Goooooo to the USAAA! – Part 2: Capitalism, bitch.

Wir haben also einen Hin- und Rückflug in die USA für 280 Euro bekommen. Als hinterfragend-kritischer Mensch fragt man sich da natürlich kritisch, wie das überhaupt geht.

Noch bevor wir endgültig buchten, habe ich dahingehend recherchiert. Dadurch fand ich ziemlich als erstes heraus, dass die Urlaubspiraten taffe Leute sind, die sich auf Angebotsfehler der Airlines stürzen wie die Geier. Sprich: Hat irgendein armer Mensch, der dafür vermutlich im Nachhinein den Arsch grandios aufgerissen bekommt, beim Eintippen der neusten Flugangebote irgendwo eine Null vergessen oder gar gleich ganz, einen Preis anzugeben, dann finden die Urlaubspiraten das und hauen es sofort in den Äther raus. Hat man dann Glück und sieht diesen Hinweis, bevor die Airlines es tun, kann es passieren, dass man für völlig umsonst fliegt.

Bei uns war es aber kein Fehler, sondern schlicht ein sogenannter Gabelflug. Das bedeutet, dass wir nicht vom selben Flughafen zurück fliegen, an dem wir angekommen sind. In unserem Fall kommen wir in New York an (okay, eigentlich ist es New Jersey – aber psst), unser Rückflug geht aber ab Washington D.C..
Was uns jetzt wirklich nicht groß stört. Wir wollen nach ein paar Tagen in New York eh nen Roadtrip machen. Und selbst wenn das nicht so wäre: Von NY nach Washington fahren unfassbar günstige Busse.

Trotzdem ist das ja schon irgendwie komisch, nech? Aber es geht noch geiler. Als ich unsere Tickets anhimmelte, fiel mir unvorstellbarerweise auf, dass unser Rückflug doch tatsächlich in New York zwischenlandet. Man ziehe sich das bitte mal rein: Der Flug von Amerika nach Deutschland ist gerade deshalb so günstig, weil wir nicht von New York aus fliegen, aber letztendlich sind wir zwischenzeitlich doch in New York.
Unglaublich, dachte ich, und probierte aus, wie viel es wohl gekostet hätte, wenn wir den selben Flug nehmen, aber erst in New York zusteigen würden.

Ergebnis: Der Flug wäre 200 Euro t-e-u-r-e-r.

Da kann man sich doch nur an den Kopf fassen. Jeder normale Mensch würde vermuten, dass ein kürzerer Flug billiger sein müsste. Immerhin könnte die Airline dann die Plätze von Washington nach New York an andere Menschen verkaufen und mehr Geld machen. Aber nee. DAS ist Kapitalismus, Leute. Kapiert keine Sau.

Und offensichtlich ist das irgendwie normal, wie ich dann herausfinden sollte, als ich einer Freundin davon erzählte. Die reagierte darauf völlig stoisch, denn sie wusste folgende unbegreifliche Begebenheit zu erzählen:

Sie war in Frankreich in Urlaub und suchte nach Flügen zurück nach Deutschland. Sie fand einen Flug in eine Großstadt nahe der Heimat, allerdings war der sehr teuer. Sie suchte also weiter und fand einen Flug, der in eine Großstadt ging gut eine Stunde Fahrzeit entfernt von der nahen Großstadt, aber 100 Euro billiger war. Nach kurzem Ringen siegte der schmale Geldbeutel und sie buchte Flug 2.
Als sie sich nun einen Tag vor dem Flug ihr Ticket ansah, bemerkte sie, dass sie mitnichten einen Flug bis in Großstadt 2 gebucht hatte. Nein, der Flug endete in Großstadt 1 und der Rest der Strecke wurde per ICE zurück gelegt. Sie saß in EXAKT dem selben Flugzeug, das sie auch bei Flug 1 bestiegen hätte, nur dass der Flug MIT einer einstündigen Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug 100 Euro BILLIGER WAR ALS OHNE.

Logischerweise ist sie dann nicht in diesen blöden Zug Richtung weiter entfernte Großstadt gestiegen, sondern ist directamente vom Flughafen nach Hause gefahren. Und den ganzen Flug über musste sie sich schwer zusammen reißen, nicht jeden Fluggast zu fragen, ob er die teurere Variante gebucht hatte oder die billigere.

Da fällt man doch wirklich vom Glauben ab!

Darüber kann man sich nun entweder tierisch aufregen oder es schweigend genießen (oder, naja… einen Blogbeitrag drüber schreiben). Allerdings gibt es offensichtlich kein Angebot, das gut genug wäre, um nicht doch noch drüber zu meckern. So war vor ein paar Tagen für wenige Stunden ein Hin- und Rückflug in die USA über die Urlaubspiraten verfügbar, der sogar noch weniger als 200 Euro kostete.
Und da gibt es dann Kommentatoren, denen nichts besseres einfällt, als sich darunter darüber auszulassen, dass die Reisedauer bei solchen Flügen etwas höher ist. „Dann lieber einen Direktflug zum regulären Preis“ – holy shit. Wie viel ist der reguläre Preis, ca. 600 Euro mehr? Und das nur, um drei, vier Stündchen zu sparen? Wenn man so pingelig ist, warum treibt man sich überhaupt auf solchen Seiten rum?

Aber zurück zu normalen Leuten – also mir. Jedenfalls freute ich mich trotz allem über das Schnäppchen, bis Mitbewohner Dave die Bühne betrat. Der wäre im Leben nicht mitgeflogen, also haben wir ihn auch nicht gefragt. Das schien ihn jedoch zu nerven. Beleidigt wies er uns darauf hin, dass so ein billiger Flug ja eine mehr als beschissene Ökobilanz hätte. Etwas, an das ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht so wirklich gedacht hatte. Und außerdem sei es ja irgendwie nicht in Ordnung, von Fehlern der Airlines zu profitieren und überhaupt.

Nun, ich sehe das nicht so. In unserem Fall ist es ja kein Fehler, sondern saudummer Kapitalismus. Was natürlich im übertragenen Sinne schon ein Fehler ist. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man ein fehlerhaftes System nur dadurch zum Einsturz bringen kann, wenn man denen, die es gemacht haben, immer wieder seine Fehlerhaftigkeit in die Fresse haut. Wenn das System einen fickt, muss man zurück ficken.

Ist ja auch nicht so, als würde irgendein Managertyp, der achtzigmal im Jahr in die USA und zurück jettet, sich um seine Ökobilanz scheren.

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Rock am Ring: let’s talk about the money!

Zum Ende meiner kleinen Rock-am-Ring-Exkursion noch was zu dem Thema, das die Welt regiert und in absehbarer Zeit auch zerstören wird: Geld.

Ich lese und höre immer wieder, dass es ja so schwer wäre, ein Ticket für RaR zu ergattern. Falsch, ein Ticket zu bekommen ist etwa genau so leicht, wie in den Aldi zu latschen und eine Packung Milch zu kaufen. Man muss halt nur früh genug dran sein und die entsprechende Kohle dafür haben. Daran mangelt es den meisten wohl. Und dadurch wird der Ticketkauf natürlich schon mal zu einem „Postal 2“-Szenario.

160 Euro hab ich dafür dieses Jahr hingeblättert. Bei meinem ersten Ring 2005 waren es glaube ich noch 115, maximal. Viel Geld, aber ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mir das Ticket einfach zu Weihnachten zu wünschen – Problem gelöst!

Bleibt die Verpflegung. Fünf Tage Ring heißt: Mindestens zehn Dosen Ravioli, Nudelpäckchen oder 5-Minuten-Terrinen (ich empfehle ja die Pürree-Variante mit Croutons. Ist unschlagbar schnell fertig und schmeckt für Päckchenscheiß erstaunlich geil!), die beiden letztgenannten Varianten natürlich nur, wenn ihr nen Gaskocher dabei habt oder einen armen Trottel, der einen hat und euch ihn benutzen lässt, bis die Gaskartusche alle ist. Wenn man im Schnitt 1,50 Euro für den Scheiß rechnet, kommt man auf 15 Euro, dazu vielleicht noch Bifi, Grillfleisch für den ersten Tag und was Süßes, sagen wir: Insgesamt 25 Euro.

Alkohol muss natürlich auch mit. Bier kann man sich ja mit Freunden teilen und, sofern man in Grenznähe wohnt, dort besorgen (= kein Dosenpfand!). Veranschlagen wir dafür 15 Euro, was eine vorsichtige Schätzung ist.
Ansonsten würde ich eine Flasche Schnaps pro Tag rechnen. Bei uns kosten die billigsten Rum- oder Wodkavarianten einen etwa Fünfer pro Flasche, macht 25 Euro. Dann braucht man aber noch was zu mischen, wodurch es leicht 10 Euro mehr werden, sprich 35.

Und dann will (bzw. muss) man ja auf dem Gelände etwas essen: macht eine Millarde Euro.
Nee, ganz so schlimm isses nicht, aber nah dran. Das Problem hierbei ist, dass das Essen auf dem Festivalgelände nicht nur übelst teuer ist, sondern leider auch ultra gut, wenn man weiß, was man nehmen muss. Döner und Tortellini sollte man meiden, aber der Rest!
Aufm Ring gibt es die GEILSTEN Chinanudeln, den ABARTIG BESTEN Backfisch und nicht zuletzt das VERFICKT NOCHMAL ALLERGEILSTE, ÜBERTRIEBEN LECKERSTE „Handbrot“! Das ist eigentlich nur Hefeteig mit Käsefüllung, wahlweise mit Speck oder Pilzen und nem Klecks saure Sahne obendrauf – aber SO GUT!

Und darüber hinaus mit 4 Euro das einzige Essen mit angemessenem Preis (Chinanudeln und Backfisch kriegt man dagegen für jeweils 6 Euro). Doch es hilft nichts, eins von allem muss man mindestens essen – macht 16 Euro. (Sofern man nicht von jedem mindestens zweimal isst, aber das ist mein persönliches Problem.)

(Bier auf dem Festivalgelände rechne ich nicht mit. Wer für diese Plörre (die, auch wenn sie es nicht zugeben, aus Leichtbier besteht, das schneller wieder nüchtern macht als man es trinken kann) tatsächlich Geld hinblättert, für denjenigen empfinde ich kein Mitleid.)

So mit diesen absoluten Basics kommen wir bereits auf 251 Euro. Ein Festivalshirt und andere Kinkerlitzchen nicht eingerechnet.

Scheiße.

Aber dieser riesige Berg aus Unkosten habe ich natürlich mit meiner unnachahmlichen Art etwas abtragen können. Wie? Ganz einfach:
Man bezahlt mit dem Ticket das sogenannte Müllpfand mit, das sich auf 5 Euro beläuft. Fährt man auf den Campingplatz, kriegt man unter Vorlage seines Tickets drei Müllsäcke (gelber Sack, Glas und Restmüll) und die Müllpfandkarte. Die ist, wie gesagt, 5 Euro wert. Geht am also montags mit eben dieser Karte und einem gefüllten Müllsack zur entsprechenden Stelle, kriegt man also dafür nen Fünfer bar auf die Kralle.

Die meisten Leute interessiert das jedoch einen Scheißdreck.

Auftritt: Moi, die obsessive Pfandjägerin. Ich bin dieses Jahr etwa eine Stunde locker über den Zeltplatz geschlendert, auf dem sich nur noch wenige Zelte, aber eine Menge, Menge Müll befand, und sichtete – 15 Karten.
FÜNFZEHN. Das sind 75 Euro.
Und da die Abgabe des Mülls selbst die dafür zuständigen Ordner nicht so wirklich interessiert, habe ich dafür nur pro forma insgesamt fünf Müllsäcke abgegeben, die ich nicht mal selbst gefüllt habe (die meisten lassen ihre Säcke nämlich einfach stehen), und trotzdem das Geld bekommen. Ist das geil, oder was?

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, warum ich dieses Wissen an euch weiterreiche. Die schöne Antwort lautet, dass ich, wenn meine Lebensplanung so weiterläuft wie ich es vorhabe, nächstes Jahr schon nicht mehr auf so ein paar mickrige Kröten (!!! was rede ich da!) fürs Mülllsammeln angewiesen sein werde. Die ehrliche Antwort lautet, dass ich es schlichtweg niemanden zutraue, auf dem Gebiet so erfolgreich zu sein wie ich. Ich habe dafür einfach eine Gabe. Eine Müllpfandkarte erkenne ich aus 20 Metern Entfernung. Das ist meine Superkraft.

I’m gifted. Ihr nicht.
Tut mir leid.

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Themenwoche: Ich war jung und brauchte das Geld!

Ich bin nur ein Opfer des Kapitalismus!
Die Ärzte

Damit hier mal wieder etwas Leben in die Bude kommt, sei hiermit auf eine neue Blogreihe verwiesen, mit welcher ich euch die gesamte nächste Woche (hoffentlich) unterhalten werde: Ausführlich und schonungslos angepisst präsentiere ich euch all die Scheißjobs, die ich bereits in meinem Leben hatte!

Momentan gehe ich ja kellnern, aber davor war Geldverdienen natürlich auch immer schon ein Thema gewesen. Ihr könnt euch meine Freude darüber gar nicht vorstellen, als ich bei meiner geistigen Rekapitulation bemerkte, dass ich tatsächlich ganz genau sieben mal mehr, mal weniger ätzende Jobs hinter mir gelassen habe, bis ich meine vorläufige Berufung hinter einem Zapfhahn fand. Was liegt da näher, als eine ganze Themenwoche daraus zu machen?

Das wird einigen mal wieder Munition liefern, mir das Label „Prinzesschen“ aufzudrücken. Prinzesschen stehen bekanntlich bei mieser Bezahlung 6-12 Stunden mitten in der Nacht in Kneipen rum, wo sie sich meist völlig allein mit aggressiven Besoffenen, Zechprellern und anderen dubiosen Gestalten der Dunkelheit herumschlagen müssen. Ja, nach einer durchschnittlichen Schicht fühle ich mich bei meinem einsamen Heimweg durch die stockdunkle Nacht oder den grauenden Tag wirklich wie auf Rosen gebettet. Ist so eine hirnverbrannte Scheiße zu fassen? Aber was soll’s – Haters gonna hate 🙂

Macht euch also bereit für Berichte über folgende Scheißjobs, chronologisch geordnet:

Montag: Prospekte austragen (genauso meh, wie es klingt)
Dienstag: McDonald’s (leider wahr)
Mittwoch: Fotolabor (Hochspannung pur!)
Donnerstag: Fabrikarbeit (Hass im Akkord)
Freitag: Kellnern (wie ein erster Versuch in diesem Metier laufen kann, wenn man einen Kriminellen zum Chef hat)
Samstag: Bäckerei (e-kel-haft, in vielerlei Hinsicht)
Sonntag: Prospekte austragen (ja – SCHON WIEDER)

Und wenn ihr jetzt denkt „Geil! Ich finde Blog-Themenwochen super!“ dann zieht euch das hier rein:

Kinderserien meiner, äh, Kindheit

Meine Top 5 Alben aller Zeiten

Wenn es darum ging, Geld zu verdienen, gab es in meinem Leben wirklich wenig, für das ich mir zu schade war. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, meine Leser um eine kleine Spende in Form einer Tasse Kaffee zu bitten (via Paypal). Über ein wenig Unterstützung freue ich mich immer!