freundin sogar auch! Sie ist Feministin und war hin und weg, als sie hörte, dass ich auch eine bin. Wir wurden uns in der Kneipe vorgestellt und nachdem das geklärt war, drehte sie sich zu Dave und sagte mit zwei Herzchen statt Augen sowas wie: „Ich finde sie total super!“

Ist es doof, dass mich das irgendwie ein bisschen einschüchtert? Ich habe das Gefühl, als würden mich alle für viel toller halten, als ich bin, so dass sie unweigerlich enttäuscht sein werden, wenn ich erst einmal wirklich eingezogen bin 😦

Es wurde gar noch schlimmer. Als Johanna, Kollegin deux, hörte, dass ich mit David zusammen ziehe, fragte sie mich spontan, ob ich nicht bei ihr einziehen wolle, in ihrer WG würde nämlich auch ein Zimmer frei. Und Tim, mein Aerobicpartner, hat schon vor einem halben Jahr, als meine alte Freundin, deren WG-Partner er war, ausgezogen ist, angefragt, ob ich nicht bei ihm einziehen will.

Das ist ZU VIEL! Ich komme mit so viel freundlicher Aufmerksamkeit nicht klar! Das ist zu viel Druck! Wie soll ich so viel positive Erwartung jemals erfüllen! 😦

Wenigstens auf Moritz und Mattes war Verlass. Als ich ihnen sagte, dass ich ausziehen werde, war die Reaktion wahrlich unterwältigend. Offensichtlich war es ihnen ziemlich scheißegal. Naja, ich kann es ihnen nicht verdenken, mir wäre es nämlich genauso gegangen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich ziehe nächste Woche um! Und da ich jetzt schon in Tränen ausbrechen könnte, wenn ich daran denke, wie viel Arbeit noch vor mir liegt, gibt’s nächste Woche ein kleines Special, das drüber hinweg trösten soll, dass ich wenig Zeit zum Bloggen haben werde. Es bei mir in der gesamten nächsten Woche um Zeichentrickserien meiner Kindheit gehen! Ich hoffe, während ich zwischen Umzugskartons sitze und weine, bringe ich damit meine gleichaltrigen Leser zum nostalgischen Schwärmen, die älteren zum Kopfschütteln und die jüngeren zum Staunen.

Das wird übrigens ein ganz besonders krasser Umzug, da ich aufgrund akuter lahmarschiger Blödheit zu scheiße war, mich rechtzeitig um einen Umzugswagen zu kümmern. Jetzt hab ich keinen. Das wird ein Spaß!

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