Wir lassen uns nicht instrumentalisieren!

Fuck you I won’t do what you tell me.“
– Rage against the Machine

Wir leben in einer Welt, in der Terror fast schon normal geworden ist. Was in anderen Teilen der Erde seit Ewigkeiten zwangsläufig zum Alltag gehört, ist in den letzten Jahren auch in Europa angekommen – sei es in Paris, Berlin oder erst gestern wieder London.
Das sorgt einerseits verständlicherweise für Unsicherheit, aber auch für gewisse Abnutzungserscheinungen. Es ist schlicht nicht möglich, über Monate und Jahre den Grad an Entsetzen aufrecht zu erhalten, der bei jeder einzelnen dieser Attacken eigentlich angebracht wäre. Das ist menschlich. Genauso menschlich ist es aber, plötzlich doch nochmal besonders fassungslos zu sein, wenn es jemanden oder etwas trifft, mit dem man sich in irgendeiner Weise verbunden fühlt.

baendchenAus diesem Grund war ich vorgestern dann im ersten Moment auch wirklich schockiert, als ich erfuhr, dass Rock am Ring wegen Terrorgefahr unterbrochen worden ist. Dabei hatte ich noch vor wenigen Tagen erst das neue Sicherheitskonzept kritisiert, das Taschen und „Behältnisse“ aller Art auf dem Gelände verbietet. (An dieser Kritik halte ich auch fest. Der Umstand, dass die verdächtigen Personen keine Gäste waren, sondern zur RaR-Truppe gehört haben, widerspricht mir da ja auch nicht wirklich.) Ich bin schon seit Jahren davon überzeugt: Rock am Ring ist als Großveranstaltung ein attraktives Ziel für Anschlagspläne und wer diese wirklich durchziehen will, der findet einen Weg.

Trotzdem traf mich die Meldung wie ein Amboss aus dem Nichts. Mehrere Bekannte sind gerade auf dem Festival, schickten mir Informationen oder baten selber um welche, da sie auf dem Campingplatz schlechtes Internet hatten. Unzählige Nachrichten flogen umher in diversen Whatsapp-Gruppen, daheim gebliebene Freunde machten sich Sorgen um die, die zum Ring gefahren sind, diese wiederum bemühten sich einerseits, die Leute zuhause zu beruhigen und anderseits, ihre überall auf dem Gelände verstreuten Kumpels auf den schnellsten Weg zurück zum richtigen Campingplatz zu lotsen – ein kleines Chaos, man kann es sich vorstellen.

Letztendlich war die Situation ja doch ungefährlich und die Unterbrechung nur eine vorsorgliche Sicherheitsmaßnahme. Und so ließ mein Schock am späteren Abend dann auch fast genauso schnell nach, wie er gekommen war. Mehr noch, ich grinste sogar bei dem Gedanken an die ungeplante, aber bestimmt hammergeile Party, die jetzt mit Sicherheit auf den Campingplätzen stieg (und wünschte mir ein bisschen, dabei zu sein – vielleicht pietätlos, aber die Wahrheit).
Tatsächlich lief es dann anscheinend genauso ab, wie ich mir das vorgestellt habe: Die Polizei lobte die Besucher für ihren geordneten Rückzug, es kam zu keinen Krawallen, alles lief friedlich ab. Nicht mal per Whatsapp hat irgendjemand gemeckert. Kann man ja eh nix dran ändern, gehen wir halt saufen. Das ist der Ring, wie ich ihn kennen gelernt habe.

Und vor allem ist das die Art Community, die für zwei Dinge keinen Platz hat: Hass und rechte Hetze. Genau das sind aber die einzigen Programminhalte der AfD, die sich natürlich innerhalb kürzester Zeit (als auch eigentlich noch kaum etwas zu den Hintergründen bekannt war) zu Wort meldete, fast, als hätte sie auf genau so eine Gelegenheit gewartet, um sich mal wieder als Retter der freien Welt aufspielen zu können. Vermutlich hatten diese Elendstouristen das Statement für den Fall des Falles schon vorbereitet in der Schublade.

Aus AfD-Sicht macht das natürlich Sinn: Terroranschläge, ob vereitelt oder ausgeführt, sind für sie Wasser auf die Mühlen ihrer Agenda und damit eigentlich das Beste, was ihnen passieren kann. Vermutlich hat ihnen bisher jeder Anschlag einen Zustrom an neuen Wählern beschert. Warum sich also jetzt nicht an Festivalbesucher anbiedern? Die müssen doch alle richtig Kochen vor Wut oder schlottern vor Angst. Da kann man ansetzen, da geht doch was!

Rock und Metal haben ja in manchen linken Kreisen einen Macker-Ruf. Für die ein oder andere alteingesessene Band mag das ja sogar stimmen. Tatsächlich ist die Nu-Metal-Szene (und alles, was da musiktechnisch noch so dranhängt), die jahrelang den Ring dominiert hat, aber die toleranteste, freundlichste, lustigste Szene, in die ich je Einblick haben durfte.

Ich will nicht sagen, dass die Szene unpolitisch ist. Bands wie System of A Down, Rage against the Machine oder Bad Religion sind definitiv nicht unpolitisch. Auch fiel die Hochzeit dieser Musik in die frühen 2000er, erlebte also den 11. September, den Afghanistan-Feldzug, den Irakkrieg etc.pp. Es wurde viel gegen den Krieg gesagt und gesungen. Als George W. Bush von der „Achse des Bösen“ sprach, schlossen sich mehrere Stars zusammen und konterten mit der Gründung der „Axis of Justice“. Da ging so einiges, und das meiste war cool.

Nein, die Szene ist nicht unpolitisch – doch vom Standpunkt politisierter Kreise aus wirkt das vielleicht so, weil vieles eher diffus klingt. Aber nur weil man keine Demos organisiert oder in einem wöchentlichen Sitzkreis darüber reflektiert, welche Begriffe jetzt am wenigsten offensive sind, ist man noch lange nicht gleichgültig gegen Hass. Und vor allem ist keine einzige Person, die ich auf dem Ring kennen gelernt habe, wirklich so blöd, auf diese plumpen Anbiederungsversuche der AfD rein zu fallen!

Ich meine… ernsthaft!? Die besorgten Bürger, aus welcher die AfD-Wählerschaft besteht, sind dieselben, die nach den Schulamokläufen der 2000er gegen unsere Musik gejault haben. DIE haben das vielleicht vergessen, aber WIR nicht. Ihr könnt über „Fake News“ heulen, so viel ihr wollt, aber Tatsache ist, dass ihr, wenn ihr keine Argumente habt, aber dringend einen Schuldigen braucht, beängstigend gewalttätige Songtexte auch gerne mal einfach so erfindet!

Was, das war ja gar nicht die AfD, die gibt es ja noch gar nicht so lange? Natürlich nicht! Aber es ist derselbe Menschenschlag: erzkonservative Griesgräme, die alles ablehnen, was ihnen fremd ist und sie nicht kapieren. Leute, die Männer mit langen Haaren, verzerrte Verstärker und Flunkyballturniere bis vorgestern am liebsten verboten hätten! Aber jetzt ist plötzlich alles anders, weil sie glauben, die Menschen, die sie gerade noch wie Abschaum behandelt haben, könnten sich als Verbündete eignen, weil Mitglieder einer anderen Gruppe, die sie immer noch am allermeisten hassen, ein Festival gestört haben.

Aber das funktioniert nicht. Ich war siebenmal auf Rock am Ring und erlaube mir jetzt einfach mal im Namen aller Ringrocker zu sprechen: Wir lassen uns von euch nicht instrumentalisieren. Wir wollen euch nicht und wir brauchen euch nicht, nicht in unseren Parlamenten und auch nicht als Retter unserer „Lebensweise“, die ihr, ihr ach so braven Kleingartenbesitzer, bisher doch so krank und brutal und pervers fandet. Und das könnt ihr gerne weiterhin tun, denn WIR finden euch auch scheiße!

Ich bin froh, dass am Ring alles wieder in Ordnung ist und anscheinend alle Spaß haben. Denn darum geht es bei einem unserer größten Festivals, egal wie brutal und gewalttätig viele unserer Bands für Helene-Fischer-Fans auch klingen: um Spaß, der auch durch eine kleine Unterbrechung nicht ernsthaft gestört wird. Und das zusammen mit 80.000 anderen Leuten, egal woher die kommen oder welche Hautfarbe oder Religion die haben. Das ist nämlich alles unwichtig, denn jeder Mensch ist cool, solange er einen guten Musikgeschmack hat!

Ihr seid die, die immer nur nach unten treten und alles hassen und fürchten, was nicht Mainstream ist. Aber das, ihr Arschlöcher, war noch nie unsere Art, denn zu oft haben wir auch schon den ein oder anderen Tritt abbekommen. Wir boxen lieber nach oben. Und vor allem haben wir keine Angst, was das einzige ist, von dem eure miese kleine Partei zehrt. Also bitte tut uns den Gefallen und nervt eine andere Community, denn bei uns habt ihr keine Chance!

Denn auch wenn viele Ringrocker auf den ersten Blick unpolitisch sein mögen, hat es doch einen Grund, weshalb die Toten Hosen oder die Ärzte gefühlt jedes Jahr am Nürnburgring spielen, die Onkelz aber noch nie.

Wenn du den Schmerz ein wenig lindern willst, freue ich mich über eine kleine Spende via Paypal in Form einer Tasse Kaffee. Nur brauche ich in diesem Fall Schnaps, aber das ist hoffentlich auch ok.

Mixtape: Best of „The Offspring“

Im neuen Mixtape geht es um hochkomplexe Symphonien für den wütenden Teenager von gestern: Das ultimative Best of von „The Offspring“!

Über dieses Mixtape

The Offspring war die erste Band, die nicht auf einer Bravo Hits CD erschien und die ich trotzdem mochte. Sie legte also den Grundstein für meinen späteren unpoppigen Musikgeschmack.
Und darum war, ist und bleibt sie meine Lieblingsband und es ist mir völlig egal, wie dumm das klingt! Ich weiß selber, dass bei The Offspring weder begnadete Musiker spielen, noch Dexter Holland ein guter Sänger ist und sie generell nichts fabrizieren, das man wirklich künstlerisch wertvoll oder gar raffiniert nennen könnte.

Aber es knallt halt und ist einfach geil! Ich muss niemanden und erst Recht nicht mir selbst beweisen, wie ultrakrass fancy gebildet ich bin, indem ich, naja, gute Musik höre. Denn: Ich liebe diese Scheißband einfach! War so, ist so und wird auch immer so bleiben!

Und da sie schon seit 1989 Alben veröffentlicht und auch für die nächste Zeit wieder eines angekündigt wurde, liegt nichts näher, als sich das mal genau anzukucken für eine Zusammenstellung der BESTEN, GEILSTEN und schlicht MEGAKNALLIGSTEN Songs – jedenfalls meiner Ansicht nach!

Denn natürlich haben sie nicht nur Gold produziert, im Gegenteil. Die frühen Alben sind schlecht abgemischt und noch sehr roh, wohingegen die neusten Alben einfach blutleer wirken. Immerhin sind die Jungs ja auch nicht mehr so wirklich taufrisch und dabei ist irgendwann zwischenzeitlich auch mal der Humor auf der Strecke geblieben. Mein erstes Album von ihnen war die „Americana“ (das übrigens Teil meiner „Top 5 Alben aller Zeiten“-Liste ist), das man fast (aber halt nur fast) vollständig in eine solche Liste packen könnte. Stattdessen versuche ich, ein bisschen zu mischen. Kucken wir mal, was dabei rausgekommen ist 🙂

Best of „The Offspring“

1. Have you ever
Album: Americana

When the truth walks away
everybody stays
‚cause the truth about the world is
that crime does pay!

Als dieses erste Lied (nach dem Intro) meines ersten Offspring-Albums aus den Boxen erschallte, war es um mich geschehen – deshalb MUSS es hier als erstes stehen! Und DAS reimt sich sogar! Besser geht’s nicht!

2. Come out swinging
Album: Conspiracy of One

Pain inside can guide your way!

Damit nonchalant übergeleitet zu dem ersten Lied (nach dem Intro!) meines ZWEITEN Offspring-Albums – Ähnlichkeiten struktureller Art sind natürlich nur rein zufällig!
Irgendwann packte ich diesen Song mal auf ne Kassette (!) und spielte ihn im Auto, als ich gerade mit meinen BFs durch die Gegend fuhr. Als es nach dem sehr kurzen Intro so richtig abging sah ich in zwei entgeistert-begeisterte Gesichter. „Woah!!! Was IST das!?“
Hört ihr es auch? Dieses Gekloppe ist einfach zum Weinen schön!

3. All I Want
Album: Ixnay on the Hombre

‚Cause I’m sick of not living to stay alive!!

Aber natürlich nicht so schön wie das!!!
Man soll sein Pulver ja nicht schon am Anfang verschießen, aber ich halt’s einfach nicht länger aus. Dieses Lied ist das beste, das The Offspring jemals gemacht hat. Eines meiner absoluten Lieblingslieder, nicht nur von dieser Band, sondern überhaupt. Wenn ich nur eine einzige CD mit von mir ausgewählten Songs vor der Apokalypse retten dürfte, wäre es aber sowas von drauf. Ein Song, der mich immer wieder packt und mir voll in die Fresse schlägt. Ich möchte Babys von diesem Song!!

4. Americana
Album: Americana

My rights are denied by those least qualified
Trading profit for pride, but it’s… it’s okay!

Gott, war ich bei dem Auftritt so besoffen.

5. Hammerhead
Album: Rise and Fall, Rage and Grace

Voices screaming „Let’s go!“
But I’m just doing what I’m told

Ab diesem Lied habe ich mich von der Vorstellung verabschiedet, dass sie jemals wieder ein richtig gutes Musikvideo produzieren werden. Aber auf den Song kann man schön springen!

6. Da hui
Album: Splinter

Don’t fuck with da Hui
Because da Hui will fuck with you!

Es ist lustig, dass man einen Song geil finden kann, auch wenn man ein Jahrzehnt lang keine Ahnung hat, worum es dabei geht. Ich bezweifle aber, dass es wichtig ist, da ich sowieso nie nach Hawaii kommen werde!

7. Walla Walla
Album: Americana

You started to run, but didn’t get far
Cause under your arm was a VCR!

Punk-Chor for the win!

8. You’re gonna go far, Kid
Album: Rise and Fall, Rage and Grace

Hit ‚em right between the eyes
Hit ‚em right between the eyes

Das möglicherweise poppigste Lied auf dem generell nicht allzu guten vorletzten Album, aber als solches echt gut. Dance, Fucker, Dance!

9.Mota
Album: Ixnay on the Hombre

I take a hit but it smells like a clove
Oh fuck, I got a baggie of oregano!

Noch so ein Song, bei dem ich jahrelang keine Ahnung hatte, was der Titel eigentlich bedeutet. Ich ging ja davon aus, dass es eine Verballhornung von „Mother“ ist, „Mota Boy“ demnach sowas wie „Mamajunge“, sprich „Loser“ bedeutet, aber jetzt muss ich lesen, dass es sich dabei um einen von geschätzt achttausend Slangausdrücken für Marihuana handelt, was ja tatsächlich besser passt. Man lernt nie aus!

10. Staring at the sun
Album: Americana

There’s more to living than only surviving
Maybe I’m not there, but I’m still trying!

Zweiter Song (nach dem Intro) der Americana. Ich mag das „Wooohooohooohooo“.

11. Want you bad
Album: Conspiracy of One

I want you
All tattooed
I want you bad!

An das Lied hätte ich mal denken sollen, als ein Typ auf Twitter mal ganz paschahaft von oben herab meinte, dass Frauen sich bitte nicht tätowieren lassen sollen, weil Männer das generell eklig finden. Speak for you, du alter Sack!

12. One fine day
Conspiracy of One

Drinkin‘, fightin‘, going to the game
In our world it’s a way to stay sane

Noch MEHR Punk-Chor!

13. Cool to hate
Album: Ixnay on the Hombre

I hate the jocks and I hate the geeks,
I hate the trendies but I also hate the freaks, yeah!

Ab und zu sollte man mal in sich gehen und ganz still für sich über das menschliche Miteinander reflektieren. Eine tolle, nachdenkliche kleine musikalische Perle.

14. Can’t get my head around you
Album: Splinter

All your faking
Shows you’re aching

Ich glaube, auch das war ein großer Hit.

15. Trust in you
Album: Rise and Fall, Rage and Grace

Quomodo?

Mit Sicherheit einer ihrer intellektuellsten Songs. Immerhin ist da was lateinisches drin.

16. Feelings
Album: Americana

Feelings like I never liked you
Feelings like I want to kill you
Live in my heart

Dafür klingt dieser Text, als hätte ihn auch ein Elfjähriger schreiben können. Und gerade das ist voll meta, da es hierbei um ganz grundsätzliche Emotionen geht, also warum mehr Worte darauf verschwenden? Wooohooohooo, Feelings!

17. Half-truism
Album: Rise and Fall, Rage and Grace

I
WON’T
CALM
DOWN!

Wenn man sich zu lange mit dem Text beschäftigt, könnte man fast meinen, dass sie hier ne wichtige Botschaft über linke Bigotterie versteckt haben… aber zu glauben, dass sie wirklich über ihre Texte nachdenken, will ja wirklich keiner.

18. The kids aren’t alright
Album: Americana

What the hell is going on
The cruelest dream, reality

Oh Gott, dieses Lied hat SO HAARSCHARF gegen „All I Want“ verloren, wenn es um mein absolutes Lieblingsstück von Offspring geht. Aber nur ganz, ganz knapp. Der absolute Hammer – und dieses Video erst!
Wenn das in einer Metaldisco läuft, hält mich nichts auf dem Barhocker. Das Lied ist so alt, dass es nächstes Jahr den Führerschein machen darf, aber es reißt mich immer noch mit. Und falls das mal anders wird, weiß ich, dass das Ende nah ist.

19. The future is now
Album: Rise and Fall, Rage and Grace

Flashback 1984
Now who’s knock, knocking at your door
A thought that starts a riot
They’re coming after me

An dieser Stelle höre ich auf, Witze darüber zu machen, ob die Texte tatsächlich tiefgründig sein könnten. Sie sind es. Kommt damit klar, ihr Liebhaber GUTER Musik.

20. Dammit, I changed again
Album: Conspiracy of One

Things I feel yesterday
Don’t matter anymore

Ein todtrauriges „Wooohooo-hooohooo-hooohooo-hooo“ auf dieses Lied.

21. Lightning Rod
Album: Splinter

Locked up forever inside
I look to the stars and ask why

Teil meines Depressive Mix – und das absolut verdient.

22. End of the line
Album: Americana

You can’t take back, the one mistake
That still lives on after life it takes
In that one day, that changed our lives
And bitter memories are left behind

Offsprings Version eines Requiems. Das ist deprimierend und ziemlich fett.

23. The meaning of life
Album: Ixnay on the Hombre

And the bottom line in all of this seems to say
There’s no right and no wrong way
Sorry if I don’t feel like
Living the way you do

Es gab und gibt viele Leute in meinem Leben, denen ich dieses Lied am liebsten ganz tief in den Rachen stopfen möchte.

24. Self esteem
Album: Smash

I may be dumb, but I’m not a dweeb
I’m just a sucker with no self esteem

Der Song, der sie reitend auf der Grunge- und Punkwelle der frühen 90er Jahre schlagartig bekannt machte, der Hit also, ohne den ich das hier gar nicht hätte zusammen stellen können und der deshalb definitiv hier drauf gehört, den ich aber trotzdem inzwischen ein wenig satt habe, zumal es schlicht nicht das beste Lied von ihnen ist.
Aber WENN er läuft – und das natürlich richtig laut – dann kuckt mal auf die Tanzfläche. Da findet ihr eine verschwitzte kleine Frau, die springt, bis ihre Waden schreien. Sie wird trotzdem weiter springen. Und vielleicht winkt sie euch zu.

25. I wanna be sedated

Runden wir das Ganze ab mit einer Coverversion der Ramones, die auf keinem Album erschien, aber die sie, sich selbst spielend, zum Besten geben durften in der kleinen, zu Unrecht vergessenen cineastischen Arthouse-Perle namens „Die Killerhand“. Dexter wird dabei von der namensgebenden Hand die Haut vom Schädel abgezogen, wenn ich mich Recht erinnere.

Das ist doch ein nettes Ende für dieses Mixtape, nicht?

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Ach, scheiß drauf – weil es so schön war, hier nochmal, in der noch viel geileren Live-Version!!!

26. All I Want (live)

Geil geil geil geil GEIL!!!

Leider dieses Mal keine komplette Playlist auf Youtube, weil dort leider einige Songs nicht, nur gesperrt oder in nicht so dollen Livemitschnitten aufzufinden waren. Und falls ihr hier „Pretty Fly“ und andere ihrer größten Songs vermisst, muss ich leider sagen, dass die nun wirklich nicht auf ein „Best Of“ gehören!

Was ist euer absoluter Lieblingssong von The Offspring?

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Mixtape: Depressive Mix

Die Idee, Mixtapes zu bloggen, habe ich ja von der lieben Friedl geklaut. (Sie behauptet zwar, sie wäre nicht die Erste mit dieser Idee gewesen, weshalb man das nicht Diebstahl nennen kann, aber ich denke, sie ist nur bescheiden.) Es geht also um Musik! Einzige Regel: Ein Mixtape darf nicht länger sein als 80 Minuten, die übliche Länge für CDs. Das verlangt zwar keiner, aber so habe ich es beschlossen.

Auch wenn ich mich zeitweise wirklich wenig damit beschäftige und der musikalischen Entwicklung in meinen favorisierten Genres gut fünf Jahre hinterher hinke, ist Musik ein essentieller Bestandteil meines Lebens. Ich könnte mir absolut NICHT vorstellen, mit einem Mann zusammen zu sein, der nicht zumindest ähnliche Musik hört wie ich. Einen HipHopper könnte ich niemals lieben und wer tatsächlich nur auf House abgeht, möchte mich ganz sicher nicht in seiner Nähe haben. Ich bin ein Musiknazi (und stolz drauf).

Es muss also krachen. Metal, Rock, Punk, Alternative. Und hier direkt schon mal einen wichtigen Disclaimer: Mir gehen Genrebezeichnungen ziemlich am Arsch vorbei. Es ist absolut unmöglich, in diesem Bereich ohne abgeschlossenes Musikstudium durchzublicken und richtige Einteilungen zu treffen. Und selbst dann tauchen immer wieder Bands auf, die irgendwie ja doch was völlig neues machen. Konstruktionen wie „Extreme Power Orchestral Post Emo Melodic Gore Metal“ klingen witzig, sind aber für normale Menschen unbrauchbar. Ich werde also bei künftigen Mixtapes M-E-I-N-E Bezeichnungen gelten lassen, die sich nur einer einigen Maxime unterordnen: Es klingt halt gut zusammen.
Ich habe euch vorgewarnt. Also lasst bitte nicht den Metal-Hammer-Redakteur raushängen, wenn ihr mit meiner Einordnung nicht zufrieden seid 🙂

Nach dieser langen Vorrede auf zum heutigen Mixtape, das überhaupt nicht gernetechnisch, sondern thematisch geordnet ist. Tja, aber Hauptsache ewig davon gelabert.

Über dieses Mixtape

Die Idee dazu kam mir während einer meiner langen Kneipenschichten, als die Leute mal wieder mehr Sitzfleisch hatten als Geld in ihren Portemonnaies und der Feierabend einfach nicht kommen wollte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwierig es ist, solche Leute rauszukehren, ohne Gewalt anzuwenden. „Psychologische Kriegsführung“ schoss mir schließlich irgendwann durch den Kopf und so ward das Mixtape geboren.
Die Idee war, die Leute durch depressive Musik unterschwellig so zu deprimieren, bis sie nur noch nach Hause ins sichere Bett flüchten und in ihre Kopfkissen weinen wollen. Ein absolut wasserdichter Plan… der nicht geklappt hat. Im Gegenteil: Ich habe noch für keine Mix-CD so viele Komplimente bekommen wie für diese. Offensichtlich ist vielen Menschen ruhigere Musik, ob depressiv oder nicht, doch viel lieber als Power Metal oder Slipknot… muss man nicht verstehen.
Trotzdem mag ich den Mix, denn er hat Stil. Wenn man schon richtig echt depressiv ist und das ganze Leben ein einziges schwarzes Loch finsterer Verzweiflung, dann kann man immer noch behaupten, in seinen schlimmsten Stunden wenigstens noch gute Musik gehört zu haben.
Bei einigen Songs wird der ein oder andere vielleicht nicht so leicht verstehen, was daran jetzt so megadepressiv sein soll. Viele Menschen glauben „traurig = ruhig“ und das heißt dann meistens, dass irgendeine Tussi mit triefender Stimme irgendwas von verschmähter Liebe jault. Ich sehe das ein bisschen anders – und für den verweichlichten Charts-Mainstream dürften einige Songs tatsächlich schon zu hart sein. Aber: halt alle hart depressiv.

Hören also auf eigene Gefahr 🙂

Depressive Mix

1. Staind – For You

And I feel like I am nothing
but you made me, so do something

Welche Band könnte mehr für das Lebensgefühl der Generation stehen, die sich Anfang der 2000er durch die Metaldiscos dieser Welt pogte?
Wir waren seltsam, wir waren unverstanden, wir waren depressiv. Staind lieferte dazu den Soundtrack. Es ist physikalisch unmöglich, dass diese Band irgendwas produzieren könnte, das nicht in einem Tränenmeer endet.
Ein Staind-Album ist praktisch ein einziger Aufruf zum Massenselbstmord.
Jedenfalls, wenn man so eine Scheißjugend mit so einer Scheißfamilie hatte wie wir.

2. End of Green – Tragedy Insane

I gaze, I gaze my open veins
The morphin makes insane…

Möglicherweise die unbekannteste Band, die ich hier aufzählen werde, aber das völlig unberechtigt. Selbst, wenn dies der einzige gute Song von End of Green wäre (was nicht stimmt), ist er so genial, dass man der Band ein Denkmal aus den zerschmetterten Hoffnungen und Träumen ihrer Fans bauen sollte.
Das Lied vibriert sich bis in die allerletzten Gehirnwindungen und bohrt einen Haken aus schwarzer Agonie in meinen Magen, wann immer ich es höre. Deshalb kann ich es mir nicht immer geben, aber was solche Gefühle auslösen kann, muss ja einfach gut sein.
Es existiert auch eine Akustik-Version, aber ich finde obige tausendmal besser. Akustik-Stücke finde ich irgendwie beliebig, sättigen aber wohl den Geschmack der Massen nach dunkler Musik, die ja niemals hart sein kann. Das Original ist dagegen wesentlich treibender.

3. Sum 41 – Noots

One by one, we both fall down
but who’s the first one to hit the ground now?

Sum 41, die machen doch nur so Partyscheiße für den Soundtrack von 90er-Highschool-Comedys? Hahahahaha Nein.
Ich war selbst total überrascht, als ich über diesen Song aus purem Zufall stolperte, aber seitdem hat er sich zu einem meiner absoluten Lieblingsstücken entwickelt, auch wenn er derbe runterzieht – denn hier stimmt einfach alles!

4. 30 Seconds to Mars – The Kill

This is who I really am!

Dieses Lied ey, dieses Lied. Man könnte zu recht argumentieren, dass sie hier mal wieder ganz tief in die Jaul-Kiste greifen, aber dennoch wird dieser Song mir immer im Gedächtnis bleiben als Soundtrack zu einem der seltsamsten Träume, die ich jemals hatte – was ganz besonders bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass ich in meinem Träumen NIE einen Soundtrack habe.
Aber hier war es so. Es war auf dem Jakobsweg, weshalb ich (leider?) viel Zeit hatte, über den Traum nachzudenken. So ganz kapiert habe ich ihn (nach fast 5 Jahren) immer noch nicht und irgendwie ist es mir auch zu peinlich, das hier auszubreiten, weil ich mit Sicherheit nicht rüber bringen kann, was mich daran so tief verstört hat.
Nur soviel: Batman spielte eine Rolle (Sex mit ihm leider nicht). Und der Umstand, dass Jared Leto (der Sänger) bald als Joker über die Kinoleinwand turnen wird, macht dieses surreale Erlebnis im Rückblick nicht unbedingt besser.

5. Green Day – Boulevard of Broken Dreams

I’m walking down the line
That divides me somewhere in my mind

Ok, DAS ist nun ziemlich Mainstream. Jedenfalls war es für Green Day vermutlich ihr letzter großer Hit – was den Song, so ausgelutscht er auch inzwischen ist, trotzdem nicht schlecht macht. Besonders gefällt mir das Video, das inhaltlich nahtlos an das Video zu „Holiday“ anschließt, was dann doch +1 auf Kreativität verdient!

6. Amy Lee – Sally’s Song

And will we ever end up together?
No, I think not, it’s never to become
For I am not the one

Tja… wie war das mit dieser gefühlsduseligen Scheiße, in der irgendwelche Tussis mit triefender Stimme was von verlorener Liebe jaulen?
Aber nein, das lasse ich so nicht stehen. Zwar habe ich nie verstanden, weshalb Amy Lee zeitweise in der Szene so groß war – denn diese Frau ist nicht die außergewöhnliche Sängerin, als die sie immer gefeiert wird. Wirklich gar nicht. Live-Aufnahmen von Evanescence sind in meinen Ohren tatsächlich ein einziger Alptraum. Die Wahrheit ist: Sie wird gefeiert, weil sie fast die EINZIGE Sängerin in dieser Sparte ist!
Und trotzdem… ihre Interpretation von Danny Elfmans wundervoller Arbeit für diesen „Nightmare before Christmas“-Song ist grandios. Tatsächlich sogar deutlich besser als das Original, das ich im Film neben nur einen einzigen weiteren Song nicht mochte. Und er war der perfekte Soundtrack für mich in einer Phase, in der ich sehr, sehr unglücklich verliebt war.
Kitschig? Vielleicht. Aber auch so, so bitter.

7. Linkin Park – Breaking the Habit

I’ll never fight again
And this is how it ends

In einer extrem schlimmen Phase, die auch nicht besser wurde dadurch, dass Youtube noch nicht existierte, war ich völlig geflasht von dem Song nebst dem unglaublich genialen Video. In den antiken Prä-Internet-Zeiten bestand nun die einzige Lösung darin, nächtelang zwischen Viva und MTV hin und her zu zappen, um vielleicht! zufälligerweise! mit ganz viel Glück! diesen Song zu erwischen.
Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass ich für dieses Lied wirklich gelitten habe. Aber es war es wert.

8. The Offspring – Lightning Rod

Locked up forever inside
I look to the stars and ask why

KEIN MIXTAPE OHNE THE OFFSPRING!!! (Das ist ein Versprechen, von dem ich jetzt schon weiß, dass ich es nicht halten kann, auch wenn ich mich bemühen werde.)
Ich kenne alles von The Offspring und auch, wenn es sehr falsch ist, dass viele mit dieser Band nur „Pretty Fly (for a white guy)“ verbinden, ist DIESES Lied wirklich ziemlich untypisch. Aber WENN sie depressiv werden, dann richtig – daran ändert auch das wilde Rumgekloppe auf den Drums nichts.
Im Gegenteil. Wer die tiefe Traurigkeit in diesem Lied nicht erkennt, nur weil es nicht ruhig ist, ist vermutlich schon tot.

9. Ignite – Sunday bloody Sunday

How long, how long must we sing this song?

Noch eine Einladung zum Pogen, noch eine Coverversion. Nicht, dass ich das U2-Original nicht mag, aber Ignite haben nicht nur die Geschwindigkeit dieses Klassikers praktisch verzehnfacht, sondern ordnungsgemäß für die Metal-Massen aufbereitet.
Thema ist, wie vielleicht schon bekannt, der „Bloody Sunday“, an dem unbewaffnete irische Demonstranten von britischen Soldaten abgeschlachtet wurden, was den Nordirlandkonflikt nochmal befeuerte. Wie könnte ein Song über einen so rundherum unnötigen, da vermeidbaren Konflikt nicht runterziehen?

10. Avenged Sevenfold – Danger Line

Now I found myself in my own blood
the damage done is far beyond repair

Es hat lange gedauert, bis ich kapiert hatte, wie rundherum großartig Avenged Sevenfold eigentlich ist und ich glaube, das fing mit diesem Lied an. Zuerst hatte ich nicht richtig zugehört und ging davon aus, dass es darin um Selbstmord geht, weshalb es mich besonders angesprochen hat. Dann habe ich aber DOCH richtig hingehört und stellte leicht ernüchtert fest, dass es hierbei um einen Soldaten geht, der erschossen wird. Meh.
Und bevor mir jetzt achttausend wütendende Antifems aufs Dach steigen, die niemals selbst in einem Krieg gekämpft haben, aber hier weibliche Privilegien wittern, spare ich mir weitere Kommentare zu dem Thema. Dazu ist der Song zu großartig, egal worum es geht.

11. Jimmy Eat World – Bleed American

I’m not alone cause the TV’s on, yeah
I’m not crazy cause I take the right pills
everyday

Ich glaube, von allen Songs in dieser Playlist kenne ich dieses Lied hier am längsten. Mich hat nie interessiert, was er eigentlich bedeutet – schon die ersten Zeilen geben ja das Thema vor. In wenigen Worten so ein deprimierendes Szenario entwerfen… das ist wirklich grandios.

12. Nirvana – Heart-Shaped Box

She eyes me like a Pisces when I am weak
I’ve been locked inside your heart-shaped box for weeks

Wie könnte man mit meinem musikalischen Hintergrund einen Depressive Mix machen OHNE Nirvana?
Im Prinzip würde hier fast jeder Nirvana-Song passen, aber Heart-Shaped Box ist nicht nur einer meiner Lieblingssongs von ihnen, sondern liefert eines der besten Musikvideos aller Zeiten gleich mit. Das surreale Setting ist toll, aber Kurt Cobain getaucht in diese grellen Farben zu sehen hat mich in meiner Nirvana-Fangirl-Phase unglaublich berührt.
Thema ist angeblich ein krebskrankes Kind, was allerdings bei Nirvana immer etwas schwierig zu sagen ist, weil Kurt bei vielen Songs bewusst keine wirkliche Anhaltspunkte für eine sinnvolle Interpretation hinterlassen hat. Überhaupt waren für ihn Texte gar nicht mal so wichtig (was recht seltsam ist bei einem Songschreiber).
Egal. Ich höre das Lied, sehe Kurts im Video so unglaublich blauen Augen vor mir, die leicht psychopathisch blitzen, und fühle tiefe Melancholie. Was will man mehr.

13. Placebo – Song to say Goodbye

You lying, trying waste of space…

Placebo ist so ein Fall, ganz ähnlich wie Staind. Irgendwie tut diese Musik tief in der Seele weh, auch wenn sie ganz anders ist als das Zeug, das Staind fabriziert. Es ist ruhiger, effektreicher und irgendwie auch künstlerischer, dabei aber nicht besser oder schlechter. Einfach anders – mit dem selben Effekt. Sprich: Auch ein Placebo-Album ist praktisch ein einziger Aufruf zum Massenselbstmord – aber die Methode wäre sicher eher zelebrierend als zerstörerisch.
Macht das irgendeinen Sinn? Egal. Hört euch einfach das Lied an.

14. Five Finger Death Punch – The Bleeding

Well, I’m so ugly
You’re better off without me
and I’m better off without…

Das sind so Lieder, bei denen ich kaum glauben kann, dass es trotzdem nur Liebesgesülze ist. Es klingt wesentlich zu krass dafür und das ist einfach nichts, was ich bei dem Thema richtig nachvollziehen kann.
Trotzdem… diese Musik, so wunderschön dunkel, diese Stimme, so fantastisch gegröhlt.

15. System of A Down – Lonely Day

Such a lonely day
And it’s mine
It’s a day that I am glad I survived.

Ein Lied, bei dem ich die Arme um mich legen und mich, blicklos vor mich hinstarrend, in eine dunkle Ecke setzen will. So voll klischeemäßig. System of A Down sind eigentlich nie verkehrt!

16. Metallica – The Unforgiven

The old man then prepares
To die regretfully
That old man here is me

Mein Patenonkel starb mit Mitte Vierzig an Krebs. Er war ein großer Metallica-Fan – etwas, worüber ich mich nie wirklich mit ihm unterhalten habe. Überhaupt hatten wir, seitdem ich erwachsen bin, viel zu wenig Kontakt. Er wusste nicht, wer ich bin und ich weiß nicht, wer er wirklich war. Das einzige, was ich ihm widmen konnte, war dieses Lied, als er starb – wenigstens wusste ich, dass ihm DAS gefallen hätte.
Für alles andere ist es zu spät. Und das werde ich mir nie verzeihen.

17. Rise Against – Hero of War

We beat him with guns
and batons, not just once
but again and again

Ok… fast schon seicht und ausgelutscht. Ein Lied, das sogar meinem Stiefvater gefällt, der eine komplette Kuschelrock-Kollektion sein eigen nennt und meine gesamte Jugend lang sprichwörtlich nur mit Ohrschützern an meiner Zimmertür vorbei gerannt ist.
Und trotzdem – es ist Rise Against. Etwas sehr unsubtil auf die Tränendrüse gedrückt, aber wenn man sich versucht, im Gedächtnis zu halten, wie dieses Lied beim ersten Mal berühren konnte, geht’s eigentlich.

18. Soul Asylum – Runaway Train

Like the madman laughing at the rain
Little out of touch, little insane…

Definitiv der größte Evergreen in dieser Liste, ein echtes One-Hit-Wonder vor dem Herrn, aber die wenigsten dürften die Story dahinter kennen. Im dazu gehörigen Musikvideo wurden Vermisstenanzeigen von echten Vermissten geschaltet und gerüchteweise sollen nach dem Erfolg dieses Songs und des Videos tatsächlich einige davon wieder aufgetaucht sein.
Was mit dem Rest ist? Das wird man vielleicht nie herausfinden. Wollen wir hoffen, dass die wirklich alle nur weggelaufen sind. Aber ich gehe ehrlich gesagt nicht davon aus. Was unglaublich schrecklich ist, wenn man zu lange drüber nachdenkt.
Ja, es ist Pop, aber so deep, wie Pop nur sein kann.

19. Manic Street Preachers – If you tolerate this

Ne-he-he-he-hext
will be next…

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, worum es in dem Lied geht. Hört man nur den Refrain, fällt einem alles mögliche dazu ein, aber der Rest ist irgendwie ziemlich undurchsichtig. Anhören tut es sich aber sehr, sehr traurig und mehr verlange ich in dieser Liste ja auch nicht.

20. Michael Andrews – Mad World

The dreams in which I’m dying
are the best I’ve ever had

Uuuund hier haben wir es. Das Finale. Der Depressive Overload!
Jedes Lied in dieser Liste, egal wie sehr es mich anfänglich runter gezogen hat, konnte ich mir mittlerweile irgendwie schönhören. Sprich, ich kann sie ertragen, ohne mich umbringen zu wollen. DAS hier dagegen nicht. Vielleicht werde ich das nie können. Vielleicht ist das auch gar nicht wichtig. Dieser Song ist ein rabenschwarzes Loch, das sämtliche guten Gefühle aufsaugt und nur Agonie hinterlässt. Das macht ihn zum ungekrönten König dieser Liste und zum einzigen Lied, das wirklich das Potential hat, meine Kundschaft zu vergraulen, wenn ich keinen Bock mehr auf sie habe.
Leider habe ich danach auch keinen Bock mehr auf irgendwas. Am allerwenigsten auf das Leben. Wenn ihr also wissen wollt, wie es sich anfühlt, in einer Depression zu stecken… dieses Lied gibt einen ziemlich guten Eindruck davon!


Damit bin ich buchstäblich am Ende! Für alle, die sich noch nicht voll Grauen abgewandt haben, hier nochmal alle Songs in einer Youtube-Playlist, die ihr euch nun in der richtigen Reihenfolge antun könnt, wenn ihr mögt:

Das ging nur, weil tatsächlich jedes Lied bei Youtube auffindbar war, ich kann also nicht versprechen, dass ich das jedes Mal liefern kann. Über Meldungen von Deadlinks wäre ich sehr dankbar!

Welche Songs würdet ihr auf einen Depressive Mix packen?

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Rock am Ring: let’s talk about the money!

Zum Ende meiner kleinen Rock-am-Ring-Exkursion noch was zu dem Thema, das die Welt regiert und in absehbarer Zeit auch zerstören wird: Geld.

Ich lese und höre immer wieder, dass es ja so schwer wäre, ein Ticket für RaR zu ergattern. Falsch, ein Ticket zu bekommen ist etwa genau so leicht, wie in den Aldi zu latschen und eine Packung Milch zu kaufen. Man muss halt nur früh genug dran sein und die entsprechende Kohle dafür haben. Daran mangelt es den meisten wohl. Und dadurch wird der Ticketkauf natürlich schon mal zu einem „Postal 2“-Szenario.

160 Euro hab ich dafür dieses Jahr hingeblättert. Bei meinem ersten Ring 2005 waren es glaube ich noch 115, maximal. Viel Geld, aber ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mir das Ticket einfach zu Weihnachten zu wünschen – Problem gelöst!

Bleibt die Verpflegung. Fünf Tage Ring heißt: Mindestens zehn Dosen Ravioli, Nudelpäckchen oder 5-Minuten-Terrinen (ich empfehle ja die Pürree-Variante mit Croutons. Ist unschlagbar schnell fertig und schmeckt für Päckchenscheiß erstaunlich geil!), die beiden letztgenannten Varianten natürlich nur, wenn ihr nen Gaskocher dabei habt oder einen armen Trottel, der einen hat und euch ihn benutzen lässt, bis die Gaskartusche alle ist. Wenn man im Schnitt 1,50 Euro für den Scheiß rechnet, kommt man auf 15 Euro, dazu vielleicht noch Bifi, Grillfleisch für den ersten Tag und was Süßes, sagen wir: Insgesamt 25 Euro.

Alkohol muss natürlich auch mit. Bier kann man sich ja mit Freunden teilen und, sofern man in Grenznähe wohnt, dort besorgen (= kein Dosenpfand!). Veranschlagen wir dafür 15 Euro, was eine vorsichtige Schätzung ist.
Ansonsten würde ich eine Flasche Schnaps pro Tag rechnen. Bei uns kosten die billigsten Rum- oder Wodkavarianten einen etwa Fünfer pro Flasche, macht 25 Euro. Dann braucht man aber noch was zu mischen, wodurch es leicht 10 Euro mehr werden, sprich 35.

Und dann will (bzw. muss) man ja auf dem Gelände etwas essen: macht eine Millarde Euro.
Nee, ganz so schlimm isses nicht, aber nah dran. Das Problem hierbei ist, dass das Essen auf dem Festivalgelände nicht nur übelst teuer ist, sondern leider auch ultra gut, wenn man weiß, was man nehmen muss. Döner und Tortellini sollte man meiden, aber der Rest!
Aufm Ring gibt es die GEILSTEN Chinanudeln, den ABARTIG BESTEN Backfisch und nicht zuletzt das VERFICKT NOCHMAL ALLERGEILSTE, ÜBERTRIEBEN LECKERSTE „Handbrot“! Das ist eigentlich nur Hefeteig mit Käsefüllung, wahlweise mit Speck oder Pilzen und nem Klecks saure Sahne obendrauf – aber SO GUT!

Und darüber hinaus mit 4 Euro das einzige Essen mit angemessenem Preis (Chinanudeln und Backfisch kriegt man dagegen für jeweils 6 Euro). Doch es hilft nichts, eins von allem muss man mindestens essen – macht 16 Euro. (Sofern man nicht von jedem mindestens zweimal isst, aber das ist mein persönliches Problem.)

(Bier auf dem Festivalgelände rechne ich nicht mit. Wer für diese Plörre (die, auch wenn sie es nicht zugeben, aus Leichtbier besteht, das schneller wieder nüchtern macht als man es trinken kann) tatsächlich Geld hinblättert, für denjenigen empfinde ich kein Mitleid.)

So mit diesen absoluten Basics kommen wir bereits auf 251 Euro. Ein Festivalshirt und andere Kinkerlitzchen nicht eingerechnet.

Scheiße.

Aber dieser riesige Berg aus Unkosten habe ich natürlich mit meiner unnachahmlichen Art etwas abtragen können. Wie? Ganz einfach:
Man bezahlt mit dem Ticket das sogenannte Müllpfand mit, das sich auf 5 Euro beläuft. Fährt man auf den Campingplatz, kriegt man unter Vorlage seines Tickets drei Müllsäcke (gelber Sack, Glas und Restmüll) und die Müllpfandkarte. Die ist, wie gesagt, 5 Euro wert. Geht am also montags mit eben dieser Karte und einem gefüllten Müllsack zur entsprechenden Stelle, kriegt man also dafür nen Fünfer bar auf die Kralle.

Die meisten Leute interessiert das jedoch einen Scheißdreck.

Auftritt: Moi, die obsessive Pfandjägerin. Ich bin dieses Jahr etwa eine Stunde locker über den Zeltplatz geschlendert, auf dem sich nur noch wenige Zelte, aber eine Menge, Menge Müll befand, und sichtete – 15 Karten.
FÜNFZEHN. Das sind 75 Euro.
Und da die Abgabe des Mülls selbst die dafür zuständigen Ordner nicht so wirklich interessiert, habe ich dafür nur pro forma insgesamt fünf Müllsäcke abgegeben, die ich nicht mal selbst gefüllt habe (die meisten lassen ihre Säcke nämlich einfach stehen), und trotzdem das Geld bekommen. Ist das geil, oder was?

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, warum ich dieses Wissen an euch weiterreiche. Die schöne Antwort lautet, dass ich, wenn meine Lebensplanung so weiterläuft wie ich es vorhabe, nächstes Jahr schon nicht mehr auf so ein paar mickrige Kröten (!!! was rede ich da!) fürs Mülllsammeln angewiesen sein werde. Die ehrliche Antwort lautet, dass ich es schlichtweg niemanden zutraue, auf dem Gebiet so erfolgreich zu sein wie ich. Ich habe dafür einfach eine Gabe. Eine Müllpfandkarte erkenne ich aus 20 Metern Entfernung. Das ist meine Superkraft.

I’m gifted. Ihr nicht.
Tut mir leid.

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Rock am Ring – ein ganz normaler Ankunftstag

Mittwoch, 6:00 Uhr: Aufstehen. Viel zu früh. Aber nicht schlimm, an Schlaf war eh nicht wirklich zu denken.

6:30 Uhr: Duschen. Zum letzten Mal für eine viel zu lange Zeit.

7:00 Uhr: Sandwichs machen, weil: Tradition.

8:00 Uhr: Letzte Besorgungen machen, Ravioli und so. Man weiß ja nicht schon ein Jahr vorher, dass man Anfang Juni zum Ring fährt!

9:00 Uhr: Treffen bei beliebigen Kumpel mit der ganzen Bagage. Fröhliches Umpacken. Die Nicht-Fahrer öffnen ihr erstes Bier.

9:30 Uhr: Verabredete Abfahrtzeit.

10:30 Uhr: Tatsächliche Abfahrtzeit.

11:00 Uhr: Ich trinke mein traditionelles eiskaltes Jacky Cola aus der Dose. Bin wie immer überrascht, wie scheiße es schmeckt, trinke es aber trotzdem. Werde dank leeren Magens schon etwas voll. Verlange Partymusik. Nerve meine Mitfahrer mit hohen Kichern an der Grenze des menschlichen Hörvermögens.

12:00 Uhr: Traditioneller Zwischenstop an einer Autobahnraststätte. Wildes, fröhliches Rumgegröhle beim Anblick diverser Raststättengäste, die offensichtlich das selbe Ziel haben. Ich versuche im Tankstellenshop eine Bravo zu kaufen und habe wie jedes Jahr vergessen, dass die dort keine führen.

13:00 Uhr: Ankunft Ring, Hallo Stau.

13:30 Uhr (mit Glück): Einfahrt auf C1. Panisches Gekrame nach dem Ticket. Die Ordner mit grenzwertig witzigen Witzen nerven.

13:31 Uhr: Parken.

13:32 Uhr: Der Moment, in dem einen einfällt, was man alles ultrawichtiges vergessen hat (Lieblings-Schlafshirt, persönliches Kuschelkissen, Insulin).

13:35 Uhr: Zeug ausladen und zum Zeltplatz hochtragen. Möglichst gelangweilt tun, wenn man anbietet, die offenen Autos zu bewachen, damit niemand auf die Idee kommt, dass man sich vor der Schlepperei drücken will. Was man aber natürlich will.

14:00 Uhr: Ein Platz wurde erobert, die Autos sind ausgeladen. Der Zeltaufbau kann beginnen.

14:00:02 Uhr: Zeltaufbau abgeschlossen. Danke, Quechua!

14:01-15:00 Uhr: Einräumen, Matratze aufblasen, mit allen Mitreisenden den Rest (Pavillion, Grill, Aggregat) aufbauen oder wenigstens so tun als ob.

15:00 Uhr: Sich an der Bändchen-Ausgabe anstellen. Die Neuregelung, es am rechten Arm tragen zu müssen, mit einem empörten „Diskriminierung!“ kommentieren (man ist ja nicht umsonst stolze Linkshänderin). Die ausgesprochene Hässlichkeit des aktuellen Bändchens bestaunen. Das neue Logo ist immer noch scheiße!

15:30 Uhr: Klappstuhl aufklappen, Bierdose öffnen. Chillmode!

15:35 Uhr: Jemand baut sich breitbeinig und mit diabolischen Grinsen inmitten des Klappstuhllagers auf, den Bierbong in der Hand. Innerliche Kapitulation.

15:35-16:00 Uhr: Mehr „Schluck, du Luder“-Witze ertragen, als man in seinem ganzen Leben jemals hören wollte.

16:30 Uhr: Erstes Flunkyball-Match!

17:00 Uhr: Karten auspacken und eine Runde „Schwarz oder Rot“ spielen, das simpelste Saufspiel der Welt (ja, es funktioniert genau so, wie ihr jetzt denkt).

18:00 Uhr: Mit ein paar Bier „Stau kucken“ gehen und diese Deppen auslachen, die jetzt erst anreisen.

19:00 Uhr: Grillen. Fleisch. Frisch. Yeah!

20:00 Uhr: Musik wird aufgedreht. Ab jetzt wird richtig gesoffen.

22:00-? Uhr: Über den Platz taumeln und sich die anderen Camper ankucken. „Wooooo“ schreien, fantasievolle Deko bewundern, Brüderschaft trinken, unbekannte Alkoholika ausprobieren, Tanzen. Manche Ringrocker werden bei dieser Tour zum letzten Mal gesehen und tauchen unvermittelt montags vor der Abreise wieder auf.

Irgendwann zwischen ? und 6:00 Uhr: Ins Zelt fallen. Schlafen wollen.

Eine Minute später: Zum ersten Mal richtig registrieren, dass man neben ein paar Grobassis zeltet, die die ganze Nacht hindurch mit 150 Dezibel Musik spielen, die man hasst.

Unbekannte Zeit später: Trotzdem irgendwie schlafen. Morgen geht’s erst richtig los!

 
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Rock am Ring – Tipps und Tricks!

So kommet und lernet vom unschätzbaren Erfahrungsschatz einer siebenmaligen Ringrockerin, die auch dieses Jahr nicht dabei sein wird, aber ihr Wissen gerne der neuen Generation zur Verfügung stellt…

Die folgende Auflistung richtet sich an Erstringrocker und andere Interessierte und ist absolut unvollständig und subjektiv. Viel nützlichere Tipps findet ihr im Ringkrocker-Forum.
Aber ich bin lustiger.

Ganz allgemein: Das Wetter. Ich traf 2012 am Dixieklo auf ein bibberndes Mädel mit hinreißender Zahnspange, das mir ungefragt Klopapier abgab („man muss sich ja gegenseitig helfen“) und sich neidisch über mein Bundeswehr-Jacket äußerte. Sie war davon ausgegangen, dass Anfang Juni die Temperaturen angenehm seien.
Falsch, falsch und falsch. Die meisten wissen nicht, dass die Eifel in einem „Game of Thrones“-ähnlichen Paralelluniversum liegt, in dem der Winter auch schon mal mitten im Sommer zuschlägt. Das glaubt ihr mir nicht? 2009 checkte ich am Abfahrttag das Wetter für das Wochenende. Gemeldet waren 15 Grad und Nieselregen. Scheiße, dachte ich. Tja, wärs nur so gewesen: Samstagmittags waren laut Durchsage SIEBEN GRAD vor der Centerstage. Nachts dürften sich die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt bewegt haben.
Daher: Warme Pullis und ne Jacke nicht vergessen, selbst wenn im Rest von Deutschland 30 Grad herrschen. In der Eifel ist alles anders.

Überhaupt, die sanitären Anlagen: Wer jemals ein Zeltplatz-Dixie benutzt hat, wird keine Angst mehr vor der Hölle haben.
Es ist… unbeschreiblich. Völlig desolat. Aber leider recht alternativlos… oder?
Ihr solltet auf jeden Fall Klopapier mitnehmen, denn auf den Dixies werdet ihr keins finden (beziehungsweise werdet ihr das, was ihr dort findet, nicht benutzen wollen). Auch empfehle ich die Zehner-Karte für 4,50 Euro für die normalen Klos, die leider nicht ganz so zahlreich sind, wie es wünschenswert wäre. Wenn ihr eine entspannte Sitzung wollt, ist die nächtliche Rückkehr vom Festivalgelände der geeignete Zeitpunkt. Lesestoff wäre dabei vom Vorteil (meine Wahl: Tiefschürfende Zeitschriften wie „Mein Erlebnis“ oder „Meine Sünden“, die rührselige, natürlich absolut authentische, dabei latent sexistische Frauenschicksale zum Inhalt haben. Bei aufregenden Geschichten wie „Ich habe meinen Mann betrogen – mit einer Frau!“ oder „Nach drei Scheidungen – in Portugal fand ich endlich mein Glück!“ kann ich völlig loslassen.).

Wenn ihr in Waldnähe zeltet, solltet ihr auch auf jeden Fall einen Marsch in die unberührte Natur in Erwägung ziehen. Dabei unbedingt auf Tretminen achten (die sind allerdings durch Klopapierhügel gekennzeichnet). Nach zwei, drei Tagen Dixieklo ist das Gefühl eines sanft streichelnden frischen Lüftchens um euren nackten Hintern einfach zum Weinen schön.
Ein letzter dringender Hinweis: Wenn ihr kotzen müsst, dann geht um Himmels Willen nicht auf ein Dixieklo. Ich habe diesen Fehler einmal gemacht. Dabei hat Gott zu mir gesprochen. Kein Scheiß. Lasst es.

Um beim Thema Lesestoff zu bleiben: An einem Donnerstag kann mittags tatsächlich mal Langeweile aufkommen. Nichts eignet sich für solche Situationen besser als oben bereits genannte Illustrierte oder Jugendzeitschriften wie die „Bravo“. Vorteil: Je älter ihr werdet, desto lustiger und verstörender wird diese Lektüre. Lacht gemeinsam über die völlig überzogene Nutzung angeblicher Jugendsprache, findet heraus, welcher Flirttyp ihr seid und spielt die Foto-Love-Story mit verteilten Rollen nach. Die „Dr. Sommer“-Seite regt zudem immer wieder unterhaltsame Diskussionen an, im Zuge dessen ihr vielleicht mehr über eure Freunde erfahrt, als ihr jemals wissen wolltet. Teils offenbaren sie eklatante Wissenslücken selbst bei Mittzwanzigern und tragen viel zum Verständnis zwischen Männern und Frauen bei!
Wenn ihr euch also zum Bildungsauftrag berufen fühlt, sind „Bravo“, „Hey!“ und die „Mädchen“ die perfekte Aufklärungsliteratur. Und Beilagen wie die „Startattoos“ oder Justin-Bieber-Poster lassen sich wunderbar zweckentfremden.

Der wichtigste Tipp, den ich euch geben kann: Hört bloß nicht auf, Alkohol zu trinken. Ihr habt vielleicht einen Kater oder wollt für die Konzerte am kommenden Tag besonders fit sein, aber jetzt auf Wasser umzuschwenken ist fatal. Grund: Der Kater entsteht durch Abbau sogenannter Fuselöle (was haben meine Freunde schon gelacht, wenn ich mit diesem Wort ankam, aber es stimmt wirklich), während der Abbau von Alkohol ohne große Probleme vonstatten geht. Man muss wissen, dass Alkohol immer VOR den Fuselölen abgebaut wird. Stellt euch die beiden Komponenten wie Kranke vor: Die Fuselöle sind die Kassenpatienten, Alkohol ist ein Privatpatient. Solange immer wieder ein Privatpatient kommt, müssen die Kassenpatienten warten. Und da die Kassenpatienten diejenigen sind, die den Arzt (= euren Körper) nerven, weil er an ihnen nix verdient, müsst ihr dafür sorgen, dass immer genug Privatpatienten im Wartezimmer sitzen.
Natürlich MÜSSEN die Kassenpatienten auch irgendwann dran kommen (es sei denn, ihr entscheidet euch nach dem Festivalwochenende, Alkoholiker zu werden), aber es ist besser, das auf den Montag zu verschieben.
Also, mein pädagogischer Rat: Egal wie sehr es euch anwidert, ein „Konterbier“ jeden Morgen ist das Getränk der Wahl.

Wenn ihr diese Anleitung beachtet, können an eurem ersten Ringwochenende nur noch höchstens 996 andere Dinge schief gehen. Aber wenigstens ist euch warm, ihr habt was zum Lesen, ihr seid untenrum keimfrei und voll! Viel Spaß!

 

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Zum 20. Todestag von Kurt Cobain: 20 maximalpersönliche Facts

„Nevermind“ hat Michael Jackson von Platz 1 der Albumcharts gestoßen? Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl ist heute Frontmann der „Foo Fighters“? Kurt Cobains zweiter Name war Donald und er starb mit 27? Diese little-known-well-known Fun Facts könnt ihr heute vermutlich überall lesen. Ich dagegen biete euch unverschämt narzisstische, völlig selbstzentrierte Facts über mich, die alle irgendwie mit Kurt Cobain zu tun haben. Und das findet ihr sonst nirgends!

1. Ich finde, Kurt Cobain war der schönste Mann der Welt.

2. Kurt Cobain war Linkshänder. Wie ich.

3. Kurt Cobain war Sternzeichen „Fische“. Wie ich.
Kurt Cobain könnte auch Wassermann sein, denn er ist am 20. Februar geboren und aus irgendeinem Grund beginnt bei manchen Horoskopen das Sternzeichen Fische erst am 21. Februar. Das ist mir aber scheißegal. Der Mann war Fische.

4. „Es ist okay, Fische zu essen, weil sie keine Gefühle haben“ war mal mein lustig gemeinter Beitrag zu einer Vegetarismus-Diskussion meiner WG. Mitbewohner Daves Gesichtszüge verhärteten sich daraufhin und es dauerte Minuten, bis er auf Nachfrage endlich damit rausrückte, dass er dieses Statement total scheiße von mir fand. Das er ernst genommen hatte, obwohl er erkannt hatte, dass es sich dabei um ein Songzitat handelte. Der Doofkopf.

5. Ich habe niemals Kurt Cobains Tagebuch gelesen, weil ich das als Leichenfledderei empfinde.

6. Das Video zu „Heart-Shaped Box“ wird für immer einen Platz in meiner Top 5 der besten Musikvideos aller Zeiten haben. Kurt Cobain sieht darin traumhaft aus. Seine Augen stachen nie mehr.

7. Die „Nevermind“ dagegen wird auf ewig in meiner Top 5 Liste der besten Alben aller Zeiten vertreten sein: klick

8. Ich habe, glaubt es oder nicht, tatsächlich Verwandtschaft in Seattle. Ich kenne diese Leute nicht, aber irgendwann werde ich sie besuchen.

9. Meine erprobte Methode, um in der Vergangenheit festzustellen, ob ich es mit echten Nirvana-Fans zu tun habe oder nicht: Ganz genau zuhören, was sie mitgröhlen, wenn „Smells like Teen Spirit“ in der Disco läuft.
„Hello, Hello, Hello, Hello“? – Faker.
„Hello, Hello, Hello, how low“? – that’s right, baby.
„You know you’re right“ eignet sich dazu allerdings auch. Die Bridge geht nicht „Heeeeee-he-he-heeee-he-he-heeeey“. No-ho-ho-hope. Er singt „Pain“. Merkt’s euch.

10. Der Comic „Godspeed“, der sich als Biographie versteht, finde ich leider nur aus visuellen Aspekten lesenswert. Die Zeichnungen rocken (meistens), aber der Rest ist scheiße, vor allem, da nicht mal in Erwägung gezogen wird, dass er keinen Selbstmord begangen hat.

godspeed

 

11. Denn ja, ich glaube an die Mordtheorie. Kurt Cobain hatte zu viel Heroin im Blut, um die Schrotflinte zu bedienen.
Jetzt könnte man einwenden, dass jemand, der so lange süchtig gewesen war, eine genügend hohe Toleranz entwickelt hat. Das wäre ein valides Argument. Stattdessen argumentierte ein Arzt (angeblich als Gutachter von Courtney Love agierend) in dem Bericht, den ich darüber mal gesehen habe, dass es eine volle Minute dauert, bis ein Schuss wirkt und er somit genügend Zeit gehabt hätte, die Waffe abzufeuern, bis die Wirkung eingesetzt hätte.
Das ist falsch. Bei intravenöser Einnahme wirkt Heroin nach wenigen Sekunden. Zudem ist die Vorstellung, dass ein Mensch, der fast sein halbes Leben lang von diversen Drogen abhängig gewesen war und die Wirkung wohl offensichtlich mochte, nach einem gesetzten Schuss hastig aufspringt, um sich den Kopf wegzuballern, bevor ein Effekt spürbar ist, einfach nur hochgradig lächerlich.
Und aus diesem Grund glaube ich an die Mordtheorie. Wer so saublöde Scheinargumente von sich gibt, hat was zu vertuschen.

12. Kurt Cobain rauchte Light-Zigaretten. Ich habe aus diesem Grund auch versucht, Light-Zigaretten zu rauchen. Ging aber nicht. Die sind einfach zu eklig.

13. An seinem 7. Todestag, ich war 16 und unlängst Fan geworden, gab es wie immer viele Berichte auf MTV über Nirvana. Es war das erste Mal, dass ich Filmmaterial über ihn sah, denn Youtube gab es damals noch nicht. Das hat mir einen richtig heftigen Schock versetzt. Bisher hatte ich monatelang nur Bilder gekannt und irgendwie war es total surreal, diesen Menschen plötzlich in Bewegung zu sehen.

14. An seinem 8. Todestag versuchte ich, bei MTV anzurufen, als sie Erfahrungsberichte von Fans live in der Sendung hören wollten. Ich kam auch durch, aber leider wurde ich nicht zurück gerufen. Stattdessen wurde so eine blöde Tussi durchgestellt, die nicht mal die Songs kannte. („Welcher ist denn dein Lieblingssong?“ – „Äh, der da, der eben lief…“)

15. Ich war Grunge mit allem, was dazu gehört: Chucks, Flanellhemd, Levi’s 501. Diese war irgendwann so oft geflickt, dass ich jahrelang in der Schule bekannt war als „Das Mädchen mit der kaputten Hose“.

16. Ich habe jahrelang an seinem Todestag schwarz getragen und bin in die Kirche gegangen, um eine Kerze anzuzünden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihm letzteres nicht gefallen hätte.

17. Ich bin stolze Besitzerin dieses Kunstdrucks, der über meinem Bett hängt:
Kurt

18. Ich habe noch kein Nirvana-Cover gehört, das ich nicht als eklatante persönliche Beleidigung empfunden hätte, und halte House-, Techno- oder Dubstep-Remixe für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Zeigt mal etwas gottverdammten Respekt, ihr talentfreien Elektro-Arschlöcher!!

19. Dieses T-Shirt habe ich während meiner Realschul-Abschlussfahrt in Pisa gekauft und liebe es immer noch, auch wenn es schon fast 13 Jahre alt ist:
kurt shirt
Unlizensierte Shirts sind einfach die besten.

20. Kurt Cobain hat mein Leben mehr geprägt, als ich es mit einem blöden Blogartikel auszudrücken vermag. Er hat mich auf so viele Arten gerettet, die niemand verstehen würde, würde ich sie hier ausbreiten, außer höchstens meine BF, die mit mir meine Leidenschaft teilte. Es ist mir scheißegal, wenn das jemand pubertär findet, und es geht mir am Arsch vorbei, wenn sich irgendein Vollidiot darüber lustig machen will. Denn ohne Kurt Cobain hätte es Nirvana nie gegeben und ich wäre ohne Nirvana nicht die, die ich heute bin, falls ich überhaupt noch leben würde. Und darum hat er für alle Zeiten einen Platz in meinem Herzen.

RIP, Kurt (20. 2. 1967 – 5. 4. 1994). Du bist immer noch der Beste.

kurt lacht

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Meine Top 7 Alben aller Zeiten: Teil 6&7: Various Artists „To Be Announced“

Ach Leute, es tut mir furchtbar leid, aber ich kann einfach nicht!

Ich habe gerade (und schon seit Stunden) versucht, meinen Beitrag zu Teil 6 fertig zu schreiben, doch es geht nicht! Lasst es mich erklären:

Dieser High-Fidelity-Spruch in diesem Beitrag, also, das war eigentlich gar kein Spruch. Eine lange Zeit habe ich alles, was geht, in eine Top 5 Hitliste gesammelt. Meine Top 5 Musikvideos. Meine Top 5 der geilsten Musiker. Meine Top 5 Songs. etc.pp.
So hatte ich auch sehr, sehr lange nur meine Top 5 Musikalben aller Zeiten. Allerdings hat mich vor kurzem ein schon etwas älteres Album so dermaßen geflasht, dass ich erwägte, diese Liste zu erweitern. Aber ein Album aus meiner Topliste rauswerfen – das ging gar nicht klar! Deshalb musste es einfach „angehängt“ werden.

Dann wollte ich diese Reihe hier starten und dachte: „Ne Reihe mit sechs Artikeln? Was soll denn das bitte sein?! Fünf, okay. Zehn, fast noch besser. Aber sechs? Nee. SIEBEN wäre noch vertretbar. Ne Woche halt. Aber sechs, nein. NIEMALS!“
Das kann man jetzt ein bisschen monkisch finden, aber so funktioniert mein Hirn nunmal ^^

So dachte ich drüber nach, welches Album mich ähnlich geflasht hat, um eines der nun sieben Topalben zu werden und glaubte, eins gefunden zu haben. Also: Beitrag geschrieben, Top 7 angekündigt, alles klar.

Und jetzt? Meine ursprünglichen Top 5 kennt ihr nun schon. Während des Schreibens der Beiträge habe ich mir alle Alben nochmal (und mehrmals) angehört, habe sie auf mich wirken lassen, bin den Pfad der Erinnerung zurück geschlendert.

Und gerade, als ich beim Beitrag zu Teil 6 saß, wurde mir klar, dass das einfach nicht geht. Kein Album abgesehen der fünf, die ich schon vorgestellt habe, hat mich jemals so geflasht wie die bereits genannten. Kein Album, egal wie geil, hat es verdient, mit ihnen in einer Reihe genannt zu werden. Jedenfalls NOCH nicht. Das mag sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch ändern, aber auf diesem Stand bin ich hier und heute. Es wird weiterhin gute Musik und saucoole Alben geben, aber das liegt eben in der Zukunft!

So wurde aus den Top 7 wieder eine Top 5. Sorry. Und so wird es bleiben, bis nicht ein neues Album kommt, das eine solche Leichtigkeit mit sich bringt wie die Americana, so ambitioniert durchgestylt wie Nevermind, so pink und glitzerig aussieht wie die Razorblade Romance, so kompromisslos draufhaut wie die Mezmerize und so treibend ist wie die Our darkest days. MINDESTENS!

Betrachtet es als irreführende Werbung: Sieben angekündigt, fünf sind gekommen. Das kommt beim besten Festival vor. Genauso wie vorzeitiger Abbruch. Tja. Passiert.

Am Ende seien wenigstens noch einige Alben erwähnt, die es nicht in die Liste geschafft haben, aber halt trotzdem sehr empfehlenswert linkinparksind, wie Linkin Parks Hybrid Theory zum Beispiel. Jahrelang lief Linkin Park halt immer so mit, aber ihr letztjähriger grandioser Auftritt auf Rock am Ring haben meine Begeisterung für sie auf ein neues Level gehievt.

riseagainstDann muss Rise Against erwähnt werden. Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich die Appeal to Reason oder

riseagainst2

doch The Sufferer and the Witness besser finden soll. Es sind auf beiden Albem so einmalig geile Songs drauf (aber auch der ein oder andere Filler…), daher sind sie einfach BEIDE empfohlen.

paparoachUm mal wieder etwas in die Vergangenheit zu schweifen: Als Papa Roach noch cool waren, war ihr Song Last Resort für mich einfach nur eine Offenbarung und das dazu gehörige Album Infest eines meiner ersten ernsthaften Alben.

tenaciousDDoch warum immer ernsthaft? Tenacious D beehren uns seit Jahren mit ihrer absoluten Liebe zum Rock und genialen Songs. The Pick of Destiny hat einige davon, die von keiner Metalparty mehr wegzudenken sind. Wer einmal kollektiv und pathetisch auf Beelzeboss getanzt hat, will es immer wieder tun!

steelpantherIn die gleiche Kerbe haut Steel Panther mit Feel the Steel. Absolut überrissen, idiotisch, saugut.

 

bloodhoundgangUnd wo wir bei Idioten sind: Ohne die Bloodhound Gang und ihr Album Hooray for Boobies geht bei dem Thema gar nichts!

 

alterbridge

Alter Bridge dagegen haben mit One day remains ebenfalls einfach nur Rock vom Allerfeinsten abgeliefert.
avengedsevenfoldAvenged Sevenfold haben nicht nur mit ihrem selbstbetitelten Album Maßstäbe gesetzt.
metallicaAuch wenn ich mit vielen seit Jahrzehnten im Geschäft befindlichen Metallern nichts viel am Hut habe, gebührt Metallica ewiger Ruhm für ihr Black Album.
badreligionBad Religion hatte mich das erste Mal mit The Process of Believe und mich dann nie mehr los gelassen.
dieärztePunkig sind ja auch die Ärzte mit vielen, vielen Alben, aber am besten gefällt mir doch ihre 13.

 
bulletformyvalentineBullet for my Valentine’s bestes Album ist das The Poison.
mychemicalromanceMy Chemical Romance sind wesentlich jünger, was sie nicht davon abgehalten hat, mit The Black Parade ein Konzeptalbum über den Tod abzuliefern.

 

dragonforcePowermetal der besten Sorte liefern Dragonforce auf Ultra Beatdown ab.
disturbedcoverDisturbed werden ein bisschen rebellisch mit Ten Thousand Fists.

 

serjtankian

Und Serj Tankian war auch allein auf seiner Platte Elect the dead ziemlich geil.

 

 

Und die bereits vorgestellten Bands hatten natürlich auch nicht nur EIN gutes Album. Im Gegenteil.

Boah, was ne Arbeit, die Bilder alle mit Beispielen bei Youtube zu verlinken. Jetzt müsst ihr wenigstens auch klicken ^^

Und ich werde mir jetzt Alkohol in irgendeiner Form genehmigen, womit dann morgen mit einem finalen Kater endlich die Feierlichkeiten zu Rock „Dieses Mal bin ich nicht dabei“ am Ring beendet sind. Ich wollte alle vier Tage betrunken und so sein und das habe ich geschafft \o/

Ich bin also immer noch voll Rock’n Roll.


Weitere Beiträge zur Themenwoche:

Teil 1: HIM – Razorblade Romance

Teil 2: The Offspring – Americana

Teil 3: Nirvana – Nevermind

Teil 4: System of A Down – Mezmerize

Teil 5: Ignite – Our Darkesst Days


Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 5: Ignite „Our darkest Days“

Kommen wir zur vermutlich unbekanntesten Band/dem unbekanntesten Album in dieser Reihe, obwohl dieser Status absolut ungerechtfertigt ist!

Ignite

Tracklist
1. Intro (our darkest days)
2. Bleeding
3. Fear is our Tradition
4. Let it burn
5. Poverty for all
6. My Judgement Day
7. Slowdown
8. Save yourself
9. Are you listening
10. Three years
11. Know your history
12. Strength
13. Sunday bloody Sunday
14. Live for better days

Erstkontakt
Es war das Jahr 2006, ich war 21 und wieder hatte meine beste Freundin ihre Finger im Spiel. Aber als sie mir dieses Album (und damit auch die Band) erstmalig vorspielte, war ich irgendwie etwas unterwältigt. Ich weiß nicht, woran es lag, vielleicht hatte Zoli Téglás‘ durchaus ein wenig gewöhnungsbedürftige Stimme etwas damit zu tun, aber zu Anfang war ich tatsächlich der Ansicht, alle Lieder würden sich gleich anhören. Blasphemie!!
Es dauerte aber nicht lange, bis ich diese Ansicht revidierte. Und das ist gut so, denn sonst hätte ich nicht nur eine Hammerband verpasst, sondern auch einige meiner absoluten Lieblingssongs aller Zeiten!

Highlights
Ich greife mal vor und verrate, dass dieses Album eigentlich keine wirklichen Tiefpunkte hat. Dennoch gibt es natürlich ein paar Lieder die einfach auch im Vergleich zum Rest des Albums völlig überragend sind!

Bleeding ist so eines. Das Intro geht nahtlos darin über und, naja, bei dem Lied gibts wieder mal voll was auf die Fresse! Dazu (Hardcore-)Punkchor – einfach großartig!

Let it burn… ich werde nie verstehen, warum dieser Song nicht zumindest in der Szene zu einem Riesenhit wurde. Er ist sehr eingängig, fast schon poppig, und die Thematik – das Lyrische Ich singt über eine Freundin, die bei einem Autounfall starb – eigentlich doch genau das, was die Emomassen erfreut. Dazu ist er einfach auch hammergeil. Naja, man steckt nicht drin…

Bei Poverty for all wirds mal wieder politisch. Zoli Téglás hat ungarische Wurzeln und ist sehr geschichtsinteressiert. Dieser Song thematisiert den Ungarnaufstand von 1956 und ist einfach nur ein einziger krasser Aufruf zum zivilen Ungehorsam. Ein ganz, ganz großes Lied!

Sunday bloody sunday ist, wie man sich denken kann, ein U2-Cover und als solches genialst. Der alte Stoff, der ja auch schon ziemlich geil war, wird so richtig aufgepimpt. Einer meiner Lieblingscoverhits!

Aber das größte Highlight, vielleicht das beste Lied, das Ignite meiner Meinung nach jemals geschrieben hat, ist einfach Strength. Ich sehe den gesamten Song als eine Art (besseres) Gebet und als solches hat er mich schon oft aus der Scheiße gezogen. Dafür habe ich zu danken.

Tiefpunkte
Ihr kennt es inzwischen schon: Es gibt sie eigentlich nicht! Kein einziger Song, den ich beim Hören des Albums skippen würde.

Dennoch: Are you listening ist etwas langweilig, weil man hier ihre alten Zeiten noch deutlich durchhört, die viel weniger melodisch waren als das neue Zeugs. Meh.

Ähm, und das wars auch eigentlich schon!

Biographisches
Seit 2006 ist dieses Album aus meiner Sammlung nicht mehr wegzudenken und war ab diesem Zeitpunkt einfach immer selbstverständlich dabei. Heißt: Irgendwie fällt mir nichts konkret Biographisches ein!

Höchstens vielleicht der Abschluss des ge-ni-al-en Offspring-Konzertes im Jahre 2008. Meine beste Freundin und ich hatten im Auto übernachtet, wenn man das so sagen kann. Sie hatte zwei Stunden geschlafen, ich gar nicht. Heißt, es war leicht kritisch, in diesem Zustand zurück in die Heimat zu fahren, doch mussten wir beide mittags noch arbeiten gehen, also führte kein Weg daran vorbei. Dieses Album (sowie der nicht auf dem Album vertretenen, aber ebenfalls sehr sensationelle Song Veteran) hielt und wach und damit alive. Auch dafür kann ich einfach nur Danke sagen!

Konzerterfahrung
Leider, leider ist diese nicht vorhanden! Ignite ist keine sonderlich bekannte Band, auch wenn ich das nicht verstehen kann. Musikalisch haben sie exakt die selbe Entwicklung durchgemacht wie Rise Against, dennoch sind Rise Against heute megafamous, aber Ignite nicht. Ich check’s nicht!

Einmal hätte ich sie dennoch fast gesehen, als sie, puh… 2009? mit der Persistence-Tour unterwegs waren. Das kam jedoch nicht zustande. Ein paar Wochen später traf ich aber einen Typen, der genau das Konzert gesehen hatte, das ich besuchen wollte… und der hat meinen Schmerz dann stillen können, indem er einfach den Idioten raushängen ließ.

Ignite sind Hardcore. Das ist kein Kompliment, sondern eine Genrebezeichnung. Manche zählen sie zum Melodic Hardcore, andere zum Hardcore-Punk. Ist ja auch egal. Jedenfalls ist das leider genau die Art Musik, die Violent Dancer anzieht.
ignite2WTF?! – denkt ihr jetzt vielleicht. Der Begriff ist tatsächlich Programm. So schön ich Pogotanzen finde, aber es gibt für mich da einige eindeutige Grenzen. Diese sind überschritten, wenn man sich absichtlich gegenseitig weh tut, dies tatsächlich forciert wird. Genau das tun Violent Dancer. Im Prinzip geht es dabei nur drum, sich gegenseitig kreativ und halbwegs im Takt aufs Maul zu hauen. Männlichkeitswahnsinn komplett auf die Spitze getrieben von irgendwelchen gehirnamputierten Affen!

Eben einer dieser Affe erzählte mir stolz, dass er sich fast die Nase gebrochen hätte und jeder um ihn herum blutüberströmt war. Wow. Aber darüber hinaus fand er den Auftritt von Ignite superlahm. „Der Typ hat zwischen den Liedern dauernd gelabert, ich glaub über den Krieg und so. Das will doch keiner hören!“
Man hofft unwillkürlich, dass beim nächsten Mal vielleicht irgendjemand noch ein bisschen härter zuschlägt und diese menschliche Existenz aus dem Genpool entfernt… Aber lange Rede, kurzer Sinn: Unter diesen Voraussetzungen kann ich wohl leider kein Ignite-Konzert besuchen. Was aber vielleicht auch gar nicht schlimm ist, da Zoli Téglás einfach kein guter Sänger ist. Auf der Platte, mit viel Studioarbeit und allem drum und dran, klingt er noch völlig okay, aber nach allem, was ich gesehen habe, failt er regelmäßig auf jedem Konzert, vor allem bei dem hohen Tönen.

Daher ist das alles in Allem wohl kein besonders großer Verlust.

(okay, das ist noch in Ordnung. Allerdings ist der Song im Vergleich zum Rest auch relativ leicht zu singen und kommt ihm etwas entgegen.)

Was mich das Album lehrte
„Give me strength
to hold my head up high
to spit back in their face…“
– Strength

Trivia
Es gibt immer wieder Gerüchte darüber, dass Zoli Téglás vielleicht ein bisschen zu stolz auf seine Herkunft ist, sprich, ein Nazi.

Ein Punk, der gleichzeitig vehement gegen den Kommunismus, so wie er bisher in der Weltgeschichte verbrochen wurde, eintritt (weil eben seine Familie in Ungarn jahrelang unter der „red bourgeoisie“ gelitten hat) ist ja erst mal eine recht erfrischende Erscheinung. Ich hasse diese Relativierungen der Verbrechen des Sozialismus von links. Dennoch weiß ich leider nicht so ganz, wie ich das einordnen soll. Da ich aber bisher nicht rausfinden konnte, was er eigentlich genau gemacht hat, und seine Songs doch alle eine ganz andere Sprache sprechen, als ihm vorgeworfen wird, neige ich dazu, dies einfach mal so stehen zu lassen. Aber zumindest ist es eine Erwähnung wert.

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Weitere Beiträge zur Themenwoche:

Teil 1: HIM – Razorblade Romance

Teil 2: The Offspring – Americana

Teil 3: Nirvana – Nevermind

Teil 4: System of A Down – Mezmerize

Teil 6: TBA


Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!