Meine 5 schönsten Gaming-Erinnerungen

Warum ausgerechnet dieses Thema? Tja… ich habe wirklich keine Ahnung. Irgendwie schien es eine gute Idee zu sein, da ich einige der folgenden Erlebnisse tatsächlich so großartig fand, dass ich ohnehin mal drüber schreiben wollte. Also warum nicht in einer schicken Liste?

Damit ohne weitere Vorrede zu meinen 5 schönsten Gaming-Erinnerungen, geordnet wie Charts von toll bis am tollsten!

Nummer 5: Der Sieg in Super Mario Land 2

System: Gameboy

Welches Kind der Neunziger besaß keinen Gameboy? (Ein bedauernswertes Kind natürlich.)
Da ich nie einen Nintendo hatte, waren das Spiel sowie sein Vorgänger nicht nur meine einzigen Berührungspunkte mit dem sympathischen Klempner, sondern auch mein allererstes Jump’n’Run überhaupt (denn den ersten Teil bekam ich erst später). Davor besaß ich nur Tetris, das natürlich cool war, aber eine Geschichte zu spielen und eine ganze Welt zu retten, das ist schon ne ganz andere Marke!
Nächtelang knabberte ich damals am Ende dieses Spiels. Versteckt unter meiner Bettdecke nur mit einer Taschenlampe bewaffnet wollte ich dieses Spiel unbedingt knacken. Ich hatte unzählige Geheimlevel entdeckt und natürlich alle Münzen gewonnen, aber die Eroberung des Schlosses stand noch aus. Im Rückblick ist der Endkampf mit Wario echt lahm gewesen, aber durch dieses blöde Schloss zu kommen war für mich als Neunjährige gar nicht mal so einfach!
Und natürlich ging es um die Ehre. „Wenn du am Anfang Select drückst, spielst du in leicht,“ belehrte mich eine Klassenkameradin damals. Aber ich WOLLTE es nicht im Easy Mode schaffen. Ich wollte es richtig machen!
Und eines Nachts war es dann soweit. Als die Endcredits rollten, fühlte ich mich wie eine absolute Gamerkönigin. Nicht, dass es den Ausdruck „Gamer“ damals schon gab oder ich je wirklich einer geworden bin. Aber dieses Erfolgserlebnis legte den Grundstein für künftige Daddelvergnügen und war einfach nur megaawesome, als ich am nächsten Tag damit in der Schule angeben konnte!

Nummer 4: Postal-2-Gemetzel

System: PC

Inzwischen doppelt so alt und gar nicht mehr so unschuldig, hatten sich meine Präferenzen etwas verschoben. Jump’n’Run, ok, das ist nett und Crash Bandicoot 3 wird ewig einen Platz in meinem Herzen haben, aber als desillusionierter Teenager mit Hass gegen die ganze Welt wollte ich TOD, ZERSTÖRUNG, CHAOS!
Was könnte da besser sein als eine Runde Postal 2. Dieses Spiel ist ein einziger großer Gewaltexzess und LACHT auch noch drüber. Egal, ob man auf das Grab seines Vaters pinkeln muss, Büchergegner niedermetzelt oder einfach nur Milch kaufen will: Jede einzelne Quest ist ein Ausflug in das Gehirn eines Wahnsinnigen. Politisch unkorrekter Splatter voll rabenschwarzem Humor, wie er für diese Phase meines Lebens passender nicht hätte sein können und so dermaßen bescheuert, dass ich selbst heute noch über die inzwischen ziemlich in die Jahre gekommene Graphik hinweg sehen und tierisch viel Spaß an diesem Spiel haben kann.
Counterstrike soll für jugendliche Gewaltausbrüche verantwortlich sein? Darüber haben wir damals nur gelacht. CS fand ich persönlich megalahm, der reinste Kindergarten dagegen. Und hat es mir geschadet? Nein. Mit meiner besten Freundin abends vor dem Computer zu hocken und unter lauten „MUHAHA!!!“ irgendwelchen Leuten im Spiel, die uns als Postal Dude überhaupt nichts gemacht haben, das Hirn wegzuballern, war einfach nur megafetzig und die reinste Katharsis. Sowieso bin ich ja der Meinung, dass Leute, die sich über gewalttätige Videospiele aufregen, einfach noch nie selbst eins gespielt haben. Dann wüssten die, dass es Spaß macht, ohne dass man es im echten Leben nachstellen will!
Später bekam ich dann noch das Add-On „Apocalypse Weekend“ von irgendwo her in einer halb englischen, halb serbischen (?!) Version, was dann nochmal ne Spur krasser war. Und ich liebte jede Sekunde davon! Darum gehört dieses außergewöhnliche Spielerlebnis in seiner Gesamtheit hier definitiv rein!
(So, und hier spare ich mir mal einen Link, weil sich irgendjemand davon hundertpro auf den Schlips getreten fühlen wird – aber auf Youtube gibt es massig Gameplay zu sehen 😀 )

Nummer 3: Vater-Tochter-Zeit mit Tomb Raider 3

System: Playstation

Es dürfte an meinem 14. Geburtstag gewesen sein, als die Bettelei endlich ein Ende hatte: Ich bekam meine eigene Konsole!! Und als erstes Spiel gab es, damals topaktuell, Tomb Raider 3 oben drauf.
Ehrlich gesagt verstehe ich im Nachhinein wirklich nicht, warum die alten TR-Teile so unglaublich beliebt waren. Irgendwie waren sie ziemlich lahm, hatten keine tolle Graphik und auch keine sonderlich spannende Story. Aber da gab es natürlich Lara Croft mit ihren Riesentitten… das wird’s wohl gewesen sein.
Will sagen: Das Spiel hat die Zeit meiner Meinung nach nicht sonderlich gut überstanden, weshalb es auch eines der letzten Spiele sein dürfte, bei dem ich das Bedürfnis habe, es neu zu zocken. Und trotzdem war es beim ersten Mal echt schön – was daran lag, dass mein Stiefvater, so sehr er sich auch gegen die Konsole gesperrt hatte, eifrig mit dabei war!
Fast täglich wartete ich ungeduldig darauf, dass er von der Arbeit kam, damit wir spielen konnten. Ich glaube, ich habe damals kaum je allein gespielt. Meistens steuerte ich die gute Lara, während er hochkonzentriert daneben saß und beim gemeinsamen Erkunden der Level schlaue Kommentare abgab. Er war von jedem noch so lahmen Schockeffekt begeistert, feierte das Knacken jedes Rätsels und sparte nicht mit Lob, wenn ich eine schwierige Stelle schaffte. Es war das letzte Mal, dass wir uns so richtig gut verstanden, bevor es in der Pubertät krass schwierig wurde, aber ich habe jede Minute unserer Daddy-Tochter-Zeit genossen.
Klingt das kitschig? Und wenn, ist mir das vielleicht egal? Was soll’s – das zeigt nur, dass einige der schönsten Erlebnisse nur dann so richtig toll sind, wenn man sie mit jemanden teilen kann!

Nummer 2: Der Kampf gegen die Omega Weapon (Final Fantasy 8)

System: Playstation

Mit 15 und 16 habe ich hunderte Spielstunden damit verbracht, das absolute Optimum aus diesem unglaublich genialen Spiel rauszuholen. Ich zog geduldig Zauber, schlug mich mit nervigen Morbols rum, lernte dieses dämliche Kartenspiel, obwohl mich die Random-Regel fast in den Wahnsinn trieb, und gewann tatsächlich ALLE möglichen Karten etc.pp. Und, natürlich, ich besiegte auch die Ultima Weapon.
Erst Jahre später erfuhr ich, dass es noch ein weiteres Megamonster gab – dessen Tage von da an gezählt waren!
Eines schönen Abends packte ich mein FF8 und meine Memory Card ein und begab mich zu meinem damals besten Kumpel, der mir davon erzählt hatte. Wir hatten rausgefunden, wo sich die Omega Weapon versteckte und wollten nicht eher ruhen, bis sie besiegt war!
Das war allerdings schon im Vorfeld gar nicht mal so einfach. Man musste in Artemisias Schloss eine Glocke schlagen, dann die Spieler wechseln, dann ein Tor durchqueren und stand dann erst vor der Omega Weapon – wenn sie einen denn angriff. Das wollte sie die ersten zehn Male irgendwie nie. Und griff in der kurzen Zeit, die einem dafür blieb, ein anderes Monster an, musste man das Ganze wieder von vorne versuchen. Unsere Nerven lagen also schon blank, noch bevor es überhaupt tatsächlich zum Kampf kam.
Aber dann war es soweit. Ich stand ihr leibhaftig gegenüber – der Omega Weapon. Womit der epischste Kampf meiner gesamten Gaming-Karriere begann!!
Das Vieh war… ultrakrass! Mein Puls dürfte die ganze Zeit über bei gesunden 200 Schlägen die Minute gelegen haben. Während ich mich voll reinhing, krallte mein BF neben mir die Fingernägel in seine Wangen und schrie Anweisungen, die ich nicht brauchte. „Heilen! Aura! Heldentrank! Heilen! Aura! Heilen! HEILEN!!!“
Aber es war zu spät: Meine gesamte Party war tot. Enttäuscht schmiss ich den Controller hin, nur um die schönsten Worte zu lesen, die jemals auf einen Fernsehschirm erschienen sind: „Flamme des Lebens“! Phoenix war gekommen und rettete mich!!
Weiter ging es mit der nervenzerfetzenden Spannung, insgesamt gut eine halbe Stunde lang. Und letztendlich… polierte ich diesem Scheißvieh die Fresse!! Beim ersten Mal!!!
Ich bekam ein paar Items, die ich zu diesem Zeitpunkt eh nicht mehr brauchte, aber der berauschende Hauch des Sieges war mir Gewinn genug! Der perfekte Abschluss für ein perfektes Spiel, ein Spiel, das hoffentlich irgendwann mit moderner Graphik wieder aufgelegt wird, der absolute Burner!

Dieser Kampf war die Definition von episch! Was könnte besser sein als DAS?! Nun…!

Nummer 1: Chillen mit Skyrim

System: Playstation 3

Ich hatte meine Jugend mit meiner Playstation verschwendet verbracht, aber alle schöne Zeiten müssen wohl enden. Irgendwann kam die Playstation 2, die ich mir nicht leisten konnte. Aus dem Alter, in dem man sich sowas zu Weihnachten wünschen konnte, war ich auch raus. Ohne neue Spiele verstaubte meine Playsi langsam. Das tat weh.
Spiellose Jahre zogen ins Land, bis ich eines Tages endlich meine Berufung fand und neben der Uni mit dem Kellnern anfing. Gleichzeitig zog ich in meine erste WG… ausgestattet mit einer Playstation 3.
Es war eine nicht ganz einfache Zeit. Ich mochte meinen neuen Job und war froh über das Geld, aber die Arbeitszeiten waren ziemlich hart und ungewohnt. Kam ich nachts nach Hause, war ich müde, aber auch gleichzeitig zu überdreht zum Schlafen.
Es waren diese dunklen Stunden, bevor der neue Tag anbrach, in denen ich, ungestört von meinen Mitbewohnern, in den Sessel sank und nach dem Controller griff, der sich noch ganz genauso anfühlte wie damals, aber inzwischen mit einem wesentlich leistungsfähigeren Gerät verbunden war (und das KABELLOS). So startete ich Nacht für Nacht Skyrim und… entspannte mich. Die Quests und die Story waren was für den Tag, aber in der Nacht chillte ich einfach nur. Ich begann das Spiel und ließ alles an unnötigen Ballast in meinem Haus in Weißlauf zurück. Ich behielt nur meine Rüstung, ein paar Heiltränke, ein einhändiges Schwert, meinen Bogen und Pfeile. Leichtes Gepäck. Damit reiste ich an den Rand des bereits erforschten Gebiets, lief los… und jagte. Hirsche, Bären, Säbelzahntiger. Ich hatte heraus gefunden, dass man die Schmiede ganz leicht hochskillen kann, wenn man einfach immer nur Lederhelme herstellt. Dafür braucht man aber Leder und für Leder braucht man Felle. Somit verband ich das Angenehme mit dem Nützlichen. Nebenbei verbesserte ich ganz selbstverständlich meine Bogen- und Schleichskills.
Ich durchstreifte lichte Mischwälder, überquerte Eisfelder, suchte mir meinen Weg durch unwegsames Gebirge. Fand ich ein neues Gebäude, lief ich gerade so nahe hin, bis es auf der Karte erschien, und dann schnell wieder weg. Ich wollte keine Quest, keinen Kampf, keine Menschen oder andere Rassen treffen. Ich mied auch die Siedlungen. Lieber sah ich mir die flimmernden Nordlichter an und spürte nichts außer tiefer Ruhe. Nur ich, die Tiere und diese wunderschöne Graphik, von der das neunjährige Mädchen, das Mario durch verzauberte Schlösser gesteuert hatte, nicht mal zu träumen gewagt hätte. Manchmal killte ich einen Riesen, aber reden wir nicht drüber (eine Katze in Postal 2 als Schalldämpfer zu benutzen ist eine Sache, aber einen Riesen in Skyrim zu töten ist schon etwas bösartig).
So spielte ich oft, eine halbe Stunde, eine ganze, bis ich müde wurde oder vollgepackt war. Dann speicherte ich, ging ins Bett und schlief sofort ein.
Das Ganze verlor leider seinen Reiz, als ich auf diese Weise die Schmiede tatsächlich bis 100 hochskillen konnte. Danach wollte ich nicht mehr jagen gehen. Was sollte ich denn mit den ganzen Fellen machen? Und Tiere einfach so abballern, ohne dass ich irgendwas von ihnen brauchte, wollte ich nicht. Ich bin doch kein Engländer!
Damit war diese Phase dann auch irgendwann vorbei, aber ich denke gerne an diese ruhigen Nachtstunden zurück, die ich nur mit mir selbst und meinem Spiel verbrachte.

Ich kann nur hoffen, dass irgendwann nochmal ein Spiel entwickelt wird, das mich so zu faszinieren imstande ist. Was war euer schönstes Gaming-Erlebnis?

Gaming

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Mixtape: Depressive Mix

Die Idee, Mixtapes zu bloggen, habe ich ja von der lieben Friedl geklaut. (Sie behauptet zwar, sie wäre nicht die Erste mit dieser Idee gewesen, weshalb man das nicht Diebstahl nennen kann, aber ich denke, sie ist nur bescheiden.) Es geht also um Musik! Einzige Regel: Ein Mixtape darf nicht länger sein als 80 Minuten, die übliche Länge für CDs. Das verlangt zwar keiner, aber so habe ich es beschlossen.

Auch wenn ich mich zeitweise wirklich wenig damit beschäftige und der musikalischen Entwicklung in meinen favorisierten Genres gut fünf Jahre hinterher hinke, ist Musik ein essentieller Bestandteil meines Lebens. Ich könnte mir absolut NICHT vorstellen, mit einem Mann zusammen zu sein, der nicht zumindest ähnliche Musik hört wie ich. Einen HipHopper könnte ich niemals lieben und wer tatsächlich nur auf House abgeht, möchte mich ganz sicher nicht in seiner Nähe haben. Ich bin ein Musiknazi (und stolz drauf).

Es muss also krachen. Metal, Rock, Punk, Alternative. Und hier direkt schon mal einen wichtigen Disclaimer: Mir gehen Genrebezeichnungen ziemlich am Arsch vorbei. Es ist absolut unmöglich, in diesem Bereich ohne abgeschlossenes Musikstudium durchzublicken und richtige Einteilungen zu treffen. Und selbst dann tauchen immer wieder Bands auf, die irgendwie ja doch was völlig neues machen. Konstruktionen wie „Extreme Power Orchestral Post Emo Melodic Gore Metal“ klingen witzig, sind aber für normale Menschen unbrauchbar. Ich werde also bei künftigen Mixtapes M-E-I-N-E Bezeichnungen gelten lassen, die sich nur einer einigen Maxime unterordnen: Es klingt halt gut zusammen.
Ich habe euch vorgewarnt. Also lasst bitte nicht den Metal-Hammer-Redakteur raushängen, wenn ihr mit meiner Einordnung nicht zufrieden seid 🙂

Nach dieser langen Vorrede auf zum heutigen Mixtape, das überhaupt nicht gernetechnisch, sondern thematisch geordnet ist. Tja, aber Hauptsache ewig davon gelabert.

Über dieses Mixtape

Die Idee dazu kam mir während einer meiner langen Kneipenschichten, als die Leute mal wieder mehr Sitzfleisch hatten als Geld in ihren Portemonnaies und der Feierabend einfach nicht kommen wollte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwierig es ist, solche Leute rauszukehren, ohne Gewalt anzuwenden. „Psychologische Kriegsführung“ schoss mir schließlich irgendwann durch den Kopf und so ward das Mixtape geboren.
Die Idee war, die Leute durch depressive Musik unterschwellig so zu deprimieren, bis sie nur noch nach Hause ins sichere Bett flüchten und in ihre Kopfkissen weinen wollen. Ein absolut wasserdichter Plan… der nicht geklappt hat. Im Gegenteil: Ich habe noch für keine Mix-CD so viele Komplimente bekommen wie für diese. Offensichtlich ist vielen Menschen ruhigere Musik, ob depressiv oder nicht, doch viel lieber als Power Metal oder Slipknot… muss man nicht verstehen.
Trotzdem mag ich den Mix, denn er hat Stil. Wenn man schon richtig echt depressiv ist und das ganze Leben ein einziges schwarzes Loch finsterer Verzweiflung, dann kann man immer noch behaupten, in seinen schlimmsten Stunden wenigstens noch gute Musik gehört zu haben.
Bei einigen Songs wird der ein oder andere vielleicht nicht so leicht verstehen, was daran jetzt so megadepressiv sein soll. Viele Menschen glauben „traurig = ruhig“ und das heißt dann meistens, dass irgendeine Tussi mit triefender Stimme irgendwas von verschmähter Liebe jault. Ich sehe das ein bisschen anders – und für den verweichlichten Charts-Mainstream dürften einige Songs tatsächlich schon zu hart sein. Aber: halt alle hart depressiv.

Hören also auf eigene Gefahr 🙂

Depressive Mix

1. Staind – For You

And I feel like I am nothing
but you made me, so do something

Welche Band könnte mehr für das Lebensgefühl der Generation stehen, die sich Anfang der 2000er durch die Metaldiscos dieser Welt pogte?
Wir waren seltsam, wir waren unverstanden, wir waren depressiv. Staind lieferte dazu den Soundtrack. Es ist physikalisch unmöglich, dass diese Band irgendwas produzieren könnte, das nicht in einem Tränenmeer endet.
Ein Staind-Album ist praktisch ein einziger Aufruf zum Massenselbstmord.
Jedenfalls, wenn man so eine Scheißjugend mit so einer Scheißfamilie hatte wie wir.

2. End of Green – Tragedy Insane

I gaze, I gaze my open veins
The morphin makes insane…

Möglicherweise die unbekannteste Band, die ich hier aufzählen werde, aber das völlig unberechtigt. Selbst, wenn dies der einzige gute Song von End of Green wäre (was nicht stimmt), ist er so genial, dass man der Band ein Denkmal aus den zerschmetterten Hoffnungen und Träumen ihrer Fans bauen sollte.
Das Lied vibriert sich bis in die allerletzten Gehirnwindungen und bohrt einen Haken aus schwarzer Agonie in meinen Magen, wann immer ich es höre. Deshalb kann ich es mir nicht immer geben, aber was solche Gefühle auslösen kann, muss ja einfach gut sein.
Es existiert auch eine Akustik-Version, aber ich finde obige tausendmal besser. Akustik-Stücke finde ich irgendwie beliebig, sättigen aber wohl den Geschmack der Massen nach dunkler Musik, die ja niemals hart sein kann. Das Original ist dagegen wesentlich treibender.

3. Sum 41 – Noots

One by one, we both fall down
but who’s the first one to hit the ground now?

Sum 41, die machen doch nur so Partyscheiße für den Soundtrack von 90er-Highschool-Comedys? Hahahahaha Nein.
Ich war selbst total überrascht, als ich über diesen Song aus purem Zufall stolperte, aber seitdem hat er sich zu einem meiner absoluten Lieblingsstücken entwickelt, auch wenn er derbe runterzieht – denn hier stimmt einfach alles!

4. 30 Seconds to Mars – The Kill

This is who I really am!

Dieses Lied ey, dieses Lied. Man könnte zu recht argumentieren, dass sie hier mal wieder ganz tief in die Jaul-Kiste greifen, aber dennoch wird dieser Song mir immer im Gedächtnis bleiben als Soundtrack zu einem der seltsamsten Träume, die ich jemals hatte – was ganz besonders bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass ich in meinem Träumen NIE einen Soundtrack habe.
Aber hier war es so. Es war auf dem Jakobsweg, weshalb ich (leider?) viel Zeit hatte, über den Traum nachzudenken. So ganz kapiert habe ich ihn (nach fast 5 Jahren) immer noch nicht und irgendwie ist es mir auch zu peinlich, das hier auszubreiten, weil ich mit Sicherheit nicht rüber bringen kann, was mich daran so tief verstört hat.
Nur soviel: Batman spielte eine Rolle (Sex mit ihm leider nicht). Und der Umstand, dass Jared Leto (der Sänger) bald als Joker über die Kinoleinwand turnen wird, macht dieses surreale Erlebnis im Rückblick nicht unbedingt besser.

5. Green Day – Boulevard of Broken Dreams

I’m walking down the line
That divides me somewhere in my mind

Ok, DAS ist nun ziemlich Mainstream. Jedenfalls war es für Green Day vermutlich ihr letzter großer Hit – was den Song, so ausgelutscht er auch inzwischen ist, trotzdem nicht schlecht macht. Besonders gefällt mir das Video, das inhaltlich nahtlos an das Video zu „Holiday“ anschließt, was dann doch +1 auf Kreativität verdient!

6. Amy Lee – Sally’s Song

And will we ever end up together?
No, I think not, it’s never to become
For I am not the one

Tja… wie war das mit dieser gefühlsduseligen Scheiße, in der irgendwelche Tussis mit triefender Stimme was von verlorener Liebe jaulen?
Aber nein, das lasse ich so nicht stehen. Zwar habe ich nie verstanden, weshalb Amy Lee zeitweise in der Szene so groß war – denn diese Frau ist nicht die außergewöhnliche Sängerin, als die sie immer gefeiert wird. Wirklich gar nicht. Live-Aufnahmen von Evanescence sind in meinen Ohren tatsächlich ein einziger Alptraum. Die Wahrheit ist: Sie wird gefeiert, weil sie fast die EINZIGE Sängerin in dieser Sparte ist!
Und trotzdem… ihre Interpretation von Danny Elfmans wundervoller Arbeit für diesen „Nightmare before Christmas“-Song ist grandios. Tatsächlich sogar deutlich besser als das Original, das ich im Film neben nur einen einzigen weiteren Song nicht mochte. Und er war der perfekte Soundtrack für mich in einer Phase, in der ich sehr, sehr unglücklich verliebt war.
Kitschig? Vielleicht. Aber auch so, so bitter.

7. Linkin Park – Breaking the Habit

I’ll never fight again
And this is how it ends

In einer extrem schlimmen Phase, die auch nicht besser wurde dadurch, dass Youtube noch nicht existierte, war ich völlig geflasht von dem Song nebst dem unglaublich genialen Video. In den antiken Prä-Internet-Zeiten bestand nun die einzige Lösung darin, nächtelang zwischen Viva und MTV hin und her zu zappen, um vielleicht! zufälligerweise! mit ganz viel Glück! diesen Song zu erwischen.
Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass ich für dieses Lied wirklich gelitten habe. Aber es war es wert.

8. The Offspring – Lightning Rod

Locked up forever inside
I look to the stars and ask why

KEIN MIXTAPE OHNE THE OFFSPRING!!! (Das ist ein Versprechen, von dem ich jetzt schon weiß, dass ich es nicht halten kann, auch wenn ich mich bemühen werde.)
Ich kenne alles von The Offspring und auch, wenn es sehr falsch ist, dass viele mit dieser Band nur „Pretty Fly (for a white guy)“ verbinden, ist DIESES Lied wirklich ziemlich untypisch. Aber WENN sie depressiv werden, dann richtig – daran ändert auch das wilde Rumgekloppe auf den Drums nichts.
Im Gegenteil. Wer die tiefe Traurigkeit in diesem Lied nicht erkennt, nur weil es nicht ruhig ist, ist vermutlich schon tot.

9. Ignite – Sunday bloody Sunday

How long, how long must we sing this song?

Noch eine Einladung zum Pogen, noch eine Coverversion. Nicht, dass ich das U2-Original nicht mag, aber Ignite haben nicht nur die Geschwindigkeit dieses Klassikers praktisch verzehnfacht, sondern ordnungsgemäß für die Metal-Massen aufbereitet.
Thema ist, wie vielleicht schon bekannt, der „Bloody Sunday“, an dem unbewaffnete irische Demonstranten von britischen Soldaten abgeschlachtet wurden, was den Nordirlandkonflikt nochmal befeuerte. Wie könnte ein Song über einen so rundherum unnötigen, da vermeidbaren Konflikt nicht runterziehen?

10. Avenged Sevenfold – Danger Line

Now I found myself in my own blood
the damage done is far beyond repair

Es hat lange gedauert, bis ich kapiert hatte, wie rundherum großartig Avenged Sevenfold eigentlich ist und ich glaube, das fing mit diesem Lied an. Zuerst hatte ich nicht richtig zugehört und ging davon aus, dass es darin um Selbstmord geht, weshalb es mich besonders angesprochen hat. Dann habe ich aber DOCH richtig hingehört und stellte leicht ernüchtert fest, dass es hierbei um einen Soldaten geht, der erschossen wird. Meh.
Und bevor mir jetzt achttausend wütendende Antifems aufs Dach steigen, die niemals selbst in einem Krieg gekämpft haben, aber hier weibliche Privilegien wittern, spare ich mir weitere Kommentare zu dem Thema. Dazu ist der Song zu großartig, egal worum es geht.

11. Jimmy Eat World – Bleed American

I’m not alone cause the TV’s on, yeah
I’m not crazy cause I take the right pills
everyday

Ich glaube, von allen Songs in dieser Playlist kenne ich dieses Lied hier am längsten. Mich hat nie interessiert, was er eigentlich bedeutet – schon die ersten Zeilen geben ja das Thema vor. In wenigen Worten so ein deprimierendes Szenario entwerfen… das ist wirklich grandios.

12. Nirvana – Heart-Shaped Box

She eyes me like a Pisces when I am weak
I’ve been locked inside your heart-shaped box for weeks

Wie könnte man mit meinem musikalischen Hintergrund einen Depressive Mix machen OHNE Nirvana?
Im Prinzip würde hier fast jeder Nirvana-Song passen, aber Heart-Shaped Box ist nicht nur einer meiner Lieblingssongs von ihnen, sondern liefert eines der besten Musikvideos aller Zeiten gleich mit. Das surreale Setting ist toll, aber Kurt Cobain getaucht in diese grellen Farben zu sehen hat mich in meiner Nirvana-Fangirl-Phase unglaublich berührt.
Thema ist angeblich ein krebskrankes Kind, was allerdings bei Nirvana immer etwas schwierig zu sagen ist, weil Kurt bei vielen Songs bewusst keine wirkliche Anhaltspunkte für eine sinnvolle Interpretation hinterlassen hat. Überhaupt waren für ihn Texte gar nicht mal so wichtig (was recht seltsam ist bei einem Songschreiber).
Egal. Ich höre das Lied, sehe Kurts im Video so unglaublich blauen Augen vor mir, die leicht psychopathisch blitzen, und fühle tiefe Melancholie. Was will man mehr.

13. Placebo – Song to say Goodbye

You lying, trying waste of space…

Placebo ist so ein Fall, ganz ähnlich wie Staind. Irgendwie tut diese Musik tief in der Seele weh, auch wenn sie ganz anders ist als das Zeug, das Staind fabriziert. Es ist ruhiger, effektreicher und irgendwie auch künstlerischer, dabei aber nicht besser oder schlechter. Einfach anders – mit dem selben Effekt. Sprich: Auch ein Placebo-Album ist praktisch ein einziger Aufruf zum Massenselbstmord – aber die Methode wäre sicher eher zelebrierend als zerstörerisch.
Macht das irgendeinen Sinn? Egal. Hört euch einfach das Lied an.

14. Five Finger Death Punch – The Bleeding

Well, I’m so ugly
You’re better off without me
and I’m better off without…

Das sind so Lieder, bei denen ich kaum glauben kann, dass es trotzdem nur Liebesgesülze ist. Es klingt wesentlich zu krass dafür und das ist einfach nichts, was ich bei dem Thema richtig nachvollziehen kann.
Trotzdem… diese Musik, so wunderschön dunkel, diese Stimme, so fantastisch gegröhlt.

15. System of A Down – Lonely Day

Such a lonely day
And it’s mine
It’s a day that I am glad I survived.

Ein Lied, bei dem ich die Arme um mich legen und mich, blicklos vor mich hinstarrend, in eine dunkle Ecke setzen will. So voll klischeemäßig. System of A Down sind eigentlich nie verkehrt!

16. Metallica – The Unforgiven

The old man then prepares
To die regretfully
That old man here is me

Mein Patenonkel starb mit Mitte Vierzig an Krebs. Er war ein großer Metallica-Fan – etwas, worüber ich mich nie wirklich mit ihm unterhalten habe. Überhaupt hatten wir, seitdem ich erwachsen bin, viel zu wenig Kontakt. Er wusste nicht, wer ich bin und ich weiß nicht, wer er wirklich war. Das einzige, was ich ihm widmen konnte, war dieses Lied, als er starb – wenigstens wusste ich, dass ihm DAS gefallen hätte.
Für alles andere ist es zu spät. Und das werde ich mir nie verzeihen.

17. Rise Against – Hero of War

We beat him with guns
and batons, not just once
but again and again

Ok… fast schon seicht und ausgelutscht. Ein Lied, das sogar meinem Stiefvater gefällt, der eine komplette Kuschelrock-Kollektion sein eigen nennt und meine gesamte Jugend lang sprichwörtlich nur mit Ohrschützern an meiner Zimmertür vorbei gerannt ist.
Und trotzdem – es ist Rise Against. Etwas sehr unsubtil auf die Tränendrüse gedrückt, aber wenn man sich versucht, im Gedächtnis zu halten, wie dieses Lied beim ersten Mal berühren konnte, geht’s eigentlich.

18. Soul Asylum – Runaway Train

Like the madman laughing at the rain
Little out of touch, little insane…

Definitiv der größte Evergreen in dieser Liste, ein echtes One-Hit-Wonder vor dem Herrn, aber die wenigsten dürften die Story dahinter kennen. Im dazu gehörigen Musikvideo wurden Vermisstenanzeigen von echten Vermissten geschaltet und gerüchteweise sollen nach dem Erfolg dieses Songs und des Videos tatsächlich einige davon wieder aufgetaucht sein.
Was mit dem Rest ist? Das wird man vielleicht nie herausfinden. Wollen wir hoffen, dass die wirklich alle nur weggelaufen sind. Aber ich gehe ehrlich gesagt nicht davon aus. Was unglaublich schrecklich ist, wenn man zu lange drüber nachdenkt.
Ja, es ist Pop, aber so deep, wie Pop nur sein kann.

19. Manic Street Preachers – If you tolerate this

Ne-he-he-he-hext
will be next…

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, worum es in dem Lied geht. Hört man nur den Refrain, fällt einem alles mögliche dazu ein, aber der Rest ist irgendwie ziemlich undurchsichtig. Anhören tut es sich aber sehr, sehr traurig und mehr verlange ich in dieser Liste ja auch nicht.

20. Michael Andrews – Mad World

The dreams in which I’m dying
are the best I’ve ever had

Uuuund hier haben wir es. Das Finale. Der Depressive Overload!
Jedes Lied in dieser Liste, egal wie sehr es mich anfänglich runter gezogen hat, konnte ich mir mittlerweile irgendwie schönhören. Sprich, ich kann sie ertragen, ohne mich umbringen zu wollen. DAS hier dagegen nicht. Vielleicht werde ich das nie können. Vielleicht ist das auch gar nicht wichtig. Dieser Song ist ein rabenschwarzes Loch, das sämtliche guten Gefühle aufsaugt und nur Agonie hinterlässt. Das macht ihn zum ungekrönten König dieser Liste und zum einzigen Lied, das wirklich das Potential hat, meine Kundschaft zu vergraulen, wenn ich keinen Bock mehr auf sie habe.
Leider habe ich danach auch keinen Bock mehr auf irgendwas. Am allerwenigsten auf das Leben. Wenn ihr also wissen wollt, wie es sich anfühlt, in einer Depression zu stecken… dieses Lied gibt einen ziemlich guten Eindruck davon!


Damit bin ich buchstäblich am Ende! Für alle, die sich noch nicht voll Grauen abgewandt haben, hier nochmal alle Songs in einer Youtube-Playlist, die ihr euch nun in der richtigen Reihenfolge antun könnt, wenn ihr mögt:

Das ging nur, weil tatsächlich jedes Lied bei Youtube auffindbar war, ich kann also nicht versprechen, dass ich das jedes Mal liefern kann. Über Meldungen von Deadlinks wäre ich sehr dankbar!

Welche Songs würdet ihr auf einen Depressive Mix packen?

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Der Endgegner im Badezimmer 3: Buchtipp „Fettlogik überwinden“

Vermutlich hat jeder Mensch, der mal im Laufe seines Lebens versucht hat abzunehmen, irgendwann mal einen Diätratgeber in die Hand genommen oder Zeitschriften zu dem Thema gewälzt. Und vermutlich hat das nie etwas gebracht und deshalb kotzt euch das alles jetzt sehr an.

Und trotzdem möchte ich euch heute ein Buch empfehlen, das überhaupt kein Diätratgeber sein will, aber in meinen Augen sämtliche Ratgeber für alle Zeiten überflüssig macht.

fettlogik

Zur Autorin
Dr. Nadja Hermann hat Psychologie studiert, in dem Fach auch promoviert und ist heute Therapeutin. Bezüglich der Gewichtsprobleme liest sich die Biographie der Autorin aber sehr ähnlich wie meine: Sie war schon als Kind übergewichtig, hat im Laufe ihres Lebens eine Diät nach der anderen angefangen und wieder abgebrochen und gab schließlich auf mit der Gewissheit, dass manche Menschen einfach nicht für Normalgewicht gemacht sind. Nur brachte sie anders als ich am Ende nicht ein paar Kilo Übergewicht auf die Waage, sondern satte 150 Kilo auf 1,75 Körpergröße.
Zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit Fat Acceptance und war froh über die dort herrschende Meinung, dass Übergewicht eigentlich überhaupt nichts mit Gesundheit zu tun hat. So jedenfalls, bis sie sich eine Verletzung zuzog und plötzlich das Damoklesschwert „lebenslängliche Immobilität“ über ihr hing.
Zwangsläufig begann sie also, sich erneut mit dem Thema Gewichtsabnahme zu beschäftigen und stieß dabei auf all die vielen Techniken, Mythen, Methoden und Weisheiten, die wohl jeder von uns verinnerlicht hat: Der Stoffwechsel muss ständig angekurbelt werden, da er sonst seinen Dienst einstellt, man muss x-mal am Tag essen, um nicht in den „Hungermodus“ zu fallen, man darf eine bestimmte Kalorienmenge täglich nicht unterschreiten, weil das ungesund ist und man sonst nicht abnimmt etc.pp.
Zu ihrer eigenen Überraschung musste sie feststellen, dass sämtliche dieser Weisheiten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand hielten. Ein Jahr später hat sie ihr Idealgewicht von 62kg erreicht und sich entschlossen, all ihre Erkenntnisse in einem Buch zu sammeln, das ich euch nun vorstelle.

Über das Buch
Bücher dieser Art kommen normalerweise nicht ohne dämlich-reißerischen Untertitel aus. Der Untertitel hierzu könnte beispielsweise lauten: „So nehmen Sie ab – garantiert!“ – „Diätlügen entlarvt!“ oder „Wie Sie der Qual ein Ende bereiten – für immer!“

So oder ähnlich könnte man es auf das Cover drucken. Und das Beste: All diese Sprüche wären wahr.

Ich habe wirklich sehr lange gegrübelt, wie ich diese Rezension schreiben kann, ohne dass es wie billige Werbung wirkt. Aber das ist völlig unmöglich. Ich kann es einfach nicht anders ausdrücken: Dieses Buch ist eine einzige Offenbarung.

Es erschien am 30. April als E-Book auf Amazon. Ich durfte es aber schon vorab lesen. Nach nicht mal 50 Seiten klappte ich den Laptop zu und beschloss, mein Leben zu ändern.

Das klingt vielleicht hochgradig albern, aber Menschen mit unerfüllten Abnehmwunsch werden mich vielleicht verstehen. Mein Leben lang habe ich versucht, ein Gewicht zu erreichen, das mich zufrieden stellt und glücklich macht, aber ich bin immer gescheitert. Nach außen hin quälte ich mich weiterhin mit sinnlosen Diätversuchen, aber innerlich hatte ich mich schon längst von dem Gedanken verabschiedet, jemals mein Zielgewicht zu erreichen. Und dafür gab es ja auch so viele Gründe: mein niedriger Stoffwechsel, meine Schilddrüsenunterfunktion, meine Antriebslosigkeit, mein Körper, der NIE so wollte wie ich und so weiter.

Das Buch hat mir klar gemacht, dass das alles nicht stimmt. Die ganzen von mir verinnerlichten Mythen, von der Autorin „Fettlogik“ genannt, fußen auf nichts anderem als auf einer Sammlung von falsch interpretierten Studien, Fehlinformationen und schlicht Schwachsinn, der von Leuten verbreitet wird, die es selbst nicht besser wissen.

Und das zu lesen war das Beste, was mir je passieren konnte. Das Buch, obschon kein Diätratgeber, zeigte mir einen Weg auf, mein Ziel doch noch zu erreichen – frei von allen Ketten, frei von „Fettlogik“.

Und, was soll ich sagen: Es wirkt. Seit etwas mehr als einem Monat halte ich mich nun an meinen eigenen Diätplan, den ich anhand der Informationen aus dem Buch entwickelt habe – und habe in dieser kurzen Zeit schon fast sieben Kilo abgenommen. Seht selbst:

gewicht

Momentan habe ich ein so niedriges Gewicht wie seit Jahren nicht mehr. Und seit Jahren habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt. Doch will ich weiter machen – und Dank des Buches weiß ich nun, dass ich mein Zielgewicht nicht erreichen kann, sondern erreichen werde – und das sogar sehr bald. Natürlich muss ich dafür was tun (was ich tue, erzähle ich euch die nächsten Tage), aber das Buch nimmt aus dem Thema „Abnehmen“ die große Portion Willkür, an der vermutlich die meisten abnehmwilligen Menschen schon mal verzweifelt sind. Und das ist eine so immense Erleichterung, dass ich am liebsten heulen würde, wenn ich darüber nicht so glücklich wäre.

Neben dem großen Teil, der sich mit den Mythen rund ums Abnehmen beschäftigt und der für mich am wichtigsten war, nimmt auch noch eine Aufzählung der gesundheitlichen Risiken des Übergewichts viel Platz ein. Dieser Part ist dem Thema entsprechend etwas trockener, zumal ich mich damit nicht wirklich angesprochen fühlte, da ich mit einem Maximal-BMI von 30 nie wirklich schwer genug war, um wirklich starke gesundheitliche Einschränkungen zu spüren, wobei mein recht junges Alter natürlich auch eine Rolle spielt. Dennoch lohnt sich die Lektüre, auch wenn es teilweise etwas schockierend ist.
Ein Unterkapitel aus diesem Themenkomplex war dann jedoch auch für mich sehr interessant: Die Autorin zitiert eine Studie, die nahe legt, dass möglicherweise eine Korrelation zwischen einem hohen Körperfettanteil und Depressionen besteht, da zu viel Fett im Körper zu Entzündungserscheinungen führen kann, was wiederum die Hirnchemie stören könnte. Das ist noch nicht abschließend geklärt (was die Autorin auch nicht behauptet), aber ich bin sehr gespannt darauf, ob ich hierbei eine Verbesserung feststellen werde.

Der letzte Teil befasst sich mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Übergewicht und dürfte den meisten vermutlich am übelsten aufstoßen. Gänzlich einverstanden bin ich hier auch nicht mit allem, aber auch hier sind alle Aussagen mehrfach belegt und laden zur Diskussion ein. Dass diese mit Fat-Acceptance-Vertreterinnen allerdings nicht möglich ist, haben mir die letzten Tage gezeigt und diese werden das Buch so oder so zerreißen, ob mit oder ohne gesellschaftlichen Teil.

Fazit
Was soll ich sagen – dieses Buch ist schlicht genial. Im launigen Schreibstil verfasst und teils mit Auszügen aus der eigenen Biographie gewürzt lässt es sich leicht lesen und macht dabei auch noch Spaß. Dabei ist alles wissenschaftlich fundiert und durch zahlreiche Studien belegt, aus denen die Autorin großzügig und auch für die Laien nachvollziehbar zitiert. Damit wirft sie mal eben so viel Status Quo über den Haufen, dass ich teilweise mit offenen Mund vor dem Buch saß und das Wort „Nobelpreis“ in meinem Kopf aufblitzte.

Ist das völlig übertrieben? Vielleicht. Aber für MICH als Person, die ihr Leben lang mit ihrem Gewicht haderte, aber dabei an tausend Regeln scheiterte, die allesamt sinnlos sind, stellt das Buch die Art Aufklärung da, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie brauche, weil mir überhaupt nicht klar war, dass ich an lauter Bullshit glaube, der gar nicht stimmt.

Darauf möchte ich morgen noch genauer eingehen. Bis dahin sei dieses Buch jedem – wirklich JEDEM – empfohlen, der mit seinem Gewicht unzufrieden ist. Zwar habe ich hier die ganze Zeit von Übergewicht geredet, aber auch für Menschen mit Untergewicht, die daran etwas ändern wollen, zeigt das Buch Wege auf, damit umzugehen und es zu beheben. Doch auch für Menschen ohne Gewichtsproblematik lohnt sich der Kauf, denn durch Werbung, Diätratgeber und sogar Ärzte ist unsere Gesellschaft regelrecht durchzogen von „Fettlogik“. Außerdem ist es ein schönes Lehrstück darüber, nicht alles unhinterfragt zu glauben, denn bei mehreren Kapiteln, in denen die Autorin „Fettlogiken“ demontierte, saß ich mit Dauer-Facepalm vor dem Bildschirm und dachte „Mein Gott, natürlich!“ – denn einiges dieser „Fettlogik“ ist so unglaublich unlogisch, dass es fast unvorstellbar ist, dass noch nie jemand vorher darauf gekommen ist.

Die große Leistung der Autorin besteht also darin, genau diese Dinge hinterfragt zu haben und auf eine Art und Weise zusammen zu tragen, die bisher in der Diätratgeberlandschaft absolut beispiellos ist. Mir hat es so sehr geholfen und eine solche Last von den Schultern genommen, dass ich mir wünschen würde, es auf Rang 1 der Bestsellerlisten zu sehen, denn ich weiß, dass es viele Millionen Menschen da draußen gibt, die genauso unglücklich sind wie ich und genauso wie ich nicht wissen, was sie dagegen tun sollen. Jedenfalls bisher!

Das einzig Negative, was ich über dieses Buch sagen kann, ist: Schade, dass es noch keine Druckversion gibt – und dass ich es nicht schon vor 15 Jahren lesen konnte.

Blog zum Buch: Fettlogik


Weitere Beiträge zur Themenwoche:
Der ewige Kampf
Fatshaming und Fatacceptance
The war is won!
Meine Diät!
Rezepttipp: Der Teig ohne Mehl!
Geheimtipp: Die Nudel ohne Kalorien!
Bonus – das beste Rezept der Welt! (Zum Mitmachen!)

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[Halloween-Special] Die fünf besten Serien-Specials

Feiertagsspecials in Serien haben eine lange Tradition, gehören oft sogar zur Staffel-Routine – Grund genug, den fünf besten Halloween-Specials unter den Feiertagsspecials einen eigenen Halloween-Special-Artikel zu spendieren!


The Simpsons: Treehouse of Horror I-VIII
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Um das gleich mal klarzustellen: „Treehouse of Horror“ ist episch. So episch, dass ich diese Liste problemlos NUR mit Simpsons-Episoden füllen könnte.
Allerdings sollte es ja schon ein bisschen divers sein. Und außerdem bin ich sauer auf Die Simpsons. Ich halte die Serie für eine der großartigsten, die jemals gemacht worden ist – bis ungefähr Staffel 10. Alles, was danach kommt, ist ein riesengroßer Haufen Scheiße. Und da nun leider aktuell 10 überragende Staffeln 16 schlechten gegenüber stehen, fühle ich mich als Fan der ersten Stunde irgendwie total verarscht und bin zeitweise fast versucht, ein „Ex“ vor dem „Fan“ zu ergänzen.
Meiner Meinung nach sieht man den Verfall fast nirgendwo besser als bei den „Treehouse of Horror“-Episoden. Ich habe mir vor ein paar Tagen die neuste Folge angesehen und kann kaum glauben, dass das noch die selbe Serie ist, die nicht weniger (aber leider auch nicht mehr) als acht großartige Halloween-Specials produziert hat, die ich wohl bis in alle Ewigkeit lieben werde, egal wie viele Dutzend Male ich sie noch sehe.
Das ist sehr traurig. Aber lasst uns nicht über den Bullshit von heute mosern, sondern erinnern wir uns lieber zurück auf die guten, alten Zeiten, als ein Simpsons-Halloween-Special eines der Top-Fernsehereignisse des Jahres war – und das völlig zurecht.


Community S01E07 – Mexikanisches Halloween
Community ist möglicherweise das nerdigste und damit grandioseste Etwas, was es jemals auf die Mattscheibe geschafft hat und es ist eine verdammte Schande, dass kaum jemand die Serie kennt!
Das Problem ist allerdings, dass die pure Genialität sich erst so richtig ab der zweiten Staffel entfaltet, während Staffel 1 wie eine zwar unterhaltsame, aber nicht gerade wahnsinnig innovative „Kriegen sie sich, oder kriegen sie sich nicht?“-Sitcom startet.
So jedenfalls bis zu folgender Szene:

Bis dahin ist die Folge ganz okay, auch wenn ich Jeffs Rumgeturtel mit dieser Dozentin sehr hasse. Aber dann das. In dem Moment, als ich Jeffs Blick aufkeimenden Verstehens sah – so dermaßen over the top, dass ich mich jedes Mal auf den Boden legen könnte vor Lachen – keimte auch in mir was, nämlich die Hoffnung auf kommende Awesomeness. Ja, während Abeds epischen Monolog wurde mir erstmalig klar, dass es sich hierbei eben NICHT um eine 0815-Liebesschnulzensitcom handelt. Wie sich zeigen sollte, hatte ich Recht! Allein wegen dieser Szene muss die Folge einfach rein!


South Park S02E15 – Böser, böser Fisch
Halloweenfolgen haben bei South Park eine fast ebenso große Tradition wie bei den Simpsons. Und so blöd es sich anhört: Ich hätte mir fast in die Hosen geschissen, als ich diese spezielle Folge damals zum ersten Mal nachts auf RTL sah!
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Aber auch ansonsten zeichnet sich diese Episode durch alles aus, was South Park einst so großartig gemacht hat, und was der Serie heute leider fehlt. Keine zehn Sekunden ohne irgendetwas geniales und klassisches.
Terrence und Philip. Spooky Vision. Chefkoch. Der böse Cartman. „Nein, Miez, böse Miez!!“ „Höllen“. Und ein gottverdammter Indianerfriedhof. Muss ich noch mehr sagen?


How I met your Mother S01E06 – Die Kürbis-Schlampe
Halloween bei HIMYM ist tatsächlich mehr als ein schlampiger Kürbis. Allein für diese Szene muss man Barney einfach lieben:

Leidenschaftlich übertrieben in allem, was er tut und wenn es dann um Halloween-Kostüme geht, wird es halt super-awesome. Wie gerne wäre ich mal auf einer Party mit lauter Leuten, die sich bei ihren Kostümen SO viel Mühe geben!


Community S02E06 – Zombie-Alarm!
(Jap, Community gehört zweimal rein. WEIL.)
Abgesehen von der erneuten Demonstration der traurigen Tatsache, dass deutsche Übersetzer nicht in der Lage sind, ein System in den Titeln von Serienfolgen zu erfassen, ist diese Folge irgendwie einzigartig. Noch nie habe ich erlebt, dass so eine umfassend unrealistische Story am Ende doch so unglaublich logisch erscheint. In keine andere Realserie hätte eine Folge wie diese gepasst, aber bei Community geht einfach alles!

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Meine Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
Spielereview: Betrayal at House on the Hill
Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten
Minimalistische Partytipps

Weißt du, was auch der pure Horror ist? Existenzängste, weil man nicht genug Knete hat! Wenn du mir ein wenig meiner Angst nehmen und mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich deshalb gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

[Halloween-Special] Stephen King (und seine fünf besten Kurzgeschichten)

Wer mich bereits länger liest, dürfte vielleicht schon mitgekriegt haben, dass mich mit Stephen King eine ganz besondere Liebe verbindet. Aber als ungekrönter Meister des Horrors sollte ihm auch ohne diese Liaison ein Platz in einem solchen Special sicher sein.

Ich las meinen ersten Stephen-King-Roman, da war ich gerade erst elf. Davor mochte ich Enid Blyton und hatte alle „Hanni und Nanni“-Bände; den Zwischenschritt davon zu Horror, wie auch immer der aussehen mag, habe ich indes einfach übersprungen.

Es fing mit Friedhof der Kuscheltiere an, dann kam ziemlich bald danach Shining, dann müssten Carrie und Brennen muss Salem dran gewesen sein und ab da verschwimmt alles in einem Wirbel aus Buchtiteln, denn es kann wohl niemand ernsthaft erwarten, dass ich alle gut fünfzig Stephen-King-Bücher, die ich gelesen habe, in der richtigen Reihenfolge aufzählen kann.

Fünfzig Bücher. Ich weiß nicht, was beeindruckender ist: Dass ein Mensch tatsächlich so viel schreiben kann oder dass ich immer noch Lust habe, es zu lesen!

So ziemlich seit Beginn seiner Karriere kämpft er gegen den Stempel „Schundautor“ und wird den, so fürchte ich, auch nicht mehr los werden. Er ist auch sicher nicht der eleganteste Schreiber, zudem hat er auch einfach schon richtig viel Scheiße geschrieben, aber was er über das Schreiben an sich sagt und auch über die ihm verwehrte Anerkennung vom Feuilleton fasziniert mich. Wenn „Angst“ eines der universellsten Gefühle überhaupt ist, warum hat dann Literatur, die sich genau damit befasst, einen so schlechten Stand?

Überhaupt, was ist eigentlich Literatur? Dazu ein Zitat:

„Ich verstehe das überhaupt nicht. Ich verstehe nichts von alledem. Warum muss eine Geschichte politisch oder sozial oder kulturell motiviert sein? Sind das nicht ganz natürliche Bestandteile jeder gut erzählten Geschichte? Ich meine… ich meine… kann eine Geschichte nicht einfach eine Geschichte sein?“
– Stephen King, Es

Und damit hat er vollkommen Recht. Das ist genau das, was ich in meinem Germanistikstudium vermisse. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Stephen King mich dazu gebracht hat, Literatur zu lieben, während mein Studium mich gelehrt hat, sie zu hassen.

Und das ist doch echt scheiße! Allein deshalb mache ich jeden fertig, der es im universitären Umfeld wagt, über Stephen King zu lachen und ja, ein bisschen genieße ich das sogar!

Ich habe im Zuge eines Blogprojekts letztes Jahr angefangen, Stephen-King-Romane in alphabetischer Reihenfolge zu rezensieren. Durchgehalten habe ich das zwar nicht, aber für Rezensionen brauche ich ja eigentlich kein Projekt von außen 🙂 Hiermit sei also angekündigt, dass ich damit weitermache, und zwar da, wo ich aufgehört habe! Ich mache mir da keine konkrete Vorgabe (also nicht „eine Rezension pro Woche“), aber irgendwann wird es weiter gehen 🙂

Soooo… aber dieser Artikel soll ja trotzdem noch ein bisschen mehr beinhalten als bloginterne Ankündigungen! Deshalb, zu Ehren eines großen Wörterschmiedes, des Meisters des Horrors und meines liebsten Autors, zu Halloween Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten in willkürlicher Reihenfolge!


Der Jaunt
Enthalten in „Blut“
Ein Vater erzählt seiner Familie die Geschichte des ersten verkehrstüchtigen Teleporters, der nicht nur die irdische Energiekrise löste, sondern der Menschheit auch den Weg zu den Sternen ebnete, obwohl einige Rätsel dieser Erfindung immer noch nicht gelöst sind…

Stephen King liebt Science Fiction, doch wenn er sich dem Genre widmet, ist seine persönliche Note unverkennbar. Ich mag Star Trek, aber was in solchen Filmen und Serien an technischer Innovation gezeigt wird, ist so unnatürlich sauber, dass es fast steril wirkt. Stephen King dagegen schafft es ohne ein einziges explizites Wort, die pure Bedrohlichkeit der vermeintlich strahlenden Zukunft auf den menschlichen Geist zu vermitteln, der für solche Ausmaße eigentlich gar nicht geschaffen ist. Wenn andere Autoren die Leser für den Gedanken faszinieren, irgendwann einmal den Weltraum erobern zu können, erinnert Stephen King daran, dass der Weltraum sehr, sehr groß ist – wir dagegen aber ganz, ganz klein. Und das ist so beängstigend, wie echter Horror nur sein kann.

Quitters, Inc.
Enthalten in „Katzenauge“
Ein Mann leidet sehr unter seiner Nikotinsucht, hat aber wie Millionen anderer Menschen ein Problem, von selber mit dem Rauchen aufzuhören – also wendet er sich an eine Firma, die bei der Unterstützung von Rauchern eine 98%ige Erfolgsquote vorweisen kann. Allerdings sind ihre Methoden etwas rabiater, als er sich das vorgestellt hat…

Irgendjemand schrieb mal, „Quitters, Inc.“ sei eine Kurzgeschichte, wie sie klassischer nicht sein könnte, und als solche die beste, die Stephen King je geschrieben hat. Ob es tatsächlich DIE beste ist, vermag ich nicht zu beurteilen, aber in meine Top 5 gehört sie auf jeden Fall!

Dabei ist der Horror hier mindestens in zwei Schichten aufgetragen. Einerseits ist da die ganz reale Bedrohung durch Gangster, die, auch wenn sie ein eigentlich hehres Ziel verfolgen, vollkommen skrupellos sind – die andere ist die Bedrohung durch sich selbst. Die eigenen Triebe, Gelüste, Schwächen… in dieser Geschichte könnten sie tatsächlich zur Katastrophe führen. Was einfach nur eine wunderbare Parabel ist.

Die Leiche
Enthalten in „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“
Ein Sommer in den Fünfzigerjahren und vier Freunde, die sich aufmachen, die Leiche eines vermissten Jungen zu finden…

Diese Kurzgeschichte, die eigentlich eine Novelle ist, dürfte die bekannteste in dieser Liste sein, weil sie unter dem Titel „Stand by me“ sehr erfolgreich verfilmt worden ist. Allerdings konnte mich der Film nie so wirklich begeistern – anders als das geschriebene Wort.

Wobei, vielleicht ist „begeistern“ die falsche Formulierung. Diese Geschichte bereitet mir jedes Mal echte körperliche Schmerzen beim Lesen. Es ist ein sehnsuchtsvoller Text über Vergänglichkeit, die ganz offensichtlich durch die namensgebende Leiche symbolisiert wird, doch darüber hinaus ist das Hauptthema Freundschaft, die dem Hauptprotagonisten zu einem gewissen Zeitpunkt im Leben als das Wichtigste überhaupt erschienen ist – und die dennoch irgendwann endete. Nicht mit einem Knall, sondern indem sie sich langsam aus seinem Leben schlich. So ähnlich ist auch der Tod: Für die meisten kommt er nicht plötzlich, sondern das Sterben beginnt für sie, für uns alle, mit dem Tage unserer Geburt.
Und das macht diese Geschichte gleichzeitig unendlich traurig als auch wunderschön – denn diesem Vanitas-Motiv wird genauso leidenschaftlich die Botschaft entgegen gestellt, das zu schätzen, was man hat, solange man es eben hat.

Die 10-Uhr-Leute
Enthalten in „Abgrund“
Die Protagonisten in dieser Geschichte gehören zu den Leuten, die gerne mit dem Rauchen aufhören wollen, es aber nicht ganz schaffen und sich deshalb täglich in ihrer ersten Pause vor den Bürogebäuden sammeln, um eine der wenigen Zigaretten zu sich zu nehmen, die sie sich noch erlauben. Diese Kleinstversorgung mit Nikotin enthüllt ihnen allerdings ein grauenhaftes Geheimnis…

Zu dieser Geschichte vermag ich nicht den geringsten Gehalt herbei zu interpretieren. Die Prämisse ist völliger Schwachsinn und alles Weitere eher konventionell – aber trotzdem bin ich total verliebt in die Geschichte. Weil sie so richtig schön bescheuert ist. Weil es trotz des fehlenden Tiefgangs einfach eine klasse Geschichte ist. Und wie wir gelernt haben, ist das eigentlich alles, was zählt!

Der rasende Finger
Enthalten in „Alpträume“
Ein Mann geht eines Morgens ins Bad und muss feststellen, dass aus seinem Abfluss ein lebendiger Finger ragt…

Eigentlich könnte man fast alle Geschichten dieser Welt auf eine Frage reduzieren: „Was wäre, wenn?“ Nur weil sich Menschen diese Frage stellen, werden Bücher geschrieben und Filme produziert. Hier haben wir aber eine „What if?“-Geschichte im klassischen Sinn. Wie würdest DU reagieren, wenn plötzlich so etwas alltägliches wie ein menschlicher Finger an einer völlig falschen Stelle auftauchen würde? Wie geht man mit etwas um, das so umfassend surreal ist?
Wenn man diese Geschichte tiefgehend interpretieren wollte, könnte man sagen, dass der Horror hier im Grunde aus dem Wissen erwächst, dass niemand, egal wie sehr man von anderen Menschen geschätzt und geliebt wird, einem so etwas glauben würde. Dass das Vertrauen in den Verstand sehr brüchig ist, egal ob von anderen oder gar von einem selbst.

Aber soweit muss man eigentlich nicht gehen. „Der rasende Finger“ ist die erste Kurzgeschichte von Stephen King, die mir nachdrücklich im Gedächtnis geblieben ist… und sie macht einfach tierisch Spaß zu lesen!


Hier geht’s zu all meinen King-Rezensionen!

Meine Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
Spielereview: Betrayal at House on the Hill
Die fünf besten Halloween-Serienspecials
Minimalistische Partytipps

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[Halloween-Special] Spielereview: „Betrayal at House on the Hill“

Es gibt nichts besinnlicheres als einen harmlosen Brettspielabend? Wer das glaubt, sollte sein „Mensch ärgere dich nicht“ endlich einmotten, denn Horror-Brettspiele sind ein Ding! Und ein Vertreter dieses Genres hat definitiv einen eigenen Halloween-Artikel verdient: Betrayal at House on the Hill.

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Prämisse:

Ein herrschaftliches, gottverlassenes Haus irgendwo auf einem Hügel. Eine handvoll verwegener Fremder. Eine zuknallende Tür. Kein Entkommen. Und weit und breit kein Touristenführer.
So das Ausgangsszenario. Das Ziel des Spiels lautet indes nur: Irgendwie überleben!

Spielbeginn:

Ihr sucht euch eine von sechs Spielfiguren aus und entscheidet euch, ob ihr Charakter A oder B spielen wollt – denn bei jeder Spielfigur gibt es zwei Auswahlmöglichkeiten! Dann werden alle Spielfiguren in die Eingangshalle gesetzt und schon kann es losgehen!

Ein Character Sheet mit den Fähigkeiten der Figur
Ein Character Sheet mit den Fähigkeiten der Figur

Spielverlauf:

BAHOTH (klingt voll dämonisch!) läuft in zwei Phasen ab. In Phase 1 erforschen die Spieler das Haus. Da sie in dieser Phase Leidensgenossen sind, die zusammen in diesem alten Kasten feststecken, ist das Spiel zu diesem Zeitpunkt noch kooperativ.

Bodenplatte mit Omen-Symbol. Kein verlassenes Herrenhaus ohne Pentagrammkammer!
Bodenplatte mit Omen-Symbol. Kein verlassenes Herrenhaus ohne Pentagrammkammer!
Es wird also Raum für Raum durchstöbert. Aber! Das Spielbrett besteht zu Anfang nur aus dem Eingangsbereich, der Treppe in den 1. Stock und einem Raum im Keller. Der Rest muss nach und nach aufgedeckt werden – und da die nun sichtbar werdenden Räume aus beweglichen Bodenplatten bestehen, die von einem Stapel gezogen werden, sind die Variationsmöglichkeiten hier praktisch grenzenlos. Damit sieht das Spielbrett am Ende immer anders aus, egal wie oft man spielt!

Wird ein neuer Raum betreten und die Bodenplatte angelegt, muss eine Karte gezogen werden. Welche das ist, hängt von dem Symbol ab, das auf der Bodenplatte zu sehen ist. Es gibt drei Typen von Karten:

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Die Eventkarten: Diese lösen – Überraschung! – ein bestimmtes Ereignis aus.

Die Itemkarten: Items, also Gegenstände, sind meistens (mehr oder weniger) nützlich und beeinflussen eure Fähigkeiten entweder temporär oder dauerhaft – solange sich die Itemkarte in eurem Besitz befindet.

Die Omenkarten: Omen sind im Prinzip auch Gegenstände – aber von wesentlich mystischerer Natur. Und nicht alle sind gut für euch…

Was auch immer auf den Karten steht, hat (meistens) Einfluss auf die Fähigkeiten eures Charakters, zu sehen auf eurem Character Sheet. Natürlich heißt das Ziel immer, eure Fähigkeiten hochzuleveln! Doch dazu braucht ihr ein wenig Würfelglück.

Event - Beispiel. Gewürfelt wird mit W3ern.
Event – Beispiel. Gewürfelt wird mit W3ern.
Beispielsweise könnte sich in dem Raum, den ihr betretet, (als Event) ein Geist materialisieren. Sowas kann schon an den Nerven zerren! Eurer Würfelwurf entscheidet nun darüber, ob euch diese Begegnung total schockiert, sie euch eigentlich nicht groß interessiert oder ob ihr euch dem mystischen Wesen stellt und dann vielleicht sogar stärker werdet. Sprich, bestimmte Fähigkeiten werden gemäß Würfelwurf hoch- oder runtergelevelt – wie das konkret funktioniert, sagen euch die Karten!

So läuft das Spiel eine Weile. Ihr deckt das Spielfeld auf, sammelt Items und Omen, stellt euch den gruseligen Ereignissen… bis Phase 2 beginnt!

Wann das ist, entscheidet mehr oder weniger der Zufall. Für jedes Omen, das gezogen wird, muss ein sogenannter Haunt-Roll veranstaltet werden. Ist dieser Würfelwurf niedriger als die Anzahl der sich im Spiel befindlichen Omen, wird der Fluch des Hauses, eben der Haunt ausgelöst. Es ist theoretisch möglich, dass dies schon nach wenigen Spielzügen passiert (was dann besonders bitter ist), aber das erwähnte Prinzip sorgt eben dafür, dass der Fluch von Runde zu Runde immer wahrscheinlicher wird. Und irgendwann ist er unabwendbar!

An dieser Stelle endet die kooperative Spielweise: Einer der Spieler wird zum Verräter und arbeitet fortan gegen den Rest (und umgekehrt). Was aber konkret passiert, also wer zum Verräter wird, warum er zum Verräter wird, welche Absichten er verfolgt und, vor allem, welchen dunklen Mächten er nun dient, hängt vom Fluch ab – und hier wird es nun richtig krass: Denn abhängig davon, durch welches Omen und im welchen Raum letztendlich der Fluch ausgelöst worden ist, gibt es 50 (FÜNFZIG!!!) verschiedene Möglichkeiten, wie das Spiel nun weiter geht!! Es könnte sich zum Beispiel ein Vampirfürst erheben, eine Zombieapokalypse über das Haus hereinbrechen, ein irrer Axtmörder sein Unwesen treiben oder Aliens die Spieler heimsuchen. Wie gesagt, es gibt FÜNFZIG verschiedene Szenarios, die allesamt anders funktionieren, andere Taktiken erfordern oder eigene Überraschungen (z.B. plötzlich einstürzende Räume) bereit halten!

Wie man den Verräter und seine sinistren Kompagnons besiegt (oder gar von ihm besiegt wird), ist dann auch jedes Mal abhängig vom Szenario und damit immer wieder neu und aufregend!

Meine Meinung:

Mit Betrayal at House of the Hill bekommt man richtig was für sein Geld, denn es gibt wohl kaum ein zweites Spiel, das so viele Möglichkeiten bietet. Fünfzig Szenarien – einfach unglaublich!
Leider hat das nicht nur Vorteile. Während Phase 1 des Spiels ziemlich leicht verständlich ist, da man wie bei den meisten Rollenspielen im Grunde nur das tun muss, was auf den Karten steht, wird es in Phase 2 schon mal richtig kompliziert. Der Verräter und die anderen Spieler bekommen jeweils unterschiedliche Spielanleitungen. Da die Vorbereitung auf den Fluch nun aber getrennt stattfinden muss, kann sich gerade der Verräter mit niemanden austauschen, wenn er eine Regel nicht so richtig checkt. Und auch bei den anderen kam es bisher fast jedes Mal zu Verständnisschwierigkeiten bezüglich der ab da geltenden neuen Regeln und Zielsetzungen.
Das führte leider in der Vergangenheit dazu, dass nicht nur bei mir der Spielspaß mit dem Auslösen des Fluchs rapide sank.
Das Erforschen des Hauses macht dennoch jedes Mal wieder Spaß, auch wenn sich hier mit der Zeit (ich habe es nun etwa 15 Mal gespielt) Abnutzungserscheinungen einstellen, da die Karten nun alle schon bekannt sind.
Dennoch: Das Design, die Story und vor allem die Flavortexte, die unbedingt laut vorgelesen werden müssen, machen Betrayal wirklich einzigartig! Diese Details sorgen für eine unheimlich dichte Atmosphäre und bieten stilvollen, psychologischen Horror, bei dem – Dank der vielen Szenarios – wirklich kein archetypisches Mystery-Element ausgelassen wird! Auch wenn ein paar kleinere Logikfehler offensichtlich nicht vermeidbar waren (warum hat der Charakter einer jungen Frau, deren Hobby zudem auch noch mit „Lesen“ angegeben ist, einen geringeren Wert bei der Fähigkeit „Wissen“ als ein Kind?), sieht man, dass in diesem Spiel unendlich viel Mühe steckt. Und, nur falls das noch nicht angekommen ist: fünfzig Szenarios!!

Ich empfehle also, ein paar Gruselfans (die leider des Englischen mächtig sein müssen) zusammen zu trommeln und und sich dieses Spiel im flackernden Schein einiger Grablichter zu Gemüte zu führen – gerne im heimischen Wohnzimmer, falls ihr gerade kein altes, verlassenes Herrenhaus zur Verfügung habt!

PS: Ich hatte einen ewiglangen Text geschrieben, in dem ich die Spielmechanik und Regeln haarklein erklärte. Dann habe ich alles wieder gelöscht, als mir klar wurde, wie uninteressant das eigentlich ist 😀 Falls ihr dennoch spontan Lust bekommen habt, genaueres über das Spiel zu erfahren, stellen die Spielentwickler eine Online-Demo zur Verfügung (englisch). Und auch bei Table Top hat man schon Betrayal gespielt:

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Weitere Spielereviews:
Gloom

Meine Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
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Die fünf besten Halloween-Serienspecials
Minimalistische Partytipps

Weißt du, was auch der pure Horror ist? Existenzängste, weil man nicht genug Knete hat! Wenn du mir ein wenig meiner Angst nehmen und mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich deshalb gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

[Halloween-Special]: Die fünf Filme, die ich niemandem empfehlen will

Horrorfilme sind das Medium der Wahl an einem Halloweenabend zuhause – was liegt da näher, als den schrecklichsten Filmen, die ich je gesehen habe, einen eigenen Platz in meinem Halloweenspecial einzuräumen?

Was ist der Unterschied zwischen einem guten Film und einem guten HORRORfilm?
Ganz einfach: Ersterer empfiehlt man jedem weiter – aber genau das kann man bei den schlimmsten Horrorfilmen nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Was ja nun beweist, dass der Film gut war. Also gut schlimm. Weil er ja schlimm sein wollte und darin gut war. Also… ihr wisst was ich meine.

Vielleicht findet ihr diese Liste ja lame. Aber für mich jedenfalls steht fest, dass ich keinen der folgenden Filme nochmal sehen will… nein: kann!

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Platz 5: Wenn der Wind weht
When the wind blows, GB 1986
Story: Der Kalte Krieg eskaliert und eine Atombombe fällt auf England. Ein herziges älteres Ehepaar harrt frohgemut in seinem einsamen Cottage aus und wartet voll Vertrauen in seine Regierung auf Hilfe, die niemals kommt.
wenn der wind weht
Jap, richtig gesehen: Das ist kein Horrorfilm. Das ist nicht mal ein Realfilm. Es ist Zeichentrick und als solcher sogar rein optisch voll freundlich. Das ältere Pärchen wirkt echt schön harmlos, überhaupt ist es halt Zeichentrick und das bedeutet „für Kinder“, auch, wenn es um einen Atomkrieg geht – what could possibly go wrong?
Wenn euch jetzt eine böse Ahnung kam, dann liegt ihr richtig: Meine Eltern haben mich eines Sonntagnachmittags vor diesen Film gesetzt zu einer Zeit, als ich kaum meinen eigenen Namen schreiben konnte.

Die gute Nachricht: Um die Grauenhaftigkeit der Handlung zu verstehen, braucht man etwas mehr Allgemeinwissen, als ein Grundschüler gemeinhin hat.
Die schlechte Nachricht: Als ich den Film, von dem ich nur eine ganz verschwommene Erinnerung hatte, vor einigen Jahren als Erwachsene nochmal sah, knallte er dafür umso härter rein. Vielleicht, weil ich mich an meine kindlichen Reaktionen darauf erinnern konnte und die beiden Protagonisten auch ein bisschen wie Kinder sind. Vielleicht, weil ich ihre Idee, Regenwasser zu sammeln, als ihnen ihr Trinkwasser ausgeht, als Kind sehr schlau fand, während mir zwanzig Jahre später schon beim puren Gedanken daran die Haare ausfielen.

Das ist Horror der realen Sorte. Nichts entsetzt mich mehr als der Gedanke an einen Atomkrieg. Höchstens der Gedanke an Idioten, die Atomkraftwerke immer noch für sicher halten. Und weil mir Wenn der Wind weht diese Vorstellungen mal wieder eindrücklich zurück ins Gedächtnis gebracht hat, und zwar tagelang nach der zweiten Sichtung, kann dieser Film zurecht einen Platz in meiner persönlichen Horrorfilmliste beanspruchen – auch wenn er nur Zeichentrick ist.
(Und ja, ich weiß: Die letzten Glühwürmchen ist NOCH schlimmer. Das haben mir schon ungefähr hundert Leute versichert, als würde mich das dazu bringen, mir diesen Film anzusehen, wenn ich schon Wenn der Wind weht nicht nochmal sehen will. Vergesst es einfach. It’s not going to happen.)

Platz 4: The Ring
The Ring, USA/Japan 2002
Story: Ein dämonisches Video kursiert unter Jugendlichen und jeder, der es sich ansieht, stirbt nach genau sieben Tagen. Eine Journalistin kuckt es blöderweise und versucht, sein Geheimnis zu ergründen, bevor sie es auch erwischt!
the ring
The Ring – ein zeitloser Klassiker für die einen. Für die anderen genauso unmodern und lame wie ne alte VHS. Nichts könnte falscher sein!
Es gibt den subtilen Horror, der in alten Herrenhäusern beheimatet ist. Dann gibt es den brachialen Horror der Saw-Reihe. Und dann gibt es den surrealen Horror, für den das Video aus The Ring das beste Beispiel ist. Und so etwas macht mich einfach vollkommen fertig. Ich kann mir das nicht ansehen. Jedenfalls nicht mehr in lang.
Nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte, dachte ich, ich könnte meine Mutter damit schocken – und endete als ein fest an sie gepresstes, zusammengekauertes Etwas, während ihr der Film am Arsch vorbei ging, denn sie ist die Generation Evil Dead, für die „Horror“ hektoliterweise Kunstblut bedeutet. Aber ich brauch das nicht. Das finde ich höchstens eklig. Aber The Ring, nein… nie wieder.

Platz 3: The Grudge
The Grudge, USA/Japan, 2004
Story: In nem japanischen Haus passiert ein grausamer Mord oder so und weil der besonders schlimm war oder weil das eine Mordopfer irgendwie magisch begabt war oder so finden die Toten keine Ruhe und suchen jeden heim, der das Haus betritt.
the grudge
Oder so. Genau weiß ich das nicht mehr, weil der Film mich noch fertiger gemacht hat als The Ring und ich ihn deshalb nur einmal gesehen habe. Zwar wirkt manches von The Ring abgekupfert, aber einige… ich nenne es mal „nette Details“ sind doch recht originell. Und surreal. Auf ganz grauenvolle Weise (ich sag nur: der miauende Junge!!).
Dazu kommt, dass ich den Film davon abgesehen, dass er mich völlig zerstört hat, wie es sich für einen Horrorfilm gehört, eigentlich gar nicht besonders gut finde, weshalb meine Toleranz dafür niedriger ist als bei The Ring. In ein paar Jahrzehnten könnte ich mich vielleicht darauf einlassen, The Ring noch mal ne Chance zu geben, weil er einfach grandios ist, aber bei The Grudge sticht dieser Bonus nicht. Zu doofe Story, zu viele random Schockeffekte, keine allzu überzeugenden Schauspieler… muss also definitiv nicht mehr sein! Und findet ihr nicht auch, dass schon allein das Wort „Grudge“ so einen unangenehmen Klang hat?

Platz 2: Funny Games U.S.
Funny Games, USA/GB/Frankreich/Österreich 2007
Story: Eine Familie mietet sich in ein Haus am See ein. Zwei Nachbarn klopfen und fragen höflich nach Eiern. Und dann fangen sie einfach so an, die Familie zu foltern. Well.
Funny-Games-U.S.
Okay, was haben wir bis jetzt? Es gibt den realen Horror, den subtilen Horror, den brachialen Horror und den surrealen Horror… gehört Funny Games auch in die letzte Kategorie? Nun, es fängt vielleicht so an (ich meine, sie mogeln sich ins Haus, indem sie um EIER bitten. EIER.), aber dann wird es doch eher brachial. Nicht so blutig-brachial wie halt bei Saw, sondern völlig psychopathisch. Denn diese Typen haben keinerlei Motivation für ihr Handeln. Sie sind einfach Psychos. Und solche Menschen, meine lieben Leser, machen wohl jedem Angst, denn sie sind nicht im Geringsten kontrollierbar oder resozialisierbar. Wenn das Böse existiert, dann in psychopathischen Menschen. Und das ist doch wohl echt Horror, oder?
In diesem Film wird außerdem ein ehernes Horrorfilm-Gesetz verletzt: Man tötet keine Kinder. Jedenfalls nicht so sinnlos. Das tut man einfach nicht.
Dennoch ist der Film einfach grandios in seiner sinnlosen Bösartigkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob das irgendwie ne Message haben soll; es kann eigentlich nur Mist dabei heraus kommen, wenn ich mir jetzt eine herbei interpretiere. Lassen wir das. Ich würde ihn nicht noch mal sehen wollen, aber irgendwie vermag ich darin doch so etwas wie einen künstlerischen Anspruch zu entdecken.

Nur fragt mich bitte nicht, wie der aussehen soll.

Ich empfehle übrigens dringend das U.S.-Remake, auch wenn das lediglich eine 1-zu-1-Umsetzung des österreichischen Originals ist und der seriöse Filmfan von Welt wohl automatisch zum früheren Werk greifen würde. Tut es nicht. Für Ösis ist das vermutlich nicht so schlimm, aber mir hat der Dialekt bereits nach fünf Sätzen jegliche Atmosphäre vernichtet, weshalb ich lieber die amerikanische, ordentlich synchronisierte Fassung gewählt habe.

Platz 1: Martyrs
Martyrs, Frankreich 2008
Story: Ein kleines Mädchen wird gefoltert, kann aber flüchten und findet in einem Waisenhaus eine treue Freundin. Genau die muss der inzwischen erwachsenen Frau beistehen, als diese Jahre später zufällig ihre Peiniger, die nie gefasst worden sind, auf einem Bild in der Zeitung erkennt. Sie nimmt Rache an der gesamten Familie, doch damit ist der Horror für beide noch lange nicht zu Ende…
martyrs
Hier ist sie. Meine Number One. Ein Film, der mich mehr verstört hat als jeder andere, den ich je gesehen habe. Ein Meisterwerk, irgendwie – und trotzdem ein Film, vor dessen Konsum ich einfach nur abraten kann!

Möglicherweise würde er euch aber gar nichts ausmachen. Ich war die Einzige, die nach dem Abspann vor lauter Zittern kaum ihre Zigarette halten konnte, während der Rest rumnölte, weil der Film sich gegen Ende so gezogen hätte. Da sieht man mal, wie abgestumpft Horrorfans sein können. Ich hatte dennoch das Gefühl, dieser Film habe irgendwas tief in meinem Inneren verletzt. Egal, wie blöd das jetzt klingt.

Und dabei könnte ich nicht mal sagen, was das genau war. Überhaupt scheint es bei diesem Film krasse Probleme wegen dem FSK zu geben. Ich verstehe nicht mal wieso, obwohl ich ihn ungeschnitten gesehen habe. Gore-Elemente fehlen, auch Schockmomente im klassischen Sinn gibt es kaum, die brutalen Szenen stinken gegen Saw (um den NOCH MAL zu erwähnen) total ab… was soll man da schneiden?
Es gibt eine Szene, die sich mir regelrecht eingebrannt hat. Eine junge Frau liegt bewegungslos auf einer Matratze, über ihr kniend ihr Folterknecht, der ihr seine Faust ins Gesicht rammt, immer wieder. Ich weiß nicht, weshalb mich das mehr schockiert hat als ne umgedrehte Bärenfalle bei Saw oder ne durchtrennte Achillesferse bei Hostel. Ich glaube auch nicht, dass man so etwas schneiden kann, wenn man andererseits ne umgedrehte Bärenfalle oder ne durchtrennte Achillesferse durchgehen lässt.

Und trotzdem… Martyrs ist, warum auch immer, ein schrecklicher Film. Wenn euch das neugierig gemacht hat, dann seht ihn euch an… und vielleicht könnt ihr mir dann ja erklären, was ihn so verstörend macht.
Aber ich empfehle es euch nicht. Ich – empfehle – es – euch – nicht!

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Weißt du, was auch der pure Horror ist? Existenzängste, weil man nicht genug Knete hat! Wenn du mir ein wenig meiner Angst nehmen und mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich deshalb gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Rock am Ring: let’s talk about the money!

Zum Ende meiner kleinen Rock-am-Ring-Exkursion noch was zu dem Thema, das die Welt regiert und in absehbarer Zeit auch zerstören wird: Geld.

Ich lese und höre immer wieder, dass es ja so schwer wäre, ein Ticket für RaR zu ergattern. Falsch, ein Ticket zu bekommen ist etwa genau so leicht, wie in den Aldi zu latschen und eine Packung Milch zu kaufen. Man muss halt nur früh genug dran sein und die entsprechende Kohle dafür haben. Daran mangelt es den meisten wohl. Und dadurch wird der Ticketkauf natürlich schon mal zu einem „Postal 2“-Szenario.

160 Euro hab ich dafür dieses Jahr hingeblättert. Bei meinem ersten Ring 2005 waren es glaube ich noch 115, maximal. Viel Geld, aber ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mir das Ticket einfach zu Weihnachten zu wünschen – Problem gelöst!

Bleibt die Verpflegung. Fünf Tage Ring heißt: Mindestens zehn Dosen Ravioli, Nudelpäckchen oder 5-Minuten-Terrinen (ich empfehle ja die Pürree-Variante mit Croutons. Ist unschlagbar schnell fertig und schmeckt für Päckchenscheiß erstaunlich geil!), die beiden letztgenannten Varianten natürlich nur, wenn ihr nen Gaskocher dabei habt oder einen armen Trottel, der einen hat und euch ihn benutzen lässt, bis die Gaskartusche alle ist. Wenn man im Schnitt 1,50 Euro für den Scheiß rechnet, kommt man auf 15 Euro, dazu vielleicht noch Bifi, Grillfleisch für den ersten Tag und was Süßes, sagen wir: Insgesamt 25 Euro.

Alkohol muss natürlich auch mit. Bier kann man sich ja mit Freunden teilen und, sofern man in Grenznähe wohnt, dort besorgen (= kein Dosenpfand!). Veranschlagen wir dafür 15 Euro, was eine vorsichtige Schätzung ist.
Ansonsten würde ich eine Flasche Schnaps pro Tag rechnen. Bei uns kosten die billigsten Rum- oder Wodkavarianten einen etwa Fünfer pro Flasche, macht 25 Euro. Dann braucht man aber noch was zu mischen, wodurch es leicht 10 Euro mehr werden, sprich 35.

Und dann will (bzw. muss) man ja auf dem Gelände etwas essen: macht eine Millarde Euro.
Nee, ganz so schlimm isses nicht, aber nah dran. Das Problem hierbei ist, dass das Essen auf dem Festivalgelände nicht nur übelst teuer ist, sondern leider auch ultra gut, wenn man weiß, was man nehmen muss. Döner und Tortellini sollte man meiden, aber der Rest!
Aufm Ring gibt es die GEILSTEN Chinanudeln, den ABARTIG BESTEN Backfisch und nicht zuletzt das VERFICKT NOCHMAL ALLERGEILSTE, ÜBERTRIEBEN LECKERSTE „Handbrot“! Das ist eigentlich nur Hefeteig mit Käsefüllung, wahlweise mit Speck oder Pilzen und nem Klecks saure Sahne obendrauf – aber SO GUT!

Und darüber hinaus mit 4 Euro das einzige Essen mit angemessenem Preis (Chinanudeln und Backfisch kriegt man dagegen für jeweils 6 Euro). Doch es hilft nichts, eins von allem muss man mindestens essen – macht 16 Euro. (Sofern man nicht von jedem mindestens zweimal isst, aber das ist mein persönliches Problem.)

(Bier auf dem Festivalgelände rechne ich nicht mit. Wer für diese Plörre (die, auch wenn sie es nicht zugeben, aus Leichtbier besteht, das schneller wieder nüchtern macht als man es trinken kann) tatsächlich Geld hinblättert, für denjenigen empfinde ich kein Mitleid.)

So mit diesen absoluten Basics kommen wir bereits auf 251 Euro. Ein Festivalshirt und andere Kinkerlitzchen nicht eingerechnet.

Scheiße.

Aber dieser riesige Berg aus Unkosten habe ich natürlich mit meiner unnachahmlichen Art etwas abtragen können. Wie? Ganz einfach:
Man bezahlt mit dem Ticket das sogenannte Müllpfand mit, das sich auf 5 Euro beläuft. Fährt man auf den Campingplatz, kriegt man unter Vorlage seines Tickets drei Müllsäcke (gelber Sack, Glas und Restmüll) und die Müllpfandkarte. Die ist, wie gesagt, 5 Euro wert. Geht am also montags mit eben dieser Karte und einem gefüllten Müllsack zur entsprechenden Stelle, kriegt man also dafür nen Fünfer bar auf die Kralle.

Die meisten Leute interessiert das jedoch einen Scheißdreck.

Auftritt: Moi, die obsessive Pfandjägerin. Ich bin dieses Jahr etwa eine Stunde locker über den Zeltplatz geschlendert, auf dem sich nur noch wenige Zelte, aber eine Menge, Menge Müll befand, und sichtete – 15 Karten.
FÜNFZEHN. Das sind 75 Euro.
Und da die Abgabe des Mülls selbst die dafür zuständigen Ordner nicht so wirklich interessiert, habe ich dafür nur pro forma insgesamt fünf Müllsäcke abgegeben, die ich nicht mal selbst gefüllt habe (die meisten lassen ihre Säcke nämlich einfach stehen), und trotzdem das Geld bekommen. Ist das geil, oder was?

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, warum ich dieses Wissen an euch weiterreiche. Die schöne Antwort lautet, dass ich, wenn meine Lebensplanung so weiterläuft wie ich es vorhabe, nächstes Jahr schon nicht mehr auf so ein paar mickrige Kröten (!!! was rede ich da!) fürs Mülllsammeln angewiesen sein werde. Die ehrliche Antwort lautet, dass ich es schlichtweg niemanden zutraue, auf dem Gebiet so erfolgreich zu sein wie ich. Ich habe dafür einfach eine Gabe. Eine Müllpfandkarte erkenne ich aus 20 Metern Entfernung. Das ist meine Superkraft.

I’m gifted. Ihr nicht.
Tut mir leid.

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Rock am Ring – ein ganz normaler Ankunftstag

Mittwoch, 6:00 Uhr: Aufstehen. Viel zu früh. Aber nicht schlimm, an Schlaf war eh nicht wirklich zu denken.

6:30 Uhr: Duschen. Zum letzten Mal für eine viel zu lange Zeit.

7:00 Uhr: Sandwichs machen, weil: Tradition.

8:00 Uhr: Letzte Besorgungen machen, Ravioli und so. Man weiß ja nicht schon ein Jahr vorher, dass man Anfang Juni zum Ring fährt!

9:00 Uhr: Treffen bei beliebigen Kumpel mit der ganzen Bagage. Fröhliches Umpacken. Die Nicht-Fahrer öffnen ihr erstes Bier.

9:30 Uhr: Verabredete Abfahrtzeit.

10:30 Uhr: Tatsächliche Abfahrtzeit.

11:00 Uhr: Ich trinke mein traditionelles eiskaltes Jacky Cola aus der Dose. Bin wie immer überrascht, wie scheiße es schmeckt, trinke es aber trotzdem. Werde dank leeren Magens schon etwas voll. Verlange Partymusik. Nerve meine Mitfahrer mit hohen Kichern an der Grenze des menschlichen Hörvermögens.

12:00 Uhr: Traditioneller Zwischenstop an einer Autobahnraststätte. Wildes, fröhliches Rumgegröhle beim Anblick diverser Raststättengäste, die offensichtlich das selbe Ziel haben. Ich versuche im Tankstellenshop eine Bravo zu kaufen und habe wie jedes Jahr vergessen, dass die dort keine führen.

13:00 Uhr: Ankunft Ring, Hallo Stau.

13:30 Uhr (mit Glück): Einfahrt auf C1. Panisches Gekrame nach dem Ticket. Die Ordner mit grenzwertig witzigen Witzen nerven.

13:31 Uhr: Parken.

13:32 Uhr: Der Moment, in dem einen einfällt, was man alles ultrawichtiges vergessen hat (Lieblings-Schlafshirt, persönliches Kuschelkissen, Insulin).

13:35 Uhr: Zeug ausladen und zum Zeltplatz hochtragen. Möglichst gelangweilt tun, wenn man anbietet, die offenen Autos zu bewachen, damit niemand auf die Idee kommt, dass man sich vor der Schlepperei drücken will. Was man aber natürlich will.

14:00 Uhr: Ein Platz wurde erobert, die Autos sind ausgeladen. Der Zeltaufbau kann beginnen.

14:00:02 Uhr: Zeltaufbau abgeschlossen. Danke, Quechua!

14:01-15:00 Uhr: Einräumen, Matratze aufblasen, mit allen Mitreisenden den Rest (Pavillion, Grill, Aggregat) aufbauen oder wenigstens so tun als ob.

15:00 Uhr: Sich an der Bändchen-Ausgabe anstellen. Die Neuregelung, es am rechten Arm tragen zu müssen, mit einem empörten „Diskriminierung!“ kommentieren (man ist ja nicht umsonst stolze Linkshänderin). Die ausgesprochene Hässlichkeit des aktuellen Bändchens bestaunen. Das neue Logo ist immer noch scheiße!

15:30 Uhr: Klappstuhl aufklappen, Bierdose öffnen. Chillmode!

15:35 Uhr: Jemand baut sich breitbeinig und mit diabolischen Grinsen inmitten des Klappstuhllagers auf, den Bierbong in der Hand. Innerliche Kapitulation.

15:35-16:00 Uhr: Mehr „Schluck, du Luder“-Witze ertragen, als man in seinem ganzen Leben jemals hören wollte.

16:30 Uhr: Erstes Flunkyball-Match!

17:00 Uhr: Karten auspacken und eine Runde „Schwarz oder Rot“ spielen, das simpelste Saufspiel der Welt (ja, es funktioniert genau so, wie ihr jetzt denkt).

18:00 Uhr: Mit ein paar Bier „Stau kucken“ gehen und diese Deppen auslachen, die jetzt erst anreisen.

19:00 Uhr: Grillen. Fleisch. Frisch. Yeah!

20:00 Uhr: Musik wird aufgedreht. Ab jetzt wird richtig gesoffen.

22:00-? Uhr: Über den Platz taumeln und sich die anderen Camper ankucken. „Wooooo“ schreien, fantasievolle Deko bewundern, Brüderschaft trinken, unbekannte Alkoholika ausprobieren, Tanzen. Manche Ringrocker werden bei dieser Tour zum letzten Mal gesehen und tauchen unvermittelt montags vor der Abreise wieder auf.

Irgendwann zwischen ? und 6:00 Uhr: Ins Zelt fallen. Schlafen wollen.

Eine Minute später: Zum ersten Mal richtig registrieren, dass man neben ein paar Grobassis zeltet, die die ganze Nacht hindurch mit 150 Dezibel Musik spielen, die man hasst.

Unbekannte Zeit später: Trotzdem irgendwie schlafen. Morgen geht’s erst richtig los!

 
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Rock am Ring – Tipps und Tricks!

So kommet und lernet vom unschätzbaren Erfahrungsschatz einer siebenmaligen Ringrockerin, die auch dieses Jahr nicht dabei sein wird, aber ihr Wissen gerne der neuen Generation zur Verfügung stellt…

Die folgende Auflistung richtet sich an Erstringrocker und andere Interessierte und ist absolut unvollständig und subjektiv. Viel nützlichere Tipps findet ihr im Ringkrocker-Forum.
Aber ich bin lustiger.

Ganz allgemein: Das Wetter. Ich traf 2012 am Dixieklo auf ein bibberndes Mädel mit hinreißender Zahnspange, das mir ungefragt Klopapier abgab („man muss sich ja gegenseitig helfen“) und sich neidisch über mein Bundeswehr-Jacket äußerte. Sie war davon ausgegangen, dass Anfang Juni die Temperaturen angenehm seien.
Falsch, falsch und falsch. Die meisten wissen nicht, dass die Eifel in einem „Game of Thrones“-ähnlichen Paralelluniversum liegt, in dem der Winter auch schon mal mitten im Sommer zuschlägt. Das glaubt ihr mir nicht? 2009 checkte ich am Abfahrttag das Wetter für das Wochenende. Gemeldet waren 15 Grad und Nieselregen. Scheiße, dachte ich. Tja, wärs nur so gewesen: Samstagmittags waren laut Durchsage SIEBEN GRAD vor der Centerstage. Nachts dürften sich die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt bewegt haben.
Daher: Warme Pullis und ne Jacke nicht vergessen, selbst wenn im Rest von Deutschland 30 Grad herrschen. In der Eifel ist alles anders.

Überhaupt, die sanitären Anlagen: Wer jemals ein Zeltplatz-Dixie benutzt hat, wird keine Angst mehr vor der Hölle haben.
Es ist… unbeschreiblich. Völlig desolat. Aber leider recht alternativlos… oder?
Ihr solltet auf jeden Fall Klopapier mitnehmen, denn auf den Dixies werdet ihr keins finden (beziehungsweise werdet ihr das, was ihr dort findet, nicht benutzen wollen). Auch empfehle ich die Zehner-Karte für 4,50 Euro für die normalen Klos, die leider nicht ganz so zahlreich sind, wie es wünschenswert wäre. Wenn ihr eine entspannte Sitzung wollt, ist die nächtliche Rückkehr vom Festivalgelände der geeignete Zeitpunkt. Lesestoff wäre dabei vom Vorteil (meine Wahl: Tiefschürfende Zeitschriften wie „Mein Erlebnis“ oder „Meine Sünden“, die rührselige, natürlich absolut authentische, dabei latent sexistische Frauenschicksale zum Inhalt haben. Bei aufregenden Geschichten wie „Ich habe meinen Mann betrogen – mit einer Frau!“ oder „Nach drei Scheidungen – in Portugal fand ich endlich mein Glück!“ kann ich völlig loslassen.).

Wenn ihr in Waldnähe zeltet, solltet ihr auch auf jeden Fall einen Marsch in die unberührte Natur in Erwägung ziehen. Dabei unbedingt auf Tretminen achten (die sind allerdings durch Klopapierhügel gekennzeichnet). Nach zwei, drei Tagen Dixieklo ist das Gefühl eines sanft streichelnden frischen Lüftchens um euren nackten Hintern einfach zum Weinen schön.
Ein letzter dringender Hinweis: Wenn ihr kotzen müsst, dann geht um Himmels Willen nicht auf ein Dixieklo. Ich habe diesen Fehler einmal gemacht. Dabei hat Gott zu mir gesprochen. Kein Scheiß. Lasst es.

Um beim Thema Lesestoff zu bleiben: An einem Donnerstag kann mittags tatsächlich mal Langeweile aufkommen. Nichts eignet sich für solche Situationen besser als oben bereits genannte Illustrierte oder Jugendzeitschriften wie die „Bravo“. Vorteil: Je älter ihr werdet, desto lustiger und verstörender wird diese Lektüre. Lacht gemeinsam über die völlig überzogene Nutzung angeblicher Jugendsprache, findet heraus, welcher Flirttyp ihr seid und spielt die Foto-Love-Story mit verteilten Rollen nach. Die „Dr. Sommer“-Seite regt zudem immer wieder unterhaltsame Diskussionen an, im Zuge dessen ihr vielleicht mehr über eure Freunde erfahrt, als ihr jemals wissen wolltet. Teils offenbaren sie eklatante Wissenslücken selbst bei Mittzwanzigern und tragen viel zum Verständnis zwischen Männern und Frauen bei!
Wenn ihr euch also zum Bildungsauftrag berufen fühlt, sind „Bravo“, „Hey!“ und die „Mädchen“ die perfekte Aufklärungsliteratur. Und Beilagen wie die „Startattoos“ oder Justin-Bieber-Poster lassen sich wunderbar zweckentfremden.

Der wichtigste Tipp, den ich euch geben kann: Hört bloß nicht auf, Alkohol zu trinken. Ihr habt vielleicht einen Kater oder wollt für die Konzerte am kommenden Tag besonders fit sein, aber jetzt auf Wasser umzuschwenken ist fatal. Grund: Der Kater entsteht durch Abbau sogenannter Fuselöle (was haben meine Freunde schon gelacht, wenn ich mit diesem Wort ankam, aber es stimmt wirklich), während der Abbau von Alkohol ohne große Probleme vonstatten geht. Man muss wissen, dass Alkohol immer VOR den Fuselölen abgebaut wird. Stellt euch die beiden Komponenten wie Kranke vor: Die Fuselöle sind die Kassenpatienten, Alkohol ist ein Privatpatient. Solange immer wieder ein Privatpatient kommt, müssen die Kassenpatienten warten. Und da die Kassenpatienten diejenigen sind, die den Arzt (= euren Körper) nerven, weil er an ihnen nix verdient, müsst ihr dafür sorgen, dass immer genug Privatpatienten im Wartezimmer sitzen.
Natürlich MÜSSEN die Kassenpatienten auch irgendwann dran kommen (es sei denn, ihr entscheidet euch nach dem Festivalwochenende, Alkoholiker zu werden), aber es ist besser, das auf den Montag zu verschieben.
Also, mein pädagogischer Rat: Egal wie sehr es euch anwidert, ein „Konterbier“ jeden Morgen ist das Getränk der Wahl.

Wenn ihr diese Anleitung beachtet, können an eurem ersten Ringwochenende nur noch höchstens 996 andere Dinge schief gehen. Aber wenigstens ist euch warm, ihr habt was zum Lesen, ihr seid untenrum keimfrei und voll! Viel Spaß!

 

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!