Verschnaufpause

Es ist vollbracht – Klausuren geschafft!

Letztendlich war es doch relativ einfach, auch wenn ich vor der ersten Klausur mehrere Heulattacken durchstehen musste und schließlich nach vier erquickenden Stunden Schlaf im Prüfungsraum saß. Dementsprechend fit fühlte ich mich. Ich rannte sicher achtmal aufs Klo, um mir kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen, erfuhr aber leider erst in der zweiten Klausur, dass jeder Klogang genauestens protokolliert wird. Da ich jedoch noch nicht wegen eines Betrugsversuchs angeschrieben worden bin, gehe ich davon aus, dass die Prüfer mich einfach nur für die Frau mit der kleinsten Blase der Welt hielten und damit komme ich klar!

Die zweite und dritte Prüfung konnte ich schließlich antreten, ohne mehrmals in den Nächten davor voller Panik hochzuschrecken und letztendlich um fünf Uhr früh hellwach zu sein (die Prüfungen waren um 9). Der Freund hat mich nämlich jedes Mal zuverlässig zu wecken versucht, was den kleinen Komplex beruhigte, den mir meine Mutter eingeredet hat. Ich sag nur „VERSCHLAF BLOSS NICHT OH MEIN GOTT WENN DU VERSCHLÄFST WERDEN WIR ALLE STERBEN DU WIRST SICHER VERSCHLAFEN AAAHHH!“ Das hat seit meiner Kindheit dazu geführt, dass ich tatsächlich kaum verschlief – weil ich nämlich gar nicht mehr schlafen konnte.
Aber, oh Wunder: Sobald ich wusste, dass man mich wecken würde, war das Problem erledigt.

Ich hoffte also, dass die zweite Prüfung nicht so stressig sein würde. Sie war es aber doch. Und diese Erkenntnis lief in drei Phasen ab:

1. Kurz vor Erhalt der Prüfung: Nervosität angesichts der unvorhergesehenen Prüfünungsfragen.
2. Lesen der Prüfungsfragen. Der Gedanke: „Joah, das kriege ich hin“. Kurzzeitige Erleichterung.
3. Der Gedanke, für die Beantwortung fünf – F-Ü-N-F – Stunden aufbringen zu müssen. Anschließender innerer Kollaps!

Im ernst, Leute: Die schöne Gewissheit, die Prüfungsfragen beantworten zu können, war überhaupt nichts mehr wert, wenn mir klar wurde, wie UNFASSBAR MÜHSAM es sein würde, so lange Zeit am Stück daran arbeiten zu müssen! Das ist doch unmenschlich! Und wofür?! Für 5% von der Endnote!!!

So lange habe ich seit dem Abi nicht mehr schreiben müssen und ich hoffe inständig, dass es nun das allerletzte Mal war für immer!

Die nächsten Prüfungen sind dann mündlich, aber das beste ist, dass sie erst im Dezember sind! Also kann ich mich jetzt erstmal entspannen. Es ist ekelhaft, aber ich FREUE mich richtig darauf, im Oktober richtig viel arbeiten zu gehen! Besoffene Gäste, besoffener Chef, besoffenes Ich – alles besser als diese Tortur.

Aber weil leider nicht nur die Klausuren geschafft sind, sondern auch ich, steht jetzt erstmal Urlaub an. 5 Tage Spanien mit dem Freund bei hoffentlich immer noch sonnigen Wetter, denn es geht an den Strand und ich habe absolut kein schlechtes Gewissen dabei, dort nichts, aber auch gar nichts zu tun! Und dann geht es endlich auch hier weiter.

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

¡menú español! ¡Olé!

Gerade noch ging es um das #waagnis und das Hadern mit der Figur. Da fragt man sich, worüber man als nächstes schreiben soll?

Ganz klar: ESSEN!

Gestern war endlich DER Tag, auf den ich seit Wochen gewartet hab. Sonne, 30 Grad, Hitze und Schweiß, totales Sommerfeeling. Das ist auch so schon sehr schön, aber gestern war ich vor allem deswegen froh, weil ich unter diesen Umständen endlich mein spanisches Menü ausprobieren konnte!

Gekocht habe ich ja schon immer gerne, aber erst während meiner Wanderung auf dem Jakobsweg lernte ich, die spanische Küche zu lieben. Vorher dachte ich immer, die wäre im Prinzip dasselbe wie italienisch. Nichts könnte falscher sein. Und seit ich wieder in Deutschland bin versuche ich, die kulinarischen Genüsse aus Spanien hier nachzukochen. Mit mal mehr, mal weniger gutem Ergebnis. Gestern war davon ALLES vertreten :mrgreen:

Das Schöne an dem Essen ist, neben dem Nostalgieeffekt (und natürlich der Vorfreude), dass man alles davon auch super kalt essen kann, was im Sommer natürlich ein Megavorteil ist. Vielleicht habt ihr ja auch mal Lust darauf?

Gazpacho
Gazpacho ist ein spanisches Nationalgericht, eine Tomatensuppe, die man nicht kalt essen KANN, sondern kalt essen MUSS. Auch wenn das bei einigen nicht in den Schädel rein will.

So hatte ich letztes Jahr auf dem Jakobsweg eine kleine Diskussion mit einer Mitpilgerin, mit der ich zusammen essen wollte (eigentlich wollte ich nicht, die Tussi nervte nämlich wie Sau. Aber wir waren an diesem Tag die einzigen Pilger in der Jugendherberge und kannten uns halt schon -.-). Gazpacho gibt es in Spanien komfortablerweise in Tetrapaks zu kaufen, weshalb ich die Suppe für mein Abendessen auserkoren hatte. Es galt nur noch, die Tussi zu überzeugen.
Tussi: „Ne KALTE Suppe? Okay… naja, wenn es mir so nicht schmeckt, kann ich sie ja in der Mikrowelle warm machen.“
Ich: „Nein, kannst du nicht. Die schmeckt warm nicht.“
Tussi: „Ach, bestimmt.“
Ich: „Nein, bestimmt nicht. Die Zutaten werden zu keinem Zeitpunkt gekocht oder warm gemacht. Wenn du das doch tust, schmeckt das einfach megascheiße.“
Tussi: „Ja, aber wenn es mir kalt nicht schmeckt…“
Ich: „Dann wird sie dir auch warm nicht schmecken. Manche servieren die Suppe sogar mit Eiswürfeln, also glaub mir einfach, warm GEHT nicht!“
Tussi: „Naja, aber wenn ich sie dann in der Mikrowelle…“
Ich: „NEIN!!!“

Letztendlich, nach einer viel zu langen, anstrengenden Diskussion, kauften wir das Zeug schließlich und das erste, was sie sagte, als sie einen Löffel der kalten Suppe nahm war: „Boah, ist das geil!“

Und wenigstens damit hatte sie Recht, wenn auch bei sonst nix!

Die Suppe ist furchtbar einfach zu machen. Ihr braucht dafür nur:
– 1 Gurke (vermutlich der Grund, weshalb man Gazpacho nicht erwärmen sollte!)
– ein paar Tomaten
– 3-4 Paprika
– 2 Zwiebeln
– paar Knoblauchzehen
– 1 Chilischote
– halber Liter kalte Gemüsebrühe
– ca. ein- bis eineinhalb Liter passierte Tomaten
– ca. 100 ml weißen Balsamico (wahrscheinlich auch ein Grund)
– Olivenöl
– Salz, Pfeffer, bisschen Zucker

So, jetzt könnt ihr es euch entweder ganz einfach machen und sämtliche festen Zutaten einfach in den Mixer schmeißen oder mit einem Pürrierstab zerhäckseln. Dann einfach mit der Brühe, den passierten Tomaten, dem Essig und Öl mischen, abschmecken, fertig! Damit ist die reine Arbeitszeit knapp zehn Minuten, wobei man eben noch Zeit einrechnen muss, bis die gekochte Brühe kalt ist und auch das fertige Ergebnis schön im Kühlschrank abgekühlt ist.
IMG_1655Wenn ihr ein bisschen mehr Biss haben wollt, könnt ihr auch einen Teil der Zutaten in winzig kleine Würfel schneiden, statt zu pürieren. Das sieht dann auch schöner aus. Normalerweise tue ich das mit der halben Gurke (wobei ich die labberigen Kerne rauskratze und wie gehabt püriere) und einer der Paprikas. Manche tun das auch noch mit ein paar Tomaten, aber da die eh im Vergleich nicht so wirklich knackig sind, finde ich das unnötig. Gestern habe ich jedoch einfach alles püriert, weil mir das ausnahmsweise zu viel Arbeit war :mrgreen:
Das Öl ist so ein Thema. Eigentlich gehört in diese Menge Suppe (ich hatte gestern ungefähr 3 Liter) 150 ml Olivenöl. Nur habe ich festgestellt, dass der Geschmack auch mit viel weniger Öl einfach fantastisch ist, und da ich Olivenöl eigentlich auch nicht sonderlich mag…!
Was ich sagen will: Probierts aus, dosiert das Öl selber! Selbst mit der vollen Menge ist die Suppe keine Kalorienbombe. Damit ist sie einfach ein perfektes Essen an höllenheißen Sommertagen! Frisch, leicht, kühl, fantástico!

Spanische Tortilla
Immer, wenn ich von den tollen Tortillas schwärme, die es in Spanien stückweise überall für wenig Geld zu kaufen gibt (und damit meine ich wirklich ÜBERALL. Bei uns wäre das ja unmöglich, in jeder Kneipe selbstzubereitetes Essen anzubieten, aber die spanischen Gesundheitsbehörden und die Gewerbeaufsicht sind da nicht so. Womit ich völlig einverstanden bin.), verwechseln meine Zuhörer das immer mit der südamerikanischen Tortilla, also diese Teigfladen, in die diverses Zeug eingerollt wird. Eine spanische Tortilla dagegen ist im Grunde ein großes, dickes, rundes Eieromelett, das diverse Zutaten enthalten kann. Das Grundrezept und die Variante, die man in ganz Spanien bekommt, enthält allerdings nur Kartoffeln.

Das ist nicht mein erster Versuch, eine Tortilla zu machen. Das Tückische dabei ist, das Teil zu wenden. Beim ersten Mal resultierte das in einer dreckigen Küche und Rührei (hat auch gut geschmeckt). Bei den nächsten Malen versuchte ich es daher gar nicht erst, sondern bediente mich eines Tricks. Erst habe ich die Tortilla auf der einen Seite angebraten und dann mitsamt der Pfanne bei Oberhitze ein paar Minuten in den Ofen gestellt. Das Ergebnis sah aus wie eine Tortilla, war allerdings relativ trocken. Und da wir in meiner neuen WG einen Gasofen haben, der keine Oberhitze kennt, fiel diese Methode sowieso flach! Ich dachte also, ich probiere es dieses Mal wieder richtig.

Beim Rezept habe ich mich an der Variante orientiert, die im Wikipedia-Kochbuch ausgebreitet wird. Es ist eben ein Grundrezept ohne Schnickschnack und enthält:
– 1 Kilo Kartoffeln
– 6 Eier
– 150 ml Olivenöl
– 2 Teelöffel Salz
– 1 Zwiebel (die hab ich dazu getan, steht so nicht im Rezept)

Die Kartoffeln werden geschält und in dünne Scheiben geschnitten und mit der gewürfelten Zwiebel und einem Teelöffel Salz in 100 (!!) ml Olivenöl weniger gebraten denn frittiert. Dabei ist es wichtig, dass die Kartoffeln zwar gar werden, aber nicht braun. Bei unserem Gasherd, der nur die Stufen „Aus“ und „Inferno“ kennt, gar nicht mal so einfach!
Einfach so lange wenden, bis die Kartoffeln weich sind, dann das Öl abkippen, kurz abkühlen lassen und außerhalb (!!) der Pfanne mit den gequirlten und gesalzenen Ei mischen. Kurz ruhen lassen, dann die Masse in eine gut beschichtete Pfanne geben, die ebenfalls wieder 50 ml Olivenöl enthält.
Jetzt kam der schwierige Teil. Ich habe extra eine Pfanne genommen, deren Rand nicht so „steil“ ist. Nachdem die Masse untenrum gestockt war, ließ ich die Tortilla auf einen Teller gleiten (mit ein bisschen heftigen Anschubsen tat sie das auch). Dann habe ich die Pfanne verkehrt rum auf den Teller gelegt, das ganze rumgewirbelt und – voilá! Kein einziger Spritzer ging daneben!!! Grund genug, nachdem ich die Pfanne wieder auf den Herd gestellt hatte, in Rocky-Pose durchs Wohnzimmer zu rennen.

Yeah.
Yeah.

Und das Ergebnis war, wenn auch natürlich nicht wie aus der Fabrik, einfach wunderschön. Ich könnte weinen, so toll fand ich mich selbst. Und geschmeckt hat es auch!! Obwohl ich das Ei-Kartoffel-Verhältnis irgendwie nicht ganz ausbalanciert fand. Vielleicht waren die Eier zu klein, keine Ahnung. Beim nächsten Mal nehme ich jedenfalls zwei mehr.
Und dann musste mein Mitbewohner Dave natürlich ein bisschen klugscheißen. Immerhin war er vor ein paar Monaten in Portugal gewesen, hat dort eine Tortilla gegessen und weiß jetzt ALLES

Innensicht
Innensicht

darüber. Vor dem Hintergrund seiner immerhin einwöchigen Erfahrung (man stelle es sich vor!!) mit der Ernährung auf der iberischen Halbinsel wollte er mir erzählen, dass man die Kartoffeln in einer Tortilla NIE in Scheiben schneidet, sondern in Würfel. Dass ich insgesamt auf dem Jakobsweg wahrscheinlich in dreißig verschiedenen Lokalitäten Tortillas gegessen hatte, die Kartoffeln da IMMER in Scheiben geschnitten waren und auch alle Rezepte, die sich rühmen, eine „Original-Tortilla“ zu liefern, mit in Scheiben geschnittenen Kartoffeln arbeiten, zählte irgendwie nicht.
Naja. Hauptsache die Tortilla war geilo. Und das war sie!

Empanadas de atún
Auch diese Köstlichkeit ist in Spanien sehr verbreitet. Man kriegt sie mit allen möglichen Füllungen, aber die Thunfisch-Variante ist wohl am beliebtesten. Auch bei mir!
Empanadas gibt es in Spanien auch abgepackt im Supermarkt, dort, wo bei uns die abgepackten Brötchen etc. zu finden sind. Ich habe festgestellt, dass sie nicht nur sehr gut zu transportieren sind, sondern auch einfach unendlich deliziös sind. Dazu nahrhaft. Eigentlich das perfekte Essen zum Wandern.

Leider muss ich sagen, dass dieses Experiment (es war mein erster Versuch) ziemlich daneben ging. Ich habe mich dabei an diesem Rezept von Chefkoch orientiert. Die Füllung wurde dann auch richtig gut, wobei ich statt einer halben gelben und einer halben roten Paprika eine ganze grüne genommen hatte (weil das auch in Spanien so gemacht wird, scheint mir) und doppelt so viel Thunfisch genommen hatte. Das war auch absolut richtig gewesen.
Nur der Teig bereitete mir Probleme. Ich weiß nicht, was für ein Teig in Spanien genommen wird. Es ist kein Hefeteig, dazu ist er zu dünn und unfluffig (was gut ist). Es ist aber auch kein Blätterteig, wenn ich nicht völlig falsch liege, obwohl in den meisten deutschen Rezepten Blätterteig genommen wird!

Ich war ratlos und habe den Teig so probiert, wie er im Rezept stand. Und das war scheiße. Das Ergebnis ließ sich überhaupt nicht rollen, war klebrig und brüchig. Ein Mürbeteig halt. Und das kann keinesfalls stimmen!

Weil ich gestern keine Zeit mehr hatte und ich damit wirklich absolut nichts anfangen konnte, knetete ich schnell einen Teig aus Mehl, Backpulver, Wasser, bisschen Öl und Salz. Quasi ein Hefeteig ohne Hefe. Und das war schlecht. Das Ergebnis ist trocken, warm ziemlich knusprig und kalt einfach nur zäh. Wobei ich ein bisschen Schuld auch unserem beschissenen Gasofen gebe, der fast nur von unten heizt, während der Deckel einfach nicht braun wurde. Deshalb ließ ich die Empanada auch zu lange drin, und, ja… dann passiert halt das.

Ausgesehen hats ja ganz gut, aber naja...
Ausgesehen hats ja ganz gut, aber naja…

Sogar die sauleckere Füllung war danach ziemlich trocken, was ich ebenfalls anders kenne. Ich weiß nicht, ob das auch daran lag oder ob ihr von Anfang an Flüssigkeit gefehlt hat.

Falls hier irgendeiner nen Tipp hat, wie ich einen besseren Teig hinkriege, oder ob der Teig im spanischen Original vielleicht doch ein einfach nur ziemlich weicher Blätterteig ist… ich wäre sehr dankbar!

Von diesem Rückschlag abgesehen fand ich das Essen sehr gelungen, auch wenn mich das Ergebnis nur halb von dem Gedanken ablenken konnte, warum ich mich am bisher schönsten Tag des Jahres drei Stunden in die Küche stelle. Die Reaktionen meiner Mitbewohner waren dagegen eher gemischt. Dave mochte die Gazpacho gar nicht (aber er mag auch generell keine Tomatensuppe. Trotzdem… *grmpf*), David fand sie in Ordnung, allerdings nicht überwältigend. Damit sind sie die ersten und einzigen Personen bis jetzt die ich kenne, die nicht völlig begeistert waren von Gazpacho. Banausen!
Dafür hat David die Tortilla supergut geschmeckt, während Dave sie zu salzig fand. ICH dagegen fand sie genau richtig gewürzt.

Die Empanadas fanden sie okay. Was nicht gerade die Reaktion war, die ich erhofft hatte. Naja. Erster Versuch.

Jedenfalls, vielleicht konnte ich euch ja eine kleine Anregung für den Sommer geben. Die spanische Küche bietet natürlich noch viel, viel mehr, doch diese drei kleinen Gerichte sind praktisch die Basis der spanischen Ernährung ^^ Vielleicht ist euch ja aufgefallen, dass keines davon mehr als Salz und Pfeffer enthält. Durch die spanische Küche lernt man, dass Kräuter und selbst Gewürze eigentlich total überbewertet werden! Das war für mich eine völlig neue Erfahrung. Und wohl auch der große Unterschied zur italienischen Küche.

Fettarm ist das alles nicht gerade (außer eben das Gazpacho), aber halt saulecker. Und das ist es, was zählt!

 

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.

Wo soll’s denn losgehen? – Jakobswegplanung óle!

Es steht fest: Auch dieses Jahr wirds für mich wieder eine Pilgerreise geben!

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine offizielle Jakobswegpilgerin bin. Wer mich noch nicht so lange verfolgt, ist jetzt hoffentlich angemessen schockiert!

Immer, wenn ich davon erzähle, ernte ich bei meinen Zuhörern haargenau die selbe Reaktion: „Du bist den Jakobsweg gegangen? Den GANZEN?“

… und dann muss ich immer lachen. Es gibt nämlich nicht DEN Jakobsweg, ganz im Gegenteil. Der Jakobsweg ist vielmehr ein Wegenetz, das sich durch ganz Europa zieht und gerade im Mittelalter die sicherste Reiseroute darstellte. jakobsweg Ich denke, damit ist klar, dass ich nicht den GANZEN Jakobsweg gepilgert bin!

Zwei Touren habe ich bis jetzt hinter mir, einmal 2010 im Heiligen Jahr und einmal letztes Jahr. Leider hat es letztes Jahr GAR NICHT geklappt. Erst hatte ich eine Sehnenentzündung im Fuß, die mich eine gesamte Woche aus dem Verkehr gezogen hat, was einfach nur die Hölle auf Erden war, und dann war der verdammte Weg auch noch völlig overcrowdet. Es macht keinen Spaß, nach 25-30 Kilometern am Zielort anzukommen und zu erfahren, dass die Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger wieder mal ausgebucht sind.
Das ist übrigens nur die Schuld dieser blöden Sportpilger. Also Pilger, die den Weg nur wandern, weil er halt als gut ausgebautes Wegenetz existiert und sie das als sportliche Herausforderung betrachten. Natürlich IST der Jakobsweg eine sportliche Herausforderung, und nein, man muss um Himmels Willen nicht gläubig sein, um den gehen zu dürfen, aber wenn ich diese Assis an mir vorbei rennen sah mit ihrer funktionellen Sportkleidung für ein paar Hundert Euro, wie sie ohne nach rechts und links zu blicken über den Weg hetzen, ohne Interesse für die Geschichte, die Architektur, die Bedeutung des Ganzen und auch der spanischen Kultur, hätte ich jedes Mal brechen können!
Die Pilgerherbergen sind für die Pilger da. Aber diese Leute sind einfach nur… Wanderer. Pfui! Und als solche nehmen sie den Leuten die Plätze in den Herbergen weg, die auf sie angewiesen sind und sich keine Alternative leisten können. Deshalb sind die Herbergen ja auch so billig!

camino-dela-costa-karteUps… abgeschweift. Also: Nach meinen Erlebnissen vom letzten Jahr kommt der Camino de la Costa, der nördlichste Jakobsweg in Spanien, der Weg, den ich bei meiner ersten Tour gelaufen bin und der daher immer irgendwie MEIN Weg bleiben wird, leider nicht mehr in Frage. Ich hatte in meinem ersten Jahr wohl wirklich einfach Glück. Statt wegen des Heiligen Jahres (das ist übrigens ein Jahr, in dem der Tag des hl. Jakobs auf einen Sonntag fällt – in diesem Jahr darf Santiago de Compostela den erfolgreichen Pilgern als einer von nur vier christlichen Pilgerorten überhaupt auf der Welt eine komplette Absolution aller Sünden erteilen!) überfüllt zu sein, wie befürchtet, sind wegen dieser düsteren Prophezeiungen wohl viele gleich auf dem Hauptweg, dem Camino francés, gestartet (eben jener ging  auch Hape Kerkeling). Daher war ausgerechnet im Heiligen Jahr wesentlich weniger los als letztes Jahr.

Nachdem ich mehrere Nächte hintereinander nur beschissene Schlafmöglichkeiten gehabt hatte und aus diesem Grund übermüdet, gereizt und weinerlich war, beschloss ich eines Tages spontan, auf die Hauptroute zu wechseln und schnappte mir einen Bus nach León. Dieser hat nämlich mehr und besser ausgebaute Herbergen, womit es fast unmöglich ist, keinen Platz zu bekommen, egal wie langsam man latscht.

Das ist allerdings schon der einzige Vorteil, der mir einfällt. Ich bin einfach kein Fan des Camino francés. Dieser ist viel mehr als der Camino de la Costa touristisch orientiert, weshalb man in den Bars am Wege unverschämte Preise bezahlen muss und dann trotzdem nichts ordentliches dafür bekommt. Ich erinnere mich immer noch mit Wut im Bauch an diese blöde Bar hinter dem Crúz de Ferro, die mir tatsächlich Fertigtortillas servierte! Und dafür doppelt so viel verlangte wie für ne richtige, saugeile Tortilla im Norden!
Auch gefällt mir die Landschaft nicht besonders. Vielleicht wird das dieses Mal anders sein, weil ich letztes Jahr direkt vom grünen Norden kam und der Kontrast einfach zu krass war, aber damals fand ich die Aussicht zum Kotzen. Es wirkte auf mich alles völlig tot, flach und langweilig.

Und natürlich: Das Meer fehlt *seufz*

Der Camino francés beginnt in Saint-Jean-Pied-de-Port, einem Ort kurz vor der spanischen Grenze, womit sich leider für mich, sollte ich da losgehen, direkt zwei Probleme ergeben:

1. Der Camino francés ist auf gut zwei Dritteln des Weges absolut flach wie ein Brett. Das fiel mir umso mehr auf, weil der Camino de la Costa das genaue Gegenteil ist. Das ist natürlich recht komfortabel, weil es sich bekanntlich gerade leichter wandert als auf oder ab.
ABER: Von St. Jean aus geht direkt die erste Etappe steil nach oben – über die Pyrenäen. Und das ist für den Anfang ziemlich scheiße! Der Körper muss sich erst an die ungewohnten Strapazen gewöhnen, sonst gibt’s diverse Wehwehchen. Und nach meinen Problemen vom letzten Mal will ich das auf gar keinen Fall riskieren!

2. Das klingt vermutlich saublöd, aber mir ist der Weg einfach zu kurz. 800 km sind es von St. Jean bis Santiago (der Camino de la Costa ist ca. 50 km länger) und das ist irgendwie lahm. 1000 km mindestens, das wärs! Allein, weil es sich so lässig anhört: „Ich bin 1000 km gewandert, Bitches!“ Außerdem habe ich im Sommer viel Zeit, vielleicht zum letzten Mal in meinem Leben, und das möchte ich ausnutzen!

Wo starten, welcher Weg?
So, und da diese gängige Variante ausscheidet, steh ich nun hier und habe fünf, ja, FÜNF mögliche Startpunkte und Routen! Damit ihr mal seht, wie knifflig so eine Planung sein kann, und weil es mir vielleicht hilft, die Vor- und Nachteile schwarz auf weiß vor mir zu sehen, hier meine Überlegungen bis jetzt:

Den Camino francés nach Frankreich hin verlängern
jakobswegfrankreichOffiziell heißt dieser Weg wie gesagt erst ab Saint-Jean-Pied-de-Port Camino francés, aber das heißt nicht, dass er dort erst beginnt. Aus Frankreich streben ganze vier Wege auf dieses kleine Örtchen zu. Aus technischen Gründen (sprich, die Anreisemöglichkeiten) habe ich das auf zwei Möglichkeiten eingegrenzt, nämlich den Via Turonensis ab Bordeaux oder den Via Tolosana ab Montpellier.
Vor- und Nachteile: Bordeaux würde ich Montpellier vorziehen, weil dieser Weg wenigstens so nahe am Meer entlang läuft, dass man es vielleicht ab und zu sogar riechen kann, und die Strecke ab Montpellier sehr bergig aussieht. Nur, selbstverständlich: Ausgerechnet für diesen Weg gibt es offensichtlich keinen Pilgerführer!
Der größte Nachteil ist allerdings, dass ich kein Wort Französisch spreche und daher eigentlich keinen Bock habe, in Frankreich zu wandern. Das ist ein fettes, fettes Minus, auch wenn diese Varianten meine erste Eingebung waren. Dennoch habe ich weiter gesucht und habe weitere Möglichkeiten in Spanien gefunden, die länger sind als der Camino francés.

Der Jakobsweg ab Barcelona
Diesen habe ich auf der Karte entdeckt und war sofort entzückt – doch offensichtlich hat der nicht mal einen Namen. Ich habe versucht, mehr Informationen darüber zu sammeln, aber dieser Weg scheint noch nicht so wirklich erschlossen zu sein. Keinen Namen, daher auch keinen Pilgerführer – das erscheint mir dann leider zu unsicher! Da nützt es nichts, dass der Weg wohl meine Kriterien die Weglänge betreffend erfüllt.

Der Jakobsweg ab Sevilla
viadelaplata Dieser Weg dagegen ist ganz genau 1003 km lang, was natürlich ideal wäre! Der Via de la Plata scheint zudem von den größten Pilgermassen, die ich ja nicht so prall finde, weitestgehend verschont. Also ne schöne Alternative!
Doch schnell sollte mir gezeigt werden, warum er so einsam ist. In Sevilla und noch viele Kilometer weiter werden es im Juli/August bis zu 50 Grad. Fünf.zig.Grad. Dazu kaum Schatten und verbrannte Landschaft. Und da muss ich sagen: Der Mensch, oder zumindest ich, ist für solche Temperaturen nicht geschaffen. Das würde ich schlichtweg nicht überleben! Daher scheidet dieser Weg, jedenfalls für diese Jahreszeit, definitiv AUS!

Der Jakobsweg ab Valenciacaminodelevante
Dies ist nun die fünfte und jüngste Möglichkeit, die mir offenbart worden ist. Der Camino de Levante beginnt in Valencia, macht erst mal nen lustigen Schwenker und führt dann quer durch Spanien, bis er in Astorga (da war ich schon!) auf den Camino francés trifft. Insgesamt ist er mit diesem Wegstück bis Santiago 1200 km lang und scheint wettermäßig milder zu sein (heißt: bis 35 Grad *hust*)
Ich muss sagen, dass mir diese Route bis jetzt am besten gefällt! Der einzige Nachteil, und der ist leider doch schon erheblich, ist die Länge der Etappen. Während es auf dem Camino francés ständig und auch schon nach wenigen Kilometern immer wieder Herbergen gibt, scheint diese Versorgung auf dem Camino de Levante noch nicht gegeben zu sein. Allein die erste Etappe ab Valencia ist 35 km lang, was gerade für den Anfang viel zu viel ist. Wie gesagt, ich hatte letztes Mal erhebliche Schwierigkeiten mit den Füßen, deshalb will ich mich auf gar keinen Fall überanstrengen! Abbrechen kommt nicht in Frage.
Doch da kann ich überlegen, ob es vielleicht möglich ist, einige der längsten Etappen per Bus etc. abzukürzen. Das ist zwar sehr verpönt, doch das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich bin bei meinem ersten Camino 800 km gewandert, obwohl ich sehr untrainiert bin, ich muss mir also von niemanden sagen lassen, dass ich keine richtige Pilgerin sei!

Wie ihr seht, ich so eine Pilgerschaft planungsintensiver als man so gemeinhin denkt. Dennoch hoffe ich, mich bald entscheiden zu können, um meine Anreise zu regeln und mich schon ein bisschen in Vorfreude zu aalen.

Hilfreich ist mir dabei, dass dieser Camino auf gar keinen Fall so schlimm werden kann wie der letzte!

Wenn du was zu meiner Reisekasse beitragen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.