Meine 5 schönsten Gaming-Erinnerungen

Warum ausgerechnet dieses Thema? Tja… ich habe wirklich keine Ahnung. Irgendwie schien es eine gute Idee zu sein, da ich einige der folgenden Erlebnisse tatsächlich so großartig fand, dass ich ohnehin mal drüber schreiben wollte. Also warum nicht in einer schicken Liste?

Damit ohne weitere Vorrede zu meinen 5 schönsten Gaming-Erinnerungen, geordnet wie Charts von toll bis am tollsten!

Nummer 5: Der Sieg in Super Mario Land 2

System: Gameboy

Welches Kind der Neunziger besaß keinen Gameboy? (Ein bedauernswertes Kind natürlich.)
Da ich nie einen Nintendo hatte, waren das Spiel sowie sein Vorgänger nicht nur meine einzigen Berührungspunkte mit dem sympathischen Klempner, sondern auch mein allererstes Jump’n’Run überhaupt (denn den ersten Teil bekam ich erst später). Davor besaß ich nur Tetris, das natürlich cool war, aber eine Geschichte zu spielen und eine ganze Welt zu retten, das ist schon ne ganz andere Marke!
Nächtelang knabberte ich damals am Ende dieses Spiels. Versteckt unter meiner Bettdecke nur mit einer Taschenlampe bewaffnet wollte ich dieses Spiel unbedingt knacken. Ich hatte unzählige Geheimlevel entdeckt und natürlich alle Münzen gewonnen, aber die Eroberung des Schlosses stand noch aus. Im Rückblick ist der Endkampf mit Wario echt lahm gewesen, aber durch dieses blöde Schloss zu kommen war für mich als Neunjährige gar nicht mal so einfach!
Und natürlich ging es um die Ehre. „Wenn du am Anfang Select drückst, spielst du in leicht,“ belehrte mich eine Klassenkameradin damals. Aber ich WOLLTE es nicht im Easy Mode schaffen. Ich wollte es richtig machen!
Und eines Nachts war es dann soweit. Als die Endcredits rollten, fühlte ich mich wie eine absolute Gamerkönigin. Nicht, dass es den Ausdruck „Gamer“ damals schon gab oder ich je wirklich einer geworden bin. Aber dieses Erfolgserlebnis legte den Grundstein für künftige Daddelvergnügen und war einfach nur megaawesome, als ich am nächsten Tag damit in der Schule angeben konnte!

Nummer 4: Postal-2-Gemetzel

System: PC

Inzwischen doppelt so alt und gar nicht mehr so unschuldig, hatten sich meine Präferenzen etwas verschoben. Jump’n’Run, ok, das ist nett und Crash Bandicoot 3 wird ewig einen Platz in meinem Herzen haben, aber als desillusionierter Teenager mit Hass gegen die ganze Welt wollte ich TOD, ZERSTÖRUNG, CHAOS!
Was könnte da besser sein als eine Runde Postal 2. Dieses Spiel ist ein einziger großer Gewaltexzess und LACHT auch noch drüber. Egal, ob man auf das Grab seines Vaters pinkeln muss, Büchergegner niedermetzelt oder einfach nur Milch kaufen will: Jede einzelne Quest ist ein Ausflug in das Gehirn eines Wahnsinnigen. Politisch unkorrekter Splatter voll rabenschwarzem Humor, wie er für diese Phase meines Lebens passender nicht hätte sein können und so dermaßen bescheuert, dass ich selbst heute noch über die inzwischen ziemlich in die Jahre gekommene Graphik hinweg sehen und tierisch viel Spaß an diesem Spiel haben kann.
Counterstrike soll für jugendliche Gewaltausbrüche verantwortlich sein? Darüber haben wir damals nur gelacht. CS fand ich persönlich megalahm, der reinste Kindergarten dagegen. Und hat es mir geschadet? Nein. Mit meiner besten Freundin abends vor dem Computer zu hocken und unter lauten „MUHAHA!!!“ irgendwelchen Leuten im Spiel, die uns als Postal Dude überhaupt nichts gemacht haben, das Hirn wegzuballern, war einfach nur megafetzig und die reinste Katharsis. Sowieso bin ich ja der Meinung, dass Leute, die sich über gewalttätige Videospiele aufregen, einfach noch nie selbst eins gespielt haben. Dann wüssten die, dass es Spaß macht, ohne dass man es im echten Leben nachstellen will!
Später bekam ich dann noch das Add-On „Apocalypse Weekend“ von irgendwo her in einer halb englischen, halb serbischen (?!) Version, was dann nochmal ne Spur krasser war. Und ich liebte jede Sekunde davon! Darum gehört dieses außergewöhnliche Spielerlebnis in seiner Gesamtheit hier definitiv rein!
(So, und hier spare ich mir mal einen Link, weil sich irgendjemand davon hundertpro auf den Schlips getreten fühlen wird – aber auf Youtube gibt es massig Gameplay zu sehen 😀 )

Nummer 3: Vater-Tochter-Zeit mit Tomb Raider 3

System: Playstation

Es dürfte an meinem 14. Geburtstag gewesen sein, als die Bettelei endlich ein Ende hatte: Ich bekam meine eigene Konsole!! Und als erstes Spiel gab es, damals topaktuell, Tomb Raider 3 oben drauf.
Ehrlich gesagt verstehe ich im Nachhinein wirklich nicht, warum die alten TR-Teile so unglaublich beliebt waren. Irgendwie waren sie ziemlich lahm, hatten keine tolle Graphik und auch keine sonderlich spannende Story. Aber da gab es natürlich Lara Croft mit ihren Riesentitten… das wird’s wohl gewesen sein.
Will sagen: Das Spiel hat die Zeit meiner Meinung nach nicht sonderlich gut überstanden, weshalb es auch eines der letzten Spiele sein dürfte, bei dem ich das Bedürfnis habe, es neu zu zocken. Und trotzdem war es beim ersten Mal echt schön – was daran lag, dass mein Stiefvater, so sehr er sich auch gegen die Konsole gesperrt hatte, eifrig mit dabei war!
Fast täglich wartete ich ungeduldig darauf, dass er von der Arbeit kam, damit wir spielen konnten. Ich glaube, ich habe damals kaum je allein gespielt. Meistens steuerte ich die gute Lara, während er hochkonzentriert daneben saß und beim gemeinsamen Erkunden der Level schlaue Kommentare abgab. Er war von jedem noch so lahmen Schockeffekt begeistert, feierte das Knacken jedes Rätsels und sparte nicht mit Lob, wenn ich eine schwierige Stelle schaffte. Es war das letzte Mal, dass wir uns so richtig gut verstanden, bevor es in der Pubertät krass schwierig wurde, aber ich habe jede Minute unserer Daddy-Tochter-Zeit genossen.
Klingt das kitschig? Und wenn, ist mir das vielleicht egal? Was soll’s – das zeigt nur, dass einige der schönsten Erlebnisse nur dann so richtig toll sind, wenn man sie mit jemanden teilen kann!

Nummer 2: Der Kampf gegen die Omega Weapon (Final Fantasy 8)

System: Playstation

Mit 15 und 16 habe ich hunderte Spielstunden damit verbracht, das absolute Optimum aus diesem unglaublich genialen Spiel rauszuholen. Ich zog geduldig Zauber, schlug mich mit nervigen Morbols rum, lernte dieses dämliche Kartenspiel, obwohl mich die Random-Regel fast in den Wahnsinn trieb, und gewann tatsächlich ALLE möglichen Karten etc.pp. Und, natürlich, ich besiegte auch die Ultima Weapon.
Erst Jahre später erfuhr ich, dass es noch ein weiteres Megamonster gab – dessen Tage von da an gezählt waren!
Eines schönen Abends packte ich mein FF8 und meine Memory Card ein und begab mich zu meinem damals besten Kumpel, der mir davon erzählt hatte. Wir hatten rausgefunden, wo sich die Omega Weapon versteckte und wollten nicht eher ruhen, bis sie besiegt war!
Das war allerdings schon im Vorfeld gar nicht mal so einfach. Man musste in Artemisias Schloss eine Glocke schlagen, dann die Spieler wechseln, dann ein Tor durchqueren und stand dann erst vor der Omega Weapon – wenn sie einen denn angriff. Das wollte sie die ersten zehn Male irgendwie nie. Und griff in der kurzen Zeit, die einem dafür blieb, ein anderes Monster an, musste man das Ganze wieder von vorne versuchen. Unsere Nerven lagen also schon blank, noch bevor es überhaupt tatsächlich zum Kampf kam.
Aber dann war es soweit. Ich stand ihr leibhaftig gegenüber – der Omega Weapon. Womit der epischste Kampf meiner gesamten Gaming-Karriere begann!!
Das Vieh war… ultrakrass! Mein Puls dürfte die ganze Zeit über bei gesunden 200 Schlägen die Minute gelegen haben. Während ich mich voll reinhing, krallte mein BF neben mir die Fingernägel in seine Wangen und schrie Anweisungen, die ich nicht brauchte. „Heilen! Aura! Heldentrank! Heilen! Aura! Heilen! HEILEN!!!“
Aber es war zu spät: Meine gesamte Party war tot. Enttäuscht schmiss ich den Controller hin, nur um die schönsten Worte zu lesen, die jemals auf einen Fernsehschirm erschienen sind: „Flamme des Lebens“! Phoenix war gekommen und rettete mich!!
Weiter ging es mit der nervenzerfetzenden Spannung, insgesamt gut eine halbe Stunde lang. Und letztendlich… polierte ich diesem Scheißvieh die Fresse!! Beim ersten Mal!!!
Ich bekam ein paar Items, die ich zu diesem Zeitpunkt eh nicht mehr brauchte, aber der berauschende Hauch des Sieges war mir Gewinn genug! Der perfekte Abschluss für ein perfektes Spiel, ein Spiel, das hoffentlich irgendwann mit moderner Graphik wieder aufgelegt wird, der absolute Burner!

Dieser Kampf war die Definition von episch! Was könnte besser sein als DAS?! Nun…!

Nummer 1: Chillen mit Skyrim

System: Playstation 3

Ich hatte meine Jugend mit meiner Playstation verschwendet verbracht, aber alle schöne Zeiten müssen wohl enden. Irgendwann kam die Playstation 2, die ich mir nicht leisten konnte. Aus dem Alter, in dem man sich sowas zu Weihnachten wünschen konnte, war ich auch raus. Ohne neue Spiele verstaubte meine Playsi langsam. Das tat weh.
Spiellose Jahre zogen ins Land, bis ich eines Tages endlich meine Berufung fand und neben der Uni mit dem Kellnern anfing. Gleichzeitig zog ich in meine erste WG… ausgestattet mit einer Playstation 3.
Es war eine nicht ganz einfache Zeit. Ich mochte meinen neuen Job und war froh über das Geld, aber die Arbeitszeiten waren ziemlich hart und ungewohnt. Kam ich nachts nach Hause, war ich müde, aber auch gleichzeitig zu überdreht zum Schlafen.
Es waren diese dunklen Stunden, bevor der neue Tag anbrach, in denen ich, ungestört von meinen Mitbewohnern, in den Sessel sank und nach dem Controller griff, der sich noch ganz genauso anfühlte wie damals, aber inzwischen mit einem wesentlich leistungsfähigeren Gerät verbunden war (und das KABELLOS). So startete ich Nacht für Nacht Skyrim und… entspannte mich. Die Quests und die Story waren was für den Tag, aber in der Nacht chillte ich einfach nur. Ich begann das Spiel und ließ alles an unnötigen Ballast in meinem Haus in Weißlauf zurück. Ich behielt nur meine Rüstung, ein paar Heiltränke, ein einhändiges Schwert, meinen Bogen und Pfeile. Leichtes Gepäck. Damit reiste ich an den Rand des bereits erforschten Gebiets, lief los… und jagte. Hirsche, Bären, Säbelzahntiger. Ich hatte heraus gefunden, dass man die Schmiede ganz leicht hochskillen kann, wenn man einfach immer nur Lederhelme herstellt. Dafür braucht man aber Leder und für Leder braucht man Felle. Somit verband ich das Angenehme mit dem Nützlichen. Nebenbei verbesserte ich ganz selbstverständlich meine Bogen- und Schleichskills.
Ich durchstreifte lichte Mischwälder, überquerte Eisfelder, suchte mir meinen Weg durch unwegsames Gebirge. Fand ich ein neues Gebäude, lief ich gerade so nahe hin, bis es auf der Karte erschien, und dann schnell wieder weg. Ich wollte keine Quest, keinen Kampf, keine Menschen oder andere Rassen treffen. Ich mied auch die Siedlungen. Lieber sah ich mir die flimmernden Nordlichter an und spürte nichts außer tiefer Ruhe. Nur ich, die Tiere und diese wunderschöne Graphik, von der das neunjährige Mädchen, das Mario durch verzauberte Schlösser gesteuert hatte, nicht mal zu träumen gewagt hätte. Manchmal killte ich einen Riesen, aber reden wir nicht drüber (eine Katze in Postal 2 als Schalldämpfer zu benutzen ist eine Sache, aber einen Riesen in Skyrim zu töten ist schon etwas bösartig).
So spielte ich oft, eine halbe Stunde, eine ganze, bis ich müde wurde oder vollgepackt war. Dann speicherte ich, ging ins Bett und schlief sofort ein.
Das Ganze verlor leider seinen Reiz, als ich auf diese Weise die Schmiede tatsächlich bis 100 hochskillen konnte. Danach wollte ich nicht mehr jagen gehen. Was sollte ich denn mit den ganzen Fellen machen? Und Tiere einfach so abballern, ohne dass ich irgendwas von ihnen brauchte, wollte ich nicht. Ich bin doch kein Engländer!
Damit war diese Phase dann auch irgendwann vorbei, aber ich denke gerne an diese ruhigen Nachtstunden zurück, die ich nur mit mir selbst und meinem Spiel verbrachte.

Ich kann nur hoffen, dass irgendwann nochmal ein Spiel entwickelt wird, das mich so zu faszinieren imstande ist. Was war euer schönstes Gaming-Erlebnis?

Gaming

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[Halloween-Special] Spielereview: „Betrayal at House on the Hill“

Es gibt nichts besinnlicheres als einen harmlosen Brettspielabend? Wer das glaubt, sollte sein „Mensch ärgere dich nicht“ endlich einmotten, denn Horror-Brettspiele sind ein Ding! Und ein Vertreter dieses Genres hat definitiv einen eigenen Halloween-Artikel verdient: Betrayal at House on the Hill.

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Prämisse:

Ein herrschaftliches, gottverlassenes Haus irgendwo auf einem Hügel. Eine handvoll verwegener Fremder. Eine zuknallende Tür. Kein Entkommen. Und weit und breit kein Touristenführer.
So das Ausgangsszenario. Das Ziel des Spiels lautet indes nur: Irgendwie überleben!

Spielbeginn:

Ihr sucht euch eine von sechs Spielfiguren aus und entscheidet euch, ob ihr Charakter A oder B spielen wollt – denn bei jeder Spielfigur gibt es zwei Auswahlmöglichkeiten! Dann werden alle Spielfiguren in die Eingangshalle gesetzt und schon kann es losgehen!

Ein Character Sheet mit den Fähigkeiten der Figur
Ein Character Sheet mit den Fähigkeiten der Figur

Spielverlauf:

BAHOTH (klingt voll dämonisch!) läuft in zwei Phasen ab. In Phase 1 erforschen die Spieler das Haus. Da sie in dieser Phase Leidensgenossen sind, die zusammen in diesem alten Kasten feststecken, ist das Spiel zu diesem Zeitpunkt noch kooperativ.

Bodenplatte mit Omen-Symbol. Kein verlassenes Herrenhaus ohne Pentagrammkammer!
Bodenplatte mit Omen-Symbol. Kein verlassenes Herrenhaus ohne Pentagrammkammer!
Es wird also Raum für Raum durchstöbert. Aber! Das Spielbrett besteht zu Anfang nur aus dem Eingangsbereich, der Treppe in den 1. Stock und einem Raum im Keller. Der Rest muss nach und nach aufgedeckt werden – und da die nun sichtbar werdenden Räume aus beweglichen Bodenplatten bestehen, die von einem Stapel gezogen werden, sind die Variationsmöglichkeiten hier praktisch grenzenlos. Damit sieht das Spielbrett am Ende immer anders aus, egal wie oft man spielt!

Wird ein neuer Raum betreten und die Bodenplatte angelegt, muss eine Karte gezogen werden. Welche das ist, hängt von dem Symbol ab, das auf der Bodenplatte zu sehen ist. Es gibt drei Typen von Karten:

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Die Eventkarten: Diese lösen – Überraschung! – ein bestimmtes Ereignis aus.

Die Itemkarten: Items, also Gegenstände, sind meistens (mehr oder weniger) nützlich und beeinflussen eure Fähigkeiten entweder temporär oder dauerhaft – solange sich die Itemkarte in eurem Besitz befindet.

Die Omenkarten: Omen sind im Prinzip auch Gegenstände – aber von wesentlich mystischerer Natur. Und nicht alle sind gut für euch…

Was auch immer auf den Karten steht, hat (meistens) Einfluss auf die Fähigkeiten eures Charakters, zu sehen auf eurem Character Sheet. Natürlich heißt das Ziel immer, eure Fähigkeiten hochzuleveln! Doch dazu braucht ihr ein wenig Würfelglück.

Event - Beispiel. Gewürfelt wird mit W3ern.
Event – Beispiel. Gewürfelt wird mit W3ern.
Beispielsweise könnte sich in dem Raum, den ihr betretet, (als Event) ein Geist materialisieren. Sowas kann schon an den Nerven zerren! Eurer Würfelwurf entscheidet nun darüber, ob euch diese Begegnung total schockiert, sie euch eigentlich nicht groß interessiert oder ob ihr euch dem mystischen Wesen stellt und dann vielleicht sogar stärker werdet. Sprich, bestimmte Fähigkeiten werden gemäß Würfelwurf hoch- oder runtergelevelt – wie das konkret funktioniert, sagen euch die Karten!

So läuft das Spiel eine Weile. Ihr deckt das Spielfeld auf, sammelt Items und Omen, stellt euch den gruseligen Ereignissen… bis Phase 2 beginnt!

Wann das ist, entscheidet mehr oder weniger der Zufall. Für jedes Omen, das gezogen wird, muss ein sogenannter Haunt-Roll veranstaltet werden. Ist dieser Würfelwurf niedriger als die Anzahl der sich im Spiel befindlichen Omen, wird der Fluch des Hauses, eben der Haunt ausgelöst. Es ist theoretisch möglich, dass dies schon nach wenigen Spielzügen passiert (was dann besonders bitter ist), aber das erwähnte Prinzip sorgt eben dafür, dass der Fluch von Runde zu Runde immer wahrscheinlicher wird. Und irgendwann ist er unabwendbar!

An dieser Stelle endet die kooperative Spielweise: Einer der Spieler wird zum Verräter und arbeitet fortan gegen den Rest (und umgekehrt). Was aber konkret passiert, also wer zum Verräter wird, warum er zum Verräter wird, welche Absichten er verfolgt und, vor allem, welchen dunklen Mächten er nun dient, hängt vom Fluch ab – und hier wird es nun richtig krass: Denn abhängig davon, durch welches Omen und im welchen Raum letztendlich der Fluch ausgelöst worden ist, gibt es 50 (FÜNFZIG!!!) verschiedene Möglichkeiten, wie das Spiel nun weiter geht!! Es könnte sich zum Beispiel ein Vampirfürst erheben, eine Zombieapokalypse über das Haus hereinbrechen, ein irrer Axtmörder sein Unwesen treiben oder Aliens die Spieler heimsuchen. Wie gesagt, es gibt FÜNFZIG verschiedene Szenarios, die allesamt anders funktionieren, andere Taktiken erfordern oder eigene Überraschungen (z.B. plötzlich einstürzende Räume) bereit halten!

Wie man den Verräter und seine sinistren Kompagnons besiegt (oder gar von ihm besiegt wird), ist dann auch jedes Mal abhängig vom Szenario und damit immer wieder neu und aufregend!

Meine Meinung:

Mit Betrayal at House of the Hill bekommt man richtig was für sein Geld, denn es gibt wohl kaum ein zweites Spiel, das so viele Möglichkeiten bietet. Fünfzig Szenarien – einfach unglaublich!
Leider hat das nicht nur Vorteile. Während Phase 1 des Spiels ziemlich leicht verständlich ist, da man wie bei den meisten Rollenspielen im Grunde nur das tun muss, was auf den Karten steht, wird es in Phase 2 schon mal richtig kompliziert. Der Verräter und die anderen Spieler bekommen jeweils unterschiedliche Spielanleitungen. Da die Vorbereitung auf den Fluch nun aber getrennt stattfinden muss, kann sich gerade der Verräter mit niemanden austauschen, wenn er eine Regel nicht so richtig checkt. Und auch bei den anderen kam es bisher fast jedes Mal zu Verständnisschwierigkeiten bezüglich der ab da geltenden neuen Regeln und Zielsetzungen.
Das führte leider in der Vergangenheit dazu, dass nicht nur bei mir der Spielspaß mit dem Auslösen des Fluchs rapide sank.
Das Erforschen des Hauses macht dennoch jedes Mal wieder Spaß, auch wenn sich hier mit der Zeit (ich habe es nun etwa 15 Mal gespielt) Abnutzungserscheinungen einstellen, da die Karten nun alle schon bekannt sind.
Dennoch: Das Design, die Story und vor allem die Flavortexte, die unbedingt laut vorgelesen werden müssen, machen Betrayal wirklich einzigartig! Diese Details sorgen für eine unheimlich dichte Atmosphäre und bieten stilvollen, psychologischen Horror, bei dem – Dank der vielen Szenarios – wirklich kein archetypisches Mystery-Element ausgelassen wird! Auch wenn ein paar kleinere Logikfehler offensichtlich nicht vermeidbar waren (warum hat der Charakter einer jungen Frau, deren Hobby zudem auch noch mit „Lesen“ angegeben ist, einen geringeren Wert bei der Fähigkeit „Wissen“ als ein Kind?), sieht man, dass in diesem Spiel unendlich viel Mühe steckt. Und, nur falls das noch nicht angekommen ist: fünfzig Szenarios!!

Ich empfehle also, ein paar Gruselfans (die leider des Englischen mächtig sein müssen) zusammen zu trommeln und und sich dieses Spiel im flackernden Schein einiger Grablichter zu Gemüte zu führen – gerne im heimischen Wohnzimmer, falls ihr gerade kein altes, verlassenes Herrenhaus zur Verfügung habt!

PS: Ich hatte einen ewiglangen Text geschrieben, in dem ich die Spielmechanik und Regeln haarklein erklärte. Dann habe ich alles wieder gelöscht, als mir klar wurde, wie uninteressant das eigentlich ist 😀 Falls ihr dennoch spontan Lust bekommen habt, genaueres über das Spiel zu erfahren, stellen die Spielentwickler eine Online-Demo zur Verfügung (englisch). Und auch bei Table Top hat man schon Betrayal gespielt:

—–

Weitere Spielereviews:
Gloom

Meine Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten
Die fünf besten Halloween-Serienspecials
Minimalistische Partytipps

Weißt du, was auch der pure Horror ist? Existenzängste, weil man nicht genug Knete hat! Wenn du mir ein wenig meiner Angst nehmen und mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich deshalb gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Spielereview: Gloom (ein gar vortrefflich Kartenspiel!)

Ich bin ein Spielkind. Falls ihr das noch nicht wusstet, wisst ihr es jetzt!

Meine PSone liebte ich immer heiß und innig, aber auch Offline-Games, sprich: Gesellschaftsspiele aller Art sind meine große Leidenschaft. Ein geiler Spieleabend mit den richtigen Leuten würde ich fast einer Partynacht vorziehen!

Glücklicherweise befinde ich mich da in guter Gesellschaft. Meine Mitbewohner spielen ebenfalls sehr gerne und Tim, der Typ, bei dem ich früher immer gewaschen habe, ist sogar eine besondere Koryphäe: Kaum ein Monat vergeht, in dem er nicht ein neues Spiel anschleppt!

Seinen letzten Kauf hat er uns diese Woche präsentiert. Es handelt sich um Gloom, ein Kartenspiel mit wunderbar tiefschwarzen Humor!

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Prämisse: Düstere Gestalten wie aus einem Tim-Burton-Film bevölkern dieses Spiel. Verschiedene Familien (z.B. eine Zirkusfamilie, eine „Serienmörderfamilie“, eine „Verrückte Erfinder“-Familie) warten nur darauf, ins Unglück gestürzt zu werden. Und genau das ist die Aufgabe des Spielers!

Spielprinzip: Ziel des Spieles ist es, jeden einzelnen Charakter der dem Spieler anvertrauten Familie (die immer aus fünf Personen besteht) die größtmögliche Misere angedeihen zu lassen und sie dann umzubringen. LOL. Gewonnen hat, wer am Ende, das erreicht ist, wenn die erste Familie komplett tot ist, am meisten Minuspunkte gesammelt hat!
Es gibt vier Arten von Karten:

Charakterkarten
Charakterkarten

– Die Charakterkarten: Jeder Spieler bekommt fünf davon, die zur selben Familie gehören, und breitet sie vor sich aus. Auf jeder Karte steht der Name des Charakters und ein paar lustige Informationen.

– Die Punktekarten: Diese hat man auf der Hand und sind dafür da, einen Charakter bzw. seinen Wert zu erhöhen oder zu verringern. Da es ja darum geht, seine Familie in das größtmögliche Verderben zu stürzen, legt man die Pluspunkte natürlich bei den anderen Spielern an! Da sämtliche Karten aus durchsichtigen Plastik sind (sehr nett, übrigens!), können sich Punkte auch addieren.

– Die Todeskarten: Diese Karten hat man ebenfalls auf der Hand und besiegeln, wie man sich denken kann, den Tod eines Charakters. Sie werden wie die Punktekarten auf die Charakterkarten gelegt, woraufhin diese (also die Charakterkarten) umgedreht werden, damit man sieht, dass der Charakter tot ist.

– Die Actionkarten: Auch diese Karten hält man in der Hand und spielt sie gemäß dem aus, was darauf steht: So gibt es Karten, die einen Toten wieder zum Leben erwecken können, Karten, die Charaktere aus dem Spiel ausscheiden lassen, Karten, durch die man neue Handkarten ziehen kann etc.pp. Was man damit tun kann, steht komfortabelerweise darauf!

Spielbeginn:
Jeder sucht sich eine Familie aus (ohne sich dabei gegenseitig an den Hals zu springen), legt diese Karten vor sich aus und zieht fünf Karten auf die Hand, die eben aus Punktekarten, Todeskarten oder Actionkarten bestehen können. Jetzt geht es eben erst einmal drum, Plus- oder Minuspunkte zu verteilen.

Spielverlauf:
Und hier zeigt sich die große Stärke, die absolute Genialität dieses Spiels! Denn es ist jetzt nicht so, dass ich ganz schnöde 10 Minuspunkte an einen meiner Charaktere anlegen kann (wir erinnern uns: Je weniger Punkte, desto eher der Sieg, nicht umgekehrt!) – nein, dazu muss ich eine Geschichte erzählen!

Auf den Punktekarten finden sich nämlich nicht nur Punkte, sondern sie tragen auch eine Überschrift. Diese kann zum Beispiel lauten „Wurde von einem Kredithai verprügelt“ oder „Heiratet sich nach oben“. Das erste Beispiel bringt Minuspunkte, das zweite Pluspunkte. Man kann praktisch jede Karte überall anlegen, doch gilt es, der Phantasie freien Lauf zu lassen und sämtliche auf den Karten genannten Prämissen logisch mit dem vorher Passierten zu verknüpfen!
Wie gesagt: Es geht darum, so viele Minuspunkte wie möglich auf seine eigenen Charaktere zu sammeln, gleichzeitig aber auf die anderen Spieler Pluspunkte zu spielen! Wie das nun genau aussieht, sei in einem Beispiel erklärt:

Ich spielte die „Verrückte Erfinder“-Familie, zu der eine bekloppte Professorin gehört, deren Mann als körperloses Gehirn in einem mit Flüssigkeit gefüllten Tank sein Dasein fristet und deren Tochter eine Schabracke mit Monobraue ist, die so hässlich ist, dass sie ihr einen Bräutigam versucht hat zu bauen, wobei der erste Versuch aus einem Frankenstein-Teddybären besteht! Der fünfte im Bunde der Familie ist ein Totengräber, der Frau Professors sezierte Leichen entsorgt.

eine Punktekarte
eine Punktekarte

So, jetzt wird gespielt, aber wie gesagt: Geschichten dabei erzählen! Dies sieht dann zum Beispiel so aus:
Auf die Tochter der Familie spielte ich erst die Karte „Attackiert von einer Seekuh“, was Minuspunkte einbrachte. Mitbewohner David spielte daraufhin die Karte „Einen Drink nehmen“ und „In tiefen Schlaf fallen“, was beide Male Pluspunkte brachte. Jetzt war ich wieder am Zug und wollte eine starke Minuskarte ausspielen. Erzählt habe ich dann jenes (der erste Teil ist nur eine Zusammenfassung des vorher schon erzählten):

„Nachdem die bezaubernde Miss Melissa Slogar nun beim Lustwandeln im Tierpark von Greenwich schwer verwundet worden war und sich im Bestreben, ihre Schmerzen zu lindern, daraufhin dem Trunke ergeben hatte, schlief sie den seligen Schlaf der vermeintlichen Rekonvaleszenz, bis sie ihr eigenes heftiges Röcheln aus dem Traume riss. Unglücklicherweise war ihr entfallen, dass sie, die sie schon von Geburt an an einer schwächlichen Konstitution litt, dem Portwein, dessen berauschende Wirkung in so vortrefflicher Weise am Abend zuvor ihre Pein zu mildern im Stande gewesen war, unter gar keinen Umständen zusprechen sollte, zumal Alkoholika in jedweder Form tragischerweise nicht ohne Grund eine geradezu auszehrende Wirkung auf zarte Ladys und ihre Gesundheit nachgesagt wird. Eben jene kurze Schwäche des Fleisches, aus Schmerz und Agonie geboren, brachte nun ein Leiden zurück, dessen sie sich noch allzu gut erinnerte, war es doch ein altes Gebrechen ihrer Kindheit, welches sie endgültig überwunden geglaubt hatte, nun jedoch heimtückisch und mit aller Macht erneut zuschlug: Sie erkrankte an Tuberkulose!“

So kann eine Geschichte aussehen, und wie ihr seht: Es ist existenziell wichtig, was sage ich: geradezu UNERLÄSSLICH, sich einer altertümlichen und gar fürnehmen Sprache zu bedienen, befinden wir uns doch im viktorianischen England!!! (Das wurde gestern Abend zum beliebten Running Gag!)
Nee, um ehrlich zu sein ist das keine Regel. Aber so macht es mehr Spaß!

Jeder darf während seines Zuges zwei Karten, egal welcher Art, ausspielen oder ablegen, und zieht am Ende seines Zuges wieder so viele Karten, bis er erneut fünf auf der Hand hat. So geht es dann reihum!

Fazit: Das Design der Karten ist lustig und schön schwarzhumorig, das Spielprinzip mal etwas völlig anderes! Wenn man darauf steht, Geschichten zu erfinden, was ich tue, und auch schräg und kreativ bei der Sache ist, was ich bin, dann ist dieses Spiel einfach nur der absolute Hammer! Wobei es wirklich nicht wichtig ist, ob man gewinnt, denn der Spielspaß ist auch so enorm.
Die Nachteile sehe ich darin, dass dieses Spiel bisher leider nur auf Englisch erhältlich ist, was es für (deutschsprachige) Kinder leider ungeeignet macht. Aber da sich auch auf den Karten einer recht hochgestochenen Sprache bedient wird, kann das selbst für Menschen, die gut in Englisch sind, recht problematisch sein. Unsere Lösung: Laptop neben das Spielgeschehen, Leo Dictionary anschmeißen! Darauf griffen wir im Zweifelsfall zurück.

Auch sehe ich die kleine Gefahr, dass sich nach einigen Runden die Geschichten wiederholen. Das sollte allerdings nicht der Fall sein, zumal es auch einige Erweiterungspacks gibt. Desweiteren sind auf allen Punktekarten unten auch Handlungsanweisungen zu finden, die dem Spielgeschehen eine weitere strategische Note hinzufügen. Diese haben wir dieses Mal nicht beachtet, weil wir das Spiel erst kennen lernen wollten, doch handelt es sich hierbei um eine weitere Facette, die eventuelle Abnutzungserscheinungen entgegen steht.

Was unkreative Mitspieler angeht, die sich keine Mühe geben: Einfach nicht mit solchen Leuten spielen!

Mein Urteil: Sapperlot, welch Pläsier! Einem vortrefflichen Spaß in geselliger Runde steht mit diesem famosen Spiel nichts im Wege. Ein Genuss, sowohl für den distinguierten Gentleman als auch das vorlaute Weibsbild! Also eilt geschwind zum Krämer! Cheerio!

Für diese Art Lobhudelei bekomme ich leider kein Geld. Eine Schande! Wenn du ebenfalls dieser Ansicht bist, kannst du selber tätig werden und mich via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen.