Wir lassen uns nicht instrumentalisieren!

Fuck you I won’t do what you tell me.“
– Rage against the Machine

Wir leben in einer Welt, in der Terror fast schon normal geworden ist. Was in anderen Teilen der Erde seit Ewigkeiten zwangsläufig zum Alltag gehört, ist in den letzten Jahren auch in Europa angekommen – sei es in Paris, Berlin oder erst gestern wieder London.
Das sorgt einerseits verständlicherweise für Unsicherheit, aber auch für gewisse Abnutzungserscheinungen. Es ist schlicht nicht möglich, über Monate und Jahre den Grad an Entsetzen aufrecht zu erhalten, der bei jeder einzelnen dieser Attacken eigentlich angebracht wäre. Das ist menschlich. Genauso menschlich ist es aber, plötzlich doch nochmal besonders fassungslos zu sein, wenn es jemanden oder etwas trifft, mit dem man sich in irgendeiner Weise verbunden fühlt.

baendchenAus diesem Grund war ich vorgestern dann im ersten Moment auch wirklich schockiert, als ich erfuhr, dass Rock am Ring wegen Terrorgefahr unterbrochen worden ist. Dabei hatte ich noch vor wenigen Tagen erst das neue Sicherheitskonzept kritisiert, das Taschen und „Behältnisse“ aller Art auf dem Gelände verbietet. (An dieser Kritik halte ich auch fest. Der Umstand, dass die verdächtigen Personen keine Gäste waren, sondern zur RaR-Truppe gehört haben, widerspricht mir da ja auch nicht wirklich.) Ich bin schon seit Jahren davon überzeugt: Rock am Ring ist als Großveranstaltung ein attraktives Ziel für Anschlagspläne und wer diese wirklich durchziehen will, der findet einen Weg.

Trotzdem traf mich die Meldung wie ein Amboss aus dem Nichts. Mehrere Bekannte sind gerade auf dem Festival, schickten mir Informationen oder baten selber um welche, da sie auf dem Campingplatz schlechtes Internet hatten. Unzählige Nachrichten flogen umher in diversen Whatsapp-Gruppen, daheim gebliebene Freunde machten sich Sorgen um die, die zum Ring gefahren sind, diese wiederum bemühten sich einerseits, die Leute zuhause zu beruhigen und anderseits, ihre überall auf dem Gelände verstreuten Kumpels auf den schnellsten Weg zurück zum richtigen Campingplatz zu lotsen – ein kleines Chaos, man kann es sich vorstellen.

Letztendlich war die Situation ja doch ungefährlich und die Unterbrechung nur eine vorsorgliche Sicherheitsmaßnahme. Und so ließ mein Schock am späteren Abend dann auch fast genauso schnell nach, wie er gekommen war. Mehr noch, ich grinste sogar bei dem Gedanken an die ungeplante, aber bestimmt hammergeile Party, die jetzt mit Sicherheit auf den Campingplätzen stieg (und wünschte mir ein bisschen, dabei zu sein – vielleicht pietätlos, aber die Wahrheit).
Tatsächlich lief es dann anscheinend genauso ab, wie ich mir das vorgestellt habe: Die Polizei lobte die Besucher für ihren geordneten Rückzug, es kam zu keinen Krawallen, alles lief friedlich ab. Nicht mal per Whatsapp hat irgendjemand gemeckert. Kann man ja eh nix dran ändern, gehen wir halt saufen. Das ist der Ring, wie ich ihn kennen gelernt habe.

Und vor allem ist das die Art Community, die für zwei Dinge keinen Platz hat: Hass und rechte Hetze. Genau das sind aber die einzigen Programminhalte der AfD, die sich natürlich innerhalb kürzester Zeit (als auch eigentlich noch kaum etwas zu den Hintergründen bekannt war) zu Wort meldete, fast, als hätte sie auf genau so eine Gelegenheit gewartet, um sich mal wieder als Retter der freien Welt aufspielen zu können. Vermutlich hatten diese Elendstouristen das Statement für den Fall des Falles schon vorbereitet in der Schublade.

Aus AfD-Sicht macht das natürlich Sinn: Terroranschläge, ob vereitelt oder ausgeführt, sind für sie Wasser auf die Mühlen ihrer Agenda und damit eigentlich das Beste, was ihnen passieren kann. Vermutlich hat ihnen bisher jeder Anschlag einen Zustrom an neuen Wählern beschert. Warum sich also jetzt nicht an Festivalbesucher anbiedern? Die müssen doch alle richtig Kochen vor Wut oder schlottern vor Angst. Da kann man ansetzen, da geht doch was!

Rock und Metal haben ja in manchen linken Kreisen einen Macker-Ruf. Für die ein oder andere alteingesessene Band mag das ja sogar stimmen. Tatsächlich ist die Nu-Metal-Szene (und alles, was da musiktechnisch noch so dranhängt), die jahrelang den Ring dominiert hat, aber die toleranteste, freundlichste, lustigste Szene, in die ich je Einblick haben durfte.

Ich will nicht sagen, dass die Szene unpolitisch ist. Bands wie System of A Down, Rage against the Machine oder Bad Religion sind definitiv nicht unpolitisch. Auch fiel die Hochzeit dieser Musik in die frühen 2000er, erlebte also den 11. September, den Afghanistan-Feldzug, den Irakkrieg etc.pp. Es wurde viel gegen den Krieg gesagt und gesungen. Als George W. Bush von der „Achse des Bösen“ sprach, schlossen sich mehrere Stars zusammen und konterten mit der Gründung der „Axis of Justice“. Da ging so einiges, und das meiste war cool.

Nein, die Szene ist nicht unpolitisch – doch vom Standpunkt politisierter Kreise aus wirkt das vielleicht so, weil vieles eher diffus klingt. Aber nur weil man keine Demos organisiert oder in einem wöchentlichen Sitzkreis darüber reflektiert, welche Begriffe jetzt am wenigsten offensive sind, ist man noch lange nicht gleichgültig gegen Hass. Und vor allem ist keine einzige Person, die ich auf dem Ring kennen gelernt habe, wirklich so blöd, auf diese plumpen Anbiederungsversuche der AfD rein zu fallen!

Ich meine… ernsthaft!? Die besorgten Bürger, aus welcher die AfD-Wählerschaft besteht, sind dieselben, die nach den Schulamokläufen der 2000er gegen unsere Musik gejault haben. DIE haben das vielleicht vergessen, aber WIR nicht. Ihr könnt über „Fake News“ heulen, so viel ihr wollt, aber Tatsache ist, dass ihr, wenn ihr keine Argumente habt, aber dringend einen Schuldigen braucht, beängstigend gewalttätige Songtexte auch gerne mal einfach so erfindet!

Was, das war ja gar nicht die AfD, die gibt es ja noch gar nicht so lange? Natürlich nicht! Aber es ist derselbe Menschenschlag: erzkonservative Griesgräme, die alles ablehnen, was ihnen fremd ist und sie nicht kapieren. Leute, die Männer mit langen Haaren, verzerrte Verstärker und Flunkyballturniere bis vorgestern am liebsten verboten hätten! Aber jetzt ist plötzlich alles anders, weil sie glauben, die Menschen, die sie gerade noch wie Abschaum behandelt haben, könnten sich als Verbündete eignen, weil Mitglieder einer anderen Gruppe, die sie immer noch am allermeisten hassen, ein Festival gestört haben.

Aber das funktioniert nicht. Ich war siebenmal auf Rock am Ring und erlaube mir jetzt einfach mal im Namen aller Ringrocker zu sprechen: Wir lassen uns von euch nicht instrumentalisieren. Wir wollen euch nicht und wir brauchen euch nicht, nicht in unseren Parlamenten und auch nicht als Retter unserer „Lebensweise“, die ihr, ihr ach so braven Kleingartenbesitzer, bisher doch so krank und brutal und pervers fandet. Und das könnt ihr gerne weiterhin tun, denn WIR finden euch auch scheiße!

Ich bin froh, dass am Ring alles wieder in Ordnung ist und anscheinend alle Spaß haben. Denn darum geht es bei einem unserer größten Festivals, egal wie brutal und gewalttätig viele unserer Bands für Helene-Fischer-Fans auch klingen: um Spaß, der auch durch eine kleine Unterbrechung nicht ernsthaft gestört wird. Und das zusammen mit 80.000 anderen Leuten, egal woher die kommen oder welche Hautfarbe oder Religion die haben. Das ist nämlich alles unwichtig, denn jeder Mensch ist cool, solange er einen guten Musikgeschmack hat!

Ihr seid die, die immer nur nach unten treten und alles hassen und fürchten, was nicht Mainstream ist. Aber das, ihr Arschlöcher, war noch nie unsere Art, denn zu oft haben wir auch schon den ein oder anderen Tritt abbekommen. Wir boxen lieber nach oben. Und vor allem haben wir keine Angst, was das einzige ist, von dem eure miese kleine Partei zehrt. Also bitte tut uns den Gefallen und nervt eine andere Community, denn bei uns habt ihr keine Chance!

Denn auch wenn viele Ringrocker auf den ersten Blick unpolitisch sein mögen, hat es doch einen Grund, weshalb die Toten Hosen oder die Ärzte gefühlt jedes Jahr am Nürnburgring spielen, die Onkelz aber noch nie.

Wenn du den Schmerz ein wenig lindern willst, freue ich mich über eine kleine Spende via Paypal in Form einer Tasse Kaffee. Nur brauche ich in diesem Fall Schnaps, aber das ist hoffentlich auch ok.

Rock am Ring: let’s talk about the money!

Zum Ende meiner kleinen Rock-am-Ring-Exkursion noch was zu dem Thema, das die Welt regiert und in absehbarer Zeit auch zerstören wird: Geld.

Ich lese und höre immer wieder, dass es ja so schwer wäre, ein Ticket für RaR zu ergattern. Falsch, ein Ticket zu bekommen ist etwa genau so leicht, wie in den Aldi zu latschen und eine Packung Milch zu kaufen. Man muss halt nur früh genug dran sein und die entsprechende Kohle dafür haben. Daran mangelt es den meisten wohl. Und dadurch wird der Ticketkauf natürlich schon mal zu einem „Postal 2“-Szenario.

160 Euro hab ich dafür dieses Jahr hingeblättert. Bei meinem ersten Ring 2005 waren es glaube ich noch 115, maximal. Viel Geld, aber ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mir das Ticket einfach zu Weihnachten zu wünschen – Problem gelöst!

Bleibt die Verpflegung. Fünf Tage Ring heißt: Mindestens zehn Dosen Ravioli, Nudelpäckchen oder 5-Minuten-Terrinen (ich empfehle ja die Pürree-Variante mit Croutons. Ist unschlagbar schnell fertig und schmeckt für Päckchenscheiß erstaunlich geil!), die beiden letztgenannten Varianten natürlich nur, wenn ihr nen Gaskocher dabei habt oder einen armen Trottel, der einen hat und euch ihn benutzen lässt, bis die Gaskartusche alle ist. Wenn man im Schnitt 1,50 Euro für den Scheiß rechnet, kommt man auf 15 Euro, dazu vielleicht noch Bifi, Grillfleisch für den ersten Tag und was Süßes, sagen wir: Insgesamt 25 Euro.

Alkohol muss natürlich auch mit. Bier kann man sich ja mit Freunden teilen und, sofern man in Grenznähe wohnt, dort besorgen (= kein Dosenpfand!). Veranschlagen wir dafür 15 Euro, was eine vorsichtige Schätzung ist.
Ansonsten würde ich eine Flasche Schnaps pro Tag rechnen. Bei uns kosten die billigsten Rum- oder Wodkavarianten einen etwa Fünfer pro Flasche, macht 25 Euro. Dann braucht man aber noch was zu mischen, wodurch es leicht 10 Euro mehr werden, sprich 35.

Und dann will (bzw. muss) man ja auf dem Gelände etwas essen: macht eine Millarde Euro.
Nee, ganz so schlimm isses nicht, aber nah dran. Das Problem hierbei ist, dass das Essen auf dem Festivalgelände nicht nur übelst teuer ist, sondern leider auch ultra gut, wenn man weiß, was man nehmen muss. Döner und Tortellini sollte man meiden, aber der Rest!
Aufm Ring gibt es die GEILSTEN Chinanudeln, den ABARTIG BESTEN Backfisch und nicht zuletzt das VERFICKT NOCHMAL ALLERGEILSTE, ÜBERTRIEBEN LECKERSTE „Handbrot“! Das ist eigentlich nur Hefeteig mit Käsefüllung, wahlweise mit Speck oder Pilzen und nem Klecks saure Sahne obendrauf – aber SO GUT!

Und darüber hinaus mit 4 Euro das einzige Essen mit angemessenem Preis (Chinanudeln und Backfisch kriegt man dagegen für jeweils 6 Euro). Doch es hilft nichts, eins von allem muss man mindestens essen – macht 16 Euro. (Sofern man nicht von jedem mindestens zweimal isst, aber das ist mein persönliches Problem.)

(Bier auf dem Festivalgelände rechne ich nicht mit. Wer für diese Plörre (die, auch wenn sie es nicht zugeben, aus Leichtbier besteht, das schneller wieder nüchtern macht als man es trinken kann) tatsächlich Geld hinblättert, für denjenigen empfinde ich kein Mitleid.)

So mit diesen absoluten Basics kommen wir bereits auf 251 Euro. Ein Festivalshirt und andere Kinkerlitzchen nicht eingerechnet.

Scheiße.

Aber dieser riesige Berg aus Unkosten habe ich natürlich mit meiner unnachahmlichen Art etwas abtragen können. Wie? Ganz einfach:
Man bezahlt mit dem Ticket das sogenannte Müllpfand mit, das sich auf 5 Euro beläuft. Fährt man auf den Campingplatz, kriegt man unter Vorlage seines Tickets drei Müllsäcke (gelber Sack, Glas und Restmüll) und die Müllpfandkarte. Die ist, wie gesagt, 5 Euro wert. Geht am also montags mit eben dieser Karte und einem gefüllten Müllsack zur entsprechenden Stelle, kriegt man also dafür nen Fünfer bar auf die Kralle.

Die meisten Leute interessiert das jedoch einen Scheißdreck.

Auftritt: Moi, die obsessive Pfandjägerin. Ich bin dieses Jahr etwa eine Stunde locker über den Zeltplatz geschlendert, auf dem sich nur noch wenige Zelte, aber eine Menge, Menge Müll befand, und sichtete – 15 Karten.
FÜNFZEHN. Das sind 75 Euro.
Und da die Abgabe des Mülls selbst die dafür zuständigen Ordner nicht so wirklich interessiert, habe ich dafür nur pro forma insgesamt fünf Müllsäcke abgegeben, die ich nicht mal selbst gefüllt habe (die meisten lassen ihre Säcke nämlich einfach stehen), und trotzdem das Geld bekommen. Ist das geil, oder was?

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, warum ich dieses Wissen an euch weiterreiche. Die schöne Antwort lautet, dass ich, wenn meine Lebensplanung so weiterläuft wie ich es vorhabe, nächstes Jahr schon nicht mehr auf so ein paar mickrige Kröten (!!! was rede ich da!) fürs Mülllsammeln angewiesen sein werde. Die ehrliche Antwort lautet, dass ich es schlichtweg niemanden zutraue, auf dem Gebiet so erfolgreich zu sein wie ich. Ich habe dafür einfach eine Gabe. Eine Müllpfandkarte erkenne ich aus 20 Metern Entfernung. Das ist meine Superkraft.

I’m gifted. Ihr nicht.
Tut mir leid.

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Rock am Ring – ein ganz normaler Ankunftstag

Mittwoch, 6:00 Uhr: Aufstehen. Viel zu früh. Aber nicht schlimm, an Schlaf war eh nicht wirklich zu denken.

6:30 Uhr: Duschen. Zum letzten Mal für eine viel zu lange Zeit.

7:00 Uhr: Sandwichs machen, weil: Tradition.

8:00 Uhr: Letzte Besorgungen machen, Ravioli und so. Man weiß ja nicht schon ein Jahr vorher, dass man Anfang Juni zum Ring fährt!

9:00 Uhr: Treffen bei beliebigen Kumpel mit der ganzen Bagage. Fröhliches Umpacken. Die Nicht-Fahrer öffnen ihr erstes Bier.

9:30 Uhr: Verabredete Abfahrtzeit.

10:30 Uhr: Tatsächliche Abfahrtzeit.

11:00 Uhr: Ich trinke mein traditionelles eiskaltes Jacky Cola aus der Dose. Bin wie immer überrascht, wie scheiße es schmeckt, trinke es aber trotzdem. Werde dank leeren Magens schon etwas voll. Verlange Partymusik. Nerve meine Mitfahrer mit hohen Kichern an der Grenze des menschlichen Hörvermögens.

12:00 Uhr: Traditioneller Zwischenstop an einer Autobahnraststätte. Wildes, fröhliches Rumgegröhle beim Anblick diverser Raststättengäste, die offensichtlich das selbe Ziel haben. Ich versuche im Tankstellenshop eine Bravo zu kaufen und habe wie jedes Jahr vergessen, dass die dort keine führen.

13:00 Uhr: Ankunft Ring, Hallo Stau.

13:30 Uhr (mit Glück): Einfahrt auf C1. Panisches Gekrame nach dem Ticket. Die Ordner mit grenzwertig witzigen Witzen nerven.

13:31 Uhr: Parken.

13:32 Uhr: Der Moment, in dem einen einfällt, was man alles ultrawichtiges vergessen hat (Lieblings-Schlafshirt, persönliches Kuschelkissen, Insulin).

13:35 Uhr: Zeug ausladen und zum Zeltplatz hochtragen. Möglichst gelangweilt tun, wenn man anbietet, die offenen Autos zu bewachen, damit niemand auf die Idee kommt, dass man sich vor der Schlepperei drücken will. Was man aber natürlich will.

14:00 Uhr: Ein Platz wurde erobert, die Autos sind ausgeladen. Der Zeltaufbau kann beginnen.

14:00:02 Uhr: Zeltaufbau abgeschlossen. Danke, Quechua!

14:01-15:00 Uhr: Einräumen, Matratze aufblasen, mit allen Mitreisenden den Rest (Pavillion, Grill, Aggregat) aufbauen oder wenigstens so tun als ob.

15:00 Uhr: Sich an der Bändchen-Ausgabe anstellen. Die Neuregelung, es am rechten Arm tragen zu müssen, mit einem empörten „Diskriminierung!“ kommentieren (man ist ja nicht umsonst stolze Linkshänderin). Die ausgesprochene Hässlichkeit des aktuellen Bändchens bestaunen. Das neue Logo ist immer noch scheiße!

15:30 Uhr: Klappstuhl aufklappen, Bierdose öffnen. Chillmode!

15:35 Uhr: Jemand baut sich breitbeinig und mit diabolischen Grinsen inmitten des Klappstuhllagers auf, den Bierbong in der Hand. Innerliche Kapitulation.

15:35-16:00 Uhr: Mehr „Schluck, du Luder“-Witze ertragen, als man in seinem ganzen Leben jemals hören wollte.

16:30 Uhr: Erstes Flunkyball-Match!

17:00 Uhr: Karten auspacken und eine Runde „Schwarz oder Rot“ spielen, das simpelste Saufspiel der Welt (ja, es funktioniert genau so, wie ihr jetzt denkt).

18:00 Uhr: Mit ein paar Bier „Stau kucken“ gehen und diese Deppen auslachen, die jetzt erst anreisen.

19:00 Uhr: Grillen. Fleisch. Frisch. Yeah!

20:00 Uhr: Musik wird aufgedreht. Ab jetzt wird richtig gesoffen.

22:00-? Uhr: Über den Platz taumeln und sich die anderen Camper ankucken. „Wooooo“ schreien, fantasievolle Deko bewundern, Brüderschaft trinken, unbekannte Alkoholika ausprobieren, Tanzen. Manche Ringrocker werden bei dieser Tour zum letzten Mal gesehen und tauchen unvermittelt montags vor der Abreise wieder auf.

Irgendwann zwischen ? und 6:00 Uhr: Ins Zelt fallen. Schlafen wollen.

Eine Minute später: Zum ersten Mal richtig registrieren, dass man neben ein paar Grobassis zeltet, die die ganze Nacht hindurch mit 150 Dezibel Musik spielen, die man hasst.

Unbekannte Zeit später: Trotzdem irgendwie schlafen. Morgen geht’s erst richtig los!

 
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Rock am Ring – Tipps und Tricks!

So kommet und lernet vom unschätzbaren Erfahrungsschatz einer siebenmaligen Ringrockerin, die auch dieses Jahr nicht dabei sein wird, aber ihr Wissen gerne der neuen Generation zur Verfügung stellt…

Die folgende Auflistung richtet sich an Erstringrocker und andere Interessierte und ist absolut unvollständig und subjektiv. Viel nützlichere Tipps findet ihr im Ringkrocker-Forum.
Aber ich bin lustiger.

Ganz allgemein: Das Wetter. Ich traf 2012 am Dixieklo auf ein bibberndes Mädel mit hinreißender Zahnspange, das mir ungefragt Klopapier abgab („man muss sich ja gegenseitig helfen“) und sich neidisch über mein Bundeswehr-Jacket äußerte. Sie war davon ausgegangen, dass Anfang Juni die Temperaturen angenehm seien.
Falsch, falsch und falsch. Die meisten wissen nicht, dass die Eifel in einem „Game of Thrones“-ähnlichen Paralelluniversum liegt, in dem der Winter auch schon mal mitten im Sommer zuschlägt. Das glaubt ihr mir nicht? 2009 checkte ich am Abfahrttag das Wetter für das Wochenende. Gemeldet waren 15 Grad und Nieselregen. Scheiße, dachte ich. Tja, wärs nur so gewesen: Samstagmittags waren laut Durchsage SIEBEN GRAD vor der Centerstage. Nachts dürften sich die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt bewegt haben.
Daher: Warme Pullis und ne Jacke nicht vergessen, selbst wenn im Rest von Deutschland 30 Grad herrschen. In der Eifel ist alles anders.

Überhaupt, die sanitären Anlagen: Wer jemals ein Zeltplatz-Dixie benutzt hat, wird keine Angst mehr vor der Hölle haben.
Es ist… unbeschreiblich. Völlig desolat. Aber leider recht alternativlos… oder?
Ihr solltet auf jeden Fall Klopapier mitnehmen, denn auf den Dixies werdet ihr keins finden (beziehungsweise werdet ihr das, was ihr dort findet, nicht benutzen wollen). Auch empfehle ich die Zehner-Karte für 4,50 Euro für die normalen Klos, die leider nicht ganz so zahlreich sind, wie es wünschenswert wäre. Wenn ihr eine entspannte Sitzung wollt, ist die nächtliche Rückkehr vom Festivalgelände der geeignete Zeitpunkt. Lesestoff wäre dabei vom Vorteil (meine Wahl: Tiefschürfende Zeitschriften wie „Mein Erlebnis“ oder „Meine Sünden“, die rührselige, natürlich absolut authentische, dabei latent sexistische Frauenschicksale zum Inhalt haben. Bei aufregenden Geschichten wie „Ich habe meinen Mann betrogen – mit einer Frau!“ oder „Nach drei Scheidungen – in Portugal fand ich endlich mein Glück!“ kann ich völlig loslassen.).

Wenn ihr in Waldnähe zeltet, solltet ihr auch auf jeden Fall einen Marsch in die unberührte Natur in Erwägung ziehen. Dabei unbedingt auf Tretminen achten (die sind allerdings durch Klopapierhügel gekennzeichnet). Nach zwei, drei Tagen Dixieklo ist das Gefühl eines sanft streichelnden frischen Lüftchens um euren nackten Hintern einfach zum Weinen schön.
Ein letzter dringender Hinweis: Wenn ihr kotzen müsst, dann geht um Himmels Willen nicht auf ein Dixieklo. Ich habe diesen Fehler einmal gemacht. Dabei hat Gott zu mir gesprochen. Kein Scheiß. Lasst es.

Um beim Thema Lesestoff zu bleiben: An einem Donnerstag kann mittags tatsächlich mal Langeweile aufkommen. Nichts eignet sich für solche Situationen besser als oben bereits genannte Illustrierte oder Jugendzeitschriften wie die „Bravo“. Vorteil: Je älter ihr werdet, desto lustiger und verstörender wird diese Lektüre. Lacht gemeinsam über die völlig überzogene Nutzung angeblicher Jugendsprache, findet heraus, welcher Flirttyp ihr seid und spielt die Foto-Love-Story mit verteilten Rollen nach. Die „Dr. Sommer“-Seite regt zudem immer wieder unterhaltsame Diskussionen an, im Zuge dessen ihr vielleicht mehr über eure Freunde erfahrt, als ihr jemals wissen wolltet. Teils offenbaren sie eklatante Wissenslücken selbst bei Mittzwanzigern und tragen viel zum Verständnis zwischen Männern und Frauen bei!
Wenn ihr euch also zum Bildungsauftrag berufen fühlt, sind „Bravo“, „Hey!“ und die „Mädchen“ die perfekte Aufklärungsliteratur. Und Beilagen wie die „Startattoos“ oder Justin-Bieber-Poster lassen sich wunderbar zweckentfremden.

Der wichtigste Tipp, den ich euch geben kann: Hört bloß nicht auf, Alkohol zu trinken. Ihr habt vielleicht einen Kater oder wollt für die Konzerte am kommenden Tag besonders fit sein, aber jetzt auf Wasser umzuschwenken ist fatal. Grund: Der Kater entsteht durch Abbau sogenannter Fuselöle (was haben meine Freunde schon gelacht, wenn ich mit diesem Wort ankam, aber es stimmt wirklich), während der Abbau von Alkohol ohne große Probleme vonstatten geht. Man muss wissen, dass Alkohol immer VOR den Fuselölen abgebaut wird. Stellt euch die beiden Komponenten wie Kranke vor: Die Fuselöle sind die Kassenpatienten, Alkohol ist ein Privatpatient. Solange immer wieder ein Privatpatient kommt, müssen die Kassenpatienten warten. Und da die Kassenpatienten diejenigen sind, die den Arzt (= euren Körper) nerven, weil er an ihnen nix verdient, müsst ihr dafür sorgen, dass immer genug Privatpatienten im Wartezimmer sitzen.
Natürlich MÜSSEN die Kassenpatienten auch irgendwann dran kommen (es sei denn, ihr entscheidet euch nach dem Festivalwochenende, Alkoholiker zu werden), aber es ist besser, das auf den Montag zu verschieben.
Also, mein pädagogischer Rat: Egal wie sehr es euch anwidert, ein „Konterbier“ jeden Morgen ist das Getränk der Wahl.

Wenn ihr diese Anleitung beachtet, können an eurem ersten Ringwochenende nur noch höchstens 996 andere Dinge schief gehen. Aber wenigstens ist euch warm, ihr habt was zum Lesen, ihr seid untenrum keimfrei und voll! Viel Spaß!

 

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Meine Top 7 Alben aller Zeiten: Teil 6&7: Various Artists „To Be Announced“

Ach Leute, es tut mir furchtbar leid, aber ich kann einfach nicht!

Ich habe gerade (und schon seit Stunden) versucht, meinen Beitrag zu Teil 6 fertig zu schreiben, doch es geht nicht! Lasst es mich erklären:

Dieser High-Fidelity-Spruch in diesem Beitrag, also, das war eigentlich gar kein Spruch. Eine lange Zeit habe ich alles, was geht, in eine Top 5 Hitliste gesammelt. Meine Top 5 Musikvideos. Meine Top 5 der geilsten Musiker. Meine Top 5 Songs. etc.pp.
So hatte ich auch sehr, sehr lange nur meine Top 5 Musikalben aller Zeiten. Allerdings hat mich vor kurzem ein schon etwas älteres Album so dermaßen geflasht, dass ich erwägte, diese Liste zu erweitern. Aber ein Album aus meiner Topliste rauswerfen – das ging gar nicht klar! Deshalb musste es einfach „angehängt“ werden.

Dann wollte ich diese Reihe hier starten und dachte: „Ne Reihe mit sechs Artikeln? Was soll denn das bitte sein?! Fünf, okay. Zehn, fast noch besser. Aber sechs? Nee. SIEBEN wäre noch vertretbar. Ne Woche halt. Aber sechs, nein. NIEMALS!“
Das kann man jetzt ein bisschen monkisch finden, aber so funktioniert mein Hirn nunmal ^^

So dachte ich drüber nach, welches Album mich ähnlich geflasht hat, um eines der nun sieben Topalben zu werden und glaubte, eins gefunden zu haben. Also: Beitrag geschrieben, Top 7 angekündigt, alles klar.

Und jetzt? Meine ursprünglichen Top 5 kennt ihr nun schon. Während des Schreibens der Beiträge habe ich mir alle Alben nochmal (und mehrmals) angehört, habe sie auf mich wirken lassen, bin den Pfad der Erinnerung zurück geschlendert.

Und gerade, als ich beim Beitrag zu Teil 6 saß, wurde mir klar, dass das einfach nicht geht. Kein Album abgesehen der fünf, die ich schon vorgestellt habe, hat mich jemals so geflasht wie die bereits genannten. Kein Album, egal wie geil, hat es verdient, mit ihnen in einer Reihe genannt zu werden. Jedenfalls NOCH nicht. Das mag sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch ändern, aber auf diesem Stand bin ich hier und heute. Es wird weiterhin gute Musik und saucoole Alben geben, aber das liegt eben in der Zukunft!

So wurde aus den Top 7 wieder eine Top 5. Sorry. Und so wird es bleiben, bis nicht ein neues Album kommt, das eine solche Leichtigkeit mit sich bringt wie die Americana, so ambitioniert durchgestylt wie Nevermind, so pink und glitzerig aussieht wie die Razorblade Romance, so kompromisslos draufhaut wie die Mezmerize und so treibend ist wie die Our darkest days. MINDESTENS!

Betrachtet es als irreführende Werbung: Sieben angekündigt, fünf sind gekommen. Das kommt beim besten Festival vor. Genauso wie vorzeitiger Abbruch. Tja. Passiert.

Am Ende seien wenigstens noch einige Alben erwähnt, die es nicht in die Liste geschafft haben, aber halt trotzdem sehr empfehlenswert linkinparksind, wie Linkin Parks Hybrid Theory zum Beispiel. Jahrelang lief Linkin Park halt immer so mit, aber ihr letztjähriger grandioser Auftritt auf Rock am Ring haben meine Begeisterung für sie auf ein neues Level gehievt.

riseagainstDann muss Rise Against erwähnt werden. Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich die Appeal to Reason oder

riseagainst2

doch The Sufferer and the Witness besser finden soll. Es sind auf beiden Albem so einmalig geile Songs drauf (aber auch der ein oder andere Filler…), daher sind sie einfach BEIDE empfohlen.

paparoachUm mal wieder etwas in die Vergangenheit zu schweifen: Als Papa Roach noch cool waren, war ihr Song Last Resort für mich einfach nur eine Offenbarung und das dazu gehörige Album Infest eines meiner ersten ernsthaften Alben.

tenaciousDDoch warum immer ernsthaft? Tenacious D beehren uns seit Jahren mit ihrer absoluten Liebe zum Rock und genialen Songs. The Pick of Destiny hat einige davon, die von keiner Metalparty mehr wegzudenken sind. Wer einmal kollektiv und pathetisch auf Beelzeboss getanzt hat, will es immer wieder tun!

steelpantherIn die gleiche Kerbe haut Steel Panther mit Feel the Steel. Absolut überrissen, idiotisch, saugut.

 

bloodhoundgangUnd wo wir bei Idioten sind: Ohne die Bloodhound Gang und ihr Album Hooray for Boobies geht bei dem Thema gar nichts!

 

alterbridge

Alter Bridge dagegen haben mit One day remains ebenfalls einfach nur Rock vom Allerfeinsten abgeliefert.
avengedsevenfoldAvenged Sevenfold haben nicht nur mit ihrem selbstbetitelten Album Maßstäbe gesetzt.
metallicaAuch wenn ich mit vielen seit Jahrzehnten im Geschäft befindlichen Metallern nichts viel am Hut habe, gebührt Metallica ewiger Ruhm für ihr Black Album.
badreligionBad Religion hatte mich das erste Mal mit The Process of Believe und mich dann nie mehr los gelassen.
dieärztePunkig sind ja auch die Ärzte mit vielen, vielen Alben, aber am besten gefällt mir doch ihre 13.

 
bulletformyvalentineBullet for my Valentine’s bestes Album ist das The Poison.
mychemicalromanceMy Chemical Romance sind wesentlich jünger, was sie nicht davon abgehalten hat, mit The Black Parade ein Konzeptalbum über den Tod abzuliefern.

 

dragonforcePowermetal der besten Sorte liefern Dragonforce auf Ultra Beatdown ab.
disturbedcoverDisturbed werden ein bisschen rebellisch mit Ten Thousand Fists.

 

serjtankian

Und Serj Tankian war auch allein auf seiner Platte Elect the dead ziemlich geil.

 

 

Und die bereits vorgestellten Bands hatten natürlich auch nicht nur EIN gutes Album. Im Gegenteil.

Boah, was ne Arbeit, die Bilder alle mit Beispielen bei Youtube zu verlinken. Jetzt müsst ihr wenigstens auch klicken ^^

Und ich werde mir jetzt Alkohol in irgendeiner Form genehmigen, womit dann morgen mit einem finalen Kater endlich die Feierlichkeiten zu Rock „Dieses Mal bin ich nicht dabei“ am Ring beendet sind. Ich wollte alle vier Tage betrunken und so sein und das habe ich geschafft \o/

Ich bin also immer noch voll Rock’n Roll.


Weitere Beiträge zur Themenwoche:

Teil 1: HIM – Razorblade Romance

Teil 2: The Offspring – Americana

Teil 3: Nirvana – Nevermind

Teil 4: System of A Down – Mezmerize

Teil 5: Ignite – Our Darkesst Days


Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 2: The Offspring „Americana“

Erst bei Teil 2 angekommen, doch hier ist es, das Album, auf das ich von all meinen Alben am wenigsten verzichten wollte!

offspring

Tracklist
1. Intro
2. Have you ever
3. Staring at the Sun
4. Pretty Fly (for a white Guy)
5. The Kids aren’t alright
6. Feelings
7. She got issues
8. Walla Walla
9. End of the Line
10. No Brakes
11. Why don’t you get a Job?
12. Americana
13. Pay the Man

Erstbegegnung
Keine 90er-Party ohne Pretty Fly, oder? Es war die Zeit des ersten zaghaften Hip Hop in Deutschland, der Basecaps und Baggypants, und mein älterer Cousin spielte Basketball und war Fan der Phoenix Suns. Da ich ihn cool fand: Ich auch!
Das Musikvideo von Pretty Fly war voll mit all diesen Klischees. Natürlich lustig gemeint. Und daher fand ich es auch lustig!

Der poppige Song war indes gut dazu geeignet, die geneigte junge Zuhörerin auf behutsame, nicht zu krasse Art an die mehr punkigen Richtungen der Musik heran zu führen. Und spätestens, als ich dann das phänomenale Musikvideo zu The kids aren’t alright bei Bravo TV sah (sic…), das heute übrigens immer noch zu einem meiner Lieblingsvideos zählt, war es um mich geschehen. Das Album musste ich haben! Gesagt, getan.

Highlights
Americana ist definitiv das Album, das bei mir am meisten rauf und runter lief. Und läuft, immer noch. Neben The kids aren’t alright, meinem All-Time-Offspring-Favorite, ist schon der Anfang mit Have you ever einfach wahnsinnig grandios. Mit schönen Speed schließt Staring at the sun daran nahtlos an und liefert einfach nur ein bisschen wildes Gekloppe auf den Drums. Dazu Dexter Holland als „Wooo-hooo-Boy“, wie so oft – fucking amazing.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Walla Walla, wobei hier noch ein wenig Punkchor dazu kommt, was eigentlich niemals falsch ist.

Depressiv wird es dann bei End of the line, ein Song, der beweist, dass die Themen Trauer und Tod überhaupt nicht lahm umgesetzt werden müssen. Voller Power, dunklem Bass, ein bisschen Wah-Wah und einem tollen Text.

Kurz vor dem Ende gehts dann noch einmal mit Americana so richtig ab. Nach einem hammerharten Intro gibts bei dem Lied einfach nur so richtig eins aufs Maul! Und das ist GUT SO!!

Tiefpunkte
Diese hat The Offspring leider auf jeder CD, aber hier hält es sich voll in Grenzen. Gar nicht okay geht leider Pay the man, ein über achtminütiges Stück, welches irgendwie indisch daher kommt und schlicht und ergreifend nervt wie Sau. Keine Ahnung, was sie sich dabei gedacht haben!

Dann mochte ich Issues einfach noch nie. Der Song ist so lahm und kommt Dexter Holland leider gar nicht entgegen. Der ist tragischerweise kein wahnsinnig guter Sänger, doch kann man diese Tatsache natürlich etwas ausgleichen… was dieses Lied nicht tut.

Ebenfalls einfach nur höllenlangweilig finde ich Why don’t you get a job?. Und sorry, so schön es ist, auf 90er Partys darauf zu tanzen: Pretty Fly fällt gegen den großen Rest des Albums deutlich ab. Es ist halt diese eine typische Single, die sie auf jedem Album haben und mit der sie in die Charts wollen. Legitim, muss ich aber nicht mögen.

Biographisches
Es begab sich in der 9. Klasse, als ich mein dreiwöchiges Betriebspraktikum absolvierte, dass ich erstmals ein Gefühl für den Begriff Boreout bekommen sollte, dieser Fachausdruck für das Gegenteil von Burnout, der damals, glaube ich, noch überhaupt nicht benutzt offspring2worden ist. Mit anderen Worten: Das Praktikum war schrecklich, denn keine Sau kümmerte sich um mich oder darum, dass ich was zu tun hatte. Trotzdem musste ich jeden Tag antanzen. Drei Wochen lang, acht Stunden täglich tödliche Langeweile, die irgendwie gefüllt werden mussten. Und weil ich so verzweifelt war, nutzte ich tatsächlich einen ganzen verdammten Tag dafür, sämtliche Songtexte der Americana auswendig zu lernen. Heimlich natürlich, das Booklet unter meiner Praktikumsmappe versteckt, während ich im Geiste die Songs mitsummte.

Und in der 10. Klasse tat ich dann ein gutes Werk, indem ich eine Lehrerin (ne andere Englischlehrerin als die von gestern), die eine Lyrics-Übersetzungs-AG anbot (sowas bräuchte man heute dank Internet auch nicht mehr…) davon überzeugte, The Offspring zu behandeln. Sie hielt die Band für niveaulosen Müll, aber als ich ihr ein paar Texte anschleppte, war sie von The kids aren’t alright völlig hingerissen. Wir hörten uns den Song also an und übersetzten ihn, allerdings frage ich mich heute noch, was passiert wäre, wenn sie sich stattdessen für Americana entschieden hätte. Der Text, den ich ihr gab, enthielt nämlich die ganzen vielen „Fuck you“s nicht ^^

Konzerterfahrung
Es dauerte lange, SEHR lange, bis ich mir diesen Traum erfüllen konnte. 2008 war es endlich so weit: Rock am Ring gab The Offspring bekannt. Und ich so: „AAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHH!!!!“

Was war ich geil auf diesen Auftritt. Und nichts in der Welt sollte mich davon abhalten, mir meine Lieblingsband anzusehen! Das Ganze musste also minutiös geplant werden. Wir wollten an diesem Tag schon sehr früh hoch zur Centerstage, weil eine gute Band nach der anderen spielte. Um zu gewährleisten, auch wirklich bei The Offspring noch fit zu sein und nicht wegen sowas blöden wie einer Pinkelpause nicht mehr in den A-Block reinzukommen, beschloss ich, an diesem Tag einfach nichts zu trinken (auch kein Wasser! Maximal den Mund wollte ich mir ausspülen…). 1. halt, um nicht pinkeln gehen zu müssen, und 2. um nicht noch vorher abzuscheißen.

Tja, das ging grandios daneben :mrgreen: Schon auf dem Zeltplatz gut angetrunken, füllte ich mir meinen Tetrapak mit einer selbstmörderischen Mischung aus Schwarzbeerwodka und Energydrink (Tetrapaks sind auf dem Festivalgelände erlaubt, dürfen aber eigentlich nicht offen sein beim Einlass. Pro-Tipp: Unten aufklappen, kleine Stelle einritzen, Inhalt rausquetschen, neuen gepimpten Inhalt mit einer dieser großen Spritzen einfüllen, Pappe wieder zuklappen, mit Gaffatape verschließen. So einfach!) und trank alles noch vor dem Konzert.

Ich war sowas von dicht. Aber dennoch ging alles gut. Ich musste zwar zweimal aufs Klo, kam aber beide Male wieder rein (hier ein erneutes „Yeah!“ für meine knapp unter 1,60!! Hab mich einfach unter den Armen von irgendwelchen 2-Meter-Typen durchgequetscht) und erlebte einfach nur das absolut geilste Konzert meines Lebens.

Im selben Jahr durfte ich die Jungs mit meiner besten Freundin dann auch nochmal auf einem eigenständigen Konzert erleben, da sie zusätzlich durch Deutschland tourten.

Tja, und dann waren sie letztes Jahr tatsächlich wieder am Ring… und failten einfach nur komplett. Denn, so geil die beiden ersten Konzerte waren… The Offspring spielen eigentlich keine guten Konzerte. Sie reden zwischendurch nicht, reißen ihr Set runter und spielen auch die Zugaben eher unambitioniert. Ich weiß nicht, ob sie das schon immer so gemacht haben oder dies einfach eine Folge des Alters ist. Sie sind seit fast 30 Jahren im Geschäft, was darf man da noch erwarten? Deshalb werden die Alben wohl leider auch immer schlechter.

(Wir standen direkt vor diesem Megamoshpit ^^)

Was das Album mich lehrte
„When the truth walks away
everybody stay
‚cause the truth about the world is
that crime does pay“
– Have you ever

Trivia
Die Band an sich, also die einzelnen Personen, haben mich irgendwie ja nie interessiert. So von wegen, Frauen hören ja nur Musik, wenn die Bandmitglieder heiß sind. Ähähähä – nein.
Darum hab ich hier leider nix. Nur das vielleicht: Es gibt ne The-Offspring-Chilisoße namens „Gringo Bandito“. Und Dexter Holland ist gar kein Holländer.
Ich weiß… schockierend.

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Weitere Beiträge zur Themenwoche:

Teil 1: HIM – Razorblade Romance

Teil 3: Nirvana – Nevermind

Teil 4: System of A Down – Mezmerize

Teil 5: Ignite – Our Darkesst Days

Teil 6: TBA


Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 1: HIM „Razorblade Romance“

Ich beginne chronologisch (und, naja… mache dann auch die Woche über so weiter ^^) mit meinem nicht liebsten, aber nun mal ersten Album, welches ich auch heute noch liebe, auch wenn viele die Musik für peinlich halten:

HIM

Tracklist
1. I Love You
2. Poison Girl
3. Join Me
4. Right Here in My Arms
5. Gone with the Sin
6. Razorblade Kiss
7. Bury Me Deep Inside Your Heart
8. Heaven Tonight
9. Death is in Love with Us
10. Resurrection
11. One Last Time
12. Sigillum Diaboli

Erstbegegnung
Ich muss 14 gewesen sein und kuckte VIVA oder MTV (ja, das gab es damals noch!), als das Musikvideo zu Join me über den Bildschirm flimmerte. Die damalige Version, die meines Wissens heute kaum noch gesendet wird, nutzte ganz viel grün-roten Laser und war Teil des Soundtracks des (zurecht vergessenen?) Films The 13th Floor.
Mein 14jähriges Ich, noch unerfahren beim Anblick androgyner Körper, war verunsichert. Lippenstift? Glitzerlidschatten? Ist das ein Typ oder ne Frau?

Die Verwirrung dauerte nicht lange, denn was aus diesem zuckersüßen Schnütchen rauskam, war eindeutig eine männliche Stimme. Und meine Fresse, was für eine. Und ich dann so: „Holy shit, so goddamn sexy!!!“ (in Wahrheit wars wohl eher sowas wie „Oooooh, ist der süüüüß!“ – ich war jung, Leute.)

Der Song flashte mich also ganz extrem, und bald darauf hielt ich das gesamte Album mitsamt wunderschönen Cover in den Händen.

Highlights
Das Album startet sofort sehr druckvoll mit I love you, das eine ganze Ecke rockiger ist als Join me. Ein hammergeiler Song, in dem Ville wunderschön rumtrillert und einfach das tut, was er am besten kann. Das selbe gilt für Right here in my arms, wobei das so ein bisschen sehr klischeehaft ist… dennoch toll!

Gone with the Sin ist dagegen natürlich einfach nur megadüster und wird dereinst wohl auf vielen Beerdigungen laufen. Villes Stimme geht hier aber sowas von unter die Haut. Ein Song zum Träumen und sich dunklen Gedanken hingeben.
Ein bisschen härter wird es dann wieder bei Death is in love with us, dessen Refrain mir einfach supergut gefällt.

Aber, so ausgelutscht es auch manche finden mögen: Join me wird für mich immer DAS Lied dieses Albums bleiben. Ich bin seit dieser Platte ein Fan von HIM und habe daher auch alle anderen Alben, auf denen natürlich auch viel geiler Scheiß zu finden ist, daher ist der Song vermutlich nicht wirklich mein absolutes Favorite der Band – trotzdem: Join me behält für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Tiefpunkte
Jedes Album hat doch mindestens einen Song, der einfach nur im Vergleich ziemlich beschissen ist, ne? Nicht so dieses. Kein einziges der restlichen Lieder ist für mich ein richtiger Fail. Zwar finde ich One last time ein gutes Stück zu Lullaby-mäßig und bei Razorblade kiss, Heaven tonight und Bury me deep inside your heart finde ich die Anfänge etwas verkorkst, aber im Großen und Ganzen kann man über keinen einzigen Song wirklich meckern. Das schafft auch kaum jemand!

Biographisches
Ich war klein, leicht beeinflussbar und einfach absolut hingerissen von Ville Valo, dieser geilen Drecksau diesem schönen Mann. Ziemlich schnell prangte ein Poster in Pink mit seinem freien Oberkörper und dunklen Augen, die einem bis in die Seele zu starren schienen, in meinem Zimmer. HIMs Texte waren die ersten, die ich wirklich versuchte zu verstehen, auch wenn ich mit meinem Englisch damals halt erst auf dem Stand einer Neuntklässlerin war und wir noch kein Internet hatten, das ich fragen konnte.

him2Ich bat also meine Englischlehrerin um Hilfe, die bei manchen Textzeilen einfach nur sichtbar schockiert und alarmiert war. Und sie hatte ja Recht, die Gute. Gemacht oder gesagt hat sie allerdings nix. Und das war eine gute Lehre für mein weiteres Leben.

Konzerterfahrung
Ich habe HIM, ach Gottchen… vier Mal live gesehen? Zum ersten Mal auf einem richtigen Konzert, das müsste 2004 oder 2005 gewesen sein. Überhaupt war das eines meiner ersten Konzerte, doch war ich ein wenig enttäuscht: Ville Valo MIT BART!?!? Das hat mir praktisch den Boden unter den Füßen weggezogen.

Danach war HIM noch einige Male auf Rock am Ring. Das schönste Erlebnis hatte ich dabei 2010. Damals hatte ich während Rise Against meine Freunde verloren und saß nass und frierend in der Boxengasse. Rammstein sollte bald spielen, eine Band, die ich wirklich ziemlich hart hasse, doch hatte ich die mir eigentlich ankucken wollen, wennse halt schon mal da sind mit ihren Pyros und so… außerdem wollten alle meine Freunde Rammstein sehen.

Nun waren die aber wie gesagt weg und ich hatte wirklich keine Lust auf diese Ekel, also schlenderte ich über das Festivalgelände, als plötzlich Buried alive by love an mein müdes Ohr drang und mich elektrisierte. Ach, stimmt ja – HIM und Rammstein spielen ja gleichzeitig! Na, dann nix wie hin!

Ich bog um eine Ecke zur Alternastage und blieb erst mal wie angewurzelt stehen. Sich Rammstein ankucken, wennse halt schon mal da sind – auf die Idee sind wohl noch ein paar Leute gekommen. Die Alternastage war LEER. Ein paar hundert Leute, maximal. Vor einem so kleinen Publikum hat HIM sicher seit 10 Jahren nicht mehr gespielt!!

Bestimmt leicht ätzend für die Jungs, supergeil für mich. Ich kam ohne Probleme ganz nach vorne, hatte sogar noch Bewegungsfreiheit und SAH ZUM ERSTEN MAL IN MEINEM LEBEN DIE BÜHNE!!!

Das Konzert war dann auch einfach traumhaft. Eine friedliche, wunderschöne Stimmung, dazu Ville direkt vor mir, seine liebliche, immer noch verdammt sexy Stimme, überhaupt seine hocherotische Ausstrahlung (OMG, ich klinge immer noch wie 14, aber ich find’s voll okay!)… es war fantastisch.

Als es beendet war, ging ich wie auf Wolken zurück zur Centerstage – nur um direkt in Till Lindemanns verschwitzte Psychopathenfresse starren zu müssen. Grmpf.

Was das Album mich lehrte
„This life ain’t worth living“ – Join me

Trivia
Damals, als das Album erschien, gab es natürlich auch immer wieder Berichte über die Band Ville Valo. Und oft war zu lesen, dass er 80 Zigaretten am Tag raucht.
Das hat mich damals absolut fertig gemacht. 80 Zigaretten am Tag, wie macht er das, das ist doch völlig unmöglich!
Heute weiß ich: Och, das geht schon. Hust.

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Weitere Beiträge zur Themenwoche:

Teil 2: The Offspring – Americana

Teil 3: Nirvana – Nevermind

Teil 4: System of A Down – Mezmerize

Teil 5: Ignite – Our Darkesst Days

Teil 6: TBA


Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Rock am Ring ist total scheiße. Echt.

„This song is a
poem to myself
it helps me to live…“

– Taproot

Rock am Ring, das Thema hatte ich ja schon mal. Wer die Beiträge damals gelesen hat, könnte vielleicht auf die Idee gekommen sein, dass Rock am Ring für mich ein jährliches Highlight ist, dem ich schon Wochen vorher entgegen fiebere.

Aber das stimmt überhaupt nicht. Rock am Ring ist nämlich eigentlich voll scheiße!

Ich hatte ja schon mal vorgerechnet, wie viel Schotter man für die paar Tage hinblättern muss. Allein das ist schon so’n Ding, bei dem man hellhörig werden sollte. Aber ja längst nicht das Schlimmste.

Zum ersten Mal fuhr ich 2005 zum Ring und war seitdem, von einer Pause 2006 abgesehen, immer da. Sieben Mal insgesamt. Man kann also sagen, dass ich eine richtige Ringrockerin und in der Lage bin, eine Entwicklung zu erkennen, wenn sie denn passiert.

Und die Entwicklungen am Ring sind alle beschissen. Es sind ja nicht nur die Ticketpreise (geschenkt, echt…), sondern das, was dafür geboten wird.

Die Leute allein… wo kommen diese ganzen Kinder her? Und wann sind die alle so asozial geworden?
Der Ring hat den Ruf eines absolut exzessiven Wochenendes. Zurecht. Wir haben immer gesagt: „Für die paar Tage lassen wir unsere Menschenwürde zuhause.“ Und genau so war es dann auch jedes Mal. Das ist völlig okay. Dampf ablassen, um danach den Alltag wieder zu überstehen. Saufen, fressen, tanzen, brüllen, viel zu lange wach bleiben, nicht duschen, den Müll einfach hinter sich schmeißen. Alles super.
ABER. Es sollte doch noch ein PAAR Grenzen geben. Diese sind erreicht, wenn Dixieklos brennen oder umgeworfen werden (während jemand drin ist…), man Leuten vom Zeltplatz nebenan, wenn die nicht da sind, auf den Grill kackt oder einfach überall, wo man gerade steht, der Schwanz ausgepackt und vor sich gepisst wird. Dabei ist der nächste verdammte Zaun oder Busch nur 10 Meter weg.

Ich denke mir sowas nicht aus (nicht mal das mit dem Grill). Gerade letztes Jahr ist mir das unangenehmer aufgefallen als jemals zuvor. Ich frag mich, was das soll? Ich meine, da hat man schon einen Schwanz und damit das Potential, halbwegs diskret überall hinzupissen, wo man will… nur warum dann ausgerechnet mitten auf den Weg, wo sich gerne Leute hinsetzen – und nur einen Meter von tatsächlich friedlich dasitzenden Leuten entfernt? Oder – und da, liebe Leser, wäre ich fast ein BISSCHEN eskaliert!!! – warum zur Hölle in die Waschbecken Schrägstrich EINZIGEN KOSTENLOSEN TRINKWASSERSPENDER VOR DER CENTERSTAGE?!?! Während eine lange Reihe verwaister Pissoirs NUR EINE BOX WEITER ZU FINDEN IST!?!?

Sorry. Ich komme mit fünf Tagen ohne Dusche klar (wir fahren fuhren immer schon mittwochs…), auch wenn das in den letzten Jahren immer ekliger geworden ist, was vielleicht am Alter liegt oder was weiß ich, keine Ahnung. Aber ein Minimum an Hygiene möchte ich dann doch noch gewährleistet wissen. Darum ziere ich mich ein bisschen, aus Wasserhähnen zu trinken, während die Pisse von irgend so einem asozialen Arschloch nur ein paar Zentimeter unter meinem Gesicht rumschwappt. Ja, ich weiß, voll anti Rock’n Roll, aber dann bin ich wohl einfach langweilig!

Solche Zustände sind wohl auch auf die immer größeren Menschenmassen zurück zu führen. Letztes Jahr hatte ich zum ersten Mal überhaupt so etwas wie Platzangst auf dem Festivalgelände. Irgendwann ist einfach Schluss! Es reicht wohl nicht, die Karten immer teurer zu machen… es müssen auch immer mehr Menschen werden, die die Karten kaufen!

Mit einigen eindeutigen Nachteilen. Fängt schon bei der Sicherheit, sprich: der Einlasskontrolle an, deren desolater Zustand letztes Jahr für geradezu hysterische Kritik gesorgt hat.
Mir war das ja ehrlich gesagt scheißegal. Meine Tasche wurde letztes Jahr kein einziges Mal untersucht und das fand ich auch gut so. Ist ja nicht so, als wäre es auch in den Jahren davor immer nur darum gegangen, den mitgebrachten Alkohol zu konfiszieren, wo es doch auf dem Gelände so schön überteuertes (Leicht)Bier zu kaufen gibt.
Man muss der Tatsache ins Auge sehen: Sollte irgendjemand mal ein krummes Ding auf dem Festivalgelände planen, dann wird das auch klappen. Ob mit oder ohne Taschenkontrolle – die paar Securitys, die einen abtasten, verhindern auch keinen Anschlag oder ähnliches, wenn die Akteure das wirklich, wirklich durchziehen wollen. Ich habe mich sowieso schon gefragt, warum sowas noch nie passiert ist (manchmal denke ich, ich wäre eine weitaus bessere Terroristin als so mancher… aber lassen wir das).
Ich selbst hab mal ein Messer reingeschmuggelt. Das war allerdings keine Absicht. Es war das einzige Jahr, in dem wir sonntagmittags schon fertig gepackt hatten und nachts direkt vom letzten Konzert kommend nach Hause fahren wollten. Oben bemerkte dann ein Kumpel, dass er sein Taschenmesser noch in der Hosentasche hatte. Also steckte ich es mir in meinen Schuh, biss die Zähne zusammen (tat weh beim Gehen) und latschte damit durch die Kontrolle. Danach bekam er es wieder. Null Problemo. Außer eben, er wäre ein Terrorist gewesen oder so. Das wäre dann schon scheiße gewesen.
Doch halten wir fest, auch wenn mir das persönlich am Arsch vorbei geht: Die Sicherheitslage ist desaströs!

Das führt uns zu den Zuständen vor den Bühnen. Namentlich der Centerstage, wo die ganz Großen spielen.
Ich kann mich daran erinnern, dass ich 2007, ich war mit einer Freundin unterwegs, mich bzw. uns beide relativ locker bis in die zweite Reihe schlängeln konnte. Für irgendwas muss es ja gut sein, dass ich so klein bin.
Das ging schon 2008 nicht mehr. Ab dann, wenn ich mich recht erinnere, wurden Wellenbrecher installiert, also Barrieren, die den Raum vor der Bühne teilen und schon im Vorfeld quasi entzerrend und deeskalierend wirken sollen. In die vorderen Blocks, also A und B, kam man nur noch über die ziemlich schmale Boxengasse, die ebenfalls abgesperrt werden konnte, wenn die Blocks voll waren.
2008 hat das AUCH noch super geklappt, ebenso 2009, wenn man davon absieht, dass wir einmal samstags oder sonntags einfach die Absperrungen in der Boxengasse überrannt haben. Das war ziemlich cool.
Doch der Ring 2012 hatte wieder Neuerungen zu bieten (ein total ausgeklügeltes Ampelsystem, das anzeigte, ob sich ein Anstellen für den A- und B-Bereich überhaupt lohnt) und seitdem ist es vor der Bühne einfach nur scheiße. Früher hatte man gute Chancen, seine favorisierte Band aus der Nähe zu sehen, wenn man drei, vier Stunden vorher da war. Letztes Jahr saßen teilweise Leute ab zwölf Uhr Mittags vor der Centerstage, weil sie irgendwann um 22 Uhr ne Band sehen wollten!
Und das ist scheiße! Die Stimmung war dann auch entsprechend lahm, so lahm, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich meine, wie kacke ist das bitte für die Bands, vor lauter Menschen zu spielen, die einfach nur da sind, weil sie eine spätere Band sehen wollen, sich für die aktuelle Band aber einen Scheißdreck interessieren?
Und, wie schon gesagt, diese ganzen Kinder. Die sind tatsächlich bescheuert genug, um zehn Stunden Warterei durch zu ziehen. Wahlweise bei Regen oder brütender Hitze, ohne was zu trinken, ohne richtige sanitäre Anlagen, nüchtern. Und dann bei Linkin Park total verwirrt dastehen und nicht wissen, was abgeht, wenn die plötzlich „Sabotage“ spielen. Häää, Beastie Boys, who the fuck?!

Nein, der Ring ist ein riesiger Haufen Scheiße geworden. Und die größte Scheiße ist, dass ich dieses Jahr nicht hinfahre. Denn all das ist völlig und absolut scheißegal, wenn man mit den richtigen Leuten fährt.
Leute, die ich nicht mehr habe. Denn diese Freundschaften sind es, die sich in Scheiße verwandelt haben.

Heul.

Und weil das so zum Kotzen ist und ich irgendwie diese Woche überstehen muss, ohne mich umzubringen, kriegt ihr die nächsten sieben Tage eine neue Serie präsentiert. Die letzte (Kinderserien meiner, äh, Kindheit) hat mir gut gefallen, also werde ich das wohl noch öfter machen. Und da es beim Ring ja irgendwie doch um Musik geht, heißt das Thema ab morgen

Meine Top 7 Alben aller Zeiten

Ich weiß, das dürften eigentlich nur fünf sein. High Fidelity und so. Aber es soll ja ne ganze Woche gehen.

Warum übrigens den Anfang am Dienstag? Weil es dann montags endet, wie mein Ringerlebnis immer. Und weil ich gestern keine Zeit für diesen Beitrag hatte. Jap, dies ist der Artikel der harten Realitäten :/

Und jetzt setze ich mich ein bisschen in meinen Campingstuhl, trinke warmes Bier und heule in meine kalten Ravioli.

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!