KiddySerienSpecial! – Teil 5: Mila Superstar

Animes mit Sportthemen haben ebenfalls Tradition. Meist verfolgt man dabei den Weg eines Underdogs mit großen Talent an die Spitze des sportlichen Erfolges. Beispielhaft für diese Serien soll Mila Superstar stehen.

Die gute Mila lief damals ab ’93 immer mittags auf RTL2 bei Vampy (wer kennt ihn noch?).

Ich war ein großer Fan und habe vermutlich fast alle Folgen gesehen. Natürlich habe ich nur dadurch angefangen, Volleyball zu spielen (oder das, was ich dafür hielt), ein Sport, der mir davor noch völlig unbekannt gewesen war.

Mila ist aus meiner Kindheit fast nicht wegzudenken. Daher hat mich fast der Schlag getroffen, als ich mir vor ein paar Jahren nach langer, langer Pause mal wieder eine Folge ansah.

Mir ist früher nie aufgefallen, wie… wie krass diese Serie ist! Dazu fällt mir nur ein Wort ein: menschenverachtend! Die Trainingsmethoden sind die reinste Folter und auch Mila selbst… das Mädchen hat so dermaßen einen an der Waffel!

„Mila kann lachen wie die Sonne überm Fujiyama“ heißt es im Intro. Das ist schonmal Unsinn: Die Frau hat so gut wie nie gelacht, dafür aber wahnsinnig viel gejammert. Ihr gesamtes Leben besteht nur aus Sport und Disziplin – und dafür opfert sie praktisch ALLES.
Ungefähr in der Mitte der Serie hat ihr Freund einen Autounfall, während sie gerade mitten in einem Spiel ist. Sie bekommt eine Nachricht und soll ins Krankenhaus, um ihn noch einmal zu sehen, bevor es zu spät ist. Aber was macht man da als gute Leistungssportlerin? Man spielt erst das beschissene Match zuende! War ja auch wichtig, es ging um die Meisterschaft! Und letztendlich stirbt ihr Freund dann auch, ohne dass sie sich von ihm verabschieden konnte.

„Äääh, OKAY!?“ kann man jetzt denken, aber es wird noch schlimmer. Weil sie sich bemüht, das Spiel schnell zuende zu bringen (immerhin…), gleichzeitig aber etwas abwesend ist, schafft sie etwas unglaubliches: Ihr Schmetterball verschwindet einfach, so dass die Gegnerinnen ihn nicht sehen und damit natürlich auch nicht annehmen können. Damit ist das Spiel gewonnen und sie kann ins Krankenhaus, aber halt zu spät.
Der unsichtbare Ball, so wird später erklärt, resultierte aus einer physischen Besonderheit: Jeder Mensch hat einen blinden Fleck im Auge und wenn der Ball (äh, also, das Bild vom Ball) da reinfliegt, verschwindet er. Den blinden Fleck gibts zwar wirklich, aber es ist natürlich absoluter Schwachsinn, dass sich der Ball für JEDEN, also jede Gegnerin, jeden Zuschauer und sogar für Mila selbst einfach scheinbar in Luft auflöst, weil natürlich jeder einen anderen Blickwinkel hat.
Naja, trotzdem, lassen wir das mal so stehen: Man kann Bälle zum Verschwinden bringen, wenn man diesen Punkt trifft. Nach dem Spiel muss das natürlich nochmal ausprobiert werden, weil das ja voll der Specialtrick ist, aber was glaubt ihr, wie das gemacht wird? Ganz einfach: Der Trainer verlangt von den Mädchen, sich genauso zu stellen wie in dem Spiel und sich wieder gedanklich-emotional exakt in die Situation dieses Spiels hinein zu denken.
Das muss man sich mal reinziehen: Mila dachte zu diesem Zeitpunkt an ihren sterbenden Freund und dieses Arschloch verlangt von ihr, die Situation nochmal nachzuspielen?!

Eine Folge später sagt ihre beste Freundin (!!) ihr dann noch, sie solle endlich (!!) aufhören wegen des Todes ihres Freundes zu jammern. Ähm, ja, sehr empathisch!

Die Trainingsmethoden waren auch immer allerliebst: Da wurde gejoggt, bis die Mädchen zusammenbrechen, die Handgelenke mit Ketten umwickelt, damit jede Annahme auch nur ja noch ein bisschen mehr weh tut als ohnehin schon und wenn mal wieder jemand nicht spurt oder einfach völlig erschöpft zu Boden sinkt, gibts noch einen Ball voll in die Fresse. Klasse!

Das wäre alles noch okay, wenn die Bewertung dieser Methoden nicht so fragwürdig wäre. Aber leider ist es so, dass die Serie immer nur den Eindruck vermittelt, sowas wäre zwar hart, aber zielführend, und wer da nicht mithalten kann, hat einfach nicht genug Ehrgeiz!

Das ist ein Leistungsstreben, das im asiatischen Raum und in der japanischen Mentalität ja sehr verbreitet zu sein scheint, aber ich finde das einfach nur krank. Leider erreicht Mila dann auch noch tatsächlich ihr Endziel, nämlich bei der Weltmeisterschaft zur besten Angriffsspielerin der Welt gewählt zu werden. Dafür musste sie ja auch nur ihre Freizeit, ihre schulische Laufbahn, ihre Liebe und ihr gesamtes Leben opfern. Was für ein Vorbild!

Daher bin ich wirklich unschlüssig, ob man so eine Serie Kindern überhaupt zumuten kann. Ich finde sowas jedenfalls wesentlich bedenklicher als ein paar grüne Schildkrötenninjas. Geschadet hat es mir zwar nicht, aber man kann ja nie wissen.

Für mich persönlich ist die Serie daher in der rückblickenden Bewertung einfach nur ein Megafail, egal wie gerne ich sie damals gekuckt habe.


Weitere Beiträge zur Themenwoche:
Teil 1: Heidi
Teil 2: Teenage Mutant Hero Turtles
Teil 3: Exkurs: Cartoon All-Stars to the Rescue
Teil 4: Die Gummibärenbande
Teil 6: Realfilmserien
Teil 7: Liebe Serien: Ich kannte euch leider kaum.


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Guilty Pleasure: The Biggest Loser

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Manche Leute kucken Germanys Next Topmodel (was ich keine fünf Minuten aushalte), andere DSDS (was ich durchaus eine Weile sehen kann, aber nicht, ohne zu kotzen) – ich kucke The Biggest Loser!

Manche finden diese Sendung schlimmer als alle Castingshows zusammen, aber ich liebe sie. Ich freue mich über jede neue Staffel und sehe mir jede Folge an!

Die Sendung hat viel Kritik eingesteckt… allein der Name The Biggest Loser wäre schon beleidigend Dicken gegenüber.
Ich finde das so doof. Es ist doch klar, dass der Name bewusst provokativ gemeint ist. So erweckt man Interesse und kriegt Zuschauer. Die Kritiker tun gerade so, als hätten die Macher der Sendung nicht gewusst, wie viel Aufsehen eine solche Betitelung erregen würde. Für wie blöd müssen diese Leute Programmmacher halten?

Die Serie kommt aus den USA und auf englisch wird nun mal das Verb „verlieren“ genauso im Sinne von „scheitern“ gebraucht wie auch für „Gewicht verlieren“. Im Deutschen ist es das gleiche. Ich sehe nicht, warum das despektierlich verstanden werden muss.

Dann wäre die Darstellung der Kandidaten furchtbar: Sie würden vorgeführt, wenn man sie mit all ihren überflüssigen Speck durch Parcours jagt und beim Sport beobachtet.
Dazu kann ich nur sagen: Natürlich kann sich ein Mensch mit 50 Kilo Übergewicht nicht so anmutig bewegen wie ein Mensch mit Normalgewicht. Es gibt schlicht und ergreifend keine Möglichkeit, die Kandidaten auf eine Art und Weise darzustellen, die nicht als lächerlich angesehen werden KANN… sofern man sich denn lächerlich machen WILL. Es gibt leider viel zu viele Menschen, die über Dicke lachen.

Ich tue das nicht. Ich hatte noch nie genug Übergewicht, um für eine solche Sendung in Frage zu kommen, aber Sprüche über meinen Hüftspeck oder meinen dicken Hintern kenne ich zur Genüge (selbst in Zeiten, als weder das eine, noch das andere der Wahrheit entsprach). Daher gilt mein ganzes Mitgefühl Menschen, die aus welchem Grund auch immer irgendwann die Kontrolle über ihr Gewicht verloren haben.

Natürlich muss ich auch manchmal lachen (in der letzten Folge plumpste ein Kandidat in einen Whirlpool, weil er das Gleichgewicht verlor… sorry, aber sowas ist bei JEDEM lustig!), aber dies ist ein Fatalismus, den man sich ab einem gewissen Gewicht nicht mehr entziehen kann. Und es gibt einen Unterschied zwischen bösartigen Humor und gutmütigen Spott!

Ich mag die Serie, weil sie für einige Menschen die letzte Möglichkeit darstellt, wieder zu einem normalen Leben zurück zu finden. Nicht jeder schafft es, aber für einige war die Sendung tatsächlich eine unglaubliche Chance, die sie genutzt haben und heute ein gesundes Gewicht ihr Eigenen nennen können. Und das unterscheidet sie von Castingshows und Scripted Reality, mit der sie auch immer verglichen wird: Man kann einen Gewichtsverlust nicht vortäuschen!

Ein paar Kritikpunkte hätte ich aber schon. Zum einen wären da eben doch viele gescripte Szenen, ob nachgestellt nach echten Vorkommnissen oder inszeniert, die man einfach nur ziemlich albern finden kann. Die Kandidaten sind keine Schauspieler – und das merkt man auch bei solchen Szenen. Aber naja, darüber kann ich noch die Augen rollen und es ignorieren…

Dann finde ich, dass ein viel zu großer Fokus auf den Sport gelegt wird. In dem Camp ist es kein Problem jeden Tag Sport zu machen, die Kandidaten haben ja auch im Grunde nichts anderes zu tun. Aber wenn sie erst wieder in ihr normales Leben zurück gekehrt sind, werden sie das nicht so weiterführen können (das weiß ich spätestens seit meinem Fastenvorhaben, 10 Stunden Sport die Woche zu machen… und ich habe KEINEN Acht-Stunden-Job). Deshalb sollte viel mehr über Ernährung geredet werden, was bestimmt gemacht wird, aber einfach nicht gesendet wird. Gerade die Kandidaten mit gewaltigen Übergewicht haben sich vermutlich jahrelang systematisch überfressen und damit ihren Magen gedehnt… die wissen überhaupt nicht, was normale Portionen sind, wie viel eigentlich genug sein sollte, um satt zu werden.

Desweiteren mag ich die „Versuchung“ nicht. Das ist ein Spiel für die Kandidaten, mit denen sie einen Bonus gewinnen können, um später bei der „Entscheidung“ (bei der sie gewogen werden und die beiden Teams mit dem wenigsten verlorenen Gewicht zittern müssen, rausgewählt zu werden) einen Vorteil zu haben. Das funktioniert, indem sie essen (oder halt nicht, wenn sie da nicht mitmachen wollen… was meistens eine gute Entscheidung ist). Und das gefällt mir gar nicht! Es kann ja wohl nicht das Ziel sein, die Kandidaten darauf zu konditionieren, dass sie vom Fressen Vorteile kriegen.
Wäre ich Kandidatin, würde ich das höchstens machen, wenn das, was an Essen angeboten wird, etwas richtig geiles ist. Auch etwas, was vergessen wird: Essen soll nicht immer nur mit quälenden Verzicht einhergehen, sondern auch Genuss sein. Es heißt zu lernen, bewusst zu genießen. Das geht so leider nicht!

Und am Schluss finde ich die Gewinnkriterien ungerecht. Es gewinnt nämlich derjenige, der prozentual am meisten Gewicht verloren hat.
Das ist aus folgenden Grund unfair: Ein Mann, dessen Idealgewicht bei 80 Kilo liegen würde und 120 Kilo wiegt, kann bzw. sollte höchstens 40 Kilo verlieren, was 33% seines Körpergewichts entspricht. Ein anderer Mann, der 240 Kilo wiegt, kann bzw. sollte dagegen 160 Kilo abnehmen, um auf 80 Kilo zu kommen, was 66% Körpergewicht entspricht. Daher KANN der erste Kandidat im Prinzip gar nicht gewinnen, selbst wenn er sein Idealgewicht erreicht!
Meine Lösung: Man sollte ausrechnen, wie viel Gewicht die Kandidaten von ihrem individuellen Idealgewicht trennt und DAVON die Prozente nehmen. Dann muss der schwerere Kandidat zwar mehr abnehmen, um auf die gleichen Prozente zu kommen wie der leichtere Kandidat, aber das ist ja bei der momentanen Methode genauso. Zudem fällt ein Gewichtsverlust ja auch leichter, je mehr Übergewicht man hat. Ich hoffe, Sat1 liest das und denkt darüber nach!

Das wärs dann aber schon an Kritik!

Die aktuelle Staffel läuft heute zum vierten Mal. Einen richtigen Favoriten hab ich noch nicht. Tendenziell bin ich ja meistens für die Frauen, weil die aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen es meistens schwerer haben, abzunehmen (Männer nehmen leichter ab. Is so.). Aber auch junge Kandidaten erwecken meistens meine Sympathie, vielleicht, weil die näher an meiner Lebenswelt sind.

Team „Limette“ (lol) ist so ein junges Team, ein Zwillingspärchen. Zwar wirken beide wie ziemliche Macker, aber sind mit ihrer frechen Bubihaftigkeit irgendwie doch sympathisch. Leider hat es bei ihnen noch nicht so richtig Klick gemacht, aber ich drücke ihnen die Daumen!

Dann mag ich Team Blau, Sezar und Bahar, ein türkisches Ehepaar. Die beiden sind irgendwie herzig! Und Bahar hat bisher für eine Frau gewaltige Gewichtsverluste eingefahren… ich hoffe, das geht so weiter! Hübsch sind jedenfalls beide. Jetzt fehlt nur noch die richtige Figur.

Team Grün sind Frauen und altersmäßig mir am nächsten. Allein deswegen fiebere ich mit ihnen mit!

Und Team Orange ist das kränkste Team im ganzen Camp (wenn auch lange nicht das schwerste), allein deswegen muss ich ihnen beistehen. Dem Bernhard wünsche ich auch deswegen alles Gute, weil er vor allem abnehmen will, weil er sich mit seiner Frau ein Baby wünscht, was momentan wegen seines Übergewichts nicht geht. Außerdem hat er mir auf Twitter geantwortet, was ihn doppelt sympathisch macht ♥
Bisher hatten sie auf der Waage keinen großen Erfolg, obwohl sie eindeutig motiviert sind. Das tut mir dann wirklich leid. Manchmal will der Körper einfach nicht so wie man selbst. Aber sobald der Knoten platzt, haben sie sehr gute Chancen und die Pfunde werden purzeln! Sie wirken wunderbar bodenständig und haben sich den Erfolg einfach verdient!

Es gibt aber auch in jeder Staffel Leute, die einfach nur unsympathisch sind. Ein solcher ist Michael vom Team Türkis. Als der vorgestellt wurde, war ich sicher, dass der schon mindestens Mitte Vierzig ist. Dann wurde sein Alter eingeblendet und mir fielen fast die Augen raus: Der Typ ist 32, nur vier Jahre älter als ich!
Das allein ist ja keine Schande. Darüber hinaus ist er aber auch noch ein übler Macho.
Was ist schlimmer als ein Macho? Ein Macho zu sein, obwohl man überhaupt nichts an sich hat, worauf man sich was einbilden kann!
So nennt er eine Art Völkerball am Strand, das mit einem großen Sitzball gespielt worden ist, abfällig „Frauensport“. Da könnte ich ja direkt lang und bröckelig kotzen. Was ist daran bitte „Frauensport“? Er muss sowas machen, statt einem Fußball hinterher zu hetzen oder was ähnlich männliches zu tun, weil er für „Männersport“ schlicht und ergreifend zu fett ist.
Dann labert er ständig über seine „Taktik“, mit der er die anderen verwirren will, statt sich einfach mal um seinen eigenen Kram zu kümmern. Tze, einfach nur lächerlich.

Hier könnt ihr euch die Kandidaten nochmal ansehen: Klick
Wobei drei Teams, sprich sechs Leute schon rausgeflogen sind.

Und waaaah, jetzt geht es schon los!! Sonntag, 18 Uhr, Sat1!! Schnell einschalten!!!

Wer mit mir fachsimpeln will, kann das gerne in den Kommentaren tun!

 

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Ein Fitnessstudio wäre so schön, wenn nur der ganze Sport und die Leute nicht wären. – Teil 1: Absolute Beginners

I did it! Ich habe mich tatsächlich in einem neuen Fitnessstudio angemeldet.

Das ist zwar jetzt schon etwas länger her, aber das hält mich dennoch nicht ab, davon zu schreiben (warum auch?).

Anfang Januar stiefelte ich also mit Tim, dem Typen, bei dem ich immer wasche, Richtung Fitnessstudio. Wie vorher am Telefon abgeklärt lief die Anmeldung absolut problemlos – und auch sehr witzig.

An dieser Stelle möchte ich mal eines ganz scharf betonen: Den Tim halte ich mir nicht nur deswegen warm, weil ich bei ihm waschen kann. Tim hat sich zu einem meiner allerbesten Kumpels gemausert. Ich liebe diesen Wuschelkopp! – und zwar auch (aber nicht nur) deswegen, weil er in Sachen „Peinlichkeit“ absolut schmerzbefreit ist.

Okay, das ist nicht immer angenehm. Sitzen wir zusammen im Kino und er macht mit lauter Stimme Bemerkungen über die doofe Werbung, und zwar ABSICHTLICH so, dass es jeder hört, dann krieche ich gerne in den Sitz und mache mich unsichtbar. Andere Aktionen dagegen machen das wieder wett. Wenn er mit ausdruckslosem Gesicht auf dem Kinosessel Platz nimmt, seinem perplexen Nebenmann die Hand reicht und stoisch sagt: „Hallo, ich bin Tim und ich bin Ihr Sitznachbar für die heutige Vorstellung“ – sorry, aber wie höllencool ist das denn bitte?

Aus diesem Grund war ich auch froh, dass er sich entschlossen hatte, mich beim Trainieren zu begleiten. Direkt bei der Anmeldung lockerte er die Stimmung bis zum Anschlag auf. Die beiden jungen Angestellten im Fitnessstudio (wohl studentische Aushilfen) waren erst verwirrt, dann amüsiert, schließlich entzückt!
Wir mussten einen Fragebogen ausfüllen, auf dessen Basis man für uns einen Trainingsplan erstellen würde (was schon direkt tausendmal mehr ist als das andere Fitnessstudio, die ominöse Kette, bei der ich gewesen bin, jemals für seine Mitglieder geleistet hat). Neben logischen Fragen nach Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht wurden auch chronische Erkrankungen (nope) oder Medikamente (da kam mein Schilddrüsenzeug hin) abgefragt. Schließlich wurde man nach seinem Ziel befragt (ich schrieb großspurige 15 Kilo Gewichtsverlust hin).

Bei dieser Frage angekommen wandte sich Tim wieder an die Angestellten hinter dem Tresen: „Kann ich „die Weltherrschaft erlangen“ als Trainingsziel hinschreiben?“
Die Angestellten quietschten vor Vergnügen und ich zollte Tim ob dieses Witzes einen anerkennenden stolzen Seitenblick.

Schließlich überreichten wir unsere ausgefüllten Fragebögen. „Ich weiß nicht, ob das wichtig ist, aber ich habe einfach mal dazu geschrieben, dass ich Epileptiker bin,“ meinte Tim noch.

Darauf der Tresentyp vergnügt: „Haha – ja, genau!“

Zwei verwirrte Augenpaare starrten den Kerl an. „Äh – er hat wirklich Epilepsie,“ wandte ich vorsichtig ein, als mir klar wurde, dass der Typ das für einen Spruch (wäre es einer gewesen, dann allerdings ein selten dämlicher) gehalten hatte. Woraufhin dessen gut gelaunte Miene in sich zusammen stürzte. Was dann wiederum ziemlich witzig war.

Naja – mit diesem kleinen Intermezzo hatten wir immerhin schon direkt mal unseren Bekanntheitsgrad gesteigert. Danach war es Zeit, erstmals ins Training hinein zu schnuppern.

Nachdem wir uns umgezogen hatten, trafen wir uns vor dem Schwarzen Brett, studierten die Angebote und trugen uns auch gleich für das betreute Einführungstraining durch den Chef persönlich ein. Und als wir da noch gerade so unschlüssig herum standen, lernten wir auch gleich die Cheftrainerin kennen, die im Raum nebenan ein paar Fitnesswütige durch den Raum jagte.
„Ey, wie siehts aus?! Kommt ihr gleich zum Bauchwegkurs?! Alles klar, supi!!!“ Sprachs, und war schon wieder verschwunden.

Tim und ich wechselten bestürzte Blicke. Die hyperaktive Dame (kaum größer als ich, aber nur ein Drittel so breit) erweckte in mir sofort einen Fluchtreflex, aber sie ließ uns nicht entkommen. Kaum war der laufende Kurs beendet, scheuchte sie uns in den Kursraum, wo wir gleich erste Erfahrung mit ihren Trainingsmethoden machten.

Ich kann nur sagen: Au. Das einzig positive am Bauchwegkurs ist, dass es eigentlich kein richtiger Kurs ist, sondern nur ein fünfzehnminütiges Power-Workout für den (noch imaginären) Sixpack.
Noch nie dauerte eine Viertelstunde länger. Wirklich wahr. In diesen höllischen 15 Minuten nutzte ich meine verkümmerten Bauchmuskeln mehr als sonst in einem ganzen Monat. Situps, Ganzkörperstütze, Kerze etc.pp. – am Ende lag ich flach auf der Trainingsmatte und konnte kaum noch röcheln!

Eigentlich hatte ich ja geglaubt, ich wäre trotz ein paar Kilo mehr auf der Waage, meiner Raucherei und dem gelegentlich ausschweifenden Alkoholkonsum noch relativ fit für mein Alter – aber MEINE Fresse! Ich bin nicht nur nicht fit, ich habe auch nicht halb so viel Kraft, wie ich gedacht habe!
Einziges Trostpflaster, so traurig sich das anhört: Tim erging es noch schlechter, auch wenn er tapfer durch- und den Mund verschlossen hielt. Dafür jammerte ich für uns beide.

Nach dieser Viertelstunde in der Hölle wurden wir dann auch noch genötigt, beim folgenden Stepaerobic-Kurs mitzumachen. Eigentlich hatte ich mich darauf sogar sehr gefreut. Ich glaubte, das wäre besonders effektiv für einen knackigen Hintern und die Oberschenkel (leider meine größte Problemzone), während man gleichzeitig Kalorien verbrennt wie blöd und mit vielen anderen Menschen mit gleichen Problemen einen Haufen Spaß hat.

Naja. Ich mache es kurz: Effektiv ist es bestimmt. Aber dafür muss man erst mal die Bewegungen hinkriegen!!
Es begann ganz leicht. Wir arbeiteten mit Steppern und so fing es auch ziemlich lasch mit „linkes Bein – rechtes Bein“ an. Also einmal hoch, wieder runter, anderes Bein hoch, wieder runter. Easy, ne.
Aber schon nach zehn Minuten konnte ich nur noch rumstehen und hilflos glotzen. Und wenn ich mich so umsah, war ich nicht die Einzige! „Linkes Bein Drehung Step Sidestep Drehung Kick rechtes Bein Drehung Kick Step Kick Step Step und ARME HOCH!“ – AAAAHHHH!!! Was tut diese Frau da!?

Während ich und, wie gesagt, ein paar andere Neuzugänge erstarrt waren und ich mir wie die absolute Bewegungslegasthenikerin vorkam, wirbelten vor meinen Augen die Leute durch den Raum und schmissen dabei ihre Beine schneller in die Luft als das menschliche Auge wahrnehmen kann. Krasser Scheiß!! Und das soll SPORT sein?!
Ab und zu erwischte ich einen leichten Teil der Choreo, aber mehr als drei Takte schaffte ich nie, mitzuhalten, bevor wieder irgendeine total abgespacte Drehung kam und ich es gerade noch so verhindern könnte, als japsendes Bündel mit gebrochenen Beinen auf den Boden zu sinken.
Und was tat Tim neben mir?! Der wirkte auch recht verzweifelt – tanzte aber den Großteil der Choreographie beherzt mit!!

„Warum KANNST du das?!“ zischte ich irgendwann verdattert.
„Naja, ich hab mal Jazztanz gemacht,“ gestand er mir leicht verschämt. Boah, wenn ich nicht schon gewusst hätte, dass er bi ist…!!

Das Tempo steigerte sich allerdings noch weiter und irgendwann war der Ofen aus, auch für Tim. Step Aerobic – no way!! Der menschliche Geist ist für solche Belastungen nicht geschaffen – jedenfalls nicht meiner!

„Ach, ihr wollt gehen? Naja, am Anfang ist es schon ziemlich schwer, wenn man das noch nie gemacht hat,“ tröstete uns die Trainerin. Und erzählte uns dann mal eben so nebenbei, dass dieser Kurs sich an Menschen in der Grauzone zwischen „Fortgeschrittene“ und „Profi“ richtete! Insgesamt gibt es nämlich VIER Stepaerobic-Kurse – und das war der dritte!

Ich: „Gaaaaaah!!!“

Damit war beschlossen, zu einem anderen Zeitpunkt wieder zu kehren, wenn sich das Training eher an die Menschen richtet, die nicht vorhaben, bei den nächsten Olympischen Spielen in Step-Aerobic anzutreten!

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