Rezension: Die Fettlöserin – eine Anatomie des Scheiterns

Nichole Jäger hatte schon immer Gewichtsprobleme und  vor einigen Jahren mit Mitte 20 schließlich das stolze Gewicht von 340kg erreicht. Inzwischen wiegt sie nur noch die Hälfte, ist Abnehmcoach und hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben:

fettlöserin

Als ich zum ersten Mal über den Blog der Autorin stolperte, war ich begeistert von ihrer lockeren Art und konnte vieles mit vollem Herzen unterschreiben. Deshalb möchte ich vorab sagen, dass ich Frau Jäger für einen sympathischen und humorvollen Menschen halte und es sicher Spaß machen würde, mit ihr ein Bier trinken zu gehen.
Dabei sollte das Gesprächsthema jedoch besser nicht “Abnehmen” sein, denn inzwischen bin ich etwas klüger und weiß, dass die geschilderten Fakten und Gedanken zum Thema bestenfalls auf Halbwissen beruhen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch potentiell gefährlich für Leser, weshalb ich mich zu dieser Rezension entschlossen habe.

Zunächst zum autobiographischen Teil. Viele Rezensenten auf Amazon oder anderswo haben schon bemängelt, dass einige Details ihrer Geschichte einfach nicht ganz stimmig sind. Die ersten Diskrepanzen fallen ziemlich schnell auf, wenn man nur mit ein bisschen Aufmerksamkeit liest.

Wie kann sie beispielsweise im Abitur eine 2 in Sport erreichen, wenn sie mit 14 eine Hüft-OP über sich ergehen lassen muss und erst zwei Jahre darauf wieder selbstständig stehen kann? Was ist in den Jahren zwischen diesem Ereignis und dem Abitur passiert, zumal sie berichtet, nach ihrem Unfall nie wieder richtig mit Sport angefangen zu haben?

Direkt im Anschluss dann die Zeit, in der sie auf 340kg zugenommen hat. Sie hat sich Essen von Supermärkten und Pizzaservices liefern lassen, ok. Aber wer hat das bezahlt? Wer hat überhaupt ihren Auszug von zuhause, das viele Essen, ihr Leben finanziert? Was hat sie in der Zwischenzeit gemacht, wie hat sie es vor sich selbst gerechtfertigt, keine Ausbildung anzufangen, was ging in dieser Zeit in ihr vor, wie konnte sie auf diese Weise volle acht Jahre zubringen? Das sind Fragen, auf die keine Antworten gegeben werden.

Und dann ist da noch die generelle Frage bezüglich der Glaubwürdigkeit. Es gibt keine Fotos, keine Dokumente der Abnehmklinik, einfach nichts, was ihr Startgewicht oder die Schritte bis zum jetzigen Gewicht belegt. Es hat nichts mit Voyeurismus zu tun, bei einem so unvorstellbar hohem Gewicht irgendeine Art von Beweis zu verlangen. Frau Jäger vermarktet ihre große Gewichtsreduktion und das sehr aggressiv, TV-Auftritte und natürlich das Buch inklusive – da wird die Frage nach einem Nachweis ja wohl noch erlaubt sein.
Aus diesem Grund zweifeln nicht wenige ihr hohes Ausgangsgewicht an. Ich gehe allerdings noch einen Schritt weiter und bezweifle, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt wirklich “nur” 170kg wiegt. Vergleicht man sie mit anderen Frauen ihrer Größe und ähnlichen Gewicht, fällt auch hier auf, dass sie wesentlich massiger wirkt. Und das alles trotz des vielen Sports, der ja zum Muskelaufbau beitragen und damit optisch schlanker machen sollte?

Irgendwie passt da vieles nicht zusammen. Da ihr hohes Ausgangsgewicht und ihre Abnahme jedoch Kern ihrer medialen Präsenz ist, drängt sich die Frage auf, was passieren würde, käme heraus, dass hier Dinge falsch dargestellt worden sind. Wäre das nicht sogar ein Fall irreführender Werbung?

Möglicherweise tue ich und andere Rezensenten ihr hier Unrecht, aber ohne Fotos oder auch nur Gewichtskurven fällt es nun mal schwer, ihren Weg nachzuvollziehen und das alles auch zu glauben.

Das sind einige Dinge, die im Blog wenig aufgefallen sind, aber in dieser geballten Form als Buch leider zwangsläufig Fragen aufwerfen. Doch nehmen wir einmal an, die Darstellung stimmt, dann bleibt da immer noch der darauf folgende “wissenschaftliche” Teil.

Ich muss das leider in Anführungszeichen setzen, denn bis auf ein paar chemische Formeln und Fachvokabular erinnert hier leider nichts an Wissenschaftlichkeit. Zumal Frau Jäger der erstaunliche Spagat gelingt, eigentlich ziemlich einfache Informationen mit vielen Fremdwörtern unnötig kompliziert wiederzugeben und sich gleichzeitig an die Leser zu wenden, als hätte sie eine Schulklasse minderbegabter Achtjähriger vor sich. Der flapsige Schreibstil wirkt hier besonders unpassend und einfach nur enervierend. Müssen solche seitenlang ausgebreiteten “Sendung mit der Maus”-Vergleiche wirklich sein in einem Buch, das sich an ein erwachsenes Publikum richtet und dieses damit behandelt, als wäre es besonders schwer vom Begriff?

Vom Inhalt dieser physikalischen Exkurse ganz zu schweigen. So erklärt sie mit vielen Worten, wohin Fett eigentlich verschwindet, wenn es abgebaut wird. Es wird nämlich hauptsächlich ausgeatmet.
Aha… und jetzt? Das ist bestenfalls ein halbwegs interessanter Funfact, aber wie genau hilft das jetzt bei der Abnahme? Mir persönlich ist es ehrlich gesagt völlig egal, auf welche Weise das Fett meinen Körper verlässt, zumal dieses Wissen den Prozess weder unterstützt, noch beschleunigt!
Ihr wohl witzig gemeinter Hinweis, sich beim Sport nicht zu schämen, wenn man vor Anstrengung keucht und hechelt, da hier immerhin gerade Fett ausgeatmet wird, kann dann auch leicht missverstanden werden. Eine höhere Atemfrequenz = mehr Fettabbau? Nicht wirklich, ne? Dieser Eindruck könnte aber bei dem ein oder anderen Leser entstehen. Es gibt wesentlich bessere und vor allem wissenschaftlich exaktere Gründe, um die Leser zu mehr Bewegung zu animieren!

Die selben unnötig vielen, unnötig komplizierten Worte verschwendet sie bei ihrer Erklärung über Kohlehydrate (was den meisten ohnehin noch aus dem Bio-Unterricht bekannt sein müsste), bei der sie eine Lanze für diesen Makronährstoff bricht und die Leser gleich noch wissen lässt, dass sie vom Low-Carb-Trend überhaupt nichts hält.
Sie echauffiert sich über die Verteufelung der Kohlenhydrate, argumentiert dabei aber komplett am Thema vorbei. Es ist nämlich mitnichten so, dass Kohlenhydrate bei den meisten Low-Carb-Diäten als etwas böses gelten, das für alle Zeiten gemieden werden muss. Der Grund vieler Menschen, während ihrer Abnahme auf Kohlenhydrate zu verzichten, ist ganz schlicht der: weil Kohlenhydrate in egal welcher Form wahnsinnig viele Kalorien haben. Zumal sie meist Hauptbestandteil der Nahrung sind. Ein Esslöffel Öl macht Sinn, ein Esslöffel Nudeln dagegen nicht so, oder?
Diese Kalorien kann man genauso gut für Gemüse und mageres Fleisch aufwenden, zumal es in der Low-Carb-Küche inzwischen sehr viele leckere und kreative Alternativen für kohlenhydratreiche Produkte gibt – und damit wird man am Ende sogar satter als MIT Kohlenhydraten bei gleicher Kalorienmenge! Auch die von ihr so vielgelobten Ballaststoffe sind bei einer solchen Ernährung überreichlich vorhanden – ganz ohne kalorienreiche Vollkornprodukte.

Frau Jäger beschreibt lang und breit, dass jeder Mensch seinen individuellen Weg zum Abnehmen finden muss. Wie ist vor diesem Hintergrund diese Wut (ja, es ist richtige Wut!) zu rechtfertigen gegen eine Ernährungsform, die man übrigens weder täglich, noch für immer praktizieren muss, obwohl in vielen Versuchen gute Abnehmerfolge mit einer solchen Ernährung dokumentiert worden sind? Möglicherweise haben nicht alle Leser solche Probleme wie Frau Jäger, auf Nudeln zu verzichten (ihre eigene Aussage), aber ihre Abrechnung mit diesem “Trend” empfinde ich schon fast als beleidigend diesen Leuten gegenüber, zu denen ich mich auch zähle. Ist das wirklich das, was sie ihren Klienten mitgeben will – obwohl die doch selbst am besten wissen müssten, worauf sie verzichten können?

Was dann auch noch richtig unangebracht ist, ist ihr Vergleich mit Antidepressiva. Kohlenhydrate würden ähnlich wirken – daher mache Schokolade auch so glücklich. Da fragt man sich ganz böse, warum sie mit der Ananas-Diät so unzufrieden war? Die bestehen doch praktisch aus nichts anderem!
Der Verdacht drängt sich auf, dass sie nur eine Rechtfertigung sucht, weiterhin Nudeln zu essen, so wie sie Vollkorn und die darin enthaltenen Ballaststoffe lobt, denn darüber hinaus scheint ihr die Zusammensetzung der Lebensmittel ziemlich egal zu sein. Sie geht tatsächlich nur auf Ballaststoffe ein zur Ehrenrettung ihrer Kohlenhydrate. Als enthielten andere Nahrungsmittel nicht ebenfalls Ballaststoffe!

Was dagegen als wissenschaftlicher Fakt nur ganz am Rande erwähnt wird und gegenüber den Informationen zum Fettabbau eine wesentlich größere Daseinsberechtigung gehabt hätte, bezieht sich auf das Energiedefizit. Es ist nämlich so, dass jeder Mensch, egal mit welcher Ernährung, ziemlich genau 7000kcal einsparen muss, um 1 Kilo Fett zu verlieren. Das ist universell, das ist Physik und gilt für jeden. Warum widmet sie dieser Information nicht mehr als einen Halbsatz, den mit Sicherheit viele Leser gar nicht verstehen, weil ihnen diese Formel unbekannt ist?
Natürlich: Weil diese Rechnung Kalorienzählen nahe legt und Frau Jäger nichts vom Kalorienzählen hält. Warum, erwähnt sie übrigens nicht. Vermutlich, weil es irgendwie genussfeindlich ist, genau zu wissen, was man zu sich nimmt und seine Abnahme darauf aufbauend berechnen zu können? Oder weil es weh tut, schwarz auf weiß zu sehen, wie viel man da gerade gegessen hat, obwohl das doch so ausgewogen und ballaststoffreich war?

Damit zum definitiv größten Problem innerhalb des “wissenschaftlichen” Teils, nämlich ihrem Kapitel über den Jojo-Effekt und den sogenannten Hungerstoffwechsel.
Frau Jäger ist leider nicht die Einzige, die vollkommen überzeugt davon ist, dass der Körper anfängt, Fett zu “bunkern”, wenn man während einer Diät “zu wenig” isst. Dies führe dann in kürzester Zeit zu einer erst langsameren, dann völlig zum Erliegen kommenden Abnahme und schließlich zur Zunahme, da sich der Körper bei geringer Kalorienmenge in einer Hungersnot wähnt und den Stoffwechsel auf “Sparflamme” schaltet, und zwar auch noch dann, wenn man wieder mehr isst – der Jojo-Effekt.
Frau Jäger gibt sogar zu, dass bei dem Thema selbst unter Experten Uneinigkeit herrscht, propagiert die Angst vor dem Hungerstoffwechsel aber trotzdem munter weiter, wobei sie nicht einen einzigen Beleg liefert. Hat sie zuvor erklärt, der Grundumsatz sei das, was der Körper bei völliger Ruhe braucht, nur um seine lebenserhaltenden Funktionen ausführen zu können, weiß sie nun zu berichten, dass sich der Grundumsatz im Hungerstoffwechsel halbieren kann. Natürlich auch das völlig ohne Beleg!

Es fällt schwer, an dieser Stelle nicht entsetzt das Buch wegzulegen. Die Vorstellung, ein Körper, der mit 340kg das Fünffache (!!!) dessen wiegt, was bei Frau Jägers Größe normal wäre, würde sich im Krieg wähnen und anfangen “für schlechte Zeiten” zu bunkern, weil er länger als fünf Tage am Stück “zu wenig” Kalorien bekommt, ist einfach nur grotesk!

Zusammen mit dem Larifari-Ton, den Frau Jäger hier anschlägt (“vielleicht stimmt das ja doch nicht, aber selbst wenn nicht, habe ich trotzdem schon 170kg abgenommen”) entsteht der Eindruck einer eigentlich ob der schieren Menge an validen Daten, die allesamt die Existenz des Hungerstoffwechsels widerlegen, zutiefst verunsicherten Frau, die Dinge wiederkäut, mit denen sie sich im Grunde kaum befasst hat. Eigentlich bemitleidenswert, aber nicht akzeptabel ist dabei die Panik, die sie bei ihren Lesern verbreitet. Der Körper merkt innerhalb von fünf Tagen, dass er sich praktisch in einer Hungersnot befindet, braucht aber Monate, um den Stoffwechsel bei gesteigerter Nahrungsaufnahme wieder zu normalisieren – während er unweigerlich zunimmt? DAS ist beängstigend. Glücklicherweise stimmt es nicht.

Frau Jäger hat dann auch einen Tipp auf Lager, wie man diesen Zustand umgehen kann, nämlich indem man maximal 500kcal unter seinem Gesamtumsatz isst. Diese Information weiter zu geben scheint ihr allerdings Bauchschmerzen zu bereiten und nicht so recht ins Konzept zu passen, denn um das hinzukriegen, muss man Kalorien zählen und davon hält sie ja wie gesagt nichts. Sie tröstet den Leser jedoch, dass auf diese Weise eine Abnahme von einem halben Kilo in der Woche möglich wäre, ganz ohne in den Hungerstoffwechsel zu fallen.

Ein Richtwert also, an den sie sich selbst nicht hält, denn die ersten 60kg hat sie in 8 Monaten verloren, was in dieser Zeit einem durchschnittlichen täglichen Energiedefizit von ca. 1750kcal entspricht, also ca. 1,8kg die Woche. Diese hohe Abnahme ist natürlich nur möglich, weil ihr Grundumsatz bei ihrem Ausgangsgewicht schon bei über 4000kcal lag. Da sie aber in dieser Zeit nahezu bewegungsunfähig war, kann ihr Gesamtumsatz nur unwesentlich höher gewesen sein, was zusätzlich beweist, dass an der Maxime “höchstens 500kcal unter Gesamtumsatz, sonst Hungerstoffwechsel” nichts dran sein kann. Gleichzeitig berichtet sie, in der ersten Zeit ca. 3kg die Woche verloren zu haben, was damit ja auch wieder nicht zusammen passt!

Man fragt sich: Ist Frau Jäger nie aufgefallen, dass sie sich selbst nicht gemäß ihrer eigenen Regeln ernährt? Oder gibt sie tatsächlich nur die halbgaren, wissenschaftlich unhaltbaren Tipps wider, die sie während ihrer Diätkarriere aufgeschnappt hat, ohne auch nur einmal einen Taschenrechner in die Hand zu nehmen oder eine Studie dazu zu lesen?

Weitere konkrete Tipps sucht man in diesem Buch dann leider auch vergeblich. Ja, es soll kein Diätratgebr im klassischen Sinn sein… aber etwas mehr als “Vollkornprodukte, Gemüse und auch etwas Protein” wäre ja wohl doch zu erwarten?

So bleibt für den Leser nur ihr ständiges Credo: “Diäten sind schlecht und funktionieren nicht!” Wobei man sich dann fragen muss, wie SIE eigentlich abgenommen hat. Ob mit oder ohne Kalorien zählen, eine Nahrungsaufnahme mit einem täglichen Defizit von 1750kcal IST eine Diät, ob sie es so nennt oder nicht. Da sie darüber hinaus offensichtlich die physikalischen Mechanismen des Abnehmens ignoriert, ist es wenig überraschend, dass ihre Diäten nie langfristig funktioniert haben.

170kg abzunehmen ist definitiv eine Marke (Frau Jäger erinnert den Leser vorsorglich fast jede zweite Seite daran). Ein anderer Rezensent schrieb dann auch irgendwo begeistert, Nicole Jäger habe es geschafft.
Dem muss ich entschieden widersprechen. Frau Jäger hat es NICHT geschafft, sondern schleppt immer noch gut 100kg Übergewicht mit sich herum. Ein Wert übrigens, der sich laut ihrem Blog seit Monaten nur unwesentlich verändert hat.
Zusammen mit ihrem ebenfalls im Buch befindlichen Bericht darüber, schon mal bei 140kg angekommen zu sein, dann aber wieder auf 210kg ZUgenommen zu haben (der böse Jojo-Effekt), muss man auch ihrer eigenen Aussage widersprechen. Frau Jäger weiß eben leider NICHT, wie Abnehmen funktioniert.

Sie verteufelt Diäten, obwohl diese weder per se ungesund sind, noch im Jojo-Effekt enden müssen, wenn die Mechanismen des Abnehmens bekannt sind (darunter auch die Tatsache, dass der Grundumsatz bei sinkendem Gewicht ebenfalls sinkt, da weniger Masse versorgt werden muss und man deshalb nicht mehr “so essen kann wie vorher”, ohne zuzunehmen – was nicht das Geringste mit dem vielgefürchteten “Hungerstoffwechsel” zu tun hat). Sie propagiert eine gesunde, ausgewogene Ernährung, obwohl sie in ihrem jetzigen Zustand absurde Mengen vertilgen muss, um ihr Gewicht von 170kg zu halten. Würde sie sich gemäß des Gesamtumsatzes einer normalgewichtigen Frau ihrer Größe ernähren, würde ihre Abnahme wesentlich schneller vonstatten gehen. Sie schreibt leidenschaftlich gegen das Hungern an, obwohl jedem normalen Menschen klar sein muss, dass ein Magen, der an so riesige Mengen gewöhnt ist, wie sie sie zu ihren schwersten Zeiten zu sich genommen hat, völlig überdehnt ist und gar nicht anders kann, als mit Hunger zu reagieren, sobald er normale Portionsgrößen bekommt – womit der Tipp, bloß immer seinem Hunger nachzugeben, einfach nur eine Verlängerung der Leidenszeit bedeutet, zumal der Magen sich auch sehr schnell wieder umgewöhnen kann, wenn man ihn lässt.

Es steht jedem frei, aus diesem Buch, das darüber hinaus leider auch voll von ganzheitlichen Plattitüden ist (Liebe dich selbst! Verzeihe dir! Hinfallen ist nicht schlimm, wenn man danach wieder aufsteht!), irgendetwas gehaltvolles zu ziehen, was über das kurze Amüsement über die durchaus witzigen Kapitel, in denen Frau Jäger pointiert über das Leben als dicke Frau berichtet hinaus geht. Für mich ist dies allerdings eher ein Wellnessbuch statt ein echter Ratgeber, der mit Sicherheit dem ein oder anderen Leser das gute Gefühl gibt, sich mit seinem Übergewicht einrichten zu können, ohne wirklich was ändern zu müssen. Ob das auf die Dauer glücklich macht, wage ich zu bezweifeln.

Ich hatte lange nicht vor, mir das Buch zu kaufen. Leider ist nämlich von meiner anfänglichen Begeisterung für die „Fettlöserin“ nichts mehr übrig. Bei allem Gerede über „Schluss mit dem Selbstbetrug“ schreibt sie doch nur das, was der Leser gerne hören will – dass Diäten nichts bringen, der Stoffwechsel Schuld ist. Das ist sehr bequem, denn so muss man ja auch nichts radikal ändern. Lieber mal ein Brötchen weglassen, dafür ein Apfel mehr, bisschen Bewegung und „sich verzeihen“, dann klappt das schon…
Nein, es klappt eben nicht. Ich fand toll, was Frau Jäger schrieb und blieb trotzdem todunglücklich. Ich wollte abnehmen und hatte keine Ahnung wie. Ich glaubte an den Hungerstoffwechsel und daran, dass Diäten böse sind. Das Resultat war eine jahrzehntelange Leidenszeit voller Misserfolge und Selbsthass.

Und dafür sind nicht zuletzt Ergüsse wie das vorliegende Buch verantwortlich. Ich habe es mir schließlich doch aus Neugier gekauft. Ich ahnte schlimmes, aber es kam noch viel schlimmer, wie ich hoffentlich erschöpfend dargelegt habe. Dieses Buch ist schlicht völlig ungeeignet für Übergewichtige und reproduziert den selben unwissenschaftlichen Mist, der auch in Frauenzeitschriften, Internetforen und anderen Diätratgebern zu finden ist. Ich kann gut verstehen, warum viele Menschen so begeistert davon sind, aber einlullendes Feelgood dieser Art und das Verbreiten von Mythen, wo Fakten angebracht wären wird irgendwann zu einem bösen Erwachen führen.

Das habe ich glücklicherweise schon hinter mir und habe auf diese Weise mein Übergewicht endlich verloren. Allen anderen, die dieses Buch mit der Hoffnung, wirklich konkrete Abnehmtipps zu finden, gekauft haben oder kaufen wollen, sei deshalb stattdessen das hervorragende Buch “Fettlogik überwinden” von Dr. Nadja Herrmann ans Herz gelegt. Darin schildert die Autorin mit echten wissenschaftlichen Background, vielen Belegen und trotzdem allgemein verständlich und unterhaltsam die wahre Anatomie des Abnehmens, die es jedem Leser möglich machen wird, sein Idealgewicht zu erreichen, sofern er denn willig ist. Zumal die Autorin bei einem Startgewicht von 150kg und jetzigen Gewicht von 63kg im Gegensatz zu Frau Jäger WIRKLICH behaupten kann, es “geschafft” zu haben.

Leider scheint es darüber hinaus so, als würde sich Frau Jäger momentan auf ihren immer noch absurd hohem und gesundheitsschädlichen Gewicht einrichten, weil es sich offensichtlich finanziell für sie lohnt, sich als “der lustige Abnehmcoach, der selber fett ist” zu vermarkten – und hat sich damit meiner Meinung nach ziemlich an die Wand manövriert.

Ich hoffe für sie, dass sie dahingehend noch die Kurve kriegt.

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Stephen Kings „Colorado Kid“

Stephen King – Colorado Kid
Colorado Kid, 2005 (Deutsch 2005)


colorado kid

Zwei alte Journalisten erzählen einer jungen Kollegin von einem rätselhaften Fall, der sich über 20 Jahre zuvor zugetragen hat. Damals wurde ein Unbekannter leblos am Strand gefunden. Die Todesursache ist unklar und da er keine Ausweispapiere dabei hat und niemand ihn zu kennen scheint, dauert es Monate, bis der Tote identifiziert werden kann.

Doch das macht die Sache nur noch mysteriöser: Denn der nun als James Cogan identifizierte Familienvater stammt eigentlich aus Colorado und wurde dort am Tag seines Todes noch gesehen. Wie konnte er so schnell bis nach Maine kommen… und wieso?


Ich greife mal vor: Wie auch schon bei Achterbahn halte ich es für eine bodenlose Frechheit, diese gerade mal 160 Seiten lange Novelle als eigenständiges Buch heraus zu bringen, weil ich das als pure Abzockerei empfinde. Aber wie schon da wäre mir selbst das noch völlig egal, wenn die Geschichte wenigstens gut gewesen wäre.
Aber das ist sie nicht. Womit sich die Frage stellt: Was ist sie überhaupt? Mystery? Horror? Oder ein Krimi, wie behauptet wird?

Dazu fehlt leider einiges. Die Geschichte wirft viele Rätsel auf, die niemals gelöst werden. Wie kam der Mann nach Maine? Was hat er da gewollt? Warum hat er Zigaretten dabei, obwohl er nicht rauchte? Wo sind seine Kleider, mit denen er zuvor noch gesehen wurde? Was war letztendlich die Todesursache?

Zu all diesen Fragen haben die Protagonisten ihre Theorien, aber geklärt wird letztendlich keine, weshalb die Geschichte ohne Auflösung endet. Und darum ist sie auch kein Krimi. Oh, natürlich gibt es Krimis, in denen eine zentrale Frage niemals geklärt wird, zum Beispiel, ob der Unschuldige, der am Ende freigesprochen wird, nicht vielleicht DOCH der Täter ist. Sowas hinterlässt dem Leser dann mannigfaltige Spekulationen, die zwar nicht aufgelöst werden können, aber trotzdem Spaß machen.

Hier dagegen sind einfach zu viele lose Enden – und mich beschleicht leider der Verdacht, dass King selbst keine Auflösung parat hat. Mysteriöse plot devices wie die russische Münze, die das Colorado Kid bei sich trägt, machen aber nun mal keinen Sinn, wenn ihr Zweck niemals enthüllt und auch kein Anhaltspunkt für eine mögliche Lösung geliefert wird. Somit bleibt der Eindruck, dass King solche Details einfach reingeworfen hat, ohne selbst zu wissen, was es damit auf sich hat. Und damit ist es tatsächlich möglich, dass es wirklich KEINE HALBWEGS PLAUSIBLE AUFLÖSUNG GEBEN KANN, da sich diese vielen losen Enden schlichtweg nicht verknüpfen lassen!

Kann sowas noch ein Krimi sein? Ich sage nein. Leider ist die Geschichte aber auch zu uninteressant und am Ende eben auch zu unbefriedigend, um als Mystery-Story zu funktionieren. Ich kämpfte mich durch dieses Büchlein, nur um nach der letzten Seite das Gefühl zu haben, meine Zeit verschwendet zu haben und hatte daher auch nie wieder das Verlangen, es nochmal zu lesen.

Es bleibt mir also nichts anderes üblich, dieser Geschichte eine miserable Bewertung von

2 von 10 Zigaretten-Steuermarken!

zu geben – und der Nuller-Wertung entgeht die Geschichte auch nur, weil sie mich zwar gelangweilt, aber nicht nachhaltig genervt hat!


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Stephen Kings „Christine“

Stephen King – Christine
Christine, 1983 (Deutsch 1983)


ChristineDer schüchterne Teenager Arnie ist picklig und übergewichtig und in der Schule daher Opfer von Mobbing. Sein einziger Freund ist ausgerechnet Dennis, der Footballstar der Schule, der ihm zur Seite steht, allerdings auch nicht alle Lästerattacken abwehren kann.
Eines Tages entdeckt Arnie einen schrottreifen ’58er Plymouth Fury und kauft das Auto spontan mit der Absicht, es zu reparieren. Verzückt über den Wagen tauft er ihn liebevoll auf den Namen „Christine“. Er beginnt, ihn zu restaurieren, doch scheint er gar nicht viel tun zu müssen, da sich das Auto auf geheimnisvolle Weise selbst zu erneuern scheint. Eine ähnliche Wandlung macht auch Arnie durch: Sein anstrengender Sommerjob in der prallen Sonne lässt seine Pfunde schmelzen und seine Pickel verschwinden. Mit seinem Äußeren und seinem neu gewonnenen Selbstvertrauen findet er schließlich sogar mit Leigh zusammen, seinem heimlichen Schwarm.
Doch schon bald merkt sein Umfeld, dass sich auch sein Charakter ändert und sein Verhältnis zu seinem inzwischen wie nagelneu wirkender Oldtimer seltsam eng ist. Dass Christine jedoch mehr ist als ein normales Auto, zeigt sich, als einige Halbstarke den Wagen demolieren, wovon am nächsten Tag nichts mehr sichtbar ist, doch sämtliche Verantwortliche fallen einer nach dem anderen mysteriösen Unfällen zum Opfer, wofür Arnie jedoch Alibis hat.

Dennis und Leigh beginnen nachzuforschen, um Arnie zu helfen. Als sie sich dabei jedoch näher kommen, zieht das den Zorn von Arnie und Christine auf sich…


Irgendwie tut es mir richtig leid, meine King-Rezensionen ausgerechnet mit diesem Buch wieder aufleben zu lassen. Ich kann hierzu nämlich exakt gar nichts sagen. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb ich mich zwischenzeitlich entschlossen habe, auf’s Alphabet zu scheißen und das Buch „Cujo“ vorzuziehen, das korrekterweise erst danach dran gewesen wäre (bösartige Gerüchte, ich könnte nicht richtig buchstabieren, weise ich hiermit mit aller Entschiedenheit von mir).
Es ist Ewigkeiten her, seitdem ich das Buch gelesen habe, und es ist eines der wenigen, die ich nicht selbst besitze, sondern mir irgendwann mal in der Bücherei geliehen habe. Deshalb konnte ich auch nicht mehr reinkucken, um meine Erinnerungen aufzufrischen.

Ich weiß jedoch noch, dass es mir nicht gefallen hat. Die Story ist zu beliebig und reiht sich nahtlos ein in die vielen King-Stories, in denen irgendetwas vom reinen Bösen besessen ist, aber nicht so wirklich erklärt wird warum bzw. die Erklärung völlig hanebüchen wirkt. Natürlich ist JEDE phantastische Geschichte mit einer solchen Prämisse irgendwie hanebüchen, weil es sowas ja halt nicht gibt (oder vielleicht doch!?), aber manchmal hat man bei Stephen King wirklich das Gefühl, dass er sich tatsächlich nicht die geringste Mühe gegeben hat, irgendeine Begründung zu liefern. In solchen Fällen scheint ihm die Frage nach dem „Wie“ völlig irrelevant gewesen zu sein – er will halt einfach nur sehen, was passiert, wenn er ein dämonisches Auto in die Handlung wirft.
Das kann verdammt gut sein. In diesem Fall ist es das leider nicht. Ich glaube, am meisten hat mich damals gestört, dass Arnie ja eigentlich ein Opfer ist, das dann jedoch unverschuldet auf die Seite des Bösen wechselt. Kann ein gemobbter, junger Typ zum Mörder werden? Natürlich kann er das. Aber gefallen muss mir das ja noch lange nicht. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn die Geschichte mehr aus seiner Perspektive erzählt worden wäre oder man wenigstens den Eindruck gehabt hätte, er würde gegen diese dämonische Kraft, die von Christine, dem Auto mit dem dämlichen Namen, ausgeht, irgendwie ankämpfen. Tatsächlich gibt es dafür keinerlei Anhaltspunkte – womit es plötzlich so scheint, als sei Arnie kein Mobbingopfer, das zum Täter wird, sondern schon immer ein Täter, der durch das Mobbing irgendwie in Schach gehalten worden ist. Und DAS mag ich irgendwie absolut nicht.
Zusammen mit dem noch ziemlich ausbaufähigen Schreibstil seiner frühsten Werke und dem inzwischen fast antik wirkenden 80er-Jahre-Setting war „Christine“ kein Buch, das ich öfter lesen wollte, weshalb ich es nie nachgekauft habe. Tatsächlich kann ich mich nicht einmal mehr an das Cover der Ausgabe erinnern, die ich damals ausgeliehen habe (denn falls es euch interessiert: Das ist mein einziges Kriterium zur Auswahl der Cover am Anfang jeder Rezension).
Deshalb kann ich hier leider keine Empfehlung aussprechen und vergebe auf meiner Stephen-King-Skala lediglich

3 von 10 roten Plymouths!


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Der Endgegner im Badezimmer 3: Buchtipp „Fettlogik überwinden“

Vermutlich hat jeder Mensch, der mal im Laufe seines Lebens versucht hat abzunehmen, irgendwann mal einen Diätratgeber in die Hand genommen oder Zeitschriften zu dem Thema gewälzt. Und vermutlich hat das nie etwas gebracht und deshalb kotzt euch das alles jetzt sehr an.

Und trotzdem möchte ich euch heute ein Buch empfehlen, das überhaupt kein Diätratgeber sein will, aber in meinen Augen sämtliche Ratgeber für alle Zeiten überflüssig macht.

fettlogik

Zur Autorin
Dr. Nadja Hermann hat Psychologie studiert, in dem Fach auch promoviert und ist heute Therapeutin. Bezüglich der Gewichtsprobleme liest sich die Biographie der Autorin aber sehr ähnlich wie meine: Sie war schon als Kind übergewichtig, hat im Laufe ihres Lebens eine Diät nach der anderen angefangen und wieder abgebrochen und gab schließlich auf mit der Gewissheit, dass manche Menschen einfach nicht für Normalgewicht gemacht sind. Nur brachte sie anders als ich am Ende nicht ein paar Kilo Übergewicht auf die Waage, sondern satte 150 Kilo auf 1,75 Körpergröße.
Zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit Fat Acceptance und war froh über die dort herrschende Meinung, dass Übergewicht eigentlich überhaupt nichts mit Gesundheit zu tun hat. So jedenfalls, bis sie sich eine Verletzung zuzog und plötzlich das Damoklesschwert „lebenslängliche Immobilität“ über ihr hing.
Zwangsläufig begann sie also, sich erneut mit dem Thema Gewichtsabnahme zu beschäftigen und stieß dabei auf all die vielen Techniken, Mythen, Methoden und Weisheiten, die wohl jeder von uns verinnerlicht hat: Der Stoffwechsel muss ständig angekurbelt werden, da er sonst seinen Dienst einstellt, man muss x-mal am Tag essen, um nicht in den „Hungermodus“ zu fallen, man darf eine bestimmte Kalorienmenge täglich nicht unterschreiten, weil das ungesund ist und man sonst nicht abnimmt etc.pp.
Zu ihrer eigenen Überraschung musste sie feststellen, dass sämtliche dieser Weisheiten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand hielten. Ein Jahr später hat sie ihr Idealgewicht von 62kg erreicht und sich entschlossen, all ihre Erkenntnisse in einem Buch zu sammeln, das ich euch nun vorstelle.

Über das Buch
Bücher dieser Art kommen normalerweise nicht ohne dämlich-reißerischen Untertitel aus. Der Untertitel hierzu könnte beispielsweise lauten: „So nehmen Sie ab – garantiert!“ – „Diätlügen entlarvt!“ oder „Wie Sie der Qual ein Ende bereiten – für immer!“

So oder ähnlich könnte man es auf das Cover drucken. Und das Beste: All diese Sprüche wären wahr.

Ich habe wirklich sehr lange gegrübelt, wie ich diese Rezension schreiben kann, ohne dass es wie billige Werbung wirkt. Aber das ist völlig unmöglich. Ich kann es einfach nicht anders ausdrücken: Dieses Buch ist eine einzige Offenbarung.

Es erschien am 30. April als E-Book auf Amazon. Ich durfte es aber schon vorab lesen. Nach nicht mal 50 Seiten klappte ich den Laptop zu und beschloss, mein Leben zu ändern.

Das klingt vielleicht hochgradig albern, aber Menschen mit unerfüllten Abnehmwunsch werden mich vielleicht verstehen. Mein Leben lang habe ich versucht, ein Gewicht zu erreichen, das mich zufrieden stellt und glücklich macht, aber ich bin immer gescheitert. Nach außen hin quälte ich mich weiterhin mit sinnlosen Diätversuchen, aber innerlich hatte ich mich schon längst von dem Gedanken verabschiedet, jemals mein Zielgewicht zu erreichen. Und dafür gab es ja auch so viele Gründe: mein niedriger Stoffwechsel, meine Schilddrüsenunterfunktion, meine Antriebslosigkeit, mein Körper, der NIE so wollte wie ich und so weiter.

Das Buch hat mir klar gemacht, dass das alles nicht stimmt. Die ganzen von mir verinnerlichten Mythen, von der Autorin „Fettlogik“ genannt, fußen auf nichts anderem als auf einer Sammlung von falsch interpretierten Studien, Fehlinformationen und schlicht Schwachsinn, der von Leuten verbreitet wird, die es selbst nicht besser wissen.

Und das zu lesen war das Beste, was mir je passieren konnte. Das Buch, obschon kein Diätratgeber, zeigte mir einen Weg auf, mein Ziel doch noch zu erreichen – frei von allen Ketten, frei von „Fettlogik“.

Und, was soll ich sagen: Es wirkt. Seit etwas mehr als einem Monat halte ich mich nun an meinen eigenen Diätplan, den ich anhand der Informationen aus dem Buch entwickelt habe – und habe in dieser kurzen Zeit schon fast sieben Kilo abgenommen. Seht selbst:

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Momentan habe ich ein so niedriges Gewicht wie seit Jahren nicht mehr. Und seit Jahren habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt. Doch will ich weiter machen – und Dank des Buches weiß ich nun, dass ich mein Zielgewicht nicht erreichen kann, sondern erreichen werde – und das sogar sehr bald. Natürlich muss ich dafür was tun (was ich tue, erzähle ich euch die nächsten Tage), aber das Buch nimmt aus dem Thema „Abnehmen“ die große Portion Willkür, an der vermutlich die meisten abnehmwilligen Menschen schon mal verzweifelt sind. Und das ist eine so immense Erleichterung, dass ich am liebsten heulen würde, wenn ich darüber nicht so glücklich wäre.

Neben dem großen Teil, der sich mit den Mythen rund ums Abnehmen beschäftigt und der für mich am wichtigsten war, nimmt auch noch eine Aufzählung der gesundheitlichen Risiken des Übergewichts viel Platz ein. Dieser Part ist dem Thema entsprechend etwas trockener, zumal ich mich damit nicht wirklich angesprochen fühlte, da ich mit einem Maximal-BMI von 30 nie wirklich schwer genug war, um wirklich starke gesundheitliche Einschränkungen zu spüren, wobei mein recht junges Alter natürlich auch eine Rolle spielt. Dennoch lohnt sich die Lektüre, auch wenn es teilweise etwas schockierend ist.
Ein Unterkapitel aus diesem Themenkomplex war dann jedoch auch für mich sehr interessant: Die Autorin zitiert eine Studie, die nahe legt, dass möglicherweise eine Korrelation zwischen einem hohen Körperfettanteil und Depressionen besteht, da zu viel Fett im Körper zu Entzündungserscheinungen führen kann, was wiederum die Hirnchemie stören könnte. Das ist noch nicht abschließend geklärt (was die Autorin auch nicht behauptet), aber ich bin sehr gespannt darauf, ob ich hierbei eine Verbesserung feststellen werde.

Der letzte Teil befasst sich mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Übergewicht und dürfte den meisten vermutlich am übelsten aufstoßen. Gänzlich einverstanden bin ich hier auch nicht mit allem, aber auch hier sind alle Aussagen mehrfach belegt und laden zur Diskussion ein. Dass diese mit Fat-Acceptance-Vertreterinnen allerdings nicht möglich ist, haben mir die letzten Tage gezeigt und diese werden das Buch so oder so zerreißen, ob mit oder ohne gesellschaftlichen Teil.

Fazit
Was soll ich sagen – dieses Buch ist schlicht genial. Im launigen Schreibstil verfasst und teils mit Auszügen aus der eigenen Biographie gewürzt lässt es sich leicht lesen und macht dabei auch noch Spaß. Dabei ist alles wissenschaftlich fundiert und durch zahlreiche Studien belegt, aus denen die Autorin großzügig und auch für die Laien nachvollziehbar zitiert. Damit wirft sie mal eben so viel Status Quo über den Haufen, dass ich teilweise mit offenen Mund vor dem Buch saß und das Wort „Nobelpreis“ in meinem Kopf aufblitzte.

Ist das völlig übertrieben? Vielleicht. Aber für MICH als Person, die ihr Leben lang mit ihrem Gewicht haderte, aber dabei an tausend Regeln scheiterte, die allesamt sinnlos sind, stellt das Buch die Art Aufklärung da, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie brauche, weil mir überhaupt nicht klar war, dass ich an lauter Bullshit glaube, der gar nicht stimmt.

Darauf möchte ich morgen noch genauer eingehen. Bis dahin sei dieses Buch jedem – wirklich JEDEM – empfohlen, der mit seinem Gewicht unzufrieden ist. Zwar habe ich hier die ganze Zeit von Übergewicht geredet, aber auch für Menschen mit Untergewicht, die daran etwas ändern wollen, zeigt das Buch Wege auf, damit umzugehen und es zu beheben. Doch auch für Menschen ohne Gewichtsproblematik lohnt sich der Kauf, denn durch Werbung, Diätratgeber und sogar Ärzte ist unsere Gesellschaft regelrecht durchzogen von „Fettlogik“. Außerdem ist es ein schönes Lehrstück darüber, nicht alles unhinterfragt zu glauben, denn bei mehreren Kapiteln, in denen die Autorin „Fettlogiken“ demontierte, saß ich mit Dauer-Facepalm vor dem Bildschirm und dachte „Mein Gott, natürlich!“ – denn einiges dieser „Fettlogik“ ist so unglaublich unlogisch, dass es fast unvorstellbar ist, dass noch nie jemand vorher darauf gekommen ist.

Die große Leistung der Autorin besteht also darin, genau diese Dinge hinterfragt zu haben und auf eine Art und Weise zusammen zu tragen, die bisher in der Diätratgeberlandschaft absolut beispiellos ist. Mir hat es so sehr geholfen und eine solche Last von den Schultern genommen, dass ich mir wünschen würde, es auf Rang 1 der Bestsellerlisten zu sehen, denn ich weiß, dass es viele Millionen Menschen da draußen gibt, die genauso unglücklich sind wie ich und genauso wie ich nicht wissen, was sie dagegen tun sollen. Jedenfalls bisher!

Das einzig Negative, was ich über dieses Buch sagen kann, ist: Schade, dass es noch keine Druckversion gibt – und dass ich es nicht schon vor 15 Jahren lesen konnte.

Blog zum Buch: Fettlogik


Weitere Beiträge zur Themenwoche:
Der ewige Kampf
Fatshaming und Fatacceptance
The war is won!
Meine Diät!
Rezepttipp: Der Teig ohne Mehl!
Geheimtipp: Die Nudel ohne Kalorien!
Bonus – das beste Rezept der Welt! (Zum Mitmachen!)

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[Halloween-Special] Stephen King (und seine fünf besten Kurzgeschichten)

Wer mich bereits länger liest, dürfte vielleicht schon mitgekriegt haben, dass mich mit Stephen King eine ganz besondere Liebe verbindet. Aber als ungekrönter Meister des Horrors sollte ihm auch ohne diese Liaison ein Platz in einem solchen Special sicher sein.

Ich las meinen ersten Stephen-King-Roman, da war ich gerade erst elf. Davor mochte ich Enid Blyton und hatte alle „Hanni und Nanni“-Bände; den Zwischenschritt davon zu Horror, wie auch immer der aussehen mag, habe ich indes einfach übersprungen.

Es fing mit Friedhof der Kuscheltiere an, dann kam ziemlich bald danach Shining, dann müssten Carrie und Brennen muss Salem dran gewesen sein und ab da verschwimmt alles in einem Wirbel aus Buchtiteln, denn es kann wohl niemand ernsthaft erwarten, dass ich alle gut fünfzig Stephen-King-Bücher, die ich gelesen habe, in der richtigen Reihenfolge aufzählen kann.

Fünfzig Bücher. Ich weiß nicht, was beeindruckender ist: Dass ein Mensch tatsächlich so viel schreiben kann oder dass ich immer noch Lust habe, es zu lesen!

So ziemlich seit Beginn seiner Karriere kämpft er gegen den Stempel „Schundautor“ und wird den, so fürchte ich, auch nicht mehr los werden. Er ist auch sicher nicht der eleganteste Schreiber, zudem hat er auch einfach schon richtig viel Scheiße geschrieben, aber was er über das Schreiben an sich sagt und auch über die ihm verwehrte Anerkennung vom Feuilleton fasziniert mich. Wenn „Angst“ eines der universellsten Gefühle überhaupt ist, warum hat dann Literatur, die sich genau damit befasst, einen so schlechten Stand?

Überhaupt, was ist eigentlich Literatur? Dazu ein Zitat:

„Ich verstehe das überhaupt nicht. Ich verstehe nichts von alledem. Warum muss eine Geschichte politisch oder sozial oder kulturell motiviert sein? Sind das nicht ganz natürliche Bestandteile jeder gut erzählten Geschichte? Ich meine… ich meine… kann eine Geschichte nicht einfach eine Geschichte sein?“
– Stephen King, Es

Und damit hat er vollkommen Recht. Das ist genau das, was ich in meinem Germanistikstudium vermisse. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Stephen King mich dazu gebracht hat, Literatur zu lieben, während mein Studium mich gelehrt hat, sie zu hassen.

Und das ist doch echt scheiße! Allein deshalb mache ich jeden fertig, der es im universitären Umfeld wagt, über Stephen King zu lachen und ja, ein bisschen genieße ich das sogar!

Ich habe im Zuge eines Blogprojekts letztes Jahr angefangen, Stephen-King-Romane in alphabetischer Reihenfolge zu rezensieren. Durchgehalten habe ich das zwar nicht, aber für Rezensionen brauche ich ja eigentlich kein Projekt von außen 🙂 Hiermit sei also angekündigt, dass ich damit weitermache, und zwar da, wo ich aufgehört habe! Ich mache mir da keine konkrete Vorgabe (also nicht „eine Rezension pro Woche“), aber irgendwann wird es weiter gehen 🙂

Soooo… aber dieser Artikel soll ja trotzdem noch ein bisschen mehr beinhalten als bloginterne Ankündigungen! Deshalb, zu Ehren eines großen Wörterschmiedes, des Meisters des Horrors und meines liebsten Autors, zu Halloween Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten in willkürlicher Reihenfolge!


Der Jaunt
Enthalten in „Blut“
Ein Vater erzählt seiner Familie die Geschichte des ersten verkehrstüchtigen Teleporters, der nicht nur die irdische Energiekrise löste, sondern der Menschheit auch den Weg zu den Sternen ebnete, obwohl einige Rätsel dieser Erfindung immer noch nicht gelöst sind…

Stephen King liebt Science Fiction, doch wenn er sich dem Genre widmet, ist seine persönliche Note unverkennbar. Ich mag Star Trek, aber was in solchen Filmen und Serien an technischer Innovation gezeigt wird, ist so unnatürlich sauber, dass es fast steril wirkt. Stephen King dagegen schafft es ohne ein einziges explizites Wort, die pure Bedrohlichkeit der vermeintlich strahlenden Zukunft auf den menschlichen Geist zu vermitteln, der für solche Ausmaße eigentlich gar nicht geschaffen ist. Wenn andere Autoren die Leser für den Gedanken faszinieren, irgendwann einmal den Weltraum erobern zu können, erinnert Stephen King daran, dass der Weltraum sehr, sehr groß ist – wir dagegen aber ganz, ganz klein. Und das ist so beängstigend, wie echter Horror nur sein kann.

Quitters, Inc.
Enthalten in „Katzenauge“
Ein Mann leidet sehr unter seiner Nikotinsucht, hat aber wie Millionen anderer Menschen ein Problem, von selber mit dem Rauchen aufzuhören – also wendet er sich an eine Firma, die bei der Unterstützung von Rauchern eine 98%ige Erfolgsquote vorweisen kann. Allerdings sind ihre Methoden etwas rabiater, als er sich das vorgestellt hat…

Irgendjemand schrieb mal, „Quitters, Inc.“ sei eine Kurzgeschichte, wie sie klassischer nicht sein könnte, und als solche die beste, die Stephen King je geschrieben hat. Ob es tatsächlich DIE beste ist, vermag ich nicht zu beurteilen, aber in meine Top 5 gehört sie auf jeden Fall!

Dabei ist der Horror hier mindestens in zwei Schichten aufgetragen. Einerseits ist da die ganz reale Bedrohung durch Gangster, die, auch wenn sie ein eigentlich hehres Ziel verfolgen, vollkommen skrupellos sind – die andere ist die Bedrohung durch sich selbst. Die eigenen Triebe, Gelüste, Schwächen… in dieser Geschichte könnten sie tatsächlich zur Katastrophe führen. Was einfach nur eine wunderbare Parabel ist.

Die Leiche
Enthalten in „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“
Ein Sommer in den Fünfzigerjahren und vier Freunde, die sich aufmachen, die Leiche eines vermissten Jungen zu finden…

Diese Kurzgeschichte, die eigentlich eine Novelle ist, dürfte die bekannteste in dieser Liste sein, weil sie unter dem Titel „Stand by me“ sehr erfolgreich verfilmt worden ist. Allerdings konnte mich der Film nie so wirklich begeistern – anders als das geschriebene Wort.

Wobei, vielleicht ist „begeistern“ die falsche Formulierung. Diese Geschichte bereitet mir jedes Mal echte körperliche Schmerzen beim Lesen. Es ist ein sehnsuchtsvoller Text über Vergänglichkeit, die ganz offensichtlich durch die namensgebende Leiche symbolisiert wird, doch darüber hinaus ist das Hauptthema Freundschaft, die dem Hauptprotagonisten zu einem gewissen Zeitpunkt im Leben als das Wichtigste überhaupt erschienen ist – und die dennoch irgendwann endete. Nicht mit einem Knall, sondern indem sie sich langsam aus seinem Leben schlich. So ähnlich ist auch der Tod: Für die meisten kommt er nicht plötzlich, sondern das Sterben beginnt für sie, für uns alle, mit dem Tage unserer Geburt.
Und das macht diese Geschichte gleichzeitig unendlich traurig als auch wunderschön – denn diesem Vanitas-Motiv wird genauso leidenschaftlich die Botschaft entgegen gestellt, das zu schätzen, was man hat, solange man es eben hat.

Die 10-Uhr-Leute
Enthalten in „Abgrund“
Die Protagonisten in dieser Geschichte gehören zu den Leuten, die gerne mit dem Rauchen aufhören wollen, es aber nicht ganz schaffen und sich deshalb täglich in ihrer ersten Pause vor den Bürogebäuden sammeln, um eine der wenigen Zigaretten zu sich zu nehmen, die sie sich noch erlauben. Diese Kleinstversorgung mit Nikotin enthüllt ihnen allerdings ein grauenhaftes Geheimnis…

Zu dieser Geschichte vermag ich nicht den geringsten Gehalt herbei zu interpretieren. Die Prämisse ist völliger Schwachsinn und alles Weitere eher konventionell – aber trotzdem bin ich total verliebt in die Geschichte. Weil sie so richtig schön bescheuert ist. Weil es trotz des fehlenden Tiefgangs einfach eine klasse Geschichte ist. Und wie wir gelernt haben, ist das eigentlich alles, was zählt!

Der rasende Finger
Enthalten in „Alpträume“
Ein Mann geht eines Morgens ins Bad und muss feststellen, dass aus seinem Abfluss ein lebendiger Finger ragt…

Eigentlich könnte man fast alle Geschichten dieser Welt auf eine Frage reduzieren: „Was wäre, wenn?“ Nur weil sich Menschen diese Frage stellen, werden Bücher geschrieben und Filme produziert. Hier haben wir aber eine „What if?“-Geschichte im klassischen Sinn. Wie würdest DU reagieren, wenn plötzlich so etwas alltägliches wie ein menschlicher Finger an einer völlig falschen Stelle auftauchen würde? Wie geht man mit etwas um, das so umfassend surreal ist?
Wenn man diese Geschichte tiefgehend interpretieren wollte, könnte man sagen, dass der Horror hier im Grunde aus dem Wissen erwächst, dass niemand, egal wie sehr man von anderen Menschen geschätzt und geliebt wird, einem so etwas glauben würde. Dass das Vertrauen in den Verstand sehr brüchig ist, egal ob von anderen oder gar von einem selbst.

Aber soweit muss man eigentlich nicht gehen. „Der rasende Finger“ ist die erste Kurzgeschichte von Stephen King, die mir nachdrücklich im Gedächtnis geblieben ist… und sie macht einfach tierisch Spaß zu lesen!


Hier geht’s zu all meinen King-Rezensionen!

Meine Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
Spielereview: Betrayal at House on the Hill
Die fünf besten Halloween-Serienspecials
Minimalistische Partytipps

Weißt du, was auch der pure Horror ist? Existenzängste, weil man nicht genug Knete hat! Wenn du mir ein wenig meiner Angst nehmen und mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich deshalb gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Die Demontage eines Idols: „Arrow“ (Teil 2: Kritik)

Achtung: Folgender kleiner Rant Folgende kleine Rezension ist voller Spoiler und bezieht sich auf die erste Staffel. Lest also nur weiter, wenn ihr die Staffel schon kennt oder euch Spoiler in diesem Fall egal sind!

Nach dem ersten Teil, in dem ich über die Comicvorlage berichtet habe und warum ich diese so liebe, könnt ihr euch also gut vorstellen, warum ich auf diese Serie gespannt war.
Und leider muss ich sagen: Ich mag sie nicht.

Prämisse

Bereits die Prämisse der gesamten Serie, die Basis von Olivers Motivation, ist so dermaßen an den Haaren herbei gezogen, dass man nur den Kopf schütteln kann: Wir sehen ihn mit seinem Vater und dem einzigen anderen Überlebenden des Yachtunglücks in einem Rettungsboot treiben (wie lange, wird nicht erläutert – es scheinen aber schon ein paar Tage zu sein). Die Vorräte sind knapp, Rettung offensichtlich noch nicht in Sicht. Daher beschließt Mr. Queen, die Überlebenschancen seines Sohnes zu erhöhen, indem er erst den (völlig unschuldigen) dritten Kerl erschießt und dann schließlich auch sich selbst, nicht ohne Oliver vorher zu beschwören, auch nur ja zu überleben, damit er nach Hause zurück kehren und das Unrecht, an dem er Anteil hatte, wieder gut machen kann.

Ähm, ja. Muss ich ausführen, wie löchrig dieser „Plan“ ist? Mr. Queen hatte nicht die geringste Ahnung, wie diese Sache ausgehen wird. Er wusste weder von der nahen Insel (die zu dem Zeitpunkt noch nicht zu sehen ist), noch von den vielen Jahren Folter, Entbehrungen und Training, die Oliver dort erwarteten. Wie kommt man auf die Idee, in einer solchen Situation – sein entkräftetes Kind schutzlos in einer Nussschale auf dem Pazifik treibend – sich selbst abzuknallen, nur damit es vielleicht nen Schluck Wasser mehr aus der Notration kriegt? Wäre es nicht wesentlich intelligenter gewesen, einfach, naja, AM LEBEN ZU BLEIBEN und damit auch für alle Eventualitäten gewappnet zu sein? Seinen Sohn vielleicht verteidigen zu können, wenn es nötig wäre? Gemeinsam an ein rettendes Ufer zu paddeln, wenn Oliver allein dazu zu schwach gewesen wäre? Sein Hirn anzustrengen und nach Lösungen zu suchen, statt es sich einfach wegzuballern?

Desweiteren ist Oliver zu diesem Zeitpunkt ein gedankenloser, arroganter Partyhengst, dem jegliches Interesse für andere Menschen oder das Geschäft seines Vaters völlig abgeht und der nicht im Geringsten zu dem befähigt ist, was sein Vater von ihm verlangt. Erst die Insel formte ihn zu einem „echten Mann“, wenn man das so nennen will. Wie hätte sein Vater das vorhersehen sollen?

Von diesen groben Logiklücken abgesehen bereitet mir der unbeteiligte dritte Mann allerdings noch mehr Kopfschmerzen. Oliver kehrt am Ende ja tatsächlich zurück, um als grüngewandeter Rächer den Kampf gegen das Böse aufzunehmen, ein Kampf, der ihm sein offensichtlich geläuteter Vater kurz vor seinem Tod aufträgt. Aber wie viel ist dieser Kampf, wie viel Oliver als verkörperte Gerechtigkeit wert, wenn all dies auf einem kaltblütigen Mord basiert? Und wie ernst mag seinem Vater die Wiedergutmachung wohl gewesen sein, wenn er völlig skrupellos in der Lage ist, einfach einen Unschuldigen zu erschießen? Zumal eine Reflexion über diese Tat völlig fehlt. Als Oliver die letzten Momente seines Vaters seiner Mutter schildert, wird dieser Mann nicht mal erwähnt, als gäbe es ihn gar nicht!! Dies grenzt schon extrem hart an Narzissmus – und ist eines Helden nicht würdig!

Die Dialoge

Eigentlich könnte ich diesen Punkt abkürzen und einfach nur sagen: Sie sind gotterbärmlich schlecht. Aber sie verursachen mir wirklich solche Schmerzen, dass ich es dabei nicht belassen kann.

Es gibt eigentlich nur drei Gesprächsthemen in der gesamten Serie:

– Sinnieren über Olivers Vigilantentum. Hauptakteure: Oliver und Dig.

– Emotionalisiertes Herumschwurbeln über seine Ex-Beziehung mit Laurel und darüber, wie ganz doll verstört alle Beteiligten sind und waren. Hauptakteure: Oliver, Laurel, Tommy.

– Allgemeines Rumheulen. Hauptakteure: Eigentlich alle. Aber vor allem die Queen-Familie.

Den letzten Punkt möchte ich gerne weiter ausführen. Mir scheint es wirklich so, als würde so ziemlich jedes Gespräch innerhalb der Familie so ablaufen:

Thea: „Ich war eben mit ein paar Freundinnen Eis essen. Du weißt schon, am Gesellschaftsleben teilnehmen, funktionieren. Aber ich konnte das Eis nicht genießen. Denn weißt du, wem das Eis auch gut geschmeckt hätte? Dad.“
Oliver: „Ach Dad.“
Thea: „Ja. Ich vermisse ihn so. Jetzt kann ich ihm nicht erzählen, dass ich mit Freundinnen Eis essen war.“
Oliver: „Das muss sehr hart für dich sein. Ich vermisse Dad auch.“
Thea: „Ja. Ich bin froh, dass du mir das erzählst. Seitdem du von dieser Insel zurück gekehrt bist, bist du nicht mehr der Bruder, den ich mal kannte. Du bist so verschlossen.“
Oliver: „Thea, ich kann dir nicht erzählen, warum ich so verschlossen bin. Es tut mir sehr leid.“
Thea: „WENN DAD DOCH NUR HIER WÄRE!!!“ *türenknall*

Und nein, das ist KEINE Übertreibung!
Meine Fresse, geht’s vielleicht noch ein bisschen unsubtiler auf die Tränendrüse?! Ich verstehe vollkommen, wie traumatisch es für eine Familie ist, ein Mitglied zu verlieren, und Olivers unerhoffte Rückkehr wird diese Wunden sicher wieder aufgerissen haben, aber Herrgott, irgendwann ist es auch mal gut! Immerhin ist ja jetzt nur einer tot statt wie vorher angenommen zwei. Das sollte doch zumindest ein bisschen tröstlich sein!
Außerdem ist es fünf Jahre her. Eigentlich genug Zeit, Trauerarbeit zu leisten und damit zumindest halbwegs abzuschließen. Natürlich hinterlässt so etwas für den Rest des Lebens Spuren und kann nie ganz abgeschlossen sein, aber naja, man muss auch nicht in jedem Gespräch wieder auf das Thema zurück kommen! DAS IST NICHT HILFREICH!

…und leider auch nicht authentisch. Alle Beteiligten wirken dadurch wie kleine, zarte Pflänzchen, die ununterbrochen nur jammern und offensichtlich seit 5 Jahren kaum ihr Leben im Griff haben. Und das ist einfach too much. Diese Laberei! Das war zwar schon in Dawson’s Creek erfolgreich (ernsthaft, ich habe die Serie kaum je gesehen, weil sie so genervt hat, aber gab es da auch nur EIN authentisches Gespräch, wie es auch zwischen echten Teenagern stattfinden könnte?) und auch Smallville hat sich da SEHR hervorgetan.
Offensichtlich ist dieses überemotionalisierte Herumschwurbeln IN. Ich finde es aber trotzdem scheiße!

Dieses viele Rumtöten…!

Aber kommen wir zu Oliver, der, kaum wieder Zuhause, natürlich direkt weiß, was zu tun ist und als verkleideter Schütze loslegt. Dabei erschießt er direkt in der ersten Folge schon mehrere Typen.

Und das, liebe Freunde der verehrten Comickunst, geht EIGENTLICH gar nicht, denn Green Arrow tötet NIE.

Nun entwickeln sich Comics ja auch weiter, ähnlich wie die menschliche Moral. Die Anfänge, als in Comics noch wahre Lichtgestalten unterwegs waren, sind längst Vergangenheit. Die Akzeptanz für gewisse Inhalte nahm immer weiter zu, so wie auch das Alter des Zielpublikums. Spätestens seit den Siebzigern trauten sich Comics auch Themen anzusprechen, die für Kinder nur bedingt geeignet sind (und erst da fing auch das große Massensterben diverser Charaktere an…).

green arrow first kill
Green Arrow verwackelt den Schuss. The Flash (erste Serie) #217, 1972

Was ich sagen will: Ich habe zwar immer noch lieber diesen Green Arrow im Kopf, der direkt ins Kloster rannte, als er mal jemanden aus Versehen erschossen hat, aber naja – mit einem Killer komme ich irgendwie auch klar. Solange nicht auch noch Batman so anfängt (Niemals. Bitte!!!).

Allerdings nur, wenn das alles noch hübsch den Regeln der Logik gehorcht und nachvollziehbar bleibt, was zugegebenermaßen bei der Rolle, in der ICH ihn gerne sehen würde, fast unmöglich ist (mir fällt jedenfalls nicht ein, wie man einen Charakter gleichzeitig frohgemut, links und dem Töten seiner Gegner nicht abgeneigt anlegen könnte…) – aber leider schafft es die Serie auch nicht. Aber sowas von nicht.

huntress

In mehreren Folgen taucht Helena Bertinelli auf, die Tochter eines Mafiabosses, die mit den kriminellen Machenschaften nichts zu tun haben will und dann, als sie im Geheimen versucht, Beweise gegen ihren Vater zu sammeln, ihren Verlobten durch ein Attentat verliert – angeordnet von ihrem Vater. Deswegen ist sie verständlicherweise sauer und möchte sich rächen.

Sowas nennt sich Motivation und ist zumindest im fiktiven Kontext absolut nachvollziehbar – aber nicht für Mr. Oliver Queen! Dessen Feldzug ist ja, äh, was völlig anderes.

Huntress (Helena Bertinelli) - das Original.
Huntress (Helena Bertinelli) – das Original.

Deswegen ist es ja auch okay, wenn er die bösen Typen, die auf seine Liste stehen, abknallt (und deren Freunde… und die Bodyguards… und noch so ein paar andere Leute, die halt irgendwie noch gerade da sind…!), aber Helena, die ihren mordenden Mafiadaddy um die Ecke bringen will, also nein, das ist ja bäh, das geht gar nicht!

Aber das muss man eben verstehen… der Kerl steht ja nicht auf der Liste. ER STEHT NICHT AUF DER LISTE!!!

Wenn man der Meinung ist, böse Menschen umbringen zu dürfen sei okay, begibt man sich auf SEHR dünnes Eis. Oliver Queen ist allerdings schon längst eingebrochen – und präsentiert sich damit als ein Typ, dessen Einschätzung offensichtlich das Maß aller Dinge ist, obwohl er sich nur auf eine saublöde Liste rekurriert und er ansonsten nicht im Geringsten über sein Handeln reflektiert!

Was mich zum nächsten Punkt führt:

Der Charakter „Oliver“/Olivers Charakter

Tja, was lässt sich dazu sagen? Außer dem vielen Rumheulen, dem halbgaren Moralkodex und dem fremdgesteuerten Rachefeldzug ist da ja nicht viel, oder?

Das nervt mich eigentlich am meisten. Denn Oliver Queen ist witzig. Er ist polternd, tönend, absolut überzeugt von sich, ein polemisches Großmaul, der Polizisten „blaue Faschisten“ nennt und „Bonzen“ hasst und dessen Ansichten ebenso unerschütterlich sind wie seine Neigung, ab und zu seine Meinung einfach mal so um 180 Grad zu ändern. Ein Charakter, den man, wenn er über’s Ziel hinaus schießt (höhö) gleichzeitig hassen als auch dafür lieben kann, dass er sich dabei so verdammt lustig aufregt. Er ist ein Mann mit Idealen, der für eben diese bereit ist zu kämpfen, der nur WEGEN diesen Idealen kämpft.

So ist der Comic-Ollie. Und Arrow-Oliver?

Wir erfahren nach und nach in Flashbacks, wie er auf der Insel zu der starken Kampfmaschine wurde, die ihren Bogen meisterlich beherrscht. Doch wie wurde er zu einem Menschen, der Böses verdammt? Wie wurde er zu einer Persönlichkeit, die sich für Schwache und Entrechtete einsetzt?
Die Antwort ist: gar nicht. In jedem gottverdammten Intro labert er davon, den letzten Wunsch seines Vaters in die Tat umzusetzen. Dabei ist er genauso humorbefreit wie der Rest dieser Serie. Aber darüber hinaus? Ein großes, schwarzes Loch, wo eigentlich so etwas wie eine Motivation sein müsste.

„Now I will fulfill my father’s dying wish“ klingt so großartig, ist aber nur eine nett verpackte Umschreibung für „Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich hier eigentlich mache“. Und das NERVT.

Womit wir bei den Themen der Serie angekommen wären.

Die Themen

Wie gesagt ist Green Arrow eigentlich ein sozialkritischer Held, der sich für die Belange der unteren Klassen einsetzt und gegen Diskriminierungen kämpft. Zumindest in Ansätzen ist das auch in der Serie vorhanden, denn Oliver ist auch dort (obschon Mitglied der Upper Class) auf einem Feldzug gegen Bösewichte, die Schwächere ausgenommen haben, die sich nicht wehren können.

Solange sie halt auf seiner blöden Liste stehen.

Während vor allem die Hard Travelling Heroes Saga bemüht war, auch mal die Perspektive der Opfer zu zeigen (selbst wenn diese vermeintliche „Täter“ waren – beispielsweise Menschen, die nur stahlen, weil sie sonst verhungern würden), geschieht das in der Serie NIE. Eine Behandlung der sozialen Problemlagen findet praktisch nicht statt.

Was aber noch viel schlimmer ist: Es spielt kein Thema in der Serie, behauptet wird aber was anderes!

So gibt es eine Folge, in der eine Familie einen Bankraub nach dem anderen begeht. Dig meint daraufhin zu Oliver, dass sowas doch durchaus auch mal ein Job für „The Hood“ sein könnte. „Ich kümmere mich nicht um Straßenkriminalität“, wehrt Oliver diesen Vorschlag brüsk ab (am Ende tut er das Verlangte jedoch natürlich trotzdem).

Denn ja, Banküberfälle haben ja so wahnsinnig viel mit Straßenkriminalität zu tun. Passiert ja täglich, so ein Bankraub, gell.

Tatsache ist: Straßenkriminalität ist wohl zu proll und bäh, um in der Serie eine größere Rolle zu spielen. Dann müsste man sich ja mit diesen ganzen Losern auseinander setzen, die klauen und überfallen und dealen, weil sie nie etwas anderes gelernt haben, da ihr Land sie schon von Anfang an abgestempelt und ihnen keine Chance gelassen hat, jemals etwas zu erreichen. Das ist ja zu differenziert, da kriegt man ja Kopfweh von. Lieber heult man noch ein bisschen über den toten Papi rum, der ja auch nicht so wirklich der gute Kerl war, für den man ihn gehalten hat, um sich nicht mit echten Problemen auseinander setzen zu müssen.

Auch hier gilt: Wäre das irgendeine Serie und irgendein Charakter, dann könnte ich das ja noch ignorieren. Aber hier geht es nun mal um Green Arrow, den Sozialaktivisten unter den Superhelden. Das ist ein ERBE. Und es ist ja nicht so, als ob in Zeiten von Bankenkrisen, die ganze Familien an den Rande des Ruins treiben, Rassismusdebatten, grassierender Homophobie, Überwachung etc.pp. ein solcher Held nicht mehr benötigt würde. Im Gegenteil!

Eine Serie mit solchen Inhalten hätte ich geliebt. Allerdings hätte sowas von den Programmmachern ja Mut erfordert – den Mut eines Denny O’Neill und Neal Adams. Aber der ist offensichtlich ausgestorben.

Was bleibt, ist ein absolut unpolitischer Held, den man scheut, auf reale Missstände loszulassen. Das treibt mitunter seltsame Blüten. Warum um alles in der Welt muss man in der heutigen Zeit für eine solche Serie eine Droge erfinden, gegen die Oliver dann kämpfen kann? Ich meine, gibt es nicht genug echte Drogen?

Vertigo – Dreh- und Angelpunkt der vielleicht blödesten Storyline der ersten Staffel. Wirkung? Weiß man nicht. Bestandteile? Oh nein, sowas kann man ja nicht in einem Familienprogramm erörtern. Auswirkungen? Ein paar blöde Upper-Class-Gören, die zugedröhnt Unfälle bauen (Olivers süße kleine Sis) oder auf der Straße tanzen, wo sie dann überfahren werden. Suchtpotential? Äh, da war doch dieser Typ, der total krass nervös war und, äh…!
Und das Zeug kommt in PILLENFORM. Oh my fucking God. Und so eine Kinderdroge soll diese ganze Stadt im Würgegriff haben?

Die Drogenproblematik ist eng mit Green Arrows Figurenhistorie verbunden. Als Denny O’Neill sich traute, das Thema in den Siebzigern anzuschneiden (er leitete die Story ein mit den Worten: „Viele werden sagen, die folgende Geschichte dürfe man nicht erzählen…“ *dramatische Musik einblend*), wagte er etwas zu zeigen, was zu dieser Zeit absolut neu und schockierend war:

Green Lantern (2. Serie) #85, 1971. Noch so  ein voll berühmtes Cover.
Green Lantern (2. Serie) #85, 1971. Noch so ein voll berühmtes Cover.

einen drogensüchtigen Superhelden. Green Arrow musste lernen, dass Drogensucht etwas ist, das nicht nur Schwächlinge und Feiglinge heimsucht, sondern jeden treffen kann – auch seinen eigenen Sidekick. Das war gleich aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens kratzte es an der Vorstellung des „perfekten Helden“ (war damit aber auf der Höhe der Zeit) und zweitens an dem Klischee, mit dem sich Politik und Eltern gerne beruhrigten – nämlich, dass nur Asoziale Drogen nehmen.
Seitdem kann das Thema bei Green Arrow nicht mehr unvoreingenommen behandelt werden. Schicksalsschläge, Baby. Und daher war es eigentlich auch nur logisch, dass Drogen auch in sämtlichen Adaptionen des Stoffes (höhö) auftauchen werden. Das war schon bei dem Green Arrow der Fall, der bei Smallville zeitweise rumturnte (leider kein Witz – allerdings war diese Figur und vor allem ihre krasse Beliebheit bei den Fans wohl mit ein Grund, warum Arrow überhaupt in Produktion gegangen ist) und nun eben auch in dieser Serie.

Aber warum so scheiße und oberflächlich?

Irgendwie schafft die Serie es, das Thema gleichzeitig zu diabolisieren als auch zu verharmlosen. So scheint sich seine (übrigens im Comic nicht-existente) Schwester zu Anfang so ziemlich alles einzuwerfen, was sie in die Finger bekommen kann – nur um dann von einem auf den anderen Tag damit aufzuhören. Leidensdruck, Suchtpotential? Irgendwie gar nicht. Gleichzeitig erfährt man über diese Pseudodroge Vertigo absolut nichts, außer eben, dass es eine Droge ist – und damit ja grundsätzlich eeeevil. Mehr Infos braucht man ja nicht, ne.

Ich kann mir nicht helfen – aber jedes Mal, wenn in einem Medium eine erfundene Droge auftaucht (und das ist leider schon öfter passiert), ist es bei mir irgendwie vorbei. Weil es so lame ist. Als müsste man die Zuschauer vor der harten Realität schützen.

Realitätsnähe?

Und damit wäre ich dann am letzten Punkt, der sicher nicht der schlimmste ist, aber nun mal trotzdem hier steht und mir unglaublich auf den Sack geht.

Seit Christopher Nolan für seine Batman-Trilogie so viel Fame abgegrast hat, wird versucht, sein Konzept der „Pseudorealität“ auf andere Projekte zu übertragen. Arrow ist Opfer davon geworden.

Ich bin absolut kein Fan von Pseudorealität (sowie ebenso kein Fan von Nolan allgemein), weil Superhelden nun mal nicht realistisch sind. Boom, harte Wahrheiten. Selbst bei theoretisch möglichen Helden wie Batman passt mir dieser Ansatz absolut nicht, weil damit schlicht und ergreifend ein Haufen Spaß auf der Strecke bleibt. Bei Nolans Batman äußerte sich das z.B. in ultralahmen Kampfszenen, weil sich Christian Bale in diesem Ganzkörperpanzer (warum genau hat er nochmal so viel für die Rolle trainiert?) kaum rühren konnte. Dabei ist Batman ein gottverdammter Ninja!

Bei Arrow ist das ein bisschen subtiler, aber einen großen Kritikpunkt hätte ich dann doch. Vielleicht einen, der für jeden, der noch nie einen Bogen in der Hand gehabt hatte, absolut uninteressant ist. Aber leider BIN ich nun mal selbst Bogenschützin (woran Green Arrow wohl mit einen Anteil hatte) und als solche kann ich das leider nicht ignorieren.

Zuerst war ich ja sogar sehr erfreut über die Änderung, Oliver ganze fünf Jahre auf dieser Insel versauern zu lassen statt nur ein paar Monate, denn fünf Jahre sind vor allem in einer solchen Extremsituation eine ausreichende Zeit, um ein solcher Ausnahmeschütze zu werden.
Natürlich tut er trotzdem mit seinem Bogen ständig Dinge, die ich unter „eigentlich absolut unmöglich“ einordnen würde. Aber hier greift nun die „Superhelden-Realität“: Das muss man eben einfach hinnehmen oder sich halt eine verdammte Doku ansehen. Wer nicht mal bereit ist, für einen Horrorfilm grundsätzlich die Prämisse zu akzeptieren, dass Geister existieren, hat ja auch keinen Spaß an dem Streifen. So auch hier: Da ist also dieser Typ, der eine ziemlich schwierig zu handhabende Waffe, für die man in nicht unerheblichen Maß auch schlicht Talent haben muss, perfekt beherrscht. Alles klar, ist einzusehen!

Doch nun kommen einige technische Details dazu – und ich aus dem Facepalmen nicht mehr raus.
In einer Folge sieht man in einem Flashback, wie Shado Oliver trainiert, indem sie ihn auf Wasser schlagen lässt, damit er stark genug wird, den Bogen zu spannen. Dieser Bogen habe, so wird erklärt, ein Zuggewicht von 150 lbs (englischen Pfund).

„Was mache ich hier eigentlich“ sagt dieser Blick!
Freunde und Nachbarn: HUNDERTFÜNFZIG PFUND. Hat irgendjemand der Schreiberlinge, die das verbrochen haben, schon mal einen Bogen in der Hand gehalten?! Warum haben die Bogenlehrer, die für die Serie sicher engagiert worden sind, nicht mal das Maul aufgemacht?! Hundertfünfzig Pfund!! Wisst ihr, wie VIEL das ist?! Wie gottverdammt UNMÖGLICH es ist, sowas zu spannen – und damit dann auch noch richtig zu zielen?!
Englische Langbogen, so ziemlich die stärksten Bogen, die jemals im größeren Maße auch wirklich verwendet worden sind, kamen im Mittelalter als rüstungsdurchschlagende Waffen zum Einsatz – und hatten sogar WENIGER Pfund! Allgemein geht man von einem Zuggewicht zwischen 100 und ca. 140 Pfund aus, und selbst DAS ist schon unglaublich viel!! Zusammen mit den völlig übertrieben scharfen Pfeilspitzen, die Oliver verwendet, sollte jeder Pfeil jedes Opfer, auf das er jemals geschossen hat, schlicht und ergreifend durchballern. Das ist auf so vielen Ebenen so unendlich übertrieben!!

… und leider nichts weiter als dummes Rumgepose. Denn nein, ein Oliver Queen würde einen solchen Bogen nicht spannen können, auch wenn er fünf Jahre lang nichts anderes getan hätte als Wasser zu verprügeln. Überhaupt, wie lange hat er das gemacht? Ein, zwei Tage? Und schon ging es? UND DANN AUCH NOCH SO LEICHT!?

Wisst ihr, warum mich das am meisten nervt? Weil es so grandios unnötig ist. Keinem Mensch fällt so ein Bullshit auf (außer Schützen wie mir), also hätte man es doch auch einfach weglassen können. Oder, krasser Gedanke: es einfach richtig darstellen können. Auch 70 oder 80 lbs sind für einen Anfänger je nach Fitness extrem schwer zu spannen und reichen für das, was er damit macht, vollkommen aus. Nehmen wir noch den Superhelden-Bonus mit rein: 100 lbs. Schön runde Zahl.
Aber nee – hauen wir doch noch 50% drauf! Ich wünschte, ihr wüsstet, wie dämlich das ist!!

Und das in einem Serienuniversum, das in der gesamten 1. Staffel ansonsten als „reale Welt“ gelabelt worden ist. Womit es laut Gerüchten demnächst vorbei sein wird (Achtung, Spoiler auf Staffel 2): The Flash wird aufkreuzen, erlebt wohlmöglich sogar in der Serie seine „Verwandlung“ von dem etwas lahmen Wissenschaftler Barry Allen zum schnellsten Mann der Welt, der sich mal locker mit vielfacher Schallgeschwindigkeit bewegen kann. Ich habe bisher nur die 1. Folge der 2. Staffel gesehen, aber die unglaublich unsubtil eingeworfene Nachrichtenmeldung über einen „neuen Teilchenbeschleuniger in Central City“ lässt schon eine grauenhafte Ahnung aufkommen (denn nein, ein Teilchenbeschleuniger hatte mit Barry Allens Superkräften im Comic nicht das Geringste zu tun).

Ich bin mir sicher: Die meisten Zuschauer, von denen viele offensichtlich nicht wissen, dass die Serie auf einem Superheldencomic basiert, werden hier unangenehme Gedanken in Richtung nuking the fridge haben – denn man kann nicht erst eine pseudorealistische Welt erschaffen, um sie dann mit sowas zusammen prallen zu lassen. Kein einziges fantastisches, mystisches oder sciencefictionhaftes Element in der gesamten ersten Staffel und dann DAS in Staffel 2? Ooooh jeeee…

Und sonst so?

Ich könnte ja noch ewig ranten. Zum Beispiel darüber, wie unglaublich dämlich die meisten Folgen sind, die oft auf dem Umstand basieren, dass Felicity offensichtlich nur noch ein Update davon entfernt ist, aus ihrem Computer eine Zeitmaschine oder eine Rakete zum Mars zu bauen. Man stelle sich die gesamte Serie mal ohne dieses unrealistische Wunderwesen vor. Klappt nicht, ne.

Oder darüber, wie sehr ich Roy Harper hasse. Der Junge ist verdammt noch mal mitsamt der gesamten Arrow-Familie einer meiner Lieblingssuperhelden, nicht nur deswegen, weil ich eine Schwäche für Charaktere mit Drogenproblemen habe, aber hier schaffen sie es, ihn aber sowas von vollständig komplett zu versauen. Allein diese Frisur!! Und es hat ja nicht gereicht, Clark Kent in Smallville immer in roter Weste und blauem Shirt rumrennen zu lassen – ohne rotem Hoodie kann dieser Typ hier offensichtlich auch nicht aus dem Haus! Er könnte auch ein Schild tragen mit „Seht mich an, ich werde demnächst Sidekick!“

Und Thea! Was für eine Schnepfe! Oder „Laurel“ (warum nicht Dinah!?)! Wie lame! Und diese völlig storyirrelevanten „Workouts“ von Oliver (ist euch aufgefallen, dass in jedem Vorspann eine andere Trainingseinheit gezeigt wird?!), nur um ihn oben ohne zu zeigen, als wäre er dieser hässliche Typ aus Twilight!! Und überhaupt: StarLING City?! Was war denn verkehrt an „Star City“?!

Aber es muss doch auch was gutes geben…?

Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber: Ja.

Stephen Amell ist zwar als Besetzung eigentlich viel zu jung, ist aber – man verzeihe mir mein Gelechze – ein absolutes Schneckchen, auch wenn er mir viel zu übertrainiert ist und ich deshalb auf seine halbnackten Fitnessstündchen verzichten kann. Auch sind die Kampfszenen größtenteils grandios choreographiert und lassen mein Fangirlherz höher schlagen. Das (und noch viel mehr) hätte ich mir für die Batman-Trilogie gewünscht. Und Paul Blackthorne spielt Malcolm Merlyn wirklich erstklassig und schafft es damit, dem einzigen interessanten Charakter in der gesamten Serie Leben einzuhauchen. Angeblich isser ja tot, aber so blöd werden die Macher ja nicht sein!

Fazit

Dennoch reichen diese paar Pünktchen nicht, um die Serie für mich zu retten. Zwar muss ich zugeben, dass ich mit ihr jetzt durch Hassliebe verbunden bin (wohl, weil ich mir ja tatsächlich die gesamte erste Staffel reingequält habe), heißt: Ich werde sie weiter verfolgen, aber leider ist da dennoch der Gedanke, dass hier wieder Mal ein DC-Charakter nicht die Behandlung bekommt, die er verdient, und unglaublich viel Potential verschenkt worden ist.

Ich bin gespannt, wie schlimm es noch werden wird, wundere mich in der Zwischenzeit ein bisschen, warum die Serie in der Internet Movie Data Base ein Rating von 8,1 bekommt und versuche weiterhin, mir beim Facepalmen kein Schädelhirntrauma zuzuziehen.

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Stephen Kings „Cujo“

Stephen King – Cujo
Cujo, 1981 (Deutsch 1983)


cujoDonna Trenton macht sich mit ihrem Auto, das nicht mehr so richtig läuft, und ihrem kleinen Sohn auf zur abgelegenen Farm der Cambers, um den Hausherren darum zu bitten, sich das Auto mal anzusehen. Dort angekommen, ist von den menschlichen Bewohnern keine Spur zu sehen – dafür wird sie jedoch sofort von dem riesigen Bernhardiner Cujo attackiert, der eigentlich ein grundgutes Hundchen ist, sich aber nach einer unentdeckten Tollwutinfektion in ein zähnefletschendes Monster verwandelt hat, der zu diesem  Zeitpunkt schon zwei Männer zerfleischte.

Natürlich kann sie nicht flüchten, weil just in diesem Moment das Auto völlig den Geist aufgibt. Eingesperrt im Wagen, während draußen sommerliche Temperaturen herrschen, ohne Wasser und mit einem kleinen Kind, das in der mörderischen Hitze immer schwächer wird, muss Donna erkennen, dass sie nicht auf Hilfe von Außen hoffen kann, da ihr Mann auf Geschäftsreise, die Farm offensichtlich verlassen und niemand weiß, wo sie ist. Sie muss sich bald entscheiden, ob sie sich der Bestie stellt und ihr Leben riskiert, um ihren Sohn zu retten…


Cujo, das Buch, benannt nach dem Hund mit dem ziemlich dämlichen Namen also. Ich habe erst etliche andere Bücher von Stephen King gelesen, bevor ich dieses in die Hand nahm, was daran lag, dass mich die Story einfach nicht so wahnsinnig interessiert hat. Am Ende habe ich es ehrlich gesagt nur gelesen, weil es zu dem Teil seiner Bücher gehört, die in der Kleinstadt Castle Rock spielen, ein Örtchen, das wohl jedem Kingfan ein Begriff ist (und wer jetzt an die Filmproduktionsfirma „Castle Rock Entertainment“ denkt… ja, die hat sich eben nach dieser fiktiven Stadt benannt).

Und weil das so ist, fühlt man sich jedes Mal aufs neue fast so, als kehre man heim. Man kennt einen Teil der (Neben)Charaktere bereits, kann mit etlichen anderen Stadtbewohnern, die lediglich erwähnt werden, was anfangen und hat die Stadt im Kopf schon als Modell aufgebaut.

Cujo bildet indes den dritten Teil dieses sogenannten Castle-Rock-Zyklus, weshalb in den Büchern, die danach spielen, auch immer wieder Verweise auf die geschilderten Ereignisse getätigt werden. Daher sollte man dieses Buch, sofern man gründlich sein will, auch lesen.

Wobei es sich leider nicht sonderlich lohnt. Wie gesagt – die Story hat mich nicht großartig interessiert, tatsächlich war aber der Teil, der sich dem Überlebenskampf Donna Trentons gegen den wildgewordenen Bernhardiner widmet, dennoch überraschend packend. Beklemmung zu erzeugen ist Stephen Kings Spezialität,  ebenso wie sein großes Geschick dafür, eigentliche Nebensächlichkeiten zum wahren Horrorelement hochzustilisieren (das Schlimmste an Donnas Gefangenschaft im liegengebliebenen Auto ist im Grunde nicht Cujo, da der ja nicht reinkommen kann, sondern die unerträgliche Hitze). Auch sind hier einige Passagen aus der Sicht von Cujo selbst geschrieben, was ich immer (er ist nicht der einzige Hund, der jemals bei Stephen King das Wort erhält) recht amüsant und auch ganz authentisch finde,  obwohl natürlich keiner weiß, was und wie Hunde eigentlich denken.

Die Nebenhandlung allerdings, die sich mit den Eheproblemen von Donna und Mrs. Camber befasst, fand ich beim ersten Lesen zum Gähnen langweilig. Vielleicht müsste ich das Buch nochmal lesen (tatsächlich ist es auch eines der King-Werke, die ich nur ein einziges Mal gelesen habe), aber damals war Donnas Fremdgeherei und die Tatsache, dass sie diese mit einem Typen vollzog, der sich hinterher als das größte Arschloch überhaupt entpuppt, nicht gerade dazu angetan, die Figur für mich sympathisch zu machen. Zusammen mit Mrs. Camber soll sie wohl in der Art, wie sie mit ihrem Ehemann umgeht, sowas wie einen Chiasmus darstellen (Donna Trentons Mann ist ein fürsorglicher Vater, aber ein bisschen langweilig und abwesend, weshalb sie fremdgeht, aber auf keinen Fall die Ehe beenden will… Farmer Camber ist ein gewalttätiger Typ, der seinen Sohn verdirbt und so in seiner Frau den Gedanken an Scheidung weckt). Das war mir irgendwie too much und wäre bei der Geschichte, in der es schließlich vor allem um eine tollwütige Bestie gehen soll, zu vernachlässigen gewesen.

Dennoch: Allein schon, weil man als Kingfan einfach erfahren MUSS, was mit dem sympathischen, in späteren Werken fast als Lichtgestalt erscheinenden Sheriff Bannerman passiert, sollte das Buch gelesen werden. Und wer die Verfilmung von 1983 gesehen hat, die Vorlage aber nicht kennt, sollte sich das auch mal antun, da der Film nämlich in einem ganz entscheidenden Punkt dieser widerspricht und Stephen King aus dem Grund viel Hass einstecken musste, da die Filmversion in dieser  Hinsicht besser ankam. Was das ist, wird natürlich nicht verraten, chrchr.

Stephen King war übrigens mal alkoholkrank und in diese Zeit fiel der Roman. Daher kann er sich absolut nicht mehr dran erinnern, ihn geschrieben zu haben…

5 von 10 Riesen-Bernhardinern!


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Stephen Kings „Carrie“

Stephen King – Carrie
Carrie, 1974 (deutsch 1977)


carrieDas Leben der sechzehnjährigen Carrie White ist ein Alptraum: Von ihrer fanatisch religiösen Mutter misshandelt und seelisch gepeinigt, ist sie auch in ihrer Highschool eine Außenseiterin, die ständig gehänselt wird. Der (vorläufige) Gipfel dieser Demütigungen ist am Tag ihrer sehr späten, ersten Periode erreicht, die sie nach dem Sportunterricht in der Dusche ereilt: Während sie selbst glaubt, verbluten und sterben zu müssen, da sie nie aufgeklärt worden ist, bewerfen sie ihre Mitschülerinnen angeekelt mit Tampons und lachen sie aus.

Emotional aufgewühlt passieren immer mehr merkwürdige Dinge um Carrie herum, die in ihr den Verdacht erwecken, telekinetische Kräfte zu besitzen. Während sie diese eifrig trainiert und auch in der Schule aufblüht, weil einige Mitschülerinnen, beschämt über ihr eigenes Verhalten, versuchen, netter zu ihr zu sein, und sie schließlich sogar zum Abschlussball eingeladen wird, hegen andere Schüler weiterhin Groll gegen das unscheinbare Mädchen und schmieden einen Plan zu ihrer ultimativen Demütigung… nichtsahnend, welche Kräfte Carrie inzwischen mobilisieren kann, wenn sie nur wütend genug ist…


Carrie war Stephen Kings allererster Roman und gehört mit Sicherheit zu einem der erfolgreichsten! Dabei wäre er fast nie erschienen. Das ursprüngliche Manuskript war viel zu kurz, um als eigenständiges Werk auf den Markt gebracht zu werden, daher wurde es an Stephen King mit der Bitte um Überarbeitung zurück geschickt. Der fügte der Geschichte Auszüge aus fiktiven Biographien, Zeitungsartikeln, Büchern über den Vorfall etc. hinzu und änderte damit nebenbei mal die ganze Erzählstruktur.

Zum Glück! Die Einschübe peppen das Werk so richtig auf und machen es zu etwas besonderen. Ganz ehrlich: Als ich das Buch mit zwölf Jahren zum ersten Mal las, glaubte ich das alles! Ich dachte, das wäre wirklich so etwas wie ein ausgeschmückter Tatsachenbericht! Jedenfalls habe ich schwer gezweifelt ^^

In bester Colombo’scher Manier weiß der Leser durch die beigefügten fiktiven Sachtexte schon von Anfang an, dass die Geschichte auf ein apokalyptisches Ende zusteuert. Damit ist die Frage „Was?“ direkt von Tisch und der Fokus gleichzeitig auf das „Wie?“ gelegt. Ein erzählerischer Kniff, den ich sehr schätze, sofern er nicht überstrapaziert wird.

Dem Buch selbst merkt man an, dass es sich um Kings ersten Roman handelt, da die Charakterzeichnung noch etwas unterdurchschnittlich ist. Obwohl größtenteils aus Carries Perspektive erzählt wird, bleibt das Mädel leider etwas blass, denn man erfährt praktisch nichts von ihr. Gleichzeitig sind mir andere Figuren, nämlich Chris (Carries Mitschülerin) und ihr Freund Billy eindeutig zu bösartig geraten. Man erfährt zwar, warum Chris sich letztendlich entscheidet, ihren Plan gegen Carrie zu schmieden (als Strafe für ihr beleidigendes Verhalten nach dem Sportunterricht wird sie vom Abschlussball ausgeschlossen und die Schuld daran gibt sie Carrie), aber warum sie von Anfang an so eine Bitch ist, bleibt unklar. Billy, den man nur als mindestens soziopathisch einstufen kann, ist dann noch mal eine ganze Ecke schlimmer.

Auch ist nicht zu übersehen, dass das Buch jetzt schon fast vierzig (!!!) Jahre auf dem Buckel hat. Wie Stephen King mit dem Thema weibliche Sexualität umgeht, lässt auf große Unsicherheiten des damals erst 27jährigen Stephen King schließen (um mal ein bisschen psychoanalytisch – um nicht zu sagen unverschämt zu werden). Religiöser Fanatismus, der hier sogar so weit geht, dass Carries Mutter es  schafft, die natürliche körperliche Entwicklung ihrer Tochter zu verzögern, ist ebenfalls eine Thematik, der er sich hier zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal gewidmet hat (siehe Der Nebel, Needful Things, Kinder des Zorns und unzählige Einzelcharaktere in fast allen Werken, die allesamt ein ein bisschen zu enges Verhältnis zu Jesus haben…). Und das Mobbing-Thema ist natürlich leider zeitlos.

Stephen King hat mit Carrie eine große Geschichte geschaffen, die spätestens nach der Verfilmung von Brian de Palma (der auf deutsch mit dem unsäglichen Untertitel „Des Satans jüngste Tochter“ versehen worden ist – Opferbeschuldigung in Reinform) zu einem fast nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Popkultur geworden ist! Allein deswegen lohnt sich das Lesen schon. Meine Empfehlung!

7 von 10 Monatsbinden!

 

Wo wir gerade bei Verfilmungen sind: Ich fand „Carrie“ als Film immer scheiße. Der Film ist 1976 eingeschlagen wie eine Bombe und Sissy Spacek wurde für ihre Rolle als Carrie wurde sogar für einen Oscar nominiert, aber mit so alten Schinken habe ich meine Probleme, zumal sich de Palma einer mir unerträglichen Bildsprache bedient und das Erzähltempo kaum lahmer sein könnte. 

Daher habe ich mich sehr gefreut, als eine Neuverfilmung angekündigt wurde, in der Carrie von der ziemlich coolen Chloe Moretz (bekannt geworden als Hit-Girl in „Kick-Ass“) gespielt wurde. Jedenfalls hielt ich sie für ziemlich cool… bis ich 2013 den Film sah.

Es lässt sich einfach nicht leugnen, dass Chloe Moretz im direkten Vergleich mit Sissy Spacek gnadenlos untergeht – was allein noch keine Schande wäre, bedenkt man das herausragende Spiel Spaceks. Aber selbst, wenn man die erste Verfilmung nicht kennt, dürfte man von Moretz‘ Leistung nicht überzeugt sein. Nicht eine Sekunde lang nimmt man ihr das eingeschüchterte, völlig in sich gekehrte Mobbingopfer ab, zumal sie für die Rolle einfach wesentlich zu hübsch ist. Das hätte man, wie schon bei Spacek geschehen, in der Maske leicht ändern können – hat sich aber dafür entschieden, auf die Vorlage zu pfeifen und stattdessen ihren Haaren einen besonders schönen Schwung zu geben. Etwas, was Carries Mutter im Roman niemals zugelassen hätte.

Das allein reicht schon, um mir den Film zu vermiesen, aber wie bei fast jedem Film der letzten Jahre komme ich einfach nicht mit den Spezialeffekten klar. CGI, du bringst mich noch ins Grab! – und das in einem Film, den man ohne großen Aufwand auch ohne dieses künstlich aussehende Hilfsmittel hätte drehen können. Aber warum soll man auch Kunstblut anrühren, wenn man das Blut doch einfach ANIMIEREN kann?

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Stephen Kings „Brennen muss Salem“

Stephen King – Brennen muss Salem
Salem’s Lot, 1975 (deutsch 1979)


brennenmusssalemBen Mears, ein erfolgreicher Autor, kehrt nach langen Jahren in seine Heimatstadt Jerusalem’s Lot zurück. Einst hatte er dort im örtlichen Spukhaus ein Erlebnis, das ihn selbst als Erwachsener nicht los gelassen hat. Um den Geistern der Vergangenheit ins Gesicht zu sehen, beschließt er, sich seinen Kindheitsängsten zu stellen und seine Erlebnisse um das sogenannte „Marsten-Haus“ vor Ort literarisch zu verarbeiten.

Kaum angekommen muss er feststellen, dass genau dieses Haus, obschon von der gesamten Stadt gemieden, da es als „verflucht“ gilt, inzwischen nicht mehr unbewohnt ist: Kurt Barlow und sein Geschäftspartner haben es bezogen und wollen angeblich einen Antiquitätenhandel in Salem’s Lot eröffnen.

Schon bald nach Barlows Ankunft häufen sich allerdings die seltsamen Ereignisse: Menschen verschwinden oder werden tot aufgefunden, andere verlassen nur noch in der Nacht ihre Häuser und tragen sichtbare Bissspuren an ihren Hälsen. Ben Mears sowie die wenigen skeptischen Bürger der Stadt, die er um sich schart, sind bald davon überzeugt: Bei Barlow muss es sich um einen blutrünstigen Vampir handeln…


Brennen muss Salem war eines der ersten Bücher, die ich von Stephen King gelesen habe – und das erste, das mir nicht gefallen hat.

Ich kann nicht mehr sagen, wann es anfing, aber seit ich mich erinnern kann, fasziniert mich der Vampirmythos. Ich schreibe absichtlich „der Mythos“, denn viele Darstellungen von Vampiren in Film und Literatur haben mit der ursprünglichen archetypischen Vampirfigur recht wenig zu tun, weshalb ich genau dieses Thema paradoxerweise eher meide, um nicht von falschen Interpretationen genervt zu werden!

Stephen Kings Vampire in Brennen muss Salem waren die misslungensten, die ich bis dato kennen gelernt hatte – aber das war ja auch lange vor „Twilight“.

Besonders nervte mich im Roman die  (leider weit verbreitete) Prämisse, der Biss eines Vampirs würde jeden Menschen automatisch ebenfalls zum Vampir machen, als wäre Vampirismus nur irgendein Virus, der durch einen Biss übertragen wird – dabei muss ein Vampir einen Menschen erst beißen, ihn dabei fast völlig aussaugen und dann von seinem eigenen Vampirblut zu trinken geben. Wesentlich komplizierter, aber so ist es nun mal! Jedenfalls ist das die Version, die mir am besten gefällt.

Dass man dieser Verwandlung entgehen kann, indem man den 23. Psalm aufsagt und sich eine Tetanusspritze setzt, ist Stephen Kings exklusive Erfindung und dabei dann wirklich noch das Tüpfelchen auf dem i (aber immerhin hat mich das als 12jährige dazu gebracht, eben diesen Psalm auswendig zu lernen – nur so zur Sicherheit. Das schindet Eindruck!).

Das klingt vermutlich kleinlich und ist es wohl auch. Aber leider ist das nicht der einzige Kritikpunkt, der das Buch für mich recht schlecht macht.

Hierbei handelt es sich erst um Stephen Kings zweiten Roman (nach Carrie), was in meinen Augen unübersehbar ist. Zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm wohl noch einiges an der Routine, die ihm später zugute kommen sollte. Bis dahin findet sich leider hier (wie auch in anderen seiner Frühwerke) so manche sprachliche und dramaturgische Behäbigkeit und eine Charakterzeichnung, die weit unter dem Niveau verbleibt, für das ich ihn später noch feiern werde. Besonders möchte ich hier Mark Petrie hervor heben, einen zwölfjährigen Jungen, dessen Bekanntschaft mit einem Vampir noch mal glimpflich abläuft, bevor er mit Ben Mears den Kampf aufnimmt, und dessen Motivation ich nicht so wirklich verstehe… aber auch viele der anderen Stadtbewohner, mit denen Stephen King Salem’s Lot bevölkert, sind nicht mal ansatzweise so gut ausgeführt wie die Bürger der späteren Städtchen, in denen er seine Geschichten spielen lässt, womit Salem’s Lot als Schauplatz leider ziemlich blutleer wirkt (chrchr!!!).

Die irgendwie recht konfus wirkende Story tut dann noch sein übrigens. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass das erwähnte Kindheitstrauma von Ben Mears, welches in Barlows neuem Domizil geschehen ist, so wirklich gar nichts mit dem Rest der Geschichte zu tun hat (außer vielleicht insofern, dass sich creepy Leute nun mal zu creepy Plätzen hingezogen fühlen). Es drängt sich der Eindruck auf, dass Stephen King einfach halt irgendwas mit Vampiren machen wollte und dafür keinen besseren Aufhänger gefunden hat!

Viel mehr kann ich über dieses Buch leider nicht mehr sagen, da es um die 15 Jahre her ist, dass ich es gelesen habe (!).

Ich teile Stephen-King-Bücher lediglich in zwei Kategorien: „Immer wieder lesenswert“ und „Einweg-Bücher“. Brennen muss Salem war das erste Buch, das auf den letzten Stapel gehörte. Ich habe es einmal gelesen und finde es schlichtweg zu langweilig, um mich noch einmal durchzuquälen. Daher kann ich den Roman leider nur denjenigen empfehlen, die sich an den Dunklen Turm wagen wollen, denn der Pfarrer des Städtchens, Father Callahan (immerhin als alkoholkranker Geistlicher am Rande der Apostasie die interessanteste Figur im gesamten Roman), wird in eben diesem Epos noch eine gar-nicht-mal-so-kleine Rolle spielen. Wer also nicht nur auf die kurze (aber eigentlich völlig ausreichende) Zusammenfassung angewiesen sein will, die der Dunkle Turm zu seiner Person und den Ereignissen in Brennen muss Salem liefert, dem sei das Buch ans Herz gelegt.

Allen anderen kann ich nur sagen, dass Stephen King durchaus noch einige schlechtere, aber auch viele wesentlich bessere Romane geschrieben hat und man daher lieber bei denen zugreifen sollte, wenn man sich dem Werk des Meisters erstmals widmen will.

3 von 10 Tetanus-Spritzen!


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Stephen Kings „Abgrund“

Stephen King – Abgrund
Nightmares and Dreamscapes, 1993


Abgrund beinhaltet die zweite Hälfte des amerikanischen Kurzgeschichtenbandes „Nightmares and Dreamscapes“, der in Deutschland aufgeteilt wurde. Die erste Hälfte stellt Alpträume dar und wie auch dort gibt es in diesem Band wieder 12 Kurzgeschichten.

abgrund Regenzeit ist die Geschichte eines jungen Paares, das eigentlich nur Urlaub machen will, in seinem gemieteten Domizil dann jedoch von einem Regen aus Monsterfröschen überrascht wird.

In Mein hübsches Pony erhält ein Junge von seinem Großvater eine Lektion über die Relativität des menschlichen Zeitempfindens.

In Entschuldigung, richtig verbunden wundert sich eine Mutter über einen geheimnisvollen Anruf und merkt leider viel zu spät, um wen es sich bei der mysteriösen Anruferin handelt.

Brandon Pearson gehört zu den 10-Uhr-Leuten, die sich um eben diese Zeit vor seinem Büro zur Zigarettenpause treffen. Im Bemühen, seinen Zigarettenkonsum, wenn er es schon nicht schafft, das Rauchen ganz einzustellen, wenigstens zu verringern, lernt er eines Tages die negativen Seiten seines neuen, gesünderen Lebensstils kennen…

Crouch End ist eine Geschichte über ein gleichnamiges Viertel in London, in dem die Grenzen zwischen unserer Welt und einer lovecraft’schen Horrordimension leider nicht ganz so solide sind, wie man sich das wünschen würde.

In Das fünfte Viertel jagt ein Krimineller den Teilen einer Schatzkarte hinterher.

Die Kinder, die Das Haus in der Maple Street zusammen mit ihrer Mutter und ihrem ekelhaften Stiefvater bewohnen, merken eines Tages, dass sich ihr Heim langsam beginnt, in ein Raumschiff zu verwandeln.

Der Fall des Doktors ist eine Sherlock-Holmes-Story, in der jedoch Dr. Watson im Mittelpunkt steht und endlich auch mal einen Fall löst!

In Umneys letzter Fall muss der schlitzohrige 40er-Jahre-Privatdetektiv Clyde Umney eines Tages feststellen, dass er nur eine Romanfigur – und sein Schöpfer ihm nicht mehr wohlgesonnen ist.

Kopf runter ist die Dokumentation einer Saison der Little-League-Mannschaft von Bangor West, in der Stephen Kings Sohn mitspielte.

Auch August in Brooklyn handelt von Baseball, allerdings in lyrischer Form.

Und Der Bettler und der Diamant ist Stephen Kings Interpretation einer indischen Sage.


Diese Kurzgeschichtensammlung habe ich just bestellt und gleich gelesen, als ich bei der Rezension von Alpträume feststellen musste, dass mir diese noch fehlt! Mein Eindruck ist also ganz frisch.

Auch hier schwankt die Qualität der Stories zuweilen wieder stark. Zuerst zu dem good stuff: Mein Favorit der Sammlung ist hier definitiv Die Zehn-Uhr-Leute, weil die Prämisse so richtig schön bescheuert ist. Die Machtelite der Welt ist von alptraumhaften Monstern unterwandert (den Batmen, höhö) und nur Raucher, die nicht mehr als 10 Zigaretten am Tag konsumieren, können die Illusion erkennen? Was für ein Bullshit! Aber ein unterhaltsamer!

Der Fall des Doktors zeigt: Auch Stephen King ist zuweilen nur ein Fanboy, der gerne Fanfictions schreibt! Ich selbst habe noch nie Sherlock Holmes gelesen, aber wie jeder Mensch auf diesem Planeten, der nicht unter einem Stein wohnt, kenne ich den Herren und seinen Sidekick natürlich trotzdem. Horror gibt es in dieser Story nicht, aber Kings Bemühung, den viktorianischen Stil nachzuahmen, war höchst vergnüglich zu lesen.

Regenzeit ist dagegen wieder Horror pur, und zwar kurz und knackig. Gelesen, gemocht!

Damit zu den Geschichten, die okay waren, mich aber nicht so richtig überzeugen konnten. Als allererstes möchte ich hier Das Haus in der Maple Street  nennen. Obwohl die Story inhaltlich überzeugt, störte es mich kolossal, wie die Kinder hier dargestellt wurden. Vier wunderbar brave, mutige Lichtwesen, die entschlossen gegen ihren Arsch von Stiefvater vorgehen, der natürlich irgendwie the ultimate evil ist. Die Charaktere sind einfach so dermaßen schwarz-weiß! Vielleicht verständlich, wenn man weiß, dass Stephen King diese Geschichte für seine Kinder schrieb. Aber trotzdem. Vor allem die beiden ältesten Kinder agierten auch viel zu erwachsen, weshalb ich die Geschichte nur bedingt mochte.

Der Bettler und der Diamant ist, wie gesagt, Kings Nacherzählung einer Hindu-Sage. Als solche ist sie kurzweilig (und auch wirklich sehr kurz), aber mir hat sich nicht so ganz erschlossen, warum er so etwas veröffentlicht, zumal er fast nichts geändert hat.

Umneys letzter Fall artikuliert eine durchaus interessante Überlegung: Was wäre, wenn Romanfiguren wirklich lebendig wären? Wie wirkt sich der schöpferische Akt des Schreibens auf den Autor aus? Und wie viel Macht hat ein Autor eigentlich über seine Schöpfung? Dennoch fand ich die Erzählung irgendwie ein bisschen langweilig. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich mal einen dieser „Privatschnüffler in den 40er Jahren“-Roman gelesen hätte, das habe ich aber nie. Die Geschichte ist beileibe nicht schlecht, aber es hat mich einfach nicht gefesselt.

Entschuldigung, richtig verbunden ist lediglich ein Drehbuch (das wohl auch in Rahmen einer Mysteryserie verfilmt worden ist, allerdings bin ich zu faul nachzusehen, ob diese Serie es jemals nach Deutschland geschafft hat) und daher nicht sonderlich flüssig zu lesen. Der Inhalt ist okay, ich hätte mir aber eine andere Form der Präsentation gewünscht.

Crouch End ist zwar durchaus gruselig, aber naja… da ich doch so einiges von Stephen King gelesen hat, wiederholt sich manches zwangsläufig. Hier ist es also die Beschreibung eines mysteriösen Stadtviertels, das ohne besonderen Grund eine Schnittstelle verschiedener Realitäten darstellt, und die Konfrontation normaler Menschen mit etwas, das zu grausig und GROSS ist, um vom menschlichen Verstand verkraftet werden zu können. Das gleiche gab es auch schon in der Kurzgeschichte N., in diverser Form im Dunklen Turm und der Roman Der Buick beschäftigt sich praktisch mit nichts anderen. Das ist too much. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Stephen King unaussprechlichen Horror beschreibt, aber nachdem er schon so oft Plätze/Gegenstände/Personen nicht-von-dieser-Welt beschrieben hat und es einzig darum geht, dass diese nicht-von-dieser-Welt sind… zeigen sich bei der geneigten Leserin (moi) Ermüdungserscheinungen.

Dagegen ist Das fünfte Viertel so trivial und nichtssagend, dass die Story getrost überblättert werden kann, auch wenn sie nicht wirklich schlecht ist. Allerdings hat man Storys dieser Art (Typ „besucht“ eine Reihe von Personen, um irgendetwas – Infos oder halt den Teil einer Schatzkarte – zu erpressen) schon hundertfach gelesen oder auch gesehen. Mit nichts hebt sich diese Geschichte von den vielen anderen dieses Typus ab. Sie könnte genauso gut von irgendeinem Niemand geschrieben worden sein.

Damit komme ich zu den Stories, die ich wirklich, wirklich schlecht fand. Als allererstes wäre da Mein hübsches Pony zu nennen, eine Geschichte, in der Stephen King seinen immer wieder durchschimmernden Hang, absolute Banalitäten zu mystifizieren, komplett auf die Spitze treibt. Da wird ein Gespräch zwischen Großvater und Enkel mal so eben zu einer prägenden Erfahrung von welterschütternden Ausmaßen, und das zeigt sich dann auch leider in jedem Satz. Ich mache es kurz: Das nervt einfach wie Sau!

Den Vogel hat er allerdings mit Kopf runter abgeschossen. Diese „Geschichte“ ist das mit Abstand blödeste, was jemals den Weg zwischen zwei Buchdeckel mit dem Namen „Stephen King“ gefunden hat. Er selbst bezeichnete den Text als Essay, allerdings weist er in meinen Augen keinerlei Merkmal dieser Textgattung auf.
Auf sechzig (!!!) Seiten dokumentiert Stephen King hier eine Saison des Kinder-Baseballteams von Bangor West, die mit dem Sieg der Bezirksmeisterschaften oder sowas endete, obwohl das niemand vermutet hätte. Das wars auch schon – und ist stinklangweilig! Besonders für Deutsche, die wohl zu 99,9 Prozent noch nie mit Baseballregeln in Berührung gekommen sind, ist diese Story absolut uninteressant, da wirklich verschiedene Spielzüge seitenlang breitgetreten werden. Ich gebe zu, irgendwann habe ich alles einfach nur noch überflogen, weil ich ja eh nichts verstand. Und bis Seite 59 hatte ich noch die Hoffnung, dass noch irgendein belletristisches Horrorelement eingefügt werden würde, was sich dann aber zerschlagen hat. Erst durch die Liner Notes, die Stephen King am Ende einer jeden Kurzgeschichtensammlung einfügt, wurde mir dann klar, dass es sich hierbei um einen Tatsachenbericht handelte, was das Ganze dann auch nicht mehr besser machte!
Ich finde, ein solcher Text ist eine schöne Geschenkidee für die Kinder, die in diesem Team mitgespielt haben – aber sie in einem Kurzgeschichtenband zu veröffentlichen, empfinde ich fast schon als Frechheit!!

Über August in Brooklyn, ein Gedicht, das in die selbe Kerbe schlägt, möchte ich mit allem Respekt den Mantel des Schweigens breiten…

Abgrund ist für mich leider deutlich schwächer als der Band Alpträume, auch wenn es hier einige Perlen zu entdecken gibt,  weshalb sich die Anschaffung dennoch lohnt – wie  meistens.


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