Mathe

Ich betrachte etwas entsetzt die Uhrzeit, die als Zeitpunkt der Abgabe an die Tafel im Prüfungsraum geschrieben worden ist.

Ich: „Äh – die Prüfung dauert SECHS STUNDEN?!“

Sekretärin: „Nein, fünf.“

Ich: „Oh, ups, stimmt. Naja… ich schreibe ja nicht in Mathe, haha.“

Sekretärin: „Nein, die schreiben ja noch kürzer.“

 

Jap. Genau das wollte ich damit sagen -.-

———-

PS: Prüfung lief gut!!! Nächste Woche wird härter…

 

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Ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen

Sie reicht mir begeistert eine Stellenanzeige für eine Konditorei.

„Wie findest du das? Darauf will ich mich bewerben!“

„Hm. Klingt ja irgendwie cool, aber dafür hast du doch nicht die Voraussetzungen?“

„Wieso?“

„Naja, hier steht, man braucht Erfahrung mit Lebensmitteln und die hast du ja nicht.“

„BITTE?! Ich habe dreißig Jahre lang einen Haushalt geführt!“

Meine Mami. Manchmal feiere ich sie 🙂

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Aww.

Der Freund und ich tragen Einkäufe nach Hause. Ein Pulk Halbstarker geht an uns vorbei.

Typ 1: „Ey, du hast längere Haare als deine Freundin!“

Typ 2: „Schwuchteeel!“

Freund: „…“

Ich: „Fick dich, du Arschloch!!!“

Die Idioten ziehen marodierend ab.

Ich: „Boah, solche Wichser, ey!“

Freund: „…“

Ich: „…“

Freund: „…“

Ich: „Aber Schatz, hast du gehört? Er hat mich deine Freundin genannt. Die Leute sehen, dass wir zusammen sind. Tihihi.“

Freund: „Aww.“

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ICH REGE MICH JA GAR NICHT AUF!!!

Der Freund und ich gucken „Malcolm Mittendrin“. Lois keift mal wieder rum.

Ich: „Gott, diese Frau ist so ein *hier sehr stark dialektales Wort einfügen*.“

Freund: „Was ist denn ein *dialektales Wort*?“

Ich: „Puh… schwer zu übersetzen. Jemand, der immer so laut ist, sich zu viel aufregt, ein Trampeltier.“

Freund: „…“

Ich: „Was grinst du mich denn jetzt so doof an?“


 

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Goooooo to the USAAA! – Part 2: Capitalism, bitch.

Wir haben also einen Hin- und Rückflug in die USA für 280 Euro bekommen. Als hinterfragend-kritischer Mensch fragt man sich da natürlich kritisch, wie das überhaupt geht.

Noch bevor wir endgültig buchten, habe ich dahingehend recherchiert. Dadurch fand ich ziemlich als erstes heraus, dass die Urlaubspiraten taffe Leute sind, die sich auf Angebotsfehler der Airlines stürzen wie die Geier. Sprich: Hat irgendein armer Mensch, der dafür vermutlich im Nachhinein den Arsch grandios aufgerissen bekommt, beim Eintippen der neusten Flugangebote irgendwo eine Null vergessen oder gar gleich ganz, einen Preis anzugeben, dann finden die Urlaubspiraten das und hauen es sofort in den Äther raus. Hat man dann Glück und sieht diesen Hinweis, bevor die Airlines es tun, kann es passieren, dass man für völlig umsonst fliegt.

Bei uns war es aber kein Fehler, sondern schlicht ein sogenannter Gabelflug. Das bedeutet, dass wir nicht vom selben Flughafen zurück fliegen, an dem wir angekommen sind. In unserem Fall kommen wir in New York an (okay, eigentlich ist es New Jersey – aber psst), unser Rückflug geht aber ab Washington D.C..
Was uns jetzt wirklich nicht groß stört. Wir wollen nach ein paar Tagen in New York eh nen Roadtrip machen. Und selbst wenn das nicht so wäre: Von NY nach Washington fahren unfassbar günstige Busse.

Trotzdem ist das ja schon irgendwie komisch, nech? Aber es geht noch geiler. Als ich unsere Tickets anhimmelte, fiel mir unvorstellbarerweise auf, dass unser Rückflug doch tatsächlich in New York zwischenlandet. Man ziehe sich das bitte mal rein: Der Flug von Amerika nach Deutschland ist gerade deshalb so günstig, weil wir nicht von New York aus fliegen, aber letztendlich sind wir zwischenzeitlich doch in New York.
Unglaublich, dachte ich, und probierte aus, wie viel es wohl gekostet hätte, wenn wir den selben Flug nehmen, aber erst in New York zusteigen würden.

Ergebnis: Der Flug wäre 200 Euro t-e-u-r-e-r.

Da kann man sich doch nur an den Kopf fassen. Jeder normale Mensch würde vermuten, dass ein kürzerer Flug billiger sein müsste. Immerhin könnte die Airline dann die Plätze von Washington nach New York an andere Menschen verkaufen und mehr Geld machen. Aber nee. DAS ist Kapitalismus, Leute. Kapiert keine Sau.

Und offensichtlich ist das irgendwie normal, wie ich dann herausfinden sollte, als ich einer Freundin davon erzählte. Die reagierte darauf völlig stoisch, denn sie wusste folgende unbegreifliche Begebenheit zu erzählen:

Sie war in Frankreich in Urlaub und suchte nach Flügen zurück nach Deutschland. Sie fand einen Flug in eine Großstadt nahe der Heimat, allerdings war der sehr teuer. Sie suchte also weiter und fand einen Flug, der in eine Großstadt ging gut eine Stunde Fahrzeit entfernt von der nahen Großstadt, aber 100 Euro billiger war. Nach kurzem Ringen siegte der schmale Geldbeutel und sie buchte Flug 2.
Als sie sich nun einen Tag vor dem Flug ihr Ticket ansah, bemerkte sie, dass sie mitnichten einen Flug bis in Großstadt 2 gebucht hatte. Nein, der Flug endete in Großstadt 1 und der Rest der Strecke wurde per ICE zurück gelegt. Sie saß in EXAKT dem selben Flugzeug, das sie auch bei Flug 1 bestiegen hätte, nur dass der Flug MIT einer einstündigen Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug 100 Euro BILLIGER WAR ALS OHNE.

Logischerweise ist sie dann nicht in diesen blöden Zug Richtung weiter entfernte Großstadt gestiegen, sondern ist directamente vom Flughafen nach Hause gefahren. Und den ganzen Flug über musste sie sich schwer zusammen reißen, nicht jeden Fluggast zu fragen, ob er die teurere Variante gebucht hatte oder die billigere.

Da fällt man doch wirklich vom Glauben ab!

Darüber kann man sich nun entweder tierisch aufregen oder es schweigend genießen (oder, naja… einen Blogbeitrag drüber schreiben). Allerdings gibt es offensichtlich kein Angebot, das gut genug wäre, um nicht doch noch drüber zu meckern. So war vor ein paar Tagen für wenige Stunden ein Hin- und Rückflug in die USA über die Urlaubspiraten verfügbar, der sogar noch weniger als 200 Euro kostete.
Und da gibt es dann Kommentatoren, denen nichts besseres einfällt, als sich darunter darüber auszulassen, dass die Reisedauer bei solchen Flügen etwas höher ist. „Dann lieber einen Direktflug zum regulären Preis“ – holy shit. Wie viel ist der reguläre Preis, ca. 600 Euro mehr? Und das nur, um drei, vier Stündchen zu sparen? Wenn man so pingelig ist, warum treibt man sich überhaupt auf solchen Seiten rum?

Aber zurück zu normalen Leuten – also mir. Jedenfalls freute ich mich trotz allem über das Schnäppchen, bis Mitbewohner Dave die Bühne betrat. Der wäre im Leben nicht mitgeflogen, also haben wir ihn auch nicht gefragt. Das schien ihn jedoch zu nerven. Beleidigt wies er uns darauf hin, dass so ein billiger Flug ja eine mehr als beschissene Ökobilanz hätte. Etwas, an das ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht so wirklich gedacht hatte. Und außerdem sei es ja irgendwie nicht in Ordnung, von Fehlern der Airlines zu profitieren und überhaupt.

Nun, ich sehe das nicht so. In unserem Fall ist es ja kein Fehler, sondern saudummer Kapitalismus. Was natürlich im übertragenen Sinne schon ein Fehler ist. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man ein fehlerhaftes System nur dadurch zum Einsturz bringen kann, wenn man denen, die es gemacht haben, immer wieder seine Fehlerhaftigkeit in die Fresse haut. Wenn das System einen fickt, muss man zurück ficken.

Ist ja auch nicht so, als würde irgendein Managertyp, der achtzigmal im Jahr in die USA und zurück jettet, sich um seine Ökobilanz scheren.

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Silvesterparty: Die echten Katertipps!

Die Silvesterparty ist geplant, der Sekt ist kalt gestellt. Zeit für eine alljährliche Tradition in sämtlichen deutschen Medien: die „Tipps gegen den Kater“!

Und damit auch Zeit für meine alljährliche stumme Frage, ob Journalisten für solche Retoren-Artikel, die sie vermutlich irgendwann vor 10 Jahren geschrieben haben, um sie jedes Jahr zu Silvester und Karneval wieder verwursten zu können, tatsächlich Geld kriegen… aber darum soll es heute nicht gehen!

Ich pflege ja, was Alkohol angeht, ein Selbstbild als Koryphäe, stehe ich doch nun immerhin schon jobmäßig jahrelang hinter einem Zapfhahn und privat, tja, privat sage ich auch selten nein, wenn es zu einem lustigen kleinen Umtrunk kommt! Daher finde ich solche Artikel durchaus interessant.

Aber ich werde jedes Mal enttäuscht. Machen wir uns nichts vor: Solche Artikel (z.B. dieser) helfen nicht, sondern behandeln erwachsene Menschen wie Kleinkinder. So ist der einzig „nützliche“ Tipp, der sich aus solchen Ergüssen am Ende extrahieren lässt, der Ratschlag, einfach nicht so viel zu trinken.

Nicht so viel trinken. „Einfach“.

Aha.

dr-cox laughing

Tja, in welche große Tradition reiht sich dieser bahnbrechende Tipp nun ein? Das ist doch so, als würde man in einem Beitrag über Empfängnisverhütung tatsächlich Enthaltsamkeit als die wirksamste Methode anpreisen. Und was kriegt man durch solche Tipps? Na? Na??? Schwangere Teenager natürlich. Weil der Mensch sich genauso wenig vom Sex abbringen lässt wie der Deutsche vom Saufen.

Und damit zurück zu diesem unglaublich dämlichen „Tipp gegen den Kater“, bei dem der zuständige Autor einfach nur ganz klar das Thema verfehlt hat. Auch Tipps, den Kater durch die Auswahl richtiger Alkoholika zu reduzieren, sind kaum besser, denn das geht ebenfalls an der Realität vorbei. Nicht jeder mag sich trockenen Weißwein in den Schlund schütten, nicht jeder kann sich superreinen teuren Wodka leisten. Überhaupt, was ist das eigentlich für ne Einstellung? „Liebe Leser, wir wissen, Sie MÜSSEN Alkohol trinken, deshalb wählen Sie doch um Gottes Willen das kleinere Übel, Sie Schnapsnase, Sie.“  Als würde man jungen Frauen zur Verhütung raten, sich an alte übergewichtige Männer zu halten, weil die vielleicht schon mit Platzpatronen schießen!

Das ist so bevormundend! Erst ein ganzes Volk auf Biersauferei sozialisieren (Bierwerbung vor JE-DEM Fußballspiel!), Alkohol bis zum Ultimo verharmlosen (Fußballfunktionäre, die sich ihr Weizenbierglas an die Brust drücken, als wäre es ihr Erstgeborenes, hinter dem bei jedem Schluck ein „Keine Macht den Drogen“-Shirt zum Vorschein kommt!) und dann plötzlich gegen Jahresende ach so erwachsen daher kommen von wegen „Alkohol ist ja doch irgendwie ganz schön ungesund“! Oh, you don’t say?!)

Pfui, ihr Medien! Pfui!

Jedenfalls habe ich mich dieses Jahr entschlossen, dieser abwertenden Berichterstattung entschlossen entgegen zu treten. ICH verstehe vollkommen, dass ihr Alkohol an Silvester, der bekanntermaßen enttäuschendsten Party des Jahres, natürlich BRAUCHT, und selbstverständlich in genau der Form, die euch am liebsten behagt, egal wie zerstörerisch, billig oder ekelerregend sie ist! (Oh, dazu hätte ich ja was…!)

Denn „Tipps gegen den Kater“ sollten auch solche sein, nicht „Tipps gegen den Alkohol“! Also:

Was gegen einen echten Kater wirklich hilft

von Robin Urban, Koryphäe

Präventiv:
Ein allseits bekanntes Hausmittel bei Kater ist Hering. Unkorrekterweise geht die Allgemeinheit allerdings davon aus, der Hering müsse am nächsten Tag aufs Frühstückstablett. Falsch: Um einen Kater zu vermeiden, sollte der Hering VOR dem Saufgelage gegessen werden. Das Fett in diesem sehr fetten Fisch nämlich bindet den Alkohol und verhindert dadurch einen zu großen Trunkenheitsgrad.
Und wer aufgepasst hat, wird nun gemerkt haben, dass der Hering sich durch diese Erklärung als Katermittel völlig disqualifiziert. Denn wenn das Ziel „Vollsuff“ ist, kann etwas, das genau dem im Wege steht, ja schwerlich ein empfehlenswertes Mittel sein. Nein, das führt nur dazu, dass man NOCH MEHR säuft, um das Ziel zu erreichen. Ist ja nicht so, als hätte jeder ein bestimmtes Kontingent (z.B. fünf Bier, zwei Longsdrinks), das er niemals überschreitet, egal wie er sich danach fühlt.
Also: Vergesst Prävention. Damit könnt ihr leidlich kontrollieren, wie schnell ihr wie voll werdet, aber auf den Kater hat das keinerlei Einfluss.

Währenddessen:
Ein Tipp, den tatsächlich auch doofe Zeitungsartikel meistens auf die Reihe kriegen: Trinken, trinken, trinken! Natürlich nicht noch mehr Alkohol, sondern Wasser!
Denn viele Katersymptome, allen voran der berüchtige „Nachbrand“, also der unstillbare Durst am nächsten Morgen, entstehen durch Dehydrierung. Gerade auf privaten Silvesterpartys stellt es kein Problem dar, zu jedem Drink ein Glas Wasser zu ordern. In Discos oder Clubs empfehle ich dagegen aus Kostengründen den Gang zum Bad, wo man in unserem fortschrittlichen Land völlig umsonst Leitungswasser erhalten kann. Einfach eine leere Bierflasche schnappen, ausspülen, neu befüllen, trinken! „Zuviel“ gibt es hier nicht: Haut rein, so viel wie geht.

Danach:
Die Party ist um, ihr macht euch bettfertig (sofern ihr dazu noch in der Lage seid). Vielen Leuten wird jetzt erstmal kotzübel, wenn sie sich flachlegen. Und aus irgendeinem Grund denken viele Leute jetzt „Ach Gottchen, ich kann doch nicht kotzen gehen!“ – und verharren in dieser schrecklichen Lage stundenlang, bis sie doch irgendwie einschlafen können.
Liebe Leute: Brechreiz ist ein Zeichen eures Körpers, dass er auf das Gift Alkohol genau so reagiert, wie er reagieren sollte. Wenn ihr übertrieben habt (und niemals würde ich euch dafür verurteilen!) und er euch das auf diese Weise kommuniziert, dann tut ihm den Gefallen und geht kotzen. Lasst es raus. Niemand verleiht euch einen Orden, wenn ihr es mit Gewalt drin behaltet. Ihr werdet euch danach besser fühlen – und auch der Kater am nächsten Tag ist wesentlich angenehmer!
Falls es soweit nicht gekommen ist, dann beherzigt auch hier wieder den Universaltipp: Wasser! Denn ihr habt im Laufe des Abends trotz aller Vorkehrung niemals so viel zu euch genommen, wie der Alkohol euch entzogen hat. Setzt also vor dem Schlafengehen eine Flasche Wasser an den Hals und kippt sie weg. 1,5 Liter auf Ex ist machbar! Macht euch keine Sorgen, dass ihr deswegen nachts achtmal pinkeln gehen müsst – eure Zellen saugen das schon weg und sind euch sehr dankbar!
Und jetzt noch ein Tipp, den mit Sicherheit jemand ganz schrecklich finden wird:
Alkohol führt zu einem unruhigen Schlaf und kann bei einem gewissen Pegel sogar aufputschend wirken. Folge: Ihr wacht völlig gerädert nach vier Stunden Schlaf auf, weil euer Promillewert in dieser Zeit nach unten gerattert ist und genau diesen Pegel erreicht hat. Darum ist der nächste Tag geprägt von einer lustigen Mischung aus völliger Erschöpfung und der Unfähigkeit, weiter schlafen zu können. Hier könnt ihr euren Körper ein bisschen austricksen, indem ihr vor dem Schlafengehen beruhigende Mittel einnehmt wie beispielsweise Baldrian. AUF KEINEN FALL RICHTIGE SCHLAFTABLETTEN. Rezeptfreie Mittel können hier helfen, den Suffschlaf erholsamer zu machen und zu verlängern. Von rezeptpflichtigen Medikamenten ist in Verbindung mit Alkohol dagegen selbstverständlich die Finger zu lassen!

Der Tag danach:
Hier ist es nun, the real Hangover. Wenn ihr euch genug gewässert habt, werdet ihr bereits eine Verbesserung zu sonst feststellen – aber vermutlich seid ihr dennoch weit entfernt von „gut“.
Will man dem Kater den totalen Overkill verabreichen, braucht ihr drei Dinge:
– Elektrolyte
– Vitamine
– Mineralien

Also trinkt:
– eine Tasse Brühe (gerne kalt)
– ein Glas Orangensaft (gerne frisch gepresst)
– ein Glas Magnesium (als Brausetablette)

Danach sollte es euch schon wesentlich besser gehen. Dennoch verrate ich euch noch meinen Specialtipp: Meine exklusive Teemischung, die ich eigentlich täglich trinke, die sich allerdings für Kater ganz besonders gut eignet.

Ihr braucht:
– 2 Teebeutel Grüntee
– 3 Teebeutel Pfefferminz
– 1 Zitrone
– 1,5 Liter kochendes Wasser

Tee nach Anleitung kochen, Zitrone reinquetschen, fertig. Gerne auch schon einen Tag vorher zubereiten, damit er schön kalt und erfrischend ist. Es gibt nichts besseres. Grüner Tee ist ohnehin so ziemlich das gesündeste, was man trinken kann. Das darin enthaltene Koffein macht munter und die Gerbstoffe putzen den Magen. Der Pfefferminz sorgt für die nötige Frische und die Zitrone für die Entgiftung und noch mehr Vitamine. Und voll lecker ist er auch! (Finde ich zumindest)

Der weitere Tag danach:
Richtig gut wäre jetzt noch ein Spaziergang an der frischen Luft. Aber wir wollen mal nicht unrealistisch sein. Bestellt euch also eine richtig fette Pizza, gammelt euch mit Freunden auf die Couch und kuckt ein paar echt doofe Filme – und schon ist der Kater plötzlich gar nicht mehr so schlimm!

Sauft Silvester, dankt mir Neujahr! Prost!

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Auf der falschen Seite der Theke – ein WM-Finale als Kellnerin

„Du hast noch ne Reservierung für zehn Leute auf Tisch 4 für 20 Uhr,“ teilt mir mein Chef gut gelaunt mit. Ich bestätige die Reservierung, lege auf und starre aus dem Fenster in den Regen.

Klar muss es heute regnen! Damit das Public Viewing auch schön ins Wasser fällt. Für mich als Kellnerin bedeutet das leider, dass viel mehr Menschen in die Kneipen strömen werden, um sich das WM-Finale anzusehen. Einfach zuhause bleiben ist bei einem solchen Spiel für die meisten keine Option.

Mein Chef hat einen Bierstand beim Public Viewing ergattert und sämtliche Kolleginnen dort eingeteilt. Einzige verfügbare Kellnerin für die Kneipe: ich. Alleine.

Diesem Schicksal konnte ich nicht entgehen – so sehr es mich auch ankotzt. Viel lieber wäre ich heute auf der anderen Seite der Theke, um unser Team zu feiern. Je näher die Öffnung der Kneipe jedoch rückt, desto mehr freunde ich mich mit dem Gedanken an. Wenn meine Kinder mich in 20 Jahren fragen, wo ich beim Finale 2014 gewesen sei, kann ich sagen, dass ich hinter der Theke gestanden und den Laden geschmissen habe. Eigentlich ist das doch irgendwie cool.

So halbwegs versöhnt mache ich mich ein paar Stunden später auf den Weg zu meiner Arbeitsstelle. Schon von weitem sehe ich eine Traube Menschen, die aufgeregt vor der Kneipe warten.
Und sämtliche positiven Gefühle fallen in mir zusammen.

„7 Uhr macht ihr auf, oder?!“ werde ich sofort aufgeregt bestürmt. „Wir haben reserviert!“
Ich kenne den Typen: ein Stammgast, der oft bei Fußballspielen anwesend ist. Ich starre ihn perplex an. „Ja – für um halb 9!“
„Dein Chef hat uns gesagt, ihr macht um 7 auf und da dachten wir…!“

Ich antworte nicht. Noch nicht mal den Laden aufgesperrt und schon bin ich richtig sauer! Wie kann der mir das antun?! Wenn er den Gästen sagt, dass wir um 7 aufmachen, dann soll er doch bitte MIR sagen, dass ich schon um halb 7 kommen soll!

Ich öffne und betrete den Laden, hinter mir eine kleine Karawane. Es ist dunkel, nur das Notlicht brennt, aber das stört die Leute nicht. Eilig mache ich das Licht an.
„Wir stören jetzt irgendwie, ne?“ fragt einer. Ungeachtet dessen sitzt die Hälfte schon.
„Nee, aber ich brauch grad fünf Minuten, sorry!“

In fliegender Hast erledige ich alle nötigen Handgriffe, Kaffeemaschine an, den Stickstoff für die Zapfanlage aufdrehen, Stereoanlage an, Spülmaschine auch. Deren Anblick macht mich noch mehr sauer – die braucht nämlich eine halbe Stunde, bis sie auf Temperatur ist. Was scheiße ist, denn ich werde sie dringend brauchen! Und die Gläser von gestern Abend hat der Chef auch stehen lassen. Meine Fresse!

Im Abstellraum liegen ein paar Original-WM-Trikots. Die bekamen wir von einer Brauerei zum Verlosen. Eins davon packe ich aus und ziehe es an. Männergröße XL, viel zu groß für mich, außerdem wird es darin sicher megaheiß werden, aber es nicht zu tragen geht gar nicht klar, ein bisschen WM-Feeling will ich selbst auch noch haben. Ich kremple die Ärmel hoch und stopfe eine Ecke hinter meinen Gürtel. So wird’s gehen.

Jetzt das Wichtigste: die blöden Fernseher. Zwei Stück haben wir, dazu noch einen Beamer, insgesamt fünf Fernbedienungen. Ich fummle so lange rum, bis ich das richtige Sky-Programm gefunden habe. Der Chef hat mir nie erklärt, wie das geht.

Endlich fertig, die Leute werden schon ungeduldig. Ich renne zum ersten Tisch, verscheuche dabei gleichzeitig noch ein paar Typen von Tisch 4, weil der ja reserviert ist, aber ich hatte ja keine Zeit ein Schild hinzustellen.
Am Tisch nehme ich die Bestellung auf. „Malzbier“ „Erstmal Cola“ „Weißbier“ „KiBa“ „Alt“ „Flaschenbier“ „Radler mit viel Sprite“ – mein Gott, können die nicht einfach alle Pils trinken?

Wenigstens enttäuschen mich die anderen Typen nicht, die einen neuen Platz gefunden haben. „Ein Pils“ – vier Männer, ein Wort! So kann ich unseren 5-Liter-Biertower anpreisen, dann wären die schon mal versorgt. Sie wollen drüber nachdenken.

Während ich die Getränke fertig mache, tauchen noch fünf Leute für den reservierten Tisch auf. Von wegen halb 9. Die wollen natürlich auch was trinken. Auch das bringe ich sofort. Ich nutze die Gelegenheit, mich für meinen etwas ruppigen Ton vor der Tür zu entschuldigen. „Aber ich bin heute alleine und mein Chef hätte…“ „Du bist heute ALLEINE?!“

Ich ernte erstes Mitleid.

Es kommen mehr Leute. Trotz „Reserviert“-Schildchen muss ich den letzten Tisch ständig verteidigen. Viele Leute gehen auch wieder, weil sie keinen Platz finden. An der Theke sitzen jetzt auch schon zwei, ein wortkarger Stammgast und ein Typ mittleren Alters, der sich sofort beschwert, es würde kleben. Ich renne mit Reinigungsmittel und einem Tuch hin, kann aber absolut nichts klebriges entdecken. Der Typ bläst die Backen.

Anruf, mein Mitbewohner. Er will wissen, ob für ihn, Mitbewohner zwei und einen weiteren Typen noch Platz ist. Ich biete ihnen die Theke an, sie sind einverstanden. Schnell stelle ich auch dort ein „Reserviert“-Schildchen hin. Mein Chef würde ausflippen, wenn er das sieht – an SEINER Theke dürfen immerhin nur SEINE Stammgäste sitzen. Aber die sind nicht da, gucken heute woanders und solange ich arbeite (alleine!!) bestimme ich, wer wo sitzen darf.

Auch diese Reservierung muss ich öfter verteidigen. Es ist inzwischen 20 Uhr, die ersten 100 Euro hab ich bereits verdient. Der zweite reservierte Tisch im Schankraum taucht pünktlich auf, alle anderen Tische sind nun ebenfalls proppenvoll, jeder einzelne Sitzplatz ist inzwischen belegt. Ich schwitze bereits heftig unter meinem Trikot, renne aber weiter tapfer gegen den Ansturm an.

Die Pilstrinker haben ihre erste Runde leer. „Wie ist das denn mit dem Biertower – kriegen wir den zur Feier des Tages ein bisschen billiger?“
Ich öffne den Mund und will anfangen zu diskutieren, aber dann seufze ich einfach nur „Ach, warum nicht…“ Je mehr Leute kommen, umso angepisster bin ich wegen der Situation. Wenn mein Chef nicht will, dass ich Nachlass gebe, soll er mich nicht allein da stehen lassen!

Anruf, wieder mein Mitbewohner. Es werden jetzt doch ein paar mehr Leute. Ich sage ihm, dass dann vermutlich einige stehen müssen, aber das ist ihm egal. Außerdem bitte ich ihn dringend, sich zu beeilen, denn ewig werde ich die Theke nicht mehr frei halten können.

Sie tauchen gerade noch rechtzeitig auf. Zwölf Leute. „Mann, tust du mir leid!“ ist so ziemlich das erste, was mein Mitbewohner sagt. Der andere, den ich genau hier hinter dieser Theke kennen gelernt habe – ein ehemaliger Kollege – murmelt mit Blick in den Schankraum einfach nur „Oh Mann…“

Höchste Zeit, unsere beschissene Verlosung vorzubereiten. Nach dem Anpfiff gilt es ja nicht mehr. In fliegender Hast beschrifte ich ca. 50 Lose und verteile sie. Die Leute müssen das Ergebnis tippen und wer richtig liegt, bekommt einen Preis. Eigentlich sind noch genug da, weil bisher kaum jemand richtig getippt hat, aber mein Chef will trotzdem nur ein Trikot rausrücken. Er meinte, wenn ich mehrere Gewinner habe, soll ich losen. Klar, ER hat ja auch nicht den Stress am Hals, wenn einer richtig getippt hat und erfährt, dass er nun doch nichts kriegt…! Ich versuche trotzdem, allen Anwesenden die Spielregeln so gut es geht zu erklären.

Unser Putzmann taucht mit einem Kumpel auf. Sie bestellen jeder ein Bier und wirken beleidigt, weil die Theke belegt ist. Ich jedoch bin unglaublich froh. Dieser Kumpel ist mir schon mehrmals bei anderen Fußballspielen mit Naziparolen aufgefallen, aber weil er ein riesiger Kerl ist und im besoffenen Zustand unglaublich aggressiv, hat mein Chef sich nie getraut, ihn deswegen rauszuschmeißen. ICH könnte das allerdings nicht einfach so hinnehmen, weshalb ich erleichtert bin, dass beide ihr Bier runterstürzen und wieder gehen.

Das tun auch viele andere Leute, die sehen, dass der Laden voll ist. Heute könnte die Kneipe locker dreimal so groß sein.

Ein paar Leute wollen Pizza bestellen vom Italiener nebenan. Ich sage, dass der heute zu hat. Ich habe keine Ahnung, ob der heute zu hat. Ich kann aber nicht auch noch Pizza servieren.

Ich habe ungefähr fünf Sekunden Luft, Zeit, endlich mal was zu trinken. Ich bin am Verdursten. Im Laden sind locker 28 Grad. „Was ist denn da-has?“ fragt eine Bekannte meiner Mitbewohner mit feixenden Blick auf mein Glas. „Tee!“ blaffe ich. Es ist wirklich kalter Tee mit Eiswürfeln. Grün, weil ich das Koffein dringend brauche.

Der Anpfiff nähert sich. Die Leute vom reservierten Tisch grölen irgendwelche Fußballlieder. Schon seit einer Stunde werde ich ständig von denen angehauen, ich solle lauter drehen. Mehrmals habe ich dieser Bitte schon entsprochen, es reicht immer noch nicht. Als die Mannschaften einlaufen, brüllt der halbe Tisch gleichzeitig „LAUTER!!!“

„Es wäre laut genug, wenn ihr einfach eure Schnauze halten würdet“, zische ich bei meiner Rückkehr hinter die Theke. Ich habe genug. Ich reiße den Lautstärke-Knopf nach oben, der Krach ist nun infernalisch. Dafür kriege ich stehenden Applaus.

Ich muss feststellen, dass ich nun, da es so laut ist, die Bestellungen nicht mehr hören kann. In mir drin stirbt etwas. Heimlich drehe ich wieder ein bisschen leiser, keiner merkt es.

Nationalhymne. Die eine Hälfte der Gäste singt mit, die andere Hälfte schürzt angewidert die Lippen. Ladies and Gentlemen: Deutschland.

Ich bitte meinen Mitbewohner, einen Kasten Weißbier holen zu gehen. Er weiß ja, wo alles ist. Er erledigt das schnell. Dann räumt er noch die Spülmaschine aus, weil sich die dreckigen Gläser inzwischen stapeln, und räumt sie wieder ein. Bevor er vor die Theke zurück kehrt, umarme ich ihn stürmisch. Der Stammgast an der Theke lacht.

„Sag mal, bist du alleine?!“ fragt mich eine Frau im Schankraum. Ich nicke, sie schüttelt fassungslos den Kopf.

Das Spiel läuft schon seit einer Viertelstunde, noch habe ich kein Fitzelchen davon gesehen. Hinter der Theke sehe ich den Fernseher nicht. Die Leute bestellen nun etwas weniger, wie immer, wenn ein Fußballspiel läuft. „Noch eine komplette Runde drehen, dann guck ich selber mal 10 Minuten,“ nehme ich mir vor. Die Runde dauert ebenfalls eine Viertelstunde. Eigentlich könnte ich danach direkt wieder von vorne anfangen, aber ich beschließe, mir jetzt mal eine Pause zu gönnen. Mit einer Zigarette stelle ich mich zu meinen Mitbewohnern an die Theke. 10 Minuten hatte ich mir vorgenommen. Nach knapp vier Minuten ist meine Zigarette aufgeraucht und mein schlechtes Gewissen immens. Also wieder zurück.

Trotz der Hilfe meines Mitbewohners werden die Biergläser knapp. Wenn ein Tisch so voll ist, wie heute alle Tische voll sind, komme ich nicht an die benutzten Gläser ran. Die meisten Gäste denken auch nie daran, sie vielleicht mal dort hinzustellen, wo ich sie auch erreichen kann.

Ich überlege noch, wie ich das Problem lösen soll, als die Kopfschüttel-Frau zu mir kommt. „Sag mal, würde es dir helfen, wenn wir dir ein paar Gläser einsammeln?“
Die Rettung! Sie und ihre Freunde bringen alle ihre gebunkerten und unerreichbaren Gläser, ein paar andere tun es ihnen gleich.

Halbzeit. Ein allgemeiner Strom Richtung Klo setzt ein. Endlich Lücken, durch die ich passe und Gläser einsammeln kann. Die vier Pilstrinker bestellen ihren zweiten 5-Liter-Biertower.

Ich arbeite nun schon drei Stunden unter Volldampf und fange an, Fehler zu machen. Drei Weißbier und ein Weißbier mit Cola sind bestellt, ich mache ein Weißbier und drei Weißbier mit Cola. „Scheißeee,“ murmle ich, was jetzt? Ein Liter Bier einfach wegkippen?
Ich bringe den Leuten das Ergebnis trotzdem, zwei kriegen ihr Bier halt mit Cola, keiner beschwert sich.

Wir sind bereits in der 60. Minute. Ich habe immer noch nichts mitgekriegt, glaube aber ständig, was zu verpassen. Bei jedem noch so kleinen Run Richtung Tor schreit die Menge auf. Und sobald der Neuer den Ball auch nur berührt, egal wie lasch der Schuss war, gibt es „Manuuu!!“-Rufe und Applaus.

Überhaupt applaudieren alle pausenlos. Oft direkt neben meinem Ohr. Das pfeift inzwischen kräftig. Wie wird das erst, wenn wir wirklich ein Tor schießen?
Zeit für meinen alten Disco-Trick: Ohrstöpsel aus Taschentüchern basteln. Dafür reißt man eine Ecke ab, kaut sie und steckt sie sich ins Ohr. Isoliert gut und hält besser als normale Ohrstöpsel!

Ich komme mit neuen Bestellungen zur Theke. „Beliebigen Knopf drücken,“ empfängt mich jemand.
„Hä?“
„Das steht da! Robin, der Fernseher schaltet sich gleich ab!“
Nicht der Fernseher, sondern der Receiver!!! OMG, die automatische Abschaltung nach drei Stunden!!! Das wollte der Chef doch deaktivieren!!!

Ich springe zur Stereoanlage, oh mein Gott, welche Fernbedienung ist die richtige, was kann ich drücken, ohne alles kaputt zu machen, einfach mal einen Kanal hoch und…

„EEEEY!!!!!“ brüllt der ganze Laden wie ein Mann auf. Ich ziehe den Kopf ein und drücke wieder zurück. Kollektives Aufatmen. „Hat geklappt,“ wird mir vergnügt mitgeteilt. Ich lächle hilflos.

Die 80. Minute nähert sich, mein Gott, wenigstens die letzten Minuten würde ich doch gerne sehen… ich nehme letzte Bestellungen auf. „Ähm, danach bin ich mal 10 Minuten am Gucken…“ „Mach nur, wir werden schon ne Viertelstunde auskommen, ohne zu Verdursten.“

Verständnisvolle Gäste.

Das Spiel geht in die Verlängerung, das gleiche gilt für mich. Ich finde eine halbe Minute Zeit, um mal die Lose durchzusehen. Eigentlich zählt das Ergebnis nach 90 Minuten, aber ob jemand wirklich 0:0 getippt hat…?
Ich finde einen Zettel, bei dem ich nicht beschwören könnte, ob die Zahl bei Deutschland eine 0 oder eine 3 ist. Auch das noch! Eine kurze Umfrage an der Theke ergibt aber, dass es eine 3 sein muss. Also kein Gewinner, dann zählt das Endergebnis, beschließe ich.

Zwei Fässer geht mein Mitbewohner mir wechseln, worüber ich sehr dankbar bin.

Halbzeit der Verlängerung, so, die zweite Hälfte sehe ich mir jetzt aber WIRKLICH an! Ein Kumpel meiner Mitbewohner bestellt noch ein Alt. „Das mach ich noch, dann guck ich selber,“ teile ich ihm überzeugt mit. Er lächelt, redet kurz mit seiner Freundin, dreht sich wieder um, als ich ihm ein Alt hinstelle und sagt: „Machst du noch ein Radler?“

Nach dem Radler dann vor die Theke. Ich darf sogar sitzen. Es ist die 110. Minute. Ich rauche und trinke kalten Tee.

Dann macht Götze sein Tor und der Laden explodiert. Alle feiern, ich feiere mit. Was für ein schönes Tor!!

„Yay, wir sind Weltmeister!“ singt eine Bekannte neben mir, obwohl das Spiel noch läuft. Ich sage ihr, dass sowas Unglück bringt, obwohl ich es selber glaube.

10 Minuten und einen lächerlich schlechten Freistoß von Messi später ist es dann soweit. Keinen hält es mehr auf seinem Stuhl. Wir schreien und umarmen uns, ich höre Glas klirren, es ist mir egal. Im Schankraum falle ich mehreren Leuten um den Hals, dann stürme ich hinter die Theke und mache Freischnaps für alle klar. Das ist mit dem Chef nicht abgesprochen, auch das ist mir egal.

Der ruft kurz darauf an. In diesem Moment bin ich zu happy, um sauer auf ihn zu sein. Er spricht mir seine Hochachtung aus, weil ich schon vor dem ersten Spiel gesagt habe, dass wir Weltmeister werden, und er sich zusammen mit sämtlichen fußballbegeisterten Stammgästen deswegen über mich lustig gemacht hat. Er billigt außerdem meine Freirunde.

Ich bin mega gut drauf, aber das hält nicht lange an. Die Leute feiern, keiner sitzt mehr. Kein Durchkommen. Unmöglich, da überhaupt zu bedienen oder einzelne Leute noch ihren Tischen zuzuordnen. Einige könnten sogar schon gegangen sein. Wie lange das wohl noch geht? Ich habe so viel Geld in der Kasse, aber noch nichts abkassiert. Das macht mir Angst.

Glücklicherweise zieht es die Leute zwar nach draußen, aber nicht alle auf einmal. Ich kassiere das erste Dutzend ab. Wie erwartet bei so glücklichen Menschen klingelt die Trinkgeldkasse. Es sind aber tatsächlich ein, zwei dabei, die megageizig sind. Zum Beispiel hat der Typ, der sich über die klebrige Theke beschwert hat, die gar nicht klebrig war, zusammen mit seinem Kumpel 43,80 Euro zu bezahlen. Erst motzen sie, das könne ja nicht sein (kann es), dann geben sie 45 Euro. Und eine Tussi gibt doch tatsächlich gar nichts. Das macht mich ein bisschen fassungslos. Dafür gibt eine andere 7 Euro, „Weil du das heute so toll gemacht hast!“ Das höre ich noch mehrmals. Ich freue mich.

Es wird Zeit für die Siegerehrung. Drei Leute hatten 1:0 getippt. Hm, und jetzt? Anruf bei Chef. Der ist so gut drauf, dass er ALLEN einen Preis gönnt. Zwei Trikots haben wir noch (plus das, was ich trage – aber das ist inzwischen sehr versaut), dazu ne DFB-Stranddecke. Ich gehe alles holen, lasse die Gewinner Streichhölzer ziehen und übergebe die Preise.

Immer mehr Leute bezahlen und gehen. Ich bin sicher, dass genügend bereit stehen, um nachzurücken – aber ich hatte schon vor Stunden beschlossen, nach dem Spiel dicht zu machen. Ich kann nicht mehr. Der Chef hätte heute das Geschäft seines Lebens machen können, hätte er mir noch eine Kollegin zur Seite gestellt – so ist jetzt Feierabend.

Einer der Typen, der gewonnen hat, bedankt sich am Ende überschwänglich für das Trikot. 80 Euro kosten die Dinger. Oder kosteten sie zumindest bis gestern – jetzt fehlt ja ein Stern. Ich lächle ihn an. Trinkgeld hat er nicht gegeben.

Die Leute, die schon vorher so nett waren, bestehen darauf, mir zu helfen, indem sie sämtliche Gläser zusammen räumen. Die Kopfschüttel-Frau lässt sich von mir die Mailadresse der Kneipe geben. Sie will sich bei meinem Chef beschweren, weil er mich allein hat stehen lassen. Viele andere Gäste teilen mir mit, wie geil ich den Laden geschmissen habe. Ich fühle mich wie die Weltmeisterin im Kellnern.

Ein Stammgast macht noch Stress, weil er betrunken immer aggressiv wird und findet, ich hätte mich einfach weigern sollen, so zu arbeiten. Einerseits findet er, ich hätte mich gar nicht so reinhängen sollen, andererseits ist er sauer, dass er nun bald gehen muss, weil ich schließe. Wir streiten uns ein bisschen, am Ende wankt er angepisst heim.

Ich schließe hinter ihm ab. Nur noch ein einziger Stammgast ist da, ein richtiges Schätzchen. Zu dem setze ich mich. Erstmal Pause vorm großen Aufwisch! Endlich in Ruhe rauchen, endlich auch mal ein Bier trinken!

Wir sitzen friedlich da und sehen uns ein bisschen Nachberichterstattung an, als mein Chef reingewankt kommt. Die Stände beim Public Viewing mussten schon um 1 Uhr schließen. Deutschland.

Seit unserem letzten Telefonat hat er es geschafft, sich komplett volllaufen zu lassen. Als er hoch zur Theke kommt, stolpert er gegen einen Barhocker und schiebt ihn beiseite. „Jetzt komm ich vom Stand und muss hier auch noch selbst die Stühle zusammen stellen,“ grummelt er. Für einen Moment würde ich ihn gerne umbringen.

Der Stammgast verabschiedet sich, der Chef setzt sich an einen Tisch, den ich schon gewischt habe. Vermutlich will er noch bedient werden, aber nee. Ich ignoriere ihn und beginne, die Zapfanlage sauber zu machen. Wenig später schwankt er heim.

Ich räume weiter auf, während die Nachberichterstattung weiter läuft. Um 3 Uhr endet sie und eine Wiederholung des Spiels fängt an. Na sowas!

Ich muss nur noch das Leergut wegbringen und alle Getränke auffüllen, dann setze ich mich an die Theke. Während das Spiel läuft, zähle ich die Kasse. 750 Euro zähle ich, das wären 250 Bier, wenn denn alle nur Bier getrunken hätten, fast alles davon in nur fünf Stunden.

97 Euro Trinkgeld, das bricht meinen persönlichen Rekord.

Eigentlich wollte ich schnell raus, damit ich noch ein bisschen mitfeiern kann, aber das Spiel fesselt mich. Ich mache mir noch was zu trinken und hole mir eine Packung Kneipenchips, weil ich jetzt erst merke, wie hungrig ich bin, dann sitze ich allein an der Theke in der leeren Kneipe und sehe mir das WM-Finale an.

Als das Spiel abgepfiffen und der Pokal überreicht wird, weine ich ein bisschen.

Trikot4

Ich bin ein gottverdammtes Genie!!! :D

Die Wochen der seelischen Folter sind vorbei – meine Examensarbeitsnote ist da und es ist eine phänomenale

2,0!!!

coolcoolcool
Und damit bin ich endlich FREI!!!

freude2

Als ich heute mittag müßig die Notenseite checkte – müßig deswegen, weil ich seit zwei Wochen jeden Tag mehrmals reingesehen habe und sich die Panik deswegen irgendwann ein bisschen abgenutzt hatte – dachte ich, ich flieg weg!!! Sofort rannte ich meinen Studentenausweis holen und checkte meine Matrikelnummer ungefähr achtzigmal. Dann rannte ich aus meinem Zimmer.

„Dave! Dave!!!“ brüllte ich.
Dave war arbeiten. Dafür öffnete sich die Badezimmertür und ein völlig irritierter Mitbewohner David starrte mich an, seine Zahnbürste noch im Mund. Ich riss ihn trotzdem in eine Umarmung und verkündete ihm die Botschaft. Und er so:

batman augen

„Hast du die Nummer auch richtig gelesen?“ fragte er verdattert. Denn es ist wahr, Leute – meine geschätzten Mitbewohner trauen mir null zu 😀

Sie hatten das gesamte Massaker ja mitgekriegt. Meine, sagen wir, etwas unkonventionelle Art, mit Stress und Arbeit umzugehen, erweckte bei ihnen offensichtlich den Eindruck, dass meine Examensarbeit ein Megafail wird. Sowieso hab ich ja schon mehrmals das Gefühl gehabt, von beiden für ein bisschen blöd gehalten zu werden. Deshalb war der Highfive, den ich nach Abgabe bekam, auch irgendwie bitter.

Mitbewohner Dave: „Super, dass du das noch geschafft hast.“
Ich: „Hättste nicht gedacht, ne?“
Mitbewohner Dave: „Ganz ehrlich? Nein.“

bitch please

Nach der Abgabe folgten mehrere Wochen Panik und elendes Warten. Irgendwie machte der Umstand, dass der Wisch, der mir die fristgerechte Einreichung bestätigt hatte, offiziell verkündete, die Korrektur würde nur sechs Wochen dauern, alles sogar noch schlimmer!

Dann bekam eine Freundin von mir ihre Note sogar schon nach knapp fünf Wochen. Es war leider nur eine 3,7. Ganz bitter. Wobei ich ihr Thema unglaublich unspannend fand und ich nicht verstehen konnte, weshalb sie das überhaupt gewählt hat.
Sie hatte aber auch in Geschichte geschrieben, weswegen mich diese Nachricht komplett fertig machte. Zwar bei einem anderen Dozent, aber trotzdem… in dem Moment begann ich mich selbst dafür zu hassen, diesen Prüfer gewählt zu haben. Einen Dozenten, der Seminare anbietet, an denen man früher nur bei besonders guter Leistung teilnehmen durfte, während inzwischen nach der Bologna-Reform natürlich jeder reinkommt. Ich muss doch komplett verrückt gewesen sein, dachte ich.

Ich konnte mich selbst überhaupt nicht einschätzen. Aber wie gesagt, die Mitbewohner waren sich meines Misserfolges sicher. Deshalb meinte Mitbewohner Dave einige Wochen nach Abgabe aus heiterem Himmel vergnügt, er würde mir einen Kasten Bier zu kaufen, wenn ich mindestens ne 2 hätte.

Ich: „Aber ich trink doch überhaupt nicht gerne Bier.“
Mitbewohner Dave: „Okay, was dann?“
Ich: „Hm, ne Flasche Rum?“
Mitbewohner Dave: „Pfft, total billig. Dein Ernst?“
An dieser Stelle merkte ich, dass er sich seines Wettsieges SEHR sicher war, also erhöhte ich den Einsatz gnadenlos: „Okay, ne Flasche Glenfiddich dann.“
Mitbewohner Dave: „Hehe, alles klar.“
Ich: „Aber wie meinst du das genau, was besseres als ne 2… meinst du von 1,0 bis 2,0 oder alles unter 3,0?“

Dave antwortete nicht. Er lachte. Mitbewohner David lachte auch. Und Daves Freundin.

An dieser Stelle merkte ich, dass sie allein die Vorstellung, ich könnte etwas besseres als ne 3,0 kriegen, für absolut lächerlich hielten.

rudy sarkastisch2

Mitbewohner Dave bekam dann auch seine Note. Ne 1,7. Super, würden manche sagen. Aber auch wenn er sich dazu nicht äußerte, merkte man deutlich, dass er innerlich kochte. Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der so unglaublich viel für die Uni arbeitet. Dementsprechend erfolgsverwöhnt ist er auch. Und nur deswegen wird ihn meine Note sowas von ärgern. Er hat so viel länger daran gearbeitet als ich und ist nun nur unwesentlich besser. Tja. Keks?

Vielleicht, weil er selbst von sich mehr erwartet hätte, meinte er nachdem er von seiner Note erfahren hatte zu mir, dass meine Arbeit ja allein schon wegen den ganzen Tippfehlern unmöglich etwas besseres als ne 3 sein könnte. Ich hielt das für Quatsch. Ich hab ja nicht in Germanistik geschrieben, wo jeder noch so kleine Fehler dem Prüfer einen halben Herzinfarkt beschert hätte. Zwar wird in jedem Fach die Rechtschreibung und die äußere Form mitbewertet, aber vermutlich nur in Form von Punkten. Macht man zu viele Fehler, kriegt man halt keine Punkte dafür und geht… keine Ahnung, vielleicht 0,3 Notenpunkte nach unten? Viel mehr schätze ich nicht.

Jedenfalls saß ich deswegen seit zwei Wochen auf glühenden Kohlen und wartete ständig auf ein Ergebnis. Die Uniseite zu checken war jeden Tag das erste, was ich morgens tat, wenn ich aus dem Bett kroch. Problem dabei war, dass ich meine Matrikelnummer nicht auswendig kann. Das führte letzte Woche oder so zu einem völligen Kollaps. Für ein paar Sekunden habe ich doch tatsächlich geglaubt, ich hätte mit einer 4,3 die bisher schlechteste Note von allen abgeliefert. Wie scheiße wäre das bitte gewesen?! Ich wusste nicht mal, dass das überhaupt möglich ist. Ich dachte, alles über 4,0 wäre automatisch durchgefallen. Natürlich war ich nach diesem Schock hellwach mit einem Puls von 180!!
Am selben Tag später der nächste Schock: Dieses Mal stimmten sogar die ersten drei Zahlen mit meiner Matrikelnummer überein. Eine 1,7!!! Das wäre natürlich ein Traum gewesen. Aber auch dieser Schock ging vorüber und ich musste weiter warten.

Die Analyse meiner Reaktionen hatte mir allerdings gezeigt, dass ich eine gute Note für wahrscheinlicher hielt als eine schlechte. Auch wenn ich mir das selbst irgendwie nicht eingestehen wollte. Verdammte Sozialisation, die jeden Anflug von Stolz mit einem herrischen „Sei nicht so arrogant!“ im Keim erstickt hatte!

Ab Donnerstag war ich dann auf einem Festival (Bericht folgt irgendwann). Freitags wollte ich meine Note checken, aber niemand hatte Internet, also rief ich Mitbewohner David an.
„Willst du das wirklich jetzt wissen? Willst du nicht lieber das Wochenende genießen?“

you suck telefon

Er schaffte es jedenfalls nicht, sich mit meinen Daten einzuloggen, also hatte sich das auch erledigt.

Gestern waren dann schon ganz genau SIEBEN WOCHEN rum und immer noch nichts. Ich fing an, am gesamten Unibetrieb zu zweifeln. Aber heute dann… naja, ich erwähnte es bereits 😀 😀 😀

Jetzt die Frage: Bin ich mit der Note zufrieden? Kurze Antwort: JA. Lange Antwort: Ja, ABER…

Eine 2,0 ist ne 2 plus. Mitbewohner David fand das nicht.
„Ne 2,0 ist ne glatte 2.“
Ich: „Stimmt nicht! Kuck doch, ne 1,0 ist ne 1 plus, ne 1,3 ist ne 1 und ne 1,7 ne 1 minus, demnach ist eine 2,0 ne 2 plus!“
Ich weiß nicht, ob ich ihn überzeugt hat oder ob ihm die Diskussion zu anstrengend geworden ist. Egal. Jedenfalls finde ich ne 2 plus gut, auch wenn es Zeiten in meinem Leben gegeben hat, in denen jede 2 plus mit einem „Was war denn da los?“ seitens meiner Eltern quittiert worden ist. Legen wir jetzt zugrunde, in welcher Zeit ich vor allem den Schluss zusammen gestoppelt habe, kann ich mich echt sowas von gar nicht beschweren. Aber trotzdem – einen Abzug wegen ein paar blöden Tipp- und Grammatikfehlern habe ich auf jeden Fall bekommen… und das wäre definitiv vermeidbar gewesen. Das nagt jetzt irgendwie schon an mir. Andererseits, ICH weiß ja, dass die Note dann eigentlich hätte besser sein müssen und das ist alles was zählt, oder? Ich meine, wen interessiert schon das blöde Kultusministerium, das mir später eine Stelle auf Grundlage meiner Abschlussnote zuweisen wird?

Ja, liebe Kinder, so fällt jede kurzzeitige Euphorie irgendwie doch ziemlich schnell in sich zusammen, wenn man zum illusteren Kreis depressiver Menschen gehört 🙂

dr. cox

Jedenfalls wird heute Abend gesoffen. Immerhin bin ich ja schon seit Sonntag wieder vom Festival zuhause und seitdem nüchtern 😀

Damit bleibt nur zu sagen: Danke an alle Internetmenschen, die mich die letzten Monate motiviert haben und versuchten, mich aufzubauen, die mit mir mitgelitten und sich für mich gefreut haben und mir in einem Fall auch richtig tatkräftig halfen. Ihr seid so toll, Leute ❤

PS:
Ich: "Ne 2,0!!! 2,0!!! Und ich hab die letzten 19 Seiten in der Nacht davor geschrieben!!! Ich bin genial!!! Ich MUSS genial sein!!!"
Mitbewohner David: "19 Seiten, das ist praktisch die ganze Hausarbeit, die ich seit einem Monat nicht fertig kriege…"
Ich: "Ich helf dir! Das schaffst du in einer Nacht! Ich peitsch dich da durch!"
Mitbewohner David: "Mmh, das würde mir ja schon gefallen."

Hach ❤

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Ich war jung und brauchte das Geld! Teil 7: Prospekte. SCHON WIEDER.

Nachdem ich mein Engagement mit der Bäckerei irgendwie so hab auslaufen lassen, ohne je richtig gekündigt zu haben, folgte eine lange Zeit der finanziellen Unsicherheit und erfolglosen Suche nach neuen Jobs.

Inzwischen war ich komplett in meine Unistadt gezogen, was meine Möglichkeiten eigentlich hätte vergrößern sollen, aber dem war nicht so. Monatelang suchte ich und fand einfach NICHTS. Sehr gerne hätte ich gekellnert, aber ich wohnte damals noch in einem Außenbezirk, den ich nachts ohne Busse nicht mehr hätte erreichen können, wenn ich Feierabend gehabt hätte. Ich suchte also weiter, aber gute Jobs sind in einer Studentenstadt doch ziemlich rar gesät.

Schließlich wurde ich aber doch fündig – ich entdeckte ein Jobangebot in einem Online-Kleinanzeigenmarkt, das nur wenige Minuten zuvor eingestellt worden war. Sofort rief ich an und hatte ihn damit ergattert!

Wieder sollte ich etwas austragen, dieses Mal für sowas wie die Handelskammer. Eigentlich waren es keine Prospekte, sondern hauptsächlich Flyer, aber auch Poster und Sticker für verschiedene Aktionen wie einem verkaufsoffenen Sonntag oder ähnliches. Aber der eigentliche Unterschied betraf den Lohn: Ich wurde nach Stunden bezahlt, nicht nach Stückzahl! Und damit war der Austrägerjob offiziell plötzlich gar nicht mal so schlecht!!

Es waren zwar nur 7 Euro/Stunde, aber trotzdem. Immerhin mehr, als ich im Job davor bekommen habe. Und stand ich davor praktisch unter ständiger Beobachtung – in der Bäckerei musste ich immer damit rechnen, unangemeldet von der Bezirksleiterin kontrolliert zu werden, so dass ich ununterbrochen beschäftigt tun musste, ob ich Arbeit hatte oder nicht – war ich nun FREI.

Ich erledigte meine Arbeit natürlich, aber überwacht hat mich keiner. Ich nehme an, hätte ich die Flyer einfach in den Müll geschmissen, wäre das ziemlich schnell rausgekommen, doch solange sie nur irgendwie ihr Ziel erreichten, interessierte niemanden, wie ich mir die Route und die Zeit einteilte. Manchmal bekam ich eine Liste und musste Werbemittel in Geschäfte bringen, die sie bestellt hatten, aber meistens war es nicht mal das. Oft packte ich mir einfach den Trolley voll und zog los in ein bestimmtes Viertel, wo ich Flyer in öffentlichen Gebäuden auslegte oder in Geschäften fragte, ob ich ein paar dalassen könne. Nur einmal musste ich Flyer auf der Straße verteilen, was wirklich megaätzend war, aber das war nur eine Stunde.

Im Winter wäre die Arbeit sicher die Hölle gewesen; aber ich fing im Frühsommer an und das war ziemlich chillig. Es war meistens warm und die Sonne schien. Perfekte Bedingungen, um einfach mal ein bisschen durch die Stadt zu flanieren, auch wenn ich dabei einen Trolley hinter mir herzog. Wirklich, lockerer hätte der Job kaum sein können.
An einigen Tagen sollte ich Flyer in eine Gegend bringen, die mit dem Bus eine halbe Stunde entfernt lag. Das war schon fast unverschämt lässig. Ich stieg mit einem Pack Flyern in den Bus ein, fuhr eine halbe Stunde rum und las dabei ganz gemütlich, stieg am Ziel aus, verteilte etwa eine halbe Stunde mein Zeug und setzte mich danach in den Bus zurück, um wieder eine halbe Stunde zu lesen. Effektiv gearbeitet habe ich an diesen Tagen somit kaum, wurde aber trotzdem voll bezahlt. Ein Traum! ^^

Dennoch habe ich diese ungewohnte Freiheit, so hoffe ich, nicht, äh, übermäßig ausgenutzt. Ich erledigte meine Touren und stoppte nur nach der Hälfte der Zeit für ca. zehn Minuten, um eine zu rauchen und in mein Wurstbrot zu beißen. Danach ging es weiter. Es war schlicht und ergreifend supereasy.

Ich war entweder allein oder wurde von einer zweiten Aushilfe begleitet. Schnell hatte ich in der Belegschaft ein Mädel gefunden, mit dem ich mich super verstand. Also wurden wir immer zusammen losgeschickt. Damit verging die Zeit im Supertempo, weil wir uns auf den ganzen Touren unterhalten konnten, ohne dass es jemanden gestört hätte.
Dieses Mädel nahm es allerdings manchmal doch ein bisschen zu lax, hatte ich den Eindruck. Manchmal stoppten wir vor einem Supermarkt, um uns einen Snack zu kaufen, was sich dann allerdings immer zu einer halben Einkaufstour dehnte. Und einmal fragte sie mich, als wir an einem Restaurant vorbeigingen, doch tatsächlich, ob wir uns da nicht hinsetzen und eine Pizza essen sollten, was ja mal mindestens eine halbe bis dreiviertel Stunde gedauert hätte. Das habe ich dann abgelehnt, weil es maximal unverschämt gewesen wäre.

Natürlich war auch das kein Job, der mich großartig intellektuell forderte, aber an sich war er ganz cool. Er hatte nur einen Haken: Ich bekam nicht genug Stunden zusammen. Manchmal konnte ich dreimal die Woche arbeiten gehen, dann wieder eine Woche gar nicht. Zusätzlich waren die Schichten von maximal fünf Stunden einfach zu kurz, um wirklich Geld zu scheffeln. Mir wurde also klar, dass ich noch einen zweiten Job brauchte.

Und endlich, endlich kam ich in die Branche, in die ich strebte: Die Kellnerei! Mein Chef war der einzige Wirt, der mich zur Probearbeit einlud, weil alle anderen Erfahrung verlangten, die ich (abgesehen von den wenigen Wochen in der Shisha-Bar) einfach nicht hatte. Es war das übliche Dilemma – wie soll man Erfahrung sammeln, wenn niemand jemanden ohne Erfahrung einstellt? Aber mein Chef hat mir ne Chance gegeben, woran ich mich immer wieder erinnern muss, wenn ich ihm mal wieder den Kopf abreißen will.
Außerdem war ich inzwischen näher in die Innenstadt gezogen, so dass der Heimweg kein Problem mehr war. Ich hatte also ZWEI Jobs, mit denen ich endlich auf meine 400 Euro im Monat kam!

Wenn auch nicht lange. Ich glaube, ich habe dabei einfach viel zu krass übertrieben, völlig high davon, endlich Geld zu verdienen. Niemand zwang mich schließlich, gewisse Schichten zu übernehmen, aber ich nahm trotzdem so viel, wie ich kriegen konnte. So kam es, dass ich ungefähr zwei Monate lang an einigen Tagen pro Woche um 11 Uhr aufstand, um von 12 bis 17 Uhr Flyer zu verteilen. Um 17:30 Uhr war ich zuhause, wo ich schnell was aß und mich eine Stunde hinlegte, um für meine Schicht in der Kneipe um 20 Uhr fit zu sein. Ich war dann meistens erst gegen 3 oder 4 Uhr zuhause und brauchte dann noch mindestens eine Stunde, bis ich Einschlafen konnte. Am nächsten Tag dann wieder um 11 Uhr aufstehen etc. pp.

Das machte ich wie gesagt nur wenige Wochen, dann kroch ich total auf dem Zahnfleisch. Ich dachte, ich müsste mich für einen Job entscheiden und wählte die Kneipe. Dort bekam ich zwar 50 Cent weniger die Stunde, aber mit Trinkgeld konnte sich mein Stundenlohn manchmal verdoppeln, weshalb es sich schlicht mehr lohnte.
Eigentlich hatte ich geplant, bei meiner Austragerei nur mal eine Woche Pause einzulegen, was ohne Probleme ging, aber die Zeit, nach der ich mich melden wollte, wurde länger und länger und so war ich schließlich nur noch Kellnerin.

Heute ärgere ich mich ein wenig darüber. Ich hätte einfach die Stunden reduzieren bzw. die Schichten besser planen sollen, dann hätte das weiterhin gut geklappt. So hätte ich dann Überstunden aufbauen können, die mir in der Prüfungsphase etc. trotzdem einen vollen Lohn garantiert hätten. Zumal der Job einfach wirklich chillig gewesen war. Aber naja. Spätestens im Herbst wäre das bei schlechtem Wetter vermutlich auch sehr unangenehm geworden, deshalb ist es wohl okay.

Seitdem gehe ich nun kellnern, was mir meistens noch ziemlichen Spaß macht, auch wenn das Arbeitsklima manchmal ein Desaster ist. Aber nach fast 3 Jahren in diesem Job ist es definitiv die Branche, in der ich mich am wohlsten fühle!

Weiterlesen:
Teil 1: Prospekte austragen
Teil 2: McDonald’s
Teil 3: Fotolabor
Teil 4: Fabrik
Teil 5: Kellnern
Teil 6: Bäckerei

Wenn es darum ging, Geld zu verdienen, gab es in meinem Leben wirklich wenig, für das ich mir zu schade war. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, meine Leser um eine kleine Spende in Form einer Tasse Kaffee zu bitten (via Paypal). Über ein wenig Unterstützung freue ich mich immer!

Wer redet hier eigentlich?

In der Kneipe. Privat.

„Woran denkst du gerade?“

„Och, an die da hinten…“

„Ah, hehe.“

„Und woran denkst du?“

„Hm… ich dachte gerade daran, was du wohl denkst, an was ich denke.“

Und während die Jungs so mal wieder aktiv daran arbeiteten, Klischees zu brechen, saß ich schweigend daneben und erstickte fast an meinem Jacky Cola vor Lachen 😀

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.