Themenwoche: Der Endgegner im Badezimmer!

Eigentlich müsste ich mich um tausend andere Sachen kümmern, aber da mich die Sache gerade (wieder mal) sehr beschäftigt, rufe ich eine neue Themenwoche ins Leben: Der Endgegner im Badezimmer!

Und damit kann natürlich niemand anderes gemeint sein als The Ultimate Evil: die Waage!

Wer mich schon länger liest weiß, dass ich seit Jahren, eigentlich schon Jahrzehnten den epischen Kampf gegen meinen Speck ausfechte, der jeden Gang ins Badezimmer zur absoluten Katastrophe werden lässt. Nun habe ich zu dem Thema schon Ewigkeiten nichts mehr geschrieben – Zeit, das zu ändern!

Macht euch also bereit für die volle Dröhnung: Ab morgen gibt es jeden Tag einen Artikel rund um’s Thema Diät, Abnehmen, moppelig sein! (Und das wird ja so viel spannender, als es sich anhört!)

Themen (absichtlich ein bisschen waage, äh, vage):

Montag: Der ewige Kampf
Dienstag: Fatshaming und Fatacceptance
Mittwoch: Buchtipp
Donnerstag: The war is won!
Freitag: Meine Diät!
Samstag: Rezepttipp: Der Teig ohne Mehl!
Sonntag: Geheimtipp: Die Nudel ohne Kalorien!
Montag: Bonus – das beste Rezept der Welt! (Zum Mitmachen!)

Kuckt auch in meine anderen Thementage rein:
Kinderserien meiner… Kindheit! – Das beste und das schlechteste aus den goldenen 90ern!
Meine Top 5 Alben aller Zeiten! – denn High Fidelity hatte Recht: Es kann nur fünf geben!
Ich war jung und brauchte das Geld! – alle Scheißjobs meines Lebens, gnadenlos bewertet!
My very own Halloween-Special – alles rund um’s Thema Horror, Tod und Party!

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.

¡menú español! ¡Olé!

Gerade noch ging es um das #waagnis und das Hadern mit der Figur. Da fragt man sich, worüber man als nächstes schreiben soll?

Ganz klar: ESSEN!

Gestern war endlich DER Tag, auf den ich seit Wochen gewartet hab. Sonne, 30 Grad, Hitze und Schweiß, totales Sommerfeeling. Das ist auch so schon sehr schön, aber gestern war ich vor allem deswegen froh, weil ich unter diesen Umständen endlich mein spanisches Menü ausprobieren konnte!

Gekocht habe ich ja schon immer gerne, aber erst während meiner Wanderung auf dem Jakobsweg lernte ich, die spanische Küche zu lieben. Vorher dachte ich immer, die wäre im Prinzip dasselbe wie italienisch. Nichts könnte falscher sein. Und seit ich wieder in Deutschland bin versuche ich, die kulinarischen Genüsse aus Spanien hier nachzukochen. Mit mal mehr, mal weniger gutem Ergebnis. Gestern war davon ALLES vertreten :mrgreen:

Das Schöne an dem Essen ist, neben dem Nostalgieeffekt (und natürlich der Vorfreude), dass man alles davon auch super kalt essen kann, was im Sommer natürlich ein Megavorteil ist. Vielleicht habt ihr ja auch mal Lust darauf?

Gazpacho
Gazpacho ist ein spanisches Nationalgericht, eine Tomatensuppe, die man nicht kalt essen KANN, sondern kalt essen MUSS. Auch wenn das bei einigen nicht in den Schädel rein will.

So hatte ich letztes Jahr auf dem Jakobsweg eine kleine Diskussion mit einer Mitpilgerin, mit der ich zusammen essen wollte (eigentlich wollte ich nicht, die Tussi nervte nämlich wie Sau. Aber wir waren an diesem Tag die einzigen Pilger in der Jugendherberge und kannten uns halt schon -.-). Gazpacho gibt es in Spanien komfortablerweise in Tetrapaks zu kaufen, weshalb ich die Suppe für mein Abendessen auserkoren hatte. Es galt nur noch, die Tussi zu überzeugen.
Tussi: „Ne KALTE Suppe? Okay… naja, wenn es mir so nicht schmeckt, kann ich sie ja in der Mikrowelle warm machen.“
Ich: „Nein, kannst du nicht. Die schmeckt warm nicht.“
Tussi: „Ach, bestimmt.“
Ich: „Nein, bestimmt nicht. Die Zutaten werden zu keinem Zeitpunkt gekocht oder warm gemacht. Wenn du das doch tust, schmeckt das einfach megascheiße.“
Tussi: „Ja, aber wenn es mir kalt nicht schmeckt…“
Ich: „Dann wird sie dir auch warm nicht schmecken. Manche servieren die Suppe sogar mit Eiswürfeln, also glaub mir einfach, warm GEHT nicht!“
Tussi: „Naja, aber wenn ich sie dann in der Mikrowelle…“
Ich: „NEIN!!!“

Letztendlich, nach einer viel zu langen, anstrengenden Diskussion, kauften wir das Zeug schließlich und das erste, was sie sagte, als sie einen Löffel der kalten Suppe nahm war: „Boah, ist das geil!“

Und wenigstens damit hatte sie Recht, wenn auch bei sonst nix!

Die Suppe ist furchtbar einfach zu machen. Ihr braucht dafür nur:
– 1 Gurke (vermutlich der Grund, weshalb man Gazpacho nicht erwärmen sollte!)
– ein paar Tomaten
– 3-4 Paprika
– 2 Zwiebeln
– paar Knoblauchzehen
– 1 Chilischote
– halber Liter kalte Gemüsebrühe
– ca. ein- bis eineinhalb Liter passierte Tomaten
– ca. 100 ml weißen Balsamico (wahrscheinlich auch ein Grund)
– Olivenöl
– Salz, Pfeffer, bisschen Zucker

So, jetzt könnt ihr es euch entweder ganz einfach machen und sämtliche festen Zutaten einfach in den Mixer schmeißen oder mit einem Pürrierstab zerhäckseln. Dann einfach mit der Brühe, den passierten Tomaten, dem Essig und Öl mischen, abschmecken, fertig! Damit ist die reine Arbeitszeit knapp zehn Minuten, wobei man eben noch Zeit einrechnen muss, bis die gekochte Brühe kalt ist und auch das fertige Ergebnis schön im Kühlschrank abgekühlt ist.
IMG_1655Wenn ihr ein bisschen mehr Biss haben wollt, könnt ihr auch einen Teil der Zutaten in winzig kleine Würfel schneiden, statt zu pürieren. Das sieht dann auch schöner aus. Normalerweise tue ich das mit der halben Gurke (wobei ich die labberigen Kerne rauskratze und wie gehabt püriere) und einer der Paprikas. Manche tun das auch noch mit ein paar Tomaten, aber da die eh im Vergleich nicht so wirklich knackig sind, finde ich das unnötig. Gestern habe ich jedoch einfach alles püriert, weil mir das ausnahmsweise zu viel Arbeit war :mrgreen:
Das Öl ist so ein Thema. Eigentlich gehört in diese Menge Suppe (ich hatte gestern ungefähr 3 Liter) 150 ml Olivenöl. Nur habe ich festgestellt, dass der Geschmack auch mit viel weniger Öl einfach fantastisch ist, und da ich Olivenöl eigentlich auch nicht sonderlich mag…!
Was ich sagen will: Probierts aus, dosiert das Öl selber! Selbst mit der vollen Menge ist die Suppe keine Kalorienbombe. Damit ist sie einfach ein perfektes Essen an höllenheißen Sommertagen! Frisch, leicht, kühl, fantástico!

Spanische Tortilla
Immer, wenn ich von den tollen Tortillas schwärme, die es in Spanien stückweise überall für wenig Geld zu kaufen gibt (und damit meine ich wirklich ÜBERALL. Bei uns wäre das ja unmöglich, in jeder Kneipe selbstzubereitetes Essen anzubieten, aber die spanischen Gesundheitsbehörden und die Gewerbeaufsicht sind da nicht so. Womit ich völlig einverstanden bin.), verwechseln meine Zuhörer das immer mit der südamerikanischen Tortilla, also diese Teigfladen, in die diverses Zeug eingerollt wird. Eine spanische Tortilla dagegen ist im Grunde ein großes, dickes, rundes Eieromelett, das diverse Zutaten enthalten kann. Das Grundrezept und die Variante, die man in ganz Spanien bekommt, enthält allerdings nur Kartoffeln.

Das ist nicht mein erster Versuch, eine Tortilla zu machen. Das Tückische dabei ist, das Teil zu wenden. Beim ersten Mal resultierte das in einer dreckigen Küche und Rührei (hat auch gut geschmeckt). Bei den nächsten Malen versuchte ich es daher gar nicht erst, sondern bediente mich eines Tricks. Erst habe ich die Tortilla auf der einen Seite angebraten und dann mitsamt der Pfanne bei Oberhitze ein paar Minuten in den Ofen gestellt. Das Ergebnis sah aus wie eine Tortilla, war allerdings relativ trocken. Und da wir in meiner neuen WG einen Gasofen haben, der keine Oberhitze kennt, fiel diese Methode sowieso flach! Ich dachte also, ich probiere es dieses Mal wieder richtig.

Beim Rezept habe ich mich an der Variante orientiert, die im Wikipedia-Kochbuch ausgebreitet wird. Es ist eben ein Grundrezept ohne Schnickschnack und enthält:
– 1 Kilo Kartoffeln
– 6 Eier
– 150 ml Olivenöl
– 2 Teelöffel Salz
– 1 Zwiebel (die hab ich dazu getan, steht so nicht im Rezept)

Die Kartoffeln werden geschält und in dünne Scheiben geschnitten und mit der gewürfelten Zwiebel und einem Teelöffel Salz in 100 (!!) ml Olivenöl weniger gebraten denn frittiert. Dabei ist es wichtig, dass die Kartoffeln zwar gar werden, aber nicht braun. Bei unserem Gasherd, der nur die Stufen „Aus“ und „Inferno“ kennt, gar nicht mal so einfach!
Einfach so lange wenden, bis die Kartoffeln weich sind, dann das Öl abkippen, kurz abkühlen lassen und außerhalb (!!) der Pfanne mit den gequirlten und gesalzenen Ei mischen. Kurz ruhen lassen, dann die Masse in eine gut beschichtete Pfanne geben, die ebenfalls wieder 50 ml Olivenöl enthält.
Jetzt kam der schwierige Teil. Ich habe extra eine Pfanne genommen, deren Rand nicht so „steil“ ist. Nachdem die Masse untenrum gestockt war, ließ ich die Tortilla auf einen Teller gleiten (mit ein bisschen heftigen Anschubsen tat sie das auch). Dann habe ich die Pfanne verkehrt rum auf den Teller gelegt, das ganze rumgewirbelt und – voilá! Kein einziger Spritzer ging daneben!!! Grund genug, nachdem ich die Pfanne wieder auf den Herd gestellt hatte, in Rocky-Pose durchs Wohnzimmer zu rennen.

Yeah.
Yeah.

Und das Ergebnis war, wenn auch natürlich nicht wie aus der Fabrik, einfach wunderschön. Ich könnte weinen, so toll fand ich mich selbst. Und geschmeckt hat es auch!! Obwohl ich das Ei-Kartoffel-Verhältnis irgendwie nicht ganz ausbalanciert fand. Vielleicht waren die Eier zu klein, keine Ahnung. Beim nächsten Mal nehme ich jedenfalls zwei mehr.
Und dann musste mein Mitbewohner Dave natürlich ein bisschen klugscheißen. Immerhin war er vor ein paar Monaten in Portugal gewesen, hat dort eine Tortilla gegessen und weiß jetzt ALLES

Innensicht
Innensicht

darüber. Vor dem Hintergrund seiner immerhin einwöchigen Erfahrung (man stelle es sich vor!!) mit der Ernährung auf der iberischen Halbinsel wollte er mir erzählen, dass man die Kartoffeln in einer Tortilla NIE in Scheiben schneidet, sondern in Würfel. Dass ich insgesamt auf dem Jakobsweg wahrscheinlich in dreißig verschiedenen Lokalitäten Tortillas gegessen hatte, die Kartoffeln da IMMER in Scheiben geschnitten waren und auch alle Rezepte, die sich rühmen, eine „Original-Tortilla“ zu liefern, mit in Scheiben geschnittenen Kartoffeln arbeiten, zählte irgendwie nicht.
Naja. Hauptsache die Tortilla war geilo. Und das war sie!

Empanadas de atún
Auch diese Köstlichkeit ist in Spanien sehr verbreitet. Man kriegt sie mit allen möglichen Füllungen, aber die Thunfisch-Variante ist wohl am beliebtesten. Auch bei mir!
Empanadas gibt es in Spanien auch abgepackt im Supermarkt, dort, wo bei uns die abgepackten Brötchen etc. zu finden sind. Ich habe festgestellt, dass sie nicht nur sehr gut zu transportieren sind, sondern auch einfach unendlich deliziös sind. Dazu nahrhaft. Eigentlich das perfekte Essen zum Wandern.

Leider muss ich sagen, dass dieses Experiment (es war mein erster Versuch) ziemlich daneben ging. Ich habe mich dabei an diesem Rezept von Chefkoch orientiert. Die Füllung wurde dann auch richtig gut, wobei ich statt einer halben gelben und einer halben roten Paprika eine ganze grüne genommen hatte (weil das auch in Spanien so gemacht wird, scheint mir) und doppelt so viel Thunfisch genommen hatte. Das war auch absolut richtig gewesen.
Nur der Teig bereitete mir Probleme. Ich weiß nicht, was für ein Teig in Spanien genommen wird. Es ist kein Hefeteig, dazu ist er zu dünn und unfluffig (was gut ist). Es ist aber auch kein Blätterteig, wenn ich nicht völlig falsch liege, obwohl in den meisten deutschen Rezepten Blätterteig genommen wird!

Ich war ratlos und habe den Teig so probiert, wie er im Rezept stand. Und das war scheiße. Das Ergebnis ließ sich überhaupt nicht rollen, war klebrig und brüchig. Ein Mürbeteig halt. Und das kann keinesfalls stimmen!

Weil ich gestern keine Zeit mehr hatte und ich damit wirklich absolut nichts anfangen konnte, knetete ich schnell einen Teig aus Mehl, Backpulver, Wasser, bisschen Öl und Salz. Quasi ein Hefeteig ohne Hefe. Und das war schlecht. Das Ergebnis ist trocken, warm ziemlich knusprig und kalt einfach nur zäh. Wobei ich ein bisschen Schuld auch unserem beschissenen Gasofen gebe, der fast nur von unten heizt, während der Deckel einfach nicht braun wurde. Deshalb ließ ich die Empanada auch zu lange drin, und, ja… dann passiert halt das.

Ausgesehen hats ja ganz gut, aber naja...
Ausgesehen hats ja ganz gut, aber naja…

Sogar die sauleckere Füllung war danach ziemlich trocken, was ich ebenfalls anders kenne. Ich weiß nicht, ob das auch daran lag oder ob ihr von Anfang an Flüssigkeit gefehlt hat.

Falls hier irgendeiner nen Tipp hat, wie ich einen besseren Teig hinkriege, oder ob der Teig im spanischen Original vielleicht doch ein einfach nur ziemlich weicher Blätterteig ist… ich wäre sehr dankbar!

Von diesem Rückschlag abgesehen fand ich das Essen sehr gelungen, auch wenn mich das Ergebnis nur halb von dem Gedanken ablenken konnte, warum ich mich am bisher schönsten Tag des Jahres drei Stunden in die Küche stelle. Die Reaktionen meiner Mitbewohner waren dagegen eher gemischt. Dave mochte die Gazpacho gar nicht (aber er mag auch generell keine Tomatensuppe. Trotzdem… *grmpf*), David fand sie in Ordnung, allerdings nicht überwältigend. Damit sind sie die ersten und einzigen Personen bis jetzt die ich kenne, die nicht völlig begeistert waren von Gazpacho. Banausen!
Dafür hat David die Tortilla supergut geschmeckt, während Dave sie zu salzig fand. ICH dagegen fand sie genau richtig gewürzt.

Die Empanadas fanden sie okay. Was nicht gerade die Reaktion war, die ich erhofft hatte. Naja. Erster Versuch.

Jedenfalls, vielleicht konnte ich euch ja eine kleine Anregung für den Sommer geben. Die spanische Küche bietet natürlich noch viel, viel mehr, doch diese drei kleinen Gerichte sind praktisch die Basis der spanischen Ernährung ^^ Vielleicht ist euch ja aufgefallen, dass keines davon mehr als Salz und Pfeffer enthält. Durch die spanische Küche lernt man, dass Kräuter und selbst Gewürze eigentlich total überbewertet werden! Das war für mich eine völlig neue Erfahrung. Und wohl auch der große Unterschied zur italienischen Küche.

Fettarm ist das alles nicht gerade (außer eben das Gazpacho), aber halt saulecker. Und das ist es, was zählt!

 

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Wessen Privileg schwerer wiegt…

Einige Bloggerinnen haben die Aktion #waagnis ins Leben gerufen und andere aufgefordert, daran teilzunehmen. Das hier ist allerdings weniger ein Teilnehmerpost als ein kleiner Rant gegen die Kritiker dieser Aktion. Das ist hoffentlich auch genehm.

Als ich heute um halb eins so langsam die Augen aufbekam (ich war mal wieder arbeiten bis vier Uhr morgens), war meine erste Amtshandlung, wie immer, der Griff zum Laptop. Und, wie so oft, öffnete ich Twitter und sofort ploppten einige Fragezeichen über meinem müden Schädel auf. #waagnis, hä? Was geht ab?

Das war schnell geklärt. Ninia, Kathrin, Johanna und Maike von Kleinerdrei schrieben über das Hadern mit ihren Körpern, haben sich entschlossen, (teils weiterhin) ohne Waage zu leben und fordern alle auf, ebenfalls von ihren Problemen mit der unnötigen Badezimmerelektronik namens Waage zu berichten. Entweder in Form von Blogposts oder bei Twitter unter dem Hashtag #waagnis.

Noch bevor ich allerdings die Artikel alle lesen und entscheiden konnte, ob ich das nun cool finden soll oder nicht, fielen mir die ersten negativen Statements zu der Aktion ins Auge. Gleich gefolgt von einem entschuldigenden Tweet von Ninia.

Nennt mich anti, aber in diesem Moment war mir sofort klar, dass etwas, was so eine Entschuldigung nötig macht, eigentlich nur gut sein kann.

Doch zunächst zu mir.

Probleme mit meinem Gewicht habe ich schon häufiger thematisiert, man könnte also auf die Idee kommen, dass ich dazu nichts mehr zu sagen habe. Tatsächlich ist das aber eine neverending story… und nicht nur für mich.

Seit zweieinhalb Monaten lebe ich mehr oder weniger unfreiwillig ohne Waage, denn Anfang April bin ich umgezogen und war bisher zu faul, meine Waage in meiner alten WG abzuholen. Sie war auch eines der ersten Geräte, die ich für diese WG anschaffte – zusammen mit einer Küchenwaage.

Der Slogan der Mädels von #waagnis lautet übrigens:
waagnis
Ich musste direkt lachen, als ich das las. Nicht, weil es ein lächerliches Statement ist, sondern weil ich Leute kenne, die selbst DAS für irgendwie bescheuert halten.

Wie mein geschätzter Ex-Mitbewohner Moritz zum Beispiel. Er beäugte unsere neue Küchenwaage damals völlig verblüfft. „Wofür brauchst du die denn?“
Ich, gnadenlos: „Um Sachen zu wiegen.“
„Äh, aber warum? Das geht doch auch so?“
Nun muss ich mich vor jemanden, der eine halbe Stunde braucht, um eine Karotte und ne halbe Zucchini zu schneiden und das „Kochen“ nennt, wohl wirklich nicht zu rechtfertigen, tat es aber doch. „Ja, normal schon. Aber ich koche ja auch mal nach Rezept. Oder brauch abgewogene Zutaten zum Backen. Oder für Nudeln.“
Schockierter Blick von Moritz. „Du wiegst deine Nudeln?!?!“
„Ja.“
…Und er glotze mich an, als hätte ich eine Essstörung.

Zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir klar, dass andere Leute das wohl offensichtlich nicht tun. Also, Nudeln wiegen. Aber da Moritz mit seinem Urteil nicht falsch lag (jedenfalls nicht völlig), gibt es für mich leider keine Alternative.

Das Problem ist, dass ich fressen kann, bis ich fast platze. Weitaus mehr, als ich brauche, weitaus mehr, als angenehm für mich ist. Und leider fehlt mir durch jahrelange Probleme mit meiner Ernährung irgendeine Art Mechanismus, der meinem Körper während des Essens sagt „Es langt jetzt“. Natürlich fühle ich mich nach zu viel Essen völlig vernichtet. Es ist nicht so, dass mir ein Sättigkeitsgefühl fehlt. Eher die Beherrschung, auch darauf zu hören, obwohl das für die meisten Leute überhaupt kein bewusster Akt ist und sie einfach von selbst aufhören, wenn sie merken, dass sie satt sind.

Daher wiege ich meine Nudeln. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich von 100-120 Gramm Nudeln absolut angenehm satt bin. Essen kann ich aber auch locker doppelt so viel. Weshalb die Küchenwaage in diesem Fall mein einziger Freund ist, der zwischen mir und der völligen Überfressung steht.

Und aus dem selben Grund kann ich das #waagnis nicht eingehen und meine Körperwaage entsorgen.

Seitdem meine Waage in meiner Ex-WG im Exil ist, habe ich zugenommen. Das spüre ich an meinen Jeans und natürlich auch an der Optik. Vor meinem Umzug hatte ich gerade ein paar Kilo abgenommen und war auf 71 kg runter, verteilt auf schnuckelige 1,58. Inzwischen dürfte ich wieder bei 75 sein, ungefähr.

Und das gefällt mir nicht. ICH gefalle MIR so nicht. Es ist mein ureigenes Ästhetik- und auch Körperempfinden, dass ich mir mit 10-20 Kilo weniger besser gefallen würde. Hatte ich alles schon, konnte es damals allerdings nicht genießen. Jetzt wäre das anders und deswegen möchte ich da wieder hin!

Das klappt allerdings nicht ohne Waage. Ich kann auf dieses elende Kontrollding nicht verzichten. Ich hätte nämlich nicht wieder 4 Kilo zugenommen, wenn ich zwischendurch gesehen hätte, in welche Richtung ich mich gerade bewege. Ohne Waage war das ein diffuses Gefühl, das sich ganz langsam aufbaute, bis es zu spät war.
„Hm, so lange ohne Waage. Hab ich zugenommen? Neeeee.“
„Hm, die Jeans kneift. Ist aber auch frisch gewaschen. Muss nix heißen.“
„Hm, ist das ein neues Speckröllchen? Schwer zu sagen…“
„Okay, ein neues Loch im Gürtel. JETZT ist es amtlich!“

Natürlich ist die Waage nur ein unzureichendes Gerät zur Messung des Körpers. Die Waage interessiert sich nicht dafür, ob ich mir gerade ein Kilo Eis reingepfiffen hab oder ein Liter Wasser auf Ex – in beiden Fällen zeigt sie direkt danach ein Kilo mehr an. Es ist ihr auch egal, ob ich gerade meine Tage hab und aufgeschwemmt bin. Oder, ob ich vor oder nach ihrer Besteigung aufs Klo gehe. Die Waage macht, was sie will, weil der menschliche Körper macht, was er will!

Dennoch brauche ich das blöde Teil einfach, denn zumindest für die grobe Richtung reicht es. Deshalb werde ich meine Waage nicht entsorgen (und kann leider auch nicht, wie gewünscht, ein Foto machen, weil ich sie ja momentan nicht in der Wohnung habe).

Ich weiß nicht, ob das vielleicht bedeutet, dass ich „noch nicht so weit“ bin. Oder ob es einfach von meinem Standpunkt aus nur logisch ist. Wie soll ich das beurteilen? Ich hätte meine Meinung nicht, wenn ich nicht der Meinung wäre, dass meine Meinung richtig ist.

Dennoch mag ich die Aktion und fand alle Ausgangsartikel ziemlich gut. Deswegen nervt es mich auch, wie viel Kritik die Initiatorinnen einstecken müssen!

Warum? Naja. Es gibt ja diese „fat acceptance“-Bewegung, die sich für die Akzeptanz „alternativer Körperformen“, bzw. in diesem Fall ganz konkret fetter Körper einsetzt (sie nennen sich selbst so. Also, fett. Deshalb schreibe ich das jetzt einfach so, obwohl ich sowas im Leben nicht jemanden ins Gesicht sagen würde. Dazu habe ich es selbst schon zu oft gehört.). Eine Bewegung, die ich nicht unkritisch betrachte, die mich aber auch nicht wirklich tangiert.

Genau aus dieser Ecke erschallt nun ne Menge Wut, was in meinen Augen einfach nur paradox ist. Immerhin war es ja die Intention der Autorinnen, alle mollige Frauen da draußen dazu zu motivieren, den ständigen Kampf mit der Waage einfach aufzugeben und sich ihr Leben nicht von ein paar Zahlen auf einem Display diktieren zu lassen!

Und das ist ja auch richtig so. Oft wird der Einfluss der Medien etc. auf dieses Thema verharmlost (mein Eindruck: Meist irgendwie nur von Männern, die nur auf Frauen mit Modelmaßen stehen), aber man muss sich nur mal ein bisschen umsehen und auf saublöde Artikel wie diesen stoßen um zu merken, dass es eben NICHT harmlos ist. Kleine Mädchen machen sich schon Sorgen um ihre Figur, der Großteil der weiblichen Teenager hasst sich, erwachsene Frauen geben Tonnen von Geld dafür aus, schlank zu werden oder zu bleiben.

Diese Frauen und Mädchen sind alle sehr unsicher und sehr unglücklich, obwohl sie größtenteils wirklich keinen Grund dazu haben. Aber es wird ihnen eben eingeredet. Eine Folter, an der sogar Freunde und Familie mit Genuss partizipieren.

Für einige dieser Frauen könnte es ein Segen sein, die Waage einfach in den Müll zu werfen, sich davon nicht mehr den Tag versauen zu lassen, nicht mehr darüber zu grübeln, warum man heute plötzlich ein Kilo mehr wiegt, obwohl man gestern nur Salat und ne Salzkartoffel gegessen hat (das passiert halt manchmal einfach so). Was ist daran bitte schlecht?

Auf Twitter las ich von irgendeiner, das Problem sei, dass sich hier nur Frauen mit „Normalgrößen“ zu Wort gemeldet hätten. Und diese sind natürlich im Vergleich zu richtig fetten Frauen total privilegiert, was in manchen radikalen Strömungen des Feminismus der finale Code ist für „Fresse halten“. Denn privilegierte Menschen dürfen NIEMALS irgendwas sagen!

Diesen Damen scheint das tatsächliche Problem entgangen zu sein. Das Problem ist ja nicht, dass Frauen ab BMI 30 verhöhnt und ständig wegen ihrer Figur kritisiert werden. Das Problem ist, dass sowas auf ALLE Frauen zutrifft! Eine Ausnahme mögen wohl die wenigen von der Natur gesegneten sein, die ohne Sport etc. essen können was sie wollen und trotzdem schlank bleiben. Aber selbst die werden doch ständig auf ihr Gewicht angesprochen, auf ihren Körper reduziert!

Die Schwere eines Misstandes äußert sich nicht darin, wie die Gesellschaft auf solche reagiert, die extrem krass von der gesetzten Norm abweichen. Die Schwere eines Misstandes äußert sich darin, wie die Gesellschaft auf solche reagiert, die davon auch nur ein bisschen abweichen. Und das ist beim Thema „weibliche Figur“ eindeutig der Fall!

Der Schmerz, den richtig fette Menschen empfinden müssen, wenn sie angepöbelt oder ausgelacht werden, wird nicht im Geringsten geschmälert, wenn eine, die in einen H&M reingehen kann und dort sogar auch ohne Übergrößenabteilung was passendes findet, davon berichtet, wie an ihrem Aussehen rumgemäkelt wurde. Und es ist nur logisch, dass eine solche Frau sich mit solchen, die von diesen Attacken noch viel mehr betroffen sind, praktisch automatisch solidarisiert!

Deshalb ist es gar nicht schlecht, dass sich hier Frauen zu Wort gemeldet haben, die nach Interpretation der fat-acceptance-Membern ne völlig normale Figur haben. Ganz im Gegenteil! DAS beweist doch erst, was für ein Problem wir heutzutage mit abweichenden Körperformen haben!

Deshalb finde ich die Kritik an der Aktion völlig überzogen, vor allem, wenn man das weiter denkt. Wenn jetzt Frauen, die mehr wiegen als die Initiatorinnen meinen, dass nur so richtig fette Frauen sich dazu wirklich äußern dürfen, was passiert dann, wenn NOCH dickere Frauen auftauchen? Gibts ne Grenze, ab der man sich äußern darf? Oder heißt es: Je mehr BMI, desto mehr Gewicht haben auch die Worte?

Manchmal sollte man einfach mal überlegen, was sich Leute bei bestimmten Dingen gedacht haben. Und die #waagnis-Mädels haben bestimmt nicht gedacht: Höhö, trollen wir mal ein bisschen rum. Sie haben reflektiert, wofür dieses Scheißding Waage eigentlich steht und beschlossen, sich daraus zu befreien, während sie gleichzeitig anderen Frauen damit Mut machen wollen.

Dass dabei viele fatpositive- oder fatacceptance-Bloggerinnen „unsichtbar“ gemacht wurden… also meine Güte. Manchmal glaube ich, manche Leute stecken so tief in ihrer Filterbubble drin, dass sie gar nicht merken, dass ihnen außerhalb dieser keine Sau zuhört. Ich habe mich beispielsweise schon seit ich denken kann mit Diäten, Gewicht etc. beschäftigt, aber fat acceptance ist mir erst über den Weg gelaufen, als ich anfing zu bloggen. Das ist wieder mal keine besonders verbreitete Bewegung, die daher doch über jeden neuen Impuls froh sein kann. Wenn dieser jetzt von Ninia, Kathrin, Johanna und Maike kommt, warum nicht? Sie mögen einen anderen Ansatz haben, sind auch wahrscheinlich nicht fat positive. Aber sie sind Frauen und haben eine Leidensgeschichte. Frauen mit einer kleinen Idee. #waagnis eben. Und der Vorstellung, dass man ausgehend von seiner Blogger-Fangemeinde damit vielleicht für das ein oder andere Mädchen etwas besser macht.

Ich mache bei #waagnis nicht mit. Aber ich hoffe, viele andere tun es. Und Ninia, Kathrin, Johanna und Maike wünsche ich alles Gute. Sie haben sich absolut nichts vorzuwerfen.

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.

Wo soll’s denn losgehen? – Jakobswegplanung óle!

Es steht fest: Auch dieses Jahr wirds für mich wieder eine Pilgerreise geben!

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine offizielle Jakobswegpilgerin bin. Wer mich noch nicht so lange verfolgt, ist jetzt hoffentlich angemessen schockiert!

Immer, wenn ich davon erzähle, ernte ich bei meinen Zuhörern haargenau die selbe Reaktion: „Du bist den Jakobsweg gegangen? Den GANZEN?“

… und dann muss ich immer lachen. Es gibt nämlich nicht DEN Jakobsweg, ganz im Gegenteil. Der Jakobsweg ist vielmehr ein Wegenetz, das sich durch ganz Europa zieht und gerade im Mittelalter die sicherste Reiseroute darstellte. jakobsweg Ich denke, damit ist klar, dass ich nicht den GANZEN Jakobsweg gepilgert bin!

Zwei Touren habe ich bis jetzt hinter mir, einmal 2010 im Heiligen Jahr und einmal letztes Jahr. Leider hat es letztes Jahr GAR NICHT geklappt. Erst hatte ich eine Sehnenentzündung im Fuß, die mich eine gesamte Woche aus dem Verkehr gezogen hat, was einfach nur die Hölle auf Erden war, und dann war der verdammte Weg auch noch völlig overcrowdet. Es macht keinen Spaß, nach 25-30 Kilometern am Zielort anzukommen und zu erfahren, dass die Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger wieder mal ausgebucht sind.
Das ist übrigens nur die Schuld dieser blöden Sportpilger. Also Pilger, die den Weg nur wandern, weil er halt als gut ausgebautes Wegenetz existiert und sie das als sportliche Herausforderung betrachten. Natürlich IST der Jakobsweg eine sportliche Herausforderung, und nein, man muss um Himmels Willen nicht gläubig sein, um den gehen zu dürfen, aber wenn ich diese Assis an mir vorbei rennen sah mit ihrer funktionellen Sportkleidung für ein paar Hundert Euro, wie sie ohne nach rechts und links zu blicken über den Weg hetzen, ohne Interesse für die Geschichte, die Architektur, die Bedeutung des Ganzen und auch der spanischen Kultur, hätte ich jedes Mal brechen können!
Die Pilgerherbergen sind für die Pilger da. Aber diese Leute sind einfach nur… Wanderer. Pfui! Und als solche nehmen sie den Leuten die Plätze in den Herbergen weg, die auf sie angewiesen sind und sich keine Alternative leisten können. Deshalb sind die Herbergen ja auch so billig!

camino-dela-costa-karteUps… abgeschweift. Also: Nach meinen Erlebnissen vom letzten Jahr kommt der Camino de la Costa, der nördlichste Jakobsweg in Spanien, der Weg, den ich bei meiner ersten Tour gelaufen bin und der daher immer irgendwie MEIN Weg bleiben wird, leider nicht mehr in Frage. Ich hatte in meinem ersten Jahr wohl wirklich einfach Glück. Statt wegen des Heiligen Jahres (das ist übrigens ein Jahr, in dem der Tag des hl. Jakobs auf einen Sonntag fällt – in diesem Jahr darf Santiago de Compostela den erfolgreichen Pilgern als einer von nur vier christlichen Pilgerorten überhaupt auf der Welt eine komplette Absolution aller Sünden erteilen!) überfüllt zu sein, wie befürchtet, sind wegen dieser düsteren Prophezeiungen wohl viele gleich auf dem Hauptweg, dem Camino francés, gestartet (eben jener ging  auch Hape Kerkeling). Daher war ausgerechnet im Heiligen Jahr wesentlich weniger los als letztes Jahr.

Nachdem ich mehrere Nächte hintereinander nur beschissene Schlafmöglichkeiten gehabt hatte und aus diesem Grund übermüdet, gereizt und weinerlich war, beschloss ich eines Tages spontan, auf die Hauptroute zu wechseln und schnappte mir einen Bus nach León. Dieser hat nämlich mehr und besser ausgebaute Herbergen, womit es fast unmöglich ist, keinen Platz zu bekommen, egal wie langsam man latscht.

Das ist allerdings schon der einzige Vorteil, der mir einfällt. Ich bin einfach kein Fan des Camino francés. Dieser ist viel mehr als der Camino de la Costa touristisch orientiert, weshalb man in den Bars am Wege unverschämte Preise bezahlen muss und dann trotzdem nichts ordentliches dafür bekommt. Ich erinnere mich immer noch mit Wut im Bauch an diese blöde Bar hinter dem Crúz de Ferro, die mir tatsächlich Fertigtortillas servierte! Und dafür doppelt so viel verlangte wie für ne richtige, saugeile Tortilla im Norden!
Auch gefällt mir die Landschaft nicht besonders. Vielleicht wird das dieses Mal anders sein, weil ich letztes Jahr direkt vom grünen Norden kam und der Kontrast einfach zu krass war, aber damals fand ich die Aussicht zum Kotzen. Es wirkte auf mich alles völlig tot, flach und langweilig.

Und natürlich: Das Meer fehlt *seufz*

Der Camino francés beginnt in Saint-Jean-Pied-de-Port, einem Ort kurz vor der spanischen Grenze, womit sich leider für mich, sollte ich da losgehen, direkt zwei Probleme ergeben:

1. Der Camino francés ist auf gut zwei Dritteln des Weges absolut flach wie ein Brett. Das fiel mir umso mehr auf, weil der Camino de la Costa das genaue Gegenteil ist. Das ist natürlich recht komfortabel, weil es sich bekanntlich gerade leichter wandert als auf oder ab.
ABER: Von St. Jean aus geht direkt die erste Etappe steil nach oben – über die Pyrenäen. Und das ist für den Anfang ziemlich scheiße! Der Körper muss sich erst an die ungewohnten Strapazen gewöhnen, sonst gibt’s diverse Wehwehchen. Und nach meinen Problemen vom letzten Mal will ich das auf gar keinen Fall riskieren!

2. Das klingt vermutlich saublöd, aber mir ist der Weg einfach zu kurz. 800 km sind es von St. Jean bis Santiago (der Camino de la Costa ist ca. 50 km länger) und das ist irgendwie lahm. 1000 km mindestens, das wärs! Allein, weil es sich so lässig anhört: „Ich bin 1000 km gewandert, Bitches!“ Außerdem habe ich im Sommer viel Zeit, vielleicht zum letzten Mal in meinem Leben, und das möchte ich ausnutzen!

Wo starten, welcher Weg?
So, und da diese gängige Variante ausscheidet, steh ich nun hier und habe fünf, ja, FÜNF mögliche Startpunkte und Routen! Damit ihr mal seht, wie knifflig so eine Planung sein kann, und weil es mir vielleicht hilft, die Vor- und Nachteile schwarz auf weiß vor mir zu sehen, hier meine Überlegungen bis jetzt:

Den Camino francés nach Frankreich hin verlängern
jakobswegfrankreichOffiziell heißt dieser Weg wie gesagt erst ab Saint-Jean-Pied-de-Port Camino francés, aber das heißt nicht, dass er dort erst beginnt. Aus Frankreich streben ganze vier Wege auf dieses kleine Örtchen zu. Aus technischen Gründen (sprich, die Anreisemöglichkeiten) habe ich das auf zwei Möglichkeiten eingegrenzt, nämlich den Via Turonensis ab Bordeaux oder den Via Tolosana ab Montpellier.
Vor- und Nachteile: Bordeaux würde ich Montpellier vorziehen, weil dieser Weg wenigstens so nahe am Meer entlang läuft, dass man es vielleicht ab und zu sogar riechen kann, und die Strecke ab Montpellier sehr bergig aussieht. Nur, selbstverständlich: Ausgerechnet für diesen Weg gibt es offensichtlich keinen Pilgerführer!
Der größte Nachteil ist allerdings, dass ich kein Wort Französisch spreche und daher eigentlich keinen Bock habe, in Frankreich zu wandern. Das ist ein fettes, fettes Minus, auch wenn diese Varianten meine erste Eingebung waren. Dennoch habe ich weiter gesucht und habe weitere Möglichkeiten in Spanien gefunden, die länger sind als der Camino francés.

Der Jakobsweg ab Barcelona
Diesen habe ich auf der Karte entdeckt und war sofort entzückt – doch offensichtlich hat der nicht mal einen Namen. Ich habe versucht, mehr Informationen darüber zu sammeln, aber dieser Weg scheint noch nicht so wirklich erschlossen zu sein. Keinen Namen, daher auch keinen Pilgerführer – das erscheint mir dann leider zu unsicher! Da nützt es nichts, dass der Weg wohl meine Kriterien die Weglänge betreffend erfüllt.

Der Jakobsweg ab Sevilla
viadelaplata Dieser Weg dagegen ist ganz genau 1003 km lang, was natürlich ideal wäre! Der Via de la Plata scheint zudem von den größten Pilgermassen, die ich ja nicht so prall finde, weitestgehend verschont. Also ne schöne Alternative!
Doch schnell sollte mir gezeigt werden, warum er so einsam ist. In Sevilla und noch viele Kilometer weiter werden es im Juli/August bis zu 50 Grad. Fünf.zig.Grad. Dazu kaum Schatten und verbrannte Landschaft. Und da muss ich sagen: Der Mensch, oder zumindest ich, ist für solche Temperaturen nicht geschaffen. Das würde ich schlichtweg nicht überleben! Daher scheidet dieser Weg, jedenfalls für diese Jahreszeit, definitiv AUS!

Der Jakobsweg ab Valenciacaminodelevante
Dies ist nun die fünfte und jüngste Möglichkeit, die mir offenbart worden ist. Der Camino de Levante beginnt in Valencia, macht erst mal nen lustigen Schwenker und führt dann quer durch Spanien, bis er in Astorga (da war ich schon!) auf den Camino francés trifft. Insgesamt ist er mit diesem Wegstück bis Santiago 1200 km lang und scheint wettermäßig milder zu sein (heißt: bis 35 Grad *hust*)
Ich muss sagen, dass mir diese Route bis jetzt am besten gefällt! Der einzige Nachteil, und der ist leider doch schon erheblich, ist die Länge der Etappen. Während es auf dem Camino francés ständig und auch schon nach wenigen Kilometern immer wieder Herbergen gibt, scheint diese Versorgung auf dem Camino de Levante noch nicht gegeben zu sein. Allein die erste Etappe ab Valencia ist 35 km lang, was gerade für den Anfang viel zu viel ist. Wie gesagt, ich hatte letztes Mal erhebliche Schwierigkeiten mit den Füßen, deshalb will ich mich auf gar keinen Fall überanstrengen! Abbrechen kommt nicht in Frage.
Doch da kann ich überlegen, ob es vielleicht möglich ist, einige der längsten Etappen per Bus etc. abzukürzen. Das ist zwar sehr verpönt, doch das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich bin bei meinem ersten Camino 800 km gewandert, obwohl ich sehr untrainiert bin, ich muss mir also von niemanden sagen lassen, dass ich keine richtige Pilgerin sei!

Wie ihr seht, ich so eine Pilgerschaft planungsintensiver als man so gemeinhin denkt. Dennoch hoffe ich, mich bald entscheiden zu können, um meine Anreise zu regeln und mich schon ein bisschen in Vorfreude zu aalen.

Hilfreich ist mir dabei, dass dieser Camino auf gar keinen Fall so schlimm werden kann wie der letzte!

Wenn du was zu meiner Reisekasse beitragen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Fasten, fat positive, „The Biggest Loser“

Mein kleiner Fanartikel über The Biggest Loser ist ja größtenteils negativ aufgenommen worden. Damit habe ich ehrlich gesagt gerechnet, allerdings hat mich die Art der Kritik ziemlich umgehauen.

Ich meine, ich kann vollkommen verstehen, wenn die Serie kritisch gesehen wird, vor allem was den Umgang mit den übergewichtigen Kandidaten angeht. Was ich absolut nicht verstehen kann und auch auf gar keinen Fall unterstützen oder gar gutheißen will: diese leicht verklärte Sicht auf Übergewicht an sich.

Es gibt feministische Strömungen, die haben sich etwas auf die Fahnen geschrieben, was sich fat positive nennt. Den Grundgedanken, sofern ich den richtig verstanden habe, unterstütze ich vollkommen: Kein Mensch sollte aufgrund seines Körpers diskriminiert oder beleidigt werden, vor allem nicht in Hinblick auf ein völlig überzogenes Schönheitsideal, das z.B. dazu führt, dass eine Frau, nennen wir sie mal Britney Spears, in allen Medien als fett bezeichnet werden darf, nur weil sie plötzlich auf elefantöse Größe 36 angeschwollen ist. Größe 36 ist nämlich NORMAL!!
Auch ist es wirklich unübersehbar, dass so eine Häme wirklich hauptsächlich Frauen trifft, und sich sogar megaschlanke Mädchen in aller Öffentlichkeit von einer talentfreien Unsympathin anhören müssen, dass sie immer noch zu fett sind, um Supermodel zu werden.

Nochmal in aller Kürze die Punkte, denen ich zustimme:
– Frauen werden im höchsten Maße auf ihr Äußeres reduziert
– Frauen werden in Bezug auf ihr Gewicht von klein auf verunsichert
– Frauen wird von den Medien etc. ein Körperbild vor Augen gehalten, dass krankhaft und kaum ohne strikte Mangelernährung und exzessiven Sport zu erreichen ist

So weit, so verständlich (finde ich zumindest). Das ist etwas, was man durchaus kritisieren sollte.

Doch hier kommt das große ABER. Es kann ja wohl nicht sein, dass die Kritik an dem einen Extrem (nämlich die Propagierung von Körpern am Rande des Untergewichts oder darüber hinaus als „schön“) in eine Glorifizierung des anderen Extrems umschlägt. Und das fängt schon mit der Bezeichnung dieser Bewegung an: fat positive.

Wir brauchen Kalorien und Fett, um zu überleben. Das wird oft vergessen, gerade, wenn man sein halbes Leben lang versucht, abzunehmen. Darüber hinaus ist aber nichts positives an Fett oder Fettsein. Fettsein schränkt die Bewegungsfreiheit ein, belastet das Herz-Kreislauf-System, verstopft die Arterien, führt zu Diabetes und Bluthochdruck, erschwert das Atmen und ist schlecht für die Kondition. Und nein, damit meine ich NICHT Britney Spears, um das nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen! Ich spreche von Menschen, die wirklich krankhaft adipös sind, mit allen negativen Auswirkungen.

Es ist nicht schön, so dick zu sein. Und in aller Regel wird man das auch nicht, wenn man sich halbwegs ordentlich ernährt und keine andere Erkrankung hat, die Übergewicht zur Folge hat (was dann natürlich, sofern möglich, behandelt werden sollte).
Natürlich gibt es auch sehr schlanke Menschen, denen die Zunge auf dem Boden schleift, wenn sie beim 100-Meter-Lauf mitmachen müssen. Auch gibt es Dicke, die keinerlei medizinischen Beeinträchtigungen haben. Aber nur weil Helmut Schmidt mit seinen über Neunzig immer noch fröhlich am Rumquarzen ist, heißt das noch lange nicht, dass Zigaretten gesund sind (und das schreibe ich als Raucherin!).

Und damit wieder zu The Biggest Loser. Sämtliche Kandidaten dort fühlen sich von ihrem teils gewaltigen Übergewicht beeinträchtigt und die meisten SIND auch schon deswegen krank. Interessanterweise sind Bernhard und Markus (Team Orange) am schlimmsten betroffen, obwohl sie lange nicht die Dicksten sind. Markus hatte schon einen Schlaganfall und Bernhard kam auch schon mit dem Notarzt ins Krankenhaus, zudem ist er aufgrund seines Übergewichts unfruchtbar. So kann es gehen! Fair ist das nicht, aber das ändert nichts an der Prämisse: Übergewicht IST NICHT GESUND!

Und daher bin ich nicht fat positive. Fett ist nämlich nicht positiv. In der jetzigen Form erinnert mich fat positive einfach sehr unangenehm an die Pro-Ana-Bewegung, in der vorzugsweise junge Frauen Magersucht (Anorexie, verniedlichend „Ana“) und Bulimie (verniedlichend „Mia“) verherrlichen, nur dass bei fat positive nicht forciert wird, noch mehr zuzunehmen. Toll ist aber beides nicht!! Und die Versuche, mitunter die „Sichtbarkeit alternativer Körperformen“ mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, sind oft mehr als lächerlich und bewirken genau das Gegenteil von Akzeptanz.

Daher hab ich auch keine Lust, mir zu The Biggest Loser dauernd anzuhören, Übergewicht wäre ja gar nicht schlimm oder die Serie würde Magersucht produzieren. Ähm, nee, zur Magersucht fehlen den meisten noch gut 100 Kilo!

So, und damit noch ein bisschen Fangelaber!

In der letzten Folge am Sonntag sind die Kandidaten erstmals nicht mehr im Doppel angetreten, sondern haben sich in zwei Teams aufteilen müssen. Auch musste zum ersten Mal die Person mit dem wenigsten Gewichtsverlust sofort aus dem Camp, ohne dass die Kandidaten sie rauswählen mussten. Das traf leider Janina, was aber abzusehen war. Wie schon gesagt: Frauen nehmen schwerer ab, vor allem ab einem gewissen Alter und wenn ihr Übergewicht nicht so massiv ist.

Dann ist Macho Michael freiwillig gegangen, als es so aussah, als müsste er zusammen mit Sezer gehen, weil beide gleich viele Raus-Stimmen hatten. Das tut mir nicht sonderlich leid. Als er sich in der gleichen Folge weigerte, zur „Strafe“ für den Misserfolg seines Teams einem Mitglied des Gewinnerteams den Rücken zu massieren, weil er das „schwul“ fand, fand ich das nämlich wieder mal ziemlich meh. Sezer dagegen mag ich, obwohl es bei ihm noch nicht so gut klappt, aber ich hoffe, er kann noch ein paar Wochen bleiben! Bahar, seine Frau, ist jedenfalls immer noch gut dabei und schon unter 100 Kilo.

Auch bei meinem Schätzchen Bernhard funktioniert es endlich, nachdem er die ersten Wochen immer nur Ergebnisse eingefahren hat, die ihn offensichtlich enttäuscht haben. Der Knoten ist geplatzt!

Die Zwillinge haben beim Wiegen den Vogel abgeschossen, was aber auch abzusehen war. Weil das auf Twitter zu Verwirrung geführt hat, möchte ich als TBL-Expertin mal etwas klarstellen:

Vorletzten Sonntag war wieder mal „Versuchung“. Einen ganzen Tag lang gab es immer wieder allerlei Schleckerei zu essen und das Team, das am Ende die meisten Kalorien zu sich genommen hat, gewann „Immunität“, konnte also nicht rausfliegen. Und obwohl eigentlich keiner mitgemacht hat (außer Michael, der musste aber nach sechs gewaltsam reingezwängten Energydrinks kotzen und war damit ausgeschieden), sind die Beiden völlig ausgerastet und haben zusammen ca. 10.000 Kalorien in sich reingestopft. Damit hatten sie zwar gewonnen, bekamen aber vom Trainer einen Anschiss!

Auf der Waage hatten beide dann mehrere Kilo zugenommen, konnten aber wie gesagt nicht rausfliegen. Sofern sie nicht den Rest der Woche ähnlich zugeschlagen haben, waren die Gewichtszunahme trotzdem unverhältnismäßig hoch, was viele Leute nicht verstanden haben. Genauso, wie der Gewichtsverlust in der letzten Folge unverhältnismäßig hoch gewesen war.
Es ist ganz einfach: Der Gewichtsverlust jeder Woche wird ausgehend von dem Gewicht, was man in der Woche zuvor gewogen hat, berechnet. Da die beiden ja ohnehin nicht rausfliegen konnten, haben sie sich vorher vermutlich ein paar Liter Wasser reingeknallt, was sich in dem Moment auf der Waage bemerkbar gemacht, aber natürlich langfristig keine Auswirkungen hat, denn Wasser hat bekanntlich keine Kalorien. Damit hatten sie für die nächste Woche selbstverständlich einen gewaltigen Vorteil, da sie mit einem viel höheren Startgewicht angetreten sind, als sie eigentlich tatsächlich hatten.
Das sind Tricks, die in jeder Staffel wieder auftauchen, sobald jemand Immunität hat. Ziemlich unfair, aber vermutlich nicht zu verhindern! Ich hoffe, ich konnte einige erleuchten.

Zum ersten Mal wurden übrigens beim Wiegen bei manchen Kandidaten Vorher/Nachher-Bilder eingeblendet. Der Unterschied ist wow! Und das nach so kurzer Zeit.

Ich fiebere weiterhin mit den Kandidaten mit und werde nebenbei versuchen, auch noch ein bisschen abzunehmen. Wer das als sogenanntes fat shaming versteht, dem kann ich leider immer noch nicht helfen.

 

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.

Guilty Pleasure: The Biggest Loser

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Manche Leute kucken Germanys Next Topmodel (was ich keine fünf Minuten aushalte), andere DSDS (was ich durchaus eine Weile sehen kann, aber nicht, ohne zu kotzen) – ich kucke The Biggest Loser!

Manche finden diese Sendung schlimmer als alle Castingshows zusammen, aber ich liebe sie. Ich freue mich über jede neue Staffel und sehe mir jede Folge an!

Die Sendung hat viel Kritik eingesteckt… allein der Name The Biggest Loser wäre schon beleidigend Dicken gegenüber.
Ich finde das so doof. Es ist doch klar, dass der Name bewusst provokativ gemeint ist. So erweckt man Interesse und kriegt Zuschauer. Die Kritiker tun gerade so, als hätten die Macher der Sendung nicht gewusst, wie viel Aufsehen eine solche Betitelung erregen würde. Für wie blöd müssen diese Leute Programmmacher halten?

Die Serie kommt aus den USA und auf englisch wird nun mal das Verb „verlieren“ genauso im Sinne von „scheitern“ gebraucht wie auch für „Gewicht verlieren“. Im Deutschen ist es das gleiche. Ich sehe nicht, warum das despektierlich verstanden werden muss.

Dann wäre die Darstellung der Kandidaten furchtbar: Sie würden vorgeführt, wenn man sie mit all ihren überflüssigen Speck durch Parcours jagt und beim Sport beobachtet.
Dazu kann ich nur sagen: Natürlich kann sich ein Mensch mit 50 Kilo Übergewicht nicht so anmutig bewegen wie ein Mensch mit Normalgewicht. Es gibt schlicht und ergreifend keine Möglichkeit, die Kandidaten auf eine Art und Weise darzustellen, die nicht als lächerlich angesehen werden KANN… sofern man sich denn lächerlich machen WILL. Es gibt leider viel zu viele Menschen, die über Dicke lachen.

Ich tue das nicht. Ich hatte noch nie genug Übergewicht, um für eine solche Sendung in Frage zu kommen, aber Sprüche über meinen Hüftspeck oder meinen dicken Hintern kenne ich zur Genüge (selbst in Zeiten, als weder das eine, noch das andere der Wahrheit entsprach). Daher gilt mein ganzes Mitgefühl Menschen, die aus welchem Grund auch immer irgendwann die Kontrolle über ihr Gewicht verloren haben.

Natürlich muss ich auch manchmal lachen (in der letzten Folge plumpste ein Kandidat in einen Whirlpool, weil er das Gleichgewicht verlor… sorry, aber sowas ist bei JEDEM lustig!), aber dies ist ein Fatalismus, den man sich ab einem gewissen Gewicht nicht mehr entziehen kann. Und es gibt einen Unterschied zwischen bösartigen Humor und gutmütigen Spott!

Ich mag die Serie, weil sie für einige Menschen die letzte Möglichkeit darstellt, wieder zu einem normalen Leben zurück zu finden. Nicht jeder schafft es, aber für einige war die Sendung tatsächlich eine unglaubliche Chance, die sie genutzt haben und heute ein gesundes Gewicht ihr Eigenen nennen können. Und das unterscheidet sie von Castingshows und Scripted Reality, mit der sie auch immer verglichen wird: Man kann einen Gewichtsverlust nicht vortäuschen!

Ein paar Kritikpunkte hätte ich aber schon. Zum einen wären da eben doch viele gescripte Szenen, ob nachgestellt nach echten Vorkommnissen oder inszeniert, die man einfach nur ziemlich albern finden kann. Die Kandidaten sind keine Schauspieler – und das merkt man auch bei solchen Szenen. Aber naja, darüber kann ich noch die Augen rollen und es ignorieren…

Dann finde ich, dass ein viel zu großer Fokus auf den Sport gelegt wird. In dem Camp ist es kein Problem jeden Tag Sport zu machen, die Kandidaten haben ja auch im Grunde nichts anderes zu tun. Aber wenn sie erst wieder in ihr normales Leben zurück gekehrt sind, werden sie das nicht so weiterführen können (das weiß ich spätestens seit meinem Fastenvorhaben, 10 Stunden Sport die Woche zu machen… und ich habe KEINEN Acht-Stunden-Job). Deshalb sollte viel mehr über Ernährung geredet werden, was bestimmt gemacht wird, aber einfach nicht gesendet wird. Gerade die Kandidaten mit gewaltigen Übergewicht haben sich vermutlich jahrelang systematisch überfressen und damit ihren Magen gedehnt… die wissen überhaupt nicht, was normale Portionen sind, wie viel eigentlich genug sein sollte, um satt zu werden.

Desweiteren mag ich die „Versuchung“ nicht. Das ist ein Spiel für die Kandidaten, mit denen sie einen Bonus gewinnen können, um später bei der „Entscheidung“ (bei der sie gewogen werden und die beiden Teams mit dem wenigsten verlorenen Gewicht zittern müssen, rausgewählt zu werden) einen Vorteil zu haben. Das funktioniert, indem sie essen (oder halt nicht, wenn sie da nicht mitmachen wollen… was meistens eine gute Entscheidung ist). Und das gefällt mir gar nicht! Es kann ja wohl nicht das Ziel sein, die Kandidaten darauf zu konditionieren, dass sie vom Fressen Vorteile kriegen.
Wäre ich Kandidatin, würde ich das höchstens machen, wenn das, was an Essen angeboten wird, etwas richtig geiles ist. Auch etwas, was vergessen wird: Essen soll nicht immer nur mit quälenden Verzicht einhergehen, sondern auch Genuss sein. Es heißt zu lernen, bewusst zu genießen. Das geht so leider nicht!

Und am Schluss finde ich die Gewinnkriterien ungerecht. Es gewinnt nämlich derjenige, der prozentual am meisten Gewicht verloren hat.
Das ist aus folgenden Grund unfair: Ein Mann, dessen Idealgewicht bei 80 Kilo liegen würde und 120 Kilo wiegt, kann bzw. sollte höchstens 40 Kilo verlieren, was 33% seines Körpergewichts entspricht. Ein anderer Mann, der 240 Kilo wiegt, kann bzw. sollte dagegen 160 Kilo abnehmen, um auf 80 Kilo zu kommen, was 66% Körpergewicht entspricht. Daher KANN der erste Kandidat im Prinzip gar nicht gewinnen, selbst wenn er sein Idealgewicht erreicht!
Meine Lösung: Man sollte ausrechnen, wie viel Gewicht die Kandidaten von ihrem individuellen Idealgewicht trennt und DAVON die Prozente nehmen. Dann muss der schwerere Kandidat zwar mehr abnehmen, um auf die gleichen Prozente zu kommen wie der leichtere Kandidat, aber das ist ja bei der momentanen Methode genauso. Zudem fällt ein Gewichtsverlust ja auch leichter, je mehr Übergewicht man hat. Ich hoffe, Sat1 liest das und denkt darüber nach!

Das wärs dann aber schon an Kritik!

Die aktuelle Staffel läuft heute zum vierten Mal. Einen richtigen Favoriten hab ich noch nicht. Tendenziell bin ich ja meistens für die Frauen, weil die aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen es meistens schwerer haben, abzunehmen (Männer nehmen leichter ab. Is so.). Aber auch junge Kandidaten erwecken meistens meine Sympathie, vielleicht, weil die näher an meiner Lebenswelt sind.

Team „Limette“ (lol) ist so ein junges Team, ein Zwillingspärchen. Zwar wirken beide wie ziemliche Macker, aber sind mit ihrer frechen Bubihaftigkeit irgendwie doch sympathisch. Leider hat es bei ihnen noch nicht so richtig Klick gemacht, aber ich drücke ihnen die Daumen!

Dann mag ich Team Blau, Sezar und Bahar, ein türkisches Ehepaar. Die beiden sind irgendwie herzig! Und Bahar hat bisher für eine Frau gewaltige Gewichtsverluste eingefahren… ich hoffe, das geht so weiter! Hübsch sind jedenfalls beide. Jetzt fehlt nur noch die richtige Figur.

Team Grün sind Frauen und altersmäßig mir am nächsten. Allein deswegen fiebere ich mit ihnen mit!

Und Team Orange ist das kränkste Team im ganzen Camp (wenn auch lange nicht das schwerste), allein deswegen muss ich ihnen beistehen. Dem Bernhard wünsche ich auch deswegen alles Gute, weil er vor allem abnehmen will, weil er sich mit seiner Frau ein Baby wünscht, was momentan wegen seines Übergewichts nicht geht. Außerdem hat er mir auf Twitter geantwortet, was ihn doppelt sympathisch macht ♥
Bisher hatten sie auf der Waage keinen großen Erfolg, obwohl sie eindeutig motiviert sind. Das tut mir dann wirklich leid. Manchmal will der Körper einfach nicht so wie man selbst. Aber sobald der Knoten platzt, haben sie sehr gute Chancen und die Pfunde werden purzeln! Sie wirken wunderbar bodenständig und haben sich den Erfolg einfach verdient!

Es gibt aber auch in jeder Staffel Leute, die einfach nur unsympathisch sind. Ein solcher ist Michael vom Team Türkis. Als der vorgestellt wurde, war ich sicher, dass der schon mindestens Mitte Vierzig ist. Dann wurde sein Alter eingeblendet und mir fielen fast die Augen raus: Der Typ ist 32, nur vier Jahre älter als ich!
Das allein ist ja keine Schande. Darüber hinaus ist er aber auch noch ein übler Macho.
Was ist schlimmer als ein Macho? Ein Macho zu sein, obwohl man überhaupt nichts an sich hat, worauf man sich was einbilden kann!
So nennt er eine Art Völkerball am Strand, das mit einem großen Sitzball gespielt worden ist, abfällig „Frauensport“. Da könnte ich ja direkt lang und bröckelig kotzen. Was ist daran bitte „Frauensport“? Er muss sowas machen, statt einem Fußball hinterher zu hetzen oder was ähnlich männliches zu tun, weil er für „Männersport“ schlicht und ergreifend zu fett ist.
Dann labert er ständig über seine „Taktik“, mit der er die anderen verwirren will, statt sich einfach mal um seinen eigenen Kram zu kümmern. Tze, einfach nur lächerlich.

Hier könnt ihr euch die Kandidaten nochmal ansehen: Klick
Wobei drei Teams, sprich sechs Leute schon rausgeflogen sind.

Und waaaah, jetzt geht es schon los!! Sonntag, 18 Uhr, Sat1!! Schnell einschalten!!!

Wer mit mir fachsimpeln will, kann das gerne in den Kommentaren tun!

 

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Ein Fitnessstudio wäre so schön, wenn nur der ganze Sport und die Leute nicht wären. Teil 2: Mitsportler

Nachdem Tim und ich also unsere ersten Erfahrungen in unserem neuen Fitnessstudio gesammelt hatten, erhielten wir nur zwei Tage später unser vom Chef persönlich abgehaltenes Einführungstraining.

Zu diesem Zweck mussten wir, wie schon gesagt, einen Fragebogen ausfüllen und uns dann verbindlich für das Training anmelden. Pünktlich zur verabredeten Zeit waren Tim und ich zur Stelle und freuten uns, dass laut Plan nur noch eine einzige weitere Person mit uns eingeführt werden sollte. Weniger Leute, mehr individuelle Betreuung – toll!

Bevor die Frau jedoch auftauchte, machten wir Bekanntschaft mit dem Chef. Und der sah genauso aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte: An die Fünfzig, ein Bizeps wie Oberschenkel und Oberschenkel wie Baumstämme. Ein Mensch, der für seine Leidenschaft lebt! Wenn sie nur nicht so unansehlich wäre…

Er begrüßte uns nett. Dann wurde es direkt nicht so nett. „Also, ich werde euch gleich die Geräte zeigen, aber bis die andere kommt, wollt ihr vielleicht zum Einstieg beim Bauchwegkurs mitmachen? Der fängt in zwei Minuten an.“
Wohlgemerkt: Unser letzter (und erster) Bauchwegkurs, der mir wie ein Wochenendausflug in einen der inneren Kreise der Hölle vorgekommen war, lag erst zwei Tage zurück. Meine immer noch schmerzenden Muskeln schrien allein bei der Vorstellung auf, diese Tortur noch mal durchmachen zu müssen.
Tim dagegen sagte: „Na klar!“
Und meine Muskel hörten auf zu schreien und weinten stattdessen ein bisschen. Ach Mann!

Aber ich lächelte einfach nur verzerrt und ergab mich meinem Schicksal. Just in diesem Moment tauchte dann auch die Dritte im Bunde auf. Eine Frau Mitte dreißig, komplett in stylisches Adidas gewandet, die mir sofort unaufgefordert erzählte, dass sie schon vorher in diesem Studio gewesen war und jetzt wieder durchstarten wolle, weil „es sich einfach so gut anfühlt“ und ungefähr 12 Kilo wog.

Unnötig zu erwähnen, dass ich die Tussi sofort aus tiefster Seele hasste.

Auch sie stimmte begeistert zu, beim Bauchwegkurs mitzumachen, also schlich ich hinter Tim und ihr in den Trainingsraum und ließ mich seufzend auf einer Matte nieder.
Die ersten Übungen übertrafen meine schlimmsten Befürchtungen. Zuvor war der Kurs ja schon übel gewesen – aber mit Muskelkater fühlte es sich tatsächlich so an, als würde jemand ein rostiges Messer in meinen Bauch rammen und lustvoll rotieren lassen.

Ich ächzte vor mich hin und wechselte mehr als einen leidenden Blick mit Tim, der neben mir lag und sich ähnlich fühlte. Auf der anderen Seite verrenkte sich die Tussi und sah dabei völlig entspannt aus.
„Wir haben noch ziemlichen Muskelkater vom letzten Mal,“ erklärte ich ihr auf ihren skeptischen Blick hin.
„Ja, ich sehs, ihr macht ja nur die Hälfte mit!“

Woah… danke, Captain Obvious. Kriegst du das auch hin, ohne abfällig zu klingen? o.O

Glücklicherweise war der Kurs schnell vorbei. Die Geräte riefen!
Der Chef präsentierte uns unsere persönlichen Trainingspläne. In einer wundervollen Tabelle (ich mag es, wenn etwas schön geordnet ist!) waren alle Geräte aufgeführt, die wir nutzen sollten, daneben war Platz, um das verwendete Gewicht und die Anzahl der Wiederholungen einzutragen.

Mich wunderte, dass alle Wiederholungen an jedem Gerät nur zweimal ausgeführt werden sollten und fragte den Chef danach. „Was, dreimal?“ antwortete der. „Das ist viel zu viel und völlig unnötig, zweimal reicht!“
Ich hörte staunend zu. Okay, ich habe bisher immer nur gelesen, dass man alle Übungen dreimal machen sollte, aber gut, wenn zweimal reicht… hab ich nix dagegen.

Wir starteten mit Rückentraining. Der Chef gab die Gewichte vor und zeigte uns, wie wir die Übungen ausführen sollten. Dann verschwand er, um Tim, der als Mann einen anderen Trainingsplan hatte, an einem anderen Gerät das gleiche zu erklären.

Während ich mit der anderen Tussi ein wenig plauderte, verfestigte sich mein erster Eindruck immer mehr. Es war nicht zu leugnen: Ich konnte die Frau nicht ab. Dabei war absolut nicht hilfreich, dass sie ständig die Zettel verwechselte und immer auch auf meinem Trainingsplan rumkritzelte.

Dennoch schafften wir es halbwegs friedlich durch die Hälfte der Geräte, bis wir zum Butterfly Reverse kamen, eine Übung, die einfach nur so richtig brennt. Das merkte auch die Tussi: Kaum war der Trainer weg, jammerte sie los. „Mann, tut das weh! Warum tut das so weh?“
Ich: „Die Übung hab ich auch immer in meinem alten Fitnessstudio gemacht. Die ist echt hart… man merkt da plötzlich Muskeln, von denen man gar nicht wusste, dass man sie hat.“
Sie: „Haha, genau!“
Und kaum war der Chef wieder da und fragte, ob alles in Ordnung sei, kam von ihr wie aus der Pistole geschossen: „Die Übung ist richtig fies! Man merkt da plötzlich Muskeln, von denen man gar nicht wusste, dass man sie hat!“

Ich: „…boah.“

Wie peinlich ist denn das bitte? Elende Sprücheklauerin!!

Natürlich sagte ich nichts, aber ihr Sympathielevel fiel immer mehr. Vor allem, da sich in mir langsam der Eindruck verfestigte, dass der Chef ihr wesentlich mehr erklärte als mir. Alles klar, offensichtlich hielt er mich mit meinem Schwabbelspeck sowieso für eine Karteileiche, während ihr magerer Körper mit jeder Faser „sportlich!!!“ und „Motivation!!!“ schrie. Dem werde ich es aber sowas von zeigen!!!
Wenigstens an der Beinpresse konnte ich ein paar Punkte machen. Der Chef stellte 80 Kilo ein und die Tussi sollte als erstes ran. Ätsch, ging nicht – sie konnte das Ding mit ihren Storchbeinen schlicht nicht bewegen.
„Oh Mann, das ist viel zu viel!“ jammerte sie, bis der Chef sich erbarmte und auf 60 Kilo runter ging. „Probier du mal, das ist voll schwer!“ drängte sie mich dann noch, als ich an der Reihe war.
Stoisch, aber zuversichtlich stellte ich das Gewicht wieder zurück auf 80 Kilo und riss die geforderten zwölf Wiederholungen eiskalt runter. Es war nicht nur nicht sonderlich schwer, sondern sogar ziemlich leicht. Ihr fielen fast die Augen raus. Tja, meine fetten Schenkel bestehen eben nicht NUR aus Speck, Herzchen.
Das hinderte sie im Übrigen nicht dran, auf meinen Trainingsplan im entsprechenden Feld eine „60“ hinzukritzeln -.-

Eine der letzten Übungen betraf den Bizeps. Das war mein Stichwort. „Was ist denn die beste Übung für schlanke Oberarme?“ fragte ich den Chef. Meine speckigen Oberarme sind eine Problemzone, die ich an mir mit Abstand am meisten hasse.
Der Chef musterte mich herablassend. „Es gibt keine Übung für schlanke Oberarme. Wenn du schlanke Oberarme haben willst, musst du abnehmen.“
Während ich noch versuchte, diese Spitze emotional zu verarbeiten, meldete sich die Tussi zu Wort, die gerade das Bizeps-Gerät benutzte und deren durchtrainierten, schlanken Oberarme ich schon im ersten Moment unseres Aufeinandertreffens neidvoll registriert hatte. „Ja, meine Oberarme sehen ja auch nur so definiert aus, weil ich so dünn bin, das heißt aber nicht, dass ich irgendwie viel Kraft drin hätte oder sowas!“
Ich: „Halt die Fresse, du Hungerhaken.“ (Das habe ich natürlich nicht gesagt. Wäre aber ein wunderschöner Moment gewesen.)

Ist doch wirklich kein Wunder, dass ich die Frau hasse, oder?

Nach diesem Intermezzo wurde ich dann auch etwas zickig, weigerte mich, die letzte Übung (Bauchpresse, als ob das nach dem blöden viertelstündigen Kurs NUR für den Bauch noch nötig wäre!) zu machen und verabschiedete mich am Schluss ziemlich unterkühlt von der blöden Tussi und ihrem präpubertären Size-Zero-Body. Die wird bestimmt nicht meine neue beste Freundin!

Fazit: Ich habe den Cheftrainer kennen gelernt, der konnte intelligente Sätze sagen wie „Eigentlich haben wir ja alle einen Sixpack, er ist nur unter Fett verborgen“ und mir unterschwellig das Gefühl geben, dass ich eh nicht durchhalten und regelmäßig kommen werde, um abzunehmen und fit zu werden.

Aber der wird sich noch umkucken. Ich werde abnehmen und ihm demnächst meine schlanken Oberarme präsentieren, nur um ihn zu ärgern. „Motivation durch Hass“ nenne ich das!!!

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Ein Fitnessstudio wäre so schön, wenn nur der ganze Sport und die Leute nicht wären. – Teil 1: Absolute Beginners

I did it! Ich habe mich tatsächlich in einem neuen Fitnessstudio angemeldet.

Das ist zwar jetzt schon etwas länger her, aber das hält mich dennoch nicht ab, davon zu schreiben (warum auch?).

Anfang Januar stiefelte ich also mit Tim, dem Typen, bei dem ich immer wasche, Richtung Fitnessstudio. Wie vorher am Telefon abgeklärt lief die Anmeldung absolut problemlos – und auch sehr witzig.

An dieser Stelle möchte ich mal eines ganz scharf betonen: Den Tim halte ich mir nicht nur deswegen warm, weil ich bei ihm waschen kann. Tim hat sich zu einem meiner allerbesten Kumpels gemausert. Ich liebe diesen Wuschelkopp! – und zwar auch (aber nicht nur) deswegen, weil er in Sachen „Peinlichkeit“ absolut schmerzbefreit ist.

Okay, das ist nicht immer angenehm. Sitzen wir zusammen im Kino und er macht mit lauter Stimme Bemerkungen über die doofe Werbung, und zwar ABSICHTLICH so, dass es jeder hört, dann krieche ich gerne in den Sitz und mache mich unsichtbar. Andere Aktionen dagegen machen das wieder wett. Wenn er mit ausdruckslosem Gesicht auf dem Kinosessel Platz nimmt, seinem perplexen Nebenmann die Hand reicht und stoisch sagt: „Hallo, ich bin Tim und ich bin Ihr Sitznachbar für die heutige Vorstellung“ – sorry, aber wie höllencool ist das denn bitte?

Aus diesem Grund war ich auch froh, dass er sich entschlossen hatte, mich beim Trainieren zu begleiten. Direkt bei der Anmeldung lockerte er die Stimmung bis zum Anschlag auf. Die beiden jungen Angestellten im Fitnessstudio (wohl studentische Aushilfen) waren erst verwirrt, dann amüsiert, schließlich entzückt!
Wir mussten einen Fragebogen ausfüllen, auf dessen Basis man für uns einen Trainingsplan erstellen würde (was schon direkt tausendmal mehr ist als das andere Fitnessstudio, die ominöse Kette, bei der ich gewesen bin, jemals für seine Mitglieder geleistet hat). Neben logischen Fragen nach Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht wurden auch chronische Erkrankungen (nope) oder Medikamente (da kam mein Schilddrüsenzeug hin) abgefragt. Schließlich wurde man nach seinem Ziel befragt (ich schrieb großspurige 15 Kilo Gewichtsverlust hin).

Bei dieser Frage angekommen wandte sich Tim wieder an die Angestellten hinter dem Tresen: „Kann ich „die Weltherrschaft erlangen“ als Trainingsziel hinschreiben?“
Die Angestellten quietschten vor Vergnügen und ich zollte Tim ob dieses Witzes einen anerkennenden stolzen Seitenblick.

Schließlich überreichten wir unsere ausgefüllten Fragebögen. „Ich weiß nicht, ob das wichtig ist, aber ich habe einfach mal dazu geschrieben, dass ich Epileptiker bin,“ meinte Tim noch.

Darauf der Tresentyp vergnügt: „Haha – ja, genau!“

Zwei verwirrte Augenpaare starrten den Kerl an. „Äh – er hat wirklich Epilepsie,“ wandte ich vorsichtig ein, als mir klar wurde, dass der Typ das für einen Spruch (wäre es einer gewesen, dann allerdings ein selten dämlicher) gehalten hatte. Woraufhin dessen gut gelaunte Miene in sich zusammen stürzte. Was dann wiederum ziemlich witzig war.

Naja – mit diesem kleinen Intermezzo hatten wir immerhin schon direkt mal unseren Bekanntheitsgrad gesteigert. Danach war es Zeit, erstmals ins Training hinein zu schnuppern.

Nachdem wir uns umgezogen hatten, trafen wir uns vor dem Schwarzen Brett, studierten die Angebote und trugen uns auch gleich für das betreute Einführungstraining durch den Chef persönlich ein. Und als wir da noch gerade so unschlüssig herum standen, lernten wir auch gleich die Cheftrainerin kennen, die im Raum nebenan ein paar Fitnesswütige durch den Raum jagte.
„Ey, wie siehts aus?! Kommt ihr gleich zum Bauchwegkurs?! Alles klar, supi!!!“ Sprachs, und war schon wieder verschwunden.

Tim und ich wechselten bestürzte Blicke. Die hyperaktive Dame (kaum größer als ich, aber nur ein Drittel so breit) erweckte in mir sofort einen Fluchtreflex, aber sie ließ uns nicht entkommen. Kaum war der laufende Kurs beendet, scheuchte sie uns in den Kursraum, wo wir gleich erste Erfahrung mit ihren Trainingsmethoden machten.

Ich kann nur sagen: Au. Das einzig positive am Bauchwegkurs ist, dass es eigentlich kein richtiger Kurs ist, sondern nur ein fünfzehnminütiges Power-Workout für den (noch imaginären) Sixpack.
Noch nie dauerte eine Viertelstunde länger. Wirklich wahr. In diesen höllischen 15 Minuten nutzte ich meine verkümmerten Bauchmuskeln mehr als sonst in einem ganzen Monat. Situps, Ganzkörperstütze, Kerze etc.pp. – am Ende lag ich flach auf der Trainingsmatte und konnte kaum noch röcheln!

Eigentlich hatte ich ja geglaubt, ich wäre trotz ein paar Kilo mehr auf der Waage, meiner Raucherei und dem gelegentlich ausschweifenden Alkoholkonsum noch relativ fit für mein Alter – aber MEINE Fresse! Ich bin nicht nur nicht fit, ich habe auch nicht halb so viel Kraft, wie ich gedacht habe!
Einziges Trostpflaster, so traurig sich das anhört: Tim erging es noch schlechter, auch wenn er tapfer durch- und den Mund verschlossen hielt. Dafür jammerte ich für uns beide.

Nach dieser Viertelstunde in der Hölle wurden wir dann auch noch genötigt, beim folgenden Stepaerobic-Kurs mitzumachen. Eigentlich hatte ich mich darauf sogar sehr gefreut. Ich glaubte, das wäre besonders effektiv für einen knackigen Hintern und die Oberschenkel (leider meine größte Problemzone), während man gleichzeitig Kalorien verbrennt wie blöd und mit vielen anderen Menschen mit gleichen Problemen einen Haufen Spaß hat.

Naja. Ich mache es kurz: Effektiv ist es bestimmt. Aber dafür muss man erst mal die Bewegungen hinkriegen!!
Es begann ganz leicht. Wir arbeiteten mit Steppern und so fing es auch ziemlich lasch mit „linkes Bein – rechtes Bein“ an. Also einmal hoch, wieder runter, anderes Bein hoch, wieder runter. Easy, ne.
Aber schon nach zehn Minuten konnte ich nur noch rumstehen und hilflos glotzen. Und wenn ich mich so umsah, war ich nicht die Einzige! „Linkes Bein Drehung Step Sidestep Drehung Kick rechtes Bein Drehung Kick Step Kick Step Step und ARME HOCH!“ – AAAAHHHH!!! Was tut diese Frau da!?

Während ich und, wie gesagt, ein paar andere Neuzugänge erstarrt waren und ich mir wie die absolute Bewegungslegasthenikerin vorkam, wirbelten vor meinen Augen die Leute durch den Raum und schmissen dabei ihre Beine schneller in die Luft als das menschliche Auge wahrnehmen kann. Krasser Scheiß!! Und das soll SPORT sein?!
Ab und zu erwischte ich einen leichten Teil der Choreo, aber mehr als drei Takte schaffte ich nie, mitzuhalten, bevor wieder irgendeine total abgespacte Drehung kam und ich es gerade noch so verhindern könnte, als japsendes Bündel mit gebrochenen Beinen auf den Boden zu sinken.
Und was tat Tim neben mir?! Der wirkte auch recht verzweifelt – tanzte aber den Großteil der Choreographie beherzt mit!!

„Warum KANNST du das?!“ zischte ich irgendwann verdattert.
„Naja, ich hab mal Jazztanz gemacht,“ gestand er mir leicht verschämt. Boah, wenn ich nicht schon gewusst hätte, dass er bi ist…!!

Das Tempo steigerte sich allerdings noch weiter und irgendwann war der Ofen aus, auch für Tim. Step Aerobic – no way!! Der menschliche Geist ist für solche Belastungen nicht geschaffen – jedenfalls nicht meiner!

„Ach, ihr wollt gehen? Naja, am Anfang ist es schon ziemlich schwer, wenn man das noch nie gemacht hat,“ tröstete uns die Trainerin. Und erzählte uns dann mal eben so nebenbei, dass dieser Kurs sich an Menschen in der Grauzone zwischen „Fortgeschrittene“ und „Profi“ richtete! Insgesamt gibt es nämlich VIER Stepaerobic-Kurse – und das war der dritte!

Ich: „Gaaaaaah!!!“

Damit war beschlossen, zu einem anderen Zeitpunkt wieder zu kehren, wenn sich das Training eher an die Menschen richtet, die nicht vorhaben, bei den nächsten Olympischen Spielen in Step-Aerobic anzutreten!

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