Jakobsweg: 3. Etappe: Coll de la Panadella – Cervera (15,2 km)

Kilometer: 61,8

Heute Nacht hatte ich den schlimmsten Alptraum seit Monaten. Irgendwas mit schrecklichen Monstern aus einer lovecraft’schen Horrordimension, meinen Mitbewohnern, die ohne mich abgehauen sind und meinem Chef, der nicht kapiert hat, dass die Apokalypse gekommen ist.
Was Freud wohl dazu sagen wuerde? Wahrscheinlich irgendwas mit Penissen -.-

Jedenfalls, als ich mich aus dem Alptraum gekaempft hatte, musste ich leider aufstehen und das Licht im Bad anschalten. So blieb es die ganze Nacht. Kindisch, aber was soll man machen.

Ich kam wieder relativ schlecht aus dem Bett und war erst kurz vor 7 auf dem Weg. Dafuer kam ich endlich von der Nationalstrasse weg und durfte in einen Waldweg einbiegen.

Ich und mein Cape, äh, Schultertuch.
Ich und mein Cape, äh, Schultertuch.
„Wie huebsch,“ dachte ich gerade, als es penetrant anfing, nach faulen Eiern zu stinken. OMG, was ist denn das jetzt schon wieder. Sind die Legionen der Hoelle hinter mir her? (Info: Schwefel riecht nach faulen Eiern.) Ich konnte mir nicht vorstellen, woher so ein Geruch in einem WALD stammen konnte, aber nach ein paar Minuten war er auch schon wieder weg. Keine Ahnung, was das gewesen war – und ich werde es wohl auch nicht mehr rausfinden!

Der Weg war dann weiterhin sehr nett, bis ich nach ca. 4 km auf das Doerfchen Pallerols stiess. Dort bestellte ich ein Bocadillo mit Chorizo und Kaese. Ich rechnete mit einem belegten Brot, wie es sie bei uns beim Baecker gibt, stattdessen bekam ich zwei Haelften eines breiten, riesigen Baguettes, wovon die eine Haelfte mit Chorizo und die andere mit Kaese belegt war. „Enorme!“ konstatierte ich platt. Die Wirtin kuckte nur verwirrt.

Das macht satt.
Das macht satt.

Nachdem ich die Plastikhuelle vom Chorizo geknibbelt hatte (kein Kommentar) schmeckte es dann auch ziemlich gut. Und es machte sehr, sehr satt! 3,50 kostete es, worueber man sich wohl wirklich nicht beschweren konnte.
Leider musste ich in dieser Kneipe auch zum ersten Mal Zigaretten kaufen und feststellen, dass Spanien uns in dem Punkt fast eingeholt hat: 4,50 kosten sie inzwischen, bei gleicher Menge. Sehr schade 😦
Hinter Coll de Panadella
Hinter Coll de Panadella

Der Rest dieser kurzen (15,2 km) Etappe ging durch Ackerland und einige weitere kleine Doerfchen, in denen es betaeubend nach Kuhmist roch. In solchen Faellen bin ich froh, dass ich vom Land komme… Stadtkinder waeren bei einigen Abschnitten wahrscheinlich umgekippt.

Hier wich dann leider mein Pilgerfuehrer erstmals erheblich von der tatsaechlichen Streckenfuehrung ab. Laut dem Guide sollte es weiter geradeaus durch Ackerland gehen, waehrend ein Pfeil eindeutig nach rechts zeigte. Dort sah ich nichts als ein wenig niedergetrampelte Wiese. Aber natuerlich bog ich ein.
Die Wiese wich schnell einem trockenen, sehr mediterran wirkenden

Man beachte den Pfeil
Man beachte den Pfeil
Waeldchen, in dem es teilweise steil bergauf und wieder ab ging. Eigentlich sehr schoen! Da haben sie sich wohl in den letzten 6 Jahren eine bessere Alternative ausgedacht. Keine Ahnung, wie lang das letztendlich war, nach meinem Gefuehl hatte sich der Weg damit allerdings unwesentlich verlaengert. Doch das war auszuhalten.

Cervera ist nah
Cervera ist nah
Sowieso war es schnell genug vorbei und ich kam wieder auf den normalen Ackerweg. Vom letzten Dorf aus war es nur noch eine Dreiviertelstunde bis Cervera.
Dieses Staedtchen mit 7500 Einwohnern hat endlich wieder eine
Ein bisschen Folter vor dem Ziel...
Ein bisschen Folter vor dem Ziel…
Herberge, allerdings in einem Nonnenkloster, eine Oertlichkeit, in der ich nur ungern bleiben wollte (aus Gruenden), aber was soll man machen… In der Not schlaeft das Rotkehlchen bei den Pinguinen.

Ich fand die Herberge auch schnell und wurde von einer Frau, die aussah wie Gottes Grossmutter, begruesst. Sie trug keine Tracht und sah auch ansonsten einfach nur wie eine stinknormale spanische Omma aus. Sie schien mich sofort ins Herz zu schliessen und plapperte froehlich, aber ich verstand natuerlich kaum etwas.
Wann ich denn morgen losgehen wolle, fragte sie. „Seis,“ antwortete ich. Sie schuettelte den Kopf. Nein nein, sechs Uhr, das waere zu frueh, die Schwestern stuenden erst um 6 auf und waeren dann erst um halb sieben so weit, mir aufzuschliessen (denn eingeschlossen war ich, was mir gar nicht gefiel -.-), aber das waere ja auch gut, vale?
Ich fand das UEBERHAUPT nicht „vale“, denn ich wollte ja so frueh los, um meine immer noch sehr schlimme Allergie vor der Hitze zu schuetzen, aber sie einigte uns auf 6:30 Uhr mit befehlsgewohnter Stimme.
„Seis y media,“ sagte sie, „seis… y treinta.“ Sie wiederholte das sicherheitshalber noch ungefaehr achtmal, obwohl ich es schon beim ersten Mal verstanden hatte.

So'n bisschen 50er-Jahre-Mief.
So’n bisschen 50er-Jahre-Mief.
Das Zimmer war okay, das Bad auch. Nachdem 10 Euro den Besitzer gewechselt hatten (ja, diese Herberge kostete auch -.-) duschte ich. Inzwischen war es 4 Uhr – Zeit, endlich eine Apotheke zu suchen.
Zu diesem Zweck kehrte ich auf die Calle Major zurueck, die eigentlich nicht viel mehr war als ein Gaesschen, und wandte mich Richtung Plaza Major. Der allerdings voellig ausgestorben war.
Ich fuehlte mich, als waere ich mitten in „The Stand“ geraten. Ich irrte verstoert ueber den Platz. Keine Sau war auf der Strasse, alle Fenster verrammelt, alle Geschaefte geschlossen. In dieser Richtung hatte ich wohl kein Glueck…

Ich wandte mich also um und ging zurueck, und endlich begegnete ich einem menschlichen Wesen: Einem Typen, der gerade irgendwas in seinem Auto kramte. Ich stuerzte sofort auf ihn zu und fragte, wo die naechste Pharmácia waere. Er wirkte sofort besorgt. Es gaebe 4 Apotheken, aber davon waere nur eine auf, es ist ja Sonntag…
Damit hatte ich gerechnet, nicht allerdings mit dem, was als naechstes kam. Er verschwand und ging sein Smartphone holen, um online nach der Notapotheke zu kucken. Soweit, so normal (wenn auch sehr nett). Allerdings fand er nichts und schien sich darueber aufrichtig zu aergern. Schliesslich steckte er sein Smartphone weg, ging um sein Auto rum und bedeutete mir, einzusteigen. Er wuerde mich hinfahren, es waere zu kompliziert zu erklaeren.

Ich war verbluefft, aber erfreut, und nahm das Angebot gerne an!

Es ging dann tatsaechlich durch die halbe Stadt, erst zu einer Apotheke, die geschlossen war, aber die Adresse der Notapotheke im Schaufenster stehen hatte, dann zu eben dieser. Die war aber auch geschlossen. Nur eine Telefonnummer war hinterlassen.
Er waehlte sie. Inzwischen hatte ich ihm erklaert, was mir fehlte, und er hatte meine Allergie mit dem noetigen Mitgefuehl gemustert. Eben diese meine schreckliche Allergie schilderte er jetzt auch der Apothekerin am Telefon, aber die war knallhart: Ja, sie haette Notdienst, aber sie kaeme nur, wenn man ein Rezept haette.

Er legte angepisst auf und bedeutete mir, einzusteigen. Als naechstes ging es ins Krankenhaus.

Whaaaat?! dachte ich, aber der Typ zog seine Heldennummer echt durch! Er hatte mir erzaehlt, dass er selbst schon mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg unterwegs gewesen war, was seine Hilfsbereitschaft ein Stueck weit erklaerte. Er half mir, mich bei der Rezeption anzumelden und wartete mit mir auf den Arzt, der gluecklicherweise fast direkt Zeit hatte.
Im Behandlungszimmer fand ich es wieder mal ziemlich unglaublich, dass noch nicht mal spanische Aerzte eine Fremdsprache beherrschen. Bei uns braucht man zwei Fremdsprachen, um ueberhaupt Abitur machen zu duerfen, und in Spanien?!
Gluecklicherweise waren meine Symptome schnell erklaert, dazu musste ich nur ein Bein ausstrecken. Der Arzt redete dann ein bisschen, wovon ich nichts verstand, aber das wichtigste bekam ich mit, naemlich etwas, was sich nach „histamina“ und „cortisona“ anhoerte.
„Ah, si, entiendo,“ machte ich. Na, das ist ja mal leicht!
Er erklaerte mir dann noch, dass ich die Cortisonsalbe dreimal taeglich auftragen sollte. Die Histaminpillen sollte ich heute zweimal nehmen, morgen auch zweimal und ab dann jeweils eine Tablette taeglich, bis die Packung leer ist. „En la mañana, antes la comida,“ sagte er. „ANTES – LA – COMIDA.“
„Si, entiendo,“ sprach ich wieder, aber zur Sicherheit wiederholte er es noch ein paar Mal streng, nur fuer den Fall, dass ich ihn verarschte und doch nicht verstanden hatte.

Und damit war das dann auch erledigt. Josep, so der Name meines Helferleins, fuhr mich zurueck zur Apotheke. Dabei zeigte er auf die Rezepte. Seine Frau spraeche englisch, die koennte mir damit helfen. Aber ich beruhigte ihn, denn ich brauchte ja keine Uebersetzung! Als er dann hoerte, dass „histamina“ auf deutsch „Histamin“ heisst und „cortisona“ einfach „Cortison“, war er relativ platt.
Und dann erzaehlte er mir, dass seine Frau eine Schwester in Deutschland hatte. Ich traute meinen Ohren nicht. Die Schwester lebte nur 30 km von meinem Heimatort weg! Was ein Zufall! Allerdings kein ungewoehnlicher. Wo ich herkomme, sagt man: „Ueberall auf der Welt trifft man jemanden aus der Heimat.“ Und das hatte sich hier wieder bewahrheitet. Zumindest halbwegs!

Ich tauschte meine Rezepte um, verzichtete dafuer auf mein Aloe Vera (erstmal das ausprobieren, dachte ich) und Josep fuhr mich zurueck zur Herberge. Ich bedankte mich ueberschwaenglich und hupefte in mein Zimmer. Allein haette ich das niemals hingekriegt!!

Ich trug meine Creme auf, nahm eine Tablette und verrichtete meinen ersten Pflichtanruf bei meiner Mutter (die unglaublicherweise sagte: „Ach, bei Nonnen, da bist du ja gut aufgehoben.“).
Ich telefonierte vielleicht drei Minuten, als es an der Tuer klopfte. Es war die Schwester, die mich aufgenommen hatte. Was sie allerdings wollte, kapierte ich nicht – ich verstand nur „mujer“ und „abacho“, also „Frau“ und „unten“. Telefonierte ich vielleicht zu laut, fuehlte sich irgendjemand gestoert?
Sie wiederholte alles nochmal geduldig, und endlich fiel der Groschen: Eine Frau, unten, wollte mit mir sprechen. Oh Mann, was ist das denn jetzt? Werde ich der Mutter Oberin vorgefuehrt?

Ich beendete mein Gespraech und ging nach unten… wo Josep auf mich wartete. Samt Frau und Kind. Erstere stuerzte sofort auf mich zu. Sie war total aufgeregt, weil Josep ihr erzaehlt hatte, dass ich in der Naehe ihrer Schwester lebte. Wir redeten eine Weile und tauschten schliesslich Nummern. Ich solle sie JEDERZEIT anrufen, wenn ich in Spanien Probleme haben sollte. Sie wuerde im Dezember ihre Schwester besuchen, ob sie mich dann auch mal anrufen duerfte?
Wie haette ich da nein sagen koennen? Es waere bestimmt nett, Josep und seine Frau ein wenig rumzufuehren. Dann kann ich endlich mal Dolmetscherin spielen!

Bevor sie wieder gingen, bat ich sie um einen letzten Gefallen. Es passte mir immer noch nicht, dass ich erst so spaet aus der Herberge heraus durfte, und ich fragte, ob sie die Schwestern vielleicht umstimmen konnten. Ich hatte naemlich nicht das Gefuehl gehabt, dass sie kapiert hatten, warum ich so frueh los wollte.
Josep versuchte sein Glueck. Zuerst wehrten die Schwestern ab, aber als die, die mich empfangen hatte (inzwischen hielt ich DIE fuer die Mutter Oberin) verschwunden war, kam eine andere Schwester auf mich zu – die, die mir als Hueterin der Schluessel vorgestellt worden war. Sie war mindestens genauso alt wie die Mutter Oberin.
Sie stuende zwar erst um 6 auf, aber wenn ich um diese Zeit zur Tuer komme, koennte sie schnell ihr Schlafjaeckchen ueberwerfen und mir aufsperren, bevor sie sich fuer das Fruehstueck fertig machte. Sie kicherte bei dieser Vorstellung maedchenhaft.
Ich lachte mit. Diese winzige Regeluebertretung schien das rebellischste zu sein, was sie sich in den letzten 50 Jahren geleistet hat. Irgendwie goennte ich es ihr… und fand die Nonnen insgesamt eigentlich doch gar nicht so schlecht.

Damit war mein Tagwerk verrichtet. Spaeter kaufte ich mir einen

meh.
meh.
Doener, der, typisch fuer Spanien, mit einer Art Ketchup uebergossen war statt mit Knoblauchsosse (er war eher meh), dann konnte ich erstmals ins Internet. Mein erster Bericht wurde allerdings so lang, dass ich ihn nicht fertig bekam, bevor ich in die Herberge zurueck musste. Ich labere eindeutig zu viel!!

Morgen soll es wieder ein wenig weiter gehen, 26 km insgesamt. Noch bin ich am Ball! Und vielleicht bald wieder allergiefrei!

Wenn dir das gefallen hat und du mir helfen willst, meine Pilgerkasse ein wenig aufzubessern, kannst du mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen!

Jakobsweg: 2. Etappe: Jorba – Coll de la Panadella (15 km)

Kilometer: 46,6

Ich hatte mir gestern extra nicht den Wecker gestellt, weil mich der Abend so fertig gemacht hat. Ausschlafen war angesagt, vor allem, da ich schon vor dem ganzen Stress mit der Herberge beschlossen hatte, als naechstes eine kurze Etappe einzulegen. Meine Blasen sind naemlich ziemlich grossflaechig und von meiner Allergie will ich gar nicht erst anfangen!

Gluecklicherweise war es heute bewoelkt und fuer spanische Verhaeltnisse recht kuehl, so dass ich meine Hose lang lassen konnte. Der Ausschlang an den Beinen war naemlich so feuerrot und brannte so hart, dass ich es nicht wagte, ihn noch weiter der Sonne auszusetzen (die ab und zu mal durch die Wolken schaute). Ich muss dringend in die naechste Apotheke und richtiges Aloe-Gel kaufen, aber bei meinem heutigen Tagesziel werde ich da kein Glueck haben.

Also noch einen Tag durchhalten. Ueberhaupt mal aufstehen. Das ging schwerer als gedacht, der erste Tag hatte mich wohl doch ziemlich geschafft. Erst gegen sieben quaelte ich mich aus dem Bett und packte.
Vor der Herberge rauchte ich erst noch, bevor ich los ging… und da kamen mir die Spanier entgegen. Diese Tuer-nicht-Oeffner. Oh Mann, hatte ich immer noch eine Wut!!
Sie begruessten mich froehlich, aber ich fragte direkt unterkuehlt, warum sie mir gestern nicht aufgemacht hatten, als ich klingelte. Ihnen fiel alles aus dem Gesicht. Nein, sie haetten die Tuer nicht geschlossen, ueberhaupt waeren sie ja gar nicht da gewesen, weil sie bis ein Uhr saufen waren (aha, SOLCHE Pilger sind das!)… ob der Hospitalero mir denn keinen Schluessel gegeben haette?
„No,“ erklaerte ich angepisst, aber doch etwas besaenftigt. Ich glaube zwar IMMER noch, dass sie hinter sich abgesperrt haben, aber wenigstens haben sie mein Klopfen nicht einfach ignoriert.

Damit war das Kapitel erledigt. Spaeter, auf dem Weg, fuhren sie mit Raedern an mir vorbei, weshalb ich sie wohl nicht wiedersehen werde.

Der Weg, tja. Ich kann es nicht beschoenigen: ungefaehr 13 von 15 km war es reine Nationalstrasse. Die war zwar fast gar nicht befahren und ich hatte genug Platz auf der Fahrradspur (die hatte ich komplett okkupiert, nachdem ich gemerkt hatte, dass alle Radfahrer die Strasse benutzten), aber huebsch ist ja doch anders, ne?
Nur zweimal kam ich durch kleine Doerfer, aber dort war fast nichts los. Zuerst erreichte ich jedoch einen Rastplatz an der Nationalstrasse, wo ich mein taegliches Cola zum Fitwerden und -bleiben trank.
Nachdem das leer war, nahm ich die Eiswuerfel, die noch uebrig waren.

Spanien fun fact 4: In Spanien benutzt man keine Eiswuerfel, sondern massive, riesige Brocken. Kann je nach Glasgroesse das Trinken erschweren, aber sie halten Getraenke auch bei spanischer Hitze lange frisch!

Ich krempelte mein Hosenbein hoch und presste sie gegen die Stelle auf meiner Haut, die am rotesten war. Es schien sofort zu verdampfen -.-

Der Rest des Weges war unspektakulaer. Wie gesagt, nur Strasse. Total langweilig. An einer Stelle schienen sie sich zwar eine Alternative durch eine parallel laufende Allee ueberlegt zu haben, aber ich konnte sehen, wo dieser Weg wieder in der Nationalstrasse muendete, also blieb ich einfach direkt drauf. DIE zwei Minuten mehr auf dem Asphalt sind jetzt auch egal -.-

Als ich Coll de la Panadella erreichte (sehnsuechtig, denn inzwischen war es doch heiss geworden), sprang mein Ipod passenderweise zu End of Green: „Its the end…“ Und ich dachte: „Yeah!“
(weiter gehts uebrigens mit: „…one big smile before you dance with the dead…“ Das machte mir ein bisschen Angst.)

Auch in diesem Kaff, das eigentlich nur eine Ansammlung von Raststaetten an der Nationalstrasse ist, die seit dem Bau der Autobahn kaum noch befahren wird, gibt es keine Herberge. Ich musste also wieder viel mehr Geld ausgeben, als ich geplant hatte, und in ein Hostal gehen.
Dort war das dazu gehoerige Restaurant gerammelt voll. Ich wurde schockiert angestarrt, als ich, verschwitzt und pappig wie ich war, reingestiefelt kam.
Ein Kellner (es gab ungefaehr hundert, und alle ueber vierzig) bedeutete mir, zu warten. Mir taten die Fuesse ja nicht weh (keine Ironie!), deshalb ging das in Ordnung.
Ein Kellner zeigte auf mein Superman-Shirt und fragte lachend, ob ich denn her gewandert oder geflogen sei (haha…). Ein anderer wollte leicht angepisst wissen, ob ich denn keine Sonnencreme haette, mein Gesicht waere ja so rot!! Ich wollte ihm sagen, dass Gesichter nun mal rot anlaufen, wenn geschwitzt wird, aber das ging ueber meine Sprachkenntnisse und er war auch sowieso schon wieder weg -.-

Nach 20 Minuten wurde mir ein Schluessel ueberreicht. Ein Einzelzimmer fuer 21 Euro – Pilgersonderpreis. Naja, darueber darf man sich wohl kaum beschweren -.-

Eigentlich war es sogar ein Doppelzimmer, aber das zweite Bett blieb heute nacht dann halt unbelegt. Ein eigenes Bad, sogar mit Badewanne!! Allerdings ohne Stoepsel, daher nutzlos.
Ich war trotzdem ganz zufrieden und streckte mich erstmal aus.

Essen war ein Problem, da dieses Hostal mir eindeutig zu teuer war. Geschaefte gab es allerdings nicht wirklich – nur Tankstellen. Also musste ich mir dort was zusammen suchen. Mein Abendessen bestand demnach aus Brot, Chorizo und Streichkaese, wobei ich den Chorizo mit einer rumstreunenden Katze teilte. Allerdings nur ein bisschen… Chorizo ist so stark gewuerzt, das ist sicher nicht gut fuer Katzen oder Tiere allgemein.
Ihren dicken Zitzen nach zu urteilen, schien sie gerade Kaetzchen zu haben. Da blutet mir ja sofort das Herz. So schoen ich Spanien auch finde, aber wie das Land mit seinen Haustieren umgeht ist einfach zum Brechen. Ich glaube, waehrend meiner gesamten Spanienaufenthalten habe ich keine einzige Katze gesehen, die wirklich gesund ausgesehen hat. Rote, tropfende Augen, abgemagert, struppiges Fell… das ist einfach so falsch. Wobei es den Katzen, die wie diese Katzenmama noch in der Wildnis unterwegs sind, sogar fast noch besser geht als den Hauskatzen. Ihre Hunde scheinen die Spanier ja noch halbwegs zu moegen, aber Katzen sind wohl nur Platzverschwendung.

Sie lief dann irgendwann, als sie keinen Chorizo mehr bekam, einem Vogel hinterher und ich hoffe, sie hat ihn erwischt. Armes Kaetzchen 😦

Und viel mehr ist heute dann auch nicht mehr passiert. Nach dem Essen habe ich mir auf meinem persoenlichen Fernseher Tom und Jerry angesehen (das war sogar englisch!) und bin dann eingeschlafen, was nicht gut ist, weil es schon recht spaet war fuer einen Mittagsschlaf. Dafuer gewitterte es schon wieder (das tat es naemlich schon waehrend meiner Fahrt nach Montserrat), als ich wieder wach wurde.
Mich beschleicht so langsam das Gefuehl, dass Spanien auch einen ziemlich schlechten Sommer abgekriegt hat. Nur aeussert sich das hier natuerlich anders und ist fuer die Leute an sich vielleicht gar nicht mal so mies.

23 Uhr, dringend Zeit zum Schlafen. Morgen ist zwar eine Etappe dran, die genauso kurz ist (eigentlich waere die Etappe von heute und von morgen eine einzige gewesen, aber tja), aber viel spaeter sollte man auf dem Jakobsweg nicht ins Bett.

Oder jedenfalls ich nicht, wenn ich nicht wie ein Zombie ueber den Camino schleichen will.

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Jakobsweg: 1. Etappe: Montserrat – Jorba (31,6 km)

Kilometer: 31,6

Direkt zu Anfang eine spek-ta-ku-laer-e Etappe… aber der Reihe nach 😉

In meinem Zimmer bei offenem Fenster schlief ich supergut, bis um

Guten Morgen!
Guten Morgen!
halb 6 der Wecker klingelte. Wie ueblich, dauerte das Packen doch etwas laenger, so dass ich erst um kurz vor halb 7 den Schluessel abgab und losmarschierte.
Das ist katalanisch!
Das ist katalanisch!
Nach kurzer Orientierung fand ich dann auch den richtigen Weg. Es ging einen schoenen Waldweg hoch, waehrend langsam die Sonne aufging. Idylle pur! Aber schon bald ging es steil runter zur
Der erste Pfeil!
Der erste Pfeil!
Nationalstrasse.

Nun hassen viele Pilger das Wandern auf Strassen, aber ich fand, die megakrasse Umgebung entschaedigte dafuer wirklich mehr als genug. Die Felsformationen! Wartet nur, bis ihr die Fotos seht. Und Autos gab es auch fast keine (vielleicht eines alle Viertelstunde).

Einfach nur richtig hübsch!
Einfach nur richtig hübsch!

Es war noch recht kuehl, versprach aber, ein sonniger Tag zu werden. Ich fuehlte mich irgendwie rundherum wohl. Nach einer Stunde zwickte zwar mein Ruecken etwas, aber ich machte 5 Minuten (Zigaretten)Pause, in der ich auch meine Hose kuerzte, und danach war es wieder gut. Seitdem hat er sich auch nicht mehr gemuckt.
Eigentlich ueberrascht mich das gar nicht so sehr. Meine orthopaedischen Probleme bezogen sich auf einen Bereich in der Mitte, im Kreuz, waehrend mir beim Wandern immer nur die Schultern weh tun. Wobei sich auch das in Grenzen hielt. Wie viel doch 2 Kilo weniger ausmachen koennen!
Vielleicht hilft der Rucksack ja sogar, weil er meinen Ruecken stabilisiert. Praktisch wie ein Korsett. Keine Ahnung. Jedenfalls habe ich keine Rueckenprobleme! Und ich dachte, solange ich keine ruckartigen Bewegungen mache, bleibt das bestimmt auch so (aber dazu spaeter mehr…).

Ich folgte der Strasse fast 10 Kilometer lang, dann erreichte ich das erste Dorf, in dem es eine Bar gab. Ein sehr sauberer, gefegter Hof mit Weinranken oder sowas. Ein absoluter Traum! Also Zeit fuer die erste richtige Pause.
Ich bestellte Tortilla (ENDLICH!) und ueberforderte die nette aeltere Kellnerin voellig damit, dass ich ZWEI gruenen Tee bestellte und nicht nur einen. Damit wollte ich eine persoenliche Reisekrankheit angehen, die mich immer ueberfaellt, sobald ich auch nur woanders schlafe. Wenn ihr versteht, was ich meine.

Sie deckte am Tisch fuer zwei ein, brachte den Tee und kam wirklich gar nicht damit klar, dass ich direkt zwei trinken wollte. Keine Ahnung, was die wohl gedacht hat… erklaeren konnte und wollte ich es ihr nicht!
Leider war der Tee nicht gruen. Ich kann mir auch sonst nicht vorstellen, worum es sich dabei handelte.

Spanien fun fact 1: Es gibt in Spanien Tee, der heisst einfach nur „té“. Sehr geheimnisvoll. Koennte Schwarztee sein, aber ich koennte es nicht beschwoeren!
Spanien fun fact 2: Tee heisst auch „infusión“. Falscher Freund Alarm!!

Groß!
Groß!
Die Tortilla war dann auch nicht das, was ich erwartet habe (naemlich eine Tortilla española, sprich, eine mit Kartoffeln) sondern ein schnoedes Omlett (Tortilla francesa) auf der weltgroessten Scheibe Brot. Naja, schmeckte trotzdem!
Hier wurde ich von ein paar anderen Gaesten (die Wein tranken – es war immerhin schon 10 Uhr in der Frueh!) zum ersten Mal gefragt, ob ich WIRKLICH „sola“ unterwegs bin. Es sollte nicht das letzte Mal sein…

Ich nutzte die Pause zur weiteren Etappenplanung. Nicht, dass es auf dem camino catalán viel zu planen gibt, dafuer fehlen leider die Herbergen. Aber an diesem ersten Tag hatte ich immerhin die Moeglichkeit, nach 24,6 km in Igualada zu uebernachten oder doch weiterzugehen bis nach Jorba, wie es mein Pilgerfuehrer empfahl.
So viel habe ich gepredigt ueber „sich in den ersten Tagen nicht ueberanstrengen“. Aber meine nackten Fuesse (man soll die Schuhe waehrend der Pausen nicht ausziehen, weil dann die Fuesse anschwellen und man nicht mehr reinpasst – das ist mir aber scheissegal ^^) fuehlten sich noch voellig okay an, so wie ich mich ueberhaupt sehr fit fuehlte, also beschloss ich spontan, doch bis nach Jorba zu gehen! Auf dem Camino del Norte bin ich ja auch zweimal 27 km am ersten Tag gegangen – mit teils erheblichen Steigungen!

Ich beendete meine Pause und ging weiter, doch inzwischen hatte sich die Umgebung leider zu ihrem Nachteil veraendert. Es war immer noch ziemlich flach, aber das Panorama war laengst nicht mehr so beeindruckend und leider rueckte auch die Autobahn immer naeher. Zeit, meinen Ipod auszupacken.

Doch ganz nette Aussicht neben der Autobahn
Doch ganz nette Aussicht neben der Autobahn

Ich kam durch ein sehr nettes Dorf, in dem ich spontan die Apotheke enterte. Meine Fuesse fuehlten sich zwar sehr okay an, aber Arnikasalbe hatte mir letztes Jahr praktisch das Leben gerettet, also war es wohl gut, doch welche vorsorglich zu kaufen.
Es war noch eine andere Kundin da, die mich interessiert musterte und wissen wollte, wo ich her kam. Also, gebuertig.

Und das war leider eine Situation, vor der ich mich ein bisschen gefuerchtet hatte. Mir ist letztes Jahr mehrmals aufgefallen, wie die zuvor freundlichen Gesichtszuege der Fragenden versteinerten, wenn ich sagte, dass ich Deutsche bin. Dabei kann ich nichts fuer die Finanzkrise, genauso wenig, wie der normale Spanier (oder der normale Grieche) etwas dafuer kann. Aber das zu erklaeren, geht leider ueber meine Sprachkenntnisse.
Ich log also, sagte „austria“ und hoffte, dass die Leute den Unterschied kennen. Kannten sie. Puh. Trotzdem fuehlte ich mich ganz schoen feige -.-

Ich bekam also meine Arnikasalbe und ging weiter. Inzwischen war die Hitze doch relativ krass geworden, auch wenn wenigstens noch ein frischer Wind wehte. Inzwischen ging es praktisch nur noch ueber Asphalt.
Unter einer Bruecke lief ich durch ein bisschen halbfesten Matsch, weil ich das fuer eine gute Idee hielt. Wie schon gesagt… duenne Gummisohlen und Asphalt sind eine schlechte Kombi. Ich stellte mir vor, dass der Matsch meine Sohlen abkuehlte, was er auch tat. Das muss ich mir merken, dachte ich.

Davon abgesehen hatte ich immer noch keine Probleme. Ich war voellig euphorisch, dass es bis jetzt so gut klappte, vor allem auch deswegen, da meine Beine noch nicht die Spur der Sonnenallergie zeigten, die mich immer in Spanien befaellt. In Deutschland kriege ich nicht einmal Sonnenbrand, aber hier geht es gleich mit Ausschlag los!
Als ich die Inspektion meiner Beine zu meiner Zufriedenheit abgeschlossen hatte, fiel mein Blick auf meine Arme… und DA sah es leider ganz anders aus. Pusteln! Och nee!

Ich kramte mein Tuch heraus, das ich extra fuer diesen Fall gekauft habe, und schlang es mir um meine Schultern. Damit sah ich noch ne Ecke bescheuerter aus, aber das war mir egal.

Ich lief inzwischen auf ein Industriegebiet zu. Zuvor bemerkte ich am Strassenrand aber noch mehr Matsch, auf den ich arglos meinen Fuss setzte.
Leider war es kein stinknormaler Matsch, sondern Schlick -.-
Ich trat in den knoecheltiefen Schlamm, voellig ohne Widerstand, rutschte aus und landete mit dem zweiten Fuss und meinem Hintern auch noch drin. So viel zu „keine komischen Bewegungen machen“!
Irgendwie wuehlte ich mich wieder raus und sah entsetzt an mir herab. Ich war bis zu den Knien voller grauen Schlamm! Wie unendlich peinlich! Und so richtig, richtig idiotisch!!!

Kreisch!!!
Kreisch!!!

Ich humpelte in den naechsten Schatten mit Schuhen, die ploetzlich drei Tonnen wogen. Zuerst versuchte ich das Zeug mit Taschentuechern zu entfernen, aber meine Haende waren ebenfalls dreckig, also nahm ich die -.-
Gluecklicherweise hatte mein Rucksack fast nichts abbekommen, aber ICH sah aus wie Sau. Meine Schuhe waren kaum noch zu erkennen. Nochmal: Wartet nur, bis ihr die Bilder seht!!
Ich vergeudete zwei Taschentuecher und einen grossen Schluck Trinkwasser, um meine Haende sauber zu kriegen, bis mir einfiel, dass mein Hintern ja auch noch dreckig war -.-
Nicht wirklich besser -.-
Nicht wirklich besser -.-

Danach half alles nix: Ich musste weiter. Igualada war auch nicht mehr fern, dort koennte ich mich setzen und auf den Schock erstmal eine rauchen!
Leider war der Weg in die Stadt schwerer als der gesamte Weg davor. Das einzige, was noch haesslicher ist als ein Industriegebiet, ist ein Industriegebiet im Sommer bei flirrender Hitze. Denn ja, so langsam schaffte die Hitze mich doch!
Es waren nur zwei oder drei km bis in die Stadt, aber ich musste zwischendurch Pause machen, um nicht zusammen zu klappen. Ich hatte kaum noch Wasser und musste dringend aufs Klo (das ist immerhin positiv – heisst, ich trinke genug, anders als letztes Jahr), also musste es weiter gehen.
Dabei merkte ich dann auch, dass mein linker Fuss nach den paar Minuten Pause vernehmlich zu schmerzen angefangen hatte. Ueberhaupt – nicht – gut, war das doch der Fuss, der mir letztes Jahr solche Probleme bereitet hatte. Und kurz vorher hatte ich noch drueber nachgedacht, ob es wohl schaedlich ist, Arnikasalbe praeventiv aufzutragen (es ist nur ne Pflanze, aber eben auch Arznei!). Na, DAS Problem hatte sich damit erledigt.

Aber der Schmerz liess beim Gehen nach, was meine Sehenentzuendung letztes Jahr definitiv nicht getan hatte, also noch kein Grund zur Panik. Ich entlastete meinen Fuss trotzdem ein wenig mit meinem Stock und blickte mich sehnsuechtig nach einer Bar um.
Kurz darauf fand ich auch eine, aus der mit voller Lautstaerke schlechte Clubmusik erschallte (offensichtlich stehen die Spanier auf so einen Scheiss), aber das war mir egal. Ich stuerzte mich auf meine Cola, die, wie in Spanien so oft, in der Dose serviert wurde, was ich hier in Deutschland sehr vermisse!!

Inzwischen war die Mittagshitze auf dem Hoehepunkt. Ich fragte mich, ob ich nicht einfach hier bleiben sollte, obwohl mir die Stadt ueberhaupt nicht gefiel. Andererseits haette ich auch auf der Stelle einschlafen koennen, daran aenderte auch die Cola nichts (und die zweite uebrigens auch nicht).
Ich rang mit mir, dann nahm ich eine Vierteltablette Coffein. Das moechte ich in Grenzen halten, aber es ging einfach nicht anders.

Ich hatte entschieden: Ich bleibe hier. Laut Pilgerfuehrer gab es zwar keine Herberge, aber dann wuerde ich mich halt in einem billigen Hostal einmieten. Da koennte mir die Touristeninfo bestimmt helfen.
Ich fragte den Wirt, ob diese am Plaza Major zu finden sei, doch der hatte offensichtlich nicht die geringste Lust, mir zu helfen. Er meinte „sí“, doch an jenem Platz angekommen konnte ich nichts entdecken.
Dafuer gab es da einen der vielen oeffentlichen Brunnen.

Spanien fun fact 3: In jeder Stadt, ja, in fast jedem noch so kleinen Doerfchen, gibt es Brunnen mit Trinkwasser. Waehrend in Deutschland kaum ein Brunnen trinkbares Wasser fuehrt und das, sollte es der Fall sein, deutlich gekennzeichnet ist (ich glaube, das habe ich in meinem ganzen Leben erst zwei oder dreimal gesehen), ist es in Spanien genau umgekehrt: Wenn es nicht trinkbar ist, steht es dran („no potable“), aber das habe ich auf zwei Jakobswegen noch nie erlebt. Ansonsten kann man davon ausgehen, dass es geniessbar ist. Und eben total oeffentlich. Das finde ich extrem sozial!

Darauf hatte ich gehofft. Endlich konnte ich meine Beine entschlammen (es kamen Waden zum Vorschein, die nun auch deutliche Anzeichen von Sonnenallergie zeigten -.-). Und da beschloss ich spontan, doch weiter nach Jorba zu gehen. Die Strassen waren schattig, ein Typ hatte mir gerade im Vorbeifahren das erste „buen camino!“ dieses Jakobsweges zugerufen und das Coffein kickte wohl auch endlich rein. 8 km mehr? Bitch, please! Das schaffe ich!

Ich schlaengelte mich durch kuehle Gassen und suchte erstmal die naechste Apotheke. Schon wieder. Dieses Mal, um Aloe-Vera-Gel fuer meinen Ausschlag zu kaufen. Es gibt nichts besseres!
Die Apothekerin hatte das Gewuenschte sofort zur Hand, aber der Rest bereitete Probleme. Ich brauchte naemlich noch eine Kanuele, weil ich inzwischen doch Blasen hatte und keine Nadel zur Hand, um sie aufzustechen.
Es ist nicht so, dass ich sie vergessen haette… Ich habe daran gedacht, war dann aber einfach zu faul gewesen, zuhause eine zu suchen! Das raechte sich jetzt. Ich hatte keine Ahnung, was „Nadel“ oder „Kanuele“ auf Spanisch heisst!

Aber ich hatte mir eine tolle Phantomime ueberlegt. Zuerst zeigte ich auf meine Hand. „Pie,“ – Fuss. „Mucho caminar,“ sprach ich und ahmte Gehbewegungen nach. Dann deutete ich ein kugelfoermiges Etwas an. „Au, au!“ Ich nahm eine imaginaere Nadel zwischen Daumen und Zeigefinger der anderen Hand und stiess zu. „Pfft!“
Ich haette mit der Nummer in Las Vegas auftreten koennen! Aber die Tussi verstand kein Wort. „Ampollas? Compeed?“ Sie zeigte auf das Genannte, aber ich schuettelte den Kopf (wenigstens wusste ich so wieder, was „Blase“ auf spanisch heisst!).
Wir unterhielten uns noch ein wenig mit Haenden und Fuessen, aber ich konnte es ihr nicht begreiflich machen, bis ihr Chef auftauchte, ein Typ um die Sechzig. Der trug ein Namensschild, und darauf – eine Spritze! Leider ohne Nadel.
Ich zeigte aufgeregt dahin, wo die Nadel gewesen waere, waere sie denn da. „Este parte!!“ Was die Tussi leider immer noch nicht checkte. Dafuer aber ihr Chef! Er brachte mir sofort eine Kanuele, die ich nicht mal bezahlen musste.

Beschwingt verliess ich mit Kanuele und Aloe Vera die Apotheke und marschierte weiter. Kurz darauf schenkte mir eine Kellnerin aus einer Kneipe, an der ich vorbei ging, ungefragt eine Flasche Wasser. Eiskalt! Und ich happy!

So euphorisch sind die 8 km nix! – dachte ich, dann blieb ich wie angewurzelt stehen. Vor mir auf der Strasse: Ein gelbes Kaestchen mit einem „A“ drin, das caminouebliche Zeichen fuer „Albergue“, Herberge, und ein Pfeil nach rechts.
Und hier schmiss ich meine Plaene WIEDER um. Wenn es jetzt doch eine Pilgerherberge gibt, dann schlafe ich halt doch hier! Mein Pilgerfuehrer ist dahingehend leider etwas veraltet.

Ich machte mich auf die Suche, bald tatkraeftig unterstutzt durch einen Polizisten, der mich bis vor die Herbergstuer fuehrte und noch weiter, bis zu einem Altenheim, wo ich mich anmelden musste.
Die Hospitalera (endlich jemand, der ein wenig Englisch konnte!) sagte: „15 Euros.“ Und ich so „Whaaat?!“
Fuer eine Pilgerherberge ein happiger Preis, das sa sie selbst ein. Die Herberge in Jorba sei kostenlos, versicherte sie mir. So berichtete es auch mein Pilgerfuehrer, der ausserdem schrieb, es handelte sich nur um ein Notquartier in einer Turnhalle.
Naja… aber umsonst. Ich bedankte mich also und machte mich wieder auf dem Weg.

Die schlimmste Mittagshitze ist vorbei, dachte ich, denn es war inzwischen fast 5 Uhr. Das stimmte schon. Leider geht man aber auf dem Jakobsweg immer nach Westen, wodurch mir die Sonne nun direkt ins Gesicht schien, und das war eigentlich schlimmer.
Ich zog mein Basecap tief ins Gesicht und biss die Zaehne zusammen. Von meiner neuerwachten Energie war schnell nicht mehr viel uebrig, aber ich schaffte es trotzdem irgendwie nach Jorba.

Es gab eine gute Nachricht: Das Dorf hat inzwischen eine richtige Herberge und keine Notunterkunft in der Turnhalle mehr. Die schlechte Nachricht dagegen: Es kostete jetzt 10 Euro.
Ich war voellig fassungslos. War ich jetzt noch 8 km gegangen, nur um 5 Euro zu sparen!? Aber ich musste natuerlich zaehneknirschend akzeptieren.
Eigentlich wollte ich den netten Hospitalero noch nach Internet fragen, aber mein Kreislauf sackte weg, also legte ich mich erst einmal aufs Bett (ich war wieder allein) und daemmerte weg.
Im Halbschlaf hoerte ich einen weiteren Pilger ankommen und dachte „oh nee“. 10, 20, auch 100 Pilger – kein Problem, aber einer? Womit wir nur zu zweit waeren? Das ist unangenehm. Und irgendwie peinlich.

Gluecklicherweise waren es drei Pilger, Spanier, die vom Hospitalero in einem anderen Zimmer untergebracht wurden, obwohl in meinem Zimmer noch Platz war. Sehr luxurioes!

Als ich wieder halbwegs bei Bewusstsein war, entschied ich, endlich etwas gegen meine Allergie zu tun. Ich packte also das Aloe-Zeug aus und schmierte es auf mein Bein.
Dabei wunderte ich mich, dass es so gar nicht klebte und auch nicht stank, wie das bei Aloe sonst der Fall ist. Aber ein genauerer Check der Packung zeigte mir auch warum: Auf der Flasche prangte zwar stolz eine Aloe-Pflanze, aber das Zeug war schnoede Feuchtigkeitscreme! Die Tussi hatte mir stinknormale Bodylotion angedreht!! Und dafuer hatte ich SECHZEHN EURO bezahlt!!!!!

Ich koennte die Frau immer noch erwuergen, aber was sollte ich machen? Ich schmierte halt davon was drauf, schaden konnte Feuchtigkeit ja nicht. Der Ausschlag tat allerdings hoellisch weh und brannte.

Egal. Ich hatte Hunger. Leider war es inzwischen halb 9 und damit hatte der Supermarkt zu, die Baeckerei allerdings nicht (das muss man sich mal vorstellen!). Ich kaufte ein Broetchen und eine franzoesische Salami (was witzig ist, wenn man drueber nachdenkt). Etwas karg, aber leider das einzige, was die Baeckerin hatte.

Gegenueber der Herberge liess ich mich nieder und kaute mein Essen. Es warf mich nicht sonderlich vom Hocker, aber von irgendetwas muss ja die Energie kommen…
Fuer diesen Tag war ich allerdings voellig bedient, deshalb rauchte ich nur noch eine nach dem Essen und humpelte dann zur Herbergstuer.
Die verschlossen war.

Ich klingelte und wurde immer fassungsloser, als niemand antwortete. Wo war der Hospitalero? Wo die bloeden Spanier? Hatten DIE etwa die Tuer zugesperrt, als sie reingegangen sind!? Aber warum machten sie jetzt nicht auf?

Leider war ich mir gar nicht sicher, ob die Klingel ueberhaupt funktionierte, weil ich nichts hoeren konnte, also musste Hilfe her. Ich betrat die Bar 5 Meter weiter und sprach die Wirtin an. „Perdone, nesicito un poco ayuda. Soy una peregrina, pero el albergue es cerrado…“
Sie hoerte sich das an, fragte, ob ich ein Handy haette (hatte ich nicht, lag ja alles in der Herberge!), nickte dann einmal kurz und machte den Abflug.

Kommt bestimmt gleich wieder, dachte ich. Ich hielt mich derweil an der Theke fest.
Aus dem „gleich“ wurden letztendlich 15 Minuten, in denen sie umherschlurfte, in Zeitlupe Bier zapfte und mich voellig ignorierte. Das war jedenfalls mein Gefuehl. WOLLTE die mir wohlmoeglich gar nicht helfen?
Ich war so muede und fertig und daher tatsaechlich kurz davor, sie das auch wirklich zu fragen, als sie schliesslich DOCH wieder zu mir kam und mir ein Handy sowie eine Telefonnummer hinlegte.
Das war wiederum etwas ungluecklich. Sie hatte doch gehoert, dass ich kaum spanisch spreche… Aber meine Guete, ich will ins Bett, also los…

Ich mache es kurz: Ich verstand ueberhaupt nichts. Ich sagte meinen Spruch und sonst kam von mir nur noch „NO HABLO ESPAÑOL!!!“ – in stetig hoeherer Lautstaerke. Das hinderte den Hospitalero nicht, einfach im selben Tempo weiter zu labern.
Ich blickte mich, das Handy am Ohr, suchend um, und war kurz vorm Amoklaufen, als ein Typ neben mir winkte und das Handy nahm. Er laberte kurz mit dem Hospitalero, dann legte er auf und beriet sich mit der Wirtin. Dann bedeutete er mir, mitzukommen.
Auf der Terasse bot er mir einen Platz an, redete in spanischer Kindersprache zu mir und irgendwann hatte ich dann auch kapiert, dass der Hospitalero wohl noch ne Weile brauchen wird. Einfach unglaublich!

Es folgten EINEINHALB STUNDEN pure Folter. Ich war so muede und war ueber 12 Stunden unterwegs gewesen… warum musste sowas jetzt passieren!?
Der Typ, ein Mittsechziger, gab sich alle Muehe, mich zu beruhigen. Der war sowieso voll im Chillmode. Ein richtiger Althippie. Sagte „Namaste“ statt Danke und ass seinen Salat, als wuerde er einen heiligen Akt vollziehen. Wenn wir uns haetten richtig unterhalten koennen, waere es vielleicht sogar ganz nett geworden!
Er bestellte mir Kaese und Cracker und ich ass sie, nur um was zu tun zu haben, denn Hunger hatte ich keinen mehr (waehrend meiner ersten Tage auf dem Jakobsweg sowieso selten – ich glaube, da ist mein Koerper noch in Schockstarre). Ich war schon am Heulen. So viel zu „Der Camino bringt jeden zum Weinen“!
Je spaeter es wurde, desto irrealer fand ich die gesamte Situation. Wo waren die Scheissspanier? Warum oeffneten sie nicht? Und warum bewegt sich der Hospitalero nicht endlich her?
Ich musste kurz lachen. Ich hatte ihn vorher gefragt, wie lange er da sein wuerde und er hatte leicht spoettisch geantwortet: „I live here!“ – Tja, und was hab ich davon, wenn er nicht DA ist!?
Ich erzaehlte dem Hippie stockend, dass ich eigentlich vorgehabt hatte, in Igualada zu bleiben und nur hier her gekommen bin, weil ich dachte, es sei umsonst, es aber doch nicht umsonst war, und er nickte teilnahmsvoll. Er schien einer der wenigen Spanier zu sein, der 1. auch grammatikalisch nicht-einwandfreies Spanisch versteht und 2. kapiert, warum ich das Praesens benutze, obwohl ich offensichtlich von der Vergangenheit labere.

Es war inzwischen nach 11 und mich fror in meiner kurzen Hose langsam. Das merkte der Hippie und fragte mich, wo mein Rucksack ist. „Na, in der Herberge!“ antwortete ich. Und da schien er erstmals zu kapieren, dass ich nicht gerade angekommen bin, sondern schon laengst eingecheckt hatte und TROTZDEM ausgesperrt war!
Das fuehrte zu einem zweiten Anruf und dieser widerum zu einem sofortigen Auftauchen eines Kumpels des Hospitaleros, der irgendwo essen war, wie ich erfuhr. Der Kumpel hatte einen Schluessel und war ganz untroestlich. Ob ICH vielleicht die Tuer zugezogen hatte, als ich aus der Herberge gegangen war?
Ich verzog das Gesicht. Diese Tuer ist eine, die OFFEN bleibt, selbst wenn man sie zuzieht, solange man sie nicht absperrt, es konnte also auf gar keinen Fall meine Schuld sein! Aber das konnte ich auf spanisch nicht sagen.
Ueberhaupt erklaerte der Hippie das alles fuer unwichtig und schob mich in die Herberge. War vermutlich auch froh, mich los zu sein mit meinen bad vibrations.

Ich humpelte die Treppen nach oben und schenkte der Zimmertuer der Spanier einen toedlichen Blick. Ich hatte soooo Lust, sie aus den Betten zu werfen und zu fragen, warum sie verdammt noch mal nicht aufgemacht hatten, aber das waere ja in noch mehr Diskussionen ausgeartet. Ich wollte einfach nur ins Bett!

Und das tat ich auch, nachdem ich geduscht und mit Blick auf die Uhr meinen Plan, am naechsten Tag um halb 6 aufzustehen, begraben hatte :/

Ich habe einen Typen gesehen, der fuhr Moped und rauchte dabei eine Zigarette. Viva España!!

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Jakobsweg: Anreise und Montserrat

Und schon melde ich mich 🙂 Was sagt ihr dazu :mrgreen:

Ich bin vor etwa eineinhalb Stunden in Montserrat angekommen, nachdem ich ungefaehr 10 Stunden unterwegs war.

Was ich fuer Verkehrsmittel benutzen musste, bis ich endlich da war:
Bus – Flugzeug – Bus – U-Bahn – Zug – Schwebebahn (!!)

Natuerlich musste ich doch nach Barcelona rein fahren, nachdem ich am Flughafen erstmal einen Schock bekommen habe, weil mein Rucksack nicht auf dem Gepaeckband lag. Uebrigens, laut Flughafenwaage wiegt der 8,6 Kilo MIT einer halben Flasche Wasser UND meinem Pilgerstab, der mindestens eineinhalb Kilo wiegt! Ich bin so gut!
Allerdings bereue ich es jetzt schon, nicht zusaetzlich eine Handtasche mitgenommen zu haben fuer abends. So eine Stofftasche wiegt ja nix. Naja, ich werde mir vermutlich einfach eine neue kaufen.

Der arc de triomf (sic), das einzige wichtige Bauwerk, das ich zu sehen bekam
Der arc de triomf (sic), das einzige wichtige Bauwerk, das ich zu sehen bekam
Mein Rucksack tauchte beim Sperrgepaeck auf (der Pilgerstab hing ja dran) und der Bus Richtung Barcelona war auch schnell gefunden. Dort wollte ich mich eigentlich gar nicht gross aufhalten, weil ich Angst hatte, ich wuerde mich verlaufen. Als mir dann der nette Herr von der Information sagte, ich muesste zu einer anderen Station, schluckte ich erst einmal, aber dann dachte ich: Warum zur Hoelle nicht? Wann komm ich schon mal nach Barcelona?
„Es gibt keine Zukunft“ – krasse Ansage am Triumphbogen

Er meinte, ich solle U-Bahn fahren. Das hat mich erst in Panik versetzt, denn ich bin ausser in London noch nie U-Bahn gefahren, aber kaum stand ich drin, kam die Erinnerung wieder. Ich LIEBE U-Bahnen! Sie sind der Triumph des menschlichen Geistes ueber unuebersichtliche Zug- und Busfahrplaene! Die U-Bahn dagegen ist SO LOGISCH! Jeder Vollidiot kommt mit einem Stadtplan und einer U-Bahn-Karte sofort dort hin, wo er hin muss!

So auch ich. Ich wusste genau, was ich machen musste, aber als ich in der U-Bahn eine Treppe stieg, schnuerte es mir ploetzlich die Kehle zu. Ich horchte erstaunt in mich hinein. Ich werde doch hier wohl keine Panikattacke kriegen, nur weil wir unter der Erde sind?
Tatsaechlich nicht. Ich war nur zu schnell die Treppen gestiegen. Zusammen mit der Tatsache, dass in Barcelona heute extrem schwueles Wetter herrschte und die U-Bahn logischerweise nicht sonderlich gut belueftet ist…!

Ich sehe das als kleinen Warnschuss meines Koerpers. Er will mich daran erinnern, dass ich letztes Jahr auf dem Camino del Norte einmal fast kollabiert waere, weil es zu warm war und ich zu wenig getrunken hatte. Als koennte ich das vergessen! Dennoch: Obacht. Ab morgen geht es los und ab dann muss ich besonders auf mich aufpassen!

Blick aus der Schwebebahn
Blick aus der Schwebebahn
Jedenfalls habe ich die U-Bahn-Fahrt sowie den anschliessenden Zug und die geile Schwebebahn ueberlebt und kam gerade rechtzeitig zwei Minuten, bevor das Pastoralamt oder wie auch immer man das auf Deutsch nennt schloss.
Blick nach links!
Blick nach links!
Der nette, aber etwas gestresste Herr gab mir den Schluessel fuer die Pilgerherberge. Die KOSTENLOSE Herberge :mrgreen: Faengt schon mal gut an, dachte ich.

Voll im OK-Bereich
Voll im OK-Bereich
Tatsaechlich ist die Herberge spartanisch, aber sauber, mit niedlichen 4-Bett-Zimmern (purer Luxus) und genuegend Duschen – ich bin auch noch vollkommen alleine! Das finde ich fuer den Anfang SEHR angenehm. Spaeter waere das beschissen, wenn ich die einzige Pilgerin waere, aber fuer den ersten Tag kommt mir das sehr entgegen. Ich bin naemlich totmuede, weil ich eigentlich letzte Nacht nur effektiv zweieinhalb Stunden geschlafen habe. Deshalb gehe ich auch bald schlafen, denn ich moechte morgen um 6 on the road sein!
Vorher gehe ich aber noch irgendwas geiles essen. Heute ist es mir egal, wie viel es kostet!
Ich fuehle mich gerade zwar etwas pappig, aber wohl. Mein Ruecken macht keine Zicken, mein Rucksack ist ueberraschend leicht, die Leute sind nett und alles klappt bisher. Sogar ein bisschen Kultur habe ich mir schon angetan, weil Montserrat beruehmt fuer sein Kloster und seine Basilika ist.
Die verschiedenen Jakobswege.
Die verschiedenen Jakobswege.
Die habe ich mir angesehen. Leider muss ich die Fotos nachliefern, weil ich hier an diesem PC keine hochladen kann (ich konnte nicht mal bloggen, bevor ich Google Chrome installiert habe, ohne zu fragen :mrgreen:), aber das ist eine wirklich schoene Kirche. Vor allem von innen. Richtig prachtvoll. Wenn die Touristen nur nicht so nerven wuerden…
Ausserdem gibt es einen wunderschoenen Seitengang, in dem man Kerzen entzuenden kann. Allein dadurch, dass die Kerzen nicht wie
Echt schöne Kerzengrotte
Echt schöne Kerzengrotte
normalerweise nur rot oder weiss sind, sondern auch noch gelb, gruen, blau und lila ensteht eine hammermaessige Atmosphaere.

Ich habe drei hinzugefuegt – fuer meine Uroma, meinen Opa und meinen Patenonkel. In Santiago werde ich in der Kathedrale erneut welche anzuenden, sofern ich es bis dahin schaffe. Drei Kerzen am Beginn des Weges, drei am Ende… gefaellt mir.

So, aber jetzt essen. Ich hoffe auf viel :mrgreen:

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Jakobsweg, die Dritte!

Ich hatte nach meinem letzten Beitrag über den Jakobsweg den Eindruck, dass meine Leser das Thema nicht so großartig interessiert. Daran kann ich aber leider auch nichts ändern, denn: Es geht morgen los 😉

Dieses Mal nicht ganz so passend wegen des fehlenden Meeres, aber scheiß drauf!
Dieses Mal nicht ganz so passend wegen des fehlenden Meeres, aber scheiß drauf!

Ursprünglich hatte ich geplant, NOCH einen Blog nur für meine Wanderung anzulegen, aber den Gedanken bald verworfen. Es ist einfach zu unsicher, ob und wie ich zum Bloggen komme. Kurz hatte ich überlegt, ob ich meinen treuen Laptop nicht mitschleppen und mir dafür einen Wlan-Stick sollte, aber das war von Anfang an eine beschissene Idee. Erstmal würde er den Weg, die Ruckelei und die krassen Temperaturen vermutlich sowieso nicht überleben und zweitens ist er einfach zu schwer. Jeder Jakobspilger weiß, dass das Gewicht des Rucksacks über den Erfolg der Pilgerreise entscheiden kann. Daher wäre ein Laptop eine unglaubliche Dekadenz, die ich mir mit meiner untrainierten Statur einfach nicht leisten kann.
Falls ich also ein Internetcafé oder sowas entdecke, werde ich euch hier mit Berichten versorgen, aber ob das regelmäßig passieren wird, kann ich nicht versprechen! In dieser Zeit gibt es dann natürlich (leider?) auch keine anderen Themen. Und ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich dadurch leider auch nicht so zeitnah zum Freischalten der Kommentare komme wie sonst und zum Beantworten erst Recht nicht. Freue mich trotzdem über Kommentare – natürlich!

Ich bin aufgeregt und habe noch nicht mal fertig gepackt. Dieses Mal werde ich mich aber bezüglich des gesparten Gewichts wohl selbst übertreffen. Auf meinem letztjährigen Jakobsweg habe ich festgestellt, dass man so viele Dinge einfach wirklich nicht braucht!
Es war nach meiner Sehnenentzündung. Ich war wieder on the road, aber sehr vorsichtig, und beschloss irgendwann, meinen Rucksack auszumisten. Es gibt nämlich die komfortable Möglichkeit, Pakete postlagernd nach Santiago vorzuschicken, wenn man merkt, dass man übertrieben hat.
Ich kippte also meinen Rucksack aus und sortierte. Und letztendlich war der Berg von Zeug, den ich nicht wirklich brauchte, wahrhaft gigantisch. Zweieinhalb Kilo schleppte ich mit, die ich eigentlich nicht benötigte. Darunter meine Jeans, die ich einfach nur als Luxus für abends einstecken hatte, ein paar Kosmetiksachen (aus meiner ohnehin schon ziemlich spartanisch gefüllten Kosmetiktasche) und diverser anderer Scheiß.
Danach fühlte ich mich, als würde ich über den Weg fliegen!

Überhaupt, Kosmetik: Auf dem Jakobsweg herrscht das Motto „Mut zur Hässlichkeit“. Das wollen viele Menschen nicht verstehen. Meine Oma findet es zum Beispiel unglaublich empörend, dass ich nur eine Hose mitnehme.

„Aber du braucht doch eine Hose zum Wechseln!“
„Nein, brauche ich nicht. Abends wasche ich die Hose, während ich meine Schlafshorts trage, und am nächsten Tag ziehe ich sie wieder an.“
„Trotzdem brauchst du doch wohl eine Hose zum Wechseln! Wie sieht denn das aus!“
usw.usf.

Sowas interessiert auf dem Weg keinen. Ebensowenig wie der leichte Schweißgeruch, der schon nach einer Woche jeden Pilger umgibt, selbst wenn er gerade geduscht hat und frisch gewaschene Sachen trägt. Mit Rei aus der Tube kriegt man komplett durchschwitzte Sachen einfach nicht sauber.
Deshalb und auch, weil viele Sachen eine brutale Handwäsche nicht gut überleben auf die Dauer, habe ich zwei meiner im Auflösen begriffenen Shirts ausgewählt, die ich danach wohl wegschmeißen kann. Aber das ist okay.
Die Farbzusammenstellung ist recht eigenwillig, aber auch das ist mir egal. Violettes „Phoenix Suns“-Basecap, graue Wanderhose, rotes Top (DAS immerhin habe ich mir neu gekauft, da mit Spaghettiträgern), schwarze Schuhe und zu allem Überfluss dann auch noch einen azurblauen Bauchgürtel. Ich habe einfach IRGENDEINEN gebraucht, aber diese Farbe tat es mir gestern im Einkaufszentrum an. Schön, aber in der Kombi vermutlich grauenhaft. Aber auch das ist mir egal.

Was die Schuhe angeht, bin ich wohl unbelehrbar. Ich werde wieder mit Chucks gehen. Ja, wirklich wahr.
Bei meinem ersten Jakobsweg hatte ich Chucks zum Wechseln dabei für abends und das war auch gut, denn nach ungefähr einer Woche stellte sich heraus, dass meine Wanderschuhe einfach zu klein waren. Meine Füße taten so unbeschreiblich weh. Also ging ich eines Tages einfach mit den Chucks los, und alles war gut!
Letztes Jahr bin ich von Anfang an mit Chucks gegangen. Manche sagten, dies wäre der Grund gewesen für meine Sehnenentzündung. Ich glaube das aber nicht, immerhin hat es schon einmal gut geklappt. Ich vermute, ich habe einfach zu wenig getrunken (tatsächlich kriegt man davon Sehnenentzündungen. Wer hätte es gedacht?). Und auf dem Jakobsweg anzufangen, mit Einlagen zu laufen, weil die Fußpflege meiner Mutter mal gesagt hat, ich würde irgendwann Plattfüße kriegen, war vermutlich auch eine mehr als nur beschissene Idee -.-

Dieses Jahr wollte ich mir passende Halbschuhe kaufen, bzw. kaufen lassen, denn mein Stiefvater wollte sie mir spendieren. Dazu ist es leider nicht gekommen, da er mich nun doch nicht mehr besuchen kam. Gestern dachte ich noch, ob ich halt selbst welche kaufen sollte, aber naja… ob ich jetzt mit einen Tag alten Wanderschuhen losmarschiere oder mit gut eingelaufenen Chucks, ob das wohl einen Unterschied macht?
Lediglich auf Schotter oder auf sehr heißem Asphalt sind Chucks ein Problem, doch ich werde damit hoffentlich klar kommen.

Ich werde nun doch von Barcelona aus gehen. Der Weg, von dem ich nicht wusste, wie er heißt. Jetzt weiß ich es: camino catalán. Ich werde eine Station nach Barcelona losmarschieren (vor allem deswegen, weil ich nicht in diesen Moloch von Stadt will… da käme ich ja nie wieder raus), und es werden genau 1089 Kilometer sein.

1089 Kilometer. Das wäre schon was. Allerdings habe ich momentan einfach nur Angst, dass ich es nicht packe. Die Erfahrungen meines letzten Caminos waren einfach zu hart. Und dann musste ich letzte Woche dann auch noch zum Orthopäden, weil ich Probleme mit dem Rücken hatte. Ich hab nix gemacht, mich weder verhoben, noch mich gestoßen oder sonstwas, aber eine Woche lang fühlte sich mein Rücken an wie falsch zusammen gesetzt. Kam ganz allmählich und wurde immer schlimmer, bis der Orthopäde es fünfmal knacken ließ.
Jetzt fühlt er sich okay an. Immer noch ein bisschen komisch, aber okay. Ich hoffe, das bleibt so, wenn ich mit meinem Rucksack loswandere.

Ich könnte wahrscheinlich noch zehnmal so viel schreiben und euch ne gesamte Packliste liefern, aber ich fühle mich total wirr und sollte wohl langsam aufhören.
Ich hoffe, das nächste Mal, wenn ich euch von meinem eigenen Laptop aus schreibe, wird in ungefähr 6 Wochen sein. Abbrechen müssen ist einfach schrecklich, aber das ist zumindest eine Option, die ich nach meinen Erfahrungen letztes Jahr einkalkulieren muss. Ich werde definitiv nicht nochmal eine Woche in Spanien rumhumpeln, sondern komme nach Hause, wenn ich wieder so große Probleme bekomme.

Wäre scheiße, aber noch bin ich guter Hoffnung!

Als letztes eine kleine Impression meines letzten Jakobsweges, bzw. seines Endes… Ich hoffe, ich werde dieses Jahr wieder dort stehen und das Meer sehen können, nachdem ich es aus eigener Kraft erreicht habe.
Wer das meditative Meeresrauschen bis zum Schluss durchhält, kann erstmals meine Stimme hören :mrgreen:

Ich werde jetzt NICHT schreiben „Ich bin dann mal weg…“ Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr das nervt 😉

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Wo soll’s denn losgehen? – Jakobswegplanung óle!

Es steht fest: Auch dieses Jahr wirds für mich wieder eine Pilgerreise geben!

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine offizielle Jakobswegpilgerin bin. Wer mich noch nicht so lange verfolgt, ist jetzt hoffentlich angemessen schockiert!

Immer, wenn ich davon erzähle, ernte ich bei meinen Zuhörern haargenau die selbe Reaktion: „Du bist den Jakobsweg gegangen? Den GANZEN?“

… und dann muss ich immer lachen. Es gibt nämlich nicht DEN Jakobsweg, ganz im Gegenteil. Der Jakobsweg ist vielmehr ein Wegenetz, das sich durch ganz Europa zieht und gerade im Mittelalter die sicherste Reiseroute darstellte. jakobsweg Ich denke, damit ist klar, dass ich nicht den GANZEN Jakobsweg gepilgert bin!

Zwei Touren habe ich bis jetzt hinter mir, einmal 2010 im Heiligen Jahr und einmal letztes Jahr. Leider hat es letztes Jahr GAR NICHT geklappt. Erst hatte ich eine Sehnenentzündung im Fuß, die mich eine gesamte Woche aus dem Verkehr gezogen hat, was einfach nur die Hölle auf Erden war, und dann war der verdammte Weg auch noch völlig overcrowdet. Es macht keinen Spaß, nach 25-30 Kilometern am Zielort anzukommen und zu erfahren, dass die Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger wieder mal ausgebucht sind.
Das ist übrigens nur die Schuld dieser blöden Sportpilger. Also Pilger, die den Weg nur wandern, weil er halt als gut ausgebautes Wegenetz existiert und sie das als sportliche Herausforderung betrachten. Natürlich IST der Jakobsweg eine sportliche Herausforderung, und nein, man muss um Himmels Willen nicht gläubig sein, um den gehen zu dürfen, aber wenn ich diese Assis an mir vorbei rennen sah mit ihrer funktionellen Sportkleidung für ein paar Hundert Euro, wie sie ohne nach rechts und links zu blicken über den Weg hetzen, ohne Interesse für die Geschichte, die Architektur, die Bedeutung des Ganzen und auch der spanischen Kultur, hätte ich jedes Mal brechen können!
Die Pilgerherbergen sind für die Pilger da. Aber diese Leute sind einfach nur… Wanderer. Pfui! Und als solche nehmen sie den Leuten die Plätze in den Herbergen weg, die auf sie angewiesen sind und sich keine Alternative leisten können. Deshalb sind die Herbergen ja auch so billig!

camino-dela-costa-karteUps… abgeschweift. Also: Nach meinen Erlebnissen vom letzten Jahr kommt der Camino de la Costa, der nördlichste Jakobsweg in Spanien, der Weg, den ich bei meiner ersten Tour gelaufen bin und der daher immer irgendwie MEIN Weg bleiben wird, leider nicht mehr in Frage. Ich hatte in meinem ersten Jahr wohl wirklich einfach Glück. Statt wegen des Heiligen Jahres (das ist übrigens ein Jahr, in dem der Tag des hl. Jakobs auf einen Sonntag fällt – in diesem Jahr darf Santiago de Compostela den erfolgreichen Pilgern als einer von nur vier christlichen Pilgerorten überhaupt auf der Welt eine komplette Absolution aller Sünden erteilen!) überfüllt zu sein, wie befürchtet, sind wegen dieser düsteren Prophezeiungen wohl viele gleich auf dem Hauptweg, dem Camino francés, gestartet (eben jener ging  auch Hape Kerkeling). Daher war ausgerechnet im Heiligen Jahr wesentlich weniger los als letztes Jahr.

Nachdem ich mehrere Nächte hintereinander nur beschissene Schlafmöglichkeiten gehabt hatte und aus diesem Grund übermüdet, gereizt und weinerlich war, beschloss ich eines Tages spontan, auf die Hauptroute zu wechseln und schnappte mir einen Bus nach León. Dieser hat nämlich mehr und besser ausgebaute Herbergen, womit es fast unmöglich ist, keinen Platz zu bekommen, egal wie langsam man latscht.

Das ist allerdings schon der einzige Vorteil, der mir einfällt. Ich bin einfach kein Fan des Camino francés. Dieser ist viel mehr als der Camino de la Costa touristisch orientiert, weshalb man in den Bars am Wege unverschämte Preise bezahlen muss und dann trotzdem nichts ordentliches dafür bekommt. Ich erinnere mich immer noch mit Wut im Bauch an diese blöde Bar hinter dem Crúz de Ferro, die mir tatsächlich Fertigtortillas servierte! Und dafür doppelt so viel verlangte wie für ne richtige, saugeile Tortilla im Norden!
Auch gefällt mir die Landschaft nicht besonders. Vielleicht wird das dieses Mal anders sein, weil ich letztes Jahr direkt vom grünen Norden kam und der Kontrast einfach zu krass war, aber damals fand ich die Aussicht zum Kotzen. Es wirkte auf mich alles völlig tot, flach und langweilig.

Und natürlich: Das Meer fehlt *seufz*

Der Camino francés beginnt in Saint-Jean-Pied-de-Port, einem Ort kurz vor der spanischen Grenze, womit sich leider für mich, sollte ich da losgehen, direkt zwei Probleme ergeben:

1. Der Camino francés ist auf gut zwei Dritteln des Weges absolut flach wie ein Brett. Das fiel mir umso mehr auf, weil der Camino de la Costa das genaue Gegenteil ist. Das ist natürlich recht komfortabel, weil es sich bekanntlich gerade leichter wandert als auf oder ab.
ABER: Von St. Jean aus geht direkt die erste Etappe steil nach oben – über die Pyrenäen. Und das ist für den Anfang ziemlich scheiße! Der Körper muss sich erst an die ungewohnten Strapazen gewöhnen, sonst gibt’s diverse Wehwehchen. Und nach meinen Problemen vom letzten Mal will ich das auf gar keinen Fall riskieren!

2. Das klingt vermutlich saublöd, aber mir ist der Weg einfach zu kurz. 800 km sind es von St. Jean bis Santiago (der Camino de la Costa ist ca. 50 km länger) und das ist irgendwie lahm. 1000 km mindestens, das wärs! Allein, weil es sich so lässig anhört: „Ich bin 1000 km gewandert, Bitches!“ Außerdem habe ich im Sommer viel Zeit, vielleicht zum letzten Mal in meinem Leben, und das möchte ich ausnutzen!

Wo starten, welcher Weg?
So, und da diese gängige Variante ausscheidet, steh ich nun hier und habe fünf, ja, FÜNF mögliche Startpunkte und Routen! Damit ihr mal seht, wie knifflig so eine Planung sein kann, und weil es mir vielleicht hilft, die Vor- und Nachteile schwarz auf weiß vor mir zu sehen, hier meine Überlegungen bis jetzt:

Den Camino francés nach Frankreich hin verlängern
jakobswegfrankreichOffiziell heißt dieser Weg wie gesagt erst ab Saint-Jean-Pied-de-Port Camino francés, aber das heißt nicht, dass er dort erst beginnt. Aus Frankreich streben ganze vier Wege auf dieses kleine Örtchen zu. Aus technischen Gründen (sprich, die Anreisemöglichkeiten) habe ich das auf zwei Möglichkeiten eingegrenzt, nämlich den Via Turonensis ab Bordeaux oder den Via Tolosana ab Montpellier.
Vor- und Nachteile: Bordeaux würde ich Montpellier vorziehen, weil dieser Weg wenigstens so nahe am Meer entlang läuft, dass man es vielleicht ab und zu sogar riechen kann, und die Strecke ab Montpellier sehr bergig aussieht. Nur, selbstverständlich: Ausgerechnet für diesen Weg gibt es offensichtlich keinen Pilgerführer!
Der größte Nachteil ist allerdings, dass ich kein Wort Französisch spreche und daher eigentlich keinen Bock habe, in Frankreich zu wandern. Das ist ein fettes, fettes Minus, auch wenn diese Varianten meine erste Eingebung waren. Dennoch habe ich weiter gesucht und habe weitere Möglichkeiten in Spanien gefunden, die länger sind als der Camino francés.

Der Jakobsweg ab Barcelona
Diesen habe ich auf der Karte entdeckt und war sofort entzückt – doch offensichtlich hat der nicht mal einen Namen. Ich habe versucht, mehr Informationen darüber zu sammeln, aber dieser Weg scheint noch nicht so wirklich erschlossen zu sein. Keinen Namen, daher auch keinen Pilgerführer – das erscheint mir dann leider zu unsicher! Da nützt es nichts, dass der Weg wohl meine Kriterien die Weglänge betreffend erfüllt.

Der Jakobsweg ab Sevilla
viadelaplata Dieser Weg dagegen ist ganz genau 1003 km lang, was natürlich ideal wäre! Der Via de la Plata scheint zudem von den größten Pilgermassen, die ich ja nicht so prall finde, weitestgehend verschont. Also ne schöne Alternative!
Doch schnell sollte mir gezeigt werden, warum er so einsam ist. In Sevilla und noch viele Kilometer weiter werden es im Juli/August bis zu 50 Grad. Fünf.zig.Grad. Dazu kaum Schatten und verbrannte Landschaft. Und da muss ich sagen: Der Mensch, oder zumindest ich, ist für solche Temperaturen nicht geschaffen. Das würde ich schlichtweg nicht überleben! Daher scheidet dieser Weg, jedenfalls für diese Jahreszeit, definitiv AUS!

Der Jakobsweg ab Valenciacaminodelevante
Dies ist nun die fünfte und jüngste Möglichkeit, die mir offenbart worden ist. Der Camino de Levante beginnt in Valencia, macht erst mal nen lustigen Schwenker und führt dann quer durch Spanien, bis er in Astorga (da war ich schon!) auf den Camino francés trifft. Insgesamt ist er mit diesem Wegstück bis Santiago 1200 km lang und scheint wettermäßig milder zu sein (heißt: bis 35 Grad *hust*)
Ich muss sagen, dass mir diese Route bis jetzt am besten gefällt! Der einzige Nachteil, und der ist leider doch schon erheblich, ist die Länge der Etappen. Während es auf dem Camino francés ständig und auch schon nach wenigen Kilometern immer wieder Herbergen gibt, scheint diese Versorgung auf dem Camino de Levante noch nicht gegeben zu sein. Allein die erste Etappe ab Valencia ist 35 km lang, was gerade für den Anfang viel zu viel ist. Wie gesagt, ich hatte letztes Mal erhebliche Schwierigkeiten mit den Füßen, deshalb will ich mich auf gar keinen Fall überanstrengen! Abbrechen kommt nicht in Frage.
Doch da kann ich überlegen, ob es vielleicht möglich ist, einige der längsten Etappen per Bus etc. abzukürzen. Das ist zwar sehr verpönt, doch das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich bin bei meinem ersten Camino 800 km gewandert, obwohl ich sehr untrainiert bin, ich muss mir also von niemanden sagen lassen, dass ich keine richtige Pilgerin sei!

Wie ihr seht, ich so eine Pilgerschaft planungsintensiver als man so gemeinhin denkt. Dennoch hoffe ich, mich bald entscheiden zu können, um meine Anreise zu regeln und mich schon ein bisschen in Vorfreude zu aalen.

Hilfreich ist mir dabei, dass dieser Camino auf gar keinen Fall so schlimm werden kann wie der letzte!

Wenn du was zu meiner Reisekasse beitragen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.