Stephen Kings „Brennen muss Salem“

Stephen King – Brennen muss Salem
Salem’s Lot, 1975 (deutsch 1979)


brennenmusssalemBen Mears, ein erfolgreicher Autor, kehrt nach langen Jahren in seine Heimatstadt Jerusalem’s Lot zurück. Einst hatte er dort im örtlichen Spukhaus ein Erlebnis, das ihn selbst als Erwachsener nicht los gelassen hat. Um den Geistern der Vergangenheit ins Gesicht zu sehen, beschließt er, sich seinen Kindheitsängsten zu stellen und seine Erlebnisse um das sogenannte „Marsten-Haus“ vor Ort literarisch zu verarbeiten.

Kaum angekommen muss er feststellen, dass genau dieses Haus, obschon von der gesamten Stadt gemieden, da es als „verflucht“ gilt, inzwischen nicht mehr unbewohnt ist: Kurt Barlow und sein Geschäftspartner haben es bezogen und wollen angeblich einen Antiquitätenhandel in Salem’s Lot eröffnen.

Schon bald nach Barlows Ankunft häufen sich allerdings die seltsamen Ereignisse: Menschen verschwinden oder werden tot aufgefunden, andere verlassen nur noch in der Nacht ihre Häuser und tragen sichtbare Bissspuren an ihren Hälsen. Ben Mears sowie die wenigen skeptischen Bürger der Stadt, die er um sich schart, sind bald davon überzeugt: Bei Barlow muss es sich um einen blutrünstigen Vampir handeln…


Brennen muss Salem war eines der ersten Bücher, die ich von Stephen King gelesen habe – und das erste, das mir nicht gefallen hat.

Ich kann nicht mehr sagen, wann es anfing, aber seit ich mich erinnern kann, fasziniert mich der Vampirmythos. Ich schreibe absichtlich „der Mythos“, denn viele Darstellungen von Vampiren in Film und Literatur haben mit der ursprünglichen archetypischen Vampirfigur recht wenig zu tun, weshalb ich genau dieses Thema paradoxerweise eher meide, um nicht von falschen Interpretationen genervt zu werden!

Stephen Kings Vampire in Brennen muss Salem waren die misslungensten, die ich bis dato kennen gelernt hatte – aber das war ja auch lange vor „Twilight“.

Besonders nervte mich im Roman die  (leider weit verbreitete) Prämisse, der Biss eines Vampirs würde jeden Menschen automatisch ebenfalls zum Vampir machen, als wäre Vampirismus nur irgendein Virus, der durch einen Biss übertragen wird – dabei muss ein Vampir einen Menschen erst beißen, ihn dabei fast völlig aussaugen und dann von seinem eigenen Vampirblut zu trinken geben. Wesentlich komplizierter, aber so ist es nun mal! Jedenfalls ist das die Version, die mir am besten gefällt.

Dass man dieser Verwandlung entgehen kann, indem man den 23. Psalm aufsagt und sich eine Tetanusspritze setzt, ist Stephen Kings exklusive Erfindung und dabei dann wirklich noch das Tüpfelchen auf dem i (aber immerhin hat mich das als 12jährige dazu gebracht, eben diesen Psalm auswendig zu lernen – nur so zur Sicherheit. Das schindet Eindruck!).

Das klingt vermutlich kleinlich und ist es wohl auch. Aber leider ist das nicht der einzige Kritikpunkt, der das Buch für mich recht schlecht macht.

Hierbei handelt es sich erst um Stephen Kings zweiten Roman (nach Carrie), was in meinen Augen unübersehbar ist. Zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm wohl noch einiges an der Routine, die ihm später zugute kommen sollte. Bis dahin findet sich leider hier (wie auch in anderen seiner Frühwerke) so manche sprachliche und dramaturgische Behäbigkeit und eine Charakterzeichnung, die weit unter dem Niveau verbleibt, für das ich ihn später noch feiern werde. Besonders möchte ich hier Mark Petrie hervor heben, einen zwölfjährigen Jungen, dessen Bekanntschaft mit einem Vampir noch mal glimpflich abläuft, bevor er mit Ben Mears den Kampf aufnimmt, und dessen Motivation ich nicht so wirklich verstehe… aber auch viele der anderen Stadtbewohner, mit denen Stephen King Salem’s Lot bevölkert, sind nicht mal ansatzweise so gut ausgeführt wie die Bürger der späteren Städtchen, in denen er seine Geschichten spielen lässt, womit Salem’s Lot als Schauplatz leider ziemlich blutleer wirkt (chrchr!!!).

Die irgendwie recht konfus wirkende Story tut dann noch sein übrigens. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass das erwähnte Kindheitstrauma von Ben Mears, welches in Barlows neuem Domizil geschehen ist, so wirklich gar nichts mit dem Rest der Geschichte zu tun hat (außer vielleicht insofern, dass sich creepy Leute nun mal zu creepy Plätzen hingezogen fühlen). Es drängt sich der Eindruck auf, dass Stephen King einfach halt irgendwas mit Vampiren machen wollte und dafür keinen besseren Aufhänger gefunden hat!

Viel mehr kann ich über dieses Buch leider nicht mehr sagen, da es um die 15 Jahre her ist, dass ich es gelesen habe (!).

Ich teile Stephen-King-Bücher lediglich in zwei Kategorien: „Immer wieder lesenswert“ und „Einweg-Bücher“. Brennen muss Salem war das erste Buch, das auf den letzten Stapel gehörte. Ich habe es einmal gelesen und finde es schlichtweg zu langweilig, um mich noch einmal durchzuquälen. Daher kann ich den Roman leider nur denjenigen empfehlen, die sich an den Dunklen Turm wagen wollen, denn der Pfarrer des Städtchens, Father Callahan (immerhin als alkoholkranker Geistlicher am Rande der Apostasie die interessanteste Figur im gesamten Roman), wird in eben diesem Epos noch eine gar-nicht-mal-so-kleine Rolle spielen. Wer also nicht nur auf die kurze (aber eigentlich völlig ausreichende) Zusammenfassung angewiesen sein will, die der Dunkle Turm zu seiner Person und den Ereignissen in Brennen muss Salem liefert, dem sei das Buch ans Herz gelegt.

Allen anderen kann ich nur sagen, dass Stephen King durchaus noch einige schlechtere, aber auch viele wesentlich bessere Romane geschrieben hat und man daher lieber bei denen zugreifen sollte, wenn man sich dem Werk des Meisters erstmals widmen will.

3 von 10 Tetanus-Spritzen!


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