Ein feministisches Desaster: Wonder Woman

Seit Wonder Woman vor zwei Wochen in den amerikanischen Kinos angelaufen ist, bricht dieser Film Rekorde. Nicht nur das Einspielergebnis, sondern auch die Ratings auf imdb, Rotten Tomatoes etc.pp. beeindrucken.
Spätestens der inzwischen oft gelesene Spruch „Wonder Woman – der beste DC-Film seit langem!“ sollte allerdings stutzig machen, denn in Anbetracht von Verbrechen an die Filmkunst wie Man of Steel, Batman v Superman und Suicide Squad muss man sich fragen, ob das tatsächlich eine großartige Leistung darstellt.

DC hat mich in der Vergangenheit einfach zu oft enttäuscht, um den euphorischen Berichten glauben zu können. Deshalb habe ich etwas getan, was ich noch nie getan habe und bin am ersten Tag der deutschen Veröffentlichung ins Kino gegangen, um endlich mitreden zu können.

Leider wurde ich erneut enttäuscht, wenn auch ganz anders, als ich vermutet habe. Ich habe einen mittelmäßigen Actionfilm mit feministischen Anklängen erwartet – tatsächlich ist es mir aber nach dem Kinobesuch völlig unbegreiflich, was an diesem Film feministisch oder überhaupt in irgendeiner Weise herausragend sein soll.

Spoilerwarnung – Details zur Handlung, inklusive Plottwists

Wonder Womans erster Coverauftritt, 1942

Einige scheinen zu glauben, Wonder Woman müsse feministisch sein, weil es ein Film mit einem weiblichen Superhelden ist. Das ist aber falsch. Ein Wonder-Woman-Film muss feministisch sein, weil Wonder Woman feministisch ist. Ihr Schöpfer William Moulton Marston erfand sie, weil es ihn ärgerte, dass alle Superhelden männlich waren. Er war selber Feminist und hat mit Wonder Womans Background als Amazone den Inbegriff weiblicher Macht und Unabhängigkeit gewählt. Wonder Woman begleitet Steve Trevor in die Welt der Männer, um den Krieg zu beenden, aber auch, um für die Gleichberechtigung der Frau zu kämpfen (in der Neuinterpretation ihrer Figur Mitte der Achtziger war das sogar der Hauptgrund).

Und schon sind wir mittendrin in der feministischen Kritik. Das ist nämlich etwas, was im gesamten Film nicht mit einem Wort Erwähnung wird.

Dabei betritt Wonder Woman im Film eine Zeit, die inzwischen 100 Jahre in der Vergangenheit liegt. Doch nicht ein einziges Mal stutzt sie oder wird überhaupt wirklich konfrontiert mit dieser Welt, in der Frauen nicht wählen oder Kriegsdienst leisten dürfen oder überhaupt etwas zu sagen haben. Kein Stirnrunzeln, als die versammelten Generäle sich ereifern, weil sie, eine FRAU, es gewagt hat, in ihre Sitzung zu platzen. Nicht ein Wortwechsel zwischen Steve und seinen Compagnons, die ihn fragen, was um alles in der Welt er sich dabei gedacht hat, eine Frau auf ihre Mission mitzunehmen. Und damit auch keine Gelegenheit für Diana, sich gegen diese Behandlung zu wehren – und den Jungs demonstrativ zu beweisen, dass sie trotz ihres Geschlechts alles kann, was sie können, nur besser.

Eine Frau als Präsident? In 1000 Jahren vielleicht.

Es scheint inzwischen als feministisch zu gelten, eine Frau in eine klassische Männerrolle zu stecken und dann so zu tun, als würde das keinen Unterschied machen. Leider werden damit Tatsachen ignoriert, die aber nun mal existieren – heute und noch viel mehr vor 100 Jahren. Wonder Woman kommentiert den Sexismus dieser Welt nicht, sie registriert ihn ja nicht mal. Sie nimmt ihn vielmehr sogar an. Sie akzeptiert ohne Widerrede, dass sie sich nicht öffentlich in ihrer Uniform zeigen darf, auch wenn sie nicht weiß wieso, und lässt sich fügsam aus der Versammlung der Generälen führen, so, wie sie sich eigentlich den ganzen Film über von Steve Trevor führen lässt. Da bleiben auch die wenigen Male, als sie (endlich!) doch tut, was sie für richtig hält, nicht im Gedächtnis und ein Spruch wie „Ich lasse mir von dir nichts befehlen!“ wirkt eher hysterisch in seiner Hilflosigkeit. So typisch Weib eben.

Ich habe mir kein flammendes feministisches Plädoyer von einem Film gewünscht, im Gegenteil. Das wirkt schnell belehrend und nervt. Aber dieses völlige Ausblenden historischer Diskriminierungserfahrungen, sogar die bloße Nicht-Erwähnung des Umstands, dass Frauen im Jahr 1918 normalerweise nicht an die Front reisen und kämpfen – das ist geschichtsvergessen und schlicht ignorant.

Sexismus kennen übrigens auch die Amazonen – denn Männer, das sind für sie ausnahmslos Kriegstreiber, Gewalttäter, Tiere. Diana nun betritt in ihrer Achtziger-Version die Welt der Männer nicht nur als ihre Botschafterin mit dem Auftrag der Befreiung der Frau – sondern lernt, dass es auch gute Männer gibt. Steve ist einer davon, ihre späteren Kollegen Superman und Batman ebenfalls. Diese versöhnliche Botschaft geht über den vulgärfeministischen Ansatz eines William Moulton Marston, der von der Überlegenheit der Frau überzeugt war und sich ein Matriarchat herbei sehnte, weit hinaus und hätte Chancen geboten, die hier gnadenlos verspielt worden sind, weil das Geschlechterthema schlicht und ergreifend völlig eliminiert wurde.

Ein Superheldenfilm ohne Geschlechterthematik? Klar kann man das machen. Aber eben nicht bei Wonder Woman. Und wenn alle, die den Film bisher euphorisch gelobt haben, mal einen Schritt zurück treten würden, dann müssten sie erkennen, dass dieser Film nicht direkt ein feministisches Meisterwerk ist, nur weil im ersten Drittel ein paar durchaus coole Amazonen vorkommen.

Wonder Woman auf dem Cover des feministischen Ms.-Magazins

Allein dadurch wird Wonder Woman zu einem Film, der von dem Geschlecht der Superheldin abgesehen keine feministische Botschaft hat, sogar im Gegenteil unfeministischer ist als so ziemlich alles, was ich in letzter Zeit im Kino gesehen habe. Selbst Deadpool, der eine Frau abknallt, weil er es irgendwie sexistisch findet, wenn er während seiner Tötungsorgie nur bei Frauen eine Ausnahme machen würde, ist da emanzipatorischer. Ist es wirklich zu viel verlangt, sich nur eine einzige Szene zu wünschen, in der Wonder Woman einem Macho, der sie beleidigt, voll auf die Fresse haut?

Aber eine Frau hat Regie geführt! Kaum ein Artikel, der Patty Jenkins‘ Regiearbeit nicht besonders hervorhebt, als handle es sich hierbei um die Entdeckung des achten Weltwunders. Erwähnenswert dabei immer Monster, „Jenkins‘ Oscarfilm“ – tatsächlich hat einzig Charlize Theron, die die Hauptrolle spielte, für den Film einen Oscar erhalten, auch wenn die Formulierung etwas anderes nahelegt. Und da Jenkins seit Monster (von 2003!) keinen Kinofilm mehr gedreht hat, gibt es kaum eine Gelegenheit, ihre bisherige Arbeit zu bewerten und damit auch keine Möglichkeit, ihren persönlichen Stil zu erkennen. Vielmehr ist eine andere Handschrift unverkennbar – Zack Snyders, der bei Man of Steel und Batman v Superman Regie geführt hat und hier sowohl Produzent ist, als auch die Story beigesteuert hat. Slowmotion ist sein filmisches Markenzeichen. Die Zeitlupeneinstellungen während der Kämpfe, mit denen die ohnehin schon überrissene Akrobatik der Amazonen mehr als einmal haarscharf am Rande der Lächerlichkeit taumelt, nehmen den Kämpfen allerdings viel Dynamik und werden schlicht überstrapaziert. Das allerdings ist typisch für Snyder und Grund für so ziemlich allen Spott, den er für seine Arbeit erhält. Neben dem viel zu auffälligen CGI-Effekten natürlich. Diese, sowie sein Hang zu düsteren Farben, sind bei Wonder Woman und vor allem der Darstellung von Themyscira nicht ganz so ausgeprägt wie sonst, aber immer noch störend genug in ihrer Künstlichkeit. Bei Filmen wie 300 (Synders Durchbruch), den ich sehr mochte, war das ja noch neu und passend, aber ich kenne wirklich niemanden, der diesem Stil langfristig etwas abgewinnen kann. Umso unbegreiflicher, dass er immer noch solche Megadeals erhält!

Was allerdings wohl sicher auf Jenkins zurück zu führen ist – und das hat mich tatsächlich positiv überrascht, weil ich das in dieser Deutlichkeit noch nie bemerkt habe – ist das völlige Fehlen des „männlichen Blicks“. Aber selbst dieses wohltuend ungewohnte Stilmerkmal verkehrt sich ins Negative, wenn Steve Dianas zeitgemäße Verkleidung brüsk kommentiert: „Sie sollte doch WENIGER auffällig aussehen!“ – und die Kamera die ganze Zeit auf ihrem Gesicht bleibt. Die Aussage ist nicht nur lächerlich (das graue Kostüm kann man maximal adrett nennen), sondern auch unpassend umgesetzt, da ja aus seiner Sicht gefilmt wird, ohne einen Schwenk über ihren Körper aber der Eindruck entsteht, es sei wirklich nur ihr Gesicht und nicht etwa ihr knappes Superheldenoutfit, was ihn bisher gestört hat. Was hat er sich als Verkleidung vorgestellt, eine Burka?

Hätte ich einen Regisseur nennen müssen, der es versteht, Frauenrollen zu drehen, wäre mir auf Anhieb ein Name eingefallen: Joss Whedon. Das Mastermind hinter Buffy, der vielleicht besten Serie mit einer starken Frau in der Hauptrolle aller Zeiten, war auch verantwortlich für Avengers und hat dort mit Black Widow einen weiblichen Charakter interpretiert, der interessant, cool, stark und wahnsinnig tough ist. Eben das hätte ich mir für Wonder Woman gewünscht und sollte sie im kommenden Justice-League-Film so dargestellt werden, dann ist das ganz allein Whedons Verdienst, der kürzlich für den ausgefallenen Synder als Regisseur eingesprungen ist. Hätte ich gewusst, dass es tatsächlich möglich ist, gleichzeitig für Marvel und für DC zu arbeiten, wäre er als Regisseur für Wonder Woman meine allererste Wahl gewesen.

Tatsächlich war er vor Jahren schon mal im Gespräch gewesen als Regisseur, aber die Verhandlungen darüber scheiterten. So wurde es also Jenkins und wäre sie es nicht geworden, dann eine andere Frau, denn genau das war das alleinige Kriterium, nach dem Warner Bros. den Posten der Regie besetzte. Kompetenz egal, Hauptsache weiblich – das kann ich beim besten Willen nicht als Fortschritt ansehen, vor allem nicht eingedenk des vorliegenden Ergebnisses.

Nach eigener Aussage wollte Jenkins Wonder Woman schon seit Jahren drehen. Umso unverständlicher, warum dann ausgerechnet mit Wonder Womans Abstammung als Tochter des Zeus (der laut Mythologie die Menschen übrigens NICHT erschaffen hat, aber wen interessieren schon solche Details) ein Storyelement in den Film Einzug hielt, das in den Comics erst seit 2011 etabliert wurde. Davor war ihre Schöpfung aus geformten Lehm Kanon gewesen – SIEBZIG JAHRE LANG.
Änderungen wie diese passieren in Comics häufig und regelmäßig und so gut wie immer sind die alteingesessenen Fans damit unzufrieden. Aber obwohl mir schon oft Pingeligkeit vorgeworfen wurde bei meiner Kritik an Neuheiten oder nicht-werkgetreuen Adaptionen, weigere ich mich, das dieses Mal gelten zu lassen. Was DC damals angerichtet hat, geht weit über die üblichen Umgestaltungen hinaus und hat der Wonder Woman als Figur massiven Schaden zugefügt.

Und das wird nun auch auf die Leinwand getragen: Nicht Hippolyte, die als Herrscherin über ein ganzes Volk voll starker, wunderschöner Frauen glücklich sein müsste, es aber nicht ist, weil sie sich nichts mehr wünscht als ein Kind, erschafft Diana. Zeus ist es. Doch zeugt er kein Kind der Liebe (oder auch nur der Lust), sondern eine Waffe gegen seinen entfesselten Sohn. Diana ist damit Mittel zum Zweck, kein vaterloses Wunder aus Lehm, dem Aphrodite aus Gnade gegenüber der flehenden Hippolyte Leben einhaucht, einer Tochter, die sie schuf um ihrer selbst willen, von den Göttern des Olymps ausgestattet mit Kräften weit über das menschliche Maß hinaus. Nein, stattdessen ist sie lediglich ein weiblicher Halbgott, wie es sie zu Dutzenden gibt. Und so stellt sie sich dann auch ihrer Bestimmung, nicht weil sie getrieben ist von ihrem unbedingten Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit, sondern weil Zeus, ihr Vater, ein Mann, das eben so geplant hat.

Das ist mehr als nur ärgerlich. Es ist traurig. Und es macht die Figur schon auf der untersten konzeptionellen Ebene unfeministisch. Tatsächlich ist es so, als hätte man ihr damit die Seele ihres Schöpfers ausgetrieben. Der Film nun, der nicht verpflichtet gewesen wäre, dieser Neuinterpretation zu folgen, tut das nicht nur, sondern verhöhnt auch noch die ursprüngliche Idee. „Ach ja, du wurdest ja aus LEHM geformt,“ spottet Steve – und das ist zusätzlich auch noch unfassbar arrogant. Mit welchem Recht spuckt die Filmadaption auf eine Originstory, die im ersten Moment für Nicht-Comicleser vielleicht lächerlich klingt, sich aber wunderbar in das mythologische Setting einfügt, wesentlich origineller ist als die meisten anderen Superheldenentstehungsgeschichten und darüber hinaus noch die tiefgründige Bedeutungsebene der vaterlosen Geburt trägt?

Mein erster DC-Comic war Wonder Woman – und ich war als Kind absolut fasziniert von ihrer Geschichte, auch wenn ich diesen Subtext noch nicht verstand. Mein Fanherz blutete bei Steves Spott und mir ging das Messer im Sack auf. Ist es da ein Wunder, dass DC seit Jahren im Kino keinen Fuß auf den Boden bekommt, wenn sie so mit ihren Schöpfungen umgehen?

Abgesehen von dieser dezidiert feministischen Kritik möchte ich allgemein von der eigentlichen Handlung noch zwei weitere Dinge heraus stellen, die mir besonders negativ aufgefallen sind.

Zum einen wäre da die reichlich seltsame Entscheidung, das Setting von Wonder Woman, deren Historie über 75 Jahre eng mit dem 2. Weltkrieg verbunden war, in den 1. Weltkrieg zu verlagern. „Intelligent“, findet die FAZ, Nazis seien ja so ausgelutscht. Kann man so sehen, allerdings wusste selbst die grenzdebile Sarah-Palin-Doppelgängerin in Iron Sky, dass es keine besseren Schurken gibt als Nazis. Deshalb funktioniert die Änderung des Settings auch aus dem gleichen Grund nicht, aus dem Kriegscomics nach dem 2. Weltkrieg aus der Mode kamen, obwohl mit dem Koreakrieg der nächste große Konflikt gar nicht lange auf sich warten ließ: Das Feindbild ist einfach nicht besonders gut. Den 1. Weltkrieg allein Deutschland anzulasten, selbst wenn es unter dem Einfluss von Kriegsgott Ares stand, ist historisch bestenfalls fragwürdig und nötigt den Zuschauern einiges ab. Nazis dagegen, als alleinige Aggressoren, Hassprediger und Massenmörder schon schlimm genug, aber mit ihrem Mutterkult und einem Rollenbild, in dem die Frau nur als Gebärmaschine und gehorsame Dienerin ihres arischen Mannes Platz hat auch der Inbegriff eines Patriachats – das wäre was gewesen. Es ist nicht ausgelutscht, wenn es funktioniert.

Tatsächlich wollte DC wohl einfach keinen Superheldenfilm mit Nazis drehen, wenn Marvel das doch schon mit Captain America vorgemacht hat. Aber die haben halt trotzdem kein Patent auf Nazis, und wenn man schon solche Angst vor Plagiaten hat, sollte man nicht General Ludendorffs Chefchemikerin eine Substanz erfinden lassen, die frappierend an Captain Americas Superserum erinnert, darüber hinaus aber nahezu keine Storyrelevanz besitzt.

Gleichzeitig mit dem Settingwechsel wird damit auch jegliche Verbindung zu Amerika gekappt. Nun ist der Standort USA neben Feminismus und griechischer Mythologie aber ein integraler Bestandteil der Figur. Wonder Woman ist schlicht eine amerikanische Heldin, nicht gerade in dem Maße wie Captain America, aber nah genug dran. Vor einigen Tagen schien sich das ganze Internet darüber zu amüsieren, dass FOX den fehlenden Patriotismus der Figur bemängelte, aber leider hat diese Kritik, so lächerlich sie auch wirken mag (und so antisemitisch motiviert sie in Wahrheit möglicherweise ist), einen wahren Kern, wenn man bedenkt, dass tatsächlich nicht ein einziger Amerikaner – von einem amerikanischen Ureinwohner an der belgischen Front einmal abgesehen – in diesem Film vorkommt. Der Frage, warum Wonder Woman dann ein Star-Spangled-Banner als Kostüm trägt, wurde zwar aus dem Weg gegangen, indem man die Sterne einfach wegließ – die Assoziation bleibt aber, denn Wonder Woman ist nun mal eine Ikone der Popkultur, deren Darstellung auch der bisher desinteressierteste Kinobesucher irgendwann schon einmal irgendwo gesehen hat. Das lässt sich nicht einfach so wegwischen, selbst wenn es die Verantwortlichen wirklich versucht hätten, wovon man aber wiederum nichts merkt. Gleichzeitig beweisen Dianas im Laufe des Films zunehmend übermenschliche Fähigkeiten bzw. der Umstand, dass diese bis zur Enthüllung ihrer Herkunft nicht erklärt werden, dass beim Publikum minimales Wissen um die Figur vorausgesetzt wird, was damit ja auch wieder inkonsequent ist.

Der zweite Punkt betrifft die Weglassung des Contests. In bisher fast jeder Adaption musste Diana zuvor eine Reihe von Wettkämpfen bestreiten, bis feststand, dass sie die beste Kämpferin unter den Amazonen und damit würdig ist, den Titel „Wonder Woman“ (sowie das dazu gehörige Kostüm und das Lasso der Wahrheit) zu tragen. Im Film dagegen entschließt sie sich einfach, die Insel zu verlassen, und handelt damit gegen den erklärten Befehl ihrer Mutter und Königin (deren hervorstechendes Merkmal ist aber ohnehin, dass sie sich erst über missachtete Befehle ereifert und dann doch nachgibt, worüber ich mir jetzt jeglichen Kommentar spare).
Der Unterschied ist offensichtlich: In der Ursprungsversion hat sie sich die Ehre VERDIENT, während sie in der Filmversion durch die Untätigkeit der Amazonen regelrecht dazu getrieben wird. Die Betonung ihrer edlen Gesinnung geht also zu Lasten derer ihres Volkes, dem die Kriegsopfer in der Außenwelt damit anscheinend ziemlich egal sind.

Natürlich MUSS ein Film, der nun mal eine begrenzte Laufzeit hat, an manchen Stellen gekürzt werden. Aber der Contest ist meiner Meinung nach zu essentiell, um gestrichen zu werden – anders als der Kampf der Amazonen gegen die eindringenden Deutschen. Natürlich: Man wollte sie kämpfend, eben in Aktion zeigen – aber gerade das wäre doch auch beim Contest der Fall gewesen. Und damit wäre auch die peinliche Frage vermieden worden, wieso die mächtige magische Barriere um Themyscira offensichtlich von jeder kleinen Nussschale von einem Boot durchbrochen werden kann.

Antiope, Dianas Tante und Ausbilderin (die in den Comics übrigens schon seit Jahrzehnten von der schwarzen Amazone Philippus verkörpert wird, was die große Masse der radikalfeministischen Wonder-Woman-Neufans glücklicherweise nicht weiß und wir damit einer weiteren ermüdenden Whitewashing-Debatte entronnen sind), hätte außerdem nicht sterben müssen. Das inzwischen nur noch nervige und dämliche Klischee eines toten Familienmitglieds als Motivation des Helden, das in Barry Allens (The Flash) ermordeter Mutter einen traurigen Höhepunkt gefunden hat, wäre vermieden worden. Vielmehr hätte sich hier die Möglichkeit geboten, Diana WIRKLICH als würdigste Kandidatin zu zeigen – indem sie Antiope im Kampf Frau gegen Frau erstmals besiegt. Die Schülerin übertrifft die Meisterin, Antiope senkt respektvoll ihr Haupt – wie großartig wäre das bitte gewesen.

Ich glaube, das hätte man durchaus unterbringen können. Natürlich hätte man dann an anderer Stelle kürzen müssen, aber bedenkt man die pure Dämlichkeit des eigentlichen Plots, wäre hier weniger eine Kürzung denn eine komplett andere Story nötig gewesen. Bis hierhin war der Verriss größtenteils eine Kritik an der ADAPTION einer Figur, die ich bereits vorher kannte. Aber auch als normaler Superheldenfilm ist Wonder Woman EINFACH NICHT GUT. Ludendorffs Plan, das neu entwickelte Supersenfgas gegen die englische Zivilbevölkerung einzusetzen, ist am Ende ein Twist aus dem Nichts und als Storyelement so löchrig wie die Gasmasken nach einer Behandlung mit eben diesem. Denn für einen solchen Angriff wäre keine jahrelange Forschung nötig gewesen – oder trägt etwa jeder Londoner eine Gasmaske im Bett, die man erst aufwendig zersetzen muss, bevor das Gas seine tödliche Wirkung entfalten kann? Überhaupt, was macht London als Ziel attraktiver als Paris, Moskau, Washington? Der gesamte Plan wirkt wie eine Rachaktion, wenn man auch nicht weiß für was – einen kriegsstrategischen Sinn vermag ich dahinter jedenfalls nicht erkennen, sofern Ludendorff nicht vorhat, die gesamte Weltgemeinschaft noch mehr gegen Deutschland aufzubringen und den Krieg auf diese Weise zu beenden, weil ihm die schon laufenden Waffenstillstandsverhandlungen irgendwie zu konventionell sind. Mein Gott, ist das so blöd! Ähnlich schwammig und verwirrend wirkt dann auch Ares‘ Plan, den ich nicht mal wiedergeben könnte, weil er total an den Haaren herbei gezogen ist.

Und selbst wenn man über so etwas in einem Actionfilm, der nicht zwangsläufig intelligent oder auch nur schlüssig sein muss, hinweg sehen kann, hat der Film noch weitere Probleme. Die Spezialeffekte machen stellenweise einfach fassungslos. Schon in der Szene, in der Diana als Kind von der Klippe springt (warum auch immer), also gerade mal gut 5 Minuten im Film, sind die Hintergründe so grauenhaft schlecht animiert, dass ich im Kino wirklich die Hände über den Kopf zusammen schlug. Ein Film mit diesem Budget, und DAS kommt dabei heraus?! Es gibt Filme, die zwanzig Jahre und mehr auf dem Buckel haben und trotzdem bessere Effekte aufweisen können. Und die wurden noch mit Bluescreen gedreht! Leider kein einmaliger Ausrutscher, sondern fast in jeder Szene mit Special Effects, vor allem bei Wonder Womans Kampfszenen, zu bestaunen. Allein dafür könnte man schon fast sein Geld zurück verlangen. Das Studio weiß offensichtlich sowieso nichts damit anzufangen!

Und ja, ich weiß, dass das niemand hören will – aber Gal Gadot ist eine BESCHISSENE Schauspielerin. Schon bei ihrem ersten Auftritt zeugt ihr Gesichtsausdruck von ihrer Karriere als Model, denn der Blick ist alles, nur nicht natürlich. Sie ist wunderschön, klar, aber gibt es in Hollywood solche Frauen nicht zu Hunderten, die deutlich besser schauspielern können? Da sie zuvor praktisch unbekannt war, kann dieser Faktor da auch keine Rolle gespielt haben. Das ist in der Tat eine Besetzung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann und versaut mir auch noch den Spaß an den Szenen, die nicht pointless, unfreiwillig komisch oder auf andere Weise schlecht sind!

Fazit: Trotz der ikonischen Hauptfigur und einer reichen Veröffentlichungshistorie, aus der man sich bei Story und Konzeption hätte bedienen können, wurden bei Wonder Woman eigentlich nur falsche Entscheidungen getroffen – personell, narrativ, dramaturgisch. Das Ergebnis ist dann vom feministischen Standpunkt aus ein absolutes Desaster und auch ansonsten einfach kein guter Film, weder für normale Kinogänger, als auch im noch größeren Maße für Fans. Hätte man dieselbe Mühe, die man anscheinend darauf verwendet hat, Wonder Woman alles Feministische auszutreiben, in die Entwicklung einer guten Story gesteckt, wäre der Film ein Meisterwerk geworden. So ist er nur ein schreckliches Vorzeichen auf das, was mit Justice League noch kommen mag. Aus den Lobeshymnen kann man indes nur schließen, dass die Latte für DC-Produktionen inzwischen wirklich gewaltig niedrig hängt – und eine Frau als Hauptperson, die nicht eindeutig sexistische Klischees bedient, offensichtlich schon reicht, um das Label „feministisch“ zu verdienen.

Damit ist nicht Wonder Woman der beste DC-Film seit Langem, sondern weiterhin The LEGO Batman Movie und mein Gott, wie traurig ist das bitte.

Wenn du den Schmerz ein wenig lindern willst, freue ich mich über eine kleine Spende via Paypal in Form einer Tasse Kaffee. Nur brauche ich in diesem Fall Schnaps, aber das ist hoffentlich auch ok.

7 Filme, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst

Was eignet sich in Zeiten, in denen ich eigentlich unter Hochdruck Bewerbungen schreiben müsste, besser als Prokastinationshilfe, als endlich einen Artikel zu liefern, den ich schon vor über eineinhalb Jahren versprochen habe? Zeigt dieser Umstand doch die ganze Misere meiner peinlichen Lebensunfähigkeit auf :3

Ein weiteres Problem bei der Fertigstellung war allerdings, dass mir lange Zeit einfach ums Verrecken kein 7. Film eingefallen ist. Als dies dann aber doch passierte, hätte der betreffende Film passender nicht sein können. Er ist nun meine Nummer 1! Damit Vorhang auf für…

7 Filme, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst

Platz 7: American Pie
Im allerersten Kommentar unter dem anderen Artikel („7 Filme, die ich hasse, obwohl sie jeder liebt“) schrieb jemand, sie wäre vielleicht wohl ein wenig einfach gestrickt, weil ihr die Filme, die ich aufgezählt habe, alle gefielen… tja, wie soll man nun DAS nennen?
Ich kann nichts dagegen tun. Ich liebe, liebe, LIEBE dumme Teenager- oder Collegekomödien aus den späten 90ern einfach sehr hart. Ich hätte diese Liste problemlos nur mit solchen Filmen füllen können (habe es aber aus Gründen der Varianz nicht getan).
American Pie ist nun der ungekrönte König dieser Filme. „Pubertär“, „hirnlos“ und „dumm“ hat man ihn in meiner Gegenwart schon genannt – worauf ich nichts anderes antworten kann als: „Und trotzdem ist er witzig!“
Wobei, ist er wirklich so blöd? Eigentlich kam er damals mit einem ganzen Haufen guter Ideen um die Ecke. Die Hauptcharaktere sind alle auf ihre Art grundsympathisch, ihre Motivation nachvollziehbar, die jeweilige Auflösung für jeden einzelnen passend.
Und das Ende! Ist es nicht herzig?
Der zweite Teil war dann auch eigentlich genau so gut, weil er den ersten Teil praktisch eins zu eins kopierte. Es ist richtig cool zu sehen, dass wirklich jeder noch so unwichtige Nebencharakter (sogar Typen, die im ersten Teil nur mal im Hintergrund durchs Bild gerannt sind) im zweiten Teil wieder auftaucht und alle relevanten Plotlines genau so, nur halt anders, nochmal durchgehechelt werden.
Der dritte Teil fiel demgegenüber extrem ab, weshalb ich ihn überhaupt nicht mag, aber der vierte Teil macht dann wieder alles richtig. Das war Nostalgie pur.
Fazit: American Pie ist immer noch und für alle Zeit der perfekte Streifen für schnapsselige Filmabende – egal, wie blöd er ist!

Platz 6: Unbreakable
Viele Leute setzten große Hoffnung in diesen Film, der nach dem Überraschungserfolg von „The Sixth Sense“ das zweite große Projekt von dem damals als Regie-Wunderkind gefeierten M. Night Shyamalan war. Diese Erwartungen wurden enttäuscht, die meisten fanden den Film zum Gähnen langweilig.
Nun, es IST natürlich wahr, dass M. Night Shyamalan als Regisseur einige unverwechselbare Charakteristika mitbringt, die man tatsächlich nicht gerade actiongeladen nennen kann, und ja, auch mir geht es auf den Sack, dass er es schafft, jeden noch so guten Schauspieler sämtliche Schauspielkunst aus dem Leib zu prügeln und ihm dafür einen einzigen starren Gesichtsausdruck verpasst, während er viel zu lange viel zu pseudo-tiefgründige Gespräche führt und der überraschende Twist am Ende obligatorisch und daher null überraschend ist.
Und trotzdem hat mir der Film gefallen, was einzig und allein an der Prämisse liegt. Bis dahin habe ich nie darüber nachgedacht, aber es ist doch wahr: Wenn es Leute gibt, die an schrecklichen Krankheiten leiden, dann müsste es doch tatsächlich auch Leute geben, die irgendwie unzerstörbar sind. Vielleicht nicht ganz so wie im Film (mal ehrlich, dass er am Ende sogar telepathisch und präkognitiv veranlagt ist, kommt doch ein bisschen zu sehr aus dem Nichts), aber trotzdem. Und gibt es für Superheldenfans nichts schöneres, als einen fast schon logisch zwingenden Beweis dafür, dass es vielleicht, so ein ganz kleines bisschen, in Echt Menschen mit Superkräften geben könnte?
Es ist sicher kein Film, den ich mir zum Spaß noch ein Dutzendmal ansehen werde, weil „Shyamalan“ wohl das indische Wort für „das Gegenteil von Spaß“ ist. Aber auch wenn ich absolut nachvollziehen kann, warum man den Film nicht mag, mag ich ihn trotzdem.

Platz 5: Das Wunder von Bern
Inzwischen gilt ja so ziemlich alles, was in welcher Form auch immer einen nostalgischen Blick auf unser Heimatland wirft, als nazihaft irgendwie ein bisschen anrüchig. Und das deutsche Kino sehen ohnehin viele als größte Lachnummer überhaupt an.
Diesen Menschen empfehle ich dringend die unfassbar schlechte, offen gewaltverherrlichende und – lustigerweise! – latent nazihafte amerikanische Adaption des deutschen Kinoklassikers „Das Experiment“. Allen anderen sei hiermit mitgeteilt, dass ich „Das Wunder von Bern“ für einen großartigen Film halte, den ich mir immer wieder gerne ansehe – spätestens zur nächsten WM! Trotz einiger eindeutiger Fehler (so ist Fritz Walters, meines ewigen Fußballhelden, Dialekt anscheinend nicht richtig wiedergegeben! Skandal!) und der etwas tränendrüsigen Filmmusik bietet er genau die leichtfüßige Berieselung, die ich bei einem meiner Lieblingsgenres, nämlich dem auf Entertainment ausgelegten historischen Film, so schätze. Damit ist er nicht nur für Fußballfans interessant, sondern in der Tat ein treffendes Sittengemälde der frühen 50er Jahre! Hände hoch, wer die spritzigen Wortgefechte zwischen dem Journalisten und seiner Ehefrau nicht großartig findet.

Platz 4: Manta Manta
Bleiben wir doch bei Meisterwerken der deutschen Kinokunst!
Ich mag nicht nur billige Teenagerkomödien und seichte Historienfilme, sondern auch deutsches Prekariatskino! Als solches ist „Manta Manta“ wohl die Blaupause für alles, was danach kam. Besondere Aufmerksamkeit verdient er aber auch, weil er der letzte gute Film von Til Schweiger war!
Diese witzige Peinlichkeit hat mich sogar zur Idee einer Fortsetzung inspiriert: 20 Jahre nach den Ereignissen des 1. Teils findet die Tochter von Manni (Schweiger) seinen alten Manta irgendwo in einer Garage und macht ihn wieder flott, um die Bonzen an der Uni aufzumischen, während Manni irgendwie damit klar kommen muss, dass seine Tochter 1. studiert und 2. ein Mädchen ist. Das, sowie die Beantwortung der Frage, was aus den Protagonisten des 1. Teils geworden ist, bietet so viel Raum für Gags, Mario Barth wäre begeistert! Am Ende dann Versöhnung, die Erkenntnis, dass jedes Arbeiterkind, das es an die Uni schafft, ein Stück Proll im Herzen bewahren soll und ein megamäßig aufgepimpter Manta, natürlich der heimliche Star des Ganzen (wo er doch neben Til Schweiger sowieso der eindeutig bessere Schauspieler ist). Mantas sind ja auch einfach geile Autos, trotz ihres ungerechtfertigt schlechten Rufs! Ich denke, das könnte ein totaler Hit werden, aber vermutlich ist sich Til Schweiger inzwischen zu fein für sowas. Ich bin mir jedenfalls nicht zu fein für das Geständnis, wie sehr ich diesen Film immer noch feiere! Er lindert mich über den Schmerz hinweg, dass mein Stiefvater seinen (schwarzen! OMG!) Manta schon vor Jahrzehnten verkauft hat.

Platz 3: Titanic
Hier gilt ähnliches wie bei der Nennung von „Avatar“ in der anderen Liste. „Avatar“ war vielleicht der erfolgreichste Film aller Zeiten, wird aber sicher nicht von allen geliebt, und „Titanic“ hasst jeder, obwohl auch dieser Film einst Rekorde brach. Man mag es ein bisschen willkürlich nennen, aber meiner Empfindung nach ist „Titanic“ nun doch im Rückblick für die breite Masse ein eindeutig schlechter Film, Rekorde hin oder her.
Aber das völlig zu unrecht! Ich meine – ich sehe, welche Probleme viele mit dem Film haben. Eine kitschige Liebesgeschichte, natürlich, wie lame! Gerne wird dabei aber vergessen, dass „Titanic“ in erster Linie ein Katastrophenfilm, sprich pure Action ist! Und die sieht 20 Jahre nach der Veröffentlichung des Machwerks immer noch verdammt gut aus. Wesentlich besser als das meiste von dem, was uns heute als unispiriertes CGI vorgesetzt wird.
Doch nicht nur das! Die Kostüme! Das Design! Die hervorragend besetzten Schauspieler! Ich meine, allein Billy Zane reißt die Rolle des Schurken, der im Grunde genauso motivationsfrei und billig daher kommt wie seine Entsprechung in „Avatar“ aber sowas von raus! Er rockt seinen Charakter! Nie war ein Kotzbrocken hassenswerter!
All das macht es wert, dass man die Ressentiments gegen den Hype zu diesem Film mal gründlich überdenkt und dann vielleicht zum Schluss kommt, dass er doch sehr gut unterhält!

Platz 2: Independence Day
Wir nähern uns der Zielgeraden mit einem Film, über den ich die letzten 15 Jahre eigentlich noch nie was positives gehört habe.
Denn ja, ich mag nicht nur billige Teenagerkomödien, seichte Historienfilme und deutsches Prekariatskino, sondern auch den Blockbuster-Actionfilm der 90er Jahre! Auch hier habe ich der Varianz wegen darauf verzichtet, die gesamte Liste nur mit Filmen wie diesem zu füllen.
Bevor Christopher Nolan, den ich ja bekanntermaßen hasse, mit dafür sorgte, Actionfilme dark und gritty und nolandish zu machen, waren Actionfilme bombastisch, herrlich unrealistisch und witzig. Denn Scheiß auf Pseudorealität – ich bin ein einfaches Mädchen und will Explosionen, übermächtige Freizeithacker und Hunde, die in letzter Sekunde gerettet werden!

Natürlich kann ich auch hier die Kritik nachvollziehen. Aliens greifen die Amis an, Amis blasen zum Angriff, ein überheroischer Präsident (noch dazu vermutlich Republikaner!) hält eine patriotische Rede, Amis retten die Welt und über all dieser hirnlosen Action weht das Star-Spangled Banner.
Klar, lebensfremde Action, übertriebener Pathos und völliger Unrealismus können schon nerven. Aber wisst ihr… das, was der Film macht, macht er trotzdem gut. Roland Emmerich wird als Ausländer den überrissenen Patriotismus seines Werkes wohl selber bemerkt haben. Mehr noch, ich stelle mir ihn sogar vor, wie er sich vor sein Produktionsteam stellt und sagt: „An diese Stelle soll nun eine patriotische, pathetische Rede. Und wisst ihr was?! Wir geben ihnen die PATRIOTISCHSTE, PATHETHISCHSTE REDE ALLER ZEITEN!!!“ Und genau so war es dann auch!
Ich meine, wer um alles in der Welt kann sich ernsthaft daran stören, dass alle Hauptcharaktere vom Anfang bis zum Ende immer nur haarscharf einer Katastrophe entkommen sowie die Lösung an den Haaren herbei gezogen ist und das „unrealistisch“ nennen – wenn es einfach gottverdammt spannend ist? Und da ist es mir eben scheißegal, ob es Explosionen im Weltraum geben kann oder Will Smith nur durchs Zusehen lernt, wie man eine Alienuntertasse steuert, weil es halt geil aussieht! Das mag auch wieder sehr seicht wirken – aber warum zur Hölle auch nicht? Den ganzen Tag sehen, lesen und hören wir von Tragödien, Kriegen, Umweltzerstörung, Mord und Totschlag – was ist also falsch daran, wenigstens für die Dauer eines abendfüllenden Actionfilms mal die Welt ohne mich weiter rotieren zu lassen, die Füße hochzulegen und mich verdammt nochmal gut unterhalten zu lassen? Gute Unterhaltung muss nicht tiefgründig sein und seichte Unterhaltung kann trotzdem wahnsinnig gut gemacht sein! Wenn ihr das nicht glaubt, dann schaut euch zum Vergleich einfach mal die Fortsetzung des Films an, denn DIE macht NICHTS richtig!
Nennt „Independence Day“ meinetwegen den professionellsten Trashfilm aller Zeiten, wenn ihr einen ironischen Grund braucht, um ihn euch anzusehen, bevor ihr ihn zerreißt. Aber messt ihn doch bitte nicht an Maßstäben, die er niemals erreichen wollte, und verurteilt ihn nicht dafür, reines Popcornkino ohne großen Anspruch bieten zu wollen. Denn das ist nicht nur völlig legitim, sondern macht auch einfach Spaß!

Platz 1: Wolverine
Hier ist er. Meine Nummer Eins. Der Film, der Fans auf der ganzen Welt zum Heulen gebracht und mir trotzdem gefallen hat.
Bei jedem anderen Film dieser Liste kann ich die Kritik daran nachvollziehen, teile aber einfach die Schlussfolgerung nicht. Dieser Film ist anders. Tatsächlich habe ich nicht mal gemerkt, welche Probleme er hat, bis ich die Kritiken las. Mein Urteil nach der ersten Sichtung war dann auch unbedarft positiv. Hugh Jackman, eine Filmcollage am Anfang, die mich wirklich geflasht hat, Hugh Jackman, viele Mutanten, Hugh Jackman, geile Kampfszenen, Hugh Jackman, coole Klamotten, Hugh Jackman… das sind doch alles Zutaten für einen guten Film, oder? Kein Meisterwerk, sicher, aber ich war dennoch völlig befriedigt rundherum zufrieden.
Bis ich, wie es meine Gewohnheit ist, Rezensionen zum Film las – die mir plötzlich ausführlich, nachvollziehbar und leider sehr logisch darlegten, was für eine grottige Umsetzung dieser Film darstellt… und was für ein Idiot ich war, ihn zu mögen.
Das kommt ja nicht oft vor, aber ich saß wirklich völlig sprachlos vor all diesen Argumenten und schrumpelte bei jedem bissigen Kommentar noch mehr zusammen, während ich mich vor Verlegenheit wand. Denn ich habe ihnen nichts, aber auch wirklich gar nichts entgegen zu setzen. Außer nun mal das (bitte in piepsiger Stimme lesen): „Ich mag ihn aber trotzdem.“
Nie klaffte meine eigene Meinung und die Auffassung der breiten Masse weiter auseinander, ohne dass ich mich dafür rechtfertigen konnte. Außer den Umstand, dass ich nun mal kein Fan der Marvelcomics bin und mir deshalb die katastrophale Umsetzung von Deadpool zumindest damals noch ziemlich am Arsch vorbei ging, habe ich auch nichts zu meiner Verteidigung vorzubringen. Habt also Mitleid mit mir!

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7 Filme, die ich hasse, obwohl sie jeder liebt

Ich habe letzte Woche schreckliches Ungemach auf mich gezogen. Ich posaunte etwas zu laut herum, meine Bildungslücken im Bereich Film schließen zu wollen, weshalb die Mitbewohner mich zwangen, „Star Wars“ mit ihnen anzusehen. Ich habe noch keinen einzigen der Filme ganz gesehen, also nahmen sie das zum Anlass und veranstalteten mit mir einen Marathon mit der Original-Trilogie, die beide lieben.

Danach mochten sie mich nicht mehr. Aber was soll ich dagegen machen. Ich fand die Filme einfach nicht so doll. Es wäre sicher anders, wenn ich sie schon als Kind gesehen hätte. Aber so?

Ich hätte bei dem Thema sogar mal ausnahmsweise die Fresse gehalten, weil ich aus purer Nerd-Solidarität wirklich keine Star-Wars-Fans beleidigen will. Aber man wollte mein Urteil ja unbedingt hören. Zurück bleiben zwei völlig fassungslose Mitbewohner und eine auch nicht sonderlich begeisterte Twitter-Followerschaft.

Da dachte ich mir: Ist der Ruf schon ruiniert, kann ich auch noch einen draufsetzen und eine kleine Liste zusammen stellen mit Filmen, von denen die Menschheit total begeistert ist… und die ich allesamt zum Kotzen finde. So eine Gelegenheit kriege ich vielleicht nie mehr!

(Als kleiner Trost für alle Star-Wars-Fans, die es bis hierher geschafft haben, möchte ich euch Hemators Blog ans Herz legen, falls ihr ihm nicht sowieso schon folgt. Der Junge kennt sein Franchise!)

7 Filme, die ich hasse, obwohl sie jeder liebt

Platz 7: Antichrist
Fangen wir mal locker an mit einem Film, den ganz sicher NICHT jeder liebt, der aber trotzdem auf diese Liste gehört, weil er eine Zeitlang von der selbsternannten kulturellen Elite gelobt worden ist, bis mir die Ohren bluteten. Denn dieser Film ist SCHEISSE. Er ist EKLIG, er ist PSEUDO, er ist LANGWEILIG. Und er ist ein Paradebeispiel für alles, was im Arthouse-Kino falsch läuft, denn nur, weil man eine völlig wirre Story in Schwarz-Weiß oder mit seltsamen Bildfiltern dreht und das Ganze mit italienischen Opernarien unterlegt, werden sinnlos widerliche Splatterszenen noch lange nicht zur Kunst!
Meine alten Mitbewohner waren ja ach so schockiert, dass ich den Film nicht total feierte. Die konnten ernsthaft nicht verstehen, was ich an diesem Machwerk schlecht finden konnte. Diese dämlichen Hipster mit ihren reichen Eltern! Einer erklärte mir bedeutungsschwanger, dass Lars von Trier während der Dreharbeiten an Depressionen litt (als wäre es nun meine Pflicht, diesen Müll nur deshalb gut finden zu müssen), während der andere über die Tiefsinnigkeit schwadronierte. Allein diese religiösen Bezüge mittels dieser Bibelgeschichte von den drei Bettlern…
Ich, die dumme Kulturverächterin aus dem katholischen Hinterland, musste ihm dann erklären, dass es eine solche Geschichte nicht gibt. Was nochmal auf ne ganz andere Art armselig ist. Wenn man in der Bibel keine Geschichte findet, die zu dem Müll passt, den man drehen will, sollte man vielleicht nicht einfach eine erfinden, nur um belesen zu wirken!
Dass man diesem Film dann auch noch unfassbaren Frauenhass vorwerfen kann, interessiert mich ehrlich gesagt schon gar nicht mehr, denn jede vertiefte Interpretation ist pure Zeitverschwendung und davon hatte man nach 100 endlos langen Filmminuten schon mehr als genug.
Antichrist – das Gegenteil von Kinovergnügen! Es ist mir egal, ob man mich wegen dieser Meinung für dämlich hält.

Platz 6: Ich – Einfach unverbesserlich
Dieser Film war lange Zeit in meinem Freundeskreis DER Animationsfilm, auf den alle total abgegangen sind. Weil er ja so WITZIG wäre.
Tatsächlich ist er das nicht. Klar, er hat seine Momente
its so fluffy
aber insgesamt war mir die Lacherdichte doch nicht groß genug. Ich kucke Animationsfilme ganz sicher nicht, weil ich sie für total tiefgründig halte, aber das ist wirklich der einzige, bei dem ich jemals so unangenehm daran erinnert wurde, dass ich eigentlich schon zu alt für diesen Scheiß bin.
Viele Animationsfilme funktionieren auf zwei Ebenen – für Erwachsene und Kinder. Dieser dagegen fand ich einfach NUR kindisch albern. Das geht mit der doofen Story los, setzt sich fort beim zuckrigen Design und endet bei den unterkomplexen Charakteren.
Alles in allem ein Film, den ich sicher nicht wirklich hasse, den ich aber einfach nicht noch mal sehen will, doch weil mir das niemand lassen wollte und ich seit Jahren von allen Seiten mit diesen blöden Minons traktiert werde, hasse ich ihn jetzt halt doch!

Platz 5: The Incredibles
Man sollte meinen, als Superheldenfan müsste ich „The Incredibles“ total feiern. Tatsächlich ist das mal ein Film, der ich regelrecht sauer gemacht hat. Lustigerweise stört mich hier das Gegenteil von dem, was mir bei „Ich – Einfach unverbesserlich“ auf den Sack geht. Es ist, als hätte Christopher Nolan (oh, zu dem kommen wir noch…) einen Pixar-Film gedreht. Ich halte mich bei gruseligen Dingen, die man Kindern zutraut, für relativ schmerzfrei (so bin ich wohl auch die letzte Verfechterin des „Struwwelpeters“ als Lektüre schon für Vorschulkinder), aber dies war wirklich der erste und einzige Animationsfilm, bei dem ich dachte „Mein Gott, sowas kann man doch nicht bringen“.
Besonders ist mir hier diese eine Szene im Gedächtnis geblieben, nachdem das Flugzeug mit der Familie auf dieser Insel abgestürzt ist. Die Mutter beschwört dann ihre völlig verängstigte Tochter, sich zusammen zu reißen, denn „Die wollen uns töten“ oder so, und das alles mit megacreepy Stimme. Das ist… einfach too much! Spannung, ok, Grusel, klar, aber irgendwie fehlt mir hier etwas, das diese Elemente für Kinder auf eine Weise umsetzt oder abfedert, die sie ertragen können.
Was ist außerdem die Message des Films? „Wenn alle was besonders sind, ist es keiner“? Ich meine… dafuq? Nachdem man sich jahrelang bemüht, seinen Kindern beizubringen, dass alle Menschen gleich viel wert sind, kommt dieser Film daher und sagt ihnen, dass manche halt doch einfach besser sind als andere? Ähm, was?
Darum nervt mich auch die Schlussszene. Ein Speedster, der ein Rennen gegen Menschen ohne Superkräfte läuft (und natürlich gewinnt). Das ist unanständig. Sowas tun Superhelden einfach nicht.

Platz 4: Avatar
Ein Film, der mich null interessiert hat, den ich mir dann aber doch noch im Kino ansah, weil er da schon als der erfolgreichste Film aller Zeiten gehandelt worden ist (Bildungslücke schließen und so). Was nur beweist, wie schnell sich aus Scheiße Gold machen lässt, wenn man nur ein paar hübsche CGI-Effekte draufsetzt und das Ganze in 3D dreht.
Ich bin absolut kein Freund von 3D. Sicher ist das manchmal ganz nett. Aber noch nie hat es mich so mitgerissen, dass es mir den Euro für die 3D-Brille wert gewesen wäre – vom normalen exorbitanten Aufschlag für 3D-Filme ganz zu schweigen.
Avatar ist aber nun ein Film, der komplett von diesen Effekten lebt und ohne sie NICHTS ist.
Weniger als nichts sogar. Es weiß ja inzwischen jeder, dass die Story von „Pocahontas“ geklaut ist. Sie ist aber noch dazu schlecht geklaut (und dazu latent rassistisch). Dieses Gelaber über die ganzheitliche Alienkultur ist selten dämlich und ekelhaft moralisierend. Zu keinem Zeitpunkt erweckt der Hauptcharakter Sympathien und der Bösewicht ist grundlos böse. Überhaupt hat man diesen Film wohl nur in 3D gedreht, um damit zu verschleiern, wie flach sämtliche Protagonisten sind.
Ja, manches sieht ganz hübsch aus, wenn man Computereffekte toller findet als echte Masken und Requisiten, in die irgendjemand mit handwerklichem Höchstgeschick stundenlange hingebungsvolle Arbeit gesteckt hat – aber das ist auch schon alles. Dieser Film ist wirklich an Banalität nicht zu überbieten und deshalb ist es eine furchtbare Schande, dass er in die Geschichte eingehen soll als erfolgreichster Film aller Zeiten!

Platz 3: Frozen
Uuuund noch ein Animationsfilm – und auch dieses Mal einer, der viele Superlative sein eigen nennen kann!
Aber warum? Warum?! Es ist mir wirklich völlig unbegreiflich, wieso „Frozen“ der erfolgreichste Animationsfilm und damit auch der erfolgreichste Disneyfilm aller Zeiten ist. Ernsthaft, erklärt es mir!
Das hat dieser Film in meinen Augen einfach nicht verdient. Der Story fehlt jedes ikonische Element, sie ist im schlechtesten Sinne nicht „klassisch“, was alles einfach verworren macht und so viele offene Fragen lässt wie z.B. die, woher Elsa eigentlich überhaupt ihre Kräfte hat. Auch hier nervt mich wieder das kindische Design (Olaf! Kotz!!!), aber im Gegensatz zu „Frozen“ hatte „Ich – einfach unverbesserlich“ wenigstens keinen Gesang. Der ist nun aber leider meist totally pointless (Olaf! Kotz!!!) und bietet außer bei „Let it go“, was einfach ein perfekt arrangierter Popsong ist, nur langweiliges Geträller, das weder die Story voran bringt, noch im Ohr bleibt.
Und es sind ZU VIELE SONGS!! Braucht man wirklich als Einstieg ein Lied über’s Eishauen? Überhaupt, wie kann man man davon ausgehen, dass auch nur 10% aller Kinobesucher (darunter mit Sicherheit kein einziges Kind) kapieren, was die da tun (nämlich auf die einzige Art Eis beschaffen, die es gab, bevor man Kühlschränke erfand)?
Und die Charaktere, ach, die Charaktere. Ein Bösewicht, der aus dem Nichts auftaucht, ohne dass es vorher auch nur einen einzigen Hinweis auf seine finsteren Absichten gibt, ein nerviger Hauptcharakter (Anna) und ein Comedy Sidekick, der Jar Jar Binks Konkurrenz machen könnte (Olaf! Kotz!!!), dazu Eltern, die sich einfach nur unfassbar dämlich dranstellen, was die ganze Story schon von ihrem Fundament an ins Wackeln bringt!
Alles wirklich überhaupt nicht toll – was zu verkraften wäre, gäbe es diesen meganervigen Hype nicht um einen Film, der zu keinem Zeitpunkt mehr als durchschnittlich ist! Was mich einfach wahnsinnig macht!

Platz 2: Inception
Ich kenne mehrere Leute, die mich lynchen würden, wenn sie meine wahre Meinung über „Inception“ kennen würden. Auch hier gab es einen krassen Hype, wie es überhaupt um jeden Film von Christopher Nolan einen Hype gibt. Aber leider krankt dieser Film an den selben Problemen, die man in jedem Nolan-Film bestaunen kann.
Erstmal: Ja, die Bilder sind teils ganz nett. Aber das ist auch schon alles. Wie in jedem Film schafft es Nolan, Banalitäten so zu verpacken, bis der unkritische Zuschauer total fasziniert und überzeugt davon ist, den tiefgründigsten Film des Jahres gesehen zu haben. „Es ist total komplex! Und cool!“
inception
Komplex? Das ist er nicht mal wirklich! Die Story ist nicht komplex, sondern von hinten bis vorne absurd und NATÜRLICH wirkt sowas kompliziert, wenn man es versucht zu kapieren, weil es da eigentlich nichts zu kapieren gibt!
Und cool? Ja, so cool, dass man fast erfriert. Mit dem Ergebnis, dass die Traumwelt, eines der größten Mysterien des Menschseins, zu einem sterilen Hightech-Gemetzel verkommt. Eine Technik, mit der man in die Träume anderer Menschen reisen kann… und wofür? Wirtschaftsspionage.
Wow. So deep wie eine Pfütze.
Ich nehme an, wenn man „Inception“ als den hirnlosen Actionfilm sieht, der er eigentlich ist, statt ihn zum mindfuckigsten Knallerkino seit „Matrix“ hochzustilisieren, kann er wirklich ein bisschen Spaß machen. Aber da er selbst hier nicht mal im Ansatz das bietet, was der Trailer verspricht und es mich einfach tierisch annervt, wie dieser Film gefeiert wird für einen philosophischen Tiefgang, den er nicht hat, ist er bei mir nicht einmal mehr für das gut!

Platz 1: The Dark Knight
Ja. Hier ist er. The Dark Knight. DER Film, der nicht nur eine Millarde Dollar eingespielt, sondern auch Heath Ledger einen Oscar gebracht hat und als bester Batmanfilm ever gilt.
Der Film, den ich so gerne mögen würde, aber einfach nicht mögen kann.
Es ist Nolan. Ich mag ihn nicht. Ich mag nicht sein Konzept der „Pseudowirklichkeit“, mit der er es schafft, alles, was an Batman cool ist, so lange durch seinen Realismusfilter zu jagen, bis es nur noch lahm und uncool ist. Ich mag sein Design nicht, das nicht nach Batman, sondern Bateman aussieht, dem Yuppie aus „American Psycho“. Und vor allem mag ich die Banalität nicht, in die er den Joker reißt, den verdammt noch mal größten Schurken aller Zeiten!
Der Joker ist ein irrer, mordender Psychopath, aber die einzige Art, mit der Nolan das darzustellen in der Lage ist besteht darin, ihn einen Haufen Geld verbrennen zu lassen. Und alle so „Gasp! Der ist ja VERRÜCKT!!!“

dark knight
Von WEGEN.

Während der Rest der Stadt völlig uninspiriert ihrem Idealismus frönt, wofür es nicht den geringsten Grund gibt. Aber das ist halt auch so ein Problem mit Nolan: Alle sind völlig over the top, im Guten wie im Schlechten, und da kann es halt sein, dass sich ein Bandenmitglied für „die Sache“ freudig opfert oder sämtliche Polizisten Gothams unbewaffnet gegen Panzer anrennen. Okay, das war beides in „The Dark Knight rises“, aber der hat die Linie aus dem vorherigen Teil halt auch nur konsequent auf die Spitze getrieben!
Das ist nicht der Batman, den ich sehen will. Batman ist ein Ninja mit krassen Ninjamoves, das Batmobil ist ein geiler Schlitten und kein Panzer, der Joker ist ein Dandy und keine schmatzende Schmalzlocke mit fettigen Haaren. Musik ist zur Untermalung der Story da und nicht ein endloses Dröhnen, das jede einzelne Szene dramatisiert! Hach, so könnte ich ewig weiter machen. Vielleicht sollte ich mir den Film nochmal ansehen und einen ganzen Beitrag drüber schreiben, denn meine Enttäuschung war nach dem Kinobesuch wirklich immens… bzw. auch nicht, denn nach „Batman Begins“ wusste ich ja schon, in welche Richtung es gehen würde. Darum und aus vielen anderen Gründen hasse ich diesen Film sehr hart!

Wenn ihr euch jetzt ärgert, dann lest doch meinen Beitrag über Filme, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst. Dann könnt ihr euch da so richtig lustig über mich machen!

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Warum „Zurück in die Zukunft“ total unlogisch ist

Backtothefuture

Ok, um das direkt am Anfang klarzustellen:

Zurück in die Zukunft ist MEGASUPERAWESOME.

Deshalb wird für mich heute auch ein Traum wahr, wenn ich die Trilogie tatsächlich erstmals auf der großen Leinwand sehen kann, denn der erste Film kam im Jahr meiner Geburt ins Kino. Und danach steigt hoffentlich noch eine krasse Party, um dieses Event gebührend zu begießen, denn immerhin haben wir darauf sechsundzwanzig Jahre gewartet!!

Ihr seht, ich bin schwer begeistert – völlig zurecht! Denn man mag von 80er-Jahre-Filmen halten was man will: Die gesamte Trilogie ist auch heute noch ein Fest an spritzigen Witzen, lustigen Eastereggs, charmanten Charaktern, supergeiler Action, fantastischer Musik und intelligenter Story!

Wobei… ist das wirklich so? Lauert unter der dynamischen Fassade nicht eine fette Portion Unlogik, die man erst nach zwanzig Sichtungen bemerkt, weil man vorher zu klein und zu dermaßen gefesselt war?

Nochmal: Ich LIEBE diese Filme. Aber gerade deswegen ist es an solchen Festtagen mal schön, ein paar Schritte hinter die eigene Fangirl-Identität zu treten und sich anzusehen, was die Filme nicht toll machen, sondern wo es gewaltig hakt. Denn so unfassbar gut sie auch sind: Wenn man länger drüber nachdenkt, machen die Filme leider üüüüberhaupt keinen Sinn.

Paradoxa, Paradoxa everywhere!

paradoxon
http://www.nichtlustig.de

Vermutlich ist es absolut unmöglich, einen Zeitreisefilm ohne Logikfehler zu drehen. Dasselbe gilt vermutlich auch für Bücher, Comics, Serien etc. pp. Was vielleicht dran liegt, dass das Konzept „Zeitreise“ und seine Möglichkeiten unser Hirn komplett überfordert.
Die gröbsten Schnitzer sind oft die ikonistischen, was aber nichts an ihrer Unlogik ändert. Darum wird eine quälende Frage wohl ewig unbeantwortet bleiben müssen: Wer zur Hölle hat Johnny B. Goode geschrieben?!
Wir erinnern uns: Marty fährt ins Jahr 1955, vermasselt dort erstmal alles, bringt dann alles wieder in Ordnung und darf am Schluss die Bühne rocken. Das hört derjenige, der als Urheber des Songs gilt, über Telefon. Botschaft klar: Marty war Chuck Berrys Inspiration für „Johnny B. Goode“.

Mal abgesehen davon, dass ich es wahnsinnig riskant finde, sich auf der Bühne so dermaßen in den Mittelpunkt zu stellen (immerhin könnte so ein Auftritt seine Mutter dazu bringen, sich wieder Hals über Kopf in ihn zu verlieben): Nachdem wir darüber alle kurz gekichert haben, dürfte hoffentlich klar sein, was für ein paradoxer Unsinn das ist! Wie kann Marty „Johnny B. Goode“ gelernt haben, wenn ER derjenige ist, der den Song Chuck Berry überhaupt erst vorführt?

Dasselbe im 2. Teil. Der alte Biff reist in die Vergangenheit, um seinem Vergangenheits-Ich den Sport Almanach zu bringen – und kehrt in eine Zukunft (bzw. seine Gegenwart, nämlich das Jahr 2015) zurück, in dem er den Almanach offensichtlich nie bekommen hat bzw. hat benutzen können. Hätte er nicht in eine Zukunft zurück kehren müssen, in der er reich und mächtig ist, da zu diesem Zeitpunkt Marty und Doc noch keine Gelegenheit hatten, seinem Vergangenheits-Ich den Almanach wieder wegzunehmen? Und heißt das nicht, dass sich das Jahr 2015 hätte ändern müssen, während Marty und Doc noch dort sind?

Die düsterste aller Timelines

Tatsächlich kann das alles durchaus logisch sein, wenn wir davon ausgehen, dass Doc Brown und Marty mitnichten durch die Zeit reisen, sondern in Paralleldimensionen. Damit wäre es theoretisch möglich, dass Marty aus einer Dimension stammt, in der ein Musiker namens Chuck Berry einen Song namens „Johnny B. Goode“ geschrieben hat und in das Jahr 1955 einer anderen Dimension reist, in der der Song niemals existiert hätte, wenn ER ihn nicht dorthin gebracht hätte. Das bedeutet allerdings auch, dass der alte Biff mit seiner Aktion, wäre sie denn erfolgreich gewesen, nur die Zukunft eines seiner Paralleldimensions-Ichs verbessert hätte, da es auf ihn selbst keinerlei Auswirkungen HÄTTE HABEN DÜRFEN – da er, also der alte Biff, der den Almanach stiehlt, bei Erfolg GAR NICHT EXISTIERT HÄTTE.
Aber naja, theoretisch ist es zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass der alte Biff so freundlich ist und tatsächlich einfach nur einer seiner Inkarnationen aus einer anderen Dimension etwas gutes tun wollte. Und ein weiteres Problem wäre damit vom Tisch: Nämlich die Frage, was um alles in der Welt mit Martys armer ORGINALFAMILIE passiert, denn diese wird durch seine Tätigkeiten im Jahr 1955 durch eine bessere Version ersetzt – und damit AUS DER EXISTENZ GELÖSCHT.

Folgen wir der Paralleldimensionen-Theorie, würde das nicht stimmen. Martys Originalfamilie lebt, und zwar in der alten Dimension, aus der Marty stammt. In diese kehrt er aber offensichtlich nicht ins Jahr 1985 zurück, sondern in die selbe alternative Dimension, in der es ohne sein Zutun niemals einen Song namens „Johnny B. Goode“ gegeben hätte – und DORT war sein Vater nun mal erfolgreich, seine Familie reich, seine Geschwister toll etc.pp. Das würde auch erklären, weshalb er, wieder zurück in seiner Gegenwart, keine, äh, Synapsenrekalibrierung durchmachen musste, wie man sie in „Butterfly Effect“ beobachten konnte, um seine alten Erinnerungen an Ereignisse, die durch die Änderungen in der Vergangenheit NIEMALS STATTGEFUNDEN HABEN, auszulöschen und an die neuen Ereignisse – und damit logischerweise auch an seine Erinnerungen daran und sein daraus resultierendes NEUES ICH – anzupassen. Denn: Seine Erinnerungen SIND real – sie haben sich nur eben in einer anderen Dimension abgespielt, die weiterhin existiert.

Das wäre zwar keine schöne Erklärung (wir wollen einen Zeitreisefilm sehen, keinen Dimensionshopper-Film!), aber sie würde wenigstens Sinn ergeben… bis auf folgende Kleinigkeiten:

– Wo ist der NEUE Marty aus der „George McFly ist erfolgreich“-Dimension?!

– Warum sagt Doc im 2. Teil, sie müssten Jennifer nicht von der Bank, auf der sie sie im neuen, düsteren Jahr 1985 abgelegt haben, mit zurück ins Jahr 1955 nehmen, da sich das düstere 1985 in das ursprüngliche 1985 zurück verwandeln wird, wenn sie dem jungen Biff den Almanach wieder abnehmen können? Würde es sich hierbei wirklich um verschiedene Dimensionen handeln, würde das keinen Sinn ergeben – Jennifer bliebe in der falschen Dimension, d.h. einer anderen als Marty und Doc.

– Wieso sagt Doc Brown, dass sie Biff in der Vergangenheit bekämpfen müssen, da sie es in der Zukunft mit einem „mächtigen Biff, der korrupt ist“ zu tun hätten?! Das macht mit KEINER MÖGLICHEN ERKLÄRUNG einen Sinn! Denn es ist mitnichten so, dass es in der Zukunft einfach nur SCHWIERIGER wäre, gegen Biff anzutreten, sondern weil die Zukunft, in der der alte Biff den Almanach stiehlt, aus ihrer Perspektive des düsteren 1985 ÜBERHAUPT NICHT STATTFINDEN WIRD! Was bedeutet: Gehen wir wirklich von Zeitreisen aus, ist diese ganze Biff-Sache ein weiteres Paradoxon – gehen wir aber stattdessen von Dimensionshopping aus, könnten sie den alten Biff allerdings tatsächlich in der Zukunft im Jahr 2015 stoppen, da diese noch GENAU SO IST, wie sie sie kennen gelernt haben!

So oder so: Das hier

zurück in die zukunft

sowie Docs Erklärung dazu kann nicht stimmen!

Warum eine Maschine bauen, wenn man für den doppelten Preis zwei bauen kann?

Als Kind gefiel mir der 2. Teil am besten, denn dieser hatte DAS HOVERBOARD. Was leider überhaupt nichts daran ändert, dass der komplette zweite Film – und damit logischerweise auch der dritte – völlig redundant sind, da sie auf der elefantös idiotischen Annahme Doc Browns basieren, man müsse die negativen Ereignisse im Jahr 2015 IM Jahr 2015 bekämpfen!

Ganz ehrlich. Wie dumm ist das bitte. Dieser ganze Stress. Dieses ganze Gelaber darüber, dass man nicht zu viel über seine eigene Zukunft wissen sollte. Das Fazit des 3. Films, das lautet: „Die Zukunft ist noch nicht geschrieben! Ihr könnt sie verändern!“

Alles, was nach dem 1. Film kommt, liefert darauf nur eine Antwort: „Pfeif drauf.“ Und verwendet ab da gut drei Stunden darauf, die Probleme zu lösen, die im 2. Film entstanden, weil man ein Problem lösen wollte, das man auch so hätte lösen können:

„Du, Marty? Ich war mal 30 Jahre in der Zukunft und am 21. Oktober 2015 baut dein Sohn gewaltige Scheiße. Du solltest ihn am diesem Tag nicht vor die Tür lassen, ne?“

Uuuuund… yay \o/

(Übrigens: Wie asozial ist es bitte von Doc, Marty in die Zukunft zu schleppen, wo er all diese futuristischen Dinge sieht, von denen er nichts wissen sollte, aber ihm dann nicht zu erzählen, dass sein Leben den Bach runter geht, wenn er sich auf ein dummes Autorennen einlässt? Dieser Typ hat ihm das Leben gerettet, verdammte Scheiße!!)

Aber gut. Es ist passiert. Doc macht einen richtig dämlichen Fehler und somit nimmt der 2. Teil seinen Lauf. Am Ende sitzt Doc im Jahr 1885 fest und Marty muss ihn schon wieder retten, was extrem erschwert wird, weil er die Benzinleitung des Deloreans kaputt macht. Der gesamt Rest des Films handelt dann nur davon, irgendeine Möglichkeit zu finden, den Delorean trotzdem irgendwie auf 88 Meilen pro Stunde zu beschleunigen.

Und das alles, OBWOHL IM JAHR 1885 BENZIN EXISTIERT. Wo? Na: In dem Delorean, MIT DEM DOC BROWN INS JAHR 1885 GEKOMMEN IST!

Diesen mauert er in einer stillgelegten Mine ein, damit Marty und die 55er Version von Doc Brown ihn finden und reparieren können, damit Marty zurück in die Gegenwart reisen kann. Er selbst konnte es nicht, weil ihm 1885 die Werkzeuge fehlen, um die defekte Zeitleitung zu reparieren.
Wohlgemerkt ist aber lediglich DIESE sowie das Antigravitationsmodul kaputt – die Benzinleitung und der Tank sind intakt! In dem eingemauerten Delorean sollte sich also Benzin befinden, das sie hätten benutzen können, um den reparierten Delorean wieder zum Laufen zu kriegen! Zwar hätte ICH an seiner Stelle das Benzin vorher abgelassen, da es nach 70 Jahren im Tank sicher schlecht geworden und den Tank beschädigt hätte – ABER DAS HÄTTE MAN DOCH ZUMINDEST MAL ERWÄHNEN KÖNNEN!

In diesem Sinne…

… ist die Zukunft morgen schon Vergangenheit – also schnappe ich mir jetzt meine Kinotickets, ziehe mein „Where is my Hoverboard?!“-Shirt an und genieße das Triple Feature von einigen der tollsten Filme, die jemals gedreht worden sind!

Und das solltet ihr auch tun! HAPPY BACK TO THE FUTURE DAY!!!

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[Halloween-Special] Die fünf besten Serien-Specials

Feiertagsspecials in Serien haben eine lange Tradition, gehören oft sogar zur Staffel-Routine – Grund genug, den fünf besten Halloween-Specials unter den Feiertagsspecials einen eigenen Halloween-Special-Artikel zu spendieren!


The Simpsons: Treehouse of Horror I-VIII
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Um das gleich mal klarzustellen: „Treehouse of Horror“ ist episch. So episch, dass ich diese Liste problemlos NUR mit Simpsons-Episoden füllen könnte.
Allerdings sollte es ja schon ein bisschen divers sein. Und außerdem bin ich sauer auf Die Simpsons. Ich halte die Serie für eine der großartigsten, die jemals gemacht worden ist – bis ungefähr Staffel 10. Alles, was danach kommt, ist ein riesengroßer Haufen Scheiße. Und da nun leider aktuell 10 überragende Staffeln 16 schlechten gegenüber stehen, fühle ich mich als Fan der ersten Stunde irgendwie total verarscht und bin zeitweise fast versucht, ein „Ex“ vor dem „Fan“ zu ergänzen.
Meiner Meinung nach sieht man den Verfall fast nirgendwo besser als bei den „Treehouse of Horror“-Episoden. Ich habe mir vor ein paar Tagen die neuste Folge angesehen und kann kaum glauben, dass das noch die selbe Serie ist, die nicht weniger (aber leider auch nicht mehr) als acht großartige Halloween-Specials produziert hat, die ich wohl bis in alle Ewigkeit lieben werde, egal wie viele Dutzend Male ich sie noch sehe.
Das ist sehr traurig. Aber lasst uns nicht über den Bullshit von heute mosern, sondern erinnern wir uns lieber zurück auf die guten, alten Zeiten, als ein Simpsons-Halloween-Special eines der Top-Fernsehereignisse des Jahres war – und das völlig zurecht.


Community S01E07 – Mexikanisches Halloween
Community ist möglicherweise das nerdigste und damit grandioseste Etwas, was es jemals auf die Mattscheibe geschafft hat und es ist eine verdammte Schande, dass kaum jemand die Serie kennt!
Das Problem ist allerdings, dass die pure Genialität sich erst so richtig ab der zweiten Staffel entfaltet, während Staffel 1 wie eine zwar unterhaltsame, aber nicht gerade wahnsinnig innovative „Kriegen sie sich, oder kriegen sie sich nicht?“-Sitcom startet.
So jedenfalls bis zu folgender Szene:

Bis dahin ist die Folge ganz okay, auch wenn ich Jeffs Rumgeturtel mit dieser Dozentin sehr hasse. Aber dann das. In dem Moment, als ich Jeffs Blick aufkeimenden Verstehens sah – so dermaßen over the top, dass ich mich jedes Mal auf den Boden legen könnte vor Lachen – keimte auch in mir was, nämlich die Hoffnung auf kommende Awesomeness. Ja, während Abeds epischen Monolog wurde mir erstmalig klar, dass es sich hierbei eben NICHT um eine 0815-Liebesschnulzensitcom handelt. Wie sich zeigen sollte, hatte ich Recht! Allein wegen dieser Szene muss die Folge einfach rein!


South Park S02E15 – Böser, böser Fisch
Halloweenfolgen haben bei South Park eine fast ebenso große Tradition wie bei den Simpsons. Und so blöd es sich anhört: Ich hätte mir fast in die Hosen geschissen, als ich diese spezielle Folge damals zum ersten Mal nachts auf RTL sah!
south park
Aber auch ansonsten zeichnet sich diese Episode durch alles aus, was South Park einst so großartig gemacht hat, und was der Serie heute leider fehlt. Keine zehn Sekunden ohne irgendetwas geniales und klassisches.
Terrence und Philip. Spooky Vision. Chefkoch. Der böse Cartman. „Nein, Miez, böse Miez!!“ „Höllen“. Und ein gottverdammter Indianerfriedhof. Muss ich noch mehr sagen?


How I met your Mother S01E06 – Die Kürbis-Schlampe
Halloween bei HIMYM ist tatsächlich mehr als ein schlampiger Kürbis. Allein für diese Szene muss man Barney einfach lieben:

Leidenschaftlich übertrieben in allem, was er tut und wenn es dann um Halloween-Kostüme geht, wird es halt super-awesome. Wie gerne wäre ich mal auf einer Party mit lauter Leuten, die sich bei ihren Kostümen SO viel Mühe geben!


Community S02E06 – Zombie-Alarm!
(Jap, Community gehört zweimal rein. WEIL.)
Abgesehen von der erneuten Demonstration der traurigen Tatsache, dass deutsche Übersetzer nicht in der Lage sind, ein System in den Titeln von Serienfolgen zu erfassen, ist diese Folge irgendwie einzigartig. Noch nie habe ich erlebt, dass so eine umfassend unrealistische Story am Ende doch so unglaublich logisch erscheint. In keine andere Realserie hätte eine Folge wie diese gepasst, aber bei Community geht einfach alles!

community


 

Meine Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
Spielereview: Betrayal at House on the Hill
Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten
Minimalistische Partytipps

Weißt du, was auch der pure Horror ist? Existenzängste, weil man nicht genug Knete hat! Wenn du mir ein wenig meiner Angst nehmen und mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich deshalb gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

[Halloween-Special]: Die fünf Filme, die ich niemandem empfehlen will

Horrorfilme sind das Medium der Wahl an einem Halloweenabend zuhause – was liegt da näher, als den schrecklichsten Filmen, die ich je gesehen habe, einen eigenen Platz in meinem Halloweenspecial einzuräumen?

Was ist der Unterschied zwischen einem guten Film und einem guten HORRORfilm?
Ganz einfach: Ersterer empfiehlt man jedem weiter – aber genau das kann man bei den schlimmsten Horrorfilmen nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Was ja nun beweist, dass der Film gut war. Also gut schlimm. Weil er ja schlimm sein wollte und darin gut war. Also… ihr wisst was ich meine.

Vielleicht findet ihr diese Liste ja lame. Aber für mich jedenfalls steht fest, dass ich keinen der folgenden Filme nochmal sehen will… nein: kann!

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Platz 5: Wenn der Wind weht
When the wind blows, GB 1986
Story: Der Kalte Krieg eskaliert und eine Atombombe fällt auf England. Ein herziges älteres Ehepaar harrt frohgemut in seinem einsamen Cottage aus und wartet voll Vertrauen in seine Regierung auf Hilfe, die niemals kommt.
wenn der wind weht
Jap, richtig gesehen: Das ist kein Horrorfilm. Das ist nicht mal ein Realfilm. Es ist Zeichentrick und als solcher sogar rein optisch voll freundlich. Das ältere Pärchen wirkt echt schön harmlos, überhaupt ist es halt Zeichentrick und das bedeutet „für Kinder“, auch, wenn es um einen Atomkrieg geht – what could possibly go wrong?
Wenn euch jetzt eine böse Ahnung kam, dann liegt ihr richtig: Meine Eltern haben mich eines Sonntagnachmittags vor diesen Film gesetzt zu einer Zeit, als ich kaum meinen eigenen Namen schreiben konnte.

Die gute Nachricht: Um die Grauenhaftigkeit der Handlung zu verstehen, braucht man etwas mehr Allgemeinwissen, als ein Grundschüler gemeinhin hat.
Die schlechte Nachricht: Als ich den Film, von dem ich nur eine ganz verschwommene Erinnerung hatte, vor einigen Jahren als Erwachsene nochmal sah, knallte er dafür umso härter rein. Vielleicht, weil ich mich an meine kindlichen Reaktionen darauf erinnern konnte und die beiden Protagonisten auch ein bisschen wie Kinder sind. Vielleicht, weil ich ihre Idee, Regenwasser zu sammeln, als ihnen ihr Trinkwasser ausgeht, als Kind sehr schlau fand, während mir zwanzig Jahre später schon beim puren Gedanken daran die Haare ausfielen.

Das ist Horror der realen Sorte. Nichts entsetzt mich mehr als der Gedanke an einen Atomkrieg. Höchstens der Gedanke an Idioten, die Atomkraftwerke immer noch für sicher halten. Und weil mir Wenn der Wind weht diese Vorstellungen mal wieder eindrücklich zurück ins Gedächtnis gebracht hat, und zwar tagelang nach der zweiten Sichtung, kann dieser Film zurecht einen Platz in meiner persönlichen Horrorfilmliste beanspruchen – auch wenn er nur Zeichentrick ist.
(Und ja, ich weiß: Die letzten Glühwürmchen ist NOCH schlimmer. Das haben mir schon ungefähr hundert Leute versichert, als würde mich das dazu bringen, mir diesen Film anzusehen, wenn ich schon Wenn der Wind weht nicht nochmal sehen will. Vergesst es einfach. It’s not going to happen.)

Platz 4: The Ring
The Ring, USA/Japan 2002
Story: Ein dämonisches Video kursiert unter Jugendlichen und jeder, der es sich ansieht, stirbt nach genau sieben Tagen. Eine Journalistin kuckt es blöderweise und versucht, sein Geheimnis zu ergründen, bevor sie es auch erwischt!
the ring
The Ring – ein zeitloser Klassiker für die einen. Für die anderen genauso unmodern und lame wie ne alte VHS. Nichts könnte falscher sein!
Es gibt den subtilen Horror, der in alten Herrenhäusern beheimatet ist. Dann gibt es den brachialen Horror der Saw-Reihe. Und dann gibt es den surrealen Horror, für den das Video aus The Ring das beste Beispiel ist. Und so etwas macht mich einfach vollkommen fertig. Ich kann mir das nicht ansehen. Jedenfalls nicht mehr in lang.
Nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte, dachte ich, ich könnte meine Mutter damit schocken – und endete als ein fest an sie gepresstes, zusammengekauertes Etwas, während ihr der Film am Arsch vorbei ging, denn sie ist die Generation Evil Dead, für die „Horror“ hektoliterweise Kunstblut bedeutet. Aber ich brauch das nicht. Das finde ich höchstens eklig. Aber The Ring, nein… nie wieder.

Platz 3: The Grudge
The Grudge, USA/Japan, 2004
Story: In nem japanischen Haus passiert ein grausamer Mord oder so und weil der besonders schlimm war oder weil das eine Mordopfer irgendwie magisch begabt war oder so finden die Toten keine Ruhe und suchen jeden heim, der das Haus betritt.
the grudge
Oder so. Genau weiß ich das nicht mehr, weil der Film mich noch fertiger gemacht hat als The Ring und ich ihn deshalb nur einmal gesehen habe. Zwar wirkt manches von The Ring abgekupfert, aber einige… ich nenne es mal „nette Details“ sind doch recht originell. Und surreal. Auf ganz grauenvolle Weise (ich sag nur: der miauende Junge!!).
Dazu kommt, dass ich den Film davon abgesehen, dass er mich völlig zerstört hat, wie es sich für einen Horrorfilm gehört, eigentlich gar nicht besonders gut finde, weshalb meine Toleranz dafür niedriger ist als bei The Ring. In ein paar Jahrzehnten könnte ich mich vielleicht darauf einlassen, The Ring noch mal ne Chance zu geben, weil er einfach grandios ist, aber bei The Grudge sticht dieser Bonus nicht. Zu doofe Story, zu viele random Schockeffekte, keine allzu überzeugenden Schauspieler… muss also definitiv nicht mehr sein! Und findet ihr nicht auch, dass schon allein das Wort „Grudge“ so einen unangenehmen Klang hat?

Platz 2: Funny Games U.S.
Funny Games, USA/GB/Frankreich/Österreich 2007
Story: Eine Familie mietet sich in ein Haus am See ein. Zwei Nachbarn klopfen und fragen höflich nach Eiern. Und dann fangen sie einfach so an, die Familie zu foltern. Well.
Funny-Games-U.S.
Okay, was haben wir bis jetzt? Es gibt den realen Horror, den subtilen Horror, den brachialen Horror und den surrealen Horror… gehört Funny Games auch in die letzte Kategorie? Nun, es fängt vielleicht so an (ich meine, sie mogeln sich ins Haus, indem sie um EIER bitten. EIER.), aber dann wird es doch eher brachial. Nicht so blutig-brachial wie halt bei Saw, sondern völlig psychopathisch. Denn diese Typen haben keinerlei Motivation für ihr Handeln. Sie sind einfach Psychos. Und solche Menschen, meine lieben Leser, machen wohl jedem Angst, denn sie sind nicht im Geringsten kontrollierbar oder resozialisierbar. Wenn das Böse existiert, dann in psychopathischen Menschen. Und das ist doch wohl echt Horror, oder?
In diesem Film wird außerdem ein ehernes Horrorfilm-Gesetz verletzt: Man tötet keine Kinder. Jedenfalls nicht so sinnlos. Das tut man einfach nicht.
Dennoch ist der Film einfach grandios in seiner sinnlosen Bösartigkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob das irgendwie ne Message haben soll; es kann eigentlich nur Mist dabei heraus kommen, wenn ich mir jetzt eine herbei interpretiere. Lassen wir das. Ich würde ihn nicht noch mal sehen wollen, aber irgendwie vermag ich darin doch so etwas wie einen künstlerischen Anspruch zu entdecken.

Nur fragt mich bitte nicht, wie der aussehen soll.

Ich empfehle übrigens dringend das U.S.-Remake, auch wenn das lediglich eine 1-zu-1-Umsetzung des österreichischen Originals ist und der seriöse Filmfan von Welt wohl automatisch zum früheren Werk greifen würde. Tut es nicht. Für Ösis ist das vermutlich nicht so schlimm, aber mir hat der Dialekt bereits nach fünf Sätzen jegliche Atmosphäre vernichtet, weshalb ich lieber die amerikanische, ordentlich synchronisierte Fassung gewählt habe.

Platz 1: Martyrs
Martyrs, Frankreich 2008
Story: Ein kleines Mädchen wird gefoltert, kann aber flüchten und findet in einem Waisenhaus eine treue Freundin. Genau die muss der inzwischen erwachsenen Frau beistehen, als diese Jahre später zufällig ihre Peiniger, die nie gefasst worden sind, auf einem Bild in der Zeitung erkennt. Sie nimmt Rache an der gesamten Familie, doch damit ist der Horror für beide noch lange nicht zu Ende…
martyrs
Hier ist sie. Meine Number One. Ein Film, der mich mehr verstört hat als jeder andere, den ich je gesehen habe. Ein Meisterwerk, irgendwie – und trotzdem ein Film, vor dessen Konsum ich einfach nur abraten kann!

Möglicherweise würde er euch aber gar nichts ausmachen. Ich war die Einzige, die nach dem Abspann vor lauter Zittern kaum ihre Zigarette halten konnte, während der Rest rumnölte, weil der Film sich gegen Ende so gezogen hätte. Da sieht man mal, wie abgestumpft Horrorfans sein können. Ich hatte dennoch das Gefühl, dieser Film habe irgendwas tief in meinem Inneren verletzt. Egal, wie blöd das jetzt klingt.

Und dabei könnte ich nicht mal sagen, was das genau war. Überhaupt scheint es bei diesem Film krasse Probleme wegen dem FSK zu geben. Ich verstehe nicht mal wieso, obwohl ich ihn ungeschnitten gesehen habe. Gore-Elemente fehlen, auch Schockmomente im klassischen Sinn gibt es kaum, die brutalen Szenen stinken gegen Saw (um den NOCH MAL zu erwähnen) total ab… was soll man da schneiden?
Es gibt eine Szene, die sich mir regelrecht eingebrannt hat. Eine junge Frau liegt bewegungslos auf einer Matratze, über ihr kniend ihr Folterknecht, der ihr seine Faust ins Gesicht rammt, immer wieder. Ich weiß nicht, weshalb mich das mehr schockiert hat als ne umgedrehte Bärenfalle bei Saw oder ne durchtrennte Achillesferse bei Hostel. Ich glaube auch nicht, dass man so etwas schneiden kann, wenn man andererseits ne umgedrehte Bärenfalle oder ne durchtrennte Achillesferse durchgehen lässt.

Und trotzdem… Martyrs ist, warum auch immer, ein schrecklicher Film. Wenn euch das neugierig gemacht hat, dann seht ihn euch an… und vielleicht könnt ihr mir dann ja erklären, was ihn so verstörend macht.
Aber ich empfehle es euch nicht. Ich – empfehle – es – euch – nicht!

Meine Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade
Spielereview: Betrayal at House on the Hill
Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten
Die fünf besten Halloween-Serienspecials
Minimalistische Partytipps

Weißt du, was auch der pure Horror ist? Existenzängste, weil man nicht genug Knete hat! Wenn du mir ein wenig meiner Angst nehmen und mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich deshalb gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Männer als Opfer, Frauen als Täter und warum das eigentlich gar nichts mit Game of Thrones zu tun hat

Obligatorische Spoilerwarnung für die 4. Staffel von Game of Thrones, allerdings beschränkt auf das Thema Cersei.

Hach ja. Eigentlich dachte ich, nach meinem letzten Beitrag, in dem ich meinen Standpunkt klar gemacht habe, auch wenn einige das nicht verstanden haben, könnte ich das Thema abhaken, aber die Vergewaltigung Cerseis in der 5. Folge der 4. Staffel erregt weiterhin die Gemüter. Am Montag hat Lukas Schoppe den (sarkastisch betitelten) Beitrag „Warum es sexuelle Gewalt gegen Männer nicht gibt (und sie außerdem auch halb so schlimm ist)“ nachgeliefert und sich leider entschlossen, ein Zitat von mir als Einstieg zu wählen, das da lautete „Theon wurde nicht vergewaltigt“. Dies, sowie die folgenden paar Absätze, erweckten auf mich den Eindruck, als würde hier meiner Person unterschwellig (allerdings, wie ich hoffe, unabsichtlich) unterstellt, sexuelle Gewalt gegen Männer zu leugnen, was mich aus naheliegenden Gründen mal wieder, tja… „maximal anpisst“.

Der Text ist jedoch davon abgesehen interessant, behandelt er doch teils ein Thema, das mir nach der Diskussion um Cerseis Vergewaltigung schon öfter vor die Füße gestolpert ist: Warum wird die dargestellte Gewalt in Game of Thrones gegen Männer, hier vor allem Theon Greyjoy, so gar nicht angeprangert, die gegen Cersei dagegen schon?

Eigentlich dachte ich, ich hätte mit meinem vorherigen Artikel schon die Lösung geliefert, aber offensichtlich bedarf es doch eines gesonderten Artikels, denn Schoppe macht meiner Meinung nach ein paar gewaltige Fehler. Der Text wird in vier Teile gegliedert sein:

Wird sexuelle Gewalt gegen Männer in unserer Gesellschaft verharmlost?
Was ist Vergewaltigung und warum ist Theon nicht davon betroffen?
Exkurs: Das antifeministische Märchen von der unmöglichen weiblichen Täterschaft
Was ist Verharmlosung?

 

Beginnen wir also am Anfang:

1. Wird sexuelle Gewalt gegen Männer in unserer Gesellschaft verharmlost?

Kurze Antwort: Ja. Sexuelle Gewalt allgemein wird ohnehin auch heute noch gerne verharmlost, aber bei betroffenen Männern hat das nochmal eine ganz andere Dimension. Penetriert werden gilt biologisch als weibliches „Ding“ (eine Vorstellung, die auch oft Grundlage für Homophobie gegen schwule Männer ist), während eine Vergewaltigung durch eine Frau an den Vorstellungen von Männlichkeit kratzt, dass
a) Männer in jedem Fall stärker sind als Frauen,
b) Männer ohnehin dauergeil sind und
c) wenn sie mal doch nicht geil sind, keine Erektion bekommen können, womit eine Vergewaltigung durch eine Frau physiologisch unmöglich ist.

Das alles habe ich bereits im antifeministischen Kontext gehört – von Männern. Es ist natürlich Schwachsinn. Der Punkt „Dauergeilheit“ muss ich hoffentlich nicht extra auseinander nehmen, weil er einfach zu blöd ist. Davon abgesehen gibt es genug Männer (und natürlich Jungs!), die körperlich schwächer sind als manche Frauen; außerdem könnten sie bei einem Übergriff in der Minderheit sein, durch Waffengewalt gezwungen werden, durch Substanzen gefügig gemacht, durch einen Trick gefesselt etc. pp. Mir fielen da tausend mögliche Szenarien ein, in denen sexuelle Gewalt von einer Frau an einem Mann ausgeübt werden kann und frage mich bei Leuten, die das (oft in abfälliger Weise) für absurd halten, wie es sein kann, dass ein Mensch ohne jegliche Phantasie überhaupt überleben kann. Und eine Erektion? Kann durch Drogen verursacht werden oder auch völlig ohne Spaß an der Sache passieren.

Was die Verharmlosung angeht, könnte man da vermutlich ganze Bücher mit füllen. Ich beschränke mich auf zwei Beispiele. Das erste betrifft Vergewaltigungen männlicher Personen durch andere Männer. 2012 wurde eine Studie durchgeführt, die enthüllte, dass in Jugendgefängnissen (die zu einem Großteil von Jungs belegt sind) die Gefahr, innerhalb eines Monats vergewaltigt zu werden, bei 7% liegt (siehe Bericht im Tagesspiegel und dem Kommentar des Lawblogs). Bernd Busemann erklärte daraufhin, er könne diese Zahlen „gut akzeptieren“, denn „ein Knast ist keine Mädchenpension“.

Nun ist dieses dumme Arschloch nicht irgendein Internettroll, sondern war zum damaligen Zeitpunkt Justizminister (!!!) von Niedersachsen und ist heute Präsident des niedersächischen Landtages. Diese menschenverachtenden, auf den Rechtsstaat scheißenden Äußerungen hätten meiner Ansicht nach dazu führen müssen, dass unser sauberer Herr CDU-Politiker mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt wird – tatsächlich hatte es NULL Auswirkungen auf seine Karriere. Natürlich: Es geht ja nur um ein paar Kriminelle, wen interessiert das schon?
Wäre es hierbei rein um weibliche Gefangene gegangen, wäre der Widerstand gegen diesen Herren nicht nur unter Feministinnen gewaltig gewesen. Aber so sind es ja nur Kerle. Das wird „akzeptiert“. Selbst, wenn die zum Teil noch minderjährig sind. Das ist doch völlig ohne Worte.

Das zweite Beispiel stammt aus dem Bereich Film. In „40 Tage und 40 Nächte“ spielt Josh Hartnett einen Typen, der offensichtlich jedem Rock hinterher steigt und mit seinem Leben gerade nicht klar kommt. Das führt zu einer Wette: 40 Tage und 40 Nächte muss er sowohl auf Sex, als auch auf Masturbation zu verzichten. Es geht schnell um eine ganze Stange Geld, deshalb will er diese Wette unbedingt gewinnen. Jedenfalls kettet sein bester Freund ihn gegen Ende ans Bett, um den völlig Verzweifelten nach so vielen Wochen ohne Sex davon abzuhalten, zu onanieren.

In dieser wehrlosen Situation wird er nun von seiner Ex vergewaltigt.

Der Film kam 2002 ins Kino und schwamm auf der Welle der Teenager-Komödien mit, die zu dieser Zeit heiß im Trend waren. Eine KOMÖDIE. In der eine Frau gegen den Willen des Mannes diesen zum Sex zwingt. Er schläft zwar dabei die meiste Zeit – aber ein schlafender Mensch kann keine Zustimmung geben, zumal er ihr vorher deutlich gemacht hat, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Hier könnte §179 StGB greifen – „Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen“. Seine Fesselung erfüllt meiner Meinung nach laut §177 Abs. 1 Nr. 3 StGB das Kriterium der „schutzlosen Lage“.
Das ist nicht witzig. Das ist nicht „harmlos“. Im Gegenteil – es wird besonders unappetitlich, wenn er sich am Schluss dann auch noch bei seiner neuen Flamme ENTSCHULDIGT, weil die natürlich just danach ins Zimmer platzt und an verräterischen Flecken erkennen kann, dass er gerade Sex gehabt hatte. Also… „Sex gehabt“. Natürlich müsste hier „ist vergewaltigt worden“ stehen. Und dafür muss er sich entschuldigen? Bitch, please!!

Ich könnte gerade aus dem Bereich Popkultur noch viele weitere Beispiele bringen, aber ich denke, der Punkt ist klar: Was bei weiblichen Opfern (völlig zurecht) weder in der Realität, noch im fiktiven Kontext hingenommen würde, ist bei männlichen Opfern „akzeptiert“ oder gar „lustig“. Wenn das keine Verharmlosung ist, dann weiß ich auch nicht.

 

2. Was ist Vergewaltigung und warum ist Theon nicht davon betroffen?

Die Szene, an der Schoppe Anstoß nimmt, findet in der 3. Staffel statt. Während der gesamten Staffel wird Theon aufs Übelste gefoltert und weiß zu Anfang noch nicht mal von wem. Neben massiver körperlicher Misshandlung ist Ramsay Snow, sein Folterknecht, auch noch ein Meister der psychologischen Folter: So bringt er, ein angeblicher Retter geschickt von Theons Schwester, Theon dazu, ihm zu vertrauen und hilft ihm vermeintlich bei der Flucht. Als kompletter Psychopath (neben Joffrey und Gregor Clegane ist er der einzige wirklich von Grund auf böse Charakter der Reihe) schreckt er sogar nicht davor zurück, Männer zu töten, die Theon wohl auf seine Befehle hin verfolgt haben, um Theon vor ihnen zu „retten“ und so sein Vertrauen in ihn noch weiter zu zementieren. Kurz darauf muss Theon aber feststellen, dass sein Gönner ein sadistisches Spiel getrieben und ihn nicht zu seiner Schwester, sondern zurück in seine Folterkammer geführt hat, wo sich sein Martyrium nun fortsetzt. Ramsay benutzt dazu nun auch genüsslich schmerzvolle persönliche Informationen, die Theon ihm gegenüber im Glauben enthüllt hat, einen Freund vor sich zu haben, womit er nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele massiv traktiert. Jap… der Kerl ist definitiv ein kranker Bastard im doppelten Wortsinn!

In der 7. Folge der 3. Staffel nun (betitelt „The Bear and the Maiden Fair“, ein beliebtes Lied in Westeros – in dem es übrigens kaum verhüllt um Vergewaltigung geht) findet nun die beanstandete Szene statt. Theon wird dabei von zwei jungen Frauen losgebunden, die ihm erst Wasser geben und sich um seine Wunden kümmern, bis sie anfangen, ihn unverhohlen anzumachen. Theon kapiert verständlicherweise überhaupt nicht, was abgeht, und reagiert auf einen Griff in seine Hose erst panisch, verstört und ablehnend, glaubt er doch, die Mädchen wären von Ramsay geschickt worden. Bald gibt er seinen Widerstand jedoch auf und verschlingt die nackten Damen mit Blicken, während sich eine rittlings auf ihn setzt und sich an ihn reibt. Es wird geknutscht und gestreichelt, bis Ramsay Snow die Vorstellung mit einem Trompetenstoß beendet, Theon verspottet und ihn als finalen Akt der ultimativen Folter schließlich kastriert.
Die ganze Szene wirkt nicht nur auf Theon, sondern auch auf den Zuschauer surreal. Von der bequemen Couch zuhause aus scheint es seltsam, dass Theon nicht versucht zu fliehen, wo er doch schon mal losgekettet worden ist, aber der ist nach all den Wochen der Folter und der Demütigung schwach, dehydriert und hochgradig verängstigt. Vielleicht glaubt er ja, zu halluzinieren. Aber egal. Die Frage war ja: Ist das eine Vergewaltigung?

Als ich Schoppe schrieb, dass Theon nicht vergewaltigt wird, habe ich mir dabei nicht viel gedacht. Ich glaubte, er hätte einfach was verwechselt, deshalb war der Satz „Theon wird nicht vergewaltigt“ aus meiner Sicht eine bloße Anmerkung, eine kleine Fehlerkorrektur. Seine Antwort darauf kam spät, deshalb habe ich sie auch erst vorgestern gesehen. Er schließt mit:

Ich verstehe eigentlich nicht, warum das keine Vergewaltigung sein sollte.

In seinem Artikel wirkt das wiederum etwas anders:

Ich verstehe, warum diese Szene nicht als Vergewaltigung wahrgenommen wird, schließlich schläft Violet nicht tatsächlich mit Theon, sondern simuliert einen Beischlaf. Angesichts dieser Szene ist gleichwohl schwer zu verstehen, wie die Vergewaltigung Cerseis durch Jaime ein so großer, bis in die größten amerikanischen Medien hinein beschriener Skandal werden, die Vergewaltigung Theons während seiner Folter aber völlig übersehen werden konnte.

Er sieht also, dass es keine Vergewaltigung ist, nennt es aber trotzdem Vergewaltigung. Well. *kopfkratz*

Eine Vergewaltigung ist nach §177, Absatz 2 StGB eine besonders schwere Form der sexuellen Nötigung, die vorliegt, wenn

1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung)

Ich sehe das hier nicht gegeben, da nun mal kein „Beischlaf“ stattfindet, sondern Theon seinen Penis die ganze Zeit in der Hose behält. Ob es sexuelle Nötigung ist, ist eine andere Frage (dazu weiter unten), aber es ist keine Vergewaltigung. Bei all der Empörung, die Schoppe bei dieser Szene empfindet, habe ich dennoch nicht die geringste Ahnung, wem mit dieser Begriffsaufweichung gedient sein soll.

 

Exkurs: Das antifeministische Märchen von der unmöglichen weiblichen Täterschaft

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, ein bisschen mit antifeministischer Propaganda aufzuräumen.
Mir wurde unter Schoppes Artikel noch an den Kopf geknallt, ein Mann könne rein juristisch gesehen von einer Frau sowieso nicht vergewaltigt werden, außer er wird penetriert. Das war jetzt auch nicht das erste Mal, dass mir das vorgeworfen wird (als könnte ICH da was für) und deswegen kotzt mich das tierisch an. Es ist nämlich schlicht Bullshit!

Allerdings hat diese Behauptung, nun… einen historischen Kern. Wenn von der Reform des §177 StGB geredet wird, dann ist meistens die Änderung im Jahr 1997 gemeint, mit der das Wort „außerehelich“ aus dem Paragraphen gestrichen worden ist und somit die Vergewaltigung in der Ehe nicht länger straffrei war.

In Wahrheit war die Reform viel tiefgreifender. Vom Jahre 1871 an, als das Reichsgesetzbuch in Kraft trat, bis 1997, also über 125 Jahre lang, war im §177 immer nur von Frauen als Opfer die Rede. Die letzte Fassung vor der Reform, die von 1973 an Gültigkeit hatte, lautete:

§ 177. Vergewaltigung. (1) Wer eine Frau mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben zum außerehelichen Beischlaf mit ihm oder einem Dritten nötigt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.
(3) Verursacht der Täter durch die Tat leichtfertig den Tod des Opfers, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

Quelle

Damit war es juristisch nicht nur nicht möglich, dass eine Frau einen Mann vergewaltigt, sondern Männer allgemein waren als Opfer komplett ausgeschlossen.

Mit der Reform 1997 nun ersetzte das geschlechtsneutrale „Person“ das vorherige „Frau“, wenn es um das Opfer ging, während im Rest des Gesetzestextes wie üblich das generische Maskulinum beibehalten wurde. Im Zuge der 6. Strafrechtsreform ein Jahr später wurde dann noch an den Formulierungen rumgefeilt und insbesondere folgende von mir hervorgehobene Passage ergänzt:

(2) [1] In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren.
[2] Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung)

„Beischlaf“ wird übrigens juristisch als „Penis in Scheide“ definiert, während „ähnliche Handlungen“ irgendeine Form der Penetration umfassen. Für mich ist die Formulierung damit klar, aber ich bin ja halt nur ein junges Mädchen und verstehe wenig von solchen Dingen nun mal keine Juristin.

Also kucken wir doch mal, was die Juristen dazu sagen:

Betreff Täter:

Täterschaft und Teilnahme. Für die Abgrenzung der Beteiligungsformen gelten die allgemeinen Regeln. Jeder kann Täter sein, auch eine Frau.

Betreff Opfer:

1. Der Grundtatbestand der sexuellen Nötigung (§177 Abs. 1). §177 Abs. 1 schützt Opfer egal welchen Geschlechts vor erzwungenen Sexualkontakten mit dem Täter oder mit Dritten.

Betreff Vergewaltigung eines Mannes durch eine Frau:

Als Vergewaltigung werden neben dem Beischlaf sexuelle Handlungen definiert, die das Opfer besonders erniedrigen, insbesondere wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind. Diese Handlungen müssen vom Täter am Opfer oder vom Opfer am Täter vorgenommen werden. Dabei ist grundsätzlich gleichgültig, ob das Eindringen in den Körper des Opfers oder des Täters erfolgt.

Quelle: Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch, Bd. 2,2. §§ 80 – 184f StGB, Beck 2005 (1. Auflage), Zitate S. 1152, 1171 u. 1165.
Geschrieben wurde der betreffende Artikel von >>>diesem Typen <<< hier.

"Da staunen Sie, was? Ich hab das nachgeschlagen.
– Lionel Hutz, The Simpsons

Voilá. Ich hoffe, die Quelle ist genehm *augenklimper*

Ich kann verstehen, wenn Männer sich gerade in Hinblick auf Sexualdelikte benachteiligt fühlen, eben WEIL es diese oben angesprochene Verharmlosung gibt, aber heute noch davon zu labern, dass Männer laut Definition nicht von einer Frau vergewaltigt werden können, ist ungefähr so sinnig wie die Behauptung, Vergewaltigung in der Ehe sei immer noch straffrei. Es ist seit über 15 Jahren anders, also wiederhole ich mein Kommentar zu diesem Bullshit: Kommt von eurem Trip runter. Extrem scheiße, dass es so lange gedauert hat, aber jetzt ist es Gott sei Dank vorbei, also hört auf, das Gegenteil zu behaupten und glaubt verdammt noch mal nicht jedes Horrormärchen über unseren ach so femifaschistischen Staat, das euch in den Kram passt.

Mit geschlechtergerechter Sprache im StGB wäre das übrigens vermutlich nicht passiert.

 

3. Was ist Verharmlosung?

Zurück zu Game of Thrones. Reden wir doch mal kurz über ein anderes Vergewaltigungsopfer: Daenerys.

In der Serie wird sie in der Nacht ihrer Hochzeit, bei der sie kein Mitspracherecht hatte, vergewaltigt. Dieser Missbrauch setzt sich fort, bis sie es schafft, ihren Ehemann/Vergewaltiger so zu umgarnen, dass er mehr in ihr sieht als sein Sexspielzeug und potentielle Gebärmaschine.

Auch in diesem Fall gab es schon Kritik. Kritisiert wurde jedoch nicht die Vergewaltigung an sich, sondern der Voyeurismus, der damit angeblich bedient wird. Ich sah das nie so. Vor allem die Szene ihrer Hochzeitsnacht fand ich ganz, ganz stark. Daenerys ist offensichtlich verängstigt, versucht aber, gefasst zu sein und mit Khal Drogo zu kommunizieren, der allerdings ihre Sprache nicht spricht. Schon bevor er ihr Oberteil abnimmt, bröckelt ihre Fassung dahin und sie beginnt zu weinen. Sie bedeckt ihre nackten Brüste, doch Khal Drogo packt ihre Handgelenke und zieht sie weg. Gerade das fand ich sehr eindrücklich: Sie wehrt sich, aber nur ganz kurz – in ihrem Gesicht und dieser Geste kann man lesen, dass sie weiß, dass sie sowieso keine Chance hat. Sie weiß, sie kann entweder kämpfen und wird, möglicherweise grün und blau geschlagen, am Ende trotzdem vergewaltigt, oder sie kann einfach still halten und es über sich ergehen lassen. Sie entscheidet sich für letzteres, womit die ganze Ausweglosigkeit ihrer Situation klar wird. Ihre gesamte Verzweiflung spiegelt sich in ihrem Gesicht und deshalb ist die Szene aus filmischer Sicht unglaublich gut.

Zu sehen hier ab ca. ab Minute 5:40

Ähnlich die zweite Szene zwischen ihr und Khal Drogo. Er vergeht sich an ihr, was ihr offensichtlich weh tut, und auch dabei ist nichts als Verzweiflung zu sehen. Berührend und ganz, ganz stark.

Der Vorwurf „Voyeurismus“ bezog sich wohl darauf, dass Daenerys in beiden Fällen oberkörperfrei war. Aber ist das schon Verharmlosung?

Eines Sonntags kroch ich nach einer höllischen Samstagabendschicht erst nach Mittag aus meinem Zimmer und fand im Wohnzimmer meinen Mitbewohner vor, der einen seiner Kumpels gerade mit Game of Thrones angefixt hatte. Sie hatten die Serie angefangen und legten gerade die 3. Folge ein, als ich reinkam.
Ich war kaum da und hatte sie begrüßt, als mein Mitbewohner meinte: „Der X hat ne Theorie zur Serie.“ Dabei sah er mich seltsam erwartungsvoll an. Ich war ob dieses Blickes verunsichert: Was kommt denn jetzt?
Ich fragte also X nach seiner Theorie. Dieser grinste breit und meinte ausgelassen: „Ich glaube, die Blonde da wird in jeder einzelnen Folge gefickt!“
Woraufhin ich ihm direkt in die Augen sah und ruhig meinte: „Findest du es witzig, dass sie vergewaltigt wird?“

Ich hätte kein besseres Resultat erzielen können, wenn ich ihm eine geknallt hätte. Meine gelassenen Worte trafen ihn voll in die Fresse, die ihm einfach wegflog. „Was?! Nein!! Ich meine, also… so meine ich das doch nicht!!“
Er stammelte noch ein bisschen mehr, aber ich winkte ab. Mein Werk war getan (ganz ohne auszurasten), mehr musste ich schon gar nicht mehr sagen. Aber er konnte gar nicht aufhören, mich anzustarren.
‚Findest du es witzig, dass sie vergewaltigt wird‘,“ wiederholte er noch einmal fassungslos.

Dieser Typ ist kein schlechter Mensch. Er denkt nur manchmal nicht nach, wie die meisten Menschen. Und klar, schöne Brüste – wer sieht die nicht gerne?
William Moulton Marston, der Schöpfer von Wonder Woman, sagte mal über sein Produkt, dass es unmöglich sei, eine weibliche Figur zu erschaffen, ohne bei irgendjemanden sexuelle Implikationen auszulösen. Ich denke, das stimmt. Daher glaube ich, dass eine Vergewaltigungsszene im filmischen Kontext nicht realisierbar ist, ohne dass sich irgendjemand davon angemacht fühlt, egal, wie sensibel, eindrücklich oder brachial man mit dem Thema umgeht. Das heißt nicht, dass solche Szenen nicht wirklich absichtlich oder unabsichtlich voyeuristisch sein können – nur sehe ich das bei Daenerys nicht gegeben. Nackte Brüste sind nichts, womit man Leute heutzutage noch schocken kann, zumal sie hier anders als die vielen anderen nackten Titten in der Serie ja auch noch Sinn machen. Deshalb sind ihre Szenen mit Khal Drogo weder voyeuristisch, noch verharmlosend.

Natürlich sind einige der Meinung, die Tatsache, dass sie im weiteren Verlauf ihren früheren Vergewaltiger zu lieben beginnt, wäre Verharmlosung. Ich nenne es lieber Stockholm-Syndrom.

Cerseis Vergewaltigung war nun eigentlich nicht im Geringsten explizit, man sieht kein einziges Fitzelchen Haut. Warum hat mich das also so aufgeregt, während ich Daenerys‘ Situation einfach so hingenommen habe?

Vielleicht lasse ich einfach ein paar Kommentare sprechen:

„Ich verstehe die Aufregung immer noch nicht. Jaime merkt das Cercei eine echt übles Miststück ist ( verlangt den Bruder zu töten ) und macht den Ragefuck ( Vergewaltigt sie ).“

„Eine Vergewaltigung aus Sicht der Beteiligten gäbe es aber allenfalls (wenn überhaupt, sie sind ja ein Liebespaar), wenn Cercei über den kompletten Akt hinweg unwillig gewesen wäre.“

„Da der komplette Akt, das unmittelbare Danach aber nicht gezeigt wurde, ist die beanspruchte Deutungshoheit “es war DEFINITIV eine Vergewaltigung!!1″ aber sowieso Mumpitz.“

Gerade die letzte Passage ist so unglaublich blöd. Ja, als Buchleser könnte man sich vielleicht vorstellen, dass es nach Abblende vielleicht noch einvernehmlich geworden ist, weil man weiß, dass es ja eigentlich einvernehmlich hätte sein sollen, aber was nützt das bitte den Zuschauern?!
Außerdem dringt er während der Szene und während sie unwillig ist in sie ein, womit der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt ist.

Besonders interessant finde ich die Vorstellung, jemand, der schon mal freiwillig mit jemanden geschlafen hätte, könnte ja von dieser Person nicht vergewaltigt werden. Dazu sage ich nein und der Gesetzgeber sagt auch nein und das ist gut so. Unglaublich, so etwas heute noch lesen zu müssen.

Cerseis Vergewaltigung verharmlost Vergewaltigung. Die Szene wird als einvernehmlich gelabelt, obwohl sie es nicht ist, sie zerstört einen Charakter, der sich inzwischen vom Schurken eher zum Helden entwickelt hat und sie offenbart leider die ganze Palette an saublöden Relativierungen, die mit Vergewaltigung einher gehen.

Nun kommt eine Relativierung von mir. Wir haben ja schon festgestellt, dass Theon nicht vergewaltigt wird, weil keine Penetration stattfindet. Aber für mich wäre es auch keine Vergewaltigung gewesen, hätte eine stattgefunden. Er gibt seinen Widerstand nämlich auf und macht mit. So ähnlich hätte ich mir die Szene zwischen Cersei und Jaime gewünscht. Hätte Cersei sich so verhalten wie Theon, wäre der Sex zwischen ihr und Jaime für mich keine Vergewaltigung gewesen.
Das kann man scheiße finden und mich für diese Einstellung verurteilen. Immerhin sind BEIDE am Anfang unwillig. Aber wie ich schon in dem anderen Artikel schrieb: Filmischer Kontext! Und auch juristisch wäre in beiden Fällen keine Vergewaltigung passiert. Das hat nichts damit zu tun, dass Theon ein Mann und die potentiellen Täterinnen Frauen sind. Und deshalb verharmlost die Szene sexuelle Gewalt gegen Männer nicht.

Aber natürlich gibt es noch jede Menge andere Gewalt gegen Männer, die nun, da Cerseis Vergewaltigung so in die Kritik geriet, auch kritisiert wird. Es kann ja nur so sein, dass die Sache mit Cersei schlimm ist, weil sie eine Frau ist, und die ganzen anderen Sachen nicht, weil sie Männern passieren.

Das ist falsch. Ich kritisierte nicht die Vergewaltigung per se. Ich kritisierte das gesamte Drumherum. Und weil das Drumherum bei anderen Gewalttaten „stimmt“, kritisiere ich sie nicht.

„Eine ganze Armee unfreiwillig kastrierter Sklaven, die mittels Folter zu Tötungsmaschinen gemacht werden – warum regt sich DARÜBER keiner auf?!“ – Weil es hier nichts zum Aufregen gibt! Die Art der Ausbildung, unter der die Unbefleckten zu leiden hatten, wird eindeutig als böse angesehen. Die Meister von Astapor SIND BÖSE. Und dafür werden sie bestraft. Astapors Meister werden abgeschlachtet und alle Sklaven frei gelassen. Dasselbe in Yunkai und Meereen. Sklaverei ist etwas schlechtes und das wird eindeutig kommuniziert. Was die Unbefleckten durchmachen mussten, dient dazu, die Schlechtigkeit der gesamten Gesellschaftsordnung der Städte der Sklavenbucht zu demonstrieren!

„Ein Junge wird verkrüppelt im Versuch, ihn zu ermorden und zwei andere verbrannt!“ – Ja! Und das ist schlecht! Es ist böse und es ist falsch! Es wird wohl keinen Zuschauer auf der ganzen Welt geben, der das anders sieht!

„Niemand kritisiert Theons Folter und dann wird er auch noch kastriert – das ist so grausam!“ – Ja! Weil es das sein soll! Die Gewalt dient einem Zweck! Was im Buch „off-screen“ passierte, war so innerhalb der Serie nicht zu realisieren – man kann nicht einfach einen Hauptdarsteller für eine ganze Staffel verschwinden und dann als völlig neuen, gebrochenen Menschen ein Jahr später wieder auftauchen lassen. Man muss es zeigen, sonst kapiert das doch niemand! Und es ist gut gemacht! Es ist grausam, weil es grausam sein soll! Aber das bedeutet doch nicht, dass es irgendjemand gut findet!
Theon hat Unschuldige getötet, auf die Menschen gespuckt, die ihm vertraut haben und ist Schuld daran, dass Winterfell zerstört worden ist. Aber deswegen hat er keine Folter verdient, keine Kastration, keine solche Demütigung! Diese Szenen werden nicht etwa genossen, weil er kein toller Typ ist, im Gegenteil, sie erzeugen Mitleid mit Theon und demonstrieren, was für ein komplett verrückter Irrer Ramsay Snow ist!

Natürlich kann man das trotzdem alles kritisieren. Im Zuge dieser Debatte habe ich jetzt schon häufiger von Männern gelesen, welche die dargestellte Gewalt ekelhaft finden und sie sich kaum ansehen können. Ich empfand das nicht so. Dafür könnt ihr mich gerne häuten, aber so ist es nun mal. Ich entstamme der Generation, die Resident Evil, Counterstrike und Postal 2 zockte, sich mit Saw und Hostel einen schönen Filmabend machte und die Pervertierung des HipHop und den Aufstieg des Nu Metal mitsamt seiner gewalttätigen Lyrics miterlebte. Wir sind die Generation, die laut Vorstellung erzkonservativer alter Säcke eigentlich komplett aus Amokläufern bestehen müsste und sind trotzdem zum überwiegenden Teil friedliche Menschen, die niemals irgendetwas von dem, was wir gesehen oder gehört haben, nachmachen könnten oder wollten.
Es gibt Gewaltdarstellungen, die ich ebenfalls ekelhaft finde und mir nicht ansehen kann. Und ja, einiges in Game of Thrones fand ich übertrieben. Aber nichts davon hat mich in irgendeiner Weise schockiert. Ich musste nie die Augen abwenden und meinen Appetit hat es mir auch nicht verdorben. Jetzt könnt ihr mir gerne Verrohrung, Degeneration oder sonstwas vorwerfen, aber dann vergesst bitte nicht die viele Millionen Fans, die außer mir auch keine Probleme damit haben.

Lieber Schoppe, was wir hier haben, ist eine Diskussion um Gewalt in den Medien, keine Geschlechterdiskussion. Damit habe ich mich im Zuge meiner Examensarbeit beschäftigt und kann daher sagen, dass der Vorwurf, Popkulturelle Medien seien gewalttätig oder sonstwie anrüchig, so alt ist wie die Popkultur selbst. Das ist kein Mann-Frau-Ding. Und eine Vergewaltigung, ob sie nun wirklich passiert oder nicht, ist nichts, was rein aufgrund ihrer Gewalttätigkeit kritisiert worden ist. Jedenfalls nicht von mir.

Deshalb lass mich das nächste Mal bitte aus dieser Diskussion raus, zumal du die ganzen Leute, welche die Vergewaltigung Cerseis relativierten, ja offensichtlich ignorierst, obwohl es unmöglich ist, dass dieselben Leute deiner Argumentation bezüglich der sexuellen Gewalt gegen Theon folgen. Ich habe ein gewaltiges Problem mit der Verharmlosung von Vergewaltigung, egal gegen wen sie geht, aber ich habe kein Problem mit Gewalt in den Medien und damit auch keines mit Vergewaltigung in den Medien, sofern beides in den richtigen Kontext gesetzt wird. Und das ist bei Theon, Bran, den Unbefleckten, Jaime, als er seine Hand verliert, und all den anderen, die innerhalb der Serie Opfer von Gewalttaten sind, in meinen Augen definitiv der Fall.

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Game of Thrones – [positive Kritik not found]

Spoilerwarnung bis zur aktuellen Folge (Season 4, Episode 3). Leichte Spoilerwarnung für Nichtbuchleser, aber ich versuche mich auf ein Minimum zu beschränken.

Leute, ich bin megamäßig angepisst. Das hat in diesem Fall zwar etwas gedauert, aber nun hätte ich nicht übel Lust, zu den Drehorten von Game of Thrones zu fahren und und dort die gottverdammten Sets abzufackeln.

Wisst ihr, bis letzte Woche hatte ich fest geplant, endlich (der Plan steht schon seit der dritten Staffel im letzten Jahr) die feministische Kritik an dieser Ausnahmeserie in einem langen Artikel so richtig auseinander zu nehmen, denn ich mag die Serie und teilte die Kritik nicht. Ich wollte auf den völlig hanebüchenen Vorwurf eingehen, die Serie würde – wieder mal – keine starken weiblichen Charaktere bieten. Ich wollte darlegen, wie dämlich es ist, der Serie Homophobie vorzuwerfen, nur weil George R. R. Martin sich entschlossen hat, kein Gleichberechtigungs-Winterwunderland zu erschaffen, welches die gesellschaftlichen Umstände, Sitten und Gebräuche von Westeros völlig ignorieren würde. Und ich wollte versuchen zu erklären, warum die Darstellung von Vergewaltigung, wie sie z.B. Daenerys in der ersten Staffel immer wieder erleiden muss, nicht notgedrungen zu verurteilen und voyeuristisch ist, nur weil es halt IMMER einen Wichser geben wird, der sowas geil findet, statt verdammt noch mal etwas Mitgefühl aufzubringen.

Dann kam die letzte Folge. Und mein ganzes schönes Konzept krachte völlig zusammen.

In Folge 3 wird Cersei von ihrem Bruder und (ehemaligen) Geliebten Jaime vergewaltigt. Ich konnte erst nicht glauben, dass dies wirklich passiert. Fassungslos wartete ich während der ca. zweiminütigen Szene auf irgendetwas, was diese Grässlichkeit stoppen würde. Aber es passierte nichts. Und kaum wurde abgeblendet, schlug ich die Hände über den Kopf zusammen und stöhnte: „Das wird SO VIELE Diskussionen geben!!!“

Dem war so, obwohl ich mich ein paar Tage lang stur und absichtlich nicht damit befasst habe. Doch jetzt ist Schluss. Ein einziger Artikel, über den ich gestolpert bin, hat einen regelrechten Damm gebrochen und nun könnte ich wirklich platzen vor Wut.

Es gibt zwei große, GROSSE Probleme mit dieser Szene. Das erste, das offensichtlichste Problem besteht darin, dass Regisseur Alex Graves behauptet, es wäre keine Vergewaltigung. Well… dann ist ja alles in Ordnung. NICHT!!!
Wenn er darüber labert, dass der Sex „gegen Ende einvernehmlich wird“, beschreibt er eine recht verbreitete Art der, nun, nennen wir es „sexuelle Eroberung“, im filmischen Kontext (und ich bin überzeugt davon, dass so etwas schon öfter in Filmen dargestellt wurde, als es in der Realität überhaupt vorkommt). Er hatte wohl sowas im Sinn:

Pussy Galore (ach… no comment) erwidert den Kuss am Ende und das, was danach kommt (man geht davon aus, dass sie danach Sex hatten, aber es wird dann wohl abgeblendet, so dass man es nicht mit Sicherheit wissen kann) offensichtlich. Verbalisiert käme wohl sowas unglaublich dämliches raus wie „Nein, James, nicht, nein, nein… oh… oh, ja! JA!“ Ich kann zwar ein Stück weit nachvollziehen, warum manche auch mit solchen Szenen Probleme haben – man kann ja nicht wissen, ob der gute James aufgehört hätte, wäre sie NICHT plötzlich dahin geschmolzen – aber für mich ist das keine Vergewaltigung.

Es wäre demnach auch bei Cersei und Jaime für mich keine Vergewaltigung gewesen, hätte sie so reagiert. Genau darauf wartete ich dann auch die ganze Zeit. Selbst kleine Anzeichen hätten mir ja schon genügt. Man ist ja anspruchslos. Aber die gibt es nicht. Die Szene ist von hinten bis vorne eine Vergewaltigung.
Nach einem (einvernehmlichen) Kuss, den Cersei abbricht, zischt Jaime was von Liebe, packt Cersei, reißt ihr Kleid (oder ihren Unterrock) kaputt, drängt sie schließlich zu Boden. Cersei wehrt sich mit Taten und Worten („stop it, stop it“, „it’s not right“, „no“), fängt an zu weinen und zu schluchzen, verzieht das Gesicht vor Schmerz, dreht es (mit geschlossenen Augen) weg. An einer einzigen Stelle, als beide noch stehen, scheint sie kurzzeitig ein wenig, äh, zugeneigter, aber das erwähne ich nur der Vollständigkeit halber, weil sie danach offensichtlich weiterhin keinen Sex will. Jaime interessiert ihr Geschluchze nicht („I don’t care“).
EINE – VERGEWALTIGUNG. Ganz klar. Genauso klar ist die darauf folgende feministische Kritik. Aber nicht nur Feministinnen sehen das so. Und selbst Idioten, die nicht kapieren, warum die Szene scheiße ist, sehen die Vergewaltigung. Wie um alles in der Welt kann Graves behaupten, es sei keine?!

Nehmen wir mal an, Graves lügt nicht, weil er jetzt so viel Kritik aushalten muss (armes Hascherl!), wenn er sagt, dass die Szene einvernehmlich geplant gewesen war. Dann hätte ich da eine Frage: Mr. Graves, warum sind Sie so ein unglaublicher Loser?! Wie kann man seine Intention als erfahrener Künstler so grandios verfehlen?! Denn ein Regisseur ist IMMER die letzte Instanz – in diesem Fall nach der Vorlage von George R. R. Martin, den Drehbuchschreibern und den Schauspielern. ER IST DER VERANTWORTLICHE. Und als solcher hat er einfach nur himmelschreiend versagt. Er ist ein Versager. Und offensichtlich ein blödes Arschloch, das nicht den Unterschied zwischen einer wenig hübschen, aber nicht vollends verwerflichen „Sie mag erst nicht und dann ja doch“-Sexszene und einer offensichtlichen Vergewaltigung kapiert!!!

Das ist eine Problematik, die erst durch sein dämliches Kommentar so schlimm geworden ist – aber es sieht noch wesentlich beschissener aus, wenn man die Bücher kennt.

Offensichtlich kann sich das verlinkte Basler Provinzblatt keinen Autoren leisten, der die gottverdammten Bücher gelesen hat. Angeblich sei die Szene nur deshalb kritisiert worden, weil sie sich so nicht in der Vorlage findet und darum sei das alles ja wieder mal nur feministische Hysterie und #aufschrei und höhöhö, kuck dir mal die frustrierten Emanzen an.

Tja, DIESE frustrierte Emanze hier HAT die Bücher gelesen. Auch dort ist die Sexszene an Joffreys aufgebahrter Leiche nicht gerade ein Ausbund an Romantik. Im Buch kehrt Jaime erst an dieser Stelle aus seiner Gefangenschaft zurück und fällt, kaum wird er Cersei ansichtig, von Lust übermannt über sie her. Auch hier fragt er nicht erst nett, ob sie mit ihm schlafen will, aber sie öffnet sich für ihn und empfängt ihn willig. Ja, nicht gerade supi, aber keine Vergewaltigung.

Aber das ist nicht das Problem. Es geht nicht darum, dass ein einvernehmlicher Verkehr für die Serie zu einer Vergewaltigung umgeschrieben worden ist (obwohl, wie ich finde, die Frage danach, warum die Macher glauben, so etwas sei nötig, durchaus legitim ist). Es geht auch nicht darum, dass die Serie von der Vorlage abweicht. Das ist ja schon öfter passiert und interessiert außer ein paar Puristen keine Sau. Einige der Änderungen fand ich sogar extrem gelungen, so dass die entsprechenden Szenen in meinen Augen sogar besser waren als in den Büchern. So bin ich auch sehr damit einverstanden, dass in Daenerys‘ Hochzeitsnacht ebenfalls eine Vergewaltigung stattfindet (dies ist offensichtlich, es sei denn, man gehört zu den armseligen Gestalten, für die es keine Vergewaltigung ist, wenn eine völlig verzweifelte Frau in Angesicht ihres Riesen von Ehemannes bemerkt, dass sie komplett chancenlos ist und sich daher nicht wehrt), obwohl der Verkehr im Buch als einvernehmlich geschildert wird. Im Buch wird Daenerys genau wie in der Serie nicht gefragt, ob sie Khal Drogo heiraten will, ist aber dort erst 13 Jahre alt – lächerliche Vorstellung, sie würde dem Sex in ihrer Hochzeitsnacht freudestrahlend zustimmen, zumal die folgenden Zusammenkünfte dann wieder als nicht-einvernehmlich beschrieben werden. Das hat im Buch schlichtweg keinen Sinn gemacht, daher ist es gut, dass sie das geändert und eine wirklich starke, sehr gut gespielte Szene daraus gemacht haben, in der die ganze Ausweglosigkeit von Daenerys‘ Situation eindrücklich deutlich wird.
Es geht auch nicht einfach nur darum, dass eine Vergewaltigung dargestellt wird. Das war nicht das erste Mal in der Serie und wird wohl auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Die gesamte Serie ist ausgesprochen brutal – dämlich, ausgerechnet Vergewaltigungsszenen anzuprangern, solange sie nicht voyeuristisch ausgeschlachtet werden.

Nein, die Szene ist deshalb zum Kotzen, weil sie damit mal so eben nebenbei Jaimes Charakter vollständig zerstört.

Jaime ist am Anfang der Serie ein Arschloch. Ein arroganter Wichser, so ein echter Lannister halt, der nicht nur Ned Stark angreift, sondern sogar vor seiner eigenen Familie nicht halt macht, wenn er, um zu fliehen, den Verwandten, der zu ihm in seinen Käfig gesperrt wird, mal eben umbringt (das hat sowieso keinen Sinn gemacht, denn dieser altbekannte „kranker Mitgefangener“-Trick hätte auch funktioniert, hätte er seinen Cousin oder wer der Typ war einfach darum gebeten, sich tot zu stellen). Erst der Verlust seiner Hand, aber vor allem seine Wanderschaft mit Brienne läutet einen Wandel ein.
Überhaupt – Brienne. In der 3. Staffel unterhält er sich mit ihr noch darüber, wie ekelhaft Vergewaltigung ist und rettet sie dann auch noch vor einer eben solchen, und jetzt vergewaltigt er mal so eben die Liebe seines Lebens?! Aber nee, ich vergaß: Es war ja alles total einvernehmlich *kotz*

Wer die Bücher nicht gelesen hat und vielleicht nicht mal weiß, dass die Szene im Buch anders ist, der wird nicht verstehen, warum das so unglaublich schrecklich ist. Es sah dann halt eben zwar so aus, als hätte Jaime sich gebessert, aber tja, alte Gewohnheiten, ne? Ist er wohl doch ein Arschloch, Lannister halt.
Genau das ist er eben nicht. Hier muss ich leider ein bisschen spoilern, also nicht weiter lesen, wenn ihr minimale Ausblicke auf das Kommende nicht lesen wollt. Fakt ist, dass so ziemlich alle Charaktere der Reihe nicht eindeutig gut oder eindeutig schlecht sind, sondern jeder gute und schlechten Anteile hat. Jaime war am Anfang ziemlich eindeutig schlecht (davon abgesehen, dass er mal eben so ganz King’s Landing gerettet hat, wofür ihm nie gedankt wurde), ein Charakter, den ich mit Vergnügen gehasst habe, entwickelt sich aber stark. Bis dato (die Reihe ist ja noch nicht beendet) hat sich das noch nicht sehr in konkreten Taten ausgedrückt, aber als Point-of-View-Charakter, also ein Charakter, aus dessen Sicht Teile der Handlung geschildert werden, wird ein Einblick in seine Innenwelt gewährt und die ist eindeutig.
Besonders beeindruckend ist hierbei sein Verhältnis zu Cersei. Nachdem er sich so nach ihr gesehnt hat und seine Sehnsucht sich in ihrem einvernehmlichen Sex entladen hat, wird ihm im Folgenden immer mehr bewusst, was für ein schrecklicher Mensch Cersei eigentlich ist – liebt sie aber immer noch. Das ist ein schmerzvolles Dilemma und eine vielschichtige Charakterzeichnung, die einfach großartig ist. Allerdings typisch für die Reihe – ein Grund, weshalb ich sie so liebe und warum sie so erfolgreich ist.

Die Macher der Serie nun haben das alles ab Jaimes Rückkehr sehr zuverlässig versaut. Keine Ahnung, warum sie die Sexszene direkt bei seiner Ankunft gestrichen haben – ich hatte die (wie ich jetzt weiß idiotische) Hoffnung gehegt, sie wollten vielleicht einfach den Titten- und Sexcontent ein bisschen zurück schrauben. Das allein wäre jedoch noch vertretbar gewesen. Schlimm wurde es erst, als Jaime sich im Folgenden – WOCHEN nach seiner Rückkehr – versucht, an Cersei ranzumachen und sie dies beständig abblockt. Sie knallt ihm sogar an den Kopf, dass er sich nicht genug Mühe gegeben habe, schneller zu ihr zurück zu kehren, wohlgemerkt aus seiner GEFANGENSCHAFT. Das findet sich so zwar auch im Buch, allerdings nur als verbitterte und typisch egozentrische Gedanken Cerseis in den Teilen, die aus ihrer Sicht geschildert worden sind.
Mir hat das überhaupt nicht gefallen, wird doch damit Jaimes intrinsische Motivation aus den Büchern zu einer extrinsischen. Er ändert sich nicht langsam, weil er selbstständig merkt, dass Cersei eine saublöde Kuh ist, sondern weil sie so asozial mit ihm umgeht. Damit wird diese wunderbar beschriebene Charakterentwicklung zu einer reinen Trotzreaktion auf Cerseis Arschigkeit. Und das ist unglaublich scheiße!!

Dennoch wird diese Entwicklung zum Guten wohl auch in der Serie so beschrieben werden – und genau deshalb ist die Vergewaltigung so schlimm. Die einzige Möglichkeit, das wieder hinzubiegen, wäre wirkliche, ehrliche Reue; wenn die Vergewaltigung ein letztmaliges Zurückfallen in alte, böse Verhaltensmuster gewesen wäre und der letzte Anstoß, den Jaime braucht, um sich vollends in Richtung „gut“ zu entwickeln. Zwar wäre das immer noch eine selten schreckliche und beschissene Art, seine Wandlung zu initiieren, aber es hätte wenigstens noch leidlich funktioniert.

Tja, ratet mal, warum das so nicht kommen wird?! Ganz genau: Weil der Sex ja EINVERNEHMLICH gewesen war! Und weil Arschloch-Regisseur Graves ja so dermaßen davon überzeugt ist, KANN Jaime seine Gewaltanwendung ja gar nicht bereuen. Warum auch, wenn es einvernehmlich war?!

Ist damit klar, warum die Szene so unendlich beschissen ist? Die Szene wird im Folgenden vermutlich ignoriert werden, eine wirkliche Auseinandersetzung wird nicht statt finden. Und Jaime wird sich von seiner schrecklichen Schwester abwenden, weil er ja so viel besser ist als sie, und zum Sympathieträger. Ein Vergewaltiger. Bravo. Einfach nur toll gemacht, ihr Vollidioten. This is how you ruin a character.

Gleichzeitig ist damit auch Cerseis Charakter total kaputt. Sie ist eine furchtbare Frau, eine arrogante Zicke, ein intrigantes Miststück, eine schreckliche Diplomatin und ein grausamer Mensch. Aber jetzt kann ich sie nicht mehr hassen. Auch DAS haben die Macher versaut.
Natürlich kommen schon die Assis angekrochen, die meinen, Cersei hätte es halt verdient, eben weil sie so scheiße ist. So wie auch im echten Leben immer Rechtfertigungen gesucht werden, warum ein Vergewaltigungsopfer ja doch irgendwie selbst Schuld ist. Yay, victim blaming galore. Mal was ganz neues!!

Man mag argumentieren, dass dies ja auch Vielschichtigkeit sei – wenn man bösen Charakteren böse Dinge zustoßen lässt. Aber wisst ihr, das ist schwer. Offensichtlich ja ZU schwer für die Verantwortlichen. Zumal es vermutlich keine großartigen Auswirkungen auf Cersei haben wird, denn mit ihren vielen Hör-aufs hat sie ja zugestimmt. Meine Fresse, ist das einfach nur so schlecht!!

Somit wird des billigen Schockeffekts wegen mal eben so ein Bild dem Zuschauer implementiert, das für das fortgesetzte Leid vieler Vergewaltigungsopfer verantwortlich ist. Und MIR hat es den Spaß an einer meiner Lieblingsserien versaut. Das ist natürlich im Vergleich keine Tragödie, aber es kotzt mich trotzdem an. Und nun habe ich, obschon ich so lange geplant hatte, die Serie vor Vorwürfen zu verteidigen, das dringende Gefühl, die ganze Zeit im Hinblick auf die für die Handlung völlig unnötigen Nacktszenen, die vielen so bemüht expliziten Gespräche und dieses ganze Setting um Littlefingers Puff erstens etwas blauäugig und zweitens zu nachsichtig gewesen zu sein. Ich meine, wenn man sich als Mädchen in Jungsdomänen herum treibt (zumindest halten die Macher dieser Serie Fantasy offensichtlich für ein Jungsgenre), wie ich es schon mein ganzes Leben lang tue, dann muss man einiges hinnehmen. Man stumpft ab, verdreht nur die Augen, wenn Wonder Womans Titten mal wieder völlig überdimensioniert und unrealistisch gezeichnet werden oder Steel Panther von Schlampen und Nutten singen. Man akzeptiert den Fanboyservice in einer solchen Serie, auch wenn HBO das eigentlich nicht nötig hat und ganz klar ist, dass ein solcher Erfolg gar nicht möglich wäre, hätte die Serie nicht auch viele weibliche Fans.

Aber offensichtlich sind HBO seine weiblichen Fans egal, wenn sie es zu Anfang jeder Staffel gerade mal 13 Minuten (3. Staffel) bzw. 11 Minuten (4. Staffel) aushalten, bis die erste von Littlefingers Nutten ihre nackten Titten durchs Bild schwingt.

Und jetzt das. Eine für den Handlungsverlauf und die Charakterentwicklung völlig kontraproduktive Gewalttat, die angeblich keine ist, und darum auch nicht als solche behandelt werden wird, mit keinerlei Auswirkungen auf die Beteiligten. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.

Ich bin ehrlich: Ich werde mir die Serie weiter ansehen, weil der Rest einfach immer noch viel zu gut ist. Noch habe ich auch einen winzigen Rest Hoffnung, dass es anders weitergehen wird, als ich es hier vorhergesagt habe. Die neue Folge kommt schließlich schon heute Nacht und eine Frau hat Regie geführt. Ob das irgendwas ändern wird, bezweifle ich, zumal ich nicht weiß, wie die Serie gedreht wird (chronologisch oder parallel) und ob sie die Endfassung der letzten Folge überhaupt sehen konnte, bevor die 4. Folge gedreht worden ist. Möglicherweise hat sie sich auf die reine Beschreibung verlassen (müssen) und dachte auch, das alles wär ja so super einvernehmlich abgelaufen.

Aber ein Stück weit ist die Serie für mich nun wirklich ruiniert – und das finde ich so unglaublich scheiße.

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Der Hobbit 2 – die Verheerung des Peter Jackson*

Spoilerwarnung, sowohl für den Film an sich als auch für das, was da noch kommen mag, denn ich habe das Buch gelesen und ich werde dieses Wissen benutzen.

Bree. Ein zotteliger Peter Jackson latscht karottefressend durchs Bild. Schon wieder. Und damit Willkommen in Mittelerde.

peter jackson

Wie jeder Film über diese schöne Tolkien-Welt beginnt auch dieser mit einer Rückblende. Wir sehen Thorin, der sich im „Tänzelnden Pony“ Brot und Käse gönnt, bevor Gandalf auftaucht und ihm erzählt, dass er dringend was gegen diesen bösen Drachen, der in Thorins alter Bude sitzt, tun muss. Sonst ist er nämlich niemals sicher, denn nachdem er jahrzehntelang unbehelligt durch die Städte der Menschen gelatscht ist, will man ihn jetzt plötzlich tot sehen. WEIL.
Dafür braucht er aber sämtliche Zwergenheere wo gibt und die kann er nur mit dem Arkenstein zusammen trommeln, weil legitimierendes Herrschaftssymbol und so. Leider sitzt da der Drache drauf, wie wir wissen. Was für ein Paradoxon. Aber Gandalf hat die Lösung: Man braucht nur halt einen so richtig guten Meisterdieb, ne?

Damit wird nonchalant übergeblendet in die Gegenwart und zu unserem liebsten Hobbit. Und mich beschleicht zum ersten Mal das diffuse Gefühl, dass hier möglicherweise etwas schief läuft, denn von den vier vorherigen Flashbacks bin ich doch einiges mehr an Epicness gewöhnt.

Hm…

buffy popcorn
Aber das ist jetzt nicht wichtig. Es herrscht nämlich Bedrohung deluxe. Nahtlos geht die Jagd auf die Zwerge aus dem letzten Teil weiter und weil die netten Riesenadler natürlich nicht noch ein bisschen weiter fliegen konnten, schmilzt der Vorsprung unserer Helden dahin.

Bilbo weiß von einem kleinen Spähausflug noch mehr zu berichten: Was über ein anderes Wesen, das auch noch rumschleicht. Gandalf macht ein „Stimmt, DEN hätte ich fast vergessen!“-Gesicht.

Ich so: „DAS soll Beorn sein? Das ist aber kein Bär.“

Doch, isser. Höhö. Also, wird zumindest gesagt. Nicht, dass dieses animierte Etwas wie ein Bär aussieht.
Also geht’s auf zu Beorns Hütte. Da sind auch schon die Orks. Wahlweise direkt hinter den Zwergen als auch noch ewig weit weg, aber in Sichtweite. Trotzdem Panik, klar, als durch Beorns Garten gehetzt wird. Derweil klatschen mir ein paar Monsterbienen ins Gesicht und schreien stumm: „3D, Bitch! DREI-DEE!!!“

loki annoyed
Die Orks schrecken zurück. Sie kennen Beorn wohl. Der taucht dann auch bald in seiner menschlichen Gestalt auf und sieht überhaupt nicht so aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe, nämlich so ähnlich wie Hagrid, nur nicht so trottelig.
Beorn erzählt, warum er Orks nicht mag. Die haben nämlich all die anderen Hautwechsler umgebracht oder versklavt. Bedeutungsvolles Closeup auf ne Metallmanschette an seinem Handgelenk. Also nix mit unglaublich mächtigen zauberhaften Wesen, das Orks eindeutig über ist. Womit sich die Frage stellt, warum die Orks Schiss davor haben, Beorns Hütte anzugreifen. Aber ach. Die haben besseres zu tun. Azog wird nämlich zurück nach Dol Guldur beordet, was ihm nicht passt, aber wenn der Nekromant ruft, gehorcht man natürlich. Seine Orkhorde ist erstmals deutlich zu sehen. Was waren das noch schöne Zeiten, als Orks noch geschminkte Menschen waren.

Beorn konstatiert derweil, dass Zwerge scheiße sind, Orks aber halt noch beschissener. Deshalb kriegen die Jungs Ponys, um bis zum Rand des Düsterwaldes zu kommen, der inzwischen so korrumpiert ist, dass nur noch der alte Elbenweg eine sichere Möglichkeit für die Durchquerung darstellt.

Abgang Beorn. Öhm, okay. Das ging ja schnell.

Am Düsterwald angekommen zieht Galadriel ihre abgespacte Telepathienummer ab und Gandalf muss ganz plötzlich weg. Er hat gerade noch Zeit, der Crew einzuschärfen, dass sie auf gar keinen Fall den Weg verlassen dürfen, sonst sind sie auf ewig verloren.

Die Zwerge sagen also Tschüss, rennen in den Wald und verlaufen sich augenblicklich.
rudy clapping

Es wird ein bisschen durch den Wald gestolpert wie durch einen Drogentrip. Das zerrt an den Nerven und fördert Aggression. Bilbo kommt schließlich auf die Idee, mal oben zu kucken, ob die Sonne noch da ist, und klettert auf einen Baum. Hübsche blaue Schmetterlinge schreien stumm: „DREI-DEE!!!“

Es trampelt was durch den Wald und auf die Jungs zu. Kaum wieder unten, wird Bilbo eingespinnt. Aber hallo. Die Zwerge sind es schon und werden von den Riesenspinnen getriezt. Aber nur Bilbo schafft es, sich rauszuwühlen und rammt einer Spinne seinen Brieföffner zwischen die Augen.

Er zieht den Ring an und wird nicht nur unsichtbar, sondern kann auch plötzlich die Spinnen verstehen. Woah – das ist ja mal ziemlich cool.

Mitbewohner: „Ja, cool. Aber dann zog er den Ring wieder aus und er konnte sie IMMER NOCH verstehen.“

lost smile

Oh.

Naja. Bilbo bringt ein paar Spinnen um, erhält Inspiration zur Benennung seines Schwerts und schneidet die Zwerge frei. Die kämpfen nun auch, aber immer mehr Spinnen fallen über sie her. Mitten im Kampf verliert Bilbo dann auch noch den Ring und statt weiter zu kämpfen, sucht er ihn erst mal.

Auftritt: Badass Tauriel in einem Robin-Hood-Outfit. Supercute. Tauriel ist übrigens elbisch für „Generisches Maskulinum, Bitches!! NIRGENDWO im „Hobbit“ steht, dass bei den Waldelben KEINE Frauen dabei sind!!“
Noch mehr Elben kommen angestürmt, darunter: Goldlöckchen Legolas, der definitiv da sein darf, weil er dort verdammt noch mal wohnt. Yaaaay. Er ist speckig geworden und hat ganz arg psychopathische Augen. Naaaay.

Die Elben schlachten die Spinnen ab, sind aber ansonsten nicht nett. Wir erfahren, dass Legolas Zwerge hässlich findet. Und Kili sieht Tauriel und ist augenblicklich deeply in love. Aber das war er auch schon ganz kurz in der Extended Edition vom letzten Teil, also scheint das so ein Spleen zu sein.

Während die Zwerge von den Elben abgeführt werden, sucht Bilbo immer noch den Ring. Er muss zwei Viecher abschlachten, um ranzukommen, und tut dies mit offensichtlichen Genuss. Kurz darauf findet er sich aber selber scheiße. Ob der Ring was damit zu tun hat?
Leider die beste Szene im ganzen Film.

Bilbo schleicht den Elben unsichtbar nach, die die Zwerge in ihre Waldfestung bringen. Dort residiert Thranduil, schlechtgelaunter Waldreichkönig mit einer lächerlichen Schwäche für richtig große Hirsche.
Die Zwerge werden gefilzt und in den Kerker geworfen. Kili macht einen sehr intelligenten „Ich hab da was in der Hose“-Witz und fühlt sich dabei ziemlich.
davegrohl

Tauriel findet das offensichtlich keck. Ja, eine starke, wunderschöne Elbin, die sich augenblicklich in den ersten geilen hübschen Zwerg verliebt, der durch den Wald gestolpert kommt – DAS ist doch mal ein Rolemodel, wie ich es mir immer gewünscht habe.

Wir erfahren, dass Legolas Zwerge hässlich findet.

Thranduil verhört derweil Thorin und macht ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Aber haha, kann er doch. Thorin dreht so richtig auf und Thranduil macht den empörtesten „How dare you?!“-Gesichtsausdruck, den ich je gesehen habe. Man möchte Taschentücher reichen. Aber dann wird er sauer, drückt Thorin die Visage ins Gesicht und löst irgendwie kurz nen Illusionszauber auf oder beschwört ne Erinnerung oder so was. Well, that’s weird.

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Thorin wird zum Verrotten in den Kerker geworfen.

Bilbo schleicht unsichtbar im Schloss und um Thranduil herum und bemerkt dabei nicht Tauriel, die auch rumschleicht, hinter ihm. Die sieht ihn aber nicht. Thranduil auch nicht. Der labert Tauriel extrem storyrelevant damit voll, dass sein Sohn Legolas auf sie steht (vermutlich deshalb, damit sie aufhört, so penetrant Furchen in den Boden zu latschen).
Tauriel is waaay to shocked darüber. Sichtliches Schlucken, aufgerissene Augen. Mal sehen, wer da KEINEN Oscar kriegt. „Aber ich bin doch nur ein armes katholisches Mädel vom Lande – Ihr würdet doch ohnehin nicht erlauben, dass Euer Sohn den Bund mit mir schließt?“
Thranduil: „Stimmt. Harhar.“ Boah, Troll ey. Ungefähr achttausend Jahre alt und immer noch ein royalistischer Bonze. Und die weibliche Form von „Elb“ ist offensichtlich „Elbe“ und nicht „Elbin“. I dislike.

Tauriel rennt directamente zu Kili, der mit seinem unglaublich interessanten Lieblingsstein spielt. Tauriel ist fasziniert. Zusammen singen sie „Wir alle sind aus Sternenstaub“ und es ist ziemlich grausam.
Ich höre nicht zu

Legolas ist eifersüchtig. Hach.

Bilbo findet derweil viel zu schnell raus, wie er die Zwerge befreien kann und tut dies auch fix. Er steckt sie in Fässer, während ein paar Wächter unelbenmäßig schnarchen (unangenehm berührtes Flüstern zwischen den Kinobesuchern, die das Buch nicht gelesen haben), und schickt sie den Fluss runter. Er hinterher.

Und jetzt BIG Actionszene. Die Elben rennen ihren Gefangenen nach und haben sie fast schon, aber die Orks sind auch plötzlich da – unter der Führerschaft des neuen Oberbösewichts Bolg. Warum zur Hölle haben sie den ausgetauscht?

Mitbewohner: „Vielleicht war Azog ihnen nicht hässlich genug.“

Elben und Orks kämpfen miteinander. Derweil stecken die Zwerge in den Fässern fest und können weder vor, noch zurück. Da jumpt Kili – natürlich der! – aus seinem Fass und schafft es, das Tor zu öffnen, das den Fluss versperrt, wird dabei aber von einem Pfeil ins Bein getroffen. Autsch. Aber weiter geht die wilde Wasserfahrt, während über und neben und um die Zwerge herum ein Kampf der CGI-Männchen tobt.
Nein, das ist nicht schön.

Legolas benutzt mal wieder Sachen und Leute als Surfbrett und seinen Bogen als Nahkampfwaffe. Man sieht mehr als überdeutlich, dass Tauriel nicht schießen kann.

Kurze Zwischensequenz mit Gandalf und Radagast, bei dem man natürlich alle nochmal dran erinnern muss, was der für nen Vogel hat. Sie turnen in den Gräbern der Neun rum und finden raus, dass die nicht mehr da sind. Beide haben Schiss in der Buxe.

Zurück zu den Zwergen. Die haben Elben und Orks abgehängt und sind jetzt am Langen See angekommen, der zwischen ihnen und dem Einsamen Berg liegt. Drumrum laufen würde allerdings zu viel Zeit kosten, also müssen sie irgendwie drüber und am besten noch zuerst in Esgaroth, der Stadt auf dem See, Zeug und so besorgen.
Gut, dass in dem Moment Bard auftaucht, ein Kahnfahrer mit Boot. Der beballert sie zwar erst mal aus unbekannten Gründen, aber Balin wirft sich voll diplomatisch dazwischen.
Er winkt mit ein paar Geldscheinen, damit Bard sie rüber nach Esgaroth bringt, und weist ihn darauf hin, dass man Geld gegen Waren und Dienstleistungen eintauschen kann. „Ihr habt doch bestimmt auch ein teures Frauenzimmer?“
Bard: „Nein… nicht… mehr…“
Uff.

annoying

Naja. Kurz: Bard fährt sie halt doch rüber.

Währenddessen verhört Thranduil einen Ork, den Legolas und Tauriel gefangen haben. Es wird gefragt, warum sie den 13 Zwergen nachgerannt sind.
Ork zu Tauriel: „Ha, 13, nicht mehr lange! Hey, Elbentussi, der Typ, den du angeschmachtet hast, der ist bald sowas von hin! Hab doch direkt gesehen, dass du auf den stehst! Ich hab nen Blick für sowas! Hahaha! Da kuckst du blöd! Morgulpfeilspitzen, Bitch, das kennen wir doch schon aus Episode 4! Scheiße, ne?! Hahaha!“
Tauriel ist tief erschüttert und Thranduil schickt sie auf die stille Treppe. Dann killt er den Ork, gerade als das Plappermaul etwas über Sauron und so erzählen will.

Mitbewohner: „Oh mein Gott!!! Wie scheiße!!! Das sieht so aus, als würde der mit denen unter einer Decke stecken!!! Oh mein Gott!!!“

Auf Anweisung des Königs lässt Legolas alle Tore schließen. „Niemand kommt hier rein oder raus!“
Torwache: „Und was ist mit Tauriel, treue Freundin seit Hunderten von Jahren, also, wenn die wieder kommt, die darf dann aber schon rein, ne?“
Legolas: „Ja, nee. Also… Neeee.“

Derweil schippert Bard die Zwerge über den See, der aus unerfindlichen Gründen im Spätsommer voller Eis ist, und auf eine Stadt zu, die wie eine postapokalyptische Symbiose aus „Oliver Twist“ und „1984“ aus dem Nebel auftaucht. Anachronismus galore!

Bard muss sie am hässlichen Sidekick des bösen Bürgermeisters vorbei in die Stadt schmuggeln. Beide sehen wie zwei richtig lächerliche Gestalten aus einen Harry-Potter-Film aus. Der Bürgermeister sinniert mit Blick über Esgaroth darüber, wer wohl so blöd sein könnte, seine Herrschaft stürzen zu wollen. Die Lösung ist denkbar einfach: Das muss der einzige Bewohner sein, den die Zuschauer bis jetzt mit Namen kennen gelernt haben! NATÜRLICH!!!

Bard muss sich derweil heimlich durch die Stadt schlängeln. Überall lauern Feinde in diesem faschistischen Mini-Überwachungsstaat.

Ich vergewissere mich, noch im richtigen Kino und in Mittelerde zu sein.

Bard schmuggelt die Gang schließlich durch die Toilette in sein Haus.
Seine Tochter: „Vater, warum kriechen da Zwerge aus unserem Klosett? Und warum klinge ich mit 13 Jahren schon wie Fräulein Rottenmeier?“

Thorin kuckt aus dem Fenster, sieht auf nen Turm so ne Art Pfeilschleuder und macht große Augen. Balin springt narrativ ein: Laut der Legende kann nur ein Pfeil, von so einem Ding abgefeuert, den Drachen töten. Ein richtiger Langbogen würde dabei ja viel zu cool aussehen. UND!!! DER PFEIL MUSS SCHWARZ SEIN!!! Das ist GANZ WICHTIG!!! WEIL!!!

carrie whaaaat

Tauriel hat sich derweil entschlossen, ihre Karriere zu opfern und dem Befehl ihres Königs den Mittelfinger zu zeigen für einen Typen, den sie erst fünf Minuten kennt, und ist auf dem Weg nach Esgaroth. Legolas stürmt ihr nach, in Liebe entflammt oder so eine Scheiße. Sie labern am Ufer miteinander und springen dabei munter zwischen deutsch englisch Westron und Elbisch hin und her, weil das ja bei zwei Personen, deren Muttersprache dieselbe ist, so wahnsinnig viel Sinn macht.

In Esgaroth hat es sich währenddessen trotz aller Sicherheitsvorkehrungen rumgesprochen, dass die Zwerge zu Besuch sind, was die meisten cool finden, denn es gibt eine Prophezeiung, laut der irgendwann Zwerge zurückkehren zum Erebor, es Gold regnet und dann die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt wird. Well. Leider erinnert sich nur Bard an diese letzte Zeile. Natürlich. Er rennt nach Hause, aber die Zwerge sind schon weg – in die Waffenkammer einbrechen.

Selbstverständlich werden sie geschnappt, aber vor dem Bürgermeister zieht Thorin eine Riesenshow ab und alle jubeln, weil sie sich so auf das Gold freuen. Der Bürgermeister, gar nicht blöd, heißt die Zwerge Willkommen und mobbt Bard, der zur Vorsicht rät. Hat ja schon Bards Vorfahr, der Stadtherr von Thal, es nicht geschafft, den Drachen mit dieser blöden Schleuder vom Himmel zu schießen. „Und jetzt zeigt alle auf Bard und lacht!“ So sei es. Gemein!

Am nächsten Morgen sollen die Zwerge in Ehren zum Erebor schippern, aber Thorin will nicht, dass Kili mitfährt, weil es dem mit seiner Wunde inzwischen ziemlich dreckig geht, einerseits natürlich wegen der Morgulpfeilspitze, andererseits vielleicht auch ein bisschen deswegen, weil bisher alle nur ein wenig auf der Wunde rumgetupft haben, statt mal das Stück Pfeil rauszuholen, das noch drin steckt.
Fili findet es scheiße, dass sein Bruder zurück bleiben soll.
Fili: „Nein, Thorin, das ist so wichtig für ihn!“
Thorin: „Nö!“
Fili: „Gut, dann bleib ich auch hier!“
Thorin: „Nein, Fili, das ist so wichtig für dich!“
Fili: „Nö!“
Thorin: „Fili! Du bist mein Neffe, was ich hiermit erstmals den Zuschauern verrate, und Thronerbe, weil ich offensichtlich doch vorhabe, in dieser Trilogie zu sterben, obwohl das schon im Buch dramaturgisch keinen Sinn gemacht hat, und du eine wesentlich bessere Wahl bist als dieser Typ aus den Eisenbergen, von dem man bis ungefähr fünf Minuten vor Ende des Buches nichts erfährt – natürlich Gesetz dem Fall, dass du deinem literarisch vorbestimmten Tode entgehst!“
Fili: „Whatever! Ich bleib bei meinem Bro!“

Insgesamt bleiben vier Zwerge in Esgaroth. Oh mein Gott, wie falsch.

I'm unhappy

In der Zwischenzeit rennt Gandalf völlig allein in Dol Guldur rum. Was irgendwie wesentlich uninteressanter ist, als es sein sollte.

Die Zwerge sind am Berg und suchen den Eingang, der auf der Karte eingezeichnet ist. Die Geheimtür ist schließlich überoffensichtlich genau dort, wo sie sein soll und Bilbo entdeckt sie. Thorin ejakuliert spontan vor Begeisterung.

Bei der Tür angekommen ist es höchste Zeit und niemand denkt auch nur eine Sekunde über des Rätsels Sprüchlein nach. Stattdessen wird auf die Tür eingehackt, obwohl wir alle schon in HDR 1 erfahren haben, dass Zwergentüren praktisch unzerstörbar sind. Sonne geht unter, Zwerge heulen und rennen weg, Bilbo erinnert sich an seinen Astronomieunterricht und daran, dass der Mond ja von der Sonne bestrahlt wird, weshalb man „den letzten Strahl der Sonne“ als Mondlicht interpretieren kann und das… fast… irgendwie… Sinn macht… also… irgendwie.

stupid people reaction

Die Zwerge ziehen tränenreich in den Berg ein und augenblicklich wird Bilbo Richtung Schatzkammer geschubst, damit er Smaug den Arkenstein unterm Hintern weg klaut.

Gandalf findet Sauron. Scheiße.

Bilbo schleicht sich in die Schatzkammer wie ein dem Tode geweihter Mensch aus einem 80er-Jahre-Horrorfilm: Indem er erstmal hinein ruft, ob denn jemand da ist. Ohne Worte.

Während er etwas uninspiriert den Schatz durchwühlt, weckt er dabei natürlich den Drachen und es dauert geradezu lächerlich lange, bis er auf die Idee kommt, sich unsichtbar zu machen. Das bleibt er aber nur gefühlt zwei Sekunden, weil Smaug ihn mit dem Signalwort „Schatz“ triggert und schon stehen sich die beiden Angesicht zu Angesicht gegenüber.

what community

Smaug sieht ja mal so richtig geil aus. Aber jetzt wird erst mal viel gelabert. Die Cumberbitches wollen das so.

Zurück zu Bard und seiner Familie. Das Haus wackelt kurz.
Tochter: „Werden wir alle sterben?“
Als Antwort nimmt Bard sein Gewürzregal auseinander. Es ist der letzte Pfeil für die blöde Schleuder. NATÜRLICH SCHWARZ. Bevor er aber damit irgendwas nützliches anstellen kann, wird er von der Esgaroth-Gestapo in den Knast geworfen. Mit ohne Grund.

Draußen vor der Tür findet es Balin plötzlich blöd, dass sie Bilbo allein da reingeschickt haben. Er konfrontiert Thorin hart. „Du bist nicht mehr der Zwerg, den ich einst kannte! Der Zwerg von damals wäre völlig hirn- und planlos in den Berg und den sicheren Tod gestürmt!“
Thorin: „Potzblitz, bei meinem Barte! Wie recht du hast, alter Freund!“

In Esgaroth, wo sich Kili in Bards Heim in Schmerzen windet, tauchen plötzlich Orks auf. Die sind… dort hin geschwommen oder so. Krasser Überfall auf die Zwerge, die davon total überrumpelt sind. Bards Bälger schreien.
Und dann – Tauriel to the rescue! Natürlich! Die ist vermutlich auf einer Sternschnuppe rüber geflogen! Und da! Legolas will auch mitspielen! Schön!!! Lauter Leute in Esgaroth, die da jetzt nicht sein sollten!!! Geil!!! Nicht!!!

Die Orks flüchten. Legolas will hinterher. Tauriel nicht – ist doch die Liebe ihres Lebens in Gefahr! Legolas ist tierisch angepisst und läuft den Orks allein nach.

Kili ist kurz vorm Exitus, aber dann kommt Bofur mit der Lösung angerannt: Königskraut! Yay! Gegen verfluchte Morgulwunden! Das hat ja auch schon bei HDR 1 so gut geklappt!!!

facepalm

Am Erebor rennt Thorin hirn- und planlos in den Berg rein und macht erstmal Bilbo blöd an, weil es ja wohl üüüberhaupt nicht sein kann, dass der in diesem ganzen Gebirge aus Gold und Geschmeide diesen Arkenstein, von dem er keine Ahnung hat, wie er eigentlich aussieht, noch nicht gefunden hat. Aber haha, Bilbo hat ihn wohl gefunden! Aber ob er ihn auch eingesteckt hat? Vielleicht ja, vielleicht nein? Wissen wir’s mit Sicherheit oder hab ich vielleicht nach 2 Stunden Film nicht mehr so wirklich aufgepasst und keine Ahnung?

Ja. Ja, ich hab keine Ahnung. Verklagt mich doch!

Thorin wundert sich dann extrem darüber, dass Smaug genau dort ist, wo jeder dachte, dass er ist, und der ist ultrasauer, als er Thorin erschnüffelt, aber in dem Moment kommt auch schon der Rest der Gang in die Schatzkammer gestürmt und brüllt ein bisschen rum.

Äh, Mooooment!

reading

Oh, warum nur. Warum, warum, warum!

Natürlich bringt Schreien gar nix, deshalb flüchten die Zwerge erstmal.

Zurück zu den anderen, die jetzt den stöhnenden Kili für seine Behandlung vorbereiten, ohne auch nur mal auf die Idee zu kommen, ihm seine Hose auszuziehen, damit man besser an die Wunde drankommt. Wie außerordentlich schade.
Tauriel reibt mit großer Geste das Königskraut klein und labert dabei irgendwas auf elbisch. Kili verpasst ihr in seinem Fieberwahn völlig hingerissen nen Heiligenschein. Ich kotze in meine leere Popcorntüte.

Im Erebor haben es die Zwerge WIE AUCH IMMER geschafft, Smaug abzuhängen, und irren jetzt in den Gängen rum, gerne auch mal direkt unter Smaugs Nase durch, ohne dass er sie sieht oder riecht.

Kilis Wunde wird verbunden (leider trägt er immer noch Hosen). Sein Kopf liegt dabei in einer Schüssel voller Walnüsse. Ich bin darüber aufrichtig verwirrt. Und dann hält er mit Tauriel Händchen. Seufz.

Die anderen Zwerge haben derweil realisiert, dass sie nicht mehr rauskommen, aber wollen nicht aufgeben. Sie trennen sich und wollen nun zu den Schmieden. Niemand weiß warum.

Aaaber vor dem Showdown noch einmal zu Legolas, der gerade in den Straßen von Esgaroth Bolg gegenüber steht. Etwa 15 Meter trennen die beiden voneinander. Und weil sein Bogen wie gesagt eine Nahkampfwaffe ist, zieht er sein Schwert.

barney kills himself

Er kämpft und killt ein paar Orks, kriegt aber von Bolg so richtig ein paar aufs Maul, bevor der flüchten kann. Er starrt sein eigenes Blut an wie Superman und scheint erstmals das Konzept der „relativen Unsterblichkeit“ zu kapieren. Hat ja nur geschätzt tausend Jahre gedauert. Dann reitet er Bolg nach und aus diesem Film raus.

Erebor. Der große, schreckliche Smaug schafft es nicht, auch nur einen einzigen Zwerg zu erwischen, und lässt sich dann auch noch übertölpeln, als die Jungs die Schmiede entzünden wollen. Er gibt Starthilfe und immer noch hat niemand im Kino eine Ahnung, was Thorin eigentlich vorhat.

Die Zwerge halten Smaug beschäftigt, bis die Schmiede so richtig heiß läuft. Man sieht schlecht animiertes geschmolzenes Gold in den Schmelztiegeln und…

Moment. Sekunde. Nein. Nein. Thorin will das irgendwie über Smaug auskippen? EINEN FEUERDRACHEN BESIEGEN, INDEM MAN WAS HEISSES AUF IHN DRAUFSCHÜTTET!?!?

OMG

Ja, und beim nächsten Angelausflug ertränkt Thorin dann ein paar Fische oder was!!! Oh mein Gott!!! Oh mein Gott!!! Wir sind hier nicht bei James Bond!!! Das funktioniert nicht!!!

Thorin schippert auf dem Goldstrom in einer Schubkarre, die natürlich überhaupt nicht heiß wird oder so (!!!) in den anliegenden Thronsaal, wo das Gold in eine Gussform fließt. Nach einer krassen Rede von Thorin öffnen die Zwerge die Gussform und Smaug sieht sich einem mächtigen Standbild von König Thror gegenüber. Und das Gold, also… ist fest und… irgendwie dann doch nicht und… das Standbild platzt irgendwie auseinander und… Gold ergießt sich über Smaug und… etwas stirbt in mir…

this is too much

Das Gold bringt gar nichts. Es macht Smaug nur wütend. Und weil er glaubt, dass Bilbo aus Esgaroth stammt, ist er so angepisst, dass er sich sofort auf den Weg dorthin macht, um Chaos und Zerstörung zu bringen.

Bilbo: „Was haben wir getan?“

Ich: „Was hat Peter Jackson getan?“

Fertig. Aber sowas von.

…..

Es gab mal eine Frau, die hat bei dieser ganzen „Warum macht dieser Typ aus einem so dünnen Buch drei Filme?!“-Diskussion nur milde gelächelt und gesagt: „Ich würde Peter Jackson mein Leben anvertrauen.“

Dieses Vertrauen wurde durch diesen Film brutal ermordet.

hobbit

*Ich halte „Verheerung“ für „desolation“ für die wesentlich bessere Übersetzung und präferiere in Fantasyfilmtiteln Genitivkonstruktionen. Der Film hätte also „Die Verheerung des Smaug“ heißen sollen, wenn es nach mir gegangen wäre.
Aber wenn es nach mir gegangen wäre, wäre er ja auch gut gewesen ;(

Wenn du den Schmerz ein wenig lindern willst, freue ich mich über eine kleine Spende via Paypal in Form einer Tasse Kaffee. Nur brauche ich in diesem Fall Schnaps, aber das ist hoffentlich auch ok.

Die Demontage eines Idols: „Arrow“ (Teil 2: Kritik)

Achtung: Folgender kleiner Rant Folgende kleine Rezension ist voller Spoiler und bezieht sich auf die erste Staffel. Lest also nur weiter, wenn ihr die Staffel schon kennt oder euch Spoiler in diesem Fall egal sind!

Nach dem ersten Teil, in dem ich über die Comicvorlage berichtet habe und warum ich diese so liebe, könnt ihr euch also gut vorstellen, warum ich auf diese Serie gespannt war.
Und leider muss ich sagen: Ich mag sie nicht.

Prämisse

Bereits die Prämisse der gesamten Serie, die Basis von Olivers Motivation, ist so dermaßen an den Haaren herbei gezogen, dass man nur den Kopf schütteln kann: Wir sehen ihn mit seinem Vater und dem einzigen anderen Überlebenden des Yachtunglücks in einem Rettungsboot treiben (wie lange, wird nicht erläutert – es scheinen aber schon ein paar Tage zu sein). Die Vorräte sind knapp, Rettung offensichtlich noch nicht in Sicht. Daher beschließt Mr. Queen, die Überlebenschancen seines Sohnes zu erhöhen, indem er erst den (völlig unschuldigen) dritten Kerl erschießt und dann schließlich auch sich selbst, nicht ohne Oliver vorher zu beschwören, auch nur ja zu überleben, damit er nach Hause zurück kehren und das Unrecht, an dem er Anteil hatte, wieder gut machen kann.

Ähm, ja. Muss ich ausführen, wie löchrig dieser „Plan“ ist? Mr. Queen hatte nicht die geringste Ahnung, wie diese Sache ausgehen wird. Er wusste weder von der nahen Insel (die zu dem Zeitpunkt noch nicht zu sehen ist), noch von den vielen Jahren Folter, Entbehrungen und Training, die Oliver dort erwarteten. Wie kommt man auf die Idee, in einer solchen Situation – sein entkräftetes Kind schutzlos in einer Nussschale auf dem Pazifik treibend – sich selbst abzuknallen, nur damit es vielleicht nen Schluck Wasser mehr aus der Notration kriegt? Wäre es nicht wesentlich intelligenter gewesen, einfach, naja, AM LEBEN ZU BLEIBEN und damit auch für alle Eventualitäten gewappnet zu sein? Seinen Sohn vielleicht verteidigen zu können, wenn es nötig wäre? Gemeinsam an ein rettendes Ufer zu paddeln, wenn Oliver allein dazu zu schwach gewesen wäre? Sein Hirn anzustrengen und nach Lösungen zu suchen, statt es sich einfach wegzuballern?

Desweiteren ist Oliver zu diesem Zeitpunkt ein gedankenloser, arroganter Partyhengst, dem jegliches Interesse für andere Menschen oder das Geschäft seines Vaters völlig abgeht und der nicht im Geringsten zu dem befähigt ist, was sein Vater von ihm verlangt. Erst die Insel formte ihn zu einem „echten Mann“, wenn man das so nennen will. Wie hätte sein Vater das vorhersehen sollen?

Von diesen groben Logiklücken abgesehen bereitet mir der unbeteiligte dritte Mann allerdings noch mehr Kopfschmerzen. Oliver kehrt am Ende ja tatsächlich zurück, um als grüngewandeter Rächer den Kampf gegen das Böse aufzunehmen, ein Kampf, der ihm sein offensichtlich geläuteter Vater kurz vor seinem Tod aufträgt. Aber wie viel ist dieser Kampf, wie viel Oliver als verkörperte Gerechtigkeit wert, wenn all dies auf einem kaltblütigen Mord basiert? Und wie ernst mag seinem Vater die Wiedergutmachung wohl gewesen sein, wenn er völlig skrupellos in der Lage ist, einfach einen Unschuldigen zu erschießen? Zumal eine Reflexion über diese Tat völlig fehlt. Als Oliver die letzten Momente seines Vaters seiner Mutter schildert, wird dieser Mann nicht mal erwähnt, als gäbe es ihn gar nicht!! Dies grenzt schon extrem hart an Narzissmus – und ist eines Helden nicht würdig!

Die Dialoge

Eigentlich könnte ich diesen Punkt abkürzen und einfach nur sagen: Sie sind gotterbärmlich schlecht. Aber sie verursachen mir wirklich solche Schmerzen, dass ich es dabei nicht belassen kann.

Es gibt eigentlich nur drei Gesprächsthemen in der gesamten Serie:

– Sinnieren über Olivers Vigilantentum. Hauptakteure: Oliver und Dig.

– Emotionalisiertes Herumschwurbeln über seine Ex-Beziehung mit Laurel und darüber, wie ganz doll verstört alle Beteiligten sind und waren. Hauptakteure: Oliver, Laurel, Tommy.

– Allgemeines Rumheulen. Hauptakteure: Eigentlich alle. Aber vor allem die Queen-Familie.

Den letzten Punkt möchte ich gerne weiter ausführen. Mir scheint es wirklich so, als würde so ziemlich jedes Gespräch innerhalb der Familie so ablaufen:

Thea: „Ich war eben mit ein paar Freundinnen Eis essen. Du weißt schon, am Gesellschaftsleben teilnehmen, funktionieren. Aber ich konnte das Eis nicht genießen. Denn weißt du, wem das Eis auch gut geschmeckt hätte? Dad.“
Oliver: „Ach Dad.“
Thea: „Ja. Ich vermisse ihn so. Jetzt kann ich ihm nicht erzählen, dass ich mit Freundinnen Eis essen war.“
Oliver: „Das muss sehr hart für dich sein. Ich vermisse Dad auch.“
Thea: „Ja. Ich bin froh, dass du mir das erzählst. Seitdem du von dieser Insel zurück gekehrt bist, bist du nicht mehr der Bruder, den ich mal kannte. Du bist so verschlossen.“
Oliver: „Thea, ich kann dir nicht erzählen, warum ich so verschlossen bin. Es tut mir sehr leid.“
Thea: „WENN DAD DOCH NUR HIER WÄRE!!!“ *türenknall*

Und nein, das ist KEINE Übertreibung!
Meine Fresse, geht’s vielleicht noch ein bisschen unsubtiler auf die Tränendrüse?! Ich verstehe vollkommen, wie traumatisch es für eine Familie ist, ein Mitglied zu verlieren, und Olivers unerhoffte Rückkehr wird diese Wunden sicher wieder aufgerissen haben, aber Herrgott, irgendwann ist es auch mal gut! Immerhin ist ja jetzt nur einer tot statt wie vorher angenommen zwei. Das sollte doch zumindest ein bisschen tröstlich sein!
Außerdem ist es fünf Jahre her. Eigentlich genug Zeit, Trauerarbeit zu leisten und damit zumindest halbwegs abzuschließen. Natürlich hinterlässt so etwas für den Rest des Lebens Spuren und kann nie ganz abgeschlossen sein, aber naja, man muss auch nicht in jedem Gespräch wieder auf das Thema zurück kommen! DAS IST NICHT HILFREICH!

…und leider auch nicht authentisch. Alle Beteiligten wirken dadurch wie kleine, zarte Pflänzchen, die ununterbrochen nur jammern und offensichtlich seit 5 Jahren kaum ihr Leben im Griff haben. Und das ist einfach too much. Diese Laberei! Das war zwar schon in Dawson’s Creek erfolgreich (ernsthaft, ich habe die Serie kaum je gesehen, weil sie so genervt hat, aber gab es da auch nur EIN authentisches Gespräch, wie es auch zwischen echten Teenagern stattfinden könnte?) und auch Smallville hat sich da SEHR hervorgetan.
Offensichtlich ist dieses überemotionalisierte Herumschwurbeln IN. Ich finde es aber trotzdem scheiße!

Dieses viele Rumtöten…!

Aber kommen wir zu Oliver, der, kaum wieder Zuhause, natürlich direkt weiß, was zu tun ist und als verkleideter Schütze loslegt. Dabei erschießt er direkt in der ersten Folge schon mehrere Typen.

Und das, liebe Freunde der verehrten Comickunst, geht EIGENTLICH gar nicht, denn Green Arrow tötet NIE.

Nun entwickeln sich Comics ja auch weiter, ähnlich wie die menschliche Moral. Die Anfänge, als in Comics noch wahre Lichtgestalten unterwegs waren, sind längst Vergangenheit. Die Akzeptanz für gewisse Inhalte nahm immer weiter zu, so wie auch das Alter des Zielpublikums. Spätestens seit den Siebzigern trauten sich Comics auch Themen anzusprechen, die für Kinder nur bedingt geeignet sind (und erst da fing auch das große Massensterben diverser Charaktere an…).

green arrow first kill
Green Arrow verwackelt den Schuss. The Flash (erste Serie) #217, 1972

Was ich sagen will: Ich habe zwar immer noch lieber diesen Green Arrow im Kopf, der direkt ins Kloster rannte, als er mal jemanden aus Versehen erschossen hat, aber naja – mit einem Killer komme ich irgendwie auch klar. Solange nicht auch noch Batman so anfängt (Niemals. Bitte!!!).

Allerdings nur, wenn das alles noch hübsch den Regeln der Logik gehorcht und nachvollziehbar bleibt, was zugegebenermaßen bei der Rolle, in der ICH ihn gerne sehen würde, fast unmöglich ist (mir fällt jedenfalls nicht ein, wie man einen Charakter gleichzeitig frohgemut, links und dem Töten seiner Gegner nicht abgeneigt anlegen könnte…) – aber leider schafft es die Serie auch nicht. Aber sowas von nicht.

huntress

In mehreren Folgen taucht Helena Bertinelli auf, die Tochter eines Mafiabosses, die mit den kriminellen Machenschaften nichts zu tun haben will und dann, als sie im Geheimen versucht, Beweise gegen ihren Vater zu sammeln, ihren Verlobten durch ein Attentat verliert – angeordnet von ihrem Vater. Deswegen ist sie verständlicherweise sauer und möchte sich rächen.

Sowas nennt sich Motivation und ist zumindest im fiktiven Kontext absolut nachvollziehbar – aber nicht für Mr. Oliver Queen! Dessen Feldzug ist ja, äh, was völlig anderes.

Huntress (Helena Bertinelli) - das Original.
Huntress (Helena Bertinelli) – das Original.

Deswegen ist es ja auch okay, wenn er die bösen Typen, die auf seine Liste stehen, abknallt (und deren Freunde… und die Bodyguards… und noch so ein paar andere Leute, die halt irgendwie noch gerade da sind…!), aber Helena, die ihren mordenden Mafiadaddy um die Ecke bringen will, also nein, das ist ja bäh, das geht gar nicht!

Aber das muss man eben verstehen… der Kerl steht ja nicht auf der Liste. ER STEHT NICHT AUF DER LISTE!!!

Wenn man der Meinung ist, böse Menschen umbringen zu dürfen sei okay, begibt man sich auf SEHR dünnes Eis. Oliver Queen ist allerdings schon längst eingebrochen – und präsentiert sich damit als ein Typ, dessen Einschätzung offensichtlich das Maß aller Dinge ist, obwohl er sich nur auf eine saublöde Liste rekurriert und er ansonsten nicht im Geringsten über sein Handeln reflektiert!

Was mich zum nächsten Punkt führt:

Der Charakter „Oliver“/Olivers Charakter

Tja, was lässt sich dazu sagen? Außer dem vielen Rumheulen, dem halbgaren Moralkodex und dem fremdgesteuerten Rachefeldzug ist da ja nicht viel, oder?

Das nervt mich eigentlich am meisten. Denn Oliver Queen ist witzig. Er ist polternd, tönend, absolut überzeugt von sich, ein polemisches Großmaul, der Polizisten „blaue Faschisten“ nennt und „Bonzen“ hasst und dessen Ansichten ebenso unerschütterlich sind wie seine Neigung, ab und zu seine Meinung einfach mal so um 180 Grad zu ändern. Ein Charakter, den man, wenn er über’s Ziel hinaus schießt (höhö) gleichzeitig hassen als auch dafür lieben kann, dass er sich dabei so verdammt lustig aufregt. Er ist ein Mann mit Idealen, der für eben diese bereit ist zu kämpfen, der nur WEGEN diesen Idealen kämpft.

So ist der Comic-Ollie. Und Arrow-Oliver?

Wir erfahren nach und nach in Flashbacks, wie er auf der Insel zu der starken Kampfmaschine wurde, die ihren Bogen meisterlich beherrscht. Doch wie wurde er zu einem Menschen, der Böses verdammt? Wie wurde er zu einer Persönlichkeit, die sich für Schwache und Entrechtete einsetzt?
Die Antwort ist: gar nicht. In jedem gottverdammten Intro labert er davon, den letzten Wunsch seines Vaters in die Tat umzusetzen. Dabei ist er genauso humorbefreit wie der Rest dieser Serie. Aber darüber hinaus? Ein großes, schwarzes Loch, wo eigentlich so etwas wie eine Motivation sein müsste.

„Now I will fulfill my father’s dying wish“ klingt so großartig, ist aber nur eine nett verpackte Umschreibung für „Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich hier eigentlich mache“. Und das NERVT.

Womit wir bei den Themen der Serie angekommen wären.

Die Themen

Wie gesagt ist Green Arrow eigentlich ein sozialkritischer Held, der sich für die Belange der unteren Klassen einsetzt und gegen Diskriminierungen kämpft. Zumindest in Ansätzen ist das auch in der Serie vorhanden, denn Oliver ist auch dort (obschon Mitglied der Upper Class) auf einem Feldzug gegen Bösewichte, die Schwächere ausgenommen haben, die sich nicht wehren können.

Solange sie halt auf seiner blöden Liste stehen.

Während vor allem die Hard Travelling Heroes Saga bemüht war, auch mal die Perspektive der Opfer zu zeigen (selbst wenn diese vermeintliche „Täter“ waren – beispielsweise Menschen, die nur stahlen, weil sie sonst verhungern würden), geschieht das in der Serie NIE. Eine Behandlung der sozialen Problemlagen findet praktisch nicht statt.

Was aber noch viel schlimmer ist: Es spielt kein Thema in der Serie, behauptet wird aber was anderes!

So gibt es eine Folge, in der eine Familie einen Bankraub nach dem anderen begeht. Dig meint daraufhin zu Oliver, dass sowas doch durchaus auch mal ein Job für „The Hood“ sein könnte. „Ich kümmere mich nicht um Straßenkriminalität“, wehrt Oliver diesen Vorschlag brüsk ab (am Ende tut er das Verlangte jedoch natürlich trotzdem).

Denn ja, Banküberfälle haben ja so wahnsinnig viel mit Straßenkriminalität zu tun. Passiert ja täglich, so ein Bankraub, gell.

Tatsache ist: Straßenkriminalität ist wohl zu proll und bäh, um in der Serie eine größere Rolle zu spielen. Dann müsste man sich ja mit diesen ganzen Losern auseinander setzen, die klauen und überfallen und dealen, weil sie nie etwas anderes gelernt haben, da ihr Land sie schon von Anfang an abgestempelt und ihnen keine Chance gelassen hat, jemals etwas zu erreichen. Das ist ja zu differenziert, da kriegt man ja Kopfweh von. Lieber heult man noch ein bisschen über den toten Papi rum, der ja auch nicht so wirklich der gute Kerl war, für den man ihn gehalten hat, um sich nicht mit echten Problemen auseinander setzen zu müssen.

Auch hier gilt: Wäre das irgendeine Serie und irgendein Charakter, dann könnte ich das ja noch ignorieren. Aber hier geht es nun mal um Green Arrow, den Sozialaktivisten unter den Superhelden. Das ist ein ERBE. Und es ist ja nicht so, als ob in Zeiten von Bankenkrisen, die ganze Familien an den Rande des Ruins treiben, Rassismusdebatten, grassierender Homophobie, Überwachung etc.pp. ein solcher Held nicht mehr benötigt würde. Im Gegenteil!

Eine Serie mit solchen Inhalten hätte ich geliebt. Allerdings hätte sowas von den Programmmachern ja Mut erfordert – den Mut eines Denny O’Neill und Neal Adams. Aber der ist offensichtlich ausgestorben.

Was bleibt, ist ein absolut unpolitischer Held, den man scheut, auf reale Missstände loszulassen. Das treibt mitunter seltsame Blüten. Warum um alles in der Welt muss man in der heutigen Zeit für eine solche Serie eine Droge erfinden, gegen die Oliver dann kämpfen kann? Ich meine, gibt es nicht genug echte Drogen?

Vertigo – Dreh- und Angelpunkt der vielleicht blödesten Storyline der ersten Staffel. Wirkung? Weiß man nicht. Bestandteile? Oh nein, sowas kann man ja nicht in einem Familienprogramm erörtern. Auswirkungen? Ein paar blöde Upper-Class-Gören, die zugedröhnt Unfälle bauen (Olivers süße kleine Sis) oder auf der Straße tanzen, wo sie dann überfahren werden. Suchtpotential? Äh, da war doch dieser Typ, der total krass nervös war und, äh…!
Und das Zeug kommt in PILLENFORM. Oh my fucking God. Und so eine Kinderdroge soll diese ganze Stadt im Würgegriff haben?

Die Drogenproblematik ist eng mit Green Arrows Figurenhistorie verbunden. Als Denny O’Neill sich traute, das Thema in den Siebzigern anzuschneiden (er leitete die Story ein mit den Worten: „Viele werden sagen, die folgende Geschichte dürfe man nicht erzählen…“ *dramatische Musik einblend*), wagte er etwas zu zeigen, was zu dieser Zeit absolut neu und schockierend war:

Green Lantern (2. Serie) #85, 1971. Noch so  ein voll berühmtes Cover.
Green Lantern (2. Serie) #85, 1971. Noch so ein voll berühmtes Cover.

einen drogensüchtigen Superhelden. Green Arrow musste lernen, dass Drogensucht etwas ist, das nicht nur Schwächlinge und Feiglinge heimsucht, sondern jeden treffen kann – auch seinen eigenen Sidekick. Das war gleich aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens kratzte es an der Vorstellung des „perfekten Helden“ (war damit aber auf der Höhe der Zeit) und zweitens an dem Klischee, mit dem sich Politik und Eltern gerne beruhrigten – nämlich, dass nur Asoziale Drogen nehmen.
Seitdem kann das Thema bei Green Arrow nicht mehr unvoreingenommen behandelt werden. Schicksalsschläge, Baby. Und daher war es eigentlich auch nur logisch, dass Drogen auch in sämtlichen Adaptionen des Stoffes (höhö) auftauchen werden. Das war schon bei dem Green Arrow der Fall, der bei Smallville zeitweise rumturnte (leider kein Witz – allerdings war diese Figur und vor allem ihre krasse Beliebheit bei den Fans wohl mit ein Grund, warum Arrow überhaupt in Produktion gegangen ist) und nun eben auch in dieser Serie.

Aber warum so scheiße und oberflächlich?

Irgendwie schafft die Serie es, das Thema gleichzeitig zu diabolisieren als auch zu verharmlosen. So scheint sich seine (übrigens im Comic nicht-existente) Schwester zu Anfang so ziemlich alles einzuwerfen, was sie in die Finger bekommen kann – nur um dann von einem auf den anderen Tag damit aufzuhören. Leidensdruck, Suchtpotential? Irgendwie gar nicht. Gleichzeitig erfährt man über diese Pseudodroge Vertigo absolut nichts, außer eben, dass es eine Droge ist – und damit ja grundsätzlich eeeevil. Mehr Infos braucht man ja nicht, ne.

Ich kann mir nicht helfen – aber jedes Mal, wenn in einem Medium eine erfundene Droge auftaucht (und das ist leider schon öfter passiert), ist es bei mir irgendwie vorbei. Weil es so lame ist. Als müsste man die Zuschauer vor der harten Realität schützen.

Realitätsnähe?

Und damit wäre ich dann am letzten Punkt, der sicher nicht der schlimmste ist, aber nun mal trotzdem hier steht und mir unglaublich auf den Sack geht.

Seit Christopher Nolan für seine Batman-Trilogie so viel Fame abgegrast hat, wird versucht, sein Konzept der „Pseudorealität“ auf andere Projekte zu übertragen. Arrow ist Opfer davon geworden.

Ich bin absolut kein Fan von Pseudorealität (sowie ebenso kein Fan von Nolan allgemein), weil Superhelden nun mal nicht realistisch sind. Boom, harte Wahrheiten. Selbst bei theoretisch möglichen Helden wie Batman passt mir dieser Ansatz absolut nicht, weil damit schlicht und ergreifend ein Haufen Spaß auf der Strecke bleibt. Bei Nolans Batman äußerte sich das z.B. in ultralahmen Kampfszenen, weil sich Christian Bale in diesem Ganzkörperpanzer (warum genau hat er nochmal so viel für die Rolle trainiert?) kaum rühren konnte. Dabei ist Batman ein gottverdammter Ninja!

Bei Arrow ist das ein bisschen subtiler, aber einen großen Kritikpunkt hätte ich dann doch. Vielleicht einen, der für jeden, der noch nie einen Bogen in der Hand gehabt hatte, absolut uninteressant ist. Aber leider BIN ich nun mal selbst Bogenschützin (woran Green Arrow wohl mit einen Anteil hatte) und als solche kann ich das leider nicht ignorieren.

Zuerst war ich ja sogar sehr erfreut über die Änderung, Oliver ganze fünf Jahre auf dieser Insel versauern zu lassen statt nur ein paar Monate, denn fünf Jahre sind vor allem in einer solchen Extremsituation eine ausreichende Zeit, um ein solcher Ausnahmeschütze zu werden.
Natürlich tut er trotzdem mit seinem Bogen ständig Dinge, die ich unter „eigentlich absolut unmöglich“ einordnen würde. Aber hier greift nun die „Superhelden-Realität“: Das muss man eben einfach hinnehmen oder sich halt eine verdammte Doku ansehen. Wer nicht mal bereit ist, für einen Horrorfilm grundsätzlich die Prämisse zu akzeptieren, dass Geister existieren, hat ja auch keinen Spaß an dem Streifen. So auch hier: Da ist also dieser Typ, der eine ziemlich schwierig zu handhabende Waffe, für die man in nicht unerheblichen Maß auch schlicht Talent haben muss, perfekt beherrscht. Alles klar, ist einzusehen!

Doch nun kommen einige technische Details dazu – und ich aus dem Facepalmen nicht mehr raus.
In einer Folge sieht man in einem Flashback, wie Shado Oliver trainiert, indem sie ihn auf Wasser schlagen lässt, damit er stark genug wird, den Bogen zu spannen. Dieser Bogen habe, so wird erklärt, ein Zuggewicht von 150 lbs (englischen Pfund).

„Was mache ich hier eigentlich“ sagt dieser Blick!
Freunde und Nachbarn: HUNDERTFÜNFZIG PFUND. Hat irgendjemand der Schreiberlinge, die das verbrochen haben, schon mal einen Bogen in der Hand gehalten?! Warum haben die Bogenlehrer, die für die Serie sicher engagiert worden sind, nicht mal das Maul aufgemacht?! Hundertfünfzig Pfund!! Wisst ihr, wie VIEL das ist?! Wie gottverdammt UNMÖGLICH es ist, sowas zu spannen – und damit dann auch noch richtig zu zielen?!
Englische Langbogen, so ziemlich die stärksten Bogen, die jemals im größeren Maße auch wirklich verwendet worden sind, kamen im Mittelalter als rüstungsdurchschlagende Waffen zum Einsatz – und hatten sogar WENIGER Pfund! Allgemein geht man von einem Zuggewicht zwischen 100 und ca. 140 Pfund aus, und selbst DAS ist schon unglaublich viel!! Zusammen mit den völlig übertrieben scharfen Pfeilspitzen, die Oliver verwendet, sollte jeder Pfeil jedes Opfer, auf das er jemals geschossen hat, schlicht und ergreifend durchballern. Das ist auf so vielen Ebenen so unendlich übertrieben!!

… und leider nichts weiter als dummes Rumgepose. Denn nein, ein Oliver Queen würde einen solchen Bogen nicht spannen können, auch wenn er fünf Jahre lang nichts anderes getan hätte als Wasser zu verprügeln. Überhaupt, wie lange hat er das gemacht? Ein, zwei Tage? Und schon ging es? UND DANN AUCH NOCH SO LEICHT!?

Wisst ihr, warum mich das am meisten nervt? Weil es so grandios unnötig ist. Keinem Mensch fällt so ein Bullshit auf (außer Schützen wie mir), also hätte man es doch auch einfach weglassen können. Oder, krasser Gedanke: es einfach richtig darstellen können. Auch 70 oder 80 lbs sind für einen Anfänger je nach Fitness extrem schwer zu spannen und reichen für das, was er damit macht, vollkommen aus. Nehmen wir noch den Superhelden-Bonus mit rein: 100 lbs. Schön runde Zahl.
Aber nee – hauen wir doch noch 50% drauf! Ich wünschte, ihr wüsstet, wie dämlich das ist!!

Und das in einem Serienuniversum, das in der gesamten 1. Staffel ansonsten als „reale Welt“ gelabelt worden ist. Womit es laut Gerüchten demnächst vorbei sein wird (Achtung, Spoiler auf Staffel 2): The Flash wird aufkreuzen, erlebt wohlmöglich sogar in der Serie seine „Verwandlung“ von dem etwas lahmen Wissenschaftler Barry Allen zum schnellsten Mann der Welt, der sich mal locker mit vielfacher Schallgeschwindigkeit bewegen kann. Ich habe bisher nur die 1. Folge der 2. Staffel gesehen, aber die unglaublich unsubtil eingeworfene Nachrichtenmeldung über einen „neuen Teilchenbeschleuniger in Central City“ lässt schon eine grauenhafte Ahnung aufkommen (denn nein, ein Teilchenbeschleuniger hatte mit Barry Allens Superkräften im Comic nicht das Geringste zu tun).

Ich bin mir sicher: Die meisten Zuschauer, von denen viele offensichtlich nicht wissen, dass die Serie auf einem Superheldencomic basiert, werden hier unangenehme Gedanken in Richtung nuking the fridge haben – denn man kann nicht erst eine pseudorealistische Welt erschaffen, um sie dann mit sowas zusammen prallen zu lassen. Kein einziges fantastisches, mystisches oder sciencefictionhaftes Element in der gesamten ersten Staffel und dann DAS in Staffel 2? Ooooh jeeee…

Und sonst so?

Ich könnte ja noch ewig ranten. Zum Beispiel darüber, wie unglaublich dämlich die meisten Folgen sind, die oft auf dem Umstand basieren, dass Felicity offensichtlich nur noch ein Update davon entfernt ist, aus ihrem Computer eine Zeitmaschine oder eine Rakete zum Mars zu bauen. Man stelle sich die gesamte Serie mal ohne dieses unrealistische Wunderwesen vor. Klappt nicht, ne.

Oder darüber, wie sehr ich Roy Harper hasse. Der Junge ist verdammt noch mal mitsamt der gesamten Arrow-Familie einer meiner Lieblingssuperhelden, nicht nur deswegen, weil ich eine Schwäche für Charaktere mit Drogenproblemen habe, aber hier schaffen sie es, ihn aber sowas von vollständig komplett zu versauen. Allein diese Frisur!! Und es hat ja nicht gereicht, Clark Kent in Smallville immer in roter Weste und blauem Shirt rumrennen zu lassen – ohne rotem Hoodie kann dieser Typ hier offensichtlich auch nicht aus dem Haus! Er könnte auch ein Schild tragen mit „Seht mich an, ich werde demnächst Sidekick!“

Und Thea! Was für eine Schnepfe! Oder „Laurel“ (warum nicht Dinah!?)! Wie lame! Und diese völlig storyirrelevanten „Workouts“ von Oliver (ist euch aufgefallen, dass in jedem Vorspann eine andere Trainingseinheit gezeigt wird?!), nur um ihn oben ohne zu zeigen, als wäre er dieser hässliche Typ aus Twilight!! Und überhaupt: StarLING City?! Was war denn verkehrt an „Star City“?!

Aber es muss doch auch was gutes geben…?

Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber: Ja.

Stephen Amell ist zwar als Besetzung eigentlich viel zu jung, ist aber – man verzeihe mir mein Gelechze – ein absolutes Schneckchen, auch wenn er mir viel zu übertrainiert ist und ich deshalb auf seine halbnackten Fitnessstündchen verzichten kann. Auch sind die Kampfszenen größtenteils grandios choreographiert und lassen mein Fangirlherz höher schlagen. Das (und noch viel mehr) hätte ich mir für die Batman-Trilogie gewünscht. Und Paul Blackthorne spielt Malcolm Merlyn wirklich erstklassig und schafft es damit, dem einzigen interessanten Charakter in der gesamten Serie Leben einzuhauchen. Angeblich isser ja tot, aber so blöd werden die Macher ja nicht sein!

Fazit

Dennoch reichen diese paar Pünktchen nicht, um die Serie für mich zu retten. Zwar muss ich zugeben, dass ich mit ihr jetzt durch Hassliebe verbunden bin (wohl, weil ich mir ja tatsächlich die gesamte erste Staffel reingequält habe), heißt: Ich werde sie weiter verfolgen, aber leider ist da dennoch der Gedanke, dass hier wieder Mal ein DC-Charakter nicht die Behandlung bekommt, die er verdient, und unglaublich viel Potential verschenkt worden ist.

Ich bin gespannt, wie schlimm es noch werden wird, wundere mich in der Zwischenzeit ein bisschen, warum die Serie in der Internet Movie Data Base ein Rating von 8,1 bekommt und versuche weiterhin, mir beim Facepalmen kein Schädelhirntrauma zuzuziehen.

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