Awareness: Ein Nachtrag an meine Kritiker

Dies ist ein weiterer Nachtrag zu meinem Artikel Eure Awareness kotzt mich an! und richtet sich an diejenigen, die ihn kritisiert haben. Alle anderen bitte hier entlang.

Liebe Leser, liebe Kritiker: Ich habe einen Fehler gemacht.

Aber bevor ihr euch jetzt freut: Nein, dies wird keine Entschuldigung für meinen Artikel. Er war mir sehr wichtig und ich stehe hinter jedem Wort. Dennoch habe ich einen Fehler gemacht. Und auch, wenn ihr so tierisch gut darin seid, über Nonmentions zu hetzen und mir Dinge zu unterstellen ohne den geringsten Willen, vielleicht mal nachzufragen, ob die leise Möglichkeit besteht, dass ihr vielleicht etwas falsch verstanden habt, damit ich mich erklären kann, sei mir auf meinem eigenen Blog eine Klarstellung gestattet. Diese geht so:

Dies ist mein Blog. Die Artikel, die ich hier schreibe, ordne ich in Geiste in zwei Kategorien. Die erste Kategorie nenne ich „banal“ – es geht um Dinge (meist Filme, Musik, lustiger Alltag) die mich interessieren, die aber, so ehrlich muss man sein, nicht gerade weltbewegend sind, auch wenn es mir Spaß macht, Beiträge darüber zu schreiben und es hoffentlich ein paar Leuten Spaß macht, sie zu lesen.
Die zweite Kategorie nenne ich „Debattenbeitrag“ – und hier ordne ich Artikel ein, die ich in irgendeiner Weise für relevant halte, so beschränkt das auch manchmal sein mag.

Es befinden sich Artikel in dieser Kategorie, die ich selber nicht besonders gelungen finde. Andere dagegen schon. Mein „Awareness“-Artikel gehört zu letzteren.

Nun kann ich nach ein paar Jahren bloggen ungefähr abschätzen, wie gut ein Artikel ankommt oder auch nicht. An normalen Tagen, an dem ich gar keinen Artikel veröffentliche, bekomme ich etwa 200-300 Klicks, an Tagen mit Artikel bis zu doppelt so viel. Mein bisher bester Artikel erreichte, wenn ich mich recht erinnere, knapp tausend Klicks am Tag seiner Veröffentlichung. Das mag für diverse etablierte Blogger ein Fliegenschiss sein, aber für meine Verhältnisse war das sehr viel.

Was ich damit sagen will: Ich war und bin stolz auf meinen Artikel und ich wusste auch, dass er gut ist, aber nichts, was ich bisher blogtechnisch veranstaltet habe, hätte mich darauf vorbereiten können, wie sehr dieser Artikel einschlägt. Oder um das zu illustrieren:

Blogstatistik

Normalerweise gehe ich davon aus, dass meine Artikel von Bloggerfreunden und einigen Followern auf Twitter geklickt und gelesen werden. Mit anderen Worten: Leuten, die mich ein bisschen kennen. Und hier lag mein Fehler. Ich habe schlicht unterschätzt, wie relevant der Artikel tatsächlich war (und es ist mir scheißegal, ob das jetzt arrogant klingt). Ich konnte nicht damit rechnen, dass er so oft geteilt wird und ein Stefan Niggemeier ihn auf Facebook verlinkt und dass er deshalb hauptsächlich Leser erreicht, die mich NICHT kennen und deshalb einige davon gewisse Inhalte falsch einordnen (wollen).

Ich stelle darum hiermit klar:

Ich habe weder etwas gegen den Hashtag #notjustsad, noch sollte der Artikel ein Angriff gegen seine Initiatorinnen sein, da ich diesen im Gegenteil für den Hashtag sehr dankbar war, und erst Recht nicht wollte ich damit Menschen verhöhnen, die unter diesem Hashtag von ihren Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen berichtet haben.

Tja, aber das glaubt ihr mir jetzt nicht, stimmt’s? Das Label „Feind“ passt ja auch so gut. Aber wenn ihr mich und meine Onlineaktivitäten schon nicht kennt, dann wäre ein bisschen Recherche ja vielleicht ganz hilfreich gewesen. Dabei wäre man beispielsweise auf diesen Tweet gestoßen:

Oder den hier:

Oder den:

See? Ich habe VON ANFANG AN unter diesen Hashtag getwittert. Die (vollständige?) Liste findet man ganz einfach bei Twitter, wenn man sich denn die Mühe macht, danach zu suchen. Meine vielen Retweets sind da leider nicht enthalten, ich weiß nicht, wie man die ermitteln kann. Warum um alles in der Welt sollte ich jetzt Leute dumm anmachen, die den Hashtag benutzen? Ich habe ihn doch selber benutzt!! Das gilt im Übrigen auch für den vergleichbaren, aber zu meinem Thema an sich viel passenderen Hashtag #isjairre, der leider nicht so viel Würdigung erfahren hat.

Falls das immer noch nicht reicht: Ich habe mich auch regelmäßig an ähnlichen Hashtags beteiligt. #Aufschrei war sogar der Grund, weshalb ich mich überhaupt bei Twitter angemeldet habe!!! Zudem habe ich ihn, wenn nötig, immer verteidigt (nachzulesen beispielsweise hier, hier und hier).

Und um dem Ganzen noch ein Krönchen aufzusetzen, habe ich SOGAR SELBST mal einen aktivistischen Hashtag erfunden, der wenigstens kurze Zeit munter benutzt worden ist.

So. Sehe ich mit diesem Hintergrund für euch wie eine Person aus, die Leute blöd von der Seite ankackt, weil sie Hashtags erfinden oder sich gar nur des schröcklichen Verbrechens schuldig machen, darunter zu twittern?!

Hätte ich gewusst, dass der Artikel so populär wird, hätte ich ihn anders geschrieben. Nicht, weil ich nicht hinter der harten Kritik stehe, die ich darin äußere, sondern weil ich nicht davon ausgehe, dass diese ganzen mir unbekannten Leser auf Twitter aktiv sind und den Hashtag #notjustsad kennen. Twitter ist und bleibt in Deutschland ein Minderheitenmedium. Ich hätte die ein oder andere Erklärung mit eingeschoben, aber an meiner Kritik hätte sich nichts geändert, auch wenn mir die zahlreichen Kommentare egal ob auf meinem Blog, auf Twitter oder persönlich per Mail von Betroffenen, die sich bei mir bedankt haben, deutlich zeigten, dass die meisten sich nur von dem Teil „persönlicher Erfahrungsbericht“ angesprochen gefühlt haben. Das ist für mich völlig ok, beweist mir aber auch, dass die Kritik, ich hätte ALLE Betroffene damit beleidigt, absolut substanzlos ist!

Meine einzige Sorge bei dem Artikel war, dass sich Leute angesprochen fühlen könnten, die mir in den letzten schlimmen Monaten durch liebe Worte, virtuelle Hugs oder besorgte Nachrichten beigestanden haben. Das hat mir sehr gut getan, auch wenn ich oft nicht darauf reagieren konnte, und ich fürchtete sehr, dass sich von DIESEN Leuten jemand attackiert fühlen könnte. Deshalb habe ich den Disclaimer gesetzt:

Ich bin Robin, ich leide an Depressionen und möchte mich bei jedem bedanken, der mir in den vergangenen schlimmen Wochen und Monaten seine ehrliche Anteilnahme schenkte, mir wirklich helfen wollte und besorgt war.
Ihr seid lieb. Aber: Es werden keine Lieder mehr für Helden geschrieben. Darum fühlt euch nicht angesprochen von dem, was folgt. Es ist nicht für euch.

 

Und that’s it. Im Leben nicht wäre ich auf die Idee gekommen, man könnte dahinter einen Angriff gegen #notjustsad und seine Nutzer vermuten.

Jetzt könnte ich hier einen Cut machen und es mir am Arsch vorbei gehen lassen, dass manche den Artikel falsch verstanden haben. Aber einiges, was ich an Kritik dazu gelesen habe (und ich habe bewusst nicht viel dazu gelesen – wenn man schon zu feige ist, mich persönlich anzusprechen), ist so himmelschreiend blöd, dass ich ein paar Perlen herauspicken will.

Damit also nochmal zu dem Vorwurf, ich hätte ALLE Betroffenen beleidigen wollen, die den Hashtag benutzt oder Tweets, die darunter geschrieben wurden, retweetet haben. Das ist Schwachsinn. An wen ich adressiere, wird bereits in einem der ersten Absätze klar, wenn man denn willig ist zu verstehen:

Schlimm, hm? Plastisch. #Notjustsad, indeed. Diese armen Depressiven, unterstützen muss man die. Das fave ich doch mal, und noch einen Retweet als Kirsche oben drauf. Ah, jetzt geht’s mir besser. Ich bin ein guter Mensch. Ich bin aware.

Diese Sätze stammen von mir, sind aber ganz klar NICHT aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben und jeder, der das nicht erkennt, sollte vielleicht die 7. Klasse Deutsch wiederholen. Glaubt ihr ernsthaft, irgendein Betroffener würde von „diesen armen Depressiven“ reden? Oder sich gar GUT fühlen, wenn er einen solchen Tweet teilt?
Ich sage euch, wie ICH mich bei jedem Retweet gefühlt habe: absolut beschissen. Weil die Tweets Dinge ansprachen, die ich kenne und unter denen ich leide. Das zu retweeten hat KEINEN Spaß gemacht und hat mir auch keine moralische Erleichterung verschafft!

Stattdessen habe ich damit Menschen ansprechen wollen, die glauben, sie hätten durch ein oder zwei Retweets ihre gute Tat des Tages vollbracht und sich ganz arg cool dabei fühlen, Dinge zu wissen (sprich, aware zu sein), die eigentlich jedes Schulkind wissen sollte. Euch ist bewusst, dass eine Depression NICHT NUR TRAURIGKEIT bedeutet? Herzlichen Glückwunsch: DAS IST KEINE LEISTUNG!!!
Es können hier gar keine Betroffenen gemeint sein, denn diese sind sich logischerweise ihrer Probleme aware, ob sie wollen oder nicht!

Die Awareness dieser Menschen – und erzählt mir BITTE nicht, dass es solche Leute nicht gibt!! – ist nichts dolles, sondern Scheiße! Selbstzentrierte „Ach was bin ich doch so ein guter Mensch“-Scheiße! Ein reines Kreisen um sich selbst, pure Selbstbeweihräucherung, die, wenn überhaupt, Betroffenen nur aus Versehen tatsächlich nutzt – und darum ist es eine völlig falsche Art Awareness, die ich weder akzeptieren, noch abfeiern muss!

Es wurde mir darüber hinaus zur Last gelegt, ich sei mit einem bestimmten Artikel dazu nicht einverstanden gewesen. Das ist ebenfalls Bullshit. Ich war mit fast KEINEM Überblicksartikel dazu so richtig einverstanden, egal ob in Blogs oder, für mich wesentlich massiver, in Onlinemedien! Diese waren, ich schrieb es bereits, „beiläufig, oberflächlich und an den tatsächlichen Problemen vorbei“.

Ich könnte hier jeden beliebigen Artikel dazu rauspicken, egal ob Spiegel, Focus, FAZ etc. pp.. Am besten haben mir ja die gefallen, die ganz „kompakt“ in einem Satz aufgezählt haben, was für Symptome mit Depressionen einher gehen. Darunter natürlich die Evergreens: „Schlaflosigkeit“ (tja, ich habe genau das Gegenteil!), „Antrieblosigkeit“ (mein großes Hauptthema, das in dieser Kürze aber nur zu der dämlichen Frage führt, warum ich es dann schaffe, einen so langen Text darüber zu schreiben) oder „verminderter Appetit“ (mein Liebling, da völlig unzutreffend. Ich höre sie schon ungläubig stammeln: „Wenn du depressiv bist, warum bist du dann so fett?“).
Viele dieser Symptome treffen nur auf einen Teil der Betroffenen zu und viele Symptome äußern sich bei einen Teil in umgekehrter Weise. Es ist genau diese Art Halbwissen, das für mich keine Awareness darstellt, sondern das Gegenteil! Und wenn das Ganze, wie bei fast jedem Artikel dazu, dann noch von einem semiinformierten Autor, der gerade Geld dafür bekommen hat, seinen Lesern einen Wikipedia-Besuch zu ersparen, mit einem lieblos hingeklatschten Link zum Sorgentelefon (das übrigens zu meiner Zeit immer besetzt war) garniert wird, fühle ich mich als Betroffene nicht nur nicht wirklich repräsentiert, sondern offen beleidigt!

Dann haben sich einige offensichtlich an dieser Passage gestoßen:

Keine Chance, unter sechs Monaten Wartezeit irgendwo unter zu kommen – außer Psychiatrie, die MÜSSEN einen ja nehmen, aber für Menschen mit Depressionen ist das nichts anderes als eine Verwahranstalt. Aggressive Leute, Schizophrene mit Wahnvorstellungen, drogeninduziere Psychosen vor allem.

Ich las, ich würde damit einerseits allgemein Leute beleidigen, die sich in Psychiatrien einweisen lassen, und Menschen mit Schizophrenie und Psychosen im Besonderen. Ähähä – nein.

Kurze Anekdote: Ich war mal in einer Drogenrehaklinik. Nicht als Klientin, sondern als Praktikantin. Dort traf ich ein Mädchen, das die 9-monatige Reha nach drei Tagen abbrach und deshalb von den Therapeuten total gehatet wurde.
Dabei war das Mädchen dort einfach nur falsch. Sie hatte mit Sicherheit psychische Probleme und brauchte Hilfe, aber in dieser Klinik war sie eine Kifferin unter Junkies. Männern, die sich mit Beschaffungskriminalität strafbar gemacht haben, Frauen, die sich (teilweise von frühster Jugend an) prostituieren mussten, um ihre Sucht zu finanzieren. Ein Teil bestand aus verurteilten Gewaltverbrechern, deren Gefängnisstrafe vom Gericht mit der Auflage zur Bewährung ausgesetzt worden war, eine Drogentherapie zu machen, ein Teil hatte ansteckende Krankheiten wie HIV oder Hepatitis C, jeder einzelne entstammte einer völlig anderen Lebenswelt.
Versteht mich nicht falsch: Alle Klienten hatte eine schwere Vergangenheit hinter sich und die meisten waren furchtbar liebe Menschen, die einfach nie eine Chance im Leben hatten. Aber das Mädchen passte da nicht rein. Sie hat, Herrgott nochmal, nur gekifft. Vermutlich ist sie von ihren Eltern dorthin verfrachtet worden, die nicht sehen wollten, dass ihr Substanzmissbrauch lediglich ein Symptom für eine andere psychische Erkrankung war. Sie steckte da mit Hardcore-Drogensüchtigen mit Lebensgeschichten wie aus einem Thriller, die noch dazu auf sie herab blickten, und fühlte sich so unwohl, dass sie es nicht mal eine Woche ausgehalten hat.

Versteht ihr, was ich damit sagen will? Sowohl das Mädchen als auch die anderen Klienten brauchten Hilfe, VERDIENTEN Hilfe, aber das heißt noch lange nicht, dass man sie ZUSAMMEN behandeln sollte und kann!!

Man legt eine Frau, die gerade ihr Baby verloren hat, im Krankenhaus nicht mit einer frischgebackenen Mutter auf ein Zimmer, man steckt 60jährige Alkoholiker nicht in eine Klinik für Magersüchtige, man behandelt traumatisierte Missbrauchsopfer nicht zusammen mit Pädophilen. Komischerweise leuchtet DAS jedem ein. Warum darf also ICH nicht für MICH bestimmen, was ich ertragen kann und was nicht?

Hier äußert sich eine weitere abartige Scheinheiligkeit dieser sogenannten Awareness, die einerseits weit über’s Ziel hinaus schießt, als auch völlig an der Sache vorbei geht: der diskriminierte Mensch als ewig unschuldiges Opfer. Und das ist wiederum diskriminierender (wenn ihr es so wollt „ableistischer“) als viele andere Diskriminierungserfahrungen.

Ich bin kein besserer Mensch, weil ich Depressionen habe. Im Gegenteil. Ich weiß, dass ich dadurch schwieriger werde, meinem Umfeld einiges abverlange. Als ich vor einigen Monaten so richtig am Boden war und mein Mitbewohner mich hilflos trösten wollte, antworte ich auf die Frage, woran ich gerade denke: „Wem ich mein ganzes Zeug vermache.“
Klar ist es scheiße, dass ich armes krankes Ding in diesem Moment an Selbstmord dachte – aber es war auch scheiße, ihn mit einem solchen Spruch zu belasten. Nun ist es von meiner Seite aus absoluter Standard, auch in den schlimmsten Momenten seinen Freunden beizustehen, aber dennoch kann man sich deswegen nicht alles erlauben! Genau das scheinen jedoch einige für uns Betroffene in Anspruch zu nehmen – dass wir in Watte gepackt und jedes noch so belastende Verhalten unsererseits nicht hingenommen werden kann, sondern hingenommen werden muss.

Und DAS ist diskriminierend. Ich leide NUR an Depressionen. Mein Verstand funktioniert hervorragend. Ich WEISS, wenn ich mit einem solchen Verhalten zuweit gehe und möchte KEINE Sonderrechte auf Kosten der Gesundheit anderer. Das bedeutet für mich nur, dass ich nicht für voll genommen werde. Und DAS ist beleidigend!

Aber genau diese Haltung macht mich nun offensichtlich nicht mehr zum unschuldigen Opfer, sondern zur verachtenswerten Täterin, die es doch tatsächlich wagt zu sagen, dass psychisch Kranke anstrengend sein können.

Aber eine Psychiatrie ist kein Mädchenpensionat. Ich habe mehrere als Besucherin von innen gesehen und von noch mehr ist mir berichtet worden. Natürlich ist eine Psychiatrie für viele die letzte Rettung und daher absolut notwendig und jedem, der sich einweisen lassen will, gebe ich meine besten Wünsche auf den Weg. Aber ich fühle mich dort nicht wohl. ICH fühle MICH dort nicht wohl. Und ja, das liegt auch an Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen, die ich weder komplett erfassen, noch in Situationen, in denen es mir so richtig dreckig geht, ertragen kann. Schizophrenie ist eine oft (nicht immer) schwere Krankheit mit Wahrnehmungsstörungen, mit der ich selbst in meiner besten Verfassung nicht umgehen kann. Und eine Psychose, ob drogeninduziert oder nicht, ist einfach ein krasser Ausnahmezustand für alle Beteiligten, womit ich ebenfalls nicht klar komme. Von gesunden Menschen, die einfach nur zu viel gesoffen haben, aber deswegen die halbe Nacht randalieren oder kotzen, gar nicht erst zu reden. In einem solchen Umfeld kann ich mich nicht meiner eigenen Genesung widmen, in einem solchen Umfeld stünde ich permanent unter Stress, den man sonst nur professionell ausgebildetem Personal zumutet.

Ich weiß nicht, wie oft schon rumgejault wurde, weil Veranstaltung X oder Barcamp Y keine „Safe Spaces“ bietet, und das längst nicht nur von Personen mit Beeinträchtigungen, sondern körperlich und geistig völlig gesunden Menschen, die trotzdem aus welchem Grund auch immer keine Lust hatten, mit bestimmten Personengruppen einen Raum zu teilen. Wer seid IHR, MIR als einer Betroffenen einer psychischen Erkrankung dieses Recht in einem Raum, der auf Heilung ausgelegt ist, abzusprechen!? Wer seid IHR, dass ihr MICH dazu zwingen wollt, mich in meinen schlimmsten Momenten mit schwerwiegenden Störungen auseinander setzen zu müssen, mit denen ihr als Nichtbetroffene niemals in Berührung kommen werdet?! Und wer seid IHR, MIR wegen dieses realistischen Blicks auf diese Störungen, gegen den ihr die Augen verschließt und das Awareness nennt, und meiner eigenen Einschätzung meiner Fähigkeit, damit umzugehen, DISKRIMINIERUNG vorzuwerfen?!

Was, zur Hölle, erlaubt ihr euch?! Um es mal in eurem Jargon zu sagen: CHECKT MAL EURE VERDAMMTEN PRIVILEGIEN!!!

Und damit wären wir bei den größten Heuchlern von allen angekommen. Die, die ich ganz besonders ansprechen wollte. Die, die an andere moralische Maßstäbe anlegen, die bis zum Mond reichen, aber selber so unreflektiert und anmaßend sind wie Scheiße.

Das größte Problem nämlich, das einige mit meinem Artikel zu haben schienen, war dieses: Ich bin ich. Ich habe eine Meinung. Diese Meinung deckt sich nicht mit ihrer Meinung. Und darum bin ich The Ultimate Evil, schlimmer als Hitler und die AfD zusammen.

Warum sonst, liebe Leute, spielt es auch nur die geringste Rolle, dass ich feministische Positionen vertrete, die andere nicht teilen? Was um alles in der Welt hat das damit zu tun, dass ich als Depressive nicht die Hilfe bekomme, die ich brauche? Was steckt dahinter, wenn nicht purer Hass gegen alles, was nicht mit diesen Leuten auf einer Linie ist?

Es ist das und GENAU DAS, was ich schon in meinem Artikel schrieb: „Definitionsmacht? Nur, wenn es ins politische Programm passt.“

Und das ist die pure Heuchelei. ICH halte „Definitionsmacht“ und „Privilegientheorie“ für unzureichende Konzepte – aber IHR nicht. IHR müsst euch an euren eigenen moralische Ansprüchen messen – und versagt dabei kläglich. Eine Betroffene, die von Diskriminierungserfahrungen berichtet, jede Kompetenz abzusprechen, weil sie bei einem anderen Thema anderer Meinung ist, ist reine Bösartigkeit und genau die Art beschissene Awareness, die einzig dem Selbstzweck dient, sich toll und gut zu fühlen. Aber ihr seid nichts davon. Ihr seid keine guten Menschen. Euch sind andere Leute E-G-A-L. Und wenn es jemanden wie mich braucht, das auszusprechen und dafür die Twitterprügel zu kassieren, dann ist das eben so. Es ist nur der eindrückliche Beweis für eure Scheinheiligkeit, wenn ihr euch jede Debatte unter den Nagel reißt, sobald ein Thema aufkommt, und sie mit eurer Scheißmeinung füllt, bis jeder, der das nicht schluckt, der Feind ist und mit allen Mitteln bekämpft gehört.

Ein großes Thema dieser Meinungsführerinnen ist stets die „Intersektionalität“. Intersektionalität am Arsch. Es reicht ja nicht, depressiv zu sein, nein, man muss depressiv sein UND euren Feminismus teilen, sonst hat man von euch GAR NICHTS zu erwarten. Das ist kein Aktivismus, das ist Faschismus in Reinform!!

Das halte ich im Übrigen auch für den Grund, warum die Klassismusdebatte in Deutschland nie so wirklich in Gang gekommen ist. Von Klassismus betroffene Menschen sind nämlich nicht so fancy gebildet wie ihr, wählen in der Regel keine Studiengänge, bei denen man nicht sicher sein kann, danach einen Job zu bekommen und verstehen die ganzen Pseudoprobleme nicht, die ihr aus eurer Literatur ableitet, weil sie sie nicht gelesen und wichtigere Probleme haben oder, Gott bewahre, sie HABEN sie gelesen und kommen zu einem anderen Urteil als ihr. Dabei ist Klassismus Bildungskiller Nummer Eins in Deutschland. Nicht das Geschlecht, nicht die Herkunft, nicht die Hautfarbe – nein, es ist Klassismus. Aber die Betroffenen machen sich halt nicht so gut, die geben gar Widerworte, das sind keine guten Opfer, die man vorführen kann, also weg mit ihnen, auf zum nächsten Thema, die sind eh scheiße, ne?!

Es wurde über mich gehetzt, Anschuldigungen erhoben und mir auf eine Art und Weise die Möglichkeit geraubt, mich zu erklären, die mich sprachlos machen würde, wenn ich das jetzt nicht schon so oft beobachtet hätte. Keine Sau hat es interessiert, wie es MIR dabei geht. Glücklicherweise bin ich auf dem Loch wieder rausgekrochen, in dem ich den halben Winter lang saß, aber das ist nicht EUER Verdienst, wie überhaupt gar nichts, was Betroffenen hilft, euer Verdienst ist, weil ihr euch nur um euch selbst und die Bestätigung eurer Filterbubble dreht. Ich kann nur heilfroh sein, dass mich diese Scheiße nicht in einer schlimmen Phase erwischt hat. Nicht, dass das EUCH interessieren würde.

Und das war der letzte Tropfen in diesem Fass, das bereits randvoll war mit radikalfeministischer Scheiße der selbsternannten Twitterelite, die Menschen, sobald sie auch nur ein Jota von ihrer Meinung abweichen, mit Hohn und Hass überziehen und sich dafür von ihren Lemmingen feiern lassen.

Aber ich mache da nicht mit. Kapiert einfach, dass ich mich nicht an euren moralischen Maßstäben messen lasse, weil ich nämlich andere habe. Ich habe mich eurer Maßstäbe teilweise in meinem Artikel bedient, um zu demonstrieren, was ihr damit anrichtet, und dafür hattet ihr nichts als Verleumdung und Hass übrig, ohne die geringste Reflexion darüber, dass ihr euch damit gerade selbst fickt. Deshalb seid ihr nichts als Heuchler. Umso mehr, wenn ihr die Unzulänglichkeiten des Gesundheitssektors, die ich mit dem Artikel thematisiert habe, jetzt totschweigt, nur weil der aktuelle Anstoß dazu von MIR kam.

Und jetzt lasst meinetwegen den Mob los, twittert, wütetet und empört euch. Es interessiert mich nicht. Ich habe die nächsten Tage im Real Life zu viel zu tun, um mich mit eurer Scheiße zu befassen. Tobt euch aus auf Kosten einer psychisch Kranken und teilt morgen einen traurigen Tweet, wenn ihr euch dann besser fühlt. Aber erwartet dafür von MIR keinen Respekt, ihr ach so awaren scheinheiligen Pseudos, denn ihr kotzt mich immer noch an!

Fickt euch und Tschüss!

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Awareness. Und jetzt?

Dies ist ein Nachtrag zu Eure Awareness kotzt mich an! Als solcher ist er aber eigentlich viel, viel wichtiger als der Ursprungsartikel. Ich freue mich über Feedback.

Leute: WOW. Noch nie ist ein Artikel von mir in nur zwei Tagen so oft geteilt und damit auch (hoffentlich, trotz der Länge) so oft gelesen worden wie „Eure Awareness kotzt mich an!“ Und noch nie habe ich so viel ausschließlich positives Feedback bekommen (auch, weil die, an die er gerichtet war, ihn beharrlich ignorieren – aber das ist ne andere Geschichte).

Ich freue mich total über das Interesse. Es zeigt mir aber auch, dass ich einen Nerv getroffen habe. Ich frage mich, wie viele von uns es da draußen gibt, die von blinden Aktivismus genervt sind und sich nicht vertreten fühlen. Die viel wichtigere Probleme haben – wie dieses, trotz fehlender Hilfe von Seiten unseres Gesundheitssystems einfach den nächsten Tag zu überleben.

Es hat gut getan, mich auszukotzen, aber das reicht mir nicht. Was wirklich nötig ist, fernab von Awareness, die nicht über ein banales #notjustsad hinaus geht, wäre eine wirkliche Diskussion: darüber, wie man es ändern kann. Und dann auch tatsächlich einen Weg einzuschlagen, DER es ändert. Das habe ich bisher leider nicht wahrgenommen, aber DAS lässt sich ja ebenfalls ändern.

Mir ist es völlig egal, ob eine solche Diskussion über mich oder meinen Blog geschieht, solange sie nur bitte, bitte geschieht. Ich fasse im folgenden trotzdem meine spärlichen Ideen zusammen. Und dann hoffe ich, dass sich ein paar Leute darüber Gedanken machen, die klüger sind als ich – damit sich was bewegt.


Fehlende Kassensitze

Jemand meinte gestern auf Twitter als Kommentar zu meinem Artikel, dass Therapeuten fehlen. Das stimmt so allerdings nicht (und habe ich auch nicht behauptet). Was fehlt, sind Therapeuten, die einen Kassensitz haben und ihre Behandlung daher über die Krankenkassen abrechnen. Diese Kassensitze sind nun aber, wie erschöpfend dargelegt, viel zu knapp bemessen – UND DAS WISSEN DIE KRANKENKASSEN. Sonst würden die ja nicht an ihre Therapeuten appellieren, keine Bescheinigungen auszustellen, die genau das bestätigen. Sie wissen es und sie tun NICHTS. DAS ist der eigentliche Skandal, DAS ist eines Shitstorms gewaltigen Ausmaßes würdig, DAS gehört auf eine politische Agenda!

Wo sind also die Politiker, die sich dafür einsetzen, die wirklich Druck machen können? Jeder Mensch in Deutschland ist gesetzlich gezwungen, krankenversichert zu sein – aber dann sollte man die Kassen auch zwingen, Leistungen in dem Maße zu erbringen, wie sie nachgefragt werden!

Natürlich gibt es auch noch die privaten Therapeuten, die ohne Kassensitz praktizieren, aber selbst solche, die bereit sind, für weniger Begütete günstiger zu arbeiten, verlangen Minimum 50 Euro pro Sitzung, was demnach bei einer Therapie, die idealerweise einmal die Woche stattfindet, schon mal locker 200 Euro im Monat ausmacht. Kein Mensch in der Ausbildung kann das bezahlen, kein Student, kein Arbeiter mit Familie. 200 Euro sind verdammt viel Geld. So ausgelutscht es ist: Gesundheit sollte keine Frage des Geldbeutels sein.

Wirtschaftlichkeit

Ich hasse es, bei einem solchen Thema utilitaristisch zu argumentieren. Aber natürlich ist unser Gesundheitssystem trotz aller Menschenfreundlichkeit wirtschaftlichen Überlegungen unterworfen. Doch das ist kein Argument GEGEN mehr Kassensitze. Es ist eines DAFÜR.

Ein depressiver Mensch, der keine Therapie beginnt, kostet natürlich kurzfristig erstmal gar nix, aber langfristig ist jede unbehandelte psychische Erkrankung eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem und den Staat an sich. Irgendwann häufen sich unweigerlich die Krankentage. Notfallhilfe, die gar nicht nötig gewesen wäre, hätte man sofort interveniert, ist auch nicht billig. Ein einziger Tag in einem Krankenhaus oder einer Psychiatrie, der vielleicht wegen eines Unfalls durch SVV (Selbstverletzendes Verhalten) oder gar eines Selbstmordversuchs nötig ist, ist so teuer, dass man davon locker mehrere Sitzungen bei einem Therapeuten bezahlen kann.

Ach ja – Selbstmord? Todesursache Nummer Eins bei jungen Menschen, die den Staat bis dahin Kindergeld, Geld für Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule, vielleicht sogar Studium und Ausbildung gekostet haben, ohne dass sie davon mittels ihrer Arbeitskraft auch nur einen Cent zurück geben können – weil sie nämlich TOT SIND.
Ja, das klingt ekelhaft, wenn man es so sagt, aber es muss gesagt werden, um diesen idiotischen Tunnelblick sogenannter „wirtschaftlicher Überlegungen“ als das zu demaskieren, was er ist: Bullshit, den selbst ein Kleinkind durchschauen könnte.

Und dann ist da ja noch diese kleine Sicherheitsfrage. Ja, ich rede hier von Andreas Lubitz, der fast 150 Menschen mit in den Tod riss. Auch wenn ich stark bezweifle, dass der NUR an Depressionen gelitten hat – Depressive wollen sich in der Regel, wenn überhaupt, nur selbst schaden – sind wir uns doch hoffentlich alle eilig, dass dieser Mensch psychische Probleme hatte, die mit der richtigen Behandlung vielleicht hätten geheilt werden können, bevor es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Natürlich haben wir hier ein Extrembeispiel, aber ich will nicht wissen, wie viele Menschen (vor allem Kinder) indirekt unter unbehandelten Erkrankungen Dritter leiden, ebenfalls krank werden, wieder Geld kosten. Psychische Erkrankungen sollten KEIN Stigma sein – aber das heißt noch lange nicht, dass wir alle harmlose Engelchen sind, die niemanden absichtlich oder unabsichtlich verletzen können. Das schreibe ich als Kind einer Mutter, die ebenfalls depressiv ist.

Betroffenen zeitnah Therapien zur Verfügung zu stellen ist demnach billiger, als es nicht zu tun – auch DAS wissen die Krankenkassen. Und auch hier tun sie NICHTS. Vielleicht stecken dahinter ja irgendwelche Schreibtischtäter, die nur bis zur nächsten Quartalsabrechnung denken. Vielleicht ist es auch einfach bequemer, ein beschissenes System beizubehalten als die Mühe auf sich zu nehmen und ein besseres zu entwerfen. Ich weiß es nicht. Aber ändern muss es sich.

Mangelnde Qualität

Der Punkt ist vielleicht ein bisschen gemein. Ich glaube nämlich, dass die meisten Therapeuten diesen Weg (der bedeutet, nach einem abgeschlossenen Studium noch eine zeit- und kostenintensive Ausbildung zu absolvieren) gewählt haben, weil sie wirklich den Drang haben, Menschen zu helfen. Trotzdem haben die zwei Totalausfälle, von denen ich berichtet habe, mich mehr zurück geworfen als alles andere (über Therapeut Nr. 2 hätte ich mich sogar gerne beschwert… wenn ich denn gewusst hätte wo).
Eine liebe Bloggerkollegin, selbst Therapeutin, schilderte vor kurzem treffend, dass die Qualität der Behandelnden und damit auch die Behandlung an sich steigen müsste, wäre sie den Gesetzen des freien Marktes unterworfen. Momentan scheinen sich dagegen einige Therapeuten auf ihrem Kassensitz auszuruhen, der ihnen Dank der schon angesprochenen Unterversorgung fortwährend und ohne die geringste Mühe Nachschub an neuen Patienten verschafft.
Wie wäre es, wenn Therapeuten wirklich um Patienten kämpfen müssten, Erfolge vorweisen müssten? Das findet momentan schlicht nicht statt. Dazu diese unsägliche Praxis, Kassensitze zu VERKAUFEN – womit ein solcher nicht von Qualität, sondern nur von einem dicken Geldbeutel zeugt.
So wirklich habe ich auch keine Ahnung, wie man es besser machen könnte. Kassensitze nur für die Therapeuten mit Spitzenabschlussnoten? Ein zusätzlicher Test? Kassensitze zeitlich begrenzt auf Probe mit anschließender Evaluation? Ich weiß nicht, was hier die beste Methode wäre, um die wirklich fachlich und menschlich besten Kandidaten auszuwählen. Ich weiß nur: Geld ist es mit Sicherheit nicht.

Betreuung

Das ist ein für mich schwieriger Punkt. Es ist mir peinlich, mir selbst und anderen eingestehen zu müssen, dass ich nicht mal in der Lage bin, ein paar Telefonate zu führen. Und doch ist das der Punkt, der nicht nur bei mir am meisten hakt.

Viele waren sehr schockiert über diese Zahl: neun Jahre. Neun gottverdammte Jahre, fast mein gesamtes Erwachsenenleben. So lange suche ich schon nach einem ambulanten Therapieplatz. Aber selbst mit unserem trägen Gesundheitssystem ohne genügend Kassensitze könnte ich schon längst austherapiert sein – wäre ich am Anfang nur am Ball geblieben.

Es ist nicht nur die Antriebslosigkeit, die mich hier hindert. Es ist schlicht und ergreifend die psychische Belastung, die mit dieser Suche einher geht. Vielleicht habt ihr ja schon mal wegen einer Grippe bei eurem Arzt angerufen und euch während genau diesen zwei Minuten Gespräch mit der Sprechstundenhilfe elender gefühlt als sonst im gesamten Krankheitsverlauf. Tja, so geht es mir auch. Vergessen wir die leichte (fast überwundene) Soziale Phobie, die ich ebenfalls mein Eigen nennen darf und die Telefonate allgemein recht unangenehm macht, vergessen wir auch den Stress und die Übermüdung, die mit dem Jonglieren Dutzender verschiedener Sprechzeiten einher geht: Muss ich bei einem Therapeuten anrufen, ist der Tag gelaufen. Oft kamen mir schon die Tränen, bevor überhaupt jemand abhob, und wenn man mich dann auch noch aufforderte, „kurz zu erzählen“, was mein verdammtes Problem ist, ging die Sirene erst richtig los.

Es schlaucht. Es triggert. Es macht mich fertig. Und für was? Wie man sieht: für nichts.

Damit stehe ich nun wirklich nicht alleine. Ja, es ist peinlich, sich eingestehen zu müssen, dass man in diesem einen speziellen Fall tatsächlich jemanden braucht, der einen ans Händchen nimmt, weil man sonst immer wieder aufgibt. Aber genau so jemanden sollte es geben. Was mir vorschwebt, ist eine Art Betreuer, der vielleicht sogar selbst Therapeut sein könnte, aber ein Sacharbeiter (mit entsprechender Fortbildung) würde ja auch schon reichen. Dieser Person schildert man im persönlichen Gespräch EINMAL seine Situation, statt sie zehnmal wiederholen zu müssen und SIE erledigt dann die Therapeutensuche. Ist genügend Vorwissen vorhanden, kann dabei ja auch schon mal eine kleine Vorauswahl getroffen werden (es bringt wohl wenig, einen fünfzigjährigen Alkoholiker zu einem Therapeuten zu schicken, der sonst vor allem Essstörungen bei Jugendlichen behandelt. Aber woher soll man sowas als Betroffener wissen? Die wenigsten Therapeuten haben Internetauftritte.). Auch eine vorläufige Diagnose wäre hierbei schon möglich, wenn auch nur im sehr, sehr beschränkten Rahmen.
(Auch wäre ein System denkbar, das ähnlich wie die Programme funktioniert, die an Unis zur Anmeldung für Veranstaltungen verwendet werden. Damit wäre für den verantwortlichen Betreuer beispielsweise ersichtlich, welcher Therapeut noch freie Kapazitäten hat, am besten zum Profil des Patienten passt o.ä. Hier würde sich allerdings die Frage nach einem adäquaten Datenschutz stellen.)

Wie schwer kann es sein, solche Betreuer zur Verfügung zu stellen? Und falls es sowas schon gibt: Warum weiß ich nichts davon?

Veränderung – aber wie?

Hier kommen wir zum Hauptpunkt und hier bin ich leider ratlos. Ich besitze keinen Einfluss, habe kein politisches Amt und kenne keinen Weg, irgendetwas zum Besseren zu wenden außer, mich fortwährend lautstark zu beschweren.

Genau das scheint allerdings bei dieser Thematik momentan ein riesiges Problem zu sein. Die so hochgejubelte Awareness, die ich kritisiert habe, ist beiläufig, oberflächlich und geht an den wirklichen Problemen vorbei. Sie fokussiert sich einzig auf den Abbau der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen mit dem ach so hehren Ziel, die dann irgendwann gesellschaftlich völlig akzeptierten, nun viel selbstbewussteren Betroffenen auf diese Weise zu motivieren, sich Hilfe zu suchen – und übersieht dabei völlig, dass es keine Hilfe gibt. Das ist entweder, wie schon gesagt, einfach nur heuchlerische Selbstprofilierung – oder pure Unwissenheit.

Gegen Heuchelei kann man als Außenstehender nun leider nicht viel tun. Gegen Unwissenheit aber schon. Ja, nennt mich bekloppt, aber ich plädiere hiermit für Awareness! Keine Awareness hinsichtlich der traurigen Tatsache, dass selbst im 21. Jahrhundert viele erwachsene, gebildete Menschen „psychisch krank“ immer noch mit „unzurechnungsfähig“ gleichsetzen oder glauben, Depressive wären einfach nur weinerliche Jammerlappen. Klar tut das weh. Trotzdem: Vergesst diese Idioten. Ich rede von Awareness dahingehend, wie schwer es uns selbst völlig ohne Stigmatisierung gemacht wird, gesund zu werden. Darüber wurde noch viel zu wenig geredet, darüber ist viel zu wenig bekannt. Aber genau das muss sich ändern.

Ich kenne keinen Weg, etwas zu ändern, außer mich zu beschweren. Das habe ich hiermit getan. Aber wir Betroffenen sind viel zu leise… weil wir alle krank sind. Weil wir häufig schon froh sind, morgens aus dem Bett zu kommen. Deshalb müssen sich viel, viel mehr Leute beschweren und nach gangbaren Lösungen suchen – Leute mit Energie, Grips und Macht.

Gründe dafür habe ich nun wirklich genug genannt. Konkrete Hindernisse, die es aus dem Weg zu räumen gilt, auch wenn ich nicht so richtig weiß, wie das gehen soll. Aber ich hoffe auf eine echte Debatte über das Thema „Versorgung psychisch Kranker“ – hinausgehend über die mitleidige Feststellung, was wir doch alles für arme, kleine Hascherl sind.

Es ist ein unmenschliches, ineffektives und darüber hinaus auch noch wahnwitzig kostenintensives System, das eine grundlegende Reform benötigt. Wenn das geschafft ist, kommt das Ende des Stigmas übrigens ganz allein. Nichts würde mich glücklicher machen, als in zehn Jahren auf irgendeinen saublöden Spruch über Depressionen zu antworten: „Weißt du was? Ich war auch mal depressiv und kuck, wie gut es mir heute Dank der richtigen Therapie geht!“

Bis dahin gibt es noch zu viel zu tun, um uns an Kleinigkeiten aufzuhängen. Ich hoffe, ihr seid dabei.

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Eure Awareness kotzt mich an!

Ich bin Robin, ich leide an Depressionen und möchte mich bei jedem bedanken, der mir in den vergangenen schlimmen Wochen und Monaten seine ehrliche Anteilnahme schenkte, mir wirklich helfen wollte und besorgt war.
Ihr seid lieb. Aber: Es werden keine Lieder mehr für Helden geschrieben. Darum fühlt euch nicht angesprochen von dem, was folgt. Es ist nicht für euch.

Dieser Tag beginnt, wie der letzte endete: mit Tränen.

Viel weinen oder gar nicht, viel fressen oder wenig, viel schlafen oder sich rumwälzen.

Manchmal schlafe ich 10 Stunden am Tag. Eine kleine Flucht, die mir bleibt. Ich träume meist intensiv, oft totalen Schwachsinn, aber wenigstens ist es nicht langweilig. Ich schlafe so viel, dass mir der Rücken weh tut. Oft lege ich mich ins Bett, weil ich nicht mehr sitzen kann. Und stehe ich morgens, das heißt mittags, aus dem Bett auf, geht’s nach einem Abstecher ins Bad erst mal auf die Couch – zum Ausruhen. Ausruhen vom Aufstehen. Das ist kein Witz.

Schlimm, hm? Plastisch. #Notjustsad, indeed. Diese armen Depressiven, unterstützen muss man die. Das fave ich doch mal, und noch einen Retweet als Kirsche oben drauf. Ah, jetzt geht’s mir besser. Ich bin ein guter Mensch. Ich bin aware.

Und jetzt?

Sagt mir nicht “Bitte such dir Hilfe!” Es gibt keine Hilfe. Ich möchte, dass ihr das kapiert: Es gibt keine Hilfe. Eine Depression ist nicht wie ein fauler Zahn, der einem sofort einen Notfalltermin beim Zahnarzt verschafft. Nee, hier fault nur die Seele, das ist was anderes.

Anrufen, Therapeutentermine vereinbaren. Irgendwo kommt ein Stückchen Elan her und ich greife zum Hörer. Die Therapeuten habe ich mir vorher aus einer Liste ausgesucht.
Dabei die Frage: Kann ich da überhaupt Ansprüche stellen? Wenn man so lange warten muss, nimmt man dann nicht das, was man kriegen kann? Auch wenn man persönlich von einem rein psychoanalytischen Ansatz überhaupt nicht überzeugt ist? Brauche ich einen abgehobenen Freudianer, der mir erzählt, dass all meine Probleme im Endeffekt darauf zurück zu führen sind, dass meine Mutter mich nicht stillen konnte? Ach ja, und irgendwas mit Penis?

Es gibt Therapieplätze und davon viel zu wenige. Wenn ich morgen irgendwo da anrufe, habe ich mit Glück einen Termin in einem halben Jahr.
Nicht, dass ich morgen einfach irgendwo anrufen könnte. “Einfach irgendwo anrufen” ist nämlich nicht. Depressionen gehen mit Antriebsschwäche einher. Das Internet sagt dazu “Prokrastinieren”. Dieses Scheiß-Internet. Antriebsschwäche fühlt sich eher so an wie in einem Eisblock eingeschlossen zu sein. Ein Eisblock auf meiner Couch, den starren Blick auf einen Stapel Dreckwäsche gerichtet, die dringend gewaschen werden muss, weil ich nichts mehr zum Anziehen habe und es anfängt zu müffeln und mit jedem Tag wächst der Berg trotzdem weiter, aber ich sitze einfach nur da und starre. Manchmal werde ich nachts wach, denke an überfällige Bücher oder was auch immer gerade ansteht und bekomme Herzrasen. DANN könnte ich es sofort machen, aber dann ist ja Nacht, da ist die Bibliothek zu. Und am nächsten Morgen hat sich das Eis wieder um mich geschlossen.

Ich habe die Liste vor mir, die mir mein Hausarzt gab mit den besten Wünschen. Ich habe die Therapeuten markiert, die meine favorisierte Methode anbieten. Zehn Therapeuten. Zwölf verschiedene Sprechstundenzeiten.
Mir laufen wieder die Tränen. Ich lausche den Ansagen vom Band, notiere mir die Sprechstundenzeiten, darunter so Perlen wie “Montags zwischen viertel vor 9 und 9″. Ich habe einen Schritt gemacht und er war umsonst ohne den nächsten.
Der nächste Schritt. Der nächste Schritt. Zwei bis achtzig Wochen später, Montagmorgen. So lange habe ich gebraucht, bis ich rechtzeitig aufstehen konnte. 8 Uhr fünfundvierzig. Es klingelt. Niemand geht ran. Ich probiere es noch drei Mal. Nichts.

Keine Chance, unter sechs Monaten Wartezeit irgendwo unter zu kommen – außer Psychiatrie, die MÜSSEN einen ja nehmen, aber für Menschen mit Depressionen ist das nichts anderes als eine Verwahranstalt. Aggressive Leute, Schizophrene mit Wahnvorstellungen, drogeninduziere Psychosen vor allem. Krankenhäuser, die Psychiatrien angeschlossen haben, schicken dort am Wochenende gerne Komasäufer hin. Die sind nämlich laut und kotzen, das nervt, also raus aus dem Krankenbett, ab zu den Psychos, und diese zwar zu hart feiernden, aber ansonsten völlig gesunden Menschen müssen am nächsten Tag Fragen zu ihrer nicht vorhandenen Suchtproblematik beantworten, weil die in der Ambulanz behauptet haben, die hätten eine Suchtproblematik, weil sie die ja sonst nicht in die Psychiatrie hätten abschieben können.

Nein, da will ich nicht hin.

Ich komme durch, bekomme einen Termin. Endlich. Therapeutin: Ein Megafail. Ich soll erzählen, also erzähle ich und mittendrin unterbricht sie mich und verbietet mir, weitere Taschentücher zu nehmen, weil sie später noch Gruppentherapie hat und das ihre letzte Packung Kleenex ist. Wir verabreden einen zweiten Termin. Sie sagt ihn ab, indem sie einen Brief an meine Heimatadresse schreibt, den meine Mutter erreicht.

#NotJustSad. Depressive sind nicht einfach nur traurig. Wow. Haltet die Druckerpressen an, wir haben hier die banalste Schlagzeile der Welt.
Ihr habt studiert? Könnt Wikipedia bedienen? Warum wisst ihr das dann nicht? Und der Rest, die ganzen Arschlöcher, die einen für unzurechnungsfähig erklären oder für kleine Mimosen… denkt ihr, die lassen sich von einem Hashtag beeindrucken oder ein paar Artikeln?
Aber man liest es ja doch und fühlt sich voll aware, haut ein paar Internetadressen raus (“Hilfsangebote”) und weiter zum nächsten Skandälchen. Vielleicht hat ja jemand offizielles irgendwo “Schwule” gesagt und “Homosexuelle” gemeint, sowas geht doch nicht, Shitstorm on.

Zweiter Therapeut. Schlaffer Händedruck, ausdrucksloses Gesicht. Er sieht mich während der gesamten Sitzung nicht an und gibt mir am Ende eine Liste mit Therapeuten. Ich frage, warum er mir nur Frauen empfiehlt, mir ist das egal, ich habe keine Missbrauchserfahrung oder sonstiges, was es mir unmöglich macht, zu einem männlichen Therapeeuten zu gehen. Er nennt die Frage sinnlos. Ich deute an, dass ich aufgetaucht bin, weil ich ja bei IHM Therapie machen wollte. Er schnarrt: “Abgelehnt!” Ich bin fassungslos, springe auf, stammle irgendwas. “Unglaublich… in diesem Land…!”
Ich bin schon an der Tür. Er antwortet stoisch: “Dann wandern Sie doch aus.”

Ich weine auf dem Weg nach Hause, denke, dass diese Ignoranz mich hätte umbringen können, wäre ich gerade suizidal. Ein Teil von mir wünscht, ich wäre es.

Nur sehr wenige Behandlungsmethoden werden von der Krankenkasse anerkannt und übernommen. Eine neue Behandlungsmethode zur kassenärztlichen Legitimation zu verhelfen – ein jahrelanger Prozess, selbst wenn der Erfolg nicht wegzudiskutieren ist. Als würde man jemanden mit Schmerzen Aspirin verabreichen, weil irgendwie noch nicht abschließend geklärt ist, ob dieses ominöse Morphium auch tatsächlich wirkt.
Die Lösung besteht darin, sich einen Therapeut zu suchen, der beides kann: Die Behandlung, die von der Kasse bezahlt wird und die Behandlung, die tatsächlich am besten für einen ist. Der Therapeut therapiert dann nach der einen Methode, schreibt aber für die Kasse die andere auf die Abrechnung. So fickt man das System. Das System wollte es doch so.

Termin 3. Therapeutin, sympathisch, perfekt. Leider für mich nix frei. Aber sie empfiehlt mir Therapeuten und streicht sie für mich an.
Anruf. “Wir KÖNNEN Sie auf die Warteliste setzen, aber das dauert ein halbes Jahr!”
“Ist okay. Bitte setzen Sie mich drauf.”
“Wir haben SEHR viele Anfragen und viele kriegen zwischenzeitlich anderswo einen Therapieplatz, ohne sich bei uns abzumelden. Das ist sehr aufwendig und ärgerlich für uns. Bitte rufen Sie deshalb in drei Monaten wieder an, um zu bestätigen, dass Sie immer noch warten.”

Haha. In drei Monaten nochmal anrufen. Klar. Easy. Was spricht dagegen. “Einfach so”.

Ich bedanke mich, lege auf und notiere diese Frist in dem Wissen, dass ich sie niemals einhalten werde.

Nein, eigentlich will das System nur eines: mich tot sehen. Mich und andere wie mich. Wir kosten zuviel. Natürlich koste ich momentan überhaupt nichts, so ohne Therapieplatz, und so soll das auch bleiben. Die Nachfrage bestimmt das Angebot – nicht bei unseren Krankenkassen. Künstliche Verknappung.
Wer als Therapeut Patienten auf Rechnung der Krankenkassen behandeln will, braucht einen Kassensitz. Ein Kassensitz muss er sich aber erst kaufen gegen viele, viele tausend Euro. Und selbst wenn er so viel Geld mal einfach so aus dem Ärmel schütteln kann, kriegt er wahrscheinlich keinen, weil es ja nicht zu viele Therapeuten mit Kassensitz geben soll, denn so viel Bedarf besteht ja nicht. Also wird die Anzahl der Kassensitze klein gehalten, obwohl ein Bedarf nach Therapeuten mit Kassensitz eindeutig da ist. Angebot und Nachfrage – sonst gäbe es ja keine Wartezeiten von einem halben Jahr. Es sei denn, man ist reich und bezahlt die Behandlung selber.

Wusstet ihr nicht, ne?

Anderer Therapeut. “Die Wartezeiten für Einzeltherapie sind gerade sehr lang. In der Gruppentherapie sind aber noch Plätze frei!”
Ich mag keine Gruppentherapie. Ich hasse es, vor Fremden zu weinen. Und es interessiert mich nicht, ob Peter seit dem Tod seiner Frau keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht oder Paula in der Schule immer gemobbt worden ist. Ich fühle mich herzlos, wenn ich das denke, aber es ist so. Ich habe keine Kraft für andere. Ich habe keine Kraft für eine kaputte Gruppe.

Ich komme auf die Warteliste. Ich soll das in einem halben Jahr nochmal bestätigen. Haha.

Wenn ein Therapeut mit Kassensitz nichts mehr frei hat, kann der einen genau das bescheinigen. Sammelt man genug dieser Absagen, kann man damit zur Krankenkasse gehen. Dort knallt man denen das als Beweis auf den Tisch, dass sie mit der Berechnung des Bedarfs an Kassensitzen Scheiße gebaut haben. Die Krankenkasse bezahlt dem Patienten dann einen Therapeuten ohne Kassensitz. So bluten sie dann doch für ihre selbst erzeugte Knappheit.

Vor ein paar Jahren ging von den Krankenkassen eine Anweisung an ihre Therapeuten, solche Bescheinigungen nicht mehr auszustellen. Man wollte den Leuten keinen Therapeuten ohne Kassensitz bezahlen, auch wenn alle anderen Therapeuten schon ausgelastet waren. Dagegen haben sich die Therapeuten dann aber gewehrt. Unethisch sei das. Recht hatten sie.

Wusstet ihr nicht, ne?

Therapieambulanz. Wurde mir bereits ein Dutzend mal empfohlen. Geht schneller, ist für harte Fälle besser. Ich bin skeptisch: eine Ambulanz? Was für Ansätze verfolgen die? Können die überhaupt was?
Jahre später. Therapieambulanz, jetzt endlich. Tägliche Sprechstundenzeiten. Keiner geht ran. Aber wenigstens gibt es eine Emailadresse. Protokoll, Ausschnitt:
“Wir senden Ihnen die Unterlagen zu. Die Wartezeit beträgt sechs Monate.”
“Mir wurde gesagt, bei euch geht es schneller. War das eine Fehlinformation?”
“Ja, das war leider eine Fehlinformation.”

#NotJustSad, ja, lest das und denkt, wie schlimm das doch alles ist. “Du bist ein toller Mensch! Such dir bitte Hilfe!”
Alles klar, Leute. Wie wär’s mit einem Hashtag #NotSoEasy. Not so easy at all.

Und jetzt stellt euch vor, man würde einem Querschnittsgelähmten die Reha verweigern und was für ein Skandal das wäre. Aber ihr sagt, das wäre dasselbe. „Ableismus“. Von „to be able“ – „fähig sein“. Die Diskriminierung von behinderten Menschen, die gewisse Dinge nicht so können wie gesunde Menschen. So wie ein blinder Mensch nicht sehen kann. So wie ein gelähmter Mensch nicht gehen kann.

So wie ein depressiver Mensch nicht… was? Was, zur Hölle?

Es war selbstverständlich absolut ableistisch von mir, als selbst Betroffene anzumerken, dass ich mich gegen diesen Begriff verwehre. Nicht als behindert gelten zu wollen kann ja nur bedeuten, dass ich was gegen Behinderte habe, ableistisch bin – unaware. Definitionsmacht? Nur, wenn es ins politsche Programm passt.

Ich habe selbstverständlich absolut nichts gegen Behinderte. Die meisten Behinderten möchten ihre Behinderung nicht als tatsächlichen Makel verstehen. Recht haben sie. Und jede offene, freie Gesellschaft MUSS in der Lage sein, Behinderten und ihren Besonderheiten einen Platz bereit zu halten, eine Möglichkeit, ein zufriedenes Leben zu führen, auch ohne Sehvermögen oder funktionierenden Beinen.

Dagegen meine Depression. Oh, dafür sollte man dich nicht verurteilen und dieser Typ in diesem Flugzeug, also, dass die einfach behaupten, der sei depressiv gewesen, das KANN ja gar nicht sein! Shitstorm! Sieh nur, ich akzeptiere deine Besonderheit! Ich bin aware!

Oh mein Gott, ihr Arschlöcher, hier für euch eine Durchsage: Ich hasse meine Depression. Ich hasse sie, weil sie mein Leben zerstört, mein Leben bedroht und das letzte was ich will ist, dass ihr sie „akzeptiert“. Ich will, dass ihr sie genauso hasst wie ich und wie hoffentlich kein Behinderter seine Behinderung hasst!!!

„Aber nein, das verstehst du falsch. Ableismus, okay, damit wird meist auf Behinderungen rekurriert, aber, naja, „able“ heißt „fähig“ und umfasst alles, was damit irgendwie zu tun hat.“

Okay, ich bin also nicht fähig, morgens auf dem Bett aufzustehen, mich an Dingen zu erfreuen, glücklich zu sein. Ich bin außerdem nicht fähig, japanisch zu sprechen oder mit Computern umzugehen und einmal habe ich in einem Anfall selbstzerstörerischer Leichtsinnigkeit eine Glasscheibe eingeschlagen, musste ein paar Tage einen Verband tragen und war nicht fähig, meine Hand zu benutzen. Ableismus, Diskriminierung aufgrund fehlender Befähigung? Meine Güte, Wikipedia hat angerufen: Sie hätten gerne eine Definition, die nicht auf alles passt.

Einmal hat mir jemand, sicher in bester Absicht, mitfühlend geschrieben, wie schwer das sicher alles ist, so als Depressive. Allein, wie man auf der Arbeit diskriminiert wird. Und ich musste stumm kichern. Depression, das ist keine Behinderung, denn Depressionen kann man verstecken, jedenfalls bis es zu spät ist. Und kein depressiver Mensch geht damit in seinem echten Leben bei fremden Menschen hausieren.

Millionen Menschen leiden an Depressionen, hundert- und tausendmal mehr Betroffene als bei anderen „Besonderheiten“, für die ihr schicke neue Namen für Diskriminierungsformen erfindet, aber psychische Erkrankungen sortiert ihr bei Ableismus unter „ferner liefen“. Danke für diese Bestätigung meiner heimlichen Überzeugung, unwert zu sein. Danke für nichts.

Mich über Unwichtigkeiten ereifern, jetzt tue ich es schon selber. Nennt das, was man uns antut, halt „Ableismus“, ignoriert Stimmen von Betroffenen.
Natürlich ist es DAS, was mich eigentlich stört – nicht ein dämliches Wort. Betroffene werden nur gehört, wenn das, was sie zu sagen haben, zur Agenda passt. Und die Agenda heißt: Shitstorm. Moralische Empörung. Political correctness.

„Hab den Mathetest verhauen. Bin voll depri.“ Oh, das hat die Tussi jetzt NICHT gesagt, so ne Ignoranz, einfach medizinische Fachbegriffe zweckentfremden, wissen die Leute denn nicht, wie sich Betroffene bei sowas fühlen, Shitstorm, auf sie! Wir sind AWARE!!!

Ich lese „depri“ und fühle nichts. Weil es so unbedeutend ist. Umgangssprache. „ABER WORTE SCHAFFEN REALITÄT UND SPRACHE KANN BELIEBIG GEWANDELT WERDEN!“ – Ja, und deswegen heißt „depri“ hier „down“ und „Ich leide an Depressionen“ heißt „Ich leide an Depressionen“. So wie „Wenn ihr wirklich helfen wolltet, hättet ihr besseres zu tun als euch über so eine unwichtige Scheiße aufzuregen, ihr Idioten!!“ meint… nun, genau das. (Nur darf man „Idiot“ ja auch nicht mehr sagen. Das beleidigt Idioten. Aber möglicherweise ist es ja doch beleidigender, bei „Idiotie“ an geistige Behinderungen zu denken statt an Idioten.)

Währenddessen setzt irgendeine von euch eine Triggerwarnung über eine sexistische Werbung oder nennt eine prekäre Lebensituation „traumatisch“ und nein, das deckt sich ja so überhaupt nicht mit der medizinisch-psychiatrischen Definition, aber keine Sau interessiert’s, wer genug Fans hat, hat die Definitionsmacht, Scheiß auf Betroffene, außer die trinken mit dir einen Club Mate nach der Vorlesung und teilen deine Artikel auf Twitter. Nein, ich kritisiere keine Begrifflichkeiten, ich kritisiere diese unerträgliche Bigotterie und öde Irrelevanz eurer Awareness in Angesicht einer Krankheit, die unbehandelt zum Tod führt.

Man hat mir einen Anamnesebogen geschickt. Ich habe ihn vor mir, sechzig Seiten mit vielen intimen, distanzlosen, triggernden, ja wirklich triggernden Fragen und ich heule wieder. Fragen, steril formuliert, schwarze Tinte auf weißem Papier, ohne persönlichen Kontakt, niemand, der meine unmittelbare Reaktion sieht und mich auffangen könnte. Ich bin überfordert, denn ich weiß nicht, wie der Scheiß genau ausgewertet wird. Wenn meine Verfassung aber zu schlecht scheint, nehmen sie mich nicht. Gehen Sie in die Psychiatrie, da haben die all die tollen Drogen und ein schönes Zimmer, das Sie mit einem Komasäufer teilen können, der die ganze Nacht kotzt und sich einscheißt und morgen wieder weg ist.

Und wenn Sie nicht gehen und auch den Fragebogen nicht zurück schicken können, weil das schon wieder ein zu großer Schritt ist, weil wir Ihnen nicht helfen, weil Ihnen in diesem großen reichen Land niemand hilft, am allerwenigsten die, die es am lautesten behaupten, denn diese hysterischen Heuchler ohne auch nur das geringste Verständnis dafür, was es heißt, wirklich NICHT NUR TRAURIG und damit ALLEIN GELASSEN zu sein kreisen nur um sich selbst in ihrer billigen Imitation eines Menschen, dem andere nicht scheißegal sind – wenn Sie also letztendlich zusammenbrechen, dann tun Sie uns wenigstens den Gefallen und sterben leise.

Ich bin Robin, ich suche seit neun Jahren einen Therapieplatz und eure selbstgefällige Awareness kotzt mich so dermaßen an.


Wegen der großen Resonanz habe ich noch einige Ergänzungen nieder geschrieben. Darüber, was falsch ist, darüber, was sich ändern muss. Eure Ideen? Bitte lest hier: Awareness. Und jetzt?

Edit: Und noch zwei Nachträge:
1. Für die, die den Artikel mochten
2. Für die, die sich darüber aufregen

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Innenwirkung – Außenwirkung

Ich: „In letzter Zeit fällt mir irgendwie bei jedem Blick in den Spiegel auf, was ich da eigentlich für einen riesigen Zinken habe.“

Mitbewohner David: „Hm.“

Ich: „Gefällt mir wirklich gar nicht. Das verunsichert mich total.“

Mitbewohner David: „Hm.“

Ich: „Aber dann dachte ich mir: Du bist in deinem Leben schon so oft beleidigt worden, aber noch nie hat jemand was wegen deiner Nase gesagt. Also kann’s ja nicht so schlimm sein.

Mitbewohner David (plötzlich munter): „Wow, das ist ein richtig gutes Kriterium! Das macht richtig Sinn, wenn man sich das so überlegt!“

Ich: „Finde ich auch!“

Fazit: Ich mache mir keine Gedanken mehr über meine Nase – jedenfalls, bis ich mir eine OP leisten kann.

Wenn du meine OP-Kasse ein bisschen aufbessern willst, kannst du mich via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich glaube zwar nicht, dass ich das Geld für so etwas ausgeben würde und Kaffee trinke ich auch nicht, aber das muss ja niemand wissen.

Goooooo to the USAAA! Part 3: Pläne

So eine Reise will ja natürlich geplant sein. Ich tue also mal kurz so, als hätte mich die von einigen Lesern geäußerte düstere Prophezeiung, nicht einreisen zu dürfen, nicht in nackte Panik versetzt und plane!

Wobei, Mitbewohner David wand schon vor unserer Buchung ein, dass wir ja vermutlich eh nicht einreisen dürfen. „Warum nicht?“ fragte ich. Dazu fiel ihm dann nichts konkretes ein – außer, dass er bei einer Reise nach Asien mal in einem arabischen Land zwischengelandet ist und deshalb einen entsprechenden Stempel im Pass hat. Was nun echt kein ausreichender Grund ist, würde ich meinen.

Bei dem ESTA-Verfahren, das jeder Einreisewillige über sich ergehen lassen muss, kann einem aber schon ganz anders werden. Es handelt sich dabei um einen Online-Fragebogen, den man vor dem Reiseantritt ausfüllen muss. Da finden sich neben normalen Angaben (Name, Geburtsdatum, Wohnort und so weiter) auch Dinge, die ich zumindest als leicht übergriffig empfinde – beispielsweise die Frage nach meinen Eltern oder dem Arbeitgeber.
Das ist allerdings noch zu verschmerzen, wohingegen die Frage, ob ich an einer ominösen Sache wie dem „weichen Schanker“ leide, noch für leichtes Gekicher gesorgt hat. Das war dann allerdings vorbei, als ich zur nächsten Frage kam. „Haben Sie geplant, sich an terroristischen Aktivitäten oder Völkermord zu beteiligen bzw. haben Sie sich jemals daran beteiligt?“

Ähm… was?

Hier stellt sich natürlich die Frage, wieso man Fragen stellt, auf die ein Terrorist sowieso nicht ehrlich antworten würde. Stattdessen gibt es dann ganz harmlose, unbedarfte Leute, die diese Fragen irgendwie falschrum verstehen und dann überall „Ja“ ankreuzen statt „Nein“. Und das führt dann wozu? Richtig: Einem lebenslangen Einreiseverbot in die USA! (Und ja, das ist echt schon mal jemanden passiert!)

Hm, wenn ich jetzt so drüber nachdenke… vielleicht ist das auch einfach nur ein geschickt verschleierter Intelligenztest, der gar nicht auf Terroristen abzielt, sondern einfach nur solche Leute aussortieren soll.

Aber es sollte ja um unsere Pläne gehen. Davon haben wir einen ganzen Katalog erstellt.
Grob einteilen lässt sich unsere Reise in zwei Phasen: Phase „New York“ und Phase „Alles andere“. Denn wir haben vor, nach einigen Tagen in New York ein Auto zu mieten und ein bisschen rumzukurven. Aber eins nach dem anderen:

Grundsätzliches
Was wir beide wollen, ist vor allem essen. Viel, viel essen. Darunter folgendes:
– Chili-Hotdog
– Cupcakes
– Spareribs
– einen echten amerikanischen Burger in einem Diner
– etwas aus dem Red Lobster, weil ich noch nie Hummer gegessen habe
– und vieles, vieles mehr!

(Mein Cousin, der vor ein paar Jahren mal in den USA war, kommentierte das trocken mit: „Man kann in zwei Wochen in Amerika definitiv 10 Kilo zunehmen!“)

Zweitens: SHOPPING. Nachdem ich mich ein bisschen informiert habe, werde ich praktisch mit leerem Koffer reisen. Ich wusste ja schon vorher, dass meine geliebten Chucks in den USA billiger sind, aber SO viel billiger! In einschlägigen Amerika-Foren kursieren Preise um die 15-20 Dollar pro Paar. FÜNFZEHN. BIS ZWANZIG. DOLLAR! Das ist, je nach Farbe, gerade ein Drittel des deutschen Preises. Pro Paar spare ich 40 Euro!

(Mitbewohner Dave, der immer ein bisschen spitzfindig ist, kommentierte das mit: „An sich würde ich ja sagen: ‚Wenn du etwas für 20 Euro kaufst, was eigentlich 60 kostet, dann hast du nicht 40 Euro gespart, sondern 20 Euro ausgegeben‘, aber in diesem Fall…!“)

Ich habe daher vor, so viele Chucks wie möglich mitzunehmen. Am liebsten gleich 10 Paare auf einmal. Klar, das ist erst mal trotzdem viel Geld, aber langfristig hätte ich damit 400 Euro gespart, denn Chucks kaufe ich ja so oder so.
Problem ist hier der Zoll. An sich ist das recht easy: Man darf Waren bis zu einen Wert von 450 Dollar mit zurück nach Deutschland nehmen – solange es sich um Eigenbedarf handelt. Nur, welcher Zollbeamte würde mir das denn abkaufen? Trotzdem alle Schuhe dieselbe Größe haben?
Also muss ich wohl reduzieren. Fünf Paar werden es aber auf jeden Fall. Zur Sicherheit werde ich meine Sammlung fotographieren, vielleicht hilft es ja als Beweis.

Und Jeans! Mustang und Levi’s, für die man hier 100 Euro pro Hose latzen muss, kosten in amerikanischen Outlets 30 Dollar. Dafür kriegt man hier nicht mal ne H&M-Jeans! Da müssen auch einige mit.

Und dann habe ich nur aus Scheiß vor einigen Tagen eine sehr hübsche echte Lederjacke im örtlichen Mustang-Shop anprobiert, die schlappe 280 Euro gekostet hätte. Wenn ich da was schönes finden sollte und es ähnlich viel günstiger ist wie Jeans, werde ich mir das definitiv leisten.

New York
Wir werden abends um 18 Uhr ankommen, was vermutlich bedeutet, dass wir so um 22 Uhr in unserem Hostel sein werden.
Wie gesagt: Einen Tag früher buchen wäre in Sachen „Geburtstag feiern“ doch wesentlich schlauer gewesen. So werde ich eigentlich meinen gesamten Geburtstag im Flugzeug verbringen (aber vielleicht hilft es ja bei der Einreise – so ne Art Mitleidsbonus für das Geburtstagskind). Ich werde also nur im Duty-Free-Shop eine Flasche Whisky für uns kaufen und ansonsten wäre ich mit einem echten New-Yorker-Hotdog abends total zufrieden. Da wir inzwischen herausgefunden haben, dass Essen in unserem megabilligen Flug tatsächlich mit inbegriffen ist, müsste das ja reichen.

Wir wissen noch nicht genau, wie lange wir bleiben wollen. Aber auf jeden Fall sehen wollen wir folgendes:
– Ground Zero und das neue World Trade Center
– den Time Square
– Chinatown
– die Freiheitsstatue
– den Central Park

Dazu einige Dinge, auf die wir uns noch einigen müssen. Ich will zum Beispiel unbedingt zur MAD-Redaktion. Was ja im Prinzip nur ein Gebäude ist, das man sich von außen ansehen kann. Aber das hat historische Gründe.
Dann wollen wir zum Broadway – auch nur zum Kucken. Ich hätte ja megamäßig Bock, mir „The Book of Mormon“ anzusehen, aber das ist geradezu irrwitzig teuer. Aber wenn wir mal da sind und ich David überredet kriege… wer weiß!
Dafür will David in verschiedene Museen. Er steht auf moderne Kunst. Ich überhaupt nicht. Mein erster und einziger Besuch in einem Museum für moderne Kunst stattete ich dem Guggenheim-Museum in Bilbao ab und das war zwar schon irgendwie interessant, aber auch total verrückt. Ich kann damit nichts anfangen, bin aber gerne bereit, diesen Kompromiss einzugehen, wenn er mit mir dafür in „Ripley’s Believe it or not!“ geht. Das ist AUCH ein Museum, allerdings eher sowas wie ein Kuriositätenkabinett. An sich müsste ich da nicht hin, weil ich schon in der Filiale in London gewesen bin und das das größte Ripley’s der Welt ist, aber da ich mutmaße, dass jedes Ripley’s andere Exponate hat und es außerdem zu zweit viel mehr Spaß macht, möchte ich da unbedingt nochmal hin!
Und dann möchte ich unbedingt in einen echten New-Yorker-Comicshop… aus Gründen!

Alles andere
New York ist natürlich ein Erlebnis, aber umso schwieriger war es, uns darauf zu einigen, was wir danach machen wollen. Zumal David einige seltsame Vorstellungen hat.
„Das sind nur 7 Stunden Fahrt!“ teilte ich ihm zum Beispiel eines Tages freudig mit, nachdem ich den Routenplaner bemüht hatte (ich weiß nicht mal mehr wozu). „7 Stunden?!“ war seine entsetzte Antwort, „da müssen wir ja mal mindestens 20 Stunden einplanen!“

Äh – what!? Das ist eine Logik, die ich nicht nachvollziehen kann. Klar, wir wollen ja auch was sehen und gemütlich fahren, aber dann kann man mal 10 Stunden veranschlagen und nicht DAS DOPPELTE. Ich fürchte leider, das wird im Chaos enden!

Ganz kurz hatten wir die verrückte Idee, quer durch das ganze Land nach Las Vegas zu fahren. Da wäre die reine Fahrzeit allerdings schon fast vier Tage. In Davids Augen also ungefähr sechs Wochen. Zeit, die wir ja leider nicht haben.

Er war sehr niedergeschlagen, als wir diesen Plan begraben mussten, weil er unglaublich gerne mal in Las Vegas die Bank gesprengt hätte. Aber glücklicherweise hatte ich die rettende Idee: ATLANTIC CITY!!!
Dieses Mini-Vegas ist nur einen Katzensprung von New York entfernt und wird von uns nun einen Tag lang besucht. Danach sind wir entweder noch ärmer als ohnehin schon oder so stinkreich, dass der Urlaub verlängert wird. Ist ja nicht so, dass ich keine leichte Affinität zu Glücksspiel hätte, also muss ich da gewaltig aufpassen!

Als großer Stephen-King-Fan würde ich danach ja gerne durch Neuengland fahren, aber da er daran überhaupt kein Interesse hat und das Wetter momentan auch nicht so geil ist, ist dieser Plan eher unrealistisch. Zumal es mich dann doch gleichermaßen in den Süden zieht. In Florida herrschen locker 25 Grad, was mir für den März völlig unglaublich vorkommt.

Und dann stürzte ich eines Tages komplett eskaliert ins Wohnzimmer und schrie David an: „SPRING BREAK!!!“
Ich schwöre, er bekam kurz Tränen in die Augen. Das war tatsächlich etwas, das wir nicht einkalkuliert hatten, aber wenn wir schon mal da sind, wird dieses amerikanische Studentenereignis natürlich besucht.

David will die Gelegenheit nutzen, ein paar Collegehäschen aufzureißen. Ich dagegen will einfach nur ein paar Collegebübchen unter den Tisch saufen. Prioritäten, Leute.

Was noch? Wir wollen irgendwo in einem Motel im Nirgendwo übernachten, ohne dass wir einen besonderen Grund dazu hätten. Und am Ende der Reise muss natürlich das Weiße Haus fotographiert werden, auch wenn ich Washington nicht sonderlich spannend finde. Soweit jedenfalls die Pläne – aber ob das alles so kommen wird? Wir werden sehen.

Und damit verabschiede ich mich, denn die Reise startet – HEUTE!! USA, wir kommen!

Funfact zum Schluss:
Durch die Zeitverschiebung werde ich an diesem meinem 30. Geburtstag 30 Stunden Geburtstag haben. Ist das irre, oder was?

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Mansplaining

Ich hab mich über nervige Kerls geärgert, also habe ich ein bisschen (um)gedichtet.

macker dont preach

Mansplaining: Die ekelhafte Attitüde mancher Männer, erwachsene Frauen wie Kleinkinder zu behandeln, die von nichts ne Ahnung haben können, weil Frauen ja generell nie von irgendetwas ne Ahnung haben oder gar ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Wisster Bescheid.

Wenn du den Schmerz ein wenig lindern willst, freue ich mich über eine kleine Spende via Paypal in Form einer Tasse Kaffee. Nur brauche ich in diesem Fall Schnaps, aber das ist hoffentlich auch ok.

Eine beschissene Weihnachtsgeschichte

Wenn man feststellt, dass die größte Tradition, derer man im eigenen Blog frönt, ein jährlicher angepisster Beitrag zu und über Weihnachten ist. Enjoy!

Weihnachten bei Familie Urban
2013. Auch im Hause Urban gibt es Traditionen. Nach einem einmaligen, unglaublich grauenhaften Ausflug in Würstchen-mit-Kartoffelsalat-Gefilde gibt es dieses Jahr wieder das volle Festtagsprogramm: Reh, Klöße, Rotkohl. Das Reh bekommt mein Onkel von einem befreundeten Jäger und legt es schon Tage vorher ein. Es ist so zart, wie das Fleisch von langsam ausgebluteten Engeln sein muss.

Ich hasse den Ausdruck „gefräßiges Schweigen“, aber der passt auf meine Familie sowieso nicht. Irgendjemand hat immer gerade lange genug gekaut, um nach der Soße zu brüllen, mehr Wein zu fordern oder meiner Oma zu sagen, dass sie sich endlich hinsetzen soll, weil die keine fünf Minuten aushält, ohne etwas zu putzen. Und nachdem die Frauen den Tisch abgeräumt haben (-.-), hat auch der letzte den Mund endlich frei.

Leider.

Denn als wir da gerade so sitzen, alle vollgefressen wie die Schweine im Glanze des künstlichen Weihnachtsbaumes, den meine Oma sich vor Jahren gegen den Protest der gesamten Familie zugelegt hat, fängt mein Onkel aus heiterem Himmel an, über Asylanten zu reden.

Ich seufze innerlich. Damals war grade Lampedusa. 10 Wochen nach dem Unglück war der Unfall immer noch in allen Medien.

Onkel: „Ja, ne, is klar, hier her kommen und dann Sozialhilfe kriegen.“
Anderer Onkel: „Genau.“
Onkel: „Unsereins reißt sich den Arsch auf.“

Missbilligendes Schnalzen meiner Oma wegen „Arsch“. Ich starre in mein Weinglas. Halt einfach die Fresse, Robin, denke ich.

Onkel: „Was die alles kriegen! Zum Beispiel *random Geschichte die wahr sein könnte oder aber auch nicht über einen Immigrant, der angeblich ungerechtfertigterweise zu viel Hartz IV oder sonstwas bekommen hat*“

Fresse, Robin, denke ich.

Onkel: „Sollen die doch daheim bleiben, diese Molukken, diese…“
Tante: „Ach, Frank…“
Onkel: „Molukken, immer nur die Hand aufhalten…“

Ach, scheiß drauf, denke ich resigniert.

„Weißte, die kommen nicht hier her, weil sie Sozialhilfe wollen, sondern weil sie Angst um ihr Leben haben,“ sage ich. Ungläubiges Gelächter von den billigen Rängen. „Oh klar, klar!“ zischt es zynisch.

„Ja, voll klar. Meinst du, die gehen gerne von zuhause weg?“
„Ja sicher, nix leisten und…“
„Hallooo, das sind FLÜCHTLINGE!“
„Dann sollen se halt woanders hin! Immer müssen wir alles bezahlen! Sollen se halt kucken, wo se bleiben!“
„Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Wir haben mehr als genug Geld, um ein paar Asylanten aufzunehmen!“

An dieser Stelle läuft mein anderer Onkel knallrot an. „Ja – das ist aber Geld, das von UNS Arbeitern kommt und nicht von SCHMAROTZERN!!“

Man sieht regelrecht den Geifer spritzen. Und dabei fällt sein hasserfüllter Blick auf MICH.

Ich hebe die Augenbrauen. Dieser Seitenhieb ist ja fast schon zu billig, dabei auch ohne Substanz. Zugegeben, ich bin Langzeitstudentin – aber ich habe noch nie in meinem Leben Befög bezogen, Wohngeld bekommen oder sonst in irgendeiner Weise staatliche Unterstützung. Nein, ich habe einen Kredit, den ich irgendwann ganz alleine zurück zahlen darf und gehe arbeiten. Ich Schmarotzer, ich. Während dieser empörte Arbeiterstolz meinem Onkel, der sich alle drei Jahre einen neuen BMW kauft, nicht so wirklich gut zu Gesicht steht. Aber wer möchte da schon den ersten Stein werfen…

Jedenfalls beschließe ich, auf diese gezielte Provokation nicht einzugehen, denn mein Onkel pöbelt schon wieder. Er muss so viel schuften, die tun gar nichts, Sozialschmarotzer, Assis, Kanaken, Molukken, bla-bla-BLA.

Und an der Stelle gesellt sich dann heiliger Zorn zu meinem ohnehin nicht sonderlich friedvollen Gemüt. Waren es doch immerhin genau DIESE Menschen, die mich unbedingt katholisch erziehen mussten.

„Leute, geht’s noch?! Es geht hier um Menschen, die aus dem Krieg flüchten und die man STERBEN LÄSST, statt ihnen zu helfen! Und ihr hetzt auch noch über die! Ihr solltet euch was schämen! Mein Gott, ey, und das an Weihnachten!!“

Ja, Weihnachten, dieses Fest, an dem alle in der Messe ganz arg nasse Augen kriegen, wenn es darum geht, dass unser Erlöser doch tatsächlich in einem elendigen Stall zur Welt kommen musste (tatsächlich war’s eine Höhle) und das auch noch im Winter (eigentlich war’s Sommer), dieses arme Bübele!

Drei ganze Sekunden lang herrscht absolute, verblüffte Stille. Wenn auch meine gesamte Familie keinen sachlichen Argumenten zugänglich ist – von der einzigen Nicht-Christin am Tisch so zurecht gewiesen zu werden, macht alle sprachlos. Dann schnaubt mein Onkel sarkastisch, verzichtet jedoch auf weitere Diskussionen. Das Gespräch wendet sich anderen Themen zu.

Aber, wisst ihr… das Essen war gut…

——————————————-

Jedenfalls: Dies ist neben der Versicherung meiner Oma bei unserer letzten Begegnung, ich sei für alle eine einzige Enttäuschung, mit ein Grund, weshalb ich mich dieses Jahr entschlossen habe, nicht heim zu fahren, sondern allein in meiner WG zu bleiben und mich vollzufressen. Ich werde mich also demnächst in die Küche begeben und kochen. Es gibt:

– Champignoncremesuppe
– Rouladen, Klöße und Rotkraut
– Häagen-Daz-Eis, Geschmacksrichtung Karamell-Brownie

Und für später dann noch Backcamembert und Datteln in Speckmantel – nur um sicher zu gehen, dass ich nicht vom Fleisch falle. (Das Ganze garniert mit einer Feiertagsportion schlechten Gewissens, weil ich wenigstens den Anstand habe, mich in Angesicht eines voll gedeckten Tisches beim Gedanken an all den Hunger in der Welt ein bisschen zu schämen statt über die zu hetzen, die sowieso nichts haben. Essen tu ich’s aber natürlich trotzdem :/ )

Dazu allerlei festtagstauglicher Medienkonsum, auf den ich mich noch einigen muss. Ich liebäugle ein bisschen mit einem „Herr der Ringe“-Marathon, aber irgendwie hätte ich auch mal wieder Bock auf „Matrix“.
Oder lieber doch weihnachtlich mit „Stirb langsam“ oder „Gremlins“? Hach, diese Entscheidungen!

Jedenfalls steht auch ne Flasche Jack Daniel’s im Kühlschrank. Ihr wisst schon – aus Gründen.

All meinen Lesern frohe Weihnachten und was geiles zu essen, behaltet eure geistige Gesundheit und lasst euch beschenken! ICH jedenfalls hab ja schon eine Batman-Tasse bekommen! Tja – da kuckt ihr!!

Zum Schluss ein bisschen Besinnlichkeit:

Darüber habe ich ohne Scheiß wirklich tagelang gelacht.

Das Elend der vergangenen Weihnacht:
Weihnachten ist scheiße
„Trotzdem frohe Weihnachten…“
Alle Jahre wieder: Fröhliche Scheiß-Weihnacht!

Wenn du den Schmerz ein wenig lindern willst, freue ich mich über eine kleine Spende via Paypal in Form einer Tasse Kaffee. Nur brauche ich in diesem Fall Schnaps, aber das ist hoffentlich auch ok.

[Halloween-Special] Halloween, die Dunkelheit und das Fangirl in mir

Da überlegt man grade noch so schön, wie lang die Fingernägel noch wachsen können bis Halloween, um sie spitz zu feilen – da ist es auch schon vorbei!

Leider habe ich nicht alles geschafft, was ich mir für die letzten 10 Tage vorgenommen habe. Auch bin ich kaum dazu gekommen, Kommentare zu beantworten, was immer ganz besonders an meinem Gewissen nagt.

Aber das kam nicht völlig aus dem Nichts. Ich sag euch: Wenn ihr mal ne echte Horrorshow erleben wollt, legt euch Depressionen zu! Authentischer kann kein Medium dieses Gefühl absoluter Verzweiflung und geisteszerstörender Agonie vermitteln! Erlebt eine wilde Geisterbahnfahrt im rasanten Wechsel zwischen „Niemand liebt mich“ und „Mein Leben ist ein riesiger Haufen Scheiße“! Toll! Also nicht!

yay

Jedenfalls ist ein akuter depressiver Schub nicht so gut für den Antrieb und verursacht Schreibblockaden. Jetzt ist es aber erstmal wieder vorbei. Halleluja!

Grade geht es mir also wieder normal (das heißt bei mir „ganz okay“), aber viel von dem tollen Scheiß, den ich für diesen schönen Feiertag geplant hatte, ist jetzt leider nicht fertig geworden. Das ist schade. Aber dafür freue ich mich unheimlich darüber, dass so viele an meiner Halloween-Blogparade teilgenommen haben! Ich konnte leider noch nicht alle lesen, werde mich aber noch auf Spurensuche begeben (verlinken, Leute, verlinken!), um das nachzuholen. Besonders lustig finde ich die vielen Ausflüchte bei Frage 10 😀 Tatsächlich habe ich bisher nur einen gelesen, der auf die Frage, ob er seine Seele verkaufen würde, mit „Ja“ geantwortet hat. Kähähä. Es ist doch immer schön, wenn bei einer Umfrage genau das herauskommt, was man erwartet hat!

Jedenfalls endet hiermit mein Halloween-Special offiziell. Einiges von dem, was ich nicht mehr geschafft habe, beispielsweise mein Kostüm-DIY, hebe ich mir dann halt für nächstes Jahr auf.

So ganz ohne Input möchte ich diesen letzten Halloween-Beitrag aber nicht beenden. Eigentlich wollte ich das schon im Laufe der letzten Woche posten, aber ich habe mich ganz im Ernst einfach nicht getraut. Doch da es einfach passt und weil es gerüchteweise tatsächlich ein paar Leute geben soll, die sich für das interessieren, was ich so fernab meines Blogs schreibe, möchte ich euch hiermit auf meine „Nightmare before Christmas“-Fanfiction aufmerksam machen, die ich just begonnen habe bei Fanfiktion.de zu posten.

Tja, was ist „Nightmare before Christmas“? Viele würden vermutlich die Frage schon als Beleidigung auffassen, weil das eine krasse Bildungslücke ist, da ich mir den Film aber selbst erst letztes Weihnachten angesehen habe (nachdem sich meine Mutter zwanzig Jahre zuvor geweigert hat, mit mir ins Kino zu gehen…), habe ich da überhaupt keinen Grund, arrogant zu sein. Jedenfalls sollte sich jeder diesen Film ansehen, falls er ihn noch nicht kennt, ob ihr meine Fanfiction lesen wollt oder nicht.

Diese stellt ein Prequel zum Film da. Ich widme mich der Frage, wer (und was) Jack gewesen ist, bevor er zum Kürbiskönig wurde, und wie es letztendlich dazu kommt. Weil das so Dinge sind, mit denen man sich in Fanfictions beschäftigt. Das sage ich nur, weil es viele, viele Menschen gibt, sogar hier in diesem Internet, die von so einer Erscheinung noch nie was gehört haben ^^

Naja, wenn ihr reinlesen wollt, stehen euch für Feedback hier die Kommentare offen 🙂

Was bleibt zum Ende noch zu sagen? Ich hatte jedenfalls trotz allem ein schönes Halloween und weiß jetzt, dass ich 1. Kontaktlinsen vertrage und 2. rote Kontaktlinsen bei mir superhammergeil aussehen. Allein dafür hat es sich sowas von gelohnt! Schade nur, dass ich lustige Accessoires wie diese nicht viel öfter tragen kann. Wobei, eignet sich das nicht als festliches Detail für Weihnachten?

Nachträglich euch allen Happy Halloween!

Meine Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
Spielereview: Betrayal at House on the Hill
Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten
Die fünf besten Halloween-Serienspecials
Minimalistische Partytipps

Weißt du, was auch der pure Horror ist? Existenzängste, weil man nicht genug Knete hat! Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich deshalb gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

[Halloween-Special] Halloween-Blogparade!

Ich eröffne mein Special mit einer Blogparade, und ja, die Fragen habe ich mir ganz allein ausgedacht 😀

Das Thema ist nicht nur der Feiertag Halloween an sich, sondern alles, was man so gemeinhin damit verbindet: Das Jenseits, der Tod, Horror, Grusel, das Übersinnliche, Spannung, Angst, die Faszination für das Morbide und so weiter und so fort. Ihr könnt also auch mitmachen, wenn ihr Halloween nicht mögt!

Die Regeln sind denkbar einfach:
– Beantwortet die Fragen auf eurem Blog (oder, falls ihr keinen habt, auch gerne in den Kommentaren) – am besten noch vor Halloween!
– Fordert eure Leser auf, mitzumachen oder nominiert gezielt Leute!
– Hinterlasst mir hier einen Link, damit ich und andere eure Antworten auch lesen können 🙂

Los geht’s!


1. Für die einen ist es ein blöder Ami-Brauch, für die anderen ein ernsthafter Feiertag: Wie ist deine Meinung zu Halloween?
Tja, ich LIEBE Halloween – Überraschung 😀
Normalerweise bin ich sehr kritisch, was Traditionen angeht, die aus Amerika kommen, aber da es sich hier um einen Re-Import handelt und das eigentliche Halloween auf irische Bräuche zurück geht, bin ich total okay damit! Zumal ich es einfach LIEBE, mich zu verkleiden und es wichtig finde, einen Tag zu haben, in dem der Tod und das Makabere im Mittelpunkt steht.

2. Feierst du Halloween und wenn ja, wie?
Ich dekoriere zuhause ein bisschen gruselig (ein Kürbis darf natürlich nicht fehlen!) und schmeiße mich leidenschaftlich in mein Kostüm. An diesem Tag sollten alle verrückt sein, also verhalte ich mich auch so. Joker-verrückt, nicht Karneval-verrückt!
Mein Wunsch-Halloween würde darin bestehen, eine große Party zu schmeißen, auf der getrunken und gegessen werden darf, aber trotzdem das Übersinnliche zelebriert wird. Leider nimmt niemand, den ich kenne, den Feiertag ernst genug, um so etwas zu machen. Im Gegenteil, die meisten Leute verkleiden sich ja nicht mal! Das ist unglaublich schade. Ich werde also wie jedes Jahr Süßkram für Kinder kaufen, die nicht kommen werden, mit Leuten trinken, für die Halloween nur ein weiterer Grund zum Saufen ist, und darauf hoffen, dass sich der Feiertag irgendwann richtig etabliert, um Halloween auch mal nach meinen Wünschen erleben zu können…

3. Was ist dein Lieblingskostüm?
Eines, das ich mir ganz allein ausgedacht habe 😀 Ich nenne es das postapokalyptische Scary-Clown-Chaosdämon-Kostüm. Wie das aussehen kann, verrate ich in den nächsten Tagen 😀 Allgemein aber ist es in meinen Augen ein MUSS, an Halloween als irgendwas gruseliges zu gehen! Sexy Krankenschwester kann man immer noch an Karneval sein!

4. Was war dein Kindheitsmonster?
Oh Gott, seid gewarnt – DAS HIER:
Halloween
Das ist die Hauptperson aus „Hans, mein Igel“, einem Märchen, das in der Serie „Jim Hensons beste Geschichten“ im Fernsehen lief, als ich zarte vier Jahre alt war.
UND DAS HAT MICH NACHHALTIG TRAUMATISIERT! Denn jetzt mal ehrlich – wie ekelhaft ist DAS bitte? In einem Kinderprogramm?
Mag sein, dass das Kostüm gut gemacht war und so, aber ich hatte jahrelang Angst vor dem „Igelmann“! Und wie ich finde – völlig zurecht!

5. Viele Leute schwören, nicht abergläubisch zu sein. Aber Hand auf’s Herz: Jeder glaubt doch irgendwie, Glück und Pech beeinflussen zu können. Welchem Aberglauben hängst du an?
Hm, ich sag mal so: Ich kann natürlich unter Leitern durchgehen oder einen Regenschirm im Haus öffnen. Es bricht mir aber auch kein Zacken aus der Krone, wenn ich das halt nicht tue. Oder wenn ich mir ein bisschen Salz über die Schulter werfe, wenn der Streuer umgekippt ist. Also, wenn der Arbeitsaufwand so gering ist, dann ist auf Nummer Sicher gehen doch eigentlich sehr vernünftig, oder? 🙂
Nur das mit den schwarzen Katzen, das ist selbstverständlich bösartige Propaganda, denn Katzen sind immer toll, egal was sie für ne Farbe haben.

7. Glaubst du an Geister?
Natürlich glaube ich nicht daran, dass Tote einfach durch die Luft schweben und „buuuuuh“ rufen. Aber so ne Energie, eine Art Lebenskraft einer Seele, die sich nach dem Tod vom Körper löst und eine andere Ebene bewohnt und von da aus die Lebenden mit nem grauenvollen Geheul von unvorstellbaren Schmerzen quält, also, DAS gibt’s auf jeden Fall!
Das ist von „Malcolm Mittendrin“ geklaut, weil ich es selbst nicht besser formulieren könnte 😀 Aber ernsthaft: Ich glaube, dass Menschen etwas zurück lassen, wenn sie sterben. Wissenschaftlich betrachtet führt da auch kein Weg dran vorbei! Schon mal was vom Energieerhaltungssatz gehört?!
science bitch

8. Der Tod lauert überall… In welcher Situation ist dir mal der Gedanke gekommen: „Ich hätte gerade sterben können?“
Tatsächlich hatte ich in letzter Zeit öfter solche Gedanken. Es ist erstaunlich, wie manchmal wenige Sekunden oder Zentimeter, beispielsweise an einem Abhang, über Leben und Tod entscheiden können…
Wie sehr man manchmal Glück hat und welche seltsamen Zufälle es gibt, weiß ich, seitdem ich einmal ein Brandloch in dem Laken auf meinem Bett entdeckt habe. Zuerst konnte ich mir das gar nicht erklären. Ich rauche nicht im Bett und außerdem war es an der Seite, also ne echt komische Stelle… Wie war es da hin gekommen?
Schließlich fand ich die Lösung. Ich hatte mich ein paar Tage zuvor auf meinem Bett sitzend geschminkt. Der Kosmetikspiegel stand immer noch neben meinem Bett. Nun hat durch mein Fenster die Sonne geschienen und der Spiegel hat die Sonnenstrahlen in einem Winkel auf das Bett reflektiert, dass genug Hitze entstand, um tatsächlich ein Loch in mein Laken zu brennen. Es war pures Glück, dass nichts schlimmeres passiert ist. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht da, also wäre ich nicht gestorben, aber trotzdem hätte das ganze Haus abfackeln können.
Das sind so Dinge, die mich einfach sprachlos machen. Denkt ihr, die Feuerwehr hätte mir das abgekauft?

9. In unserer heutigen Zeit wird der Tod gerne ausgeblendet. Wie gehst du persönlich damit um?
Der erste Tote, den ich in echt gesehen habe, war mein Opa. Er starb völlig überraschend, während ich nicht zuhause war, aber sobald ich den Anruf bekam, fuhr ich zurück. Ich kam noch rechtzeitig an, bevor er abgeholt wurde und darüber war ich sehr froh.
Ich glaube, wir auf dem Land händeln das noch anders. Mir war es sehr wichtig, ihn noch einmal sehen und berühren zu können. In dem Moment war die Trauer noch zu frisch, aber rückblickend betrachtet hilft so etwas sehr, denke ich.
Die größte Angst, die ich vor dem Tod habe ist, dass danach tatsächlich alles vorbei ist, als würde man einen Schalter umlegen. Ich glaube aber nicht daran. Und wenn es nur eine Illusion meines sterbenden Gehirns ist, die mir vorgaukelt, meine letzte Sekunde würde sich zu Äonen dehnen… irgendetwas wird danach kommen. Fragt sich nur, was. Ich hoffe, ich lebe lange genug, bis ich die Spannung von allein nicht mehr aushalte 😉

10. Ich lege dir 1000 Euro in bar auf den Tisch und einen Zettel, auf dem steht „Hiermit verkaufe ich dem Besitzer dieses Vertrags meine Seele“. Würdest du das Geld nehmen und den Vertrag unterschreiben?
Ein faustischer Vertrag? Ganz klar: Nein. Auch nicht für eine Million. Denn ich glaube an eine Seele. Kann man albern finden, aber lustigerweise zögern sogar Menschen, auf die das angeblich nicht zutrifft, bei dieser Frage ganz oft 😀

Bonusfrage*: Wem würdest du gerne mal einen Halloweenstreich (Haus in Toilettenpapier wickeln oder gerne auch kreativer) spielen?
Das muss nicht unbedingt an Halloween sein, aber eine Person hat es echt verdient: Mein Mitbewohner Dave. Der weiß ganz genau, dass ich Angst vor Krabbelviechs habe. Und was tut er? Setzt ne Plastikkakerlake in meine Teebox. Ohne Worte. Ich wäre fast gestorben. Und da sinne ich immer noch auf Rache.
Aber was tun? Ich habe lange gegrübelt und bin zum Schluss gekommen, dass ich irgendwie doch erwachsener bin als ich dachte. Jede Idee wurde von mir wieder verworfen. Irgendetwas in seinem Zimmer anstellen, während er nicht da ist? Uncool, das wäre ein Eingriff in seine Privatsphäre. Zucker in den Salzstreuer? Meh, dann versaut er sich sein Essen, aber Lebensmittelverschwendung ist nicht lustig. Und so weiter und so fort. Es darf nicht weh tun, ihn nicht demütigen, nichts darf kaputt gehen etc. pp. Nur, was bleibt denn da noch?!
Ich hoffe, irgendwann fällt mir was ein – oder ich muss mir ein Opfer suchen, bei dem mir die negativen Folgen egal sind 😀


So, mir wären noch tausend weitere Fragen eingefallen, aber mehr als zehn sollten es vermutlich nicht sein. Ich hoffe, irgendjemand macht mit! Jeder darf sie beantworten, aber trotzdem nominiere ich mal den Hemator, die Karo, die Friedl und die Hijack, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass die noch am ehesten für sowas zu begeistern sind 😀 Aber auch alle anderen sind herzlich eingeladen! Ich bin gespannt auf eure Antworten!

*Edit: Ich bin so doof! Karo musste mich erst darauf aufmerksam machen, aber tatsächlich sind es nicht 10 Fragen geworden, sondern nur 9! Und ich habe mich noch gewundert, warum das so schnell vorbei war…
Jedenfalls habe ich Karos Bonusfrage einfach mal auch bei mir ergänzt!

Meine Halloween-Specials:
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Minimalistische Partytipps

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Thementage: My very own Halloween-Special!

Life’s no fun without a good scare!
– The Nightmare before Christmas

Damit hier mal wieder etwas Leben in die Bude kommt und weil ich das eigentlich schon letztes Jahr machen wollte, aber keine Zeit hatte, ist es dieses Mal endlich soweit – my very own Halloween-Special!

Es wird ähnlich laufen wie bei meinen vergangenen Thementagen, nur sind dieses Mal nicht fünf Tage, nicht eine Woche, nein, sondern ganze ZEHN Tage geplant!
Und worum wird es gehen? Natürlich – Halloween! Und alles, was damit zusammen hängt. Das da wären Grusel, das Übersinnliche, Tod, Zerstörung, Chaos, you name it!

Konkret werde ich Horror in verschiedenen Medien thematisieren, Rezensionen liefern, kleine Partytipps für euren eigenen Halloweenspaß geben, euch zeigen, wie ihr für wenig Geld und mit Sachen, die ihr zuhause habt, ein krass-geiles Kostüm basteln könnt und ganz allgemein versuchen, ein bisschen Halloweenglitzer in eure Herzen zu zaubern 😀 Denn ja, ich weiß, in Deutschland will dieser wunderbare Brauch einfach nicht so wirklich Fuß fassen, auch wenn sogar Pläne existieren, im Jahr 2017 Halloween zum Feiertag zu erheben…!

(Tatsächlich bestehen diese Pläne für den Reformationstag, der ja nun leider auf Halloween fällt. Aber da mir der Reformationstag am Arsch vorbei geht, verbreite ich gerne weiter obige Falschmeldung.)
 
Ich aber liebe Halloween und für mich ist es der schönste Feiertag im Jahr. Ich halte ihn sogar für wichtig. In unserer Spaßgesellschaft wird so vieles gerne ausgeblendet und rationalisiert – da ist EIN Tag im Jahr, an dem wir uns bewusst machen, dass der Tod existiert und uns alle irgendwann holen wird, doch wirklich nicht zu viel verlangt 🙂

Und Geister. Es geht irgendwie auch um Geister. Natürlich!

Der Anfang wird morgen eine Blogparade machen, zu der ich euch herzlich einlade. Bis dahin schöne Alpträume und behaltet den Himmel im Auge…

Meine anderen Thementage:
Kinderserien meiner, äh, Kindheit
Meine Top 7 Alben aller Zeiten
Ich war jung und brauchte das Geld!

Meine Halloween-Specials:
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