Rezension: Die Fettlöserin – eine Anatomie des Scheiterns

Nichole Jäger hatte schon immer Gewichtsprobleme und  vor einigen Jahren mit Mitte 20 schließlich das stolze Gewicht von 340kg erreicht. Inzwischen wiegt sie nur noch die Hälfte, ist Abnehmcoach und hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben:

fettlöserin

Als ich zum ersten Mal über den Blog der Autorin stolperte, war ich begeistert von ihrer lockeren Art und konnte vieles mit vollem Herzen unterschreiben. Deshalb möchte ich vorab sagen, dass ich Frau Jäger für einen sympathischen und humorvollen Menschen halte und es sicher Spaß machen würde, mit ihr ein Bier trinken zu gehen.
Dabei sollte das Gesprächsthema jedoch besser nicht “Abnehmen” sein, denn inzwischen bin ich etwas klüger und weiß, dass die geschilderten Fakten und Gedanken zum Thema bestenfalls auf Halbwissen beruhen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch potentiell gefährlich für Leser, weshalb ich mich zu dieser Rezension entschlossen habe.

Zunächst zum autobiographischen Teil. Viele Rezensenten auf Amazon oder anderswo haben schon bemängelt, dass einige Details ihrer Geschichte einfach nicht ganz stimmig sind. Die ersten Diskrepanzen fallen ziemlich schnell auf, wenn man nur mit ein bisschen Aufmerksamkeit liest.

Wie kann sie beispielsweise im Abitur eine 2 in Sport erreichen, wenn sie mit 14 eine Hüft-OP über sich ergehen lassen muss und erst zwei Jahre darauf wieder selbstständig stehen kann? Was ist in den Jahren zwischen diesem Ereignis und dem Abitur passiert, zumal sie berichtet, nach ihrem Unfall nie wieder richtig mit Sport angefangen zu haben?

Direkt im Anschluss dann die Zeit, in der sie auf 340kg zugenommen hat. Sie hat sich Essen von Supermärkten und Pizzaservices liefern lassen, ok. Aber wer hat das bezahlt? Wer hat überhaupt ihren Auszug von zuhause, das viele Essen, ihr Leben finanziert? Was hat sie in der Zwischenzeit gemacht, wie hat sie es vor sich selbst gerechtfertigt, keine Ausbildung anzufangen, was ging in dieser Zeit in ihr vor, wie konnte sie auf diese Weise volle acht Jahre zubringen? Das sind Fragen, auf die keine Antworten gegeben werden.

Und dann ist da noch die generelle Frage bezüglich der Glaubwürdigkeit. Es gibt keine Fotos, keine Dokumente der Abnehmklinik, einfach nichts, was ihr Startgewicht oder die Schritte bis zum jetzigen Gewicht belegt. Es hat nichts mit Voyeurismus zu tun, bei einem so unvorstellbar hohem Gewicht irgendeine Art von Beweis zu verlangen. Frau Jäger vermarktet ihre große Gewichtsreduktion und das sehr aggressiv, TV-Auftritte und natürlich das Buch inklusive – da wird die Frage nach einem Nachweis ja wohl noch erlaubt sein.
Aus diesem Grund zweifeln nicht wenige ihr hohes Ausgangsgewicht an. Ich gehe allerdings noch einen Schritt weiter und bezweifle, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt wirklich “nur” 170kg wiegt. Vergleicht man sie mit anderen Frauen ihrer Größe und ähnlichen Gewicht, fällt auch hier auf, dass sie wesentlich massiger wirkt. Und das alles trotz des vielen Sports, der ja zum Muskelaufbau beitragen und damit optisch schlanker machen sollte?

Irgendwie passt da vieles nicht zusammen. Da ihr hohes Ausgangsgewicht und ihre Abnahme jedoch Kern ihrer medialen Präsenz ist, drängt sich die Frage auf, was passieren würde, käme heraus, dass hier Dinge falsch dargestellt worden sind. Wäre das nicht sogar ein Fall irreführender Werbung?

Möglicherweise tue ich und andere Rezensenten ihr hier Unrecht, aber ohne Fotos oder auch nur Gewichtskurven fällt es nun mal schwer, ihren Weg nachzuvollziehen und das alles auch zu glauben.

Das sind einige Dinge, die im Blog wenig aufgefallen sind, aber in dieser geballten Form als Buch leider zwangsläufig Fragen aufwerfen. Doch nehmen wir einmal an, die Darstellung stimmt, dann bleibt da immer noch der darauf folgende “wissenschaftliche” Teil.

Ich muss das leider in Anführungszeichen setzen, denn bis auf ein paar chemische Formeln und Fachvokabular erinnert hier leider nichts an Wissenschaftlichkeit. Zumal Frau Jäger der erstaunliche Spagat gelingt, eigentlich ziemlich einfache Informationen mit vielen Fremdwörtern unnötig kompliziert wiederzugeben und sich gleichzeitig an die Leser zu wenden, als hätte sie eine Schulklasse minderbegabter Achtjähriger vor sich. Der flapsige Schreibstil wirkt hier besonders unpassend und einfach nur enervierend. Müssen solche seitenlang ausgebreiteten “Sendung mit der Maus”-Vergleiche wirklich sein in einem Buch, das sich an ein erwachsenes Publikum richtet und dieses damit behandelt, als wäre es besonders schwer vom Begriff?

Vom Inhalt dieser physikalischen Exkurse ganz zu schweigen. So erklärt sie mit vielen Worten, wohin Fett eigentlich verschwindet, wenn es abgebaut wird. Es wird nämlich hauptsächlich ausgeatmet.
Aha… und jetzt? Das ist bestenfalls ein halbwegs interessanter Funfact, aber wie genau hilft das jetzt bei der Abnahme? Mir persönlich ist es ehrlich gesagt völlig egal, auf welche Weise das Fett meinen Körper verlässt, zumal dieses Wissen den Prozess weder unterstützt, noch beschleunigt!
Ihr wohl witzig gemeinter Hinweis, sich beim Sport nicht zu schämen, wenn man vor Anstrengung keucht und hechelt, da hier immerhin gerade Fett ausgeatmet wird, kann dann auch leicht missverstanden werden. Eine höhere Atemfrequenz = mehr Fettabbau? Nicht wirklich, ne? Dieser Eindruck könnte aber bei dem ein oder anderen Leser entstehen. Es gibt wesentlich bessere und vor allem wissenschaftlich exaktere Gründe, um die Leser zu mehr Bewegung zu animieren!

Die selben unnötig vielen, unnötig komplizierten Worte verschwendet sie bei ihrer Erklärung über Kohlehydrate (was den meisten ohnehin noch aus dem Bio-Unterricht bekannt sein müsste), bei der sie eine Lanze für diesen Makronährstoff bricht und die Leser gleich noch wissen lässt, dass sie vom Low-Carb-Trend überhaupt nichts hält.
Sie echauffiert sich über die Verteufelung der Kohlenhydrate, argumentiert dabei aber komplett am Thema vorbei. Es ist nämlich mitnichten so, dass Kohlenhydrate bei den meisten Low-Carb-Diäten als etwas böses gelten, das für alle Zeiten gemieden werden muss. Der Grund vieler Menschen, während ihrer Abnahme auf Kohlenhydrate zu verzichten, ist ganz schlicht der: weil Kohlenhydrate in egal welcher Form wahnsinnig viele Kalorien haben. Zumal sie meist Hauptbestandteil der Nahrung sind. Ein Esslöffel Öl macht Sinn, ein Esslöffel Nudeln dagegen nicht so, oder?
Diese Kalorien kann man genauso gut für Gemüse und mageres Fleisch aufwenden, zumal es in der Low-Carb-Küche inzwischen sehr viele leckere und kreative Alternativen für kohlenhydratreiche Produkte gibt – und damit wird man am Ende sogar satter als MIT Kohlenhydraten bei gleicher Kalorienmenge! Auch die von ihr so vielgelobten Ballaststoffe sind bei einer solchen Ernährung überreichlich vorhanden – ganz ohne kalorienreiche Vollkornprodukte.

Frau Jäger beschreibt lang und breit, dass jeder Mensch seinen individuellen Weg zum Abnehmen finden muss. Wie ist vor diesem Hintergrund diese Wut (ja, es ist richtige Wut!) zu rechtfertigen gegen eine Ernährungsform, die man übrigens weder täglich, noch für immer praktizieren muss, obwohl in vielen Versuchen gute Abnehmerfolge mit einer solchen Ernährung dokumentiert worden sind? Möglicherweise haben nicht alle Leser solche Probleme wie Frau Jäger, auf Nudeln zu verzichten (ihre eigene Aussage), aber ihre Abrechnung mit diesem “Trend” empfinde ich schon fast als beleidigend diesen Leuten gegenüber, zu denen ich mich auch zähle. Ist das wirklich das, was sie ihren Klienten mitgeben will – obwohl die doch selbst am besten wissen müssten, worauf sie verzichten können?

Was dann auch noch richtig unangebracht ist, ist ihr Vergleich mit Antidepressiva. Kohlenhydrate würden ähnlich wirken – daher mache Schokolade auch so glücklich. Da fragt man sich ganz böse, warum sie mit der Ananas-Diät so unzufrieden war? Die bestehen doch praktisch aus nichts anderem!
Der Verdacht drängt sich auf, dass sie nur eine Rechtfertigung sucht, weiterhin Nudeln zu essen, so wie sie Vollkorn und die darin enthaltenen Ballaststoffe lobt, denn darüber hinaus scheint ihr die Zusammensetzung der Lebensmittel ziemlich egal zu sein. Sie geht tatsächlich nur auf Ballaststoffe ein zur Ehrenrettung ihrer Kohlenhydrate. Als enthielten andere Nahrungsmittel nicht ebenfalls Ballaststoffe!

Was dagegen als wissenschaftlicher Fakt nur ganz am Rande erwähnt wird und gegenüber den Informationen zum Fettabbau eine wesentlich größere Daseinsberechtigung gehabt hätte, bezieht sich auf das Energiedefizit. Es ist nämlich so, dass jeder Mensch, egal mit welcher Ernährung, ziemlich genau 7000kcal einsparen muss, um 1 Kilo Fett zu verlieren. Das ist universell, das ist Physik und gilt für jeden. Warum widmet sie dieser Information nicht mehr als einen Halbsatz, den mit Sicherheit viele Leser gar nicht verstehen, weil ihnen diese Formel unbekannt ist?
Natürlich: Weil diese Rechnung Kalorienzählen nahe legt und Frau Jäger nichts vom Kalorienzählen hält. Warum, erwähnt sie übrigens nicht. Vermutlich, weil es irgendwie genussfeindlich ist, genau zu wissen, was man zu sich nimmt und seine Abnahme darauf aufbauend berechnen zu können? Oder weil es weh tut, schwarz auf weiß zu sehen, wie viel man da gerade gegessen hat, obwohl das doch so ausgewogen und ballaststoffreich war?

Damit zum definitiv größten Problem innerhalb des “wissenschaftlichen” Teils, nämlich ihrem Kapitel über den Jojo-Effekt und den sogenannten Hungerstoffwechsel.
Frau Jäger ist leider nicht die Einzige, die vollkommen überzeugt davon ist, dass der Körper anfängt, Fett zu “bunkern”, wenn man während einer Diät “zu wenig” isst. Dies führe dann in kürzester Zeit zu einer erst langsameren, dann völlig zum Erliegen kommenden Abnahme und schließlich zur Zunahme, da sich der Körper bei geringer Kalorienmenge in einer Hungersnot wähnt und den Stoffwechsel auf “Sparflamme” schaltet, und zwar auch noch dann, wenn man wieder mehr isst – der Jojo-Effekt.
Frau Jäger gibt sogar zu, dass bei dem Thema selbst unter Experten Uneinigkeit herrscht, propagiert die Angst vor dem Hungerstoffwechsel aber trotzdem munter weiter, wobei sie nicht einen einzigen Beleg liefert. Hat sie zuvor erklärt, der Grundumsatz sei das, was der Körper bei völliger Ruhe braucht, nur um seine lebenserhaltenden Funktionen ausführen zu können, weiß sie nun zu berichten, dass sich der Grundumsatz im Hungerstoffwechsel halbieren kann. Natürlich auch das völlig ohne Beleg!

Es fällt schwer, an dieser Stelle nicht entsetzt das Buch wegzulegen. Die Vorstellung, ein Körper, der mit 340kg das Fünffache (!!!) dessen wiegt, was bei Frau Jägers Größe normal wäre, würde sich im Krieg wähnen und anfangen “für schlechte Zeiten” zu bunkern, weil er länger als fünf Tage am Stück “zu wenig” Kalorien bekommt, ist einfach nur grotesk!

Zusammen mit dem Larifari-Ton, den Frau Jäger hier anschlägt (“vielleicht stimmt das ja doch nicht, aber selbst wenn nicht, habe ich trotzdem schon 170kg abgenommen”) entsteht der Eindruck einer eigentlich ob der schieren Menge an validen Daten, die allesamt die Existenz des Hungerstoffwechsels widerlegen, zutiefst verunsicherten Frau, die Dinge wiederkäut, mit denen sie sich im Grunde kaum befasst hat. Eigentlich bemitleidenswert, aber nicht akzeptabel ist dabei die Panik, die sie bei ihren Lesern verbreitet. Der Körper merkt innerhalb von fünf Tagen, dass er sich praktisch in einer Hungersnot befindet, braucht aber Monate, um den Stoffwechsel bei gesteigerter Nahrungsaufnahme wieder zu normalisieren – während er unweigerlich zunimmt? DAS ist beängstigend. Glücklicherweise stimmt es nicht.

Frau Jäger hat dann auch einen Tipp auf Lager, wie man diesen Zustand umgehen kann, nämlich indem man maximal 500kcal unter seinem Gesamtumsatz isst. Diese Information weiter zu geben scheint ihr allerdings Bauchschmerzen zu bereiten und nicht so recht ins Konzept zu passen, denn um das hinzukriegen, muss man Kalorien zählen und davon hält sie ja wie gesagt nichts. Sie tröstet den Leser jedoch, dass auf diese Weise eine Abnahme von einem halben Kilo in der Woche möglich wäre, ganz ohne in den Hungerstoffwechsel zu fallen.

Ein Richtwert also, an den sie sich selbst nicht hält, denn die ersten 60kg hat sie in 8 Monaten verloren, was in dieser Zeit einem durchschnittlichen täglichen Energiedefizit von ca. 1750kcal entspricht, also ca. 1,8kg die Woche. Diese hohe Abnahme ist natürlich nur möglich, weil ihr Grundumsatz bei ihrem Ausgangsgewicht schon bei über 4000kcal lag. Da sie aber in dieser Zeit nahezu bewegungsunfähig war, kann ihr Gesamtumsatz nur unwesentlich höher gewesen sein, was zusätzlich beweist, dass an der Maxime “höchstens 500kcal unter Gesamtumsatz, sonst Hungerstoffwechsel” nichts dran sein kann. Gleichzeitig berichtet sie, in der ersten Zeit ca. 3kg die Woche verloren zu haben, was damit ja auch wieder nicht zusammen passt!

Man fragt sich: Ist Frau Jäger nie aufgefallen, dass sie sich selbst nicht gemäß ihrer eigenen Regeln ernährt? Oder gibt sie tatsächlich nur die halbgaren, wissenschaftlich unhaltbaren Tipps wider, die sie während ihrer Diätkarriere aufgeschnappt hat, ohne auch nur einmal einen Taschenrechner in die Hand zu nehmen oder eine Studie dazu zu lesen?

Weitere konkrete Tipps sucht man in diesem Buch dann leider auch vergeblich. Ja, es soll kein Diätratgebr im klassischen Sinn sein… aber etwas mehr als “Vollkornprodukte, Gemüse und auch etwas Protein” wäre ja wohl doch zu erwarten?

So bleibt für den Leser nur ihr ständiges Credo: “Diäten sind schlecht und funktionieren nicht!” Wobei man sich dann fragen muss, wie SIE eigentlich abgenommen hat. Ob mit oder ohne Kalorien zählen, eine Nahrungsaufnahme mit einem täglichen Defizit von 1750kcal IST eine Diät, ob sie es so nennt oder nicht. Da sie darüber hinaus offensichtlich die physikalischen Mechanismen des Abnehmens ignoriert, ist es wenig überraschend, dass ihre Diäten nie langfristig funktioniert haben.

170kg abzunehmen ist definitiv eine Marke (Frau Jäger erinnert den Leser vorsorglich fast jede zweite Seite daran). Ein anderer Rezensent schrieb dann auch irgendwo begeistert, Nicole Jäger habe es geschafft.
Dem muss ich entschieden widersprechen. Frau Jäger hat es NICHT geschafft, sondern schleppt immer noch gut 100kg Übergewicht mit sich herum. Ein Wert übrigens, der sich laut ihrem Blog seit Monaten nur unwesentlich verändert hat.
Zusammen mit ihrem ebenfalls im Buch befindlichen Bericht darüber, schon mal bei 140kg angekommen zu sein, dann aber wieder auf 210kg ZUgenommen zu haben (der böse Jojo-Effekt), muss man auch ihrer eigenen Aussage widersprechen. Frau Jäger weiß eben leider NICHT, wie Abnehmen funktioniert.

Sie verteufelt Diäten, obwohl diese weder per se ungesund sind, noch im Jojo-Effekt enden müssen, wenn die Mechanismen des Abnehmens bekannt sind (darunter auch die Tatsache, dass der Grundumsatz bei sinkendem Gewicht ebenfalls sinkt, da weniger Masse versorgt werden muss und man deshalb nicht mehr “so essen kann wie vorher”, ohne zuzunehmen – was nicht das Geringste mit dem vielgefürchteten “Hungerstoffwechsel” zu tun hat). Sie propagiert eine gesunde, ausgewogene Ernährung, obwohl sie in ihrem jetzigen Zustand absurde Mengen vertilgen muss, um ihr Gewicht von 170kg zu halten. Würde sie sich gemäß des Gesamtumsatzes einer normalgewichtigen Frau ihrer Größe ernähren, würde ihre Abnahme wesentlich schneller vonstatten gehen. Sie schreibt leidenschaftlich gegen das Hungern an, obwohl jedem normalen Menschen klar sein muss, dass ein Magen, der an so riesige Mengen gewöhnt ist, wie sie sie zu ihren schwersten Zeiten zu sich genommen hat, völlig überdehnt ist und gar nicht anders kann, als mit Hunger zu reagieren, sobald er normale Portionsgrößen bekommt – womit der Tipp, bloß immer seinem Hunger nachzugeben, einfach nur eine Verlängerung der Leidenszeit bedeutet, zumal der Magen sich auch sehr schnell wieder umgewöhnen kann, wenn man ihn lässt.

Es steht jedem frei, aus diesem Buch, das darüber hinaus leider auch voll von ganzheitlichen Plattitüden ist (Liebe dich selbst! Verzeihe dir! Hinfallen ist nicht schlimm, wenn man danach wieder aufsteht!), irgendetwas gehaltvolles zu ziehen, was über das kurze Amüsement über die durchaus witzigen Kapitel, in denen Frau Jäger pointiert über das Leben als dicke Frau berichtet hinaus geht. Für mich ist dies allerdings eher ein Wellnessbuch statt ein echter Ratgeber, der mit Sicherheit dem ein oder anderen Leser das gute Gefühl gibt, sich mit seinem Übergewicht einrichten zu können, ohne wirklich was ändern zu müssen. Ob das auf die Dauer glücklich macht, wage ich zu bezweifeln.

Ich hatte lange nicht vor, mir das Buch zu kaufen. Leider ist nämlich von meiner anfänglichen Begeisterung für die „Fettlöserin“ nichts mehr übrig. Bei allem Gerede über „Schluss mit dem Selbstbetrug“ schreibt sie doch nur das, was der Leser gerne hören will – dass Diäten nichts bringen, der Stoffwechsel Schuld ist. Das ist sehr bequem, denn so muss man ja auch nichts radikal ändern. Lieber mal ein Brötchen weglassen, dafür ein Apfel mehr, bisschen Bewegung und „sich verzeihen“, dann klappt das schon…
Nein, es klappt eben nicht. Ich fand toll, was Frau Jäger schrieb und blieb trotzdem todunglücklich. Ich wollte abnehmen und hatte keine Ahnung wie. Ich glaubte an den Hungerstoffwechsel und daran, dass Diäten böse sind. Das Resultat war eine jahrzehntelange Leidenszeit voller Misserfolge und Selbsthass.

Und dafür sind nicht zuletzt Ergüsse wie das vorliegende Buch verantwortlich. Ich habe es mir schließlich doch aus Neugier gekauft. Ich ahnte schlimmes, aber es kam noch viel schlimmer, wie ich hoffentlich erschöpfend dargelegt habe. Dieses Buch ist schlicht völlig ungeeignet für Übergewichtige und reproduziert den selben unwissenschaftlichen Mist, der auch in Frauenzeitschriften, Internetforen und anderen Diätratgebern zu finden ist. Ich kann gut verstehen, warum viele Menschen so begeistert davon sind, aber einlullendes Feelgood dieser Art und das Verbreiten von Mythen, wo Fakten angebracht wären wird irgendwann zu einem bösen Erwachen führen.

Das habe ich glücklicherweise schon hinter mir und habe auf diese Weise mein Übergewicht endlich verloren. Allen anderen, die dieses Buch mit der Hoffnung, wirklich konkrete Abnehmtipps zu finden, gekauft haben oder kaufen wollen, sei deshalb stattdessen das hervorragende Buch “Fettlogik überwinden” von Dr. Nadja Herrmann ans Herz gelegt. Darin schildert die Autorin mit echten wissenschaftlichen Background, vielen Belegen und trotzdem allgemein verständlich und unterhaltsam die wahre Anatomie des Abnehmens, die es jedem Leser möglich machen wird, sein Idealgewicht zu erreichen, sofern er denn willig ist. Zumal die Autorin bei einem Startgewicht von 150kg und jetzigen Gewicht von 63kg im Gegensatz zu Frau Jäger WIRKLICH behaupten kann, es “geschafft” zu haben.

Leider scheint es darüber hinaus so, als würde sich Frau Jäger momentan auf ihren immer noch absurd hohem und gesundheitsschädlichen Gewicht einrichten, weil es sich offensichtlich finanziell für sie lohnt, sich als “der lustige Abnehmcoach, der selber fett ist” zu vermarkten – und hat sich damit meiner Meinung nach ziemlich an die Wand manövriert.

Ich hoffe für sie, dass sie dahingehend noch die Kurve kriegt.

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.

Der Endgegner im Badezimmer 7: Geheimtipp: Shirataki

Es geht weiter mit den Schlägen, die mich bei meiner Suche nach kalorienarmen Leckereien getroffen haben.

Chronologisch ist das allerdings nicht – der Schock, den ich euch heute vorstelle, traf mich VOR dem Oopsie. Aber da es im heutigen Beitrag um ein regelrechtes Diätwunder geht, noch viel, viel beeindruckender als Oopsie, habe ich mich aus Gründen der Dramaturgie zu dieser Reihenfolge entschlossen!

Damit genug der spannungserzeugenden Vorrede. Worum geht es eigentlich?

Buchstabiert es mit mir zusammen: Shirataki die Nudel ohne Kalorien.

Was ist Shirataki?

Auf dieses Produkt bin ich, wie könnte es anders sein, auch in „Fettlogik überwinden“ gestolpert, allerdings nur über den Namen ohne Erklärung. Verwirrt habe ich selbst danach gegoogelt. Und das war dann der Moment, als ich wirklich glaubte, mich hätte ein Güterzug überrollt, denn damit wurde ein jahrelanger Traum plötzlich wahr.

Was ich heraus fand:
Shirataki sind in der asiatischen Küche zuhause und enthalten ca. 5 kcal pro 100 Gramm. Ja, das ist doch mehr als nichts, aber irgendwo hab ich den Spruch gelesen, dass man vermutlich allein beim Aussprechen des Wortes „Shirataki“ mehr Kalorien verbrennt, als dieses Zeug enthält und, naja, ich denke, das kann man gelten lassen!

Shirataki wird aus Konjakmehl hergestellt, das wiederum aus der Konjakwurzel gewonnen wird. Dieses Mehl besteht fast gänzlich aus Ballaststoffen, die der menschliche Körper nicht verwerten kann, und wird, gemischt mit Wasser und ein bisschen Kalk (was offensichtlich nicht schlimm ist – hat mich auch überrascht), in die bekannte Nudelform gebracht. Darüber hinaus gibt es das Ganze auch in Form von Reis, der aus den gleichen Komponenten besteht.

Im asiatischen Raum werden die Nudeln hauptsächlich als Suppeneinlage verwendet, aber man kann sie auch wie normale Nudeln zubereiten. Dabei ist zu beachten, dass Shirataki aufgrund des hohen Wassergehalts nicht wie normale Nudeln trocken gekauft werden (können), sondern in Lake. In dieser Form sind sie allerdings sehr lange haltbar.

Konjakmehl und Shirataki sind glutenfrei, vegan und für Diabetiker geeignet. Mir ist sowas ja scheißegal, aber euch ja vielleicht nicht. Und als nahezu kalorienfreie Alternative für Nudeln sind sie eigentlich genau das, worauf ich mein ganzes Leben lang gewartet habe!

„Ja, aber Wundernudeln ohne Kalorien machen doch bestimmt nicht satt, ne?“ – Lustigerweise doch. Sie machen sogar noch MEHR satt als herkömmliche Nudeln, da Konjakprodukte im Magen eine unglaubliche Quellwirkung entfalten. Allerdings sollte man darauf achten, dabei ausreichend zu trinken, da Konjak Wasser bindet.

Damit werden Konjakmehl und seine Produkte tatsächlich lebensmitteltechnisch als völlig unbedenklich eingestuft, sofern man die Dosierungsanweisung nicht ignoriert (maximal 3gr pures Konjakmehl täglich), denn dann kann es zu Verdauungsproblemen und Verstopfung kommen. Untersuchungen, die die Behauptung untermauern, es sei darüber hinaus sogar sehr gesund, gibt es leider noch keine, weshalb man hier ein Fragezeichen setzen muss. Eindeutig aber, dass dieses Zeug NICHT SCHÄDLICH ist.

Damit war für mich klar: DAS Zeug gehört ausprobiert!!!

Warum ist das ein Geheimtipp?

Ganz einfach: Weil ich davon noch nie irgendwo gelesen oder gehört habe. Eine Googlesuche bringt massig Seiten und Rezepte hervor, die sich mit Shirataki beschäftigen, aber betrachtet man den Nutzen, ist es dennoch auffällig, dass ich sowas noch nie als neues Diät-Wundermittel angepriesen fett auf dem Cover der „Bild der Frau“ etc. gesehen habe.

Dabei ist das doch eine Sensation: Nudeln, die keine Kalorien haben! Kucken wir uns das nochmal genauer an:

Eine Packung vom Asialaden hat 180gr (Abtropfgewicht) und damit 9kcal. Die gleiche Menge gekochter Nudeln hat laut fddp-Rechner 264kcal. Bämm! Und dazu kommt der Umstand, dass sie nicht so satt machen wie Shirataki. Für mich ist eine Portion ungekochte Nudeln, von der ich auch satt werde, gut 100gr – und die haben gar 362kcal!

Ich würde behaupten: DAS ist ne Marke!! Und trotzdem gibt’s dazu nur Schweigen im Walde. Warum das wohl so ist?

Ich hatte im Bereich Diät, aber auch Gesundheit allgemein, schon öfter das unangenehme Gefühl, dass Dinge oder Maßnahmen, die WIRKLICH helfen, gerne unter den Teppich gekehrt werden (das ist übrigens auch der einzige für mich vorstellbare Grund, weshalb „Fettlogik überwinden“ NICHT zum Bestseller werden könnte). Ich weiß, das klingt wie ne dumme Verschwörungstheorie, aber nur, weil Impfgegner ihr Ultimate Evil in der Pharmalobby gefunden haben und das absolut lächerlich ist, heißt das ja noch lange nicht, dass die Pharmalobby nur aus lauter Mutter Theresas besteht, die ganz uneigennützig gegen lediglich einen kleinen Unkostenaufwand der Menschheit helfen wollen. Und die sogenannte Diätindustrie ebenfalls nicht!

Es gibt massig Sättigungspillen auf dem Markt, die Unsummen an Geld kosten. Dabei ist Konjakmehl, das man z.B. über Amazon beziehen kann,
nicht nur deutlich günstiger, sondern hat auch von allen Naturprodukten die höchste Wasserbindungskapazität (nämlich das 50fache seines Eigengewichts), sprich die beste Quellwirkung: Schluckt man Konjakmehl (entweder in Wasser oder Joghurt gelöst oder als Pulver in Gelatinekapseln), dehnt es sich im Magen aus und vernichtet damit jegliches Hungergefühl.

Natürlich birgt sowas auch Missbrauchspotential und ich bin mir sicher, dass spätestens an dieser Stelle einige Diätgegner nun auf die Barrikaden gehen werden (Donotlink nicht vergessen, Mädels!) – aber dieses Risiko besteht bei herkömmlichen Sättigungspillen ja auch! Und diese enthalten dann möglicherweise auch noch chemische Bestandteile, die wesentlich ungesunder sind.

Um hier mal einen Disclaimer zu setzen: Ich bin weder Ernährungsexpertin, noch Biochemikerin. Ich übernehme keine Verantwortung, wenn jetzt jemand hingehen will und denkt, ein paar Gramm Konjakmehl am Tag könnten jede vernünftige Mahlzeit ersetzen. Sowas ist völlig Banane und ich komm mir schon blöd vor, das überhaupt erwähnen zu müssen.
Ich gebe nur meine Beobachtungen wider – und die sagen mir, dass es merkwürdig ist, dass ein Stoff, der als Lebensmittelzusatz zugelassen ist und im Rahmen einer vernünftigen Diät und bei ordnungsgemäßer Anwendung einige eindeutige Vorteile bietet, mir so völlig unbekannt war. Deshalb halte ich Shirataki für einen Geheimtipp!

Wo kriegt man das Zeug her und wie bereitet man es zu?

Das Internet wusste zu berichten, dass man Shirataki-Produkte in Asialäden findet und genauso war es auch. Darüber hinaus führen manche Bioläden diese Nudeln, wobei der Preis dort meistens um ein Vielfaches höher liegt.

Tatsächlich sind die Nudeln, die als Portionspackungen daher kommen, mit 1,70€ (in meinem Asiamarkt) deutlich teurer als eine Packung herkömmliche Nudeln, aus denen man ja darüber hinaus auch mehrere Mahlzeiten bereiten kann, aber in Anbetracht der kalorientechnischen Vorteile nehme ich das gerne in Kauf.

Wahre Horrormeldungen fand ich dann von einigen Erstnutzern über eine Eigenart der Shirataki: Die Lake, in der sie angeboten werden, hat nach dem Öffnen einen eigentümlichen Fischgeruch (OBWOHL vegan), was viele Menschen abschreckt. Ich durfte feststellen, dass dieser Geruch längst nicht so schlimm ist wie behauptet, aber wie das auf Leute wirken mag, die generell keinen Fisch mögen, kann ich natürlich nicht beurteilen.
Trotzdem: Nachdem man die Nudeln, so wie es sein soll, gewaschen und kurz (1-2 Minuten!) gekocht hat, war davon nichts mehr übrig!

Und wenn ich „nichts“ sage, MEINE ich nichts: Shirataki haben so gut wie keinen Eigengeschmack, weshalb man sie ordentlich mit der Soße vermischen und ein wenig ziehen lassen sollte.

Aber was kann man damit nun zaubern? Zum Beispiel das:

Rezept

Bei meinem erstem Versuch (dem inzwischen einige gefolgt sind) wollte ich mich nicht allzu weit von den Wurzeln entfernen und Shirataki asiatisch zubereiten. Unglücklicherweise mag ich die asiatische Küche bis auf wenige (vermutlich für den Westen weichgespülte) Ausnahmen nicht allzu sehr und kenne mich deshalb auch nicht so wirklich gut aus. Dennoch möchte ich euch mein Ergebnis präsentieren und wenn ihr beim Thema asiatisches Essen besser Bescheid wisst, könnt ihr das ja gerne noch mit mehr Gemüse etc. ergänzen 🙂

Ihr braucht:
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1 Packung Shirataki
225gr King Prawns/Scampi (TK)
1 rote Paprika (ca. 200gr)
3-4 Frühlingszwiebeln (ca. 115gr)
1 große Karotte (ca. 140gr)
1 Esslöffel Sonnenblumenöl (ca. 15gr)
30gr Sojasoße
100gr Soße süßsauer
1 Chilischote (optional)

ca. 650 kcal

Das Gemüse schneiden: Die Paprika in dünne Streifen, die Frühlingszwiebeln in Ringe. Für die Karotte empfehle ich einen Julienne-Schneider, den es für 2-4 Euro in jeder Küchenabteilung gibt und mit dem man auch ganz easy Gemüsespaghetti machen kann, aber ihr könnt sie natürlich auch in kleine Würfel oder so schneiden!

20150518_182116Das Gemüse in einer gut beschichteten Pfanne (oder Wok) mit einem Esslöffel Öl vorsichtig anbraten.

In der Zwischenzeit die Shirataki waschen, ca. 1-2 Minuten kochen und abgießen.

Die abgetropften Shirataki zu dem Gemüse geben und gut vermischen. Die aufgetauten Scampi dazu.

Sojasoße dazu und kurz einkochen lassen. Die süßsaure Soße dazu und gut vermischen. Das Ganze noch ein paar Minuten köcheln oder ziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Voilá!

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Fazit

So, halten die Wundernudeln nun, was sie versprechen? Im Klartext: Sind Shirataki-Nudeln so lecker wie normale Pasta?

Nein, ganz eindeutig nicht. Ihre Konsistenz erinnert an Glasnudeln und ist leicht gummiartig, womit sie geschmacklich mit normalen Nudeln absolut nicht mithalten können. Trotzdem mag ich meine Shirataki-Kreation sehr gerne, wobei ich mich, trotz der Beteuerung von Shirataki-Fans, die Nudeln würden auch zu allen anderen herkömmlichen Pastasoßen passen, bisher noch an kein anderes Rezept getraut habe, weil ich mir Shirataki in Käsesoße einfach nicht vorstellen kann!

Dennoch: Sie sind im Rahmen einer Diät eine fast kalorienfreie Alternative für herkömmliche Sättigungsbeilagen und für jeden mit dem Wunsch abzunehmen zumindest einen Versuch wert. Vielleicht findet ihr ja Gefallen daran!


Weitere Beiträge zur Themenwoche:
Der ewige Kampf
Fatshaming und Fatacceptance
Buchtipp
The war is won!
Meine Diät!
Rezepttipp: Der Teig ohne Mehl!
Bonus – das beste Rezept der Welt! (Zum Mitmachen!)

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Der Endgegner im Badezimmer 6: Rezepttipp: Oopsie!

Auf der Suche nach leckeren und sättigenden Gerichten, die in meine kalorienreduzierte Diät passen, erwartete ich eigentlich keine neuen Sensationen. Umso härter traf mich daher der Schlag: Oopsie!

Und das ist in der Tat nicht das, was ich reflexartig von mir gebe, wenn mich wieder mal der Schlag trifft (der Vollständigkeit halber: Das wäre „Ah, Fuck!!“), sondern der Name des Corpus Delicti.

„Oopsie“ ist eine Art Teig und in der LowCarb-Küche zuhause. Das Zeug enthält nämlich kein Mehl. Nicht ein Krümel! Der Grundteig besteht nur aus Eigelb, Eischnee und Frischkäse (nebst einigen Variationen und natürlich Gewürzen).

Ich bin zufällig bei Frau Yu drüber gestolpert und zog erstmal die Nase kraus, als ich das Rezept sah. Ein Teig aus Eiern und Frischkäse? Die erste Frage, die ich mir selbst stellte, war dann interessanterweise nicht „Schmeckt das?“, sondern „Und das soll weniger Kalorien haben als normaler Teig?“

Womit wir wieder mal bei dem Beweis angekommen wären, dass Kalorienzählen der Eckpfeiler jeder bewussten Ernährung sein sollte und man sich dahingehend auf sein Gefühl null verlassen kann. Denn so ging es weiter:

Ich war sofort elektrisiert und machte mich umgehend an einen Vergleich. Wie viele Kalorien hat normaler Pizzateig?

Da ich selbst Hefeteig nie nach Rezept, sondern nach Gefühl mache und deshalb nicht weiß, wie viel von allem in meine Version genau reinkommt, nahm ich einfach das erste Rezept, das mir Chefkoch für „Pizzateig Blech“ präsentierte. Dieses enthält an relevanten, da kalorienhaltigen Substanzen 300gr Mehl und 2 Esslöffel Öl (Hefe, Gewürze und natürlich Wasser kann man hier meiner Meinung nach vernachlässigen). Und diese beiden Komponenten allein enthalten nun laut FDDB-Rechner 1300 Kalorien.
Tausend. Fucking. Dreihundert!!

Ich war relativ entsetzt und das änderte sich auch wenig, als ich auch noch gekauften Pizzateig überprüfte, auf den ich aus Faulheitsgründen oft zurück greife, statt selbst zu kneten. Der „frische Pizzateig mit feinem Olivenöl“ von Rewe hat dann auch tatsächlich „nur“ ca. 970 Kalorien.

Damit war klar, dass mich mein inneres Kalorienlexikon wieder mal verarscht hat und Oopsie-Teig plötzlich recht interessant aussah. Ich schmiss also meinen Ernährungsplan für diesen Tag über Bord, sah mir noch ein paar Rezepte an und ging einkaufen.

Da es hierbei dutzende Variationen zu geben scheint, entschied ich, mich mengenmäßig an Frau Yus Rezept zu orientieren, aber da ich von ihrem Ernährungsprogramm LCHF (das steht für „low carb, high fat“) leider nicht wirklich überzeugt bin, ersetzte ich den Frischkäse „Sahnestufe“ mit Buko Kräuterkäse, der nur 16,5% Fett enthält. Andere Rezepte sprachen hier sogar von Magerquark, also hielt ich das für einen ganz guten Kompromiss.

Und dann konnte es auch schon losgehen!

Oopsie-Flammkuchenteig

4 Eier (ca. 220gr)
100gr Kräuterfrischkäse (Buko)
bisschen Hefe
Salz, Pfeffer
(ca. 500 kcal)

Die Eier trennen und das Eiklar zu festen Eischnee schlagen. Das Eigelb mit dem Frischkäse, der Hefe und den Gewürzen zu einer glatten Masse schlagen. Den Eischnee unterheben.

Das Ergebnis ist kein knetbarer Teig, sondern eine recht flüssige Masse. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech kippen und mit einem Löffel glattstreichen bzw. verteilen.

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An dieser Stelle stellte ich fest, dass mir die Masse zuviel war, denn Flammkuchen sollte meiner Meinung nach sehr dünn sein, also habe ich etwa ein Fünftel der Masse zurück behalten (zur späteren Verwendung – ich kippe nicht gern Essen weg). Der Teig auf dem Blech hatte demnach ziemlich genau 400 Kalorien.

Den Teig bei ca. 210 Grad für etwa 10 Minuten im Ofen vorbacken und dann rausnehmen. Nun kann er belegt werden!

(In einem Youtube-Video, das ich mir dazu angesehen habe, wurde behauptet, dass man den Teig nun umdrehen sollte, da die Oberseite nicht so glatt wäre wie die Unterseite und darum die Pizza matschig werden könnte, weil die Soße einsickert. Da meine Oberseite aber SEHR glatt war, die Unterseite dagegen logischerweise wie bei allem was man backt porös, habe ich darauf verzichtet.)

Gerne hätte ich ausprobiert, wie eine Pizza mit Oopsie-Teig schmeckt, aber da ich ja immer noch auf Diät bin, habe ich mich für die käse- und salamifreie und damit kalorienärmere Flammkuchen-Variante entschieden. Der Belag bestand darum aus

80gr Créme Fraiche
1 mittelgroßen Zwiebel (ca. 85gr)
75gr Schinkenwürfel light
(ca. 350 kcal)

Alles schön verteilen, darüber kamen dann noch ein paar Kräuter der Provence. Ab in den Ofen für ca. 15 Minuten – und schon hatte ich dieses Ergebnis:

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Insgesamt hatte dieses Gericht ca. 750 Kalorien, was ganz gut in meinen Ernährungsplan passt.

Satt bin ich davon geworden. Aber ganz so unwichtig ist der Geschmack ja nun doch nicht. Also: Wie lecker war nun mein Oopsie-Flammkuchen?

Ich muss sagen, dass der Teig mich ziemlich überrascht hat. Er war entgegen meiner Erwartung null matschig, sondern sogar sehr kross. Nicht auf eine Hefeteigart, sondern eher krümelig, wie man das von einem zu lange gebackenen Rührei erwartet. Denn ja, selbstverständlich schmeckte der Teig sehr eierlastig, während der Frischkäse eigentlich überhaupt nicht identifizierbar war – was aber auch an meiner falschen Dosierung lag. Offensichtlich habe ich mir nämlich zu viele Rezepte angesehen, war dann verwirrt und habe vier Eier genommen statt den von Frau Yu veranschlagten zwei. Argh. Damit wäre wohl auch das Problem der überflüssigen Masse gelöst und der Frischkäse dominanter gewesen.
Trotz dieses Fails muss ich sagen, dass dieser dünne Teig doch überraschend flammkuchenartig geworden ist. Das Gesamtergebnis war durchaus etwas trocken – aber das ist normaler Flammkuchen ja auch. Dennoch würde ich beim nächsten Mal ein bisschen mehr Créme Fraiche nehmen.

Fazit:
Ist Oopsie-Teig ein gleichwertiger Ersatz für Hefeteig? Hier muss ich sagen: nein. Geschmacklich kann Oopsie da leider nicht mithalten, auch wenn ich demnächst eine richtige Oopsie-Pizza ausprobieren will und darauf schon sehr gespannt bin.
Dennoch ist Oopsie nicht nur in dieser Form (denn man kann daraus auch noch Burgerbrötchen machen und vieles mehr – einfach mal wild googlen oder bei Frau Yu stöbern!) im Rahmen einer Diät eine gute Alternative, denn wie man sieht, enthält der Teig nur ein Bruchteil der Menge an Kalorien von normalen Hefeteig. Zudem ist er, sofern man ein Rührgerät sein Eigen nennen darf, furchtbar einfach und schnell herzustellen. Und das ist definitiv Grund genug, um dem Oopsie mal eine Chance zu geben – so dämlich sein Name auch ist!

Zum Schluss noch ein paar Nährwertangaben:

oopsie

Der Vollständigkeit halber möchte ich hier nochmal erwähnen, dass eine normale Tiefkühlpizza, in diesem Fall mein Favorit, „Die Ofenfrische Pepperoni-Salami“, ganze 900 Kalorien hat – und das MIT krass fettigem Belag. Da für mich jedoch eine Tiefkühlpizza, eine selbstgemachte Pizza, eine Lieferdienst-Pizza und eine Restaurant-Pizza vier völlig unterschiedliche Gerichte sind (und ja, mir wurde schon oft gesagt, wie bescheuert das ist), möchte ich hier nicht einfach die Tiefkühl-Variante empfehlen, auch wenn das eigentlich geschmacklich und kalorientechnisch am sinnigsten wäre – sofern man nicht wie ich auf die Tiefkühlpizza noch mehr Käse und anderes Zeug draufschmeißt!


Weitere Beiträge zur Themenwoche:
Der ewige Kampf
Fatshaming und Fatacceptance
Buchtipp
The war is won!
Meine Diät!
Geheimtipp: Die Nudel ohne Kalorien!
Bonus – das beste Rezept der Welt! (Zum Mitmachen!)

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.

Der Endgegner im Badezimmer 5: Meine Diät!

„Gott ist mein Zeuge: Ich werde mich NIE WIEDER SATT ESSEN!“
– Homer Simpson

So, die schlimmsten Vorurteile alle bestätigt? Alle wieder wach? Na dann kann’s ja mit Verspätung weiter gehen 😀

Nachdem ich euch in Teil 4 erzählt habe, welche Erkenntnisse das Buch für mich bereit hielt, möchte ich heute vorstellen, wie meine Diät genau aussieht!

Wie schon gesagt, das Buch ist kein Diätratgeber, aber am Ende fasst Nadja trotzdem in einer Tabelle ein paar Tipps zusammen und stellt die Vor- und Nachteile gängiger Gewichtsreduktionsmethoden dar, aus denen man sich dann bedienen kann.
Denn natürlich wirken Weight Watchers, Atkins etc. – aber halt nicht für alle. Sogar doofe, an sich sinnlose Regeln wie „nach 18 Uhr nichts mehr essen“ können funktionieren, beispielsweise bei jemanden, der abends vor dem Fernseher gerne noch viel nascht, ohne wirklich zu merken, was er da isst und wie viel und überhaupt. Lässt so jemand das weg, nimmt er zwangsläufig ab.

Was ich euch also vorstelle, ist keinesfalls als Aufforderung zu verstehen, es genauso zu machen. Ich zeige euch nur, was für MEINEN Lebensstil am besten passt und womit ich am besten klar komme. Wenn ihr das versuchen wollt und damit Erfolg habt, freut es mich, aber an sich müsst ihr selber kucken, wo ihr bei euch ansetzen könnt.

Hier also die Bausteine meiner Diät!

Vitamine

Ok, das ist kein Diättipp im eigentlichen Sinne, sondern doch für jeden etwas.
Mehr am Rande erwähnte Nadja im Buch, dass sie, um einige Mängel auszugleichen, zum Start ihrer Diät anfing, Vitamintabletten zu nehmen. Ohne allzu sehr drüber nachzudenken oder mir etwas davon zu versprechen latschte ich also am Anfang auch einfach mal in den DM und kaufte mir eine Packung Multivitamintabletten. Ich nahm ab da eine Tablette täglich und erwartete im Prinzip gar nichts davon.

Boom: Schon drei Tage später konnte ich eine spürbare Verbesserung feststellen. ÜBERALL. Und das ist jetzt immer noch so: Ich bin fitter, konzentrierter, besser drauf und habe eine gesündere Gesichtsfarbe. Meine Haare, die mir in den vergangenen Monaten viel Kummer bereitet haben, sind weniger trocken und glänzen wieder (statt auszufallen – trotz Diät! Man stelle es sich vor! Ein Wunder!). Und als ich meine Tage bekam, stellte ich völlig verdattert fest, dass ich fast keinerlei Menstruationsbeschwerden hatte. Warum das so ist, weiß ich nicht (bei Twitter wurde Zink, Eisen etc. vermutet), aber zum ersten Mal seit Jahren musste ich während meiner Periode keine Schmerztabletten nehmen.

Das ist alles echt unglaublich, vor allem, da ich bisher der Vorstellung aufgesessen war, dass der Körper Vitamine in Tablettenform sowieso nicht wirklich verwerten kann, und das, obschon ich vom Wandern aus eigener Erfahrung weiß, dass Magnesiumtabletten SEHR WOHL helfen. Ich glaube immer noch nicht, dass der Körper ALLES verwertet, aber selbst ein bisschen ist besser als nichts, oder?

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin kein Fan von Tabletten und fände es besser, wenn ich diese Vitamine durch die Nahrung aufnehmen würde. Aber sehen wir doch der Tatsache ins Auge: Das werde ich nie schaffen. Ich werde nie zu den Menschen gehören, die täglich Obst und Gemüse essen und das auch noch in Mengen, die vitamintechnisch interessant sind. Und da bin ich doch wohl wirklich nicht die Einzige.
Deshalb empfehle ich Vitamine für jeden, ob er abnehmen will oder nicht. Der Unterschied ist enorm.

Intermittierendes Fasten

Wat’n Wort, hm? Dahinter verbirgt sich aber an sich nix kompliziertes.
Intermittierendes Fasten bedeutet, nur einmal am Tag zu essen. Das klingt auf den ersten Blick ungesund, ist es aber nicht. Ich war jahrelang der Ansicht, man müsse mindestens dreimal am Tag essen (eine Zeitlang hieß es sogar fünfmal am Tag, aber davon scheint man wieder abgekommen zu sein) , um den Stoffwechsel im Gang zu halten. Wie wir jetzt wissen, ist das Bullshit: Mein Stoffwechsel arbeitet, ob ich heute was esse oder nicht.

Im Gegenteil sind zu viele Mahlzeiten am Tag gar nicht mal so gut. Der Körper verlernt nämlich auf diese Weise, Insulin richtig zu regulieren, da er sich drauf einstellt, nach wenigen Stunden schon wieder neue Nahrung zu kriegen. Fällt nun aber mal eine Mahlzeit aus, reagiert er mit brüllenden Hunger. Glücklicherweise kann er sich auch wieder umgewöhnen (und das ist bei mir nun längst passiert).

Das war für mich eine wundervolle Erkenntnis. Ich gehöre nämlich zu den Leuten, die morgens einfach keinen Hunger haben. Ich koche mir nach dem Aufstehen grünen Tee mit Pfefferminz und das ist über Stunden das einzige, was ich zu mir nehme – zu mir nehmen WILL.
Jahrelang suchte mich tagtäglich morgens der Gedanke heim, wie schlimm das doch sei. Meine persönliche Empfindung, einfach noch nichts essen zu wollen, wurde von mir selbst permanent verteufelt. Kein Wunder, dass du nicht abnimmst, wenn du morgens deinen Stoffwechsel nicht in Gang bringst, dachte ich. Und so kam es, dass ich bei meinen vielen erfolglosen Versuchen, meine Ernährung umzustellen, mir häufig morgens etwas reinquälte, obwohl ich gar keinen Hunger hatte. Psychologisch ist das unklug: Natürlich ist ein Körnerbrötchen mit Putenbrust sehr geil, aber wenn ich keine Lust drauf habe, „zählt“ das für mein Unterbewusstsein gar nicht wirklich. Wenn ich so etwas morgens esse, obwohl ich gar nicht will, habe ich schon ca. 300 kcal verschwendet, ohne das Gefühl zu haben, tatsächlich was gegessen zu haben! Auf diese Weise kommt man dann auch leicht über seinen Tagesbedarf an Kalorien: Was man sich reingezwängt hat, kommt einem im Kopf schlicht nicht wie Essen vor.

Das Gleiche abends. Regeln wie die oben genannte („Nach 18 Uhr nichts mehr essen“) ärgern mich wirklich unglaublich. Wann immer in solchen Glaubenssätzen eine Uhrzeit auftaucht, schalte ich auf Durchzug, weil das völlig außer Acht lässt, dass nicht jeder Mensch den gleichen Tagesrhythmus hat. Ich arbeite häufig nachts und bis in die frühen Morgenstunden – warum sollten für mich die gleichen Uhrzeiten gelten wie für jemanden, der fünf oder sechs Stunden früher ins Bett geht und demnach auch fünf oder sechs Stunden früher aufsteht als ich? Das macht doch gar keinen Sinn!

Ich habe am Anfang meiner Diät mich selbst beobachtet und festgestellt, wie meine „Appetitkurve“ verläuft: Nach dem Aufstehen (bei mir normalerweise so um 11, 12 Uhr) dauert es gut 4, 5 Stunden, bis ich ersten (leichten) Hunger kriege. Esse ich dann etwas, kriege ich vor dem Schlafengehen nochmal Hunger. Warte ich dagegen noch ein bisschen, ist der Hunger vorm Schlafengehen lediglich ein leichter Appetit – und lustigerweise nach meiner Schlafphase wieder völlig weg.

Das war für mich Grund genug, das intermittierende Fasten einmal auszuprobieren – und es läuft super. Ich esse nun einmal am Tag irgendwann zwischen 18 und 21 Uhr meine große Mahlzeit und komme damit wunderbar aus. Am Anfang war das natürlich ein paar Tage lang ne Umstellung, aber Kreislaufprobleme, die man als Außenstehender da vielleicht erwartet, sind ausgeblieben. Es ist einfach eine Methode, die meinem Lebensstil und meiner persönlichen Neigung sehr entgegen kommt und darum sind sowohl ich als auch mein Körper völlig ok damit!

Das hat außerdem den Vorteil, dass ich all meine erlaubten Kalorien für den Tag in eine einzige Mahlzeit investieren kann. Da ein Tag ohne eine große Hauptmahlzeit für mich wirklich eine Qual ist, ich aber auf Zwischenmahlzeiten leicht verzichten kann, kommt mir das sehr entgegen.

(Der Vollständigkeit halber: Es gibt noch eine andere Methode intermittierenden Fastens, bei der man NUR ALLE ZWEI TAGE ISST – dann aber wohl mehr als einmal. Das wollte ich noch erwähnen, auch wenn das für mich gar nicht in Frage kommt.)

Kalorienzählen

Das ist ein Punkt, den ich tatsächlich für ziemlich essentiell halte, obwohl das „intuitive“ Abnehmen, bei dem man einfach auf etwas bestimmtes verzichtet, ohne sich groß mit Zahlen zu beschäftigen, natürlich auch funktionieren kann. Aber ich denke trotzdem, dass man, vor allem bei einem großen Abnehmziel, ohne Zählen nicht wirklich auskommt. Warum, habe ich ja schon im letzten Beitrag ein bisschen ausgeführt, aber im Folgenden noch ein wenig mehr dazu.

Ich benutze den von Nadja empfohlenen fddb-Rechner, den es auch als App gibt. Seitdem trage ich wirklich so gut wie alles ein, was ich zu mir nehme. Da waren dann teils unangenehme Überraschungen dabei. Ich meine, jeder Mensch weiß, dass Öl viele Kalorien hat, aber wie viele tatsächlich, hatte ich einfach nicht auf den Schirm. Ein Esslöffel mit 15ml sind bereits ca. 130kcal. Ich habe bis vor kurzem gut doppelt und dreifach so viel zum Braten, für Salatsoße o. ä. verwendet.

Brauche ich das? Ich habe festgestellt: nein. Es geht auch mit weniger. Und ich habe schlicht keinen Bock, ein Gutteil meiner täglichen Kalorienmenge nur in Öl zu investieren.

Gleichzeitig durfte ich auch ebenso überrascht feststellen, dass einige Mahlzeiten, von denen ich dachte, dass sie eine kalorientechnische Katastrophe darstellen, gar nicht so schlimm sind. Beispiel Pizza: Meine favorisierte Tiefkühlpizza hat selbst mit dem Extra-Käse und anderen Sachen, die ich da zusätzlich noch draufschmeiße (z.B. Oliven) nur ca. 1300 kcal (und ohne den ganzen Scheiß sogar nur 900!). Das ist nicht grade wenig für eine Mahlzeit, aber immer noch weit unter meinem Tagesbedarf. Momentan verzichte ich darauf weitgehend, aber der Gedanke, so etwas später wieder völlig ohne Konsequenzen auf der Waage essen zu können, ist nicht nur motivierend, sondern tötet auch jegliches schlechte Gewissen, dass ich dabei immer hatte. Und ohne schlechtes Gewissen mehr Genuss bei dieser käsigen Köstlichkeit! Das gefällt mir SEHR.

Kalorienzählen hat außerdem den schon erwähnten Vorteil, dass die Gewichtsabnahme berechenbar wird. Eine Zunahme oder Stagnation auf der Waage aufgrund von Wassereinlagerungen kann ich ganz gelassen sehen, wenn ich weiß, dass ich in Anbetracht meiner Kalorienmenge unmöglich an Fett zugenommen haben kann.

Gewohnheiten hinterfragen

Dieser Punkt hängt stark mit dem letzten zusammen. Hier geht es darum, sich selbst zu beobachten und zu sehen, wo Kalorienfallen lauern – und sich zu fragen, ob man da tatsächlich reintappen muss.
Das nächste wird nun ein bisschen peinlich, aber es macht einfach nur wunderbar deutlich, was ich meine:

Nachdem ich im Buch wieder die Rechnung 7000kcal = 1 Kilo Fett gelesen habe, hab ich mich mal hingesetzt und ein bisschen rumkalkuliert. Speziell ging es mir dabei darum, wie viele Kalorien ich durch Cola ich mich schütte.
Zuhause trinke ich eigentlich nur ungesüßten Tee und Wasser, aber durch meine Arbeit in einer Kneipe und meine angeborene Partymentalität (sowie meinem Hang zur Eskalation) komme ich häufiger als andere in die Verlegenheit, Alkohol zu trinken. Mein liebstes Getränk ist Jack Daniel’s mit Cola, aber auch andere Longdrinks mit Limo. NATÜRLICH wusste ich, dass sowas nicht grade wenig Kalorien hat – aber wird schon nicht so schlimm sein, oder?

Falsch: Ich habe allein im letzten halben Jahr mit der Cola nur aus meinen Longdrinks ELFTAUSEND Kalorien in mich reingeschüttet. Elf! Tausend! Kalorien! Das sind mehr als eineinhalb Kilo ALLEIN IM LETZTEN HALBEN JAHR, die ich NUR DURCH COLA zugenommen habe. Bämm!

Diese Zahl zu lesen war ein Schock. Und dabei war das, wenn ich ehrlich bin, sogar recht konservativ geschätzt -.-

Seit dieser Erkenntnis trinke ich Cola Zero und Cola Light in meinen Longdrinks. Mag ich pur beides nicht so, aber als Mischgetränk ist es völlig in Ordnung. Ich habe früher die Leute ausgelacht, die sowas bei mir bestellt haben und werde jetzt auch von meinen Kolleginnen ausgelacht. Tja, Karma’s a bitch – aber wenn ich ihnen dann vorrechne, warum ich das mache, hören sie auf zu lachen und sind einfach nur fassungslos.

Das ist eine kleine Änderung mit großer Wirkung, durch die ich mich nicht im Mindesten eingeschränkt fühle. Vielleicht habt ihr ja auch solche Baustellen.

Kalorienreduktion

Überraschung: Wenn man abnehmen will, muss man weniger Kalorien essen! Soweit ja jetzt klar. Aber trotzdem will ich in diesem Punkt darlegen, wie viel genau ich reduziert habe und wie das aussieht.

Nadja hat den sehr extremen, aber in Anbetracht ihres starken Übergewichts und ihrer verletzungsbedingten Immobilität zu Beginn verständlichen Weg gewählt, ihre Kalorienzufuhr auf 500 kcal am Tag zu beschränken. Bedenkt man ihren hohen Tagesumsatz zu dieser Zeit, hat sie auf diese Weise 2,5 Kilo die Woche verloren. So hohe Ziele wären für mich und meinen Tagesumsatz nur durch massiven Sport zu erreichen. Auch wollte ich wenigstens bei allem Verzicht trotzdem noch was leckeres auf dem Teller haben und satt werden.

Ich stellte fest, dass das mit 500 kcal und ohne Eiweißzusätze, auf die Nadja zurück gegriffen hat, sehr schwer möglich ist, mit 600-800 kcal aber schon. Ich wollte ca. 7000 kcal die Woche sparen, um 1 Kilo die Woche zu verlieren, was mit solchen Mahlzeiten problemlos möglich war. Da ich an vielen Tagen sogar mehr als 1000 kcal am Tag sparte, war es mir damit sogar erlaubt, ab und zu über die Grenze von 950 kcal zu kommen (was 1000 kcal Ersparnis pro Tag bei mir entspricht), sei es, weil ich feiern gehen wollte (Alkohol *hust) oder doch mal was „richtiges“ essen, um die Motivation nicht zu verlieren.

Viele werden bei einer so geringen Kalorienmenge am Tag die Hände über den Kopf zusammen schlagen und finden, dass sowas unmöglich gesund sein kann. Aber dem ist nicht so. Die scheinbar in Stein gemeißelte Untergrenze von 1000 kcal am Tag, die man niemals unterschreiten sollte, ist idiotisch. Den Hungermodus, in den man darunter unweigerlich fällt, gibt es schließlich nicht. Und es ist ebenso unlogisch anzunehmen, dass ich mehr Vitamine, Mineralstoffe etc. zu mir nehme, nur weil ich mehr Kalorien esse. Sind Nudeln mit Sahnesoße etwa besser als eine riesige Schüssel Salat mit Paprika, Tomaten und Hähnchenbrust, nur weil sie doppelt so viele Kalorien haben? Wohl nicht, ne. Wer die Entscheidung zu einer solchen niedrigkalorischen Ernährung mit kritischer Häme überschüttet (was leider bei Twitter passiert ist), da das ja ach so ungesund sei, gleichzeitig aber die Fresse halten würde (Fatshaming!!!einself), wenn man hinter die 500 noch ne Null dranhängen täte, hat doch einfach den Schuss nicht gehört!

Fett ist nicht völlig sinnlos, da der Körper es benötigt, um lipophile Vitamine zu verwerten, aber kein Mensch braucht davon so viel, wie ich mit meiner „normalen“ Ernährung zu mir genommen habe. Kohlenhydrate sind furchtbar lecker, aber auch die braucht der Körper eigentlich nicht in dieser Masse. Das einzige, was wir wirklich in größeren Mengen zu uns nehmen sollten, sind Eiweiße. Diese sind für die Muskeln essentiell, für die Zellstruktur, für alles. Und komfortabler Weise haben sie von allen drei Ernährungsbestandteilen die wenigsten Kalorien!
Ich habe mich also hingesetzt und Mahlzeiten zusammen gestellt, die in meine selbstgesteckte Grenze 600-800 kcal rein passen. Ich koche gerne, weshalb es sogar Spaß gemacht hat, hier neues auszuprobieren und zu entdecken. Ich durfte sogar feststellen, dass einige Gerichte, die ich auch vorher gerne gegessen habe, super in meinen Diätplan passen, wenn ich sie leicht modifiziere.

Hier eine kleine Auswahl meiner Diätgerichte:

Salat mit Hähnchenbrust, Tomaten, Paprika und Mozzarella
Salat mit Hähnchenbrust, Tomaten, Paprika und Mozzarella
Fischstäbchen mit Spinat - isn Kinderessen, aber ich steh total drauf
Fischstäbchen mit Spinat – isn Kinderessen, aber ich steh total drauf
Nochmal Salat, diesmal mit Thunfisch
Nochmal Salat, diesmal mit Thunfisch
Hähnchenbrust vom Grill mit Senf
Hähnchenbrust vom Grill mit Senf
Zucchini-Karotten-Spaghetti mit tomatiger Lachs-Käsesoße - ultralecker!!
Zucchini-Karotten-Spaghetti mit tomatiger Lachs-Käsesoße – ultralecker!!
Omlett mit Champignons und Speck
Omlett mit Champignons und Speck

Im Prinzip entspricht diese Ernährung einer Low-Carb-Diät bei gleichzeitiger Reduktion der Fettmenge. Einiges davon dürfte viele nicht ansprechen (gerade das Hähnchen vom Grill mit nichts als Senf dürfte wohl die meisten wenig befriedigen, obwohl ich es fast am liebsten esse – und das nicht nur, weil es von allen Gerichten die wenigsten Kalorien hat), aber mir schmeckt das meiste so gut, dass ich es wohl auch nach meiner Gewichtsreduktion weiterhin ab und zu essen werde.

Wer jetzt nachgerechnet hat wird feststellen, dass ich in den 5 Wochen meiner Diät nicht die angepeilten 5 Kilo abgenommen habe, sondern sogar 7. Das kann man durch zweierlei erklären: 1. ist bei diesen 7 Kilo mit Sicherheit auch einiges an Wasser dabei und 2. ist es durchaus möglich, dass ich an vielen Tagen einen höheren Tagesbedarf hatte als angenommen, vor allen bei sehr stressigen (=laufintensiven) Schichten in der Kneipe.

Ziele setzen

Ich will euch die Seite Kil-o-Meter ans Herz legen. Dort kann man wie auch beim fddb-Rechner seinen Fortschritt eintragen und die Seite rechnet dann für einen aus, wie lange man noch bis zu seinem Ziel braucht, wenn man genauso weiter macht. Bei mir sieht das momentan so aus:

kil-o-meter

kil-o-meter2

Mein Ziel ist 52kg – das Gewicht, mit dem ich vor 14 Jahren einfach nicht zufrieden sein konnte. Aber heute bin ich älter, habe ein besseres Körpergefühl und mehr Selbstvertrauen. 52kg klingt furchtbar wenig, entspricht bei mir aber einem BMI von 20,8, ist also vollkommen im Rahmen.

Ich bezweifle eigentlich, dass ich das so schnell schaffen werde. Grade am Anfang nimmt man immer sehr schnell ab. Außerdem wird sich mein Tagesbedarf mit sinkenden Gewicht auch reduzieren (hat er auch schon, nämlich von 1950 kcal täglich auf 1877). Dann kann es logischerweise bei gleicher Kalorienmenge nicht mehr so schnell gehen.
Trotzdem. Bei uns steigt Anfang August ein großes Familienfest und bis dahin werde ich meine Familie mich nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ich hoffe, dann zumindest in der Nähe meines Zielgewichts zu sein. Bei meinem letzten Heimatbesuch wog ich dann ca. 20kg mehr.

Ich sehe schon ihre Gesichter vor mir. Ihre absolute Fassungslosigkeit, die sich dann in Freude verwandeln wird. Sie werden mir gratulieren zu meinem Idealgewicht. Und DANN werde ich ihnen an den Kopf knallen, dass sie mich, als ich GENAU DASSELBE GEWICHT HATTE, immer fett genannt haben und sie mir damit mein Selbstvertrauen so vollständig zerbröselten wie nur möglich und mir meine Jugend zur Hölle gemacht haben. Und DAS wird ihnen hoffentlich ihr beschissenes Grinsen aus der Fresse wischen. IN YOUR FACE; BITCHES!!!

Ja, ich weiß, das ist schlecht für’s Karma, aber darauf freu ich mich trotzdem schon wie ein Schnitzel.

Sport

Den Punkt möchte ich erwähnen, obwohl ich aus Zeitmangel und Unlust bisher während meiner Diät üüüberhaupt keinen Sport gemacht habe. Das soll sich bald ändern, aber ob das alles dann weiterhin so gut funktionieren wird, darf bezweifelt werden. Auch Nadja hat ihre Kalorienzufuhr erhöht, als sie anfangen konnte, Sport zu machen, also werde ich das vermutlich auch tun. Und dann stellt sich natürlich die Frage, wie mein Körper auf Sport reagiert, wenn ich weiterhin nur einmal am Tag esse. Das werde ich beobachten und gegebenenfalls ändern müssen. Ich rechne hier mit Kreislaufproblemen. Andererseits bin ich die letzten Tage auf dem Jakobsweg immer ca. 13 km gegangen, bevor ich frühstückte und das war überhaupt kein Ding, aber das ist halt auch „nur“ Wandern. Mal sehen. Ich wollte diesen Beitrag jedenfalls nicht abschließen, ohne auf diese Gefahr hinzuweisen. Wenn ich merke, dass es mit einer Mahlzeit nicht klappt, esse ich halt an Sporttagen mehr.

Talking ‚bout Wandern…

Momentan bin ich wieder auf dem Jakobsweg (aka „Urlaub“) und da ich hier abnehmen werde, egal was ich veranstalte, und außerdem die Energie brauche, esse ich ca. 2-3 Mahlzeiten am Tag. Allerdings hat mir das Buch auch bei diesem Thema neue Impulse gegeben. Ich verzichte bei diesem Camino weitgehend auf Süßkram, esse nicht so viel Baguette (das hier eh recht Scheiße ist) und ernähre mich wesentlich eiweißlastiger – denn ein Sportler (und genau das bin ich die nächsten 10 Tage noch) braucht das für die Muskeln. Möglicherweise ist das ja der Grund für meinen bisher völlig ausgebliebenen Muskelkater, wer weiß. Sowieso klappt es dieses Mal richtig gut, was VIELLEICHT ja auch damit zusammen hängt, dass ich mit insgesamt 10kg weniger Gewicht an den Start gegangen bin als letztes Jahr.

Allgemein halte ich momentan zwar nicht wirklich Diät, aber ich versuche, mich nicht so dermaßen vollzustopfen wie die letzten Male. Der Camino ist zwar für mich eine Leidenschaft, der ich ganz sicher nicht wegen dem Gewichtsverlust nachgehe, aber dieser ist natürlich ein netter Nebeneffekt, der sich ganz automatisch zeigen wird. Nur werden es auf diese Weise vielleicht 3kg statt 2. Wird sich zeigen 🙂

Fazit: Meine Diät ist wesentlich ausgewogener als meine normale Ernährung und fällt mir geradezu lächerlich leicht, da ich nun einfach WEISS, dass die Maßnahmen funktionieren. Ich kaufe bewusster ein und werfe auf diese Weise auch weniger weg, wodurch ich Geld spare. Ich trinke weniger Alkohol, bin besser drauf und mag mich langsam wieder. Und meine ab und zu stattfindenden „normalen“ Mahlzeiten weiß ich nun wesentlich mehr zu schätzen.

Eine Ernährungsumstellung ist das dennoch nicht, wie behauptet worden ist. Es ist und bleibt eine Diät, die ich nicht ewig weiterführen werde, sondern beende, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Danach werde ich mir wieder alles gönnen, was ich vorher gerne mochte, aber darauf achten, im Schnitt nicht über meinen Tagesbedarf zu kommen. Da ich diese niedrigkalorische Diät nun schon fünf Wochen durchgehalten habe, sehe ich nicht, warum DAS dann ein Problem werden soll 🙂

Das Negativste, was man hierzu sagen kann: Schöne Scheiße, dass ich mir bei meinem USA-Trip vor zwei Monaten einen halben Kleiderschrank voll geiler Jeans gekauft habe, die mir alle bald nicht mehr passen werden.

Aber ich denke, ich werde darüber hinweg kommen 😀


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Rezepttipp: Der Teig ohne Mehl!
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Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.

Der Endgegner im Badezimmer 4: The war is won!

Dieser Teil baut auf dem letzten auf und behandelt, was ich durch das Buch gelernt habe – vor allem in Hinblick auf meine bisherigen Fehler. Er zeigt aber auch, warum gerade DAS so befreiend war.

Gewicht war, wie jetzt schon mehrfach gesagt, immer ein Thema bei mir, aber der Grund, warum ich mich entschieden habe, gerade jetzt eine ganze Themenwoche darüber ins Leben zu rufen, war tatsächlich das Buch, das ich gestern rezensiert habe, und meine darauf folgende Gewichtsabnahme.

Ich wählte als Einstieg einen alten Text, der zwei Dinge demonstrieren sollte:

1. Ich habe jahrelang unter diesem Thema gelitten wie Sau und
2. Ich habe sehr viele Fehler gemacht, die mir nicht bewusst gewesen waren.

(Einen geheimen dritten Grund, Leute zu beschämen, die zufrieden mit sich sind, gab es dagegen nicht, aber was rede ich mir überhaupt noch den Mund fusselig. Es interessiert mich nicht, was ihr da reinlesen wollt, dazu ist mir das Thema zu wichtig und zu schmerzhaft.)

Mir ist vor kurzem auf dem Fettlogik-Blog vorgehalten worden, dass ich ja selber dran Schuld sei, beim Abnehmen nie Erfolg gehabt zu haben. Der Meinung bin ich nicht. Natürlich bin ich sehr wohl „Schuld“ in dem Sinne, dass mir niemand Essen in den Mund steckt außer ich selber. Aber darüber hinaus gehe ich nicht mit. Die Autorin des Buches, das mir die Augen geöffnet hat, hat einen Doktortitel und ein abgeschlossenes Studium gebraucht, die sie befähigten, wissenschaftlich zu arbeiten, und die nötige Motivation, um sich monatelang durch all die Fettlogik zu wühlen und das Ergebnis zusammen zu tragen. Ich sehe nicht, warum es ganz allein in der Verantwortung jeden einzelnen liegen soll, eine solche Leistung nur für sich selbst zu vollbringen, wenn die Diätindustrie, Eltern, Zeitschriften, Werbung und sogar Ärzte genau diese ganzen falschen Mythen tagtäglich reproduzieren. NATÜRLICH glaubt man das. Alles andere ist für mich (auch das schrieb ich schon an der betreffenden Stelle) „neoliberales Scheißgelaber“.

Dennoch: Das Buch hat mir gezeigt, wo mögliche Fehlerquellen liegen könnten, aber finden (und beheben) muss ich sie alleine. Dafür ist mein erster Beitrag ganz gut – denn der steckt voller Fettlogik. Diese will ich im folgenden ein bisschen sezieren.

Wenn ich schreibe, dass ich weniger gegessen habe und trotzdem nicht abnahm, dann kann das schlicht und ergreifend nicht stimmen. Das ist physikalisch unmöglich. Vielleicht kamen mir die Mengen weniger vor, aber im Endeffekt zählen nur die Kalorien und DIE müssen gleich geblieben sein – oder zu hoch, wenn ich weiter zunahm.

Ich habe in meiner Jugend viel, viel Scheiße gebaut, wenn es um Abnehmen ging. Gleichzeitig war mir ja nur zu bewusst, dass jede Übertreibung in diese Richtung schnurstracks dazu führen könnte, mir meinen Stoffwechsel völlig zu vernichten. Bis vor ein paar Wochen war ich genau dieser Ansicht: Nicht nur habe ich einen sehr niedrigen Stoffwechsel von Natur aus – denn warum könnte ich sonst jemals dick geworden sein, obwohl ich doch nicht mehr esse als andere? – sondern habe diesen auch noch durch blöde Diäten zusätzlich kaputt gemacht.

Wie habe ich das denken und immer noch leben können? Der Stoffwechsel ist alles in unserem Körper, das arbeitet. Muskeln, Organe, Herzschlag, Verdauung, schlicht alles. Wäre der kaputt, wäre ICH kaputt und wäre er ungewöhnlich langsam, würde ich das durch ganz andere Symptome merken als nur durch ein paar Kilo zu viel. Das gilt im Übrigen für mich auch trotz Schilddrüsenunterfunktion, denn wie ich jetzt weiß, wird der marginale Wenigerverbrauch, der dadurch entsteht, durch fehlenden Appetit wieder komplett ausgeglichen.

Genauso wenig muss der Stoffwechsel „angekurbelt“ werden, weil er jede Minute jeden Tages seine Arbeit sowieso vollbringt. Was als Wundermittel angepriesen wird, um den Stoffwechsel anzukurbeln, ist in Wahrheit einfach nur verdauungsfördernd, aber sich einmal ordentlich auszuscheißen (sorry) fühlt sich gut an, hat aber nun mal nichts mit dem Stoffwechsel zu tun.

Eng damit verbunden ist die Story über den „Hungermodus“, in den man unweigerlich fällt, wenn man zu wenig isst. „Dann speichert der Körper alles, was er kriegen kann!“ – denn unser Körper ist der eines Tieres und hat permanente Panik davor, zu verhungern.

Auch das STIMMT NICHT. Führt man dem Körper mehr Kalorien zu, als er täglich braucht, speichert er das in Form von Fett, auf das er dann zurück greift, wenn Kalorien fehlen. Ein Körper mit hohen Fettreserven KANN gar nicht verhungern, weil noch genug da ist! Erst, wenn der Körperfettanteil unter ein sehr kritisches Level fällt, das man nur in Kriegsgebieten oder bei Magersüchtigen beobachten kann, fährt der Stoffwechsel runter, was aber innerhalb kürzester Zeit mit Organversagen und schließlich dem Tod einher geht.

Eigentlich ist das sehr logisch, weil unser Körper doch sonst eine echte Fehlkonstruktion wäre, aber ich habe an den Stoffwechselmythos und den Hungermodus nicht nur geglaubt, sondern hatte panische Angst davor!!

Jede einzelne Nahrungsaufnahme in den letzten Jahren war entweder von dem einen oder anderen Gedanken begleitet: „Oh Gott, das ist zu viel, ich nehme noch mehr zu!“ oder „Ok, das hat jetzt echt wenig Kalorien, aber was ist, wenn es ZU WENIG sind!? Hungermodus!! Kreisch!!“

Meint ihr, dass ich auf diese Weise essen wirklich unbeschwert genießen konnte? Hell no!!!

Allein das war also schon eine unheimliche Entlastung, auch wenn es natürlich ein bisschen doof ist, mir einzugestehen, dass ich mich mit den Mengen, die ich zu mir nehme, offensichtlich immer grandios verschätzt habe.

Dazu mein geschildertes Festival-Erlebnis: „Alle nahmen in dieser Zeit ab, nur ich nahm zu, obwohl wir genau dasselbe aßen und tranken!“ Dasselbe habe ich bei meinen Mitbewohnern beobachtet: Wir essen doch dasselbe, warum bin nur ICH speckig und die nicht?!
Ich musste über ein Jahr mit diesen beiden Typen zusammen leben, bis ich merkte, dass das gar nicht stimmt. Zwar haben sie sich mit mir zusammen an einem Tag vor dem Beamer ne Pizza und Eis reingeknallt, aber am nächsten habe ich mir ganz normal gekocht, weil ich das so mein ganzes Leben lang gewöhnt bin – während sie nur schnell ein, zwei Stullen auf die Hand genommen haben. Sei es aus Stress, Zeitmangel, wenig Appetit oder einer Mischung aus allem – wenn die Jungs mit mir zusammen sehr viel gegessen haben, haben sie das irgendwann wieder ausgeglichen, ich jedoch nicht!

Dazu kommt natürlich noch der unterschiedliche Grundumsatz. Da ich sehr klein bin, trotz Übergewicht noch verhältnismäßig leicht und eine Frau (=weniger Muskelmasse), haben die Jungs da einfach einen Vorteil. Unfair, ja – aber wenigstens logisch, auch wenn es nervt.

Grundumsatz ist ein gutes Stichwort. Das alles WUSSTE ich nämlich, also dass ich mit meinen Voraussetzungen weniger Kalorien täglich brauche. Trotzdem war mir die Schlemmerei ohne Konsequenzen immer ein ewiges Rätsel, als hätte ich ein Brett vorm Kopf gehabt!

Ziel darf also nicht sein, mich mit anderen zu vergleichen, die mehr Kalorien brauchen oder ihre einmalige Fresserei mit vielen niedrigkalorischen Tagen ausgleichen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein, sondern zu sehen, was ich brauche, wenn ich abnehmen will.

Und damit zu der riesigen Entlastung Nummer Zwei! Hatte ich bisher das Gefühl gehabt, es wäre mehr oder weniger reine Glückssache, ob ich abnehme oder nicht, zeigte mir das Buch schwarz auf weiß die Wissenschaft, die hinter Abnehmen steckt. Lustigerweise habe ich jahrelang alles verschlungen, was es zu dem Thema zu lesen gab, aber DIESE eine Information, die mir wirklich geholfen hätte, erfuhr ich erst kurz vor dem Buch aus dem dazu gehörigen Blog.

Um ein Kilo Fett zu verlieren, muss man nämlich 7000 kcal einsparen. Punkt. Mehr ist da nicht! (Um Verwirrung zu vermeiden: Manche Quellen sprechen von 9000 kcal, aber das ist falsch. Zwar hat ein Kilo Fett aus der Nahrung wirklich genau 9000 kcal, aber ein Kilo FettGEWEBE besteht ja nicht nur aus Fett, sondern auch aus Wasser, Gerüst für die Zellen etc. pp.!)

Als das endlich zu mir durchdrang, jauchzte mein inneres Mathenerdgirl, das immer Einsen in der Schule abgeliefert hat, begeistert auf. Plötzlich war Abnehmen berechenbar. Plötzlich war Abnehmen LOGISCH!!!

Natürlich braucht man dafür einen Bezugswert, womit wir wieder zum Grundumsatz kommen. Der Grundumsatz ist das, was der Körper verbraucht, um die normalen Funktionen aufrecht zu halten, und man sich sonst nicht bewegt. Dieser lag wegen meiner geringen Körpergröße etc. bei meinem Startgewicht von 72 kg bei mageren 1500 kcal am Tag.
Überrascht war ich aber, als ich meinen TAGESBEDARF berechnete – das ist wiederum der Kalorienverbrauch bei meiner normalen Betätigung. Da das bei mir sehr schwankt, habe ich in meinem Rechner zur Sicherheit den niedrigsten Aktivitätsgrad gewählt – und trotzdem schnellte mein täglicher Bedarf plötzlich hoch auf 1950 kcal.

Und das nach all den Jahren, in denen ich so auf die Angaben auf sämtlichen Produktpackungen geschimpft habe, weil die von einem viiiiel zu hohen durchschnittlichen Kalorienverbrauch von 2000 kcal am Tag ausgehen!!

Plötzlich musste ich also sehen, dass meine Voraussetzungen längst nicht so schlecht gewesen sind, wie ich immer geglaubt habe. Ich fasse noch mal zusammen:

– Mein Stoffwechsel ist in Ordnung
– Ich muss keine Angst haben vor dem Hungermodus
– Ich kann fast 2000 kcal täglich essen, ohne zuzunehmen

An dieser Stelle musste ich mir dann die Frage von mir selbst gefallen lassen: Wie um alles in der Welt bin ich TROTZDEM dick geworden?

Die Autorin hat an in mehreren Kapiteln dargelegt, wie unglaublich schlecht die Leute darin sind, die Kalorien in ihren Essen zu schätzen. Das beste Beispiel liefert sie selbst: Ein Salat, von dem ich sie immer, ohne es jemals nachgerechnet zu haben, glaubte, er hätte ca. 500 kcal, hatte in Wirklichkeit satte EINTAUSENDFÜNFHUNDERT, als sie es dann doch mal überprüfte. So krasse Fehleinschätzungen hatte ich jetzt nicht, doch ein paar Irrtümer, auf die ich stieß, waren mir dann doch mehr als genug.

So hatte ich irgendwann mal abgespeichert, dass Hühnchen ca. 100 kcal pro 100gr hat und Rinderhack ca. 110. Im Kopf rechnete ich also immer: „X Gramm Rind = X kcal.“ Die 10% hielt ich für vernachlässigbar. Sie wären es wohl auch – aber tatsächlich hat Rinderhack eben NICHT 110 kcal, sondern knapp über 200. Ich weiß nicht, ob ich mich damals, als ich mir das merkte, einfach nur verlesen habe oder ich es mit mageren Rindersteak verwechselt habe, jedenfalls stimmt es nicht. Das gleiche bei Spinat, das einzige Gemüse, das ich wirklich gerne esse: Jahrelang dachte ich, der hätte 30 kcal, obwohl es in meiner favorisierten Rahmspinat-Version fast 60 sind. Nichts davon ist so massiv wie bei Nadja, aber allein der Umstand, Ewigkeiten was falsches im Kopf gehabt zu haben!

Das Fazit des Buches lautet ganz kompakt: „Wer dem Körper weniger Kalorien zuführt, als er verbraucht, nimmt ab.“ Wer sich noch nie damit hat beschäftigen müssen, wird nicht verstehen, wie absolut revolutionär diese Erkenntnis ist. Andere Diäten, egal welche, gehen von so komplizierten Grundannahmen aus, dass man irgendwann wirklich das Gefühl hat, ob man abnimmt oder nicht ist ungefähr so berechenbar wie Roulette spielen: Natürlich muss jede Zahl irgendwann kommen, aber ob es die ist, auf die man setzt, ist pures Glück!

Und dazu der ganze andere Scheiß! „Keine Kohlehydrate vor dem Schlafengehen“, „Obst in rauen Mengen, außer Bananen, die sind evil“, „Mehr als ein Kilo im Monat abnehmen ist ungesund“, „Mindestens dreimal am Tag essen“ etc. blabla. Oder mein heimlicher Favorit: „Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler“ – was zur Hölle ich damit bitte anfangen?! Und natürlich: „Hungerstoffwechsel!!einself“

All diese dämlichen Regeln über Bord schmeißen zu können, weil sie Schwachsinn sind, war eine so unglaubliche Erleichterung, dass ich sie kaum in Worte fassen kann. Plötzlich konnte ich mir eine Diät ganz nach MEINEN Vorstellungen basteln, ohne auf sowas Rücksicht nehmen zu müssen! Und ich wusste, es würde funktionieren!

Und damit nochmal zu meiner Abnehmkurve, denn anhand derer wird ein weiterer Punkt gut ersichtlich:

gewicht

Hier habe ich fast täglich mein aktuelles Gewicht eingetragen. Ab Start meiner Diät habe ich fast jeden Tag über 1000 kcal gespart. Bedenken wir die Rechnung „7000 kcal = 1 Kilo“, müsste man zum Schluss kommen, dass „1000 kcal = ca. 140 Gramm“. Ich hätte also jeden Tag kontinuierlich 140 Gramm weniger wiegen müssen als am Tag davor – aber wie man sieht, ist dem nicht so. Die Linie geht nicht gerade nach unten, sondern im Zickzack!

An anderer Stelle habe ich über einen erfolglosen Diätversuch geschrieben:

„Vier Wochen zog ich mein Programm durch und verlor drei Kilo. Das war toll, aber dann wurde ich einmal schwach und aß abends bei einem Kumpel noch eine Pizza, obwohl ich mittags schon warm gegessen hatte.
Boom, die Waage sagte am Tag darauf: 1,5 Kilo mehr.

Ich hätte fast mein Zimmer auseinander genommen. Das ist einfach verdammt noch mal nicht fair, dachte ich. Ich kann mich nicht mein gesamtes Leben lang sklavisch an meinen Plan halten! Ich hasse diese Scheiße!!! Dann kann ich es ja auch gleich sein lassen!!!“

Ich denke, das illustriert meine bisherigen Probleme ganz gut! Nochmal: 7000 kcal = 1 Kilo. Um innerhalb eines Tages 1,5 kg zuzunehmen, müsste ich demnach 10.500 kcal essen und dazu käme dann ja noch mein Tagesumsatz, also fast 12.500 kcal. Ich will nicht sagen, dass das theoretisch unmöglich ist, aber ich denke, bei solchen Mengen an Essen hätte ich mit Sicherheit kotzen müssen.

An dieser Stelle wäre es wohl gut, eine andere Terminologie zu wählen, um zu erklären, was ich meine. Wenn ich ein Liter Wasser trinke, hat mein Körper ein Kilo ZUGENOMMEN, aber ANGESETZT hat er gar nichts, weil Wasser bekanntlich keine Kalorien hat. Natürlich kann es sein, dass ich nach einem Tag mit zwei Hauptmahlzeiten und Süßkram 1,5 kg mehr wiege, aber angesetzt habe ich nur einen Bruchteil, vielleicht 100-200 Gramm.

Der Grund hierfür ist Wasser. Unser Körper bindet mal mehr, mal weniger Wasser, das manchmal ausgeschieden wird, manchmal aber auch in größeren Mengen gespeichert. Nun ist das an sich nicht schlimm, aber bisher hat mir das jede einzelne Diät versaut, die ich jemals angefangen habe. Sich zu quälen, wenig Kalorien zu essen und am nächsten Tag TROTZDEM nicht abgenommen zu haben – oder sogar zugenommen!? Ich erklärte mir das jedes Mal mit meinem kaputten Stoffwechsel. Dabei war es in Wahrheit nur WASSER.

Die ganzen Zickzacks kommen genau dadurch zustande. Ich will nicht behaupten, dass mich das nicht ein bisschen ärgert, wenn ich nach einem Diättag plötzlich mehr wiege, aber zu wissen, woher es kommt, ist ebenfalls sehr erleichternd!

Zudem spielen die Hormone noch eine Rolle, die ebenfalls zu Wassereinlagerungen führen können. An den Tagen um den 10. 5. herum haben die mich sehr genervt, denn ich nahm zu und hielt das Gewicht tagelang, obwohl ich mich an meinem Plan gehalten habe. Aber wie man sieht, ging es danach weiter nach unten. Wenn ich das nächsten Monat zur gleichen Zeit meines Zyklus nochmal erlebe, kann ich mich in Zukunft darauf einstellen.

 


 

Das war jetzt alles nur als kleiner Einblick in die zermürbende Gedankenspirale, aus der das Buch mich befreit hat. Es mag total pathetisch klingen, aber es ist wirklich so: Ich fühle mich befreit. Von all dieser Scheiße erlöst zu sein, war die reinste Katharsis.

Die Erkenntnis, dass mein Gewicht nicht der Willkür des Schicksals ausgesetzt ist und ich zum Abnehmen Methoden bemühen muss, die tausend Faktoren mit ein beziehen, ohne zu erklären warum und die nur funktionieren, wenn man sich jeden Morgen dreimal gegen den Uhrzeigersinn im Kreis dreht oder Aszendent Schütze ist etc. pp. nimmt mir nicht die Arbeit ab, aber es erleichtert sie auf eine Art, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte.

Noch NIE habe ich so lange eine Diät ausgehalten und noch NIE war es für mich so einfach. Nun, da alles logisch ist, fällt es mir leicht, auf etwas zu verzichten, da ich anders als vorher auch weiß, dass es auch tatsächlich was bringt.

Und das Tollste: Ich weiß nun, dass es ein Verzicht auf Zeit ist. Denn meinen Kalorienbedarf zu checken, hat mir außerdem gezeigt, dass ich, sobald mein Ziel nur noch „Gewicht halten“ statt „Gewicht verlieren“ ist, alles essen darf. Wirklich alles. So wie ich mich bei den Lebensmitteln verschätzt habe, die viel mehr Kalorien hatten, als ich dachte, so war es auch umgekehrt. Wenn ich wollte, könnte ich schon jetzt jeden Tag zwei Pizzen essen – und würde nicht zunehmen. Und DAS ist etwas, auf das ich mich schon jetzt freue, auch wenn ich zuerst noch einige Kilos verlieren will.

Der Kampf ist noch nicht vorüber. Aber der Krieg gegen mich selbst ist beendet.

Ich bin frei.

Und morgen erzähle ich euch dann, wie meine Diät genau aussieht 🙂


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Der Endgegner im Badezimmer 3: Buchtipp „Fettlogik überwinden“

Vermutlich hat jeder Mensch, der mal im Laufe seines Lebens versucht hat abzunehmen, irgendwann mal einen Diätratgeber in die Hand genommen oder Zeitschriften zu dem Thema gewälzt. Und vermutlich hat das nie etwas gebracht und deshalb kotzt euch das alles jetzt sehr an.

Und trotzdem möchte ich euch heute ein Buch empfehlen, das überhaupt kein Diätratgeber sein will, aber in meinen Augen sämtliche Ratgeber für alle Zeiten überflüssig macht.

fettlogik

Zur Autorin
Dr. Nadja Hermann hat Psychologie studiert, in dem Fach auch promoviert und ist heute Therapeutin. Bezüglich der Gewichtsprobleme liest sich die Biographie der Autorin aber sehr ähnlich wie meine: Sie war schon als Kind übergewichtig, hat im Laufe ihres Lebens eine Diät nach der anderen angefangen und wieder abgebrochen und gab schließlich auf mit der Gewissheit, dass manche Menschen einfach nicht für Normalgewicht gemacht sind. Nur brachte sie anders als ich am Ende nicht ein paar Kilo Übergewicht auf die Waage, sondern satte 150 Kilo auf 1,75 Körpergröße.
Zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit Fat Acceptance und war froh über die dort herrschende Meinung, dass Übergewicht eigentlich überhaupt nichts mit Gesundheit zu tun hat. So jedenfalls, bis sie sich eine Verletzung zuzog und plötzlich das Damoklesschwert „lebenslängliche Immobilität“ über ihr hing.
Zwangsläufig begann sie also, sich erneut mit dem Thema Gewichtsabnahme zu beschäftigen und stieß dabei auf all die vielen Techniken, Mythen, Methoden und Weisheiten, die wohl jeder von uns verinnerlicht hat: Der Stoffwechsel muss ständig angekurbelt werden, da er sonst seinen Dienst einstellt, man muss x-mal am Tag essen, um nicht in den „Hungermodus“ zu fallen, man darf eine bestimmte Kalorienmenge täglich nicht unterschreiten, weil das ungesund ist und man sonst nicht abnimmt etc.pp.
Zu ihrer eigenen Überraschung musste sie feststellen, dass sämtliche dieser Weisheiten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand hielten. Ein Jahr später hat sie ihr Idealgewicht von 62kg erreicht und sich entschlossen, all ihre Erkenntnisse in einem Buch zu sammeln, das ich euch nun vorstelle.

Über das Buch
Bücher dieser Art kommen normalerweise nicht ohne dämlich-reißerischen Untertitel aus. Der Untertitel hierzu könnte beispielsweise lauten: „So nehmen Sie ab – garantiert!“ – „Diätlügen entlarvt!“ oder „Wie Sie der Qual ein Ende bereiten – für immer!“

So oder ähnlich könnte man es auf das Cover drucken. Und das Beste: All diese Sprüche wären wahr.

Ich habe wirklich sehr lange gegrübelt, wie ich diese Rezension schreiben kann, ohne dass es wie billige Werbung wirkt. Aber das ist völlig unmöglich. Ich kann es einfach nicht anders ausdrücken: Dieses Buch ist eine einzige Offenbarung.

Es erschien am 30. April als E-Book auf Amazon. Ich durfte es aber schon vorab lesen. Nach nicht mal 50 Seiten klappte ich den Laptop zu und beschloss, mein Leben zu ändern.

Das klingt vielleicht hochgradig albern, aber Menschen mit unerfüllten Abnehmwunsch werden mich vielleicht verstehen. Mein Leben lang habe ich versucht, ein Gewicht zu erreichen, das mich zufrieden stellt und glücklich macht, aber ich bin immer gescheitert. Nach außen hin quälte ich mich weiterhin mit sinnlosen Diätversuchen, aber innerlich hatte ich mich schon längst von dem Gedanken verabschiedet, jemals mein Zielgewicht zu erreichen. Und dafür gab es ja auch so viele Gründe: mein niedriger Stoffwechsel, meine Schilddrüsenunterfunktion, meine Antriebslosigkeit, mein Körper, der NIE so wollte wie ich und so weiter.

Das Buch hat mir klar gemacht, dass das alles nicht stimmt. Die ganzen von mir verinnerlichten Mythen, von der Autorin „Fettlogik“ genannt, fußen auf nichts anderem als auf einer Sammlung von falsch interpretierten Studien, Fehlinformationen und schlicht Schwachsinn, der von Leuten verbreitet wird, die es selbst nicht besser wissen.

Und das zu lesen war das Beste, was mir je passieren konnte. Das Buch, obschon kein Diätratgeber, zeigte mir einen Weg auf, mein Ziel doch noch zu erreichen – frei von allen Ketten, frei von „Fettlogik“.

Und, was soll ich sagen: Es wirkt. Seit etwas mehr als einem Monat halte ich mich nun an meinen eigenen Diätplan, den ich anhand der Informationen aus dem Buch entwickelt habe – und habe in dieser kurzen Zeit schon fast sieben Kilo abgenommen. Seht selbst:

gewicht

Momentan habe ich ein so niedriges Gewicht wie seit Jahren nicht mehr. Und seit Jahren habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt. Doch will ich weiter machen – und Dank des Buches weiß ich nun, dass ich mein Zielgewicht nicht erreichen kann, sondern erreichen werde – und das sogar sehr bald. Natürlich muss ich dafür was tun (was ich tue, erzähle ich euch die nächsten Tage), aber das Buch nimmt aus dem Thema „Abnehmen“ die große Portion Willkür, an der vermutlich die meisten abnehmwilligen Menschen schon mal verzweifelt sind. Und das ist eine so immense Erleichterung, dass ich am liebsten heulen würde, wenn ich darüber nicht so glücklich wäre.

Neben dem großen Teil, der sich mit den Mythen rund ums Abnehmen beschäftigt und der für mich am wichtigsten war, nimmt auch noch eine Aufzählung der gesundheitlichen Risiken des Übergewichts viel Platz ein. Dieser Part ist dem Thema entsprechend etwas trockener, zumal ich mich damit nicht wirklich angesprochen fühlte, da ich mit einem Maximal-BMI von 30 nie wirklich schwer genug war, um wirklich starke gesundheitliche Einschränkungen zu spüren, wobei mein recht junges Alter natürlich auch eine Rolle spielt. Dennoch lohnt sich die Lektüre, auch wenn es teilweise etwas schockierend ist.
Ein Unterkapitel aus diesem Themenkomplex war dann jedoch auch für mich sehr interessant: Die Autorin zitiert eine Studie, die nahe legt, dass möglicherweise eine Korrelation zwischen einem hohen Körperfettanteil und Depressionen besteht, da zu viel Fett im Körper zu Entzündungserscheinungen führen kann, was wiederum die Hirnchemie stören könnte. Das ist noch nicht abschließend geklärt (was die Autorin auch nicht behauptet), aber ich bin sehr gespannt darauf, ob ich hierbei eine Verbesserung feststellen werde.

Der letzte Teil befasst sich mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Übergewicht und dürfte den meisten vermutlich am übelsten aufstoßen. Gänzlich einverstanden bin ich hier auch nicht mit allem, aber auch hier sind alle Aussagen mehrfach belegt und laden zur Diskussion ein. Dass diese mit Fat-Acceptance-Vertreterinnen allerdings nicht möglich ist, haben mir die letzten Tage gezeigt und diese werden das Buch so oder so zerreißen, ob mit oder ohne gesellschaftlichen Teil.

Fazit
Was soll ich sagen – dieses Buch ist schlicht genial. Im launigen Schreibstil verfasst und teils mit Auszügen aus der eigenen Biographie gewürzt lässt es sich leicht lesen und macht dabei auch noch Spaß. Dabei ist alles wissenschaftlich fundiert und durch zahlreiche Studien belegt, aus denen die Autorin großzügig und auch für die Laien nachvollziehbar zitiert. Damit wirft sie mal eben so viel Status Quo über den Haufen, dass ich teilweise mit offenen Mund vor dem Buch saß und das Wort „Nobelpreis“ in meinem Kopf aufblitzte.

Ist das völlig übertrieben? Vielleicht. Aber für MICH als Person, die ihr Leben lang mit ihrem Gewicht haderte, aber dabei an tausend Regeln scheiterte, die allesamt sinnlos sind, stellt das Buch die Art Aufklärung da, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie brauche, weil mir überhaupt nicht klar war, dass ich an lauter Bullshit glaube, der gar nicht stimmt.

Darauf möchte ich morgen noch genauer eingehen. Bis dahin sei dieses Buch jedem – wirklich JEDEM – empfohlen, der mit seinem Gewicht unzufrieden ist. Zwar habe ich hier die ganze Zeit von Übergewicht geredet, aber auch für Menschen mit Untergewicht, die daran etwas ändern wollen, zeigt das Buch Wege auf, damit umzugehen und es zu beheben. Doch auch für Menschen ohne Gewichtsproblematik lohnt sich der Kauf, denn durch Werbung, Diätratgeber und sogar Ärzte ist unsere Gesellschaft regelrecht durchzogen von „Fettlogik“. Außerdem ist es ein schönes Lehrstück darüber, nicht alles unhinterfragt zu glauben, denn bei mehreren Kapiteln, in denen die Autorin „Fettlogiken“ demontierte, saß ich mit Dauer-Facepalm vor dem Bildschirm und dachte „Mein Gott, natürlich!“ – denn einiges dieser „Fettlogik“ ist so unglaublich unlogisch, dass es fast unvorstellbar ist, dass noch nie jemand vorher darauf gekommen ist.

Die große Leistung der Autorin besteht also darin, genau diese Dinge hinterfragt zu haben und auf eine Art und Weise zusammen zu tragen, die bisher in der Diätratgeberlandschaft absolut beispiellos ist. Mir hat es so sehr geholfen und eine solche Last von den Schultern genommen, dass ich mir wünschen würde, es auf Rang 1 der Bestsellerlisten zu sehen, denn ich weiß, dass es viele Millionen Menschen da draußen gibt, die genauso unglücklich sind wie ich und genauso wie ich nicht wissen, was sie dagegen tun sollen. Jedenfalls bisher!

Das einzig Negative, was ich über dieses Buch sagen kann, ist: Schade, dass es noch keine Druckversion gibt – und dass ich es nicht schon vor 15 Jahren lesen konnte.

Blog zum Buch: Fettlogik


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Der Endgegner im Badezimmer 2: Fatshaming, Fatacceptance

Der Artikel sollte erst am Freitag erscheinen, aber ich habe den Plan geändert wegen aktuellen Stress auf Twitter, der über meinen ersten Artikel entbrannt ist. Ich hoffe, damit ist mein Standpunkt ausreichend geklärt und die Menschen, die das blöd finden, können mich von nun an meiden, denn ich werde ihn nicht ändern.

Ich mache es kurz und schmerzhaft: Ich verabscheue Fatshaming, aber ich lehne die Fataccaptance-Bewegung ab.

So, und wer jetzt noch nicht reflexartig weggeklickt hat, interessiert sich ja vielleicht für die Begründung. Hier ist sie:

Übergewicht ist nicht gesund. Übergewicht – ist – nicht – gesund. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass jeder Übergewichtige an seinem Übergewicht sterben muss oder gar auch nur krank wird, aber das ändert nicht daran, dass Übergewicht nicht gesund ist.

Seltsamerweise wird das bei jedem anderen Thema eingesehen. Beispiel Helmut Schmidt. Der Mann ist hundertachtzig Jahre alt, aber trotzdem würde mir wohl jeder zustimmen, dass Rauchen ungesund ist, obwohl Helmut Schmidt keine Probleme damit hat.

Aber nein: Übergewicht ist hier die große Ausnahme gegen sämtliche Evidenz.

Ein bisschen kann ich den Grund dafür nachvollziehen. Ich war, wie im letzten Artikel deutlich wurde, schon als Kind Opfer von Fatshaming, auch wenn ich, wie man mir vorwarf, die meiste Zeit davon nicht mal Übergewicht hatte. Dennoch wurde mir jedes kleine Speckröllchen oder auch nur wenig figurbetonte Kleidung hämisch unter die Nase gerieben. Das war scheiße und hat mir verdammt weh getan. Und natürlich ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem: Frauen und sogar schon kleine Mädchen müssen einem Schönheitsideal entsprechen, um respektiert zu werden und werden permanent nur auf ihr Äußeres reduziert.

Deshalb ist es mir scheißegal, wie andere aussehen. Wobei, ich glaube, so etwas gibt es gar nicht: dass man zu seinem Umfeld keine Meinung hat. Natürlich kann und darf man zur Optik seines Gegenübers eine negative Meinung haben, aber ohne guten Grund hat man einfach nicht das Recht, ihm das ins Gesicht zu sagen. Es geht einen nämlich absolut null an!

Deshalb äußere ich mich nicht zum Gewicht von Personen, die mir begegnen. Ich habe nicht die Absicht, andere Menschen wegen so etwas Unwichtigem wie dem Gewicht zu verletzen. Jeder kann so gesund oder ungesund leben, wie er möchte. Das ist mir ja so unheimlich scheißegal.

Aber nur, weil Fatshaming scheiße ist, ist das andere Extrem auch nicht besser. Seid oder werdet so fett, wie ihr wollt, das interessiert mich überhaupt nicht – aber verlangt doch nicht von jedem, dass er das schön und gesund finden soll, wenn es letzteres einfach nicht ist!

Vor einigen Wochen hat sich bei dieser Masernwelle das ganze Internet über Impfgegner lustig gemacht, die allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum trotz tatsächlich glauben, Impfen würde zu Autismus führen, aber bei diesem Thema ist es plötzlich völlig egal, was Ärzte überall auf der Welt sagen? Bitch please!

Das geht ja sogar soweit, dass selbst die Existenz eines „Übergewichts“ schon angezweifelt wird. Sind das wirklich alles nur völlig willkürliche Kategorien, die sich Ärzte nur ausgedacht haben, um dicke Menschen zu nerven?

Als ich letztes Jahr auf dem Jakobsweg unterwegs war, entschied ich mich, am Ende angekommen, nochmal zurück zu fahren und wieder neu anzufangen, denn ich hatte noch Zeit über. Ich hatte in der Zwischenzeit jedoch einiges angesammelt, was das Gewicht meines Rucksacks erhöhte: Bücher, Muscheln, ein neues Strandtuch etc.pp. Insgesamt hatte ich ca. 3 Kilo mehr als am Anfang auf dem Rücken – und das merkte ich schon beim kurzen Gang zur Post, wo ich mein überflüssiges Zeug als Päckchen nach Deutschland aufgab. Es waren nur 3 Kilo, aber ich merkte dieses Mehrgewicht schon so stark auf den Füßen, dass mir völlig klar war, dass ich niemals eine ganze Etappe damit durchhalten würde, ohne mir am Schluss eine Sehnenentzündung eingefangen zu haben (schon wieder!).

Und das waren NUR die Füße. Zuviel Gewicht merkt aber der GANZE Körper. Auch ich merke das, obwohl mein Übergewicht im Vergleich zu anderen nicht sehr massiv ist.

Aber auch das ist mir egal. Jeder hat das Recht, so mit sich und seinem Körper umzugehen wie er Bock drauf hat (schrieb sie und zündete sich eine neue Kippe an…). Aber ich sehe es NICHT als meine feministische Pflicht an, an der Selbsttäuschung partizipieren, Gewicht hätte keine Auswirkungen auf die Gesundheit und allein dies in Frage zu stellen sei schon Fatshaming!

Ich habe seit über 20 Jahren Gewichtsprobleme. Ich verstehe vollkommen, wie schmerzhaft dieses Thema sein kann. Und dennoch kann ich die Fatacceptance-Bewegung nicht unterstützen – zumal es ja offensichtlich dort von einigen schon für Fatshaming gehalten wird, dass I-C-H mit M-E-I-N-E-M Gewicht unzufrieden bin, als wäre das nicht ganz allein meine Sache!!

Die heutigen Diskussionen (und Nonmentions, vergessen wir die bloß nicht!) haben mir zudem wieder mal klar vor Augen geführt, wie verbissen diese Bewegung und das Thema gesehen wird. Es gibt Strukturen in dieser Bewegung, die auf mich fast sektenartig wirken. Jegliche abweichende Meinung ist absolut inakzeptabel und wer am fettesten ist (ein Begriff übrigens, der mir extreme Bauchschmerzen bereitet, denn er trägt zu viele negative Erinnerungen mit sich, aber ob das für jemanden wie MICH in Ordnung ist, als fett oder auch nur dick bezeichnet zu werden, hat natürlich nie jemand gefragt), hat sämtliche Deutungsmacht.

Mir wurden schon lustige Tweets in die Timeline gespült von Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, aber wenn ich diese Tweets dann retweeten wollte, stellte ich fest, dass ich das nicht konnte – weil die Person mich geblockt hat. Forsche ich dann nach, sehe ich sehr oft das Label „fat positive/fat acceptance“ aufblitzen – und dann ist mir alles klar. Ich habe nämlich schon EINMAL in der Vergangenheit etwas negatives über fatacceptance gesagt und das reicht offensichtlich schon, um geblockt zu werden, weil andere Meinungen ja so dermaßen unerträglich sind.

Und damit doch mal kurz zu Triggerwarnungen. Ja, natürlich kann ein Text wie der gestrige negative Gefühle auslösen – ABER MEHR AUCH NICHT. Er kann weder „traumatisieren“, noch sehe ich in einer Gesellschaft, in der in jeder Werbeunterbrechung mindestens drei Diät-Produkte angepriesen werden einen Sinn darin, ausgerechnet diesen einen Text mit einer Triggerwarnung zu versehen, zumal der Titel und das Thema doch schon mehr als genug Hinweise auf den Inhalt geben.
Ich muss es leider nochmal sagen: Ich habe einen Text über meinen Vater geschrieben und darüber, dass er mich nicht liebt, und dieser Text hat einige Leser zu Tränen gerührt. Er war mir wichtig, das Schreiben hat geschmerzt und mich aufgewühlt. DA könnte ich vollkommen verstehen, dass bei Lesern negative Gefühle hochkommen. Aber stattdessen wird nach einer Triggerwarnung verlangt für einen Text über meine Gewichtsprobleme. Holy Shit. Kann es sein, dass das Thema ein ganz kleines bisschen überdramatisiert wird?

Ich werde weder jetzt, noch in Zukunft einen Text von mir mit einer Triggerwarnung versehen. Dafür habe ich gute Gründe. Die müssen euch nicht passen, aber ich werde mit Sicherheit nicht einen Begriff, der eigentlich im Kontext von Posttraumatischen Belastungsstörungen verwendet werden sollte (ihr wisst schon, das kriegt man, wenn man im Krieg war oder entführt oder vergewaltigt wurde und so) dazu zweckentfremden und verwässern, um vor einem Diättext zu warnen. Damit werden Befindlichkeiten, die mit Sicherheit für die Betroffenen sehr scheiße sind, auf eine Stufe gestellt mit einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung. Und DAS ist diskriminierend.

Macht mit euren Körpern, was ihr wollt. Es interessiert mich nicht. Aber verlangt nicht von mir und anderen, diese Bewegung total abzufeiern. Denn das werde ich nicht tun.

Edit, 21. Mai:

Ich habe das Bedürfnis, dazu noch etwas zu sagen, möchte das Thema aber eigentlich nicht mehr aufkochen. Ich habe keinen Bock, jetzt zur „Feministin, die was gegen Fat Acceptance gesagt hat“ zu werden, nachdem ich doch grade erst die „Tussi, die diesen Depressionsartikel geschrieben hat“ war (ist beides sehr ungeil).
Deshalb hier ein Nachtrag, der nochmal deutlich machen soll, was ich eigentlich meine, da das offensichtlich einige nicht verstehen wollen:

mädchenmannschaft fettlogik

Dies erschien bei der Mädchenmannschaft. Und zwar unter dem Titel: Dinge, die du nicht mehr sagen solltest, außer du hasst dicke Menschen.

Ich denke, nichts könnte mehr illustrieren, was ich sagen wollte. Ich weiß nicht, wie oft ich es noch betonen soll: Mir ist egal, was andere Menschen mit ihren Körpern machen. Aber dies ist eine völlig andere Stufe. Hier werden die Gesundheitsrisiken nicht nur kleingeredet, sondern VOLLKOMMEN NEGIERT (bei gleichzeitiger Erwähnung von „gesundheitlichen Risiken durch Abnehmen“ – oh my fucking god).
Polly’s Pocket nennt das „den Punkt der totalen Toleranz“. Gefällt mir, obwohl „totale Ignoranz“ vielleicht noch besser wäre.

Und da hört es bei mir auf. Ist das wirklich so bösartig von mir? Talking ‚bout „Bösartigkeit“… die MM redet ja selbst schon nicht mehr von Fatshaming, sondern von HASS. Ein Arzt, der eine 150kg schwere Frau darauf hinweist, dass sie auf eine Diabetes zusteuert, HASST diese Frau. Mir fehlen völlig die Worte.

Aber „Diabetes“ ist ein gutes Stichwort: Zum kürzlich stattfindenden Anti-Diät-Tag las ich mehrere Tweets von Aktivistinnen, die damit auch schon wieder nicht glücklich waren, denn es gäbe ja Menschen, die wegen einer Krankheit Diät halten müssen (zum Beispiel Diabetes!) und da ist es doch unfair, diese mit Leuten in einem Topf zu werfen, die Diät halten, weil… keine Ahnung. Weil sie dicke Menschen hassen?

Laut der Logik des MM-Artikels waren bereits diese überkorrekten Hinweise, die mal wieder äußerst pflichtschuldig geteilt worden sind, Fatshaming in Reinform. Weil nämlich ALLES Fatshaming ist.

Nein, schlimmer. Alles ist HASS.

Ich weiß nicht, wie oft ich noch sagen muss, dass es mir hier um mich geht. Ich hasse keine dicken Menschen und finde sie auch nicht per se unattraktiv. Im Gegenteil, ich finde viele dicke Menschen atemberaubend schön, aber das ändert für mich selbst überhaupt nichts.

Es macht mich traurig, dass man mir etwas so abgrundtief böses vorwirft: Hass gegen Menschen allein aufgrund ihrer äußeren Erscheinung. So war ich nie, so will ich auch nie sein.

Aber wenn ALLES Hass ist, dann ist das wohl unvermeidlich. Schöne neue Welt.


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Der Endgegner im Badezimmer 1: Der ewige Kampf

Dies ist eine überarbeitete Version eines Blogposts, den ich schon vor Jahren auf meinen 1. Blog veröffentlichte und später dann auf diesen Blog rüber zog. Für mich ist er aber sehr wichtig. Aber nicht nur deswegen könnte nichts besser sein, um diese Themenwoche einzuleiten…

Gerne übertreiben Leute und sagen etwas wie „Diese Themen begleiten mich schon fast mein ganzes Leben“. Wenn es um Diät, Übergewicht und Abnehmen geht, stimmt das bei mir aber tatsächlich.

Alles begann bereits in der Grundschule, wahrscheinlich so um die dritte Klasse rum: Ich war speckig und wurde deshalb gehänselt. Es ist schlimm, sowas zu schreiben, vor allem da ich es selbst ganz furchtbar finde, wenn sich schon so kleine Mädchen Gedanken um ihre Figur machen, aber bei mir war es nun mal so. Ich schämte mich unglaublich für mein Aussehen, aber in dem Alter kann man da natürlich nichts dafür, noch kann man dagegen großartig was unternehmen, wenn einem die Familie (vor allem die, die für die lebensmitteltechnische Versorgung zuständig sind) nicht hilft. Im Gegenteil, schon damals bekam ich von meiner Familie blöde Sprüche ab, was auch nicht besonders dazu geeignet war, mein Selbstvertrauen zu steigern.

Ich erinnere mich noch, wie ich in der 4. zu einem Geburstag eingeladen war, der im Schwimmbad stattfinden sollte. Für alle anderen Kinder meiner Klasse war das ein wahnsinniges Highlight, aber mir graute es davor, mich in Badeanzug zu zeigen. Alles Heulen brachte aber nichts – meine Mutter zwang mich trotzdem, hinzugehen -.-

In der weiterführenden Schule ging es dann so weiter. Hier stand Schwimmen sogar zwei Jahre lang auf dem Lehrplan, was ich grauenhaft fand, obwohl ich eigentlich unheimlich gerne schwimme.

In den ersten Sommerferien war ich dann in Kinderkur. Eigentlich war das lediglich als „Urlaub“ deklariert, weil meine Mutter was bei der Krankenkasse drehen konnte, aber nach der dortigen Untersuchung, bei der ich mich ganz nackig machen durfte, wurde ich an den Abnehmertisch gesetzt.
Dort saß ich nun mit lauter erbärmlich fetten Stadtkindern und bekam einen kalorienreduzierten Fraß nach dem anderen vorgesetzt, wovon ich vielleicht 50% essen mochte, der Rest war ekelhaft. Das vom Arzt gesteckte Ziel – 3 Kilo in vier Wochen – erreichte ich zwar, aber wahrscheinlich auch nur deswegen.

Immerhin hatte ich in der Kinderkur erstmals Erfahrung mit Kalorienzählen gemacht und aß von da an bis heute fast kein helles Brot mehr (immerhin). Was meine Eltern aber eher nervig fanden, denn plötzlich mussten sie Körnerbrötchen kaufen…

Je älter ich wurde, desto vehementer wurde ich von meiner Familie auf mein Gewicht reduziert. Die Männer machten sich lustig und die Frauen überschütteten mich mit immer neuen Diätratschlägen, wenn sie sich nicht auch gerade lustig machten. Problem war weiterhin, dass ich mittags immer bei meiner Oma aß und die einen Scheißdreck auf Kalorien gab. Erst mit 14 Jahren konnte ich schließlich durchsetzen, dass ich nach der Schule direkt nach Hause gehen und mir selbst etwas zu essen machen durfte. Wobei ich dann DORT das Problem hatte, dass wir in meinem Dorf keine Einkaufsmöglichkeit haben und meine Mutter sich schlichtweg weigerte, das ganze Zeug zu kaufen, das ich haben wollte.

Bis ich 16 wurde, verwuchs sich einiges an Speck, was ich anhand vieler Bilder nachvollziehen kann, doch damals merkte ich das gar nicht, sondern fühlte mich immer noch zu fett. Ich probierte bis dahin vieles aus, was mir von außen nahegelegt wurde. Nur, und da zeigten sich erste krankhafte Tendenzen: Ich übertrieb maßlos.

Beispielsweise soll ja Apfelessig sehr gut zum Entschlacken sein. Täglich ein Glas Wasser mit einem Schluck Apfelessig soll helfen, die Verdauung anzuregen.
Was tat ich? Ich kniff die Nase zu und trank das Zeug fast pur.
Damals (aber auch schon früher) habe ich auch erste heimliche Erfahrungen mit Abführmitteln gesammelt. Meine Mutter hätte mich umgebracht, wenn sie davon gewusst hätte, und hätte damit vollkommen Recht gehabt. Andererseits bekam ich aber auch immer noch nicht die geringste Unterstützung.

Als ich zur Oberstufe die Schule wechselte, erfand ich meine Persönlichkeit radikal neu. Am ersten Schultag tauchte ich mit Kurt-Cobain-Shirt, Chucks und zerrissenen Levis 501 auf. Meine Mitschüler waren beeindruckt und so fühlte ich mich zum ersten Mal halbwegs wohl.
Zu dieser Zeit wog ich ungefähr 58 Kilo auf 1,58 m. Nicht schlank, aber eben auch nicht fett. Dennoch wollte ich gerne für die erste Klassenfahrt zum Meer in Bikini gut aussehen und hatte damit wieder mal Abnehmpläne.

Nur war dieses Mal irgendein Schalter umgesprungen: Statt Radikalkuren oder idiotischen Diäten wählte ich den gemäßigten Weg und aß einfach nicht mehr so viel. Statt drei Portionen Spaghetti Bolognese nahm ich nur noch eine und aß mich zusätzlich am Salat satt. Aus irgendeinem Grund fiel mir das auch gar nicht so schwer.
Es vergingen, glaube ich, nicht mal drei Tage, bis meine Mutter abends in mein Zimmer kam und eines dieser unangenehmen ernsten Gespräche führen wollte. Warum ich denn so wenig esse, das wäre ja nicht gut, ich würde ja noch wachsen (lol…), blablabla.
Ich saß auf meinem Bett und war fuchsteufelswild. Esse ich zuviel, werde ich ausgelacht, esse ich weniger, muss ich mir direkt so eine Scheiße anhören. Dabei war mein Essverhalten zu dem Zeitpunkt wirklich genau richtig, aber dennoch bekam ich es von allen Seiten drauf.
Immerhin schaffte ich auf diese Weise tatsächlich, 5 Kilo abzunehmen und sah in meinem Bikini nicht schlecht aus. Eigentlich hätte es damit beendet sein können und ich könnte noch heute eine normalgewichtige, zufriedene Frau Anfang 30 sein, aber wieder spielte meine Familie da nicht mit. Denen war mein neuer, grungiger Kleidungsstil ohnehin ein Dorn in Auge. Erst meinten sie gehässig, diese Art Klamotten würden mich fett machen, doch ziemlich schnell schwenkten sie um und sagten, ich SEI fett. Und das mit einem BMI von 21!

Mein noch sehr fragiles neues Selbstbewusstsein kam damit nicht klar und nahm diese Häme ernst, darum bemühte ich mich immer verzweifelter, noch mehr abzunehmen. Ich dachte, wenn ich es mal unter 50 Kilo schaffe, wäre alles gut, aber das ist nun einmal nicht so einfach. Hätte ich weiter gemäßigt gegessen, hätte ich mein ideales Gewicht mühelos halten können, aber da ich ja unbedingt noch weiter Gewicht verlieren wollte, machte ich damit alles kaputt. Fastentagen folgten Tage mit üblen Fressflashs, Tage, an denen ich nichts als Äpfel essen wollte endeten mit einer Pizzaorgie. Mein Körper reagierte mit Gewichtszunahme.

Als ich nach dem Abi weder Studien-, noch Lehrplatz bekam und ich voll in einer Adoleszentenkrise steckte, war mir auch zeitweise mein Gewicht egal. Folgerichtig war ich bald über 60 Kilo.

Die letzten Jahre waren dann geprägt von einigen diätischen Misserfolgen – besonders möchte ich hier die Kohlsuppendiät hervorheben – und weiterer Gewichtszunahme. Allmählich begann sich dann aber dann doch in mir der Gedanke zu manifestieren, dass diese ganzen elenden Crashdiäten einfach nichts bringen und es schlichtweg viel effektiver ist, seine Ernährung umzustellen. Einige Male habe ich das sogar zeitweise geschafft und hatte damit keinen schlechten Erfolg. Also warum nicht wieder?
Doch als ich dies vor ca. 5 Jahren probierte, tat sich überhaupt nichts. Sowieso fielen mir immer mehr Dinge auf, die mir langsam bewusst machten, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Beispielsweise während Rock am Ring: Ich aß und trank so ziemlich dasselbe wie alle meine Freunde während diesen paar Tagen, aber ich war die einzige, die danach 3 oder 4 Kilo schwerer war. Einige nahmen während diesen Festivaltagen sogar ab, nur ich nahm so viel zu!

Ich begann, der Ursache auf den Grund zu gehen und wurde schnell fündig: Schilddrüsenunterfunktion. Das erklärte gleich auch eine ganze Palette anderer Symptome, an denen ich litt. Dennoch wollte mein ursprünglicher Hausarzt nichts festgestellt haben. Ein Jahr lang beobachtete ich mein Gewicht sowie den Rest weiter, bis ich wieder zum Arzt ging, diesmal aber zu einem Spezialisten. Und dieser stellte fest: Jap, Sie haben eine Unterfunktion.

Seit dieser Zeit muss ich deshalb also täglich Tabletten nehmen, aber ich möchte mich nicht beschweren. Zwar habe ich seitdem eigentlich nicht abgenommen, aber das lag nicht an den Tabletten. Ich habe schlicht und ergreifend zu viel gefressen! Vor der Diagnose hätte ich mit den Mengen, die ich in mich reingestopft habe, bestimmt mindestens 10 Kilo zugenommen, aber so ist mein Gewicht sogar konstant geblieben.

Dennoch bin ich wie schon beschrieben nicht gerade glücklich über mein jetziges Gewicht und möchte es nun endlich wieder mit einer Ernährungsumstellung versuchen. Nachdem ich jahrelang gelernt habe, wie viele Kalorien einzelne Lebensmittel haben und wie viele ich zu mir nehmen darf, ist das auch gar kein Problem. Lediglich kostet es Überwindung, täglich einige kleine Mahlzeiten einzubauen, die meinen Stoffwechsel auf Trab halten.

Das Schöne an einer Ernährungsumstellung ist, dass man im Prinzip auf nichts verzichten muss. Bei jeder Form von Diät, sei es nun Atkins, Trennkost oder sonst was, gibt es immer etwas, dem man auf ewig Adieu sagen muss. Ich MÖCHTE aber nicht auf alles verzichten. Nach all den Jahren, in denen ich mich so sehr gehasst habe für alles, was ich gegessen habe, habe ich dennoch nicht den Spaß am Essen verloren, im Gegenteil. Ich koche wahnsinnig gerne. Ein gutes Öl, ein edler Fisch oder ein perfektes Stück Fleisch bringen mich regelrecht zum Träumen. Es ist nichts falsches dran, einen exquisiten Käse zu mögen oder raffiniert eingelegte Oliven – sofern man keine Diät macht.
Diäten verbieten einem alles, was lecker ist. Ich könnte regelmäßig ausrasten, wenn ich höre oder lese: „NATÜRLICH können Sie mit dieser Diät auch mal eine Pizza genießen! Wie wäre denn als Belag hauchdünner Prosciutto, Rucola und gehobelter Parmesan?“
Sorry, aber ICH mag meine Pizza mit Salami und ordentlich Gauda, der auch schmilzt, wenn man ihn heiß macht, also nein Danke!
Was ich sagen will: Eine Ernährungsumstellung erlaubt einem das, was man mag, auch weiter zu essen – halt nur nicht täglich oder gar ausschließlich. Aber damit wird’s natürlich auch wieder zu was Besonderem. Und den Rest der Zeit tut man halt etwas für seinen Vitamin- und Nährstoffhaushalt – was Diäten auch nicht tun.

Auf diesem Stand war ich zumindest vor drei Jahren – aber geändert hat sich in dieser Zeit nichts. Ich war weiterhin unglücklich mit meinem Gewicht und fiel von einer diätischen Enttäuschung in die nächste.

So zumindest bis vor kurzem…!


Weitere Beiträge zur Themenwoche:
Fatshaming und Fatacceptance
Buchtipp
The war is won!
Meine Diät!
Rezepttipp: Der Teig ohne Mehl!
Geheimtipp: Die Nudel ohne Kalorien!
Bonus – das beste Rezept der Welt! (Zum Mitmachen!)

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Wessen Privileg schwerer wiegt…

Einige Bloggerinnen haben die Aktion #waagnis ins Leben gerufen und andere aufgefordert, daran teilzunehmen. Das hier ist allerdings weniger ein Teilnehmerpost als ein kleiner Rant gegen die Kritiker dieser Aktion. Das ist hoffentlich auch genehm.

Als ich heute um halb eins so langsam die Augen aufbekam (ich war mal wieder arbeiten bis vier Uhr morgens), war meine erste Amtshandlung, wie immer, der Griff zum Laptop. Und, wie so oft, öffnete ich Twitter und sofort ploppten einige Fragezeichen über meinem müden Schädel auf. #waagnis, hä? Was geht ab?

Das war schnell geklärt. Ninia, Kathrin, Johanna und Maike von Kleinerdrei schrieben über das Hadern mit ihren Körpern, haben sich entschlossen, (teils weiterhin) ohne Waage zu leben und fordern alle auf, ebenfalls von ihren Problemen mit der unnötigen Badezimmerelektronik namens Waage zu berichten. Entweder in Form von Blogposts oder bei Twitter unter dem Hashtag #waagnis.

Noch bevor ich allerdings die Artikel alle lesen und entscheiden konnte, ob ich das nun cool finden soll oder nicht, fielen mir die ersten negativen Statements zu der Aktion ins Auge. Gleich gefolgt von einem entschuldigenden Tweet von Ninia.

Nennt mich anti, aber in diesem Moment war mir sofort klar, dass etwas, was so eine Entschuldigung nötig macht, eigentlich nur gut sein kann.

Doch zunächst zu mir.

Probleme mit meinem Gewicht habe ich schon häufiger thematisiert, man könnte also auf die Idee kommen, dass ich dazu nichts mehr zu sagen habe. Tatsächlich ist das aber eine neverending story… und nicht nur für mich.

Seit zweieinhalb Monaten lebe ich mehr oder weniger unfreiwillig ohne Waage, denn Anfang April bin ich umgezogen und war bisher zu faul, meine Waage in meiner alten WG abzuholen. Sie war auch eines der ersten Geräte, die ich für diese WG anschaffte – zusammen mit einer Küchenwaage.

Der Slogan der Mädels von #waagnis lautet übrigens:
waagnis
Ich musste direkt lachen, als ich das las. Nicht, weil es ein lächerliches Statement ist, sondern weil ich Leute kenne, die selbst DAS für irgendwie bescheuert halten.

Wie mein geschätzter Ex-Mitbewohner Moritz zum Beispiel. Er beäugte unsere neue Küchenwaage damals völlig verblüfft. „Wofür brauchst du die denn?“
Ich, gnadenlos: „Um Sachen zu wiegen.“
„Äh, aber warum? Das geht doch auch so?“
Nun muss ich mich vor jemanden, der eine halbe Stunde braucht, um eine Karotte und ne halbe Zucchini zu schneiden und das „Kochen“ nennt, wohl wirklich nicht zu rechtfertigen, tat es aber doch. „Ja, normal schon. Aber ich koche ja auch mal nach Rezept. Oder brauch abgewogene Zutaten zum Backen. Oder für Nudeln.“
Schockierter Blick von Moritz. „Du wiegst deine Nudeln?!?!“
„Ja.“
…Und er glotze mich an, als hätte ich eine Essstörung.

Zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir klar, dass andere Leute das wohl offensichtlich nicht tun. Also, Nudeln wiegen. Aber da Moritz mit seinem Urteil nicht falsch lag (jedenfalls nicht völlig), gibt es für mich leider keine Alternative.

Das Problem ist, dass ich fressen kann, bis ich fast platze. Weitaus mehr, als ich brauche, weitaus mehr, als angenehm für mich ist. Und leider fehlt mir durch jahrelange Probleme mit meiner Ernährung irgendeine Art Mechanismus, der meinem Körper während des Essens sagt „Es langt jetzt“. Natürlich fühle ich mich nach zu viel Essen völlig vernichtet. Es ist nicht so, dass mir ein Sättigkeitsgefühl fehlt. Eher die Beherrschung, auch darauf zu hören, obwohl das für die meisten Leute überhaupt kein bewusster Akt ist und sie einfach von selbst aufhören, wenn sie merken, dass sie satt sind.

Daher wiege ich meine Nudeln. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich von 100-120 Gramm Nudeln absolut angenehm satt bin. Essen kann ich aber auch locker doppelt so viel. Weshalb die Küchenwaage in diesem Fall mein einziger Freund ist, der zwischen mir und der völligen Überfressung steht.

Und aus dem selben Grund kann ich das #waagnis nicht eingehen und meine Körperwaage entsorgen.

Seitdem meine Waage in meiner Ex-WG im Exil ist, habe ich zugenommen. Das spüre ich an meinen Jeans und natürlich auch an der Optik. Vor meinem Umzug hatte ich gerade ein paar Kilo abgenommen und war auf 71 kg runter, verteilt auf schnuckelige 1,58. Inzwischen dürfte ich wieder bei 75 sein, ungefähr.

Und das gefällt mir nicht. ICH gefalle MIR so nicht. Es ist mein ureigenes Ästhetik- und auch Körperempfinden, dass ich mir mit 10-20 Kilo weniger besser gefallen würde. Hatte ich alles schon, konnte es damals allerdings nicht genießen. Jetzt wäre das anders und deswegen möchte ich da wieder hin!

Das klappt allerdings nicht ohne Waage. Ich kann auf dieses elende Kontrollding nicht verzichten. Ich hätte nämlich nicht wieder 4 Kilo zugenommen, wenn ich zwischendurch gesehen hätte, in welche Richtung ich mich gerade bewege. Ohne Waage war das ein diffuses Gefühl, das sich ganz langsam aufbaute, bis es zu spät war.
„Hm, so lange ohne Waage. Hab ich zugenommen? Neeeee.“
„Hm, die Jeans kneift. Ist aber auch frisch gewaschen. Muss nix heißen.“
„Hm, ist das ein neues Speckröllchen? Schwer zu sagen…“
„Okay, ein neues Loch im Gürtel. JETZT ist es amtlich!“

Natürlich ist die Waage nur ein unzureichendes Gerät zur Messung des Körpers. Die Waage interessiert sich nicht dafür, ob ich mir gerade ein Kilo Eis reingepfiffen hab oder ein Liter Wasser auf Ex – in beiden Fällen zeigt sie direkt danach ein Kilo mehr an. Es ist ihr auch egal, ob ich gerade meine Tage hab und aufgeschwemmt bin. Oder, ob ich vor oder nach ihrer Besteigung aufs Klo gehe. Die Waage macht, was sie will, weil der menschliche Körper macht, was er will!

Dennoch brauche ich das blöde Teil einfach, denn zumindest für die grobe Richtung reicht es. Deshalb werde ich meine Waage nicht entsorgen (und kann leider auch nicht, wie gewünscht, ein Foto machen, weil ich sie ja momentan nicht in der Wohnung habe).

Ich weiß nicht, ob das vielleicht bedeutet, dass ich „noch nicht so weit“ bin. Oder ob es einfach von meinem Standpunkt aus nur logisch ist. Wie soll ich das beurteilen? Ich hätte meine Meinung nicht, wenn ich nicht der Meinung wäre, dass meine Meinung richtig ist.

Dennoch mag ich die Aktion und fand alle Ausgangsartikel ziemlich gut. Deswegen nervt es mich auch, wie viel Kritik die Initiatorinnen einstecken müssen!

Warum? Naja. Es gibt ja diese „fat acceptance“-Bewegung, die sich für die Akzeptanz „alternativer Körperformen“, bzw. in diesem Fall ganz konkret fetter Körper einsetzt (sie nennen sich selbst so. Also, fett. Deshalb schreibe ich das jetzt einfach so, obwohl ich sowas im Leben nicht jemanden ins Gesicht sagen würde. Dazu habe ich es selbst schon zu oft gehört.). Eine Bewegung, die ich nicht unkritisch betrachte, die mich aber auch nicht wirklich tangiert.

Genau aus dieser Ecke erschallt nun ne Menge Wut, was in meinen Augen einfach nur paradox ist. Immerhin war es ja die Intention der Autorinnen, alle mollige Frauen da draußen dazu zu motivieren, den ständigen Kampf mit der Waage einfach aufzugeben und sich ihr Leben nicht von ein paar Zahlen auf einem Display diktieren zu lassen!

Und das ist ja auch richtig so. Oft wird der Einfluss der Medien etc. auf dieses Thema verharmlost (mein Eindruck: Meist irgendwie nur von Männern, die nur auf Frauen mit Modelmaßen stehen), aber man muss sich nur mal ein bisschen umsehen und auf saublöde Artikel wie diesen stoßen um zu merken, dass es eben NICHT harmlos ist. Kleine Mädchen machen sich schon Sorgen um ihre Figur, der Großteil der weiblichen Teenager hasst sich, erwachsene Frauen geben Tonnen von Geld dafür aus, schlank zu werden oder zu bleiben.

Diese Frauen und Mädchen sind alle sehr unsicher und sehr unglücklich, obwohl sie größtenteils wirklich keinen Grund dazu haben. Aber es wird ihnen eben eingeredet. Eine Folter, an der sogar Freunde und Familie mit Genuss partizipieren.

Für einige dieser Frauen könnte es ein Segen sein, die Waage einfach in den Müll zu werfen, sich davon nicht mehr den Tag versauen zu lassen, nicht mehr darüber zu grübeln, warum man heute plötzlich ein Kilo mehr wiegt, obwohl man gestern nur Salat und ne Salzkartoffel gegessen hat (das passiert halt manchmal einfach so). Was ist daran bitte schlecht?

Auf Twitter las ich von irgendeiner, das Problem sei, dass sich hier nur Frauen mit „Normalgrößen“ zu Wort gemeldet hätten. Und diese sind natürlich im Vergleich zu richtig fetten Frauen total privilegiert, was in manchen radikalen Strömungen des Feminismus der finale Code ist für „Fresse halten“. Denn privilegierte Menschen dürfen NIEMALS irgendwas sagen!

Diesen Damen scheint das tatsächliche Problem entgangen zu sein. Das Problem ist ja nicht, dass Frauen ab BMI 30 verhöhnt und ständig wegen ihrer Figur kritisiert werden. Das Problem ist, dass sowas auf ALLE Frauen zutrifft! Eine Ausnahme mögen wohl die wenigen von der Natur gesegneten sein, die ohne Sport etc. essen können was sie wollen und trotzdem schlank bleiben. Aber selbst die werden doch ständig auf ihr Gewicht angesprochen, auf ihren Körper reduziert!

Die Schwere eines Misstandes äußert sich nicht darin, wie die Gesellschaft auf solche reagiert, die extrem krass von der gesetzten Norm abweichen. Die Schwere eines Misstandes äußert sich darin, wie die Gesellschaft auf solche reagiert, die davon auch nur ein bisschen abweichen. Und das ist beim Thema „weibliche Figur“ eindeutig der Fall!

Der Schmerz, den richtig fette Menschen empfinden müssen, wenn sie angepöbelt oder ausgelacht werden, wird nicht im Geringsten geschmälert, wenn eine, die in einen H&M reingehen kann und dort sogar auch ohne Übergrößenabteilung was passendes findet, davon berichtet, wie an ihrem Aussehen rumgemäkelt wurde. Und es ist nur logisch, dass eine solche Frau sich mit solchen, die von diesen Attacken noch viel mehr betroffen sind, praktisch automatisch solidarisiert!

Deshalb ist es gar nicht schlecht, dass sich hier Frauen zu Wort gemeldet haben, die nach Interpretation der fat-acceptance-Membern ne völlig normale Figur haben. Ganz im Gegenteil! DAS beweist doch erst, was für ein Problem wir heutzutage mit abweichenden Körperformen haben!

Deshalb finde ich die Kritik an der Aktion völlig überzogen, vor allem, wenn man das weiter denkt. Wenn jetzt Frauen, die mehr wiegen als die Initiatorinnen meinen, dass nur so richtig fette Frauen sich dazu wirklich äußern dürfen, was passiert dann, wenn NOCH dickere Frauen auftauchen? Gibts ne Grenze, ab der man sich äußern darf? Oder heißt es: Je mehr BMI, desto mehr Gewicht haben auch die Worte?

Manchmal sollte man einfach mal überlegen, was sich Leute bei bestimmten Dingen gedacht haben. Und die #waagnis-Mädels haben bestimmt nicht gedacht: Höhö, trollen wir mal ein bisschen rum. Sie haben reflektiert, wofür dieses Scheißding Waage eigentlich steht und beschlossen, sich daraus zu befreien, während sie gleichzeitig anderen Frauen damit Mut machen wollen.

Dass dabei viele fatpositive- oder fatacceptance-Bloggerinnen „unsichtbar“ gemacht wurden… also meine Güte. Manchmal glaube ich, manche Leute stecken so tief in ihrer Filterbubble drin, dass sie gar nicht merken, dass ihnen außerhalb dieser keine Sau zuhört. Ich habe mich beispielsweise schon seit ich denken kann mit Diäten, Gewicht etc. beschäftigt, aber fat acceptance ist mir erst über den Weg gelaufen, als ich anfing zu bloggen. Das ist wieder mal keine besonders verbreitete Bewegung, die daher doch über jeden neuen Impuls froh sein kann. Wenn dieser jetzt von Ninia, Kathrin, Johanna und Maike kommt, warum nicht? Sie mögen einen anderen Ansatz haben, sind auch wahrscheinlich nicht fat positive. Aber sie sind Frauen und haben eine Leidensgeschichte. Frauen mit einer kleinen Idee. #waagnis eben. Und der Vorstellung, dass man ausgehend von seiner Blogger-Fangemeinde damit vielleicht für das ein oder andere Mädchen etwas besser macht.

Ich mache bei #waagnis nicht mit. Aber ich hoffe, viele andere tun es. Und Ninia, Kathrin, Johanna und Maike wünsche ich alles Gute. Sie haben sich absolut nichts vorzuwerfen.

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Fasten, fat positive, „The Biggest Loser“

Mein kleiner Fanartikel über The Biggest Loser ist ja größtenteils negativ aufgenommen worden. Damit habe ich ehrlich gesagt gerechnet, allerdings hat mich die Art der Kritik ziemlich umgehauen.

Ich meine, ich kann vollkommen verstehen, wenn die Serie kritisch gesehen wird, vor allem was den Umgang mit den übergewichtigen Kandidaten angeht. Was ich absolut nicht verstehen kann und auch auf gar keinen Fall unterstützen oder gar gutheißen will: diese leicht verklärte Sicht auf Übergewicht an sich.

Es gibt feministische Strömungen, die haben sich etwas auf die Fahnen geschrieben, was sich fat positive nennt. Den Grundgedanken, sofern ich den richtig verstanden habe, unterstütze ich vollkommen: Kein Mensch sollte aufgrund seines Körpers diskriminiert oder beleidigt werden, vor allem nicht in Hinblick auf ein völlig überzogenes Schönheitsideal, das z.B. dazu führt, dass eine Frau, nennen wir sie mal Britney Spears, in allen Medien als fett bezeichnet werden darf, nur weil sie plötzlich auf elefantöse Größe 36 angeschwollen ist. Größe 36 ist nämlich NORMAL!!
Auch ist es wirklich unübersehbar, dass so eine Häme wirklich hauptsächlich Frauen trifft, und sich sogar megaschlanke Mädchen in aller Öffentlichkeit von einer talentfreien Unsympathin anhören müssen, dass sie immer noch zu fett sind, um Supermodel zu werden.

Nochmal in aller Kürze die Punkte, denen ich zustimme:
– Frauen werden im höchsten Maße auf ihr Äußeres reduziert
– Frauen werden in Bezug auf ihr Gewicht von klein auf verunsichert
– Frauen wird von den Medien etc. ein Körperbild vor Augen gehalten, dass krankhaft und kaum ohne strikte Mangelernährung und exzessiven Sport zu erreichen ist

So weit, so verständlich (finde ich zumindest). Das ist etwas, was man durchaus kritisieren sollte.

Doch hier kommt das große ABER. Es kann ja wohl nicht sein, dass die Kritik an dem einen Extrem (nämlich die Propagierung von Körpern am Rande des Untergewichts oder darüber hinaus als „schön“) in eine Glorifizierung des anderen Extrems umschlägt. Und das fängt schon mit der Bezeichnung dieser Bewegung an: fat positive.

Wir brauchen Kalorien und Fett, um zu überleben. Das wird oft vergessen, gerade, wenn man sein halbes Leben lang versucht, abzunehmen. Darüber hinaus ist aber nichts positives an Fett oder Fettsein. Fettsein schränkt die Bewegungsfreiheit ein, belastet das Herz-Kreislauf-System, verstopft die Arterien, führt zu Diabetes und Bluthochdruck, erschwert das Atmen und ist schlecht für die Kondition. Und nein, damit meine ich NICHT Britney Spears, um das nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen! Ich spreche von Menschen, die wirklich krankhaft adipös sind, mit allen negativen Auswirkungen.

Es ist nicht schön, so dick zu sein. Und in aller Regel wird man das auch nicht, wenn man sich halbwegs ordentlich ernährt und keine andere Erkrankung hat, die Übergewicht zur Folge hat (was dann natürlich, sofern möglich, behandelt werden sollte).
Natürlich gibt es auch sehr schlanke Menschen, denen die Zunge auf dem Boden schleift, wenn sie beim 100-Meter-Lauf mitmachen müssen. Auch gibt es Dicke, die keinerlei medizinischen Beeinträchtigungen haben. Aber nur weil Helmut Schmidt mit seinen über Neunzig immer noch fröhlich am Rumquarzen ist, heißt das noch lange nicht, dass Zigaretten gesund sind (und das schreibe ich als Raucherin!).

Und damit wieder zu The Biggest Loser. Sämtliche Kandidaten dort fühlen sich von ihrem teils gewaltigen Übergewicht beeinträchtigt und die meisten SIND auch schon deswegen krank. Interessanterweise sind Bernhard und Markus (Team Orange) am schlimmsten betroffen, obwohl sie lange nicht die Dicksten sind. Markus hatte schon einen Schlaganfall und Bernhard kam auch schon mit dem Notarzt ins Krankenhaus, zudem ist er aufgrund seines Übergewichts unfruchtbar. So kann es gehen! Fair ist das nicht, aber das ändert nichts an der Prämisse: Übergewicht IST NICHT GESUND!

Und daher bin ich nicht fat positive. Fett ist nämlich nicht positiv. In der jetzigen Form erinnert mich fat positive einfach sehr unangenehm an die Pro-Ana-Bewegung, in der vorzugsweise junge Frauen Magersucht (Anorexie, verniedlichend „Ana“) und Bulimie (verniedlichend „Mia“) verherrlichen, nur dass bei fat positive nicht forciert wird, noch mehr zuzunehmen. Toll ist aber beides nicht!! Und die Versuche, mitunter die „Sichtbarkeit alternativer Körperformen“ mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, sind oft mehr als lächerlich und bewirken genau das Gegenteil von Akzeptanz.

Daher hab ich auch keine Lust, mir zu The Biggest Loser dauernd anzuhören, Übergewicht wäre ja gar nicht schlimm oder die Serie würde Magersucht produzieren. Ähm, nee, zur Magersucht fehlen den meisten noch gut 100 Kilo!

So, und damit noch ein bisschen Fangelaber!

In der letzten Folge am Sonntag sind die Kandidaten erstmals nicht mehr im Doppel angetreten, sondern haben sich in zwei Teams aufteilen müssen. Auch musste zum ersten Mal die Person mit dem wenigsten Gewichtsverlust sofort aus dem Camp, ohne dass die Kandidaten sie rauswählen mussten. Das traf leider Janina, was aber abzusehen war. Wie schon gesagt: Frauen nehmen schwerer ab, vor allem ab einem gewissen Alter und wenn ihr Übergewicht nicht so massiv ist.

Dann ist Macho Michael freiwillig gegangen, als es so aussah, als müsste er zusammen mit Sezer gehen, weil beide gleich viele Raus-Stimmen hatten. Das tut mir nicht sonderlich leid. Als er sich in der gleichen Folge weigerte, zur „Strafe“ für den Misserfolg seines Teams einem Mitglied des Gewinnerteams den Rücken zu massieren, weil er das „schwul“ fand, fand ich das nämlich wieder mal ziemlich meh. Sezer dagegen mag ich, obwohl es bei ihm noch nicht so gut klappt, aber ich hoffe, er kann noch ein paar Wochen bleiben! Bahar, seine Frau, ist jedenfalls immer noch gut dabei und schon unter 100 Kilo.

Auch bei meinem Schätzchen Bernhard funktioniert es endlich, nachdem er die ersten Wochen immer nur Ergebnisse eingefahren hat, die ihn offensichtlich enttäuscht haben. Der Knoten ist geplatzt!

Die Zwillinge haben beim Wiegen den Vogel abgeschossen, was aber auch abzusehen war. Weil das auf Twitter zu Verwirrung geführt hat, möchte ich als TBL-Expertin mal etwas klarstellen:

Vorletzten Sonntag war wieder mal „Versuchung“. Einen ganzen Tag lang gab es immer wieder allerlei Schleckerei zu essen und das Team, das am Ende die meisten Kalorien zu sich genommen hat, gewann „Immunität“, konnte also nicht rausfliegen. Und obwohl eigentlich keiner mitgemacht hat (außer Michael, der musste aber nach sechs gewaltsam reingezwängten Energydrinks kotzen und war damit ausgeschieden), sind die Beiden völlig ausgerastet und haben zusammen ca. 10.000 Kalorien in sich reingestopft. Damit hatten sie zwar gewonnen, bekamen aber vom Trainer einen Anschiss!

Auf der Waage hatten beide dann mehrere Kilo zugenommen, konnten aber wie gesagt nicht rausfliegen. Sofern sie nicht den Rest der Woche ähnlich zugeschlagen haben, waren die Gewichtszunahme trotzdem unverhältnismäßig hoch, was viele Leute nicht verstanden haben. Genauso, wie der Gewichtsverlust in der letzten Folge unverhältnismäßig hoch gewesen war.
Es ist ganz einfach: Der Gewichtsverlust jeder Woche wird ausgehend von dem Gewicht, was man in der Woche zuvor gewogen hat, berechnet. Da die beiden ja ohnehin nicht rausfliegen konnten, haben sie sich vorher vermutlich ein paar Liter Wasser reingeknallt, was sich in dem Moment auf der Waage bemerkbar gemacht, aber natürlich langfristig keine Auswirkungen hat, denn Wasser hat bekanntlich keine Kalorien. Damit hatten sie für die nächste Woche selbstverständlich einen gewaltigen Vorteil, da sie mit einem viel höheren Startgewicht angetreten sind, als sie eigentlich tatsächlich hatten.
Das sind Tricks, die in jeder Staffel wieder auftauchen, sobald jemand Immunität hat. Ziemlich unfair, aber vermutlich nicht zu verhindern! Ich hoffe, ich konnte einige erleuchten.

Zum ersten Mal wurden übrigens beim Wiegen bei manchen Kandidaten Vorher/Nachher-Bilder eingeblendet. Der Unterschied ist wow! Und das nach so kurzer Zeit.

Ich fiebere weiterhin mit den Kandidaten mit und werde nebenbei versuchen, auch noch ein bisschen abzunehmen. Wer das als sogenanntes fat shaming versteht, dem kann ich leider immer noch nicht helfen.

 

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