#Superbedtimestory: Superman

Comics sind Märchen im modernen Gewand.
– Dr. Lauretta Bender

Superhelden erfüllen den universellen, menschlichen Wunsch, das Gute über das Böse triumphieren zu sehen.
– William Moulton Marston

Man kann Kindern gar nicht früh genug von Superhelden erzählen, weil die nämlich ziemlich cool sind.
– Ich

Die Geschichte von Superman

 

Art von Ninjabot

Es war einmal ein Wissenschaftler namens Jor-El, der lebte nicht auf der Erde, sondern ganz weit weg im Weltraum auf einem anderen Planeten. Der Planet hieß Krypton.

Jor-El war ein kluger Mann und verbrachte viel Zeit damit, Krypton zu erforschen.

Dabei fiel ihm eines Tages auf, dass irgendwas im Inneren des Planeten nicht stimmte. Er wollte es zuerst nicht glauben und forschte weiter Tag und Nacht, aber all seine Forschungen ergaben, dass der Planet eines Tages einfach auseinander brechen würde. Dann müssten alle Kryptonier sterben.

Er erzählte den anderen Wissenschaftlern Kryptons davon, aber die waren nicht so schlau wie Jor-El. Sie lachten ihn nur aus und glaubten ihm nicht.

Niemand glaubte ihm, außer seiner Frau Lara. Zusammen hatten sie einen Sohn, der noch ganz klein war.

Jor-El machte sich große Sorgen um seine Familie. Sofort fing er an, eine Rakete zu bauen, um von Krypton zu flüchten, aber er hatte nicht genug Zeit. Als Krypton anfing, auseinander zu brechen, hatte er gerade erst ein Modell der Rakete fertig. Sie funktionierte genauso wie eine echte Rakete, aber sie war sehr klein und hatte keinen Platz für ihn und seine Frau.

Aber sie war groß genug für seinen kleinen Sohn, der ja noch ein Baby war. Jor-El und Lara beschlossen, ihren Sohn allein in die Rakete zu setzen. Sie wollten den kleinen Jungen – er hieß Kal-El – weit weg schicken, um wenigstens ihn zu retten.

So geschah es dann auch: Gerade noch rechtzeitig schickte Jor-El die Rakete los. Krypton brach auseinander und alle Kryptonier starben. Alle, außer der kleine Kal-El.

Die Rakete reiste viele, viele Millionen Kilometer durch den Weltraum, bis sie zur Erde kam. Dort schlug sie mitten auf einem Feld in Amerika auf, in einem Bundesstaat namens Kansas.

In Kansas gibt es Bauernhöfe, die größer sind als ein Dorf. In der Mitte steht das Bauernhaus und wenn man dort aus dem Fenster schaut, sieht man weit und breit nichts als riesige Getreidefelder und Weiden für die Kühe.

Auf einem solchen Bauernhof lebte ein Ehepaar namens Jonathan und Martha Kent. Sie waren sehr liebe, anständige Leute, die den ganzen Tag hart arbeiteten.

Eines Abends, als Jonathan gerade aus dem Fenster sah, bemerkte er die Rakete, die erst eine lange leuchtende Spur hinter sich herzog wie eine Sternschnuppe und dann mitten in einem Feld landete. Er und seine Frau setzten sich sofort in ihr Auto und fuhren los, um sich das anzusehen.

Sie glaubten, ein Meteorit wäre auf ihrem Feld eingeschlagen – das sind Steine, die ab und zu aus dem Weltall auf die Erde fallen. Als sie die Stelle erreichten und die Rakete fanden, erschraken sie deshalb sehr.

Als sie sich der Rakete vorsichtig näherten, öffnete diese sich plötzlich. Darin lag der kleine Kal-El, wohlbehalten und unversehrt, denn sein Vater hatte eine sehr gute Rakete gebaut.

Obwohl Kal-El eigentlich ein Außerirdischer war, sah er genauso aus wie ein normales Baby. Als er leise anfing zu weinen, nahm Martha Kent den Kleinen sofort auf den Arm und tätschelte ihn.

Sie wussten nicht, wo das Baby genau herkam oder wie sein Name war, aber die Kents entschieden auf der Stelle, es zu beschützen. Sie hatten Angst, dass sonst böse Männer kommen würden, um den kleinen Kal-El mitzunehmen. Sie würden ihn untersuchen wollen, weil er ja ein Außerirdischer war, und ihn für immer einsperren.

Das wollten die Kents nicht zulassen. Sie hatten sich immer Kinder gewünscht, aber leider nie ein eigenes Baby bekommen. Also beschlossen sie, den kleinen Kal-El bei sich aufzunehmen und einfach so zu tun, als sei er ihr eigenes Kind. Alles, um ihn zu beschützen.

Sie nannten das Baby Clark. Jonathan versteckte die Rakete in der Scheune. Niemand sonst hatte gesehen, wie sie vom Himmel fiel. Die Kents waren sich einig: Niemand sollte jemals erfahren, dass der kleine Clark Kent aus Kansas eigentlich Kal-El vom Planeten Krypton war.

Sie liebten Clark wie ihr eigenes Kind. Was sie nicht wussten: Obwohl er genauso aussah wie ein Mensch und sich auch benahm wie ein ganz normales Baby, war die Erde doch ganz anders als sein Heimatplanet Krypton.

Deshalb entwickelte sich Clark auch anders als normale Kinder. Je älter er wurde, desto stärker wurde er. Er bekam mit der Zeit noch viele andere Kräfte, die kein Mensch jemals besessen hat.

Was er damit gemacht hat, erzähle ich dir beim nächsten Mal.

 

Das war das Ergebnis eines kleinen Märchenstunde auf Twitter. Die Idee, Superhelden-Entstehungsgeschichten kindgerecht zu erzählen, habe ich aber schon viel länger. Ich hoffe, ich schaffe es, noch mehr Geschichten umzusetzen.
Gerne könnt ihr euren Kindern diese Geschichte vorlesen – aber ihr müsst mir dann berichten, ob sie ihnen gefallen hat ❤

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Ein feministisches Desaster: Wonder Woman

Seit Wonder Woman vor zwei Wochen in den amerikanischen Kinos angelaufen ist, bricht dieser Film Rekorde. Nicht nur das Einspielergebnis, sondern auch die Ratings auf imdb, Rotten Tomatoes etc.pp. beeindrucken.
Spätestens der inzwischen oft gelesene Spruch „Wonder Woman – der beste DC-Film seit langem!“ sollte allerdings stutzig machen, denn in Anbetracht von Verbrechen an die Filmkunst wie Man of Steel, Batman v Superman und Suicide Squad muss man sich fragen, ob das tatsächlich eine großartige Leistung darstellt.

DC hat mich in der Vergangenheit einfach zu oft enttäuscht, um den euphorischen Berichten glauben zu können. Deshalb habe ich etwas getan, was ich noch nie getan habe und bin am ersten Tag der deutschen Veröffentlichung ins Kino gegangen, um endlich mitreden zu können.

Leider wurde ich erneut enttäuscht, wenn auch ganz anders, als ich vermutet habe. Ich habe einen mittelmäßigen Actionfilm mit feministischen Anklängen erwartet – tatsächlich ist es mir aber nach dem Kinobesuch völlig unbegreiflich, was an diesem Film feministisch oder überhaupt in irgendeiner Weise herausragend sein soll.

Spoilerwarnung – Details zur Handlung, inklusive Plottwists

Wonder Womans erster Coverauftritt, 1942

Einige scheinen zu glauben, Wonder Woman müsse feministisch sein, weil es ein Film mit einem weiblichen Superhelden ist. Das ist aber falsch. Ein Wonder-Woman-Film muss feministisch sein, weil Wonder Woman feministisch ist. Ihr Schöpfer William Moulton Marston erfand sie, weil es ihn ärgerte, dass alle Superhelden männlich waren. Er war selber Feminist und hat mit Wonder Womans Background als Amazone den Inbegriff weiblicher Macht und Unabhängigkeit gewählt. Wonder Woman begleitet Steve Trevor in die Welt der Männer, um den Krieg zu beenden, aber auch, um für die Gleichberechtigung der Frau zu kämpfen (in der Neuinterpretation ihrer Figur Mitte der Achtziger war das sogar der Hauptgrund).

Und schon sind wir mittendrin in der feministischen Kritik. Das ist nämlich etwas, was im gesamten Film nicht mit einem Wort Erwähnung wird.

Dabei betritt Wonder Woman im Film eine Zeit, die inzwischen 100 Jahre in der Vergangenheit liegt. Doch nicht ein einziges Mal stutzt sie oder wird überhaupt wirklich konfrontiert mit dieser Welt, in der Frauen nicht wählen oder Kriegsdienst leisten dürfen oder überhaupt etwas zu sagen haben. Kein Stirnrunzeln, als die versammelten Generäle sich ereifern, weil sie, eine FRAU, es gewagt hat, in ihre Sitzung zu platzen. Nicht ein Wortwechsel zwischen Steve und seinen Compagnons, die ihn fragen, was um alles in der Welt er sich dabei gedacht hat, eine Frau auf ihre Mission mitzunehmen. Und damit auch keine Gelegenheit für Diana, sich gegen diese Behandlung zu wehren – und den Jungs demonstrativ zu beweisen, dass sie trotz ihres Geschlechts alles kann, was sie können, nur besser.

Eine Frau als Präsident? In 1000 Jahren vielleicht.

Es scheint inzwischen als feministisch zu gelten, eine Frau in eine klassische Männerrolle zu stecken und dann so zu tun, als würde das keinen Unterschied machen. Leider werden damit Tatsachen ignoriert, die aber nun mal existieren – heute und noch viel mehr vor 100 Jahren. Wonder Woman kommentiert den Sexismus dieser Welt nicht, sie registriert ihn ja nicht mal. Sie nimmt ihn vielmehr sogar an. Sie akzeptiert ohne Widerrede, dass sie sich nicht öffentlich in ihrer Uniform zeigen darf, auch wenn sie nicht weiß wieso, und lässt sich fügsam aus der Versammlung der Generälen führen, so, wie sie sich eigentlich den ganzen Film über von Steve Trevor führen lässt. Da bleiben auch die wenigen Male, als sie (endlich!) doch tut, was sie für richtig hält, nicht im Gedächtnis und ein Spruch wie „Ich lasse mir von dir nichts befehlen!“ wirkt eher hysterisch in seiner Hilflosigkeit. So typisch Weib eben.

Ich habe mir kein flammendes feministisches Plädoyer von einem Film gewünscht, im Gegenteil. Das wirkt schnell belehrend und nervt. Aber dieses völlige Ausblenden historischer Diskriminierungserfahrungen, sogar die bloße Nicht-Erwähnung des Umstands, dass Frauen im Jahr 1918 normalerweise nicht an die Front reisen und kämpfen – das ist geschichtsvergessen und schlicht ignorant.

Sexismus kennen übrigens auch die Amazonen – denn Männer, das sind für sie ausnahmslos Kriegstreiber, Gewalttäter, Tiere. Diana nun betritt in ihrer Achtziger-Version die Welt der Männer nicht nur als ihre Botschafterin mit dem Auftrag der Befreiung der Frau – sondern lernt, dass es auch gute Männer gibt. Steve ist einer davon, ihre späteren Kollegen Superman und Batman ebenfalls. Diese versöhnliche Botschaft geht über den vulgärfeministischen Ansatz eines William Moulton Marston, der von der Überlegenheit der Frau überzeugt war und sich ein Matriarchat herbei sehnte, weit hinaus und hätte Chancen geboten, die hier gnadenlos verspielt worden sind, weil das Geschlechterthema schlicht und ergreifend völlig eliminiert wurde.

Ein Superheldenfilm ohne Geschlechterthematik? Klar kann man das machen. Aber eben nicht bei Wonder Woman. Und wenn alle, die den Film bisher euphorisch gelobt haben, mal einen Schritt zurück treten würden, dann müssten sie erkennen, dass dieser Film nicht direkt ein feministisches Meisterwerk ist, nur weil im ersten Drittel ein paar durchaus coole Amazonen vorkommen.

Wonder Woman auf dem Cover des feministischen Ms.-Magazins

Allein dadurch wird Wonder Woman zu einem Film, der von dem Geschlecht der Superheldin abgesehen keine feministische Botschaft hat, sogar im Gegenteil unfeministischer ist als so ziemlich alles, was ich in letzter Zeit im Kino gesehen habe. Selbst Deadpool, der eine Frau abknallt, weil er es irgendwie sexistisch findet, wenn er während seiner Tötungsorgie nur bei Frauen eine Ausnahme machen würde, ist da emanzipatorischer. Ist es wirklich zu viel verlangt, sich nur eine einzige Szene zu wünschen, in der Wonder Woman einem Macho, der sie beleidigt, voll auf die Fresse haut?

Aber eine Frau hat Regie geführt! Kaum ein Artikel, der Patty Jenkins‘ Regiearbeit nicht besonders hervorhebt, als handle es sich hierbei um die Entdeckung des achten Weltwunders. Erwähnenswert dabei immer Monster, „Jenkins‘ Oscarfilm“ – tatsächlich hat einzig Charlize Theron, die die Hauptrolle spielte, für den Film einen Oscar erhalten, auch wenn die Formulierung etwas anderes nahelegt. Und da Jenkins seit Monster (von 2003!) keinen Kinofilm mehr gedreht hat, gibt es kaum eine Gelegenheit, ihre bisherige Arbeit zu bewerten und damit auch keine Möglichkeit, ihren persönlichen Stil zu erkennen. Vielmehr ist eine andere Handschrift unverkennbar – Zack Snyders, der bei Man of Steel und Batman v Superman Regie geführt hat und hier sowohl Produzent ist, als auch die Story beigesteuert hat. Slowmotion ist sein filmisches Markenzeichen. Die Zeitlupeneinstellungen während der Kämpfe, mit denen die ohnehin schon überrissene Akrobatik der Amazonen mehr als einmal haarscharf am Rande der Lächerlichkeit taumelt, nehmen den Kämpfen allerdings viel Dynamik und werden schlicht überstrapaziert. Das allerdings ist typisch für Snyder und Grund für so ziemlich allen Spott, den er für seine Arbeit erhält. Neben dem viel zu auffälligen CGI-Effekten natürlich. Diese, sowie sein Hang zu düsteren Farben, sind bei Wonder Woman und vor allem der Darstellung von Themyscira nicht ganz so ausgeprägt wie sonst, aber immer noch störend genug in ihrer Künstlichkeit. Bei Filmen wie 300 (Synders Durchbruch), den ich sehr mochte, war das ja noch neu und passend, aber ich kenne wirklich niemanden, der diesem Stil langfristig etwas abgewinnen kann. Umso unbegreiflicher, dass er immer noch solche Megadeals erhält!

Was allerdings wohl sicher auf Jenkins zurück zu führen ist – und das hat mich tatsächlich positiv überrascht, weil ich das in dieser Deutlichkeit noch nie bemerkt habe – ist das völlige Fehlen des „männlichen Blicks“. Aber selbst dieses wohltuend ungewohnte Stilmerkmal verkehrt sich ins Negative, wenn Steve Dianas zeitgemäße Verkleidung brüsk kommentiert: „Sie sollte doch WENIGER auffällig aussehen!“ – und die Kamera die ganze Zeit auf ihrem Gesicht bleibt. Die Aussage ist nicht nur lächerlich (das graue Kostüm kann man maximal adrett nennen), sondern auch unpassend umgesetzt, da ja aus seiner Sicht gefilmt wird, ohne einen Schwenk über ihren Körper aber der Eindruck entsteht, es sei wirklich nur ihr Gesicht und nicht etwa ihr knappes Superheldenoutfit, was ihn bisher gestört hat. Was hat er sich als Verkleidung vorgestellt, eine Burka?

Hätte ich einen Regisseur nennen müssen, der es versteht, Frauenrollen zu drehen, wäre mir auf Anhieb ein Name eingefallen: Joss Whedon. Das Mastermind hinter Buffy, der vielleicht besten Serie mit einer starken Frau in der Hauptrolle aller Zeiten, war auch verantwortlich für Avengers und hat dort mit Black Widow einen weiblichen Charakter interpretiert, der interessant, cool, stark und wahnsinnig tough ist. Eben das hätte ich mir für Wonder Woman gewünscht und sollte sie im kommenden Justice-League-Film so dargestellt werden, dann ist das ganz allein Whedons Verdienst, der kürzlich für den ausgefallenen Synder als Regisseur eingesprungen ist. Hätte ich gewusst, dass es tatsächlich möglich ist, gleichzeitig für Marvel und für DC zu arbeiten, wäre er als Regisseur für Wonder Woman meine allererste Wahl gewesen.

Tatsächlich war er vor Jahren schon mal im Gespräch gewesen als Regisseur, aber die Verhandlungen darüber scheiterten. So wurde es also Jenkins und wäre sie es nicht geworden, dann eine andere Frau, denn genau das war das alleinige Kriterium, nach dem Warner Bros. den Posten der Regie besetzte. Kompetenz egal, Hauptsache weiblich – das kann ich beim besten Willen nicht als Fortschritt ansehen, vor allem nicht eingedenk des vorliegenden Ergebnisses.

Nach eigener Aussage wollte Jenkins Wonder Woman schon seit Jahren drehen. Umso unverständlicher, warum dann ausgerechnet mit Wonder Womans Abstammung als Tochter des Zeus (der laut Mythologie die Menschen übrigens NICHT erschaffen hat, aber wen interessieren schon solche Details) ein Storyelement in den Film Einzug hielt, das in den Comics erst seit 2011 etabliert wurde. Davor war ihre Schöpfung aus geformten Lehm Kanon gewesen – SIEBZIG JAHRE LANG.
Änderungen wie diese passieren in Comics häufig und regelmäßig und so gut wie immer sind die alteingesessenen Fans damit unzufrieden. Aber obwohl mir schon oft Pingeligkeit vorgeworfen wurde bei meiner Kritik an Neuheiten oder nicht-werkgetreuen Adaptionen, weigere ich mich, das dieses Mal gelten zu lassen. Was DC damals angerichtet hat, geht weit über die üblichen Umgestaltungen hinaus und hat der Wonder Woman als Figur massiven Schaden zugefügt.

Und das wird nun auch auf die Leinwand getragen: Nicht Hippolyte, die als Herrscherin über ein ganzes Volk voll starker, wunderschöner Frauen glücklich sein müsste, es aber nicht ist, weil sie sich nichts mehr wünscht als ein Kind, erschafft Diana. Zeus ist es. Doch zeugt er kein Kind der Liebe (oder auch nur der Lust), sondern eine Waffe gegen seinen entfesselten Sohn. Diana ist damit Mittel zum Zweck, kein vaterloses Wunder aus Lehm, dem Aphrodite aus Gnade gegenüber der flehenden Hippolyte Leben einhaucht, einer Tochter, die sie schuf um ihrer selbst willen, von den Göttern des Olymps ausgestattet mit Kräften weit über das menschliche Maß hinaus. Nein, stattdessen ist sie lediglich ein weiblicher Halbgott, wie es sie zu Dutzenden gibt. Und so stellt sie sich dann auch ihrer Bestimmung, nicht weil sie getrieben ist von ihrem unbedingten Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit, sondern weil Zeus, ihr Vater, ein Mann, das eben so geplant hat.

Das ist mehr als nur ärgerlich. Es ist traurig. Und es macht die Figur schon auf der untersten konzeptionellen Ebene unfeministisch. Tatsächlich ist es so, als hätte man ihr damit die Seele ihres Schöpfers ausgetrieben. Der Film nun, der nicht verpflichtet gewesen wäre, dieser Neuinterpretation zu folgen, tut das nicht nur, sondern verhöhnt auch noch die ursprüngliche Idee. „Ach ja, du wurdest ja aus LEHM geformt,“ spottet Steve – und das ist zusätzlich auch noch unfassbar arrogant. Mit welchem Recht spuckt die Filmadaption auf eine Originstory, die im ersten Moment für Nicht-Comicleser vielleicht lächerlich klingt, sich aber wunderbar in das mythologische Setting einfügt, wesentlich origineller ist als die meisten anderen Superheldenentstehungsgeschichten und darüber hinaus noch die tiefgründige Bedeutungsebene der vaterlosen Geburt trägt?

Mein erster DC-Comic war Wonder Woman – und ich war als Kind absolut fasziniert von ihrer Geschichte, auch wenn ich diesen Subtext noch nicht verstand. Mein Fanherz blutete bei Steves Spott und mir ging das Messer im Sack auf. Ist es da ein Wunder, dass DC seit Jahren im Kino keinen Fuß auf den Boden bekommt, wenn sie so mit ihren Schöpfungen umgehen?

Abgesehen von dieser dezidiert feministischen Kritik möchte ich allgemein von der eigentlichen Handlung noch zwei weitere Dinge heraus stellen, die mir besonders negativ aufgefallen sind.

Zum einen wäre da die reichlich seltsame Entscheidung, das Setting von Wonder Woman, deren Historie über 75 Jahre eng mit dem 2. Weltkrieg verbunden war, in den 1. Weltkrieg zu verlagern. „Intelligent“, findet die FAZ, Nazis seien ja so ausgelutscht. Kann man so sehen, allerdings wusste selbst die grenzdebile Sarah-Palin-Doppelgängerin in Iron Sky, dass es keine besseren Schurken gibt als Nazis. Deshalb funktioniert die Änderung des Settings auch aus dem gleichen Grund nicht, aus dem Kriegscomics nach dem 2. Weltkrieg aus der Mode kamen, obwohl mit dem Koreakrieg der nächste große Konflikt gar nicht lange auf sich warten ließ: Das Feindbild ist einfach nicht besonders gut. Den 1. Weltkrieg allein Deutschland anzulasten, selbst wenn es unter dem Einfluss von Kriegsgott Ares stand, ist historisch bestenfalls fragwürdig und nötigt den Zuschauern einiges ab. Nazis dagegen, als alleinige Aggressoren, Hassprediger und Massenmörder schon schlimm genug, aber mit ihrem Mutterkult und einem Rollenbild, in dem die Frau nur als Gebärmaschine und gehorsame Dienerin ihres arischen Mannes Platz hat auch der Inbegriff eines Patriachats – das wäre was gewesen. Es ist nicht ausgelutscht, wenn es funktioniert.

Tatsächlich wollte DC wohl einfach keinen Superheldenfilm mit Nazis drehen, wenn Marvel das doch schon mit Captain America vorgemacht hat. Aber die haben halt trotzdem kein Patent auf Nazis, und wenn man schon solche Angst vor Plagiaten hat, sollte man nicht General Ludendorffs Chefchemikerin eine Substanz erfinden lassen, die frappierend an Captain Americas Superserum erinnert, darüber hinaus aber nahezu keine Storyrelevanz besitzt.

Gleichzeitig mit dem Settingwechsel wird damit auch jegliche Verbindung zu Amerika gekappt. Nun ist der Standort USA neben Feminismus und griechischer Mythologie aber ein integraler Bestandteil der Figur. Wonder Woman ist schlicht eine amerikanische Heldin, nicht gerade in dem Maße wie Captain America, aber nah genug dran. Vor einigen Tagen schien sich das ganze Internet darüber zu amüsieren, dass FOX den fehlenden Patriotismus der Figur bemängelte, aber leider hat diese Kritik, so lächerlich sie auch wirken mag (und so antisemitisch motiviert sie in Wahrheit möglicherweise ist), einen wahren Kern, wenn man bedenkt, dass tatsächlich nicht ein einziger Amerikaner – von einem amerikanischen Ureinwohner an der belgischen Front einmal abgesehen – in diesem Film vorkommt. Der Frage, warum Wonder Woman dann ein Star-Spangled-Banner als Kostüm trägt, wurde zwar aus dem Weg gegangen, indem man die Sterne einfach wegließ – die Assoziation bleibt aber, denn Wonder Woman ist nun mal eine Ikone der Popkultur, deren Darstellung auch der bisher desinteressierteste Kinobesucher irgendwann schon einmal irgendwo gesehen hat. Das lässt sich nicht einfach so wegwischen, selbst wenn es die Verantwortlichen wirklich versucht hätten, wovon man aber wiederum nichts merkt. Gleichzeitig beweisen Dianas im Laufe des Films zunehmend übermenschliche Fähigkeiten bzw. der Umstand, dass diese bis zur Enthüllung ihrer Herkunft nicht erklärt werden, dass beim Publikum minimales Wissen um die Figur vorausgesetzt wird, was damit ja auch wieder inkonsequent ist.

Der zweite Punkt betrifft die Weglassung des Contests. In bisher fast jeder Adaption musste Diana zuvor eine Reihe von Wettkämpfen bestreiten, bis feststand, dass sie die beste Kämpferin unter den Amazonen und damit würdig ist, den Titel „Wonder Woman“ (sowie das dazu gehörige Kostüm und das Lasso der Wahrheit) zu tragen. Im Film dagegen entschließt sie sich einfach, die Insel zu verlassen, und handelt damit gegen den erklärten Befehl ihrer Mutter und Königin (deren hervorstechendes Merkmal ist aber ohnehin, dass sie sich erst über missachtete Befehle ereifert und dann doch nachgibt, worüber ich mir jetzt jeglichen Kommentar spare).
Der Unterschied ist offensichtlich: In der Ursprungsversion hat sie sich die Ehre VERDIENT, während sie in der Filmversion durch die Untätigkeit der Amazonen regelrecht dazu getrieben wird. Die Betonung ihrer edlen Gesinnung geht also zu Lasten derer ihres Volkes, dem die Kriegsopfer in der Außenwelt damit anscheinend ziemlich egal sind.

Natürlich MUSS ein Film, der nun mal eine begrenzte Laufzeit hat, an manchen Stellen gekürzt werden. Aber der Contest ist meiner Meinung nach zu essentiell, um gestrichen zu werden – anders als der Kampf der Amazonen gegen die eindringenden Deutschen. Natürlich: Man wollte sie kämpfend, eben in Aktion zeigen – aber gerade das wäre doch auch beim Contest der Fall gewesen. Und damit wäre auch die peinliche Frage vermieden worden, wieso die mächtige magische Barriere um Themyscira offensichtlich von jeder kleinen Nussschale von einem Boot durchbrochen werden kann.

Antiope, Dianas Tante und Ausbilderin (die in den Comics übrigens schon seit Jahrzehnten von der schwarzen Amazone Philippus verkörpert wird, was die große Masse der radikalfeministischen Wonder-Woman-Neufans glücklicherweise nicht weiß und wir damit einer weiteren ermüdenden Whitewashing-Debatte entronnen sind), hätte außerdem nicht sterben müssen. Das inzwischen nur noch nervige und dämliche Klischee eines toten Familienmitglieds als Motivation des Helden, das in Barry Allens (The Flash) ermordeter Mutter einen traurigen Höhepunkt gefunden hat, wäre vermieden worden. Vielmehr hätte sich hier die Möglichkeit geboten, Diana WIRKLICH als würdigste Kandidatin zu zeigen – indem sie Antiope im Kampf Frau gegen Frau erstmals besiegt. Die Schülerin übertrifft die Meisterin, Antiope senkt respektvoll ihr Haupt – wie großartig wäre das bitte gewesen.

Ich glaube, das hätte man durchaus unterbringen können. Natürlich hätte man dann an anderer Stelle kürzen müssen, aber bedenkt man die pure Dämlichkeit des eigentlichen Plots, wäre hier weniger eine Kürzung denn eine komplett andere Story nötig gewesen. Bis hierhin war der Verriss größtenteils eine Kritik an der ADAPTION einer Figur, die ich bereits vorher kannte. Aber auch als normaler Superheldenfilm ist Wonder Woman EINFACH NICHT GUT. Ludendorffs Plan, das neu entwickelte Supersenfgas gegen die englische Zivilbevölkerung einzusetzen, ist am Ende ein Twist aus dem Nichts und als Storyelement so löchrig wie die Gasmasken nach einer Behandlung mit eben diesem. Denn für einen solchen Angriff wäre keine jahrelange Forschung nötig gewesen – oder trägt etwa jeder Londoner eine Gasmaske im Bett, die man erst aufwendig zersetzen muss, bevor das Gas seine tödliche Wirkung entfalten kann? Überhaupt, was macht London als Ziel attraktiver als Paris, Moskau, Washington? Der gesamte Plan wirkt wie eine Rachaktion, wenn man auch nicht weiß für was – einen kriegsstrategischen Sinn vermag ich dahinter jedenfalls nicht erkennen, sofern Ludendorff nicht vorhat, die gesamte Weltgemeinschaft noch mehr gegen Deutschland aufzubringen und den Krieg auf diese Weise zu beenden, weil ihm die schon laufenden Waffenstillstandsverhandlungen irgendwie zu konventionell sind. Mein Gott, ist das so blöd! Ähnlich schwammig und verwirrend wirkt dann auch Ares‘ Plan, den ich nicht mal wiedergeben könnte, weil er total an den Haaren herbei gezogen ist.

Und selbst wenn man über so etwas in einem Actionfilm, der nicht zwangsläufig intelligent oder auch nur schlüssig sein muss, hinweg sehen kann, hat der Film noch weitere Probleme. Die Spezialeffekte machen stellenweise einfach fassungslos. Schon in der Szene, in der Diana als Kind von der Klippe springt (warum auch immer), also gerade mal gut 5 Minuten im Film, sind die Hintergründe so grauenhaft schlecht animiert, dass ich im Kino wirklich die Hände über den Kopf zusammen schlug. Ein Film mit diesem Budget, und DAS kommt dabei heraus?! Es gibt Filme, die zwanzig Jahre und mehr auf dem Buckel haben und trotzdem bessere Effekte aufweisen können. Und die wurden noch mit Bluescreen gedreht! Leider kein einmaliger Ausrutscher, sondern fast in jeder Szene mit Special Effects, vor allem bei Wonder Womans Kampfszenen, zu bestaunen. Allein dafür könnte man schon fast sein Geld zurück verlangen. Das Studio weiß offensichtlich sowieso nichts damit anzufangen!

Und ja, ich weiß, dass das niemand hören will – aber Gal Gadot ist eine BESCHISSENE Schauspielerin. Schon bei ihrem ersten Auftritt zeugt ihr Gesichtsausdruck von ihrer Karriere als Model, denn der Blick ist alles, nur nicht natürlich. Sie ist wunderschön, klar, aber gibt es in Hollywood solche Frauen nicht zu Hunderten, die deutlich besser schauspielern können? Da sie zuvor praktisch unbekannt war, kann dieser Faktor da auch keine Rolle gespielt haben. Das ist in der Tat eine Besetzung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann und versaut mir auch noch den Spaß an den Szenen, die nicht pointless, unfreiwillig komisch oder auf andere Weise schlecht sind!

Fazit: Trotz der ikonischen Hauptfigur und einer reichen Veröffentlichungshistorie, aus der man sich bei Story und Konzeption hätte bedienen können, wurden bei Wonder Woman eigentlich nur falsche Entscheidungen getroffen – personell, narrativ, dramaturgisch. Das Ergebnis ist dann vom feministischen Standpunkt aus ein absolutes Desaster und auch ansonsten einfach kein guter Film, weder für normale Kinogänger, als auch im noch größeren Maße für Fans. Hätte man dieselbe Mühe, die man anscheinend darauf verwendet hat, Wonder Woman alles Feministische auszutreiben, in die Entwicklung einer guten Story gesteckt, wäre der Film ein Meisterwerk geworden. So ist er nur ein schreckliches Vorzeichen auf das, was mit Justice League noch kommen mag. Aus den Lobeshymnen kann man indes nur schließen, dass die Latte für DC-Produktionen inzwischen wirklich gewaltig niedrig hängt – und eine Frau als Hauptperson, die nicht eindeutig sexistische Klischees bedient, offensichtlich schon reicht, um das Label „feministisch“ zu verdienen.

Damit ist nicht Wonder Woman der beste DC-Film seit Langem, sondern weiterhin The LEGO Batman Movie und mein Gott, wie traurig ist das bitte.

Wenn du den Schmerz ein wenig lindern willst, freue ich mich über eine kleine Spende via Paypal in Form einer Tasse Kaffee. Nur brauche ich in diesem Fall Schnaps, aber das ist hoffentlich auch ok.

Die Demontage eines Idols: „Arrow“ (Teil 2: Kritik)

Achtung: Folgender kleiner Rant Folgende kleine Rezension ist voller Spoiler und bezieht sich auf die erste Staffel. Lest also nur weiter, wenn ihr die Staffel schon kennt oder euch Spoiler in diesem Fall egal sind!

Nach dem ersten Teil, in dem ich über die Comicvorlage berichtet habe und warum ich diese so liebe, könnt ihr euch also gut vorstellen, warum ich auf diese Serie gespannt war.
Und leider muss ich sagen: Ich mag sie nicht.

Prämisse

Bereits die Prämisse der gesamten Serie, die Basis von Olivers Motivation, ist so dermaßen an den Haaren herbei gezogen, dass man nur den Kopf schütteln kann: Wir sehen ihn mit seinem Vater und dem einzigen anderen Überlebenden des Yachtunglücks in einem Rettungsboot treiben (wie lange, wird nicht erläutert – es scheinen aber schon ein paar Tage zu sein). Die Vorräte sind knapp, Rettung offensichtlich noch nicht in Sicht. Daher beschließt Mr. Queen, die Überlebenschancen seines Sohnes zu erhöhen, indem er erst den (völlig unschuldigen) dritten Kerl erschießt und dann schließlich auch sich selbst, nicht ohne Oliver vorher zu beschwören, auch nur ja zu überleben, damit er nach Hause zurück kehren und das Unrecht, an dem er Anteil hatte, wieder gut machen kann.

Ähm, ja. Muss ich ausführen, wie löchrig dieser „Plan“ ist? Mr. Queen hatte nicht die geringste Ahnung, wie diese Sache ausgehen wird. Er wusste weder von der nahen Insel (die zu dem Zeitpunkt noch nicht zu sehen ist), noch von den vielen Jahren Folter, Entbehrungen und Training, die Oliver dort erwarteten. Wie kommt man auf die Idee, in einer solchen Situation – sein entkräftetes Kind schutzlos in einer Nussschale auf dem Pazifik treibend – sich selbst abzuknallen, nur damit es vielleicht nen Schluck Wasser mehr aus der Notration kriegt? Wäre es nicht wesentlich intelligenter gewesen, einfach, naja, AM LEBEN ZU BLEIBEN und damit auch für alle Eventualitäten gewappnet zu sein? Seinen Sohn vielleicht verteidigen zu können, wenn es nötig wäre? Gemeinsam an ein rettendes Ufer zu paddeln, wenn Oliver allein dazu zu schwach gewesen wäre? Sein Hirn anzustrengen und nach Lösungen zu suchen, statt es sich einfach wegzuballern?

Desweiteren ist Oliver zu diesem Zeitpunkt ein gedankenloser, arroganter Partyhengst, dem jegliches Interesse für andere Menschen oder das Geschäft seines Vaters völlig abgeht und der nicht im Geringsten zu dem befähigt ist, was sein Vater von ihm verlangt. Erst die Insel formte ihn zu einem „echten Mann“, wenn man das so nennen will. Wie hätte sein Vater das vorhersehen sollen?

Von diesen groben Logiklücken abgesehen bereitet mir der unbeteiligte dritte Mann allerdings noch mehr Kopfschmerzen. Oliver kehrt am Ende ja tatsächlich zurück, um als grüngewandeter Rächer den Kampf gegen das Böse aufzunehmen, ein Kampf, der ihm sein offensichtlich geläuteter Vater kurz vor seinem Tod aufträgt. Aber wie viel ist dieser Kampf, wie viel Oliver als verkörperte Gerechtigkeit wert, wenn all dies auf einem kaltblütigen Mord basiert? Und wie ernst mag seinem Vater die Wiedergutmachung wohl gewesen sein, wenn er völlig skrupellos in der Lage ist, einfach einen Unschuldigen zu erschießen? Zumal eine Reflexion über diese Tat völlig fehlt. Als Oliver die letzten Momente seines Vaters seiner Mutter schildert, wird dieser Mann nicht mal erwähnt, als gäbe es ihn gar nicht!! Dies grenzt schon extrem hart an Narzissmus – und ist eines Helden nicht würdig!

Die Dialoge

Eigentlich könnte ich diesen Punkt abkürzen und einfach nur sagen: Sie sind gotterbärmlich schlecht. Aber sie verursachen mir wirklich solche Schmerzen, dass ich es dabei nicht belassen kann.

Es gibt eigentlich nur drei Gesprächsthemen in der gesamten Serie:

– Sinnieren über Olivers Vigilantentum. Hauptakteure: Oliver und Dig.

– Emotionalisiertes Herumschwurbeln über seine Ex-Beziehung mit Laurel und darüber, wie ganz doll verstört alle Beteiligten sind und waren. Hauptakteure: Oliver, Laurel, Tommy.

– Allgemeines Rumheulen. Hauptakteure: Eigentlich alle. Aber vor allem die Queen-Familie.

Den letzten Punkt möchte ich gerne weiter ausführen. Mir scheint es wirklich so, als würde so ziemlich jedes Gespräch innerhalb der Familie so ablaufen:

Thea: „Ich war eben mit ein paar Freundinnen Eis essen. Du weißt schon, am Gesellschaftsleben teilnehmen, funktionieren. Aber ich konnte das Eis nicht genießen. Denn weißt du, wem das Eis auch gut geschmeckt hätte? Dad.“
Oliver: „Ach Dad.“
Thea: „Ja. Ich vermisse ihn so. Jetzt kann ich ihm nicht erzählen, dass ich mit Freundinnen Eis essen war.“
Oliver: „Das muss sehr hart für dich sein. Ich vermisse Dad auch.“
Thea: „Ja. Ich bin froh, dass du mir das erzählst. Seitdem du von dieser Insel zurück gekehrt bist, bist du nicht mehr der Bruder, den ich mal kannte. Du bist so verschlossen.“
Oliver: „Thea, ich kann dir nicht erzählen, warum ich so verschlossen bin. Es tut mir sehr leid.“
Thea: „WENN DAD DOCH NUR HIER WÄRE!!!“ *türenknall*

Und nein, das ist KEINE Übertreibung!
Meine Fresse, geht’s vielleicht noch ein bisschen unsubtiler auf die Tränendrüse?! Ich verstehe vollkommen, wie traumatisch es für eine Familie ist, ein Mitglied zu verlieren, und Olivers unerhoffte Rückkehr wird diese Wunden sicher wieder aufgerissen haben, aber Herrgott, irgendwann ist es auch mal gut! Immerhin ist ja jetzt nur einer tot statt wie vorher angenommen zwei. Das sollte doch zumindest ein bisschen tröstlich sein!
Außerdem ist es fünf Jahre her. Eigentlich genug Zeit, Trauerarbeit zu leisten und damit zumindest halbwegs abzuschließen. Natürlich hinterlässt so etwas für den Rest des Lebens Spuren und kann nie ganz abgeschlossen sein, aber naja, man muss auch nicht in jedem Gespräch wieder auf das Thema zurück kommen! DAS IST NICHT HILFREICH!

…und leider auch nicht authentisch. Alle Beteiligten wirken dadurch wie kleine, zarte Pflänzchen, die ununterbrochen nur jammern und offensichtlich seit 5 Jahren kaum ihr Leben im Griff haben. Und das ist einfach too much. Diese Laberei! Das war zwar schon in Dawson’s Creek erfolgreich (ernsthaft, ich habe die Serie kaum je gesehen, weil sie so genervt hat, aber gab es da auch nur EIN authentisches Gespräch, wie es auch zwischen echten Teenagern stattfinden könnte?) und auch Smallville hat sich da SEHR hervorgetan.
Offensichtlich ist dieses überemotionalisierte Herumschwurbeln IN. Ich finde es aber trotzdem scheiße!

Dieses viele Rumtöten…!

Aber kommen wir zu Oliver, der, kaum wieder Zuhause, natürlich direkt weiß, was zu tun ist und als verkleideter Schütze loslegt. Dabei erschießt er direkt in der ersten Folge schon mehrere Typen.

Und das, liebe Freunde der verehrten Comickunst, geht EIGENTLICH gar nicht, denn Green Arrow tötet NIE.

Nun entwickeln sich Comics ja auch weiter, ähnlich wie die menschliche Moral. Die Anfänge, als in Comics noch wahre Lichtgestalten unterwegs waren, sind längst Vergangenheit. Die Akzeptanz für gewisse Inhalte nahm immer weiter zu, so wie auch das Alter des Zielpublikums. Spätestens seit den Siebzigern trauten sich Comics auch Themen anzusprechen, die für Kinder nur bedingt geeignet sind (und erst da fing auch das große Massensterben diverser Charaktere an…).

green arrow first kill
Green Arrow verwackelt den Schuss. The Flash (erste Serie) #217, 1972

Was ich sagen will: Ich habe zwar immer noch lieber diesen Green Arrow im Kopf, der direkt ins Kloster rannte, als er mal jemanden aus Versehen erschossen hat, aber naja – mit einem Killer komme ich irgendwie auch klar. Solange nicht auch noch Batman so anfängt (Niemals. Bitte!!!).

Allerdings nur, wenn das alles noch hübsch den Regeln der Logik gehorcht und nachvollziehbar bleibt, was zugegebenermaßen bei der Rolle, in der ICH ihn gerne sehen würde, fast unmöglich ist (mir fällt jedenfalls nicht ein, wie man einen Charakter gleichzeitig frohgemut, links und dem Töten seiner Gegner nicht abgeneigt anlegen könnte…) – aber leider schafft es die Serie auch nicht. Aber sowas von nicht.

huntress

In mehreren Folgen taucht Helena Bertinelli auf, die Tochter eines Mafiabosses, die mit den kriminellen Machenschaften nichts zu tun haben will und dann, als sie im Geheimen versucht, Beweise gegen ihren Vater zu sammeln, ihren Verlobten durch ein Attentat verliert – angeordnet von ihrem Vater. Deswegen ist sie verständlicherweise sauer und möchte sich rächen.

Sowas nennt sich Motivation und ist zumindest im fiktiven Kontext absolut nachvollziehbar – aber nicht für Mr. Oliver Queen! Dessen Feldzug ist ja, äh, was völlig anderes.

Huntress (Helena Bertinelli) - das Original.
Huntress (Helena Bertinelli) – das Original.

Deswegen ist es ja auch okay, wenn er die bösen Typen, die auf seine Liste stehen, abknallt (und deren Freunde… und die Bodyguards… und noch so ein paar andere Leute, die halt irgendwie noch gerade da sind…!), aber Helena, die ihren mordenden Mafiadaddy um die Ecke bringen will, also nein, das ist ja bäh, das geht gar nicht!

Aber das muss man eben verstehen… der Kerl steht ja nicht auf der Liste. ER STEHT NICHT AUF DER LISTE!!!

Wenn man der Meinung ist, böse Menschen umbringen zu dürfen sei okay, begibt man sich auf SEHR dünnes Eis. Oliver Queen ist allerdings schon längst eingebrochen – und präsentiert sich damit als ein Typ, dessen Einschätzung offensichtlich das Maß aller Dinge ist, obwohl er sich nur auf eine saublöde Liste rekurriert und er ansonsten nicht im Geringsten über sein Handeln reflektiert!

Was mich zum nächsten Punkt führt:

Der Charakter „Oliver“/Olivers Charakter

Tja, was lässt sich dazu sagen? Außer dem vielen Rumheulen, dem halbgaren Moralkodex und dem fremdgesteuerten Rachefeldzug ist da ja nicht viel, oder?

Das nervt mich eigentlich am meisten. Denn Oliver Queen ist witzig. Er ist polternd, tönend, absolut überzeugt von sich, ein polemisches Großmaul, der Polizisten „blaue Faschisten“ nennt und „Bonzen“ hasst und dessen Ansichten ebenso unerschütterlich sind wie seine Neigung, ab und zu seine Meinung einfach mal so um 180 Grad zu ändern. Ein Charakter, den man, wenn er über’s Ziel hinaus schießt (höhö) gleichzeitig hassen als auch dafür lieben kann, dass er sich dabei so verdammt lustig aufregt. Er ist ein Mann mit Idealen, der für eben diese bereit ist zu kämpfen, der nur WEGEN diesen Idealen kämpft.

So ist der Comic-Ollie. Und Arrow-Oliver?

Wir erfahren nach und nach in Flashbacks, wie er auf der Insel zu der starken Kampfmaschine wurde, die ihren Bogen meisterlich beherrscht. Doch wie wurde er zu einem Menschen, der Böses verdammt? Wie wurde er zu einer Persönlichkeit, die sich für Schwache und Entrechtete einsetzt?
Die Antwort ist: gar nicht. In jedem gottverdammten Intro labert er davon, den letzten Wunsch seines Vaters in die Tat umzusetzen. Dabei ist er genauso humorbefreit wie der Rest dieser Serie. Aber darüber hinaus? Ein großes, schwarzes Loch, wo eigentlich so etwas wie eine Motivation sein müsste.

„Now I will fulfill my father’s dying wish“ klingt so großartig, ist aber nur eine nett verpackte Umschreibung für „Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich hier eigentlich mache“. Und das NERVT.

Womit wir bei den Themen der Serie angekommen wären.

Die Themen

Wie gesagt ist Green Arrow eigentlich ein sozialkritischer Held, der sich für die Belange der unteren Klassen einsetzt und gegen Diskriminierungen kämpft. Zumindest in Ansätzen ist das auch in der Serie vorhanden, denn Oliver ist auch dort (obschon Mitglied der Upper Class) auf einem Feldzug gegen Bösewichte, die Schwächere ausgenommen haben, die sich nicht wehren können.

Solange sie halt auf seiner blöden Liste stehen.

Während vor allem die Hard Travelling Heroes Saga bemüht war, auch mal die Perspektive der Opfer zu zeigen (selbst wenn diese vermeintliche „Täter“ waren – beispielsweise Menschen, die nur stahlen, weil sie sonst verhungern würden), geschieht das in der Serie NIE. Eine Behandlung der sozialen Problemlagen findet praktisch nicht statt.

Was aber noch viel schlimmer ist: Es spielt kein Thema in der Serie, behauptet wird aber was anderes!

So gibt es eine Folge, in der eine Familie einen Bankraub nach dem anderen begeht. Dig meint daraufhin zu Oliver, dass sowas doch durchaus auch mal ein Job für „The Hood“ sein könnte. „Ich kümmere mich nicht um Straßenkriminalität“, wehrt Oliver diesen Vorschlag brüsk ab (am Ende tut er das Verlangte jedoch natürlich trotzdem).

Denn ja, Banküberfälle haben ja so wahnsinnig viel mit Straßenkriminalität zu tun. Passiert ja täglich, so ein Bankraub, gell.

Tatsache ist: Straßenkriminalität ist wohl zu proll und bäh, um in der Serie eine größere Rolle zu spielen. Dann müsste man sich ja mit diesen ganzen Losern auseinander setzen, die klauen und überfallen und dealen, weil sie nie etwas anderes gelernt haben, da ihr Land sie schon von Anfang an abgestempelt und ihnen keine Chance gelassen hat, jemals etwas zu erreichen. Das ist ja zu differenziert, da kriegt man ja Kopfweh von. Lieber heult man noch ein bisschen über den toten Papi rum, der ja auch nicht so wirklich der gute Kerl war, für den man ihn gehalten hat, um sich nicht mit echten Problemen auseinander setzen zu müssen.

Auch hier gilt: Wäre das irgendeine Serie und irgendein Charakter, dann könnte ich das ja noch ignorieren. Aber hier geht es nun mal um Green Arrow, den Sozialaktivisten unter den Superhelden. Das ist ein ERBE. Und es ist ja nicht so, als ob in Zeiten von Bankenkrisen, die ganze Familien an den Rande des Ruins treiben, Rassismusdebatten, grassierender Homophobie, Überwachung etc.pp. ein solcher Held nicht mehr benötigt würde. Im Gegenteil!

Eine Serie mit solchen Inhalten hätte ich geliebt. Allerdings hätte sowas von den Programmmachern ja Mut erfordert – den Mut eines Denny O’Neill und Neal Adams. Aber der ist offensichtlich ausgestorben.

Was bleibt, ist ein absolut unpolitischer Held, den man scheut, auf reale Missstände loszulassen. Das treibt mitunter seltsame Blüten. Warum um alles in der Welt muss man in der heutigen Zeit für eine solche Serie eine Droge erfinden, gegen die Oliver dann kämpfen kann? Ich meine, gibt es nicht genug echte Drogen?

Vertigo – Dreh- und Angelpunkt der vielleicht blödesten Storyline der ersten Staffel. Wirkung? Weiß man nicht. Bestandteile? Oh nein, sowas kann man ja nicht in einem Familienprogramm erörtern. Auswirkungen? Ein paar blöde Upper-Class-Gören, die zugedröhnt Unfälle bauen (Olivers süße kleine Sis) oder auf der Straße tanzen, wo sie dann überfahren werden. Suchtpotential? Äh, da war doch dieser Typ, der total krass nervös war und, äh…!
Und das Zeug kommt in PILLENFORM. Oh my fucking God. Und so eine Kinderdroge soll diese ganze Stadt im Würgegriff haben?

Die Drogenproblematik ist eng mit Green Arrows Figurenhistorie verbunden. Als Denny O’Neill sich traute, das Thema in den Siebzigern anzuschneiden (er leitete die Story ein mit den Worten: „Viele werden sagen, die folgende Geschichte dürfe man nicht erzählen…“ *dramatische Musik einblend*), wagte er etwas zu zeigen, was zu dieser Zeit absolut neu und schockierend war:

Green Lantern (2. Serie) #85, 1971. Noch so  ein voll berühmtes Cover.
Green Lantern (2. Serie) #85, 1971. Noch so ein voll berühmtes Cover.

einen drogensüchtigen Superhelden. Green Arrow musste lernen, dass Drogensucht etwas ist, das nicht nur Schwächlinge und Feiglinge heimsucht, sondern jeden treffen kann – auch seinen eigenen Sidekick. Das war gleich aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens kratzte es an der Vorstellung des „perfekten Helden“ (war damit aber auf der Höhe der Zeit) und zweitens an dem Klischee, mit dem sich Politik und Eltern gerne beruhrigten – nämlich, dass nur Asoziale Drogen nehmen.
Seitdem kann das Thema bei Green Arrow nicht mehr unvoreingenommen behandelt werden. Schicksalsschläge, Baby. Und daher war es eigentlich auch nur logisch, dass Drogen auch in sämtlichen Adaptionen des Stoffes (höhö) auftauchen werden. Das war schon bei dem Green Arrow der Fall, der bei Smallville zeitweise rumturnte (leider kein Witz – allerdings war diese Figur und vor allem ihre krasse Beliebheit bei den Fans wohl mit ein Grund, warum Arrow überhaupt in Produktion gegangen ist) und nun eben auch in dieser Serie.

Aber warum so scheiße und oberflächlich?

Irgendwie schafft die Serie es, das Thema gleichzeitig zu diabolisieren als auch zu verharmlosen. So scheint sich seine (übrigens im Comic nicht-existente) Schwester zu Anfang so ziemlich alles einzuwerfen, was sie in die Finger bekommen kann – nur um dann von einem auf den anderen Tag damit aufzuhören. Leidensdruck, Suchtpotential? Irgendwie gar nicht. Gleichzeitig erfährt man über diese Pseudodroge Vertigo absolut nichts, außer eben, dass es eine Droge ist – und damit ja grundsätzlich eeeevil. Mehr Infos braucht man ja nicht, ne.

Ich kann mir nicht helfen – aber jedes Mal, wenn in einem Medium eine erfundene Droge auftaucht (und das ist leider schon öfter passiert), ist es bei mir irgendwie vorbei. Weil es so lame ist. Als müsste man die Zuschauer vor der harten Realität schützen.

Realitätsnähe?

Und damit wäre ich dann am letzten Punkt, der sicher nicht der schlimmste ist, aber nun mal trotzdem hier steht und mir unglaublich auf den Sack geht.

Seit Christopher Nolan für seine Batman-Trilogie so viel Fame abgegrast hat, wird versucht, sein Konzept der „Pseudorealität“ auf andere Projekte zu übertragen. Arrow ist Opfer davon geworden.

Ich bin absolut kein Fan von Pseudorealität (sowie ebenso kein Fan von Nolan allgemein), weil Superhelden nun mal nicht realistisch sind. Boom, harte Wahrheiten. Selbst bei theoretisch möglichen Helden wie Batman passt mir dieser Ansatz absolut nicht, weil damit schlicht und ergreifend ein Haufen Spaß auf der Strecke bleibt. Bei Nolans Batman äußerte sich das z.B. in ultralahmen Kampfszenen, weil sich Christian Bale in diesem Ganzkörperpanzer (warum genau hat er nochmal so viel für die Rolle trainiert?) kaum rühren konnte. Dabei ist Batman ein gottverdammter Ninja!

Bei Arrow ist das ein bisschen subtiler, aber einen großen Kritikpunkt hätte ich dann doch. Vielleicht einen, der für jeden, der noch nie einen Bogen in der Hand gehabt hatte, absolut uninteressant ist. Aber leider BIN ich nun mal selbst Bogenschützin (woran Green Arrow wohl mit einen Anteil hatte) und als solche kann ich das leider nicht ignorieren.

Zuerst war ich ja sogar sehr erfreut über die Änderung, Oliver ganze fünf Jahre auf dieser Insel versauern zu lassen statt nur ein paar Monate, denn fünf Jahre sind vor allem in einer solchen Extremsituation eine ausreichende Zeit, um ein solcher Ausnahmeschütze zu werden.
Natürlich tut er trotzdem mit seinem Bogen ständig Dinge, die ich unter „eigentlich absolut unmöglich“ einordnen würde. Aber hier greift nun die „Superhelden-Realität“: Das muss man eben einfach hinnehmen oder sich halt eine verdammte Doku ansehen. Wer nicht mal bereit ist, für einen Horrorfilm grundsätzlich die Prämisse zu akzeptieren, dass Geister existieren, hat ja auch keinen Spaß an dem Streifen. So auch hier: Da ist also dieser Typ, der eine ziemlich schwierig zu handhabende Waffe, für die man in nicht unerheblichen Maß auch schlicht Talent haben muss, perfekt beherrscht. Alles klar, ist einzusehen!

Doch nun kommen einige technische Details dazu – und ich aus dem Facepalmen nicht mehr raus.
In einer Folge sieht man in einem Flashback, wie Shado Oliver trainiert, indem sie ihn auf Wasser schlagen lässt, damit er stark genug wird, den Bogen zu spannen. Dieser Bogen habe, so wird erklärt, ein Zuggewicht von 150 lbs (englischen Pfund).

„Was mache ich hier eigentlich“ sagt dieser Blick!
Freunde und Nachbarn: HUNDERTFÜNFZIG PFUND. Hat irgendjemand der Schreiberlinge, die das verbrochen haben, schon mal einen Bogen in der Hand gehalten?! Warum haben die Bogenlehrer, die für die Serie sicher engagiert worden sind, nicht mal das Maul aufgemacht?! Hundertfünfzig Pfund!! Wisst ihr, wie VIEL das ist?! Wie gottverdammt UNMÖGLICH es ist, sowas zu spannen – und damit dann auch noch richtig zu zielen?!
Englische Langbogen, so ziemlich die stärksten Bogen, die jemals im größeren Maße auch wirklich verwendet worden sind, kamen im Mittelalter als rüstungsdurchschlagende Waffen zum Einsatz – und hatten sogar WENIGER Pfund! Allgemein geht man von einem Zuggewicht zwischen 100 und ca. 140 Pfund aus, und selbst DAS ist schon unglaublich viel!! Zusammen mit den völlig übertrieben scharfen Pfeilspitzen, die Oliver verwendet, sollte jeder Pfeil jedes Opfer, auf das er jemals geschossen hat, schlicht und ergreifend durchballern. Das ist auf so vielen Ebenen so unendlich übertrieben!!

… und leider nichts weiter als dummes Rumgepose. Denn nein, ein Oliver Queen würde einen solchen Bogen nicht spannen können, auch wenn er fünf Jahre lang nichts anderes getan hätte als Wasser zu verprügeln. Überhaupt, wie lange hat er das gemacht? Ein, zwei Tage? Und schon ging es? UND DANN AUCH NOCH SO LEICHT!?

Wisst ihr, warum mich das am meisten nervt? Weil es so grandios unnötig ist. Keinem Mensch fällt so ein Bullshit auf (außer Schützen wie mir), also hätte man es doch auch einfach weglassen können. Oder, krasser Gedanke: es einfach richtig darstellen können. Auch 70 oder 80 lbs sind für einen Anfänger je nach Fitness extrem schwer zu spannen und reichen für das, was er damit macht, vollkommen aus. Nehmen wir noch den Superhelden-Bonus mit rein: 100 lbs. Schön runde Zahl.
Aber nee – hauen wir doch noch 50% drauf! Ich wünschte, ihr wüsstet, wie dämlich das ist!!

Und das in einem Serienuniversum, das in der gesamten 1. Staffel ansonsten als „reale Welt“ gelabelt worden ist. Womit es laut Gerüchten demnächst vorbei sein wird (Achtung, Spoiler auf Staffel 2): The Flash wird aufkreuzen, erlebt wohlmöglich sogar in der Serie seine „Verwandlung“ von dem etwas lahmen Wissenschaftler Barry Allen zum schnellsten Mann der Welt, der sich mal locker mit vielfacher Schallgeschwindigkeit bewegen kann. Ich habe bisher nur die 1. Folge der 2. Staffel gesehen, aber die unglaublich unsubtil eingeworfene Nachrichtenmeldung über einen „neuen Teilchenbeschleuniger in Central City“ lässt schon eine grauenhafte Ahnung aufkommen (denn nein, ein Teilchenbeschleuniger hatte mit Barry Allens Superkräften im Comic nicht das Geringste zu tun).

Ich bin mir sicher: Die meisten Zuschauer, von denen viele offensichtlich nicht wissen, dass die Serie auf einem Superheldencomic basiert, werden hier unangenehme Gedanken in Richtung nuking the fridge haben – denn man kann nicht erst eine pseudorealistische Welt erschaffen, um sie dann mit sowas zusammen prallen zu lassen. Kein einziges fantastisches, mystisches oder sciencefictionhaftes Element in der gesamten ersten Staffel und dann DAS in Staffel 2? Ooooh jeeee…

Und sonst so?

Ich könnte ja noch ewig ranten. Zum Beispiel darüber, wie unglaublich dämlich die meisten Folgen sind, die oft auf dem Umstand basieren, dass Felicity offensichtlich nur noch ein Update davon entfernt ist, aus ihrem Computer eine Zeitmaschine oder eine Rakete zum Mars zu bauen. Man stelle sich die gesamte Serie mal ohne dieses unrealistische Wunderwesen vor. Klappt nicht, ne.

Oder darüber, wie sehr ich Roy Harper hasse. Der Junge ist verdammt noch mal mitsamt der gesamten Arrow-Familie einer meiner Lieblingssuperhelden, nicht nur deswegen, weil ich eine Schwäche für Charaktere mit Drogenproblemen habe, aber hier schaffen sie es, ihn aber sowas von vollständig komplett zu versauen. Allein diese Frisur!! Und es hat ja nicht gereicht, Clark Kent in Smallville immer in roter Weste und blauem Shirt rumrennen zu lassen – ohne rotem Hoodie kann dieser Typ hier offensichtlich auch nicht aus dem Haus! Er könnte auch ein Schild tragen mit „Seht mich an, ich werde demnächst Sidekick!“

Und Thea! Was für eine Schnepfe! Oder „Laurel“ (warum nicht Dinah!?)! Wie lame! Und diese völlig storyirrelevanten „Workouts“ von Oliver (ist euch aufgefallen, dass in jedem Vorspann eine andere Trainingseinheit gezeigt wird?!), nur um ihn oben ohne zu zeigen, als wäre er dieser hässliche Typ aus Twilight!! Und überhaupt: StarLING City?! Was war denn verkehrt an „Star City“?!

Aber es muss doch auch was gutes geben…?

Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber: Ja.

Stephen Amell ist zwar als Besetzung eigentlich viel zu jung, ist aber – man verzeihe mir mein Gelechze – ein absolutes Schneckchen, auch wenn er mir viel zu übertrainiert ist und ich deshalb auf seine halbnackten Fitnessstündchen verzichten kann. Auch sind die Kampfszenen größtenteils grandios choreographiert und lassen mein Fangirlherz höher schlagen. Das (und noch viel mehr) hätte ich mir für die Batman-Trilogie gewünscht. Und Paul Blackthorne spielt Malcolm Merlyn wirklich erstklassig und schafft es damit, dem einzigen interessanten Charakter in der gesamten Serie Leben einzuhauchen. Angeblich isser ja tot, aber so blöd werden die Macher ja nicht sein!

Fazit

Dennoch reichen diese paar Pünktchen nicht, um die Serie für mich zu retten. Zwar muss ich zugeben, dass ich mit ihr jetzt durch Hassliebe verbunden bin (wohl, weil ich mir ja tatsächlich die gesamte erste Staffel reingequält habe), heißt: Ich werde sie weiter verfolgen, aber leider ist da dennoch der Gedanke, dass hier wieder Mal ein DC-Charakter nicht die Behandlung bekommt, die er verdient, und unglaublich viel Potential verschenkt worden ist.

Ich bin gespannt, wie schlimm es noch werden wird, wundere mich in der Zwischenzeit ein bisschen, warum die Serie in der Internet Movie Data Base ein Rating von 8,1 bekommt und versuche weiterhin, mir beim Facepalmen kein Schädelhirntrauma zuzuziehen.

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Die Demontage eines Idols: „Arrow“ (Teil 1: Flashback)

Oliver Queen, sorg- und argloses Millardärssöhnchen, erleidet mit seinem Vater Schiffbruch und erreicht nur mit knapper Not eine gottverlassene Insel. Erst fünf Jahre später wird er von dem Eiland gerettet und kehrt völlig verändert zu seiner Familie und in seine Heimatstadt zurück. Im Gepäck: Ein Notizbuch, das er von seinem Vater erhalten hat, bevor dieser starb, und in dem eine endlose Liste mit Namen zu finden ist von Männern, die durch Betrug, Korruption, Mord und Wirtschaftsverbrechen aller Art die Stadt und seine Bewohner geschröpft haben. Jeder einzelne läuft frei herum, geschützt durch seinen Reichtum und Status, doch Oliver hatte auf der Insel genug Zeit, Pläne zu schmieden und Fähigkeiten zu erlangen, mit deren Hilfe er diese Männer zu Fall bringen kann. Bewaffnet nur mit einen Bogen, den er meisterlich beherrscht, macht er sich im Schutz der Dunkelheit auf, um sich im Namen der Stadt an diesen Männern zu rächen…

Das ist eine kurze Zusammenfassung des Plots der Serie Arrow, deren zweite Staffel unlängst gestartet ist (obwohl die Einschaltquoten in meinen Augen recht mäßig sind, aber ich habe da kaum Vergleichswerte). Dies allein wäre noch kein Grund für mich, sie mir anzusehen. Aber leider musste ich es tun, denn – Superheldenfans wissen es vermutlich schon längst – ist die Serie nichts weiter als eine Adaption des DC-Helden Green Arrow.

Und dabei handelt es sich zufälligerweise um einen meiner absoluten Lieblingssuperhelden!

Aber er ist natürlich längt nicht der bekannteste Held des DC-Universums, was ein unsäglicher Missstand ist. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, für alle, die ihn noch nicht kennen, ein bisschen Figurgeschichte zu betreiben. Auf geht’s!

Für Insider: Ich lebe in einem Post-Crisis-Prä-Infinite-Crisis-Prä-The-New-52-DC-Universum. Finanziell bedingt musste ich vor Infinite Crisis aufhören, Comics zu kaufen, und verspüre bisher keinen großen Drang, meinen Rückstand aufzuholen. Ich mag das DC-Universum nämlich so, wie ich es Ende der 90er/Anfang der 2000er kennen gelernt habe. Ich weiß, dass sich inzwischen viel geändert hat, gerade auch bei Green Arrow – nur ist mir das egal 🙂
Das möge man bei Folgendem im Hinterkopf behalten und sich nicht wundern, wenn ich aus moderner Sicht Quatsch erzähle – denn diese Sicht existiert für mich nicht ^^

History

More Fun Comics #73, 1941
More Fun Comics #73, 1941

Green Arrow entstand wie viele andere Helden im „Golden Age“, der ersten großen Welle der Superheldencomics, im Jahre 1941. Und damit reihte er sich ein in die damals lange Gallerie von Helden, die ohne Superkräfte, dafür aber mit besonderen Fähigkeiten, Gadgets und einem Sidekick auf Verbrecherjagd gingen. Es dauerte ein bisschen, bis man erfuhr, dass er sich seine Bogenkünste während eines monatelangen unfreiwilligen Aufenthalts auf einer verlassenen Insel angeeignet hatte (wobei die Hintergrundgeschichte anfänglich eine andere war – aber diese Ursprünge sind inzwischen völlig vergessen, was wahrscheinlich gut so ist). Er ist außerdem Eigentümer und Geschäftsführer seiner eigenen Firma und steinreich.
Die Parallelen zu Batman sind nur allzu offensichtlich!

Wie bei die meisten Helden während des Golden Age konnte von einem wirklichen Charakter noch lange nicht die Rede sein. Er unterschied sich kaum von anderen und hatte als Person keinerlei Profil.
Die Figur verschwand im Zuge des massenhaften Comicsterbens Anfang der Fünfziger, tauchte aber zusammen mit den meisten anderen Helden (davon viele generalüberholt und in „neuer Besetzung“ – Green Arrow gehörte allerdings nicht dazu, unter der Maske steckte immer noch Oliver Queen) Ende der 50er/Anfang der 60er wieder auf – auch als Mitglied der Justice League, DC’s Superheldenteam Numero Uno.

Es sollten dennoch wieder einige Jahre ins Land ziehen, bis aus ihm ein echter Charakter wurde – einen, den man wirklich mögen kann.

Dabei entstand das eher aus der Not. Die Serie Green Lantern (ein Superheld, der einen intergalaktischen Ring trägt, mit dem er praktisch alles erschaffen kann, was er will – der megaidiotische Film mit Ryan Reynolds wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt) krebste mit schlechten Verkaufszahlen so vor sich hin und sollte neue Impulse bekommen. Die war Dennis O’Neill, ein junger, idealistischer Autor, mit Blick auf die aktuellen umwälzenden gesellschaftlichen Ereignisse nur zu gern bereit zu geben. Dafür brauchte er allerdings für den ziemlich engstirnigen Green Lantern, der (meistens) widerspruchslos von Aliens Befehle entgegen nahm, statt sich wirklich mit den erdnahen Problemen auseinander zu setzen, einen Konterpart. Und weil die Figur bisher unbefleckt war von Versuchen, ihm tatsächlich so etwas wie eine Persönlichkeit auf den Leib zu schreiben, fiel seine Wahl auf Green Arrow.

Green Lantern (2. Serie) 76, April 1970. Voll berühmtes Cover.
Green Lantern 76, April 1970. Voll berühmtes Cover.

Was danach geschah, ist als Hard Travelling Heroes Saga in die Comicgeschichte eingegangen. Nachdem Green Arrow (in einem anderen Heft) bereits neue, extrem schicke Klamotten plus Bart serviert bekommen, darüber hinaus leider aber auch sein komplettes Vermögen verloren hatte, entdeckte er seine Liebe für den kleinen Mann von der Straße und seine mannigfaltigen Probleme. 1970 tauchte er dann in Green Lanterns Serie auf – und machte dort erst einmal richtig Rabatz.

Nach vielen, vielen Vorwürfen gegen den leicht naiven, allzu oft Recht über Gerechtigkeit stellenden Green Lantern erklärte dieser sich bereit, mit Green Arrow auf Reisen zu gehen, um das „wahre Amerika“ mitsamt all seinen Problemen zu entdecken. Dazu gehörten die auch heute noch aktuellen Themen Rassismus, Ausbeutung, religiöser Fanatismus, Drogen, Umweltverschmutzung etc.pp.

Ollie redet Klartext
Ollie redet Klartext – episch.

Man beachte: 1970! Zu dieser Zeit hatte die gesamte Comicindustrie schon fast zwei Jahrzehnte unter repressiver Zensur gelitten und sich kaum je getraut, Kontroversen anzustoßen. Mancher Autor hatte vielleicht als Kind Comicverbrennungen miterlebt (kein Scheiß!!!) und lebte in einer Gesellschaft, in der die Idee Justice for all inzwischen längst als zynische Lüge entlarvt worden war. Es war verdammt schwer, in dieser Zeit ausgerechnet ein sozialkritisches Comic zu veröffentlichen – dennoch haben Autor Dennis O’Neill und Zeichner Neal Adams genau das vollbracht und damit mehr Mut bewiesen, als man sich heute vorstellen kann.

Die Hefte gelten heute noch als Klassiker – auch wenn sie natürlich wie die meisten alten Comics aus moderner Sicht teilweise ein bisschen peinlich sind.

Ollie disst Aquaman. Kicher. (Green Arrow (3. Serie) 3, 2001)
Ollie disst Aquaman. Kicher.
(Green Arrow (3. Serie) 3, 2001)

Gleichzeitig schuf das Kreativteam damit aber auch einen der besten Superhelden überhaupt, einen der wenigen, der überhaupt so etwas wie Charaktertiefe besitzt: Green Arrow. In diesem (leider viel zu kurzen) Zyklus wurde aus dem bogenschwingenden Ex-Millardär nun tatsächlich ein moderner Robin Hood, der sich für die Schwachen einsetzt, für Gerechtigkeit kämpft und dabei so liberal ist, wie es für amerikanische Verhältnisse gerade noch erträglich war.

Natürlich passierte in seinem Leben (also… „Leben“) noch so einiges mehr, was ich euch erzählen könnte. Seine On-Off-Beziehung mit Superheldenkollegin Black Canary, die schockierende Entdeckung, dass sein eigener Sidekick drogensüchtig geworden war, seine Unfähigkeit, für seinen leiblichen Sohn ein guter Vater zu sein, sogar sein Tod und die (obligatorische) Wiederauferstehung waren dabei wichtige Wegmarken. Aber der Status Quo, den O’Neill und Adams gesetzt hatten, blieb immer vorhanden.

So jedenfalls, bis sich der Superheldenverlag DC vor zwei Jahren entschloss, sein gesamtes Universum platt zu machen – SCHON WIEDER.

Soviel also zur Geschichte des sympathischen grünen Bogenschützen, die doch um einiges länger ausgefallen ist, als ich beabsichtigt habe, doch ich hielt das für nötig, damit meine Kritik an „Arrow“ nachvollziehbarer wird (und außerdem rede ich gerne über Superhelden!). Eben diese Kritik verschiebe ich dann aber auf morgen!

Ich schließe mit ein paar (deutschen) Leseempfehlungen für all jene, die jetzt vielleicht Lust bekommen haben, selbst ein bisschen in den Comics zu stöbern (alles sollte über Ebay oder den Comicmarktplatz leicht erhältlich sein):

Green Lantern/Green Arrow Collection: Der komplette Hard Travelling Heroes Zyklus in einem schön gestalteten Band, für Neueinsteiger geeignet.

JLA Special 4 (Dino-Verlag): Green Lantern/Green Arrow: Die erste Begegnung unserer beiden grünen Helden in einer supergeilen Story – und man erfährt, wie Oliver Queen zu seinem Bart gekommen ist!

Green Arrow (Panini 2001) 1-10: Green Arrows Wiederauferstehung von den Toten, erzählt von Kevin Smith (ja, DER Kevin Smith!) auf hammergeile und sogar halbwegs logische Weise.

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