Well, I don’t think this is a blogparade…!

Tja, ne. Komm ich mittwochs (ja, MITTWOCHS!!! Verklagt mich doch!) leicht angetrunken von einem Besuch von der Arbeit und will mich einfach nur noch ein bisschen durchs Internet klicken.

Und was seh ich da, mal wieder? Auf irgend so ner Maskulistenseite? Oder etwas, was sich dafür hält?

Klar: „Feminismus, Feminismus, Feminismus“. Oder wahlweise auch: „Frauen, Frauen, Frauen“. Und ich so: Meh, meh, meh.

Ich weiß nicht, warum mich das gerade so nervt. Eigentlich geht’s mir total gut. Super Abend gehabt, jetzt war der Plan eigentlich: noch was cooles lesen und dann schlafen gehen. Mir könnte das grad sowas von am Arsch vorbei gehen. Aber naja. Tut es nicht. Also muss es raus.

Ich habe ja schon mehrmals kritisiert, dass sich der Maskulismus meiner Meinung nach zu sehr am Feminismus abarbeitet, statt sich mal um existentielle Fragen rund um Männlichkeit zu kümmern. Nun könnte man einwenden, dass ich die Sache vielleicht zu, hm, feminin angehe. Zu emotional. Aber ich frage mich echt, ob es nicht Dinge, Fragen, Erfahrungen gibt, über die Männer sich gerne austauschen würden, über die ich aber trotzdem noch nie was auf maskulistischen Seiten (oder die, die sich dafür halten) gelesen habe?

Ich habe das schon so oft in meinem Leben erlebt: Da sitzt frau mit ein paar anderen Frauen zusammen und plötzlich dreht sich das Gespräch um die erste Menstruation. Oder überhaupt um Menstruation. Ein sehr, SEHR ergiebiges Thema. Und wenn ich so darüber nachdenke, was für ein Einschnitt meine erste Periode in meinem Leben dargestellt hat, wie sehr ich mir darüber einen Kopf gemacht habe, wie oft ich darüber in der BRAVO las – geht es Männern/Jungs nicht genau so? Klar, die menstruieren nicht – aber auch bei denen ist der Übergang zur Geschlechtsreife mit einem unverhofften Verlust an Körpersäften markiert. Stichwort: erster Samenerguss.

Vielleicht verdrehen jetzt einige die Augen. Vielleicht findet ihr es saublöd, dass ich mich frage, wie sich ein Junge wohl so fühlt, wenn er plötzlich morgens aufwacht und die Bettdecke an ihm klebt. Oder wie es ist, darauf zu warten, man sich vielleicht nicht normal fühlt, weil alle anderen in der Klasse schon „können“, nur man selber nicht – oder umgekehrt.

Der Feminismus beschäftigt sich ja nicht nur mit Sexismus. Nein, es geht ja auch um Weiblichkeit oder das, was darunter verstanden wird. Den weiblichen Körper, seine Funktionen etc.pp. Und da gibt es nun halt einige Baustellen. Die erste Periode (oder halt die Menstruation überhaupt) habe ich ja schon genannt. Was noch? Tja, Mutterschaft. Ist natürlich nur Müttern vergönnt (aber trotzdem – sind wir nicht alle dem Druck unterworfen, uns fortzupflanzen?). Dann diese vielen Fragen, die in der Pubertät erstmals auftauchen (und sich leider oft darüber hinaus retten). Das erste Mal und die Angst davor. Sind meine Brüste zu klein/zu groß/zu seltsam etc.? Findet er meinen Geruch/Geschmack eklig? Rasur, ja oder nein? Masturbation und die Scham, die damit einher geht? etc. etc.

Ja, vielleicht denke ich da grade zu *weibisch*. Aber sind das nicht alles tiefemotionale, da hochintime Fragen, die auch ein männliches Äquivalent haben? Und warum redet darüber keineR?

Was hindert X anonyme maskulistische Blogger daran, sich mal mit diesen durchaus persönlichen Themen rund um Männlichkeit zu beschäftigen? Sich auszutauschen? Ohne blöde Flapsigkeiten? Wo Frauen das doch auch so gut hinkriegen? Warum dieses Schweigen… oder diese Scham? Findet ihr das etwa alle völlig unwichtig? Übertrage ich hier meine ach so hysterisch-feminine Gefühlswelt auf Männer, die das gar nicht wollen oder was?

Ich will mich sicher nicht lustig machen. Aber folgende Fragen würden mich wirklich interessieren:

– Wie hast du deinen ersten Samenerguss erlebt? Wie waren deine Gefühle/Gedanken davor und danach?

– Wie hast du, gerade als Junge, Masturbation erfahren? Wie ist es heute? Hattest du Schuldgefühle etc.?

– Wie sind deine Eltern mit dem Einsetzen deiner Pubertät umgegangen? Wie hat sich das Verhältnis geändert?

– Was fühltest/dachtest du bei deinem ersten Mal?

– Hast du jemals mit deinem Körper gehadert bzw. dich unzulänglich gefühlt? Speziell auf intime Stellen bezogen? (hach, wie sie das Wort „Penis“ vermeidet… höhö.)

Hattest du, obschon (heute) heterosexuell, jemals erotische Gefühle zu einem männlichen Freund/Bekannten/Lehrer etc.? Wie war das für dich?

– Gibt es Dinge, die du dich nicht traust, gegenüber deiner Frau/Freundin/Sexualpartnerin anzusprechen?

Das sind alles Fragen, direkt abgeleitet und umgepolt aus meiner weiblichen Erfahrungswelt heraus und von Dingen, die ich erlebt/diskutiert/mit anderen Frauen thematisiert habe. Ja, vielleicht findet ihr das alle blöd. Vielleicht denkt ihr: FU mit dieser Gefühlsduselei. Aber naja – wenn bei solchen Themen immer so getan wird, als wärt ihr alles beinharte Kerle, die niemals auch nur über irgendwas in Bezug auf eure Männlichkeit nachgedacht habt, dann erwartet bitte keine Taschentücherschlacht, wenn ihr dann doch mal eine sensible Seite zeigt.

Mich würde es extrem beeindrucken, ein paar dieser Fragen beantwortet zu sehen. Gerade, weil sie völlig ohne irgendeinem Bezug zum Feminismus auskommen. Einen Maskulismus zu erleben, der sich tatsächlich mal nur mit Maskulinität auseinander setzt, wäre ja so wahnsinnig erfrischend. Aber naja. Es ist 8 Uhr morgens, ich war noch nicht im Bett, bin angetüdelt und daher ist das auch vielleicht ne Schnapsidee. Oder ein Schapspost. Hihi. Wie auch immer.

Absenden und kucken, was passiert. Ich vermute: nix.

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