Rock am Ring: let’s talk about the money!

Zum Ende meiner kleinen Rock-am-Ring-Exkursion noch was zu dem Thema, das die Welt regiert und in absehbarer Zeit auch zerstören wird: Geld.

Ich lese und höre immer wieder, dass es ja so schwer wäre, ein Ticket für RaR zu ergattern. Falsch, ein Ticket zu bekommen ist etwa genau so leicht, wie in den Aldi zu latschen und eine Packung Milch zu kaufen. Man muss halt nur früh genug dran sein und die entsprechende Kohle dafür haben. Daran mangelt es den meisten wohl. Und dadurch wird der Ticketkauf natürlich schon mal zu einem „Postal 2“-Szenario.

160 Euro hab ich dafür dieses Jahr hingeblättert. Bei meinem ersten Ring 2005 waren es glaube ich noch 115, maximal. Viel Geld, aber ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mir das Ticket einfach zu Weihnachten zu wünschen – Problem gelöst!

Bleibt die Verpflegung. Fünf Tage Ring heißt: Mindestens zehn Dosen Ravioli, Nudelpäckchen oder 5-Minuten-Terrinen (ich empfehle ja die Pürree-Variante mit Croutons. Ist unschlagbar schnell fertig und schmeckt für Päckchenscheiß erstaunlich geil!), die beiden letztgenannten Varianten natürlich nur, wenn ihr nen Gaskocher dabei habt oder einen armen Trottel, der einen hat und euch ihn benutzen lässt, bis die Gaskartusche alle ist. Wenn man im Schnitt 1,50 Euro für den Scheiß rechnet, kommt man auf 15 Euro, dazu vielleicht noch Bifi, Grillfleisch für den ersten Tag und was Süßes, sagen wir: Insgesamt 25 Euro.

Alkohol muss natürlich auch mit. Bier kann man sich ja mit Freunden teilen und, sofern man in Grenznähe wohnt, dort besorgen (= kein Dosenpfand!). Veranschlagen wir dafür 15 Euro, was eine vorsichtige Schätzung ist.
Ansonsten würde ich eine Flasche Schnaps pro Tag rechnen. Bei uns kosten die billigsten Rum- oder Wodkavarianten einen etwa Fünfer pro Flasche, macht 25 Euro. Dann braucht man aber noch was zu mischen, wodurch es leicht 10 Euro mehr werden, sprich 35.

Und dann will (bzw. muss) man ja auf dem Gelände etwas essen: macht eine Millarde Euro.
Nee, ganz so schlimm isses nicht, aber nah dran. Das Problem hierbei ist, dass das Essen auf dem Festivalgelände nicht nur übelst teuer ist, sondern leider auch ultra gut, wenn man weiß, was man nehmen muss. Döner und Tortellini sollte man meiden, aber der Rest!
Aufm Ring gibt es die GEILSTEN Chinanudeln, den ABARTIG BESTEN Backfisch und nicht zuletzt das VERFICKT NOCHMAL ALLERGEILSTE, ÜBERTRIEBEN LECKERSTE „Handbrot“! Das ist eigentlich nur Hefeteig mit Käsefüllung, wahlweise mit Speck oder Pilzen und nem Klecks saure Sahne obendrauf – aber SO GUT!

Und darüber hinaus mit 4 Euro das einzige Essen mit angemessenem Preis (Chinanudeln und Backfisch kriegt man dagegen für jeweils 6 Euro). Doch es hilft nichts, eins von allem muss man mindestens essen – macht 16 Euro. (Sofern man nicht von jedem mindestens zweimal isst, aber das ist mein persönliches Problem.)

(Bier auf dem Festivalgelände rechne ich nicht mit. Wer für diese Plörre (die, auch wenn sie es nicht zugeben, aus Leichtbier besteht, das schneller wieder nüchtern macht als man es trinken kann) tatsächlich Geld hinblättert, für denjenigen empfinde ich kein Mitleid.)

So mit diesen absoluten Basics kommen wir bereits auf 251 Euro. Ein Festivalshirt und andere Kinkerlitzchen nicht eingerechnet.

Scheiße.

Aber dieser riesige Berg aus Unkosten habe ich natürlich mit meiner unnachahmlichen Art etwas abtragen können. Wie? Ganz einfach:
Man bezahlt mit dem Ticket das sogenannte Müllpfand mit, das sich auf 5 Euro beläuft. Fährt man auf den Campingplatz, kriegt man unter Vorlage seines Tickets drei Müllsäcke (gelber Sack, Glas und Restmüll) und die Müllpfandkarte. Die ist, wie gesagt, 5 Euro wert. Geht am also montags mit eben dieser Karte und einem gefüllten Müllsack zur entsprechenden Stelle, kriegt man also dafür nen Fünfer bar auf die Kralle.

Die meisten Leute interessiert das jedoch einen Scheißdreck.

Auftritt: Moi, die obsessive Pfandjägerin. Ich bin dieses Jahr etwa eine Stunde locker über den Zeltplatz geschlendert, auf dem sich nur noch wenige Zelte, aber eine Menge, Menge Müll befand, und sichtete – 15 Karten.
FÜNFZEHN. Das sind 75 Euro.
Und da die Abgabe des Mülls selbst die dafür zuständigen Ordner nicht so wirklich interessiert, habe ich dafür nur pro forma insgesamt fünf Müllsäcke abgegeben, die ich nicht mal selbst gefüllt habe (die meisten lassen ihre Säcke nämlich einfach stehen), und trotzdem das Geld bekommen. Ist das geil, oder was?

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, warum ich dieses Wissen an euch weiterreiche. Die schöne Antwort lautet, dass ich, wenn meine Lebensplanung so weiterläuft wie ich es vorhabe, nächstes Jahr schon nicht mehr auf so ein paar mickrige Kröten (!!! was rede ich da!) fürs Mülllsammeln angewiesen sein werde. Die ehrliche Antwort lautet, dass ich es schlichtweg niemanden zutraue, auf dem Gebiet so erfolgreich zu sein wie ich. Ich habe dafür einfach eine Gabe. Eine Müllpfandkarte erkenne ich aus 20 Metern Entfernung. Das ist meine Superkraft.

I’m gifted. Ihr nicht.
Tut mir leid.

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Rock am Ring – ein ganz normaler Ankunftstag

Mittwoch, 6:00 Uhr: Aufstehen. Viel zu früh. Aber nicht schlimm, an Schlaf war eh nicht wirklich zu denken.

6:30 Uhr: Duschen. Zum letzten Mal für eine viel zu lange Zeit.

7:00 Uhr: Sandwichs machen, weil: Tradition.

8:00 Uhr: Letzte Besorgungen machen, Ravioli und so. Man weiß ja nicht schon ein Jahr vorher, dass man Anfang Juni zum Ring fährt!

9:00 Uhr: Treffen bei beliebigen Kumpel mit der ganzen Bagage. Fröhliches Umpacken. Die Nicht-Fahrer öffnen ihr erstes Bier.

9:30 Uhr: Verabredete Abfahrtzeit.

10:30 Uhr: Tatsächliche Abfahrtzeit.

11:00 Uhr: Ich trinke mein traditionelles eiskaltes Jacky Cola aus der Dose. Bin wie immer überrascht, wie scheiße es schmeckt, trinke es aber trotzdem. Werde dank leeren Magens schon etwas voll. Verlange Partymusik. Nerve meine Mitfahrer mit hohen Kichern an der Grenze des menschlichen Hörvermögens.

12:00 Uhr: Traditioneller Zwischenstop an einer Autobahnraststätte. Wildes, fröhliches Rumgegröhle beim Anblick diverser Raststättengäste, die offensichtlich das selbe Ziel haben. Ich versuche im Tankstellenshop eine Bravo zu kaufen und habe wie jedes Jahr vergessen, dass die dort keine führen.

13:00 Uhr: Ankunft Ring, Hallo Stau.

13:30 Uhr (mit Glück): Einfahrt auf C1. Panisches Gekrame nach dem Ticket. Die Ordner mit grenzwertig witzigen Witzen nerven.

13:31 Uhr: Parken.

13:32 Uhr: Der Moment, in dem einen einfällt, was man alles ultrawichtiges vergessen hat (Lieblings-Schlafshirt, persönliches Kuschelkissen, Insulin).

13:35 Uhr: Zeug ausladen und zum Zeltplatz hochtragen. Möglichst gelangweilt tun, wenn man anbietet, die offenen Autos zu bewachen, damit niemand auf die Idee kommt, dass man sich vor der Schlepperei drücken will. Was man aber natürlich will.

14:00 Uhr: Ein Platz wurde erobert, die Autos sind ausgeladen. Der Zeltaufbau kann beginnen.

14:00:02 Uhr: Zeltaufbau abgeschlossen. Danke, Quechua!

14:01-15:00 Uhr: Einräumen, Matratze aufblasen, mit allen Mitreisenden den Rest (Pavillion, Grill, Aggregat) aufbauen oder wenigstens so tun als ob.

15:00 Uhr: Sich an der Bändchen-Ausgabe anstellen. Die Neuregelung, es am rechten Arm tragen zu müssen, mit einem empörten „Diskriminierung!“ kommentieren (man ist ja nicht umsonst stolze Linkshänderin). Die ausgesprochene Hässlichkeit des aktuellen Bändchens bestaunen. Das neue Logo ist immer noch scheiße!

15:30 Uhr: Klappstuhl aufklappen, Bierdose öffnen. Chillmode!

15:35 Uhr: Jemand baut sich breitbeinig und mit diabolischen Grinsen inmitten des Klappstuhllagers auf, den Bierbong in der Hand. Innerliche Kapitulation.

15:35-16:00 Uhr: Mehr „Schluck, du Luder“-Witze ertragen, als man in seinem ganzen Leben jemals hören wollte.

16:30 Uhr: Erstes Flunkyball-Match!

17:00 Uhr: Karten auspacken und eine Runde „Schwarz oder Rot“ spielen, das simpelste Saufspiel der Welt (ja, es funktioniert genau so, wie ihr jetzt denkt).

18:00 Uhr: Mit ein paar Bier „Stau kucken“ gehen und diese Deppen auslachen, die jetzt erst anreisen.

19:00 Uhr: Grillen. Fleisch. Frisch. Yeah!

20:00 Uhr: Musik wird aufgedreht. Ab jetzt wird richtig gesoffen.

22:00-? Uhr: Über den Platz taumeln und sich die anderen Camper ankucken. „Wooooo“ schreien, fantasievolle Deko bewundern, Brüderschaft trinken, unbekannte Alkoholika ausprobieren, Tanzen. Manche Ringrocker werden bei dieser Tour zum letzten Mal gesehen und tauchen unvermittelt montags vor der Abreise wieder auf.

Irgendwann zwischen ? und 6:00 Uhr: Ins Zelt fallen. Schlafen wollen.

Eine Minute später: Zum ersten Mal richtig registrieren, dass man neben ein paar Grobassis zeltet, die die ganze Nacht hindurch mit 150 Dezibel Musik spielen, die man hasst.

Unbekannte Zeit später: Trotzdem irgendwie schlafen. Morgen geht’s erst richtig los!

 
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Rock am Ring – Tipps und Tricks!

So kommet und lernet vom unschätzbaren Erfahrungsschatz einer siebenmaligen Ringrockerin, die auch dieses Jahr nicht dabei sein wird, aber ihr Wissen gerne der neuen Generation zur Verfügung stellt…

Die folgende Auflistung richtet sich an Erstringrocker und andere Interessierte und ist absolut unvollständig und subjektiv. Viel nützlichere Tipps findet ihr im Ringkrocker-Forum.
Aber ich bin lustiger.

Ganz allgemein: Das Wetter. Ich traf 2012 am Dixieklo auf ein bibberndes Mädel mit hinreißender Zahnspange, das mir ungefragt Klopapier abgab („man muss sich ja gegenseitig helfen“) und sich neidisch über mein Bundeswehr-Jacket äußerte. Sie war davon ausgegangen, dass Anfang Juni die Temperaturen angenehm seien.
Falsch, falsch und falsch. Die meisten wissen nicht, dass die Eifel in einem „Game of Thrones“-ähnlichen Paralelluniversum liegt, in dem der Winter auch schon mal mitten im Sommer zuschlägt. Das glaubt ihr mir nicht? 2009 checkte ich am Abfahrttag das Wetter für das Wochenende. Gemeldet waren 15 Grad und Nieselregen. Scheiße, dachte ich. Tja, wärs nur so gewesen: Samstagmittags waren laut Durchsage SIEBEN GRAD vor der Centerstage. Nachts dürften sich die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt bewegt haben.
Daher: Warme Pullis und ne Jacke nicht vergessen, selbst wenn im Rest von Deutschland 30 Grad herrschen. In der Eifel ist alles anders.

Überhaupt, die sanitären Anlagen: Wer jemals ein Zeltplatz-Dixie benutzt hat, wird keine Angst mehr vor der Hölle haben.
Es ist… unbeschreiblich. Völlig desolat. Aber leider recht alternativlos… oder?
Ihr solltet auf jeden Fall Klopapier mitnehmen, denn auf den Dixies werdet ihr keins finden (beziehungsweise werdet ihr das, was ihr dort findet, nicht benutzen wollen). Auch empfehle ich die Zehner-Karte für 4,50 Euro für die normalen Klos, die leider nicht ganz so zahlreich sind, wie es wünschenswert wäre. Wenn ihr eine entspannte Sitzung wollt, ist die nächtliche Rückkehr vom Festivalgelände der geeignete Zeitpunkt. Lesestoff wäre dabei vom Vorteil (meine Wahl: Tiefschürfende Zeitschriften wie „Mein Erlebnis“ oder „Meine Sünden“, die rührselige, natürlich absolut authentische, dabei latent sexistische Frauenschicksale zum Inhalt haben. Bei aufregenden Geschichten wie „Ich habe meinen Mann betrogen – mit einer Frau!“ oder „Nach drei Scheidungen – in Portugal fand ich endlich mein Glück!“ kann ich völlig loslassen.).

Wenn ihr in Waldnähe zeltet, solltet ihr auch auf jeden Fall einen Marsch in die unberührte Natur in Erwägung ziehen. Dabei unbedingt auf Tretminen achten (die sind allerdings durch Klopapierhügel gekennzeichnet). Nach zwei, drei Tagen Dixieklo ist das Gefühl eines sanft streichelnden frischen Lüftchens um euren nackten Hintern einfach zum Weinen schön.
Ein letzter dringender Hinweis: Wenn ihr kotzen müsst, dann geht um Himmels Willen nicht auf ein Dixieklo. Ich habe diesen Fehler einmal gemacht. Dabei hat Gott zu mir gesprochen. Kein Scheiß. Lasst es.

Um beim Thema Lesestoff zu bleiben: An einem Donnerstag kann mittags tatsächlich mal Langeweile aufkommen. Nichts eignet sich für solche Situationen besser als oben bereits genannte Illustrierte oder Jugendzeitschriften wie die „Bravo“. Vorteil: Je älter ihr werdet, desto lustiger und verstörender wird diese Lektüre. Lacht gemeinsam über die völlig überzogene Nutzung angeblicher Jugendsprache, findet heraus, welcher Flirttyp ihr seid und spielt die Foto-Love-Story mit verteilten Rollen nach. Die „Dr. Sommer“-Seite regt zudem immer wieder unterhaltsame Diskussionen an, im Zuge dessen ihr vielleicht mehr über eure Freunde erfahrt, als ihr jemals wissen wolltet. Teils offenbaren sie eklatante Wissenslücken selbst bei Mittzwanzigern und tragen viel zum Verständnis zwischen Männern und Frauen bei!
Wenn ihr euch also zum Bildungsauftrag berufen fühlt, sind „Bravo“, „Hey!“ und die „Mädchen“ die perfekte Aufklärungsliteratur. Und Beilagen wie die „Startattoos“ oder Justin-Bieber-Poster lassen sich wunderbar zweckentfremden.

Der wichtigste Tipp, den ich euch geben kann: Hört bloß nicht auf, Alkohol zu trinken. Ihr habt vielleicht einen Kater oder wollt für die Konzerte am kommenden Tag besonders fit sein, aber jetzt auf Wasser umzuschwenken ist fatal. Grund: Der Kater entsteht durch Abbau sogenannter Fuselöle (was haben meine Freunde schon gelacht, wenn ich mit diesem Wort ankam, aber es stimmt wirklich), während der Abbau von Alkohol ohne große Probleme vonstatten geht. Man muss wissen, dass Alkohol immer VOR den Fuselölen abgebaut wird. Stellt euch die beiden Komponenten wie Kranke vor: Die Fuselöle sind die Kassenpatienten, Alkohol ist ein Privatpatient. Solange immer wieder ein Privatpatient kommt, müssen die Kassenpatienten warten. Und da die Kassenpatienten diejenigen sind, die den Arzt (= euren Körper) nerven, weil er an ihnen nix verdient, müsst ihr dafür sorgen, dass immer genug Privatpatienten im Wartezimmer sitzen.
Natürlich MÜSSEN die Kassenpatienten auch irgendwann dran kommen (es sei denn, ihr entscheidet euch nach dem Festivalwochenende, Alkoholiker zu werden), aber es ist besser, das auf den Montag zu verschieben.
Also, mein pädagogischer Rat: Egal wie sehr es euch anwidert, ein „Konterbier“ jeden Morgen ist das Getränk der Wahl.

Wenn ihr diese Anleitung beachtet, können an eurem ersten Ringwochenende nur noch höchstens 996 andere Dinge schief gehen. Aber wenigstens ist euch warm, ihr habt was zum Lesen, ihr seid untenrum keimfrei und voll! Viel Spaß!

 

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Rock am Ring ist total scheiße. Echt.

„This song is a
poem to myself
it helps me to live…“

– Taproot

Rock am Ring, das Thema hatte ich ja schon mal. Wer die Beiträge damals gelesen hat, könnte vielleicht auf die Idee gekommen sein, dass Rock am Ring für mich ein jährliches Highlight ist, dem ich schon Wochen vorher entgegen fiebere.

Aber das stimmt überhaupt nicht. Rock am Ring ist nämlich eigentlich voll scheiße!

Ich hatte ja schon mal vorgerechnet, wie viel Schotter man für die paar Tage hinblättern muss. Allein das ist schon so’n Ding, bei dem man hellhörig werden sollte. Aber ja längst nicht das Schlimmste.

Zum ersten Mal fuhr ich 2005 zum Ring und war seitdem, von einer Pause 2006 abgesehen, immer da. Sieben Mal insgesamt. Man kann also sagen, dass ich eine richtige Ringrockerin und in der Lage bin, eine Entwicklung zu erkennen, wenn sie denn passiert.

Und die Entwicklungen am Ring sind alle beschissen. Es sind ja nicht nur die Ticketpreise (geschenkt, echt…), sondern das, was dafür geboten wird.

Die Leute allein… wo kommen diese ganzen Kinder her? Und wann sind die alle so asozial geworden?
Der Ring hat den Ruf eines absolut exzessiven Wochenendes. Zurecht. Wir haben immer gesagt: „Für die paar Tage lassen wir unsere Menschenwürde zuhause.“ Und genau so war es dann auch jedes Mal. Das ist völlig okay. Dampf ablassen, um danach den Alltag wieder zu überstehen. Saufen, fressen, tanzen, brüllen, viel zu lange wach bleiben, nicht duschen, den Müll einfach hinter sich schmeißen. Alles super.
ABER. Es sollte doch noch ein PAAR Grenzen geben. Diese sind erreicht, wenn Dixieklos brennen oder umgeworfen werden (während jemand drin ist…), man Leuten vom Zeltplatz nebenan, wenn die nicht da sind, auf den Grill kackt oder einfach überall, wo man gerade steht, der Schwanz ausgepackt und vor sich gepisst wird. Dabei ist der nächste verdammte Zaun oder Busch nur 10 Meter weg.

Ich denke mir sowas nicht aus (nicht mal das mit dem Grill). Gerade letztes Jahr ist mir das unangenehmer aufgefallen als jemals zuvor. Ich frag mich, was das soll? Ich meine, da hat man schon einen Schwanz und damit das Potential, halbwegs diskret überall hinzupissen, wo man will… nur warum dann ausgerechnet mitten auf den Weg, wo sich gerne Leute hinsetzen – und nur einen Meter von tatsächlich friedlich dasitzenden Leuten entfernt? Oder – und da, liebe Leser, wäre ich fast ein BISSCHEN eskaliert!!! – warum zur Hölle in die Waschbecken Schrägstrich EINZIGEN KOSTENLOSEN TRINKWASSERSPENDER VOR DER CENTERSTAGE?!?! Während eine lange Reihe verwaister Pissoirs NUR EINE BOX WEITER ZU FINDEN IST!?!?

Sorry. Ich komme mit fünf Tagen ohne Dusche klar (wir fahren fuhren immer schon mittwochs…), auch wenn das in den letzten Jahren immer ekliger geworden ist, was vielleicht am Alter liegt oder was weiß ich, keine Ahnung. Aber ein Minimum an Hygiene möchte ich dann doch noch gewährleistet wissen. Darum ziere ich mich ein bisschen, aus Wasserhähnen zu trinken, während die Pisse von irgend so einem asozialen Arschloch nur ein paar Zentimeter unter meinem Gesicht rumschwappt. Ja, ich weiß, voll anti Rock’n Roll, aber dann bin ich wohl einfach langweilig!

Solche Zustände sind wohl auch auf die immer größeren Menschenmassen zurück zu führen. Letztes Jahr hatte ich zum ersten Mal überhaupt so etwas wie Platzangst auf dem Festivalgelände. Irgendwann ist einfach Schluss! Es reicht wohl nicht, die Karten immer teurer zu machen… es müssen auch immer mehr Menschen werden, die die Karten kaufen!

Mit einigen eindeutigen Nachteilen. Fängt schon bei der Sicherheit, sprich: der Einlasskontrolle an, deren desolater Zustand letztes Jahr für geradezu hysterische Kritik gesorgt hat.
Mir war das ja ehrlich gesagt scheißegal. Meine Tasche wurde letztes Jahr kein einziges Mal untersucht und das fand ich auch gut so. Ist ja nicht so, als wäre es auch in den Jahren davor immer nur darum gegangen, den mitgebrachten Alkohol zu konfiszieren, wo es doch auf dem Gelände so schön überteuertes (Leicht)Bier zu kaufen gibt.
Man muss der Tatsache ins Auge sehen: Sollte irgendjemand mal ein krummes Ding auf dem Festivalgelände planen, dann wird das auch klappen. Ob mit oder ohne Taschenkontrolle – die paar Securitys, die einen abtasten, verhindern auch keinen Anschlag oder ähnliches, wenn die Akteure das wirklich, wirklich durchziehen wollen. Ich habe mich sowieso schon gefragt, warum sowas noch nie passiert ist (manchmal denke ich, ich wäre eine weitaus bessere Terroristin als so mancher… aber lassen wir das).
Ich selbst hab mal ein Messer reingeschmuggelt. Das war allerdings keine Absicht. Es war das einzige Jahr, in dem wir sonntagmittags schon fertig gepackt hatten und nachts direkt vom letzten Konzert kommend nach Hause fahren wollten. Oben bemerkte dann ein Kumpel, dass er sein Taschenmesser noch in der Hosentasche hatte. Also steckte ich es mir in meinen Schuh, biss die Zähne zusammen (tat weh beim Gehen) und latschte damit durch die Kontrolle. Danach bekam er es wieder. Null Problemo. Außer eben, er wäre ein Terrorist gewesen oder so. Das wäre dann schon scheiße gewesen.
Doch halten wir fest, auch wenn mir das persönlich am Arsch vorbei geht: Die Sicherheitslage ist desaströs!

Das führt uns zu den Zuständen vor den Bühnen. Namentlich der Centerstage, wo die ganz Großen spielen.
Ich kann mich daran erinnern, dass ich 2007, ich war mit einer Freundin unterwegs, mich bzw. uns beide relativ locker bis in die zweite Reihe schlängeln konnte. Für irgendwas muss es ja gut sein, dass ich so klein bin.
Das ging schon 2008 nicht mehr. Ab dann, wenn ich mich recht erinnere, wurden Wellenbrecher installiert, also Barrieren, die den Raum vor der Bühne teilen und schon im Vorfeld quasi entzerrend und deeskalierend wirken sollen. In die vorderen Blocks, also A und B, kam man nur noch über die ziemlich schmale Boxengasse, die ebenfalls abgesperrt werden konnte, wenn die Blocks voll waren.
2008 hat das AUCH noch super geklappt, ebenso 2009, wenn man davon absieht, dass wir einmal samstags oder sonntags einfach die Absperrungen in der Boxengasse überrannt haben. Das war ziemlich cool.
Doch der Ring 2012 hatte wieder Neuerungen zu bieten (ein total ausgeklügeltes Ampelsystem, das anzeigte, ob sich ein Anstellen für den A- und B-Bereich überhaupt lohnt) und seitdem ist es vor der Bühne einfach nur scheiße. Früher hatte man gute Chancen, seine favorisierte Band aus der Nähe zu sehen, wenn man drei, vier Stunden vorher da war. Letztes Jahr saßen teilweise Leute ab zwölf Uhr Mittags vor der Centerstage, weil sie irgendwann um 22 Uhr ne Band sehen wollten!
Und das ist scheiße! Die Stimmung war dann auch entsprechend lahm, so lahm, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich meine, wie kacke ist das bitte für die Bands, vor lauter Menschen zu spielen, die einfach nur da sind, weil sie eine spätere Band sehen wollen, sich für die aktuelle Band aber einen Scheißdreck interessieren?
Und, wie schon gesagt, diese ganzen Kinder. Die sind tatsächlich bescheuert genug, um zehn Stunden Warterei durch zu ziehen. Wahlweise bei Regen oder brütender Hitze, ohne was zu trinken, ohne richtige sanitäre Anlagen, nüchtern. Und dann bei Linkin Park total verwirrt dastehen und nicht wissen, was abgeht, wenn die plötzlich „Sabotage“ spielen. Häää, Beastie Boys, who the fuck?!

Nein, der Ring ist ein riesiger Haufen Scheiße geworden. Und die größte Scheiße ist, dass ich dieses Jahr nicht hinfahre. Denn all das ist völlig und absolut scheißegal, wenn man mit den richtigen Leuten fährt.
Leute, die ich nicht mehr habe. Denn diese Freundschaften sind es, die sich in Scheiße verwandelt haben.

Heul.

Und weil das so zum Kotzen ist und ich irgendwie diese Woche überstehen muss, ohne mich umzubringen, kriegt ihr die nächsten sieben Tage eine neue Serie präsentiert. Die letzte (Kinderserien meiner, äh, Kindheit) hat mir gut gefallen, also werde ich das wohl noch öfter machen. Und da es beim Ring ja irgendwie doch um Musik geht, heißt das Thema ab morgen

Meine Top 7 Alben aller Zeiten

Ich weiß, das dürften eigentlich nur fünf sein. High Fidelity und so. Aber es soll ja ne ganze Woche gehen.

Warum übrigens den Anfang am Dienstag? Weil es dann montags endet, wie mein Ringerlebnis immer. Und weil ich gestern keine Zeit für diesen Beitrag hatte. Jap, dies ist der Artikel der harten Realitäten :/

Und jetzt setze ich mich ein bisschen in meinen Campingstuhl, trinke warmes Bier und heule in meine kalten Ravioli.

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!