Rock am Ring: let’s talk about the money!

Zum Ende meiner kleinen Rock-am-Ring-Exkursion noch was zu dem Thema, das die Welt regiert und in absehbarer Zeit auch zerstören wird: Geld.

Ich lese und höre immer wieder, dass es ja so schwer wäre, ein Ticket für RaR zu ergattern. Falsch, ein Ticket zu bekommen ist etwa genau so leicht, wie in den Aldi zu latschen und eine Packung Milch zu kaufen. Man muss halt nur früh genug dran sein und die entsprechende Kohle dafür haben. Daran mangelt es den meisten wohl. Und dadurch wird der Ticketkauf natürlich schon mal zu einem „Postal 2“-Szenario.

160 Euro hab ich dafür dieses Jahr hingeblättert. Bei meinem ersten Ring 2005 waren es glaube ich noch 115, maximal. Viel Geld, aber ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mir das Ticket einfach zu Weihnachten zu wünschen – Problem gelöst!

Bleibt die Verpflegung. Fünf Tage Ring heißt: Mindestens zehn Dosen Ravioli, Nudelpäckchen oder 5-Minuten-Terrinen (ich empfehle ja die Pürree-Variante mit Croutons. Ist unschlagbar schnell fertig und schmeckt für Päckchenscheiß erstaunlich geil!), die beiden letztgenannten Varianten natürlich nur, wenn ihr nen Gaskocher dabei habt oder einen armen Trottel, der einen hat und euch ihn benutzen lässt, bis die Gaskartusche alle ist. Wenn man im Schnitt 1,50 Euro für den Scheiß rechnet, kommt man auf 15 Euro, dazu vielleicht noch Bifi, Grillfleisch für den ersten Tag und was Süßes, sagen wir: Insgesamt 25 Euro.

Alkohol muss natürlich auch mit. Bier kann man sich ja mit Freunden teilen und, sofern man in Grenznähe wohnt, dort besorgen (= kein Dosenpfand!). Veranschlagen wir dafür 15 Euro, was eine vorsichtige Schätzung ist.
Ansonsten würde ich eine Flasche Schnaps pro Tag rechnen. Bei uns kosten die billigsten Rum- oder Wodkavarianten einen etwa Fünfer pro Flasche, macht 25 Euro. Dann braucht man aber noch was zu mischen, wodurch es leicht 10 Euro mehr werden, sprich 35.

Und dann will (bzw. muss) man ja auf dem Gelände etwas essen: macht eine Millarde Euro.
Nee, ganz so schlimm isses nicht, aber nah dran. Das Problem hierbei ist, dass das Essen auf dem Festivalgelände nicht nur übelst teuer ist, sondern leider auch ultra gut, wenn man weiß, was man nehmen muss. Döner und Tortellini sollte man meiden, aber der Rest!
Aufm Ring gibt es die GEILSTEN Chinanudeln, den ABARTIG BESTEN Backfisch und nicht zuletzt das VERFICKT NOCHMAL ALLERGEILSTE, ÜBERTRIEBEN LECKERSTE „Handbrot“! Das ist eigentlich nur Hefeteig mit Käsefüllung, wahlweise mit Speck oder Pilzen und nem Klecks saure Sahne obendrauf – aber SO GUT!

Und darüber hinaus mit 4 Euro das einzige Essen mit angemessenem Preis (Chinanudeln und Backfisch kriegt man dagegen für jeweils 6 Euro). Doch es hilft nichts, eins von allem muss man mindestens essen – macht 16 Euro. (Sofern man nicht von jedem mindestens zweimal isst, aber das ist mein persönliches Problem.)

(Bier auf dem Festivalgelände rechne ich nicht mit. Wer für diese Plörre (die, auch wenn sie es nicht zugeben, aus Leichtbier besteht, das schneller wieder nüchtern macht als man es trinken kann) tatsächlich Geld hinblättert, für denjenigen empfinde ich kein Mitleid.)

So mit diesen absoluten Basics kommen wir bereits auf 251 Euro. Ein Festivalshirt und andere Kinkerlitzchen nicht eingerechnet.

Scheiße.

Aber dieser riesige Berg aus Unkosten habe ich natürlich mit meiner unnachahmlichen Art etwas abtragen können. Wie? Ganz einfach:
Man bezahlt mit dem Ticket das sogenannte Müllpfand mit, das sich auf 5 Euro beläuft. Fährt man auf den Campingplatz, kriegt man unter Vorlage seines Tickets drei Müllsäcke (gelber Sack, Glas und Restmüll) und die Müllpfandkarte. Die ist, wie gesagt, 5 Euro wert. Geht am also montags mit eben dieser Karte und einem gefüllten Müllsack zur entsprechenden Stelle, kriegt man also dafür nen Fünfer bar auf die Kralle.

Die meisten Leute interessiert das jedoch einen Scheißdreck.

Auftritt: Moi, die obsessive Pfandjägerin. Ich bin dieses Jahr etwa eine Stunde locker über den Zeltplatz geschlendert, auf dem sich nur noch wenige Zelte, aber eine Menge, Menge Müll befand, und sichtete – 15 Karten.
FÜNFZEHN. Das sind 75 Euro.
Und da die Abgabe des Mülls selbst die dafür zuständigen Ordner nicht so wirklich interessiert, habe ich dafür nur pro forma insgesamt fünf Müllsäcke abgegeben, die ich nicht mal selbst gefüllt habe (die meisten lassen ihre Säcke nämlich einfach stehen), und trotzdem das Geld bekommen. Ist das geil, oder was?

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, warum ich dieses Wissen an euch weiterreiche. Die schöne Antwort lautet, dass ich, wenn meine Lebensplanung so weiterläuft wie ich es vorhabe, nächstes Jahr schon nicht mehr auf so ein paar mickrige Kröten (!!! was rede ich da!) fürs Mülllsammeln angewiesen sein werde. Die ehrliche Antwort lautet, dass ich es schlichtweg niemanden zutraue, auf dem Gebiet so erfolgreich zu sein wie ich. Ich habe dafür einfach eine Gabe. Eine Müllpfandkarte erkenne ich aus 20 Metern Entfernung. Das ist meine Superkraft.

I’m gifted. Ihr nicht.
Tut mir leid.

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Rock am Ring – ein ganz normaler Ankunftstag

Mittwoch, 6:00 Uhr: Aufstehen. Viel zu früh. Aber nicht schlimm, an Schlaf war eh nicht wirklich zu denken.

6:30 Uhr: Duschen. Zum letzten Mal für eine viel zu lange Zeit.

7:00 Uhr: Sandwichs machen, weil: Tradition.

8:00 Uhr: Letzte Besorgungen machen, Ravioli und so. Man weiß ja nicht schon ein Jahr vorher, dass man Anfang Juni zum Ring fährt!

9:00 Uhr: Treffen bei beliebigen Kumpel mit der ganzen Bagage. Fröhliches Umpacken. Die Nicht-Fahrer öffnen ihr erstes Bier.

9:30 Uhr: Verabredete Abfahrtzeit.

10:30 Uhr: Tatsächliche Abfahrtzeit.

11:00 Uhr: Ich trinke mein traditionelles eiskaltes Jacky Cola aus der Dose. Bin wie immer überrascht, wie scheiße es schmeckt, trinke es aber trotzdem. Werde dank leeren Magens schon etwas voll. Verlange Partymusik. Nerve meine Mitfahrer mit hohen Kichern an der Grenze des menschlichen Hörvermögens.

12:00 Uhr: Traditioneller Zwischenstop an einer Autobahnraststätte. Wildes, fröhliches Rumgegröhle beim Anblick diverser Raststättengäste, die offensichtlich das selbe Ziel haben. Ich versuche im Tankstellenshop eine Bravo zu kaufen und habe wie jedes Jahr vergessen, dass die dort keine führen.

13:00 Uhr: Ankunft Ring, Hallo Stau.

13:30 Uhr (mit Glück): Einfahrt auf C1. Panisches Gekrame nach dem Ticket. Die Ordner mit grenzwertig witzigen Witzen nerven.

13:31 Uhr: Parken.

13:32 Uhr: Der Moment, in dem einen einfällt, was man alles ultrawichtiges vergessen hat (Lieblings-Schlafshirt, persönliches Kuschelkissen, Insulin).

13:35 Uhr: Zeug ausladen und zum Zeltplatz hochtragen. Möglichst gelangweilt tun, wenn man anbietet, die offenen Autos zu bewachen, damit niemand auf die Idee kommt, dass man sich vor der Schlepperei drücken will. Was man aber natürlich will.

14:00 Uhr: Ein Platz wurde erobert, die Autos sind ausgeladen. Der Zeltaufbau kann beginnen.

14:00:02 Uhr: Zeltaufbau abgeschlossen. Danke, Quechua!

14:01-15:00 Uhr: Einräumen, Matratze aufblasen, mit allen Mitreisenden den Rest (Pavillion, Grill, Aggregat) aufbauen oder wenigstens so tun als ob.

15:00 Uhr: Sich an der Bändchen-Ausgabe anstellen. Die Neuregelung, es am rechten Arm tragen zu müssen, mit einem empörten „Diskriminierung!“ kommentieren (man ist ja nicht umsonst stolze Linkshänderin). Die ausgesprochene Hässlichkeit des aktuellen Bändchens bestaunen. Das neue Logo ist immer noch scheiße!

15:30 Uhr: Klappstuhl aufklappen, Bierdose öffnen. Chillmode!

15:35 Uhr: Jemand baut sich breitbeinig und mit diabolischen Grinsen inmitten des Klappstuhllagers auf, den Bierbong in der Hand. Innerliche Kapitulation.

15:35-16:00 Uhr: Mehr „Schluck, du Luder“-Witze ertragen, als man in seinem ganzen Leben jemals hören wollte.

16:30 Uhr: Erstes Flunkyball-Match!

17:00 Uhr: Karten auspacken und eine Runde „Schwarz oder Rot“ spielen, das simpelste Saufspiel der Welt (ja, es funktioniert genau so, wie ihr jetzt denkt).

18:00 Uhr: Mit ein paar Bier „Stau kucken“ gehen und diese Deppen auslachen, die jetzt erst anreisen.

19:00 Uhr: Grillen. Fleisch. Frisch. Yeah!

20:00 Uhr: Musik wird aufgedreht. Ab jetzt wird richtig gesoffen.

22:00-? Uhr: Über den Platz taumeln und sich die anderen Camper ankucken. „Wooooo“ schreien, fantasievolle Deko bewundern, Brüderschaft trinken, unbekannte Alkoholika ausprobieren, Tanzen. Manche Ringrocker werden bei dieser Tour zum letzten Mal gesehen und tauchen unvermittelt montags vor der Abreise wieder auf.

Irgendwann zwischen ? und 6:00 Uhr: Ins Zelt fallen. Schlafen wollen.

Eine Minute später: Zum ersten Mal richtig registrieren, dass man neben ein paar Grobassis zeltet, die die ganze Nacht hindurch mit 150 Dezibel Musik spielen, die man hasst.

Unbekannte Zeit später: Trotzdem irgendwie schlafen. Morgen geht’s erst richtig los!

 
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Rock am Ring – Tipps und Tricks!

So kommet und lernet vom unschätzbaren Erfahrungsschatz einer siebenmaligen Ringrockerin, die auch dieses Jahr nicht dabei sein wird, aber ihr Wissen gerne der neuen Generation zur Verfügung stellt…

Die folgende Auflistung richtet sich an Erstringrocker und andere Interessierte und ist absolut unvollständig und subjektiv. Viel nützlichere Tipps findet ihr im Ringkrocker-Forum.
Aber ich bin lustiger.

Ganz allgemein: Das Wetter. Ich traf 2012 am Dixieklo auf ein bibberndes Mädel mit hinreißender Zahnspange, das mir ungefragt Klopapier abgab („man muss sich ja gegenseitig helfen“) und sich neidisch über mein Bundeswehr-Jacket äußerte. Sie war davon ausgegangen, dass Anfang Juni die Temperaturen angenehm seien.
Falsch, falsch und falsch. Die meisten wissen nicht, dass die Eifel in einem „Game of Thrones“-ähnlichen Paralelluniversum liegt, in dem der Winter auch schon mal mitten im Sommer zuschlägt. Das glaubt ihr mir nicht? 2009 checkte ich am Abfahrttag das Wetter für das Wochenende. Gemeldet waren 15 Grad und Nieselregen. Scheiße, dachte ich. Tja, wärs nur so gewesen: Samstagmittags waren laut Durchsage SIEBEN GRAD vor der Centerstage. Nachts dürften sich die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt bewegt haben.
Daher: Warme Pullis und ne Jacke nicht vergessen, selbst wenn im Rest von Deutschland 30 Grad herrschen. In der Eifel ist alles anders.

Überhaupt, die sanitären Anlagen: Wer jemals ein Zeltplatz-Dixie benutzt hat, wird keine Angst mehr vor der Hölle haben.
Es ist… unbeschreiblich. Völlig desolat. Aber leider recht alternativlos… oder?
Ihr solltet auf jeden Fall Klopapier mitnehmen, denn auf den Dixies werdet ihr keins finden (beziehungsweise werdet ihr das, was ihr dort findet, nicht benutzen wollen). Auch empfehle ich die Zehner-Karte für 4,50 Euro für die normalen Klos, die leider nicht ganz so zahlreich sind, wie es wünschenswert wäre. Wenn ihr eine entspannte Sitzung wollt, ist die nächtliche Rückkehr vom Festivalgelände der geeignete Zeitpunkt. Lesestoff wäre dabei vom Vorteil (meine Wahl: Tiefschürfende Zeitschriften wie „Mein Erlebnis“ oder „Meine Sünden“, die rührselige, natürlich absolut authentische, dabei latent sexistische Frauenschicksale zum Inhalt haben. Bei aufregenden Geschichten wie „Ich habe meinen Mann betrogen – mit einer Frau!“ oder „Nach drei Scheidungen – in Portugal fand ich endlich mein Glück!“ kann ich völlig loslassen.).

Wenn ihr in Waldnähe zeltet, solltet ihr auch auf jeden Fall einen Marsch in die unberührte Natur in Erwägung ziehen. Dabei unbedingt auf Tretminen achten (die sind allerdings durch Klopapierhügel gekennzeichnet). Nach zwei, drei Tagen Dixieklo ist das Gefühl eines sanft streichelnden frischen Lüftchens um euren nackten Hintern einfach zum Weinen schön.
Ein letzter dringender Hinweis: Wenn ihr kotzen müsst, dann geht um Himmels Willen nicht auf ein Dixieklo. Ich habe diesen Fehler einmal gemacht. Dabei hat Gott zu mir gesprochen. Kein Scheiß. Lasst es.

Um beim Thema Lesestoff zu bleiben: An einem Donnerstag kann mittags tatsächlich mal Langeweile aufkommen. Nichts eignet sich für solche Situationen besser als oben bereits genannte Illustrierte oder Jugendzeitschriften wie die „Bravo“. Vorteil: Je älter ihr werdet, desto lustiger und verstörender wird diese Lektüre. Lacht gemeinsam über die völlig überzogene Nutzung angeblicher Jugendsprache, findet heraus, welcher Flirttyp ihr seid und spielt die Foto-Love-Story mit verteilten Rollen nach. Die „Dr. Sommer“-Seite regt zudem immer wieder unterhaltsame Diskussionen an, im Zuge dessen ihr vielleicht mehr über eure Freunde erfahrt, als ihr jemals wissen wolltet. Teils offenbaren sie eklatante Wissenslücken selbst bei Mittzwanzigern und tragen viel zum Verständnis zwischen Männern und Frauen bei!
Wenn ihr euch also zum Bildungsauftrag berufen fühlt, sind „Bravo“, „Hey!“ und die „Mädchen“ die perfekte Aufklärungsliteratur. Und Beilagen wie die „Startattoos“ oder Justin-Bieber-Poster lassen sich wunderbar zweckentfremden.

Der wichtigste Tipp, den ich euch geben kann: Hört bloß nicht auf, Alkohol zu trinken. Ihr habt vielleicht einen Kater oder wollt für die Konzerte am kommenden Tag besonders fit sein, aber jetzt auf Wasser umzuschwenken ist fatal. Grund: Der Kater entsteht durch Abbau sogenannter Fuselöle (was haben meine Freunde schon gelacht, wenn ich mit diesem Wort ankam, aber es stimmt wirklich), während der Abbau von Alkohol ohne große Probleme vonstatten geht. Man muss wissen, dass Alkohol immer VOR den Fuselölen abgebaut wird. Stellt euch die beiden Komponenten wie Kranke vor: Die Fuselöle sind die Kassenpatienten, Alkohol ist ein Privatpatient. Solange immer wieder ein Privatpatient kommt, müssen die Kassenpatienten warten. Und da die Kassenpatienten diejenigen sind, die den Arzt (= euren Körper) nerven, weil er an ihnen nix verdient, müsst ihr dafür sorgen, dass immer genug Privatpatienten im Wartezimmer sitzen.
Natürlich MÜSSEN die Kassenpatienten auch irgendwann dran kommen (es sei denn, ihr entscheidet euch nach dem Festivalwochenende, Alkoholiker zu werden), aber es ist besser, das auf den Montag zu verschieben.
Also, mein pädagogischer Rat: Egal wie sehr es euch anwidert, ein „Konterbier“ jeden Morgen ist das Getränk der Wahl.

Wenn ihr diese Anleitung beachtet, können an eurem ersten Ringwochenende nur noch höchstens 996 andere Dinge schief gehen. Aber wenigstens ist euch warm, ihr habt was zum Lesen, ihr seid untenrum keimfrei und voll! Viel Spaß!

 

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 4: System Of A Down „Mezmerize“

Und endlich dringen wir in die härteren Gefilde meines Musikgeschmacks vor 🙂

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Tracklist
1. Soldier Side
2. B.Y.O.B.
3. Revenga
4. Cigaro
5. Radio/Video
6. This cocaine makes me feel like I’m on this song
7. Violent Pornography
8. Question!
9. Sad statue
10. Old school Hollywood
11. Lost in Hollywood

Erstkontakt
Hier haben wir mal eine Band, die ich schon kannte, bevor ich das Album hörte, das es in meine Liste schaffte!

Ab 16 war ich eigentlich jedes Wochenende in der örtlichen Metaldisco anzutreffen. Was tat sich mir da für eine entzückende neue Welt auf! Viele Bands, deren Songs ich heute noch rauf und runter höre, lernte ich dort zum ersten Mal kennen. So auch SoaD. Ihr Album Toxicity war im selben Jahr erschienen und beinhaltete einige einfach absolut großartige Songs wie Toxicity, Forest und Chop Suey! Alles Songs, auf die sich ultragut tanzen lässt. Und schöne Videos liefen auch wieder bei MTV!

Ich war also schon ein Fan, als 2005 das lang ersehnte Album Mezmerize erschien, nachdem Steal this Album! (der Vorgänger) nicht so wahnsinnig geflasht hat. Und dieses Album schaffte das, was Toxicity, so toll es auch insgesamt ist, nicht vollbringen konnte: Ich fand es von vorne bis hinten einfach nur megageil!

Highlights
Auch hier ist wieder einiges vertreten, was zumindest aus Metalsicht absolut tanzbar ist. Und was tanzbar ist, ist gut!

Es fängt direkt extremst cool an mit B.Y.O.B., das einen netten Kontrast hat zwischen krass metallischen Strophen und einem sanft gesungenen Refrain. Eine Radiotussi, die eine Metalsendung moderiert, nannte diesen mal „poppiger als viele Popsongs“. Das war dann der Moment, wo ich sie zu hassen begann…

Dann Revenga, ein Song, bei dem man sehr, sehr gut seinen gesamten Hass rauslassen kann. Wie könnte ich so etwas NICHT mögen?

Richtig ab gehts bei Radio/Video, bei dem es einige folkloristische Anleihen gibt, die das Lied einfach nur völlig fabulous machen und eindrucksvoll beweisen, warum sich SoaD schlecht in irgendwelche Schubladen stecken lassen. Vor allem der langsame Aufbau vor dem letzten Refrain ist so unglaublich gut. Es erfreut jedes Mal mein Herz, wenn auf einer Metalparty 100 Menschen auf der Tanzfläche erst leise mitwiegen, sich dann steigern und am Schluss jeder komplett eskalierend mitspringt!

Bei Violent Pornography liefert Serj Tankian in meinen Augen (Ohren, chrchr) die schönste gesangliche Leistung ab. Seine Triller und Phrasierungen während des Refrains (irgendwie gibt es zwei verschiedene Refrains oder wie auch immer man das dann nennt… das schafft auch nicht jede Band) MÜSSEN einfach mitgesungenbrüllt werden!
Sad Statue ist dann tatsächlich das: traurig. Oder klingt zumindest so. Ein wahnsinnig pathetischer, dramatischer Song, bei dem einen auf der Tanzfläche echt fast die Tränen kommen. Auch wenn ich wie bei allen SoaD-Songs nicht ganz kapiere, worum es eigentlich geht. Aber das ist okay.

Und dann mag ich einfach auch Old School Hollywood ziemlich gerne (auch wenn man darauf nicht gut tanzen kann). Der Song kommt irgendwie elektronisch daher und deshalb mögen ihn viele nicht. Außerdem gehts um Baseball, was nicht sonderlich spannend ist. Trotzdem!

Tiefpunkte
Lost in Hollywood ist mir entschieden zu soft! Obwohl es dennoch sehr nett ist. Denn auch hier haben wir wieder eigentlich keine wirklichen Tiefpunkte!

An Cigaro ist höchstens schlecht, dass der Song mit dem Rest nicht mithalten kann (auch wenn es eine der besten Textzeilen überhaupt hat: „My cock is much bigger than yours, my cock can walk right to the door“. Ähm, ja.). Für This cocaine makes me feel like I’m on this song gilt das selbe, außerdem lässt sich der Titel so schlecht merken. Man wird doch auch mal auf hohem Niveau meckern dürfen!

An Soldier Side ist nur doof, dass dieser Song auf dem Album Hypnotize (das mit Mezmerize ein Doppelalbum bildet, allerdings fand ich dieses erheblich schwächer) fortgesetzt wird und da viel besser ist.

Biographisches
SoaD wird für mich auf ewig mit mit politischen Aktionismus verbunden sein. Die Toxicity erschien 2001, das Jahr, das angeblich alles verändert hat.
Ich war 16 am 11. September 2001 (und habe das meiste davon verschlafen – wenn meine Kinder mich mal fragen sollten, werde ich lügen) und wie die meisten ziemlich in Schockstarre. Auch wenn ich schon am 13. September nicht mehr kapiert habe warum eigentlich. Warum sind tote Amerikaner so viel wichtiger als tote… irgendwas? Warum muss mich dieses Ereignis mehr schockieren als andere (von Menschen oder der Natur gemachten) Katastrophen, bei denen bis zu 100mal so viele Menschen sterben?

Ich war… skeptisch. Und dann, als ich mir die Berichterstattung zur Vertrauensfrage Gerhard Schröders ansah, auch richtig, richtig angepisst. Ich sah eine ARD-Reporterin, die einen etwas verranzt wirkenden Grünenpolitiker nach seiner Meinung fragte. Er setzte zu einer Antwort an, kritisierte den geplanten Afghanistanfeldzug und sie riss ihm das Mikro weg.

Ich spüre immer noch eine unglaubliche Wut, wenn ich daran denke. Vor allem an das verkniffene Gesicht der Reporterin. Diese blöde Fotze. Sorry. Nein, kein Sorry. Wie war das nochmal mit der vierten Gewalt im Staat? Und warum soll ich nochmal GEZ bezahlen, ihr Arschlöcher?

Ich hatte schon vorher geahnt, dass einige Dinge nicht so ganz in der Reihe laufen. An diesem Tag, durch dieses „Interview“ bekam ich dann meine Bestätigung. Danke, ARD.

Wie ging es also weiter? Ich diskutierte. Ich lief bei Demonstrationen mit. Ich las Michael Moore. Ich lieferte in der Schule ein Kunstprojekt ab, das im Grunde eine einzige flammende Rede gegen amerikanischen Faschismus, Kapitalismus und diesen verschissenen Irakkrieg darstellte (Note: Eins). Und ich hörte System Of A Down, die sich wie kaum eine zweite Band gegen diese ganze Scheiße positioniert hat. Dies bekam mit Boom!, einem Song von Steal this Album!, einen Höhepunkt und setzte sich mit B.Y.O.B. fort. Das steht übrigens für „Bring your own bomb“.

Heute sehe ich viele Dinge etwas differenzierter als mit 16. Oder mit 20, als Mezmerize erschien. Aber einige meiner Grundprämissen werden sich hoffentlich nie ändern. Dazu gehört, dass blood for oil scheiße ist. Krieg sowieso. Und dass man niemals staatlich subventionierten, konservativen Lügenmedien trauen sollte.

System Of A Down lieferten mir den Soundtrack zu dieser wütenden Phase, die ich niemals missen möchte.

Konzerterfahrung
Nachdem Serj Tankian schon solo unterwegs war und es fiese Gerüchte gab, SoaD hätten nicht nur eine kreative Pause eingelegt, sondern sich gar getrennt, kamen sie 2011 endlich zum Ring!!!

Naja. Ich mache es kurz. Das Konzert war an sich in Ordnung – meine Begleitung nicht. Sorry, aber ich kann nun mal nicht abgehen, wenn der Rest der Bagage nicht mitmacht. Wir standen einige Meter hinter dem zweiten Wellenbrecher kurz vor einem Monitor, konnten also alles, was auf der Bühne abging perfekt sehen, aber Party sieht doch anders aus. Aber die Herrschaften waren MÜDE. Grmpf.
Ich ging dann zwar mal auf eigene Faust etwas weiter nach vorne, um mit der Menge zu tanzen, aber ich war wohl zu nüchtern, um die Tatsache zu vergessen, dass ich gerade im Grunde alleine war. Obwohl die Leute in der Menge unglaublich nett waren.

Deshalb wurde dieses Konzert leider nicht zu dem Highlight, das es eigentlich sein sollte.

Was mich das Album lehrte
„Why don’t presidents fight the war
why do we always send the poor?“
– B.Y.O.B.

Trivia
Serj Tankian und Daron Malakian sind beide armenischstämmig und setzen sich sehr dafür ein, dass der Völkermord an den Armeniern endlich ausreichende historische Würdigung erfährt.
War nämlich auch eine riesige Sauerei, auch wenn gewisse Leute dies gerne leugnen. Gut gemacht, Türkei. Du warst auch schon vor letzter Woche nicht unscheiße.

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Weitere Beiträge zur Themenwoche:

Teil 1: HIM – Razorblade Romance

Teil 2: The Offspring – Americana

Teil 3: Nirvana – Nevermind

Teil 5: Ignite – Our Darkesst Days

Teil 6: TBA


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