Was Pseudotherapeuten auf Twitter anrichten können (Teil 3)

Der vierte Beitrag meiner Themenreihe Depression widme ich dem Twitter-Account @deinTherapeut, der sich als „Mental-Health-Aktivist“ profiliert. Im ersten Teil schrieb ich über seinen „Gruppentherapie“-Discord, im zweiten Teil allgemein über seine Performance als Experte und seinen „Aktivismus“. Hier soll es um seinen Umgang mit Kritik, seine Community, die Geschichte mit seinem Vater und die absolut distanzlose Darstellung in den Medien gehen.


Norman hat mich nun schon seit Monaten geblockt, womit meine Timeline endlich nicht mehr geflutet wird von seinen Kalendersprüchen, was in vieler Hinsicht viel angenehmer ist. Aber die Gründe für meine Kritik gehen davon leider nicht weg, auch wenn er sie selbst absolut nicht einsehen will – und seine Jünger ihn dabei kräftig unterstützen.

Kritik, Reflexionsfähigkeit und toxische Community

Es war weder das erste, noch das letzte Mal, dass Norman mehr oder weniger heftig kritisiert worden ist. Sei es wegen seines Namens, seines Discords, seiner völligen Ignoranz von Persönlichkeitsrechten, wenn es darum geht, Bilder der Kinder – darunter ein geistig behinderter Junge – zu teilen, die er als Au-pair betreut etc.pp. – seine Reaktion ist IMMER dieselbe.

Norman ist null – NULL – kritikfähig. Sofern die Kritik nicht von einem seiner Fans demütig in extrem vorsichtige Worte verpackt wird – natürlich nicht ohne zu versichern, dass sie seinen Account trotzdem ganz toll finden – blockt er den Kritiker sofort, nur um anschließend über all den „Hass“ zu lamentieren, der ihm angeblich entgegen schlägt. Dass die meiste dieser Kritik verdammt noch mal berechtigt ist und wesentlich freundlicher formuliert wäre, wenn er nicht immer und immer wieder beweisen würde, dass er die Reflexionsfähigkeit eines Kleinkindes in der Trotzphase besitzt, erwähnt er dabei natürlich nicht. Er weiß schließlich ganz genau, weshalb seine Kritiker ihn eigentlich hassen:

Wenn er sich doch mal einer Kritik stellt, redet er am Thema vorbei und wird am Ende weinerlich.

Und selbstverständlich sind seine Fans dann zur Stelle, um seine Kämpfe für ihn auszufechten.

Norman hat eine der toxischsten Communitys um sich geschart, die ich je gesehen habe. Seine Fans verehren und verteidigen ihn mit einer Inbrunst, die nicht nur mich an eine gehirngewaschene Sekte erinnert, mit seinem Discord als Zentrum.

Wann immer er sich nach einer kritischen Anmerkung via Twitter ausheult, suchen und finden seine Fans den Grund – d.h. den Kritiker – und stürzen sich auf ihn. Das geschieht entweder durch ermüdende Wiederholung bereits lange Bekanntem (ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft ein Fan mehr oder weniger aggressiv von mir wissen wollte, was an seinem Namen denn bitte so problematisch sei) oder schlichten Beschimpfungen, was natürlich überhaupt nicht zu seiner üblichen Liebesbotschaft passt.

Viele andere User können davon ein Lied singen. Für mich war der Gipfel erreicht, als mir einer seiner Fans tatsächlich drohte, mich wegen Verleumdung zu verklagen, weil ich (wieder im Zusammenhang mit der Frage, ob er überhaupt Therapeut sei) darauf hinwies, dass die unrechtmäßige Führung des Titels „Psychotherapeut“ eine Straftat nach § 132a StGB darstellt. Ob er da Probleme bekommen könnte – er lässt das „Psycho“ ja weg – halte ich tatsächlich für unwahrscheinlich, aber die Aussicht einer Klage war dann doch ganz witzig. Norman gefällt das.

Diese… nennen wir es „Solidarität“ mit ihrem Helden scheint manche seiner Fans in regelrechte Gewissenskonflikte zu bringen.

Woher kommt mir so ein Verhalten nur bekannt vor? In dem Zusammenhang ist es vielleicht auch erwähnenswert (oder zumindest für einen Lacher gut), dass es in seinem Discord Emojis gibt, die aus seinem Gesicht bestehen. Wann wird der Normanismus als offizielle Kirche anerkannt?

Die Bereitschaft, ihren Messias bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen, zeigten seine Fans besonders bei der Affäre um seinen Vater.

Die Sache mit seinem Vater

Letztes Jahr zu Weihnachten startete Norman einen Aufruf, weil er seinen obdachlosen Vater suchte, nachdem dieser die Familie zehn Jahre zuvor verlassen hatte. Die Geschichte ging schnell unheimlich viral, zahllose Medien griffen sie auf und als es dann im Zuge seines Deutschlandsaufenthalts zur Verleihung des „Goldenen Bloggers“ zu einem Wiedersehen kam, blieb in ganz Deutschland kein Auge trocken. Eine ganz ähnliche Aktion startete er vor wenigen Wochen, weil er, inzwischen schon lange wieder zurück in den USA, erfahren hatte, dass sein Vater schon seit einiger Zeit nicht mehr an seinen üblichen Plätzen aufgetaucht ist. Das wurde ebenfalls begeistert geteilt – bis 1. heraus kam, dass die ganze rührselige Geschichte Norman einen Buchdeal eingebracht hat und sich 2. eine Person auf Twitter meldete, die laut Eigenaussage seinen Vater kennt und behauptete, dass der mit dieser ganzen Aktion, inklusive der Nutzung seiner Bilder, nicht einverstanden sei.

Das entflammte einen Shitstorm, im Zuge dessen auch sein Discord wieder in Kritik geriet. Norman wurde vorgeworfen, die zweite Suche nur forciert zu haben, um das Buch zu promoten, er sei nur mediengeil, interessiere sich eigentlich gar nicht für seinen Vater etc.

Ich habe mich bei DIESER Geschichte weitestgehend raus gehalten… hauptsächlich wegen des letzten Punkts. Auch ich habe meinen leiblichen Vater das letzte Mal vor zehn Jahren gesehen – aber obwohl Normans und meine Geschichte nicht vergleichbar sind, weiß ich, wie weh ein solche Zurückweisung tut und halte diesen Vorwurf daher wirklich für eine Frechheit. Er war fünfzehn Jahre alt, als sein Vater die Familie verließ. So etwas tut man nur, wenn man krank ist oder ein Arschloch oder beides. In jedem Fall liegt es NICHT in Normans Verantwortung, sich um diese Person zu kümmern. Es ist eine unglaubliche Anmaßung, von ihm zu verlangen, zehn Jahre später alles stehen und liegen zu lassen und nach Deutschland zu eilen, um seinen Vater aus der Gosse zu ziehen, der das vermutlich nicht einmal will.

Ich kann und möchte ihm nicht vorwerfen, dass er ihm nicht hilft. Mich stört lediglich, dass er es behauptet – und da wird die ganze Sache dann tatsächlich ziemlich schäbig.

Buchankündigung des Verlages

Die gesamte Buchvorstellung liest sich wie eine herzerwärmende Feelgood-Story mit Happy End. Dabei weiß jeder, der die Geschichte verfolgt hat, dass danach im Prinzip überhaupt nichts passiert ist. Tatsächlich gab es ja nur dieses eine Treffen und laut Norman noch ein paar Telefonate seitdem. Inwiefern hat das Normans Vater geholfen – ihm einen Neustart verschafft, der über einen unfreiwilligen Prominentenstatus hinaus geht?

Den Vorwurf, sein Vater würde gar nicht wollen, dass seine Bilder für dieses Projekt verwendet werden, kommentiert Norman so:

Das halte ich für eine hammerharte Aussage. Entweder hat sich sein Vater bewusst wieder umentschieden – dann muss Norman das akzeptieren. Oder sein Vater ist wirklich geistig so am Ende, wie er sagt – dann ist er vermutlich überhaupt nicht geschäftsfähig und könnte sein Einverständnis nicht mal geben, wenn er wollte. In jedem Fall frage ich mich: Warum wurde hier nichts vertraglich festgehalten? Das spricht alles nicht gerade für eine Kommunikation auf Augenhöhe. Aber wie bereits erwähnt… mit Persönlichkeitsrechten hat ers nicht so.

Mich hat diese ganze Story von Anfang an ziemlich angekotzt, weil ich sie rührselig, kitschig aufbereitet und viel zu tränendrüsig fand. Besonders das Wiedersehensfoto mit seinem Vater hat mich regelrecht abgestoßen. Es tut mir leid, dass ich aufgrund meiner eigenen Verletzung durch meinen Vater so zynisch bin, aber so ein fröhliches Wiedersehen nach so langer Zeit der Funkstille nehme ich einfach niemandem ab. Ich fand die Geschichte unehrlich und unauthentisch, viele andere hielten sie dagegen gleich ganz für Fake, wofür sie von seinen Fans wiederum hart attackiert worden sind. Das Problem ist: Es gab vor dem gemeinsamen Foto mit seinem Vater keinen einzigen Beweis.

An dieser Stelle ist es Zeit für ein bisschen Medienkritik.

Norman und die Medien

Norman hat sich kürzlich gegen den Vorwurf „Fake“ verteidigt – und zwar so:

Anscheinend hat er eine sehr großzügige Auslegung des Begriffs „Verifizierung“… denn Artikel, die vollständig auf SEINEN Aussagen beruhen, sagen natürlich NICHTS aus. Das gilt im Übrigen auch für den ersten Artikel in der WELT. Man beachte dazu den verwendeten Konjunktiv – und die Fehlinformation, dass Norman Psychologe sei.

Gleichzeitig wird jede Form des Zweifels in diesem Artikel als „Häme“ bezeichnet. Das ist etwas, was sich durch die gesamte Berichterstattung über @deinTherapeut zieht und was ich einfach nicht verstehe. Jeder einzelne Artikel über ihn ist von einer naiven Kritiklosigkeit geprägt, die fassungslos macht. Und sowas erscheint dann in der „Welt“! Man fragt sich, wie so etwas passieren kann? Hilft es möglicherweise, dass Norman Springer-Redakteure persönlich kennt?

Ohne Timo @Lokoschat zu nahe treten zu wollen, glaube ich trotzdem nicht, dass irgendjemand, der als leitender Redakteur bei der BILD arbeitet, ein guter Typ ist

Und nicht nur die Artikel: Auch die Moderation des „Goldenen Bloggers“ schickte bei der Verleihung eine böse Botschaft an all die „Hater“, die Norman seine „tolle Geschichte“ (sic) nicht glauben. Gleichzeitig grenzte sich die Veranstaltung deutlich gegen „Fake News“ ab. Wie passt das zusammen? Wie kann man einerseits erwarten, dass Leute mal selber nachdenken, wenn sie eine diffamierende Geschichte über Migranten oder HartzIV-Empfänger lesen, aber dann in diesem Zusammenhang Leute verunglimpfen, die nichts weiter verlangen als so etwas wie einen konkreten Beweis für diese gehypte Story?

Eben dieser Story widmete Spiegel Online vor knapp drei Wochen einen ausführlichen Artikel. Dort wird Normans Vater porträtiert und sein gescheitertes Leben in aller Genüsslichkeit breitgetreten – mitsamt Klarnamen, mitsamt Klickstrecke privater Bilder. Der Leser erfährt Details zum Verlust seines Arbeitsplatzes, seines Absturzes in die Alkoholsucht, seiner Obdachlosigkeit, seiner üblichen Aufenthaltsorte, seines strengen Körpergeruchs – und fragt sich unwillkürlich: Warum zur Hölle ist das ne Nachricht??? Wieso hält es eines der größten deutschen Onlinemedien für angebracht, diesen Mann und seine Lebensgeschichte zur traurigen Publicity zu verhelfen – offensichtlich ohne je mit ihm gesprochen zu haben! – obwohl das öffentliche Interesse an diesem Privatschicksal ja wohl kaum groß genug sein dürfte, um diesen unfassbaren Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte zu rechtfertigen???

Oder anders gefragt: Was ist an Pseudotherapeut Norman so verdammt faszinierend, dass selbst gestandene Journalisten jegliche professionelle Distanz verlieren?

Nach dieser investigativen Glanzleistung ist es schon fast zu vernachlässigen, dass es auch die sommerliche Kritik an seinem Discord in die Medien geschafft hat und dort so zusammengefasst wurde:

Was? Ich meine… was???

Dieser SHZ-Artikel mit dem lächerlichen Titel „Wie Norman einen Gegenentwurf zu Cybermobbing schuf“ (gemeint ist sein Discord, dieser schöne Safe Space – als wäre nicht JEDES Forum mit einer Netiquette und halbwegs brauchbaren Mods viel eher ein solcher „Gegenentwurf“ als dieser fahrlässig geführte Schweinestall) ist leider hinter einer Bezahlschranke, aber er wurde mir via Twitter zur Verfügung gestellt und ist tatsächlich ein einziger Lobgesang auf Normans Projekt.

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass die Autorin keine fünf Minuten darauf verwendet hat, den Vorwürfen tatsächlich mal nachzugehen. Die Frage bleibt: Was ist nur mit den deutschen Journalisten los??? Sind die auch schon alle eingelullt von seinen Feelgood-Sprüchen oder hat Normans Instagram-Lächeln sie einfach vollständig hypnotisiert???

Ich finde, dass sich einige Verantwortliche ganz gewaltig schämen sollten – und zumindest der SPON-Artikel gelöscht gehört. Das ist fast schon menschenverachtend, was da abgelaufen ist.

Lies es halt nicht???

Der Satz haben seine Fans nun schon ein Dutzend Mal an mich gerichtet und auch Norman selber glaubt, damit wären alle Probleme gelöst. Aber ich kann nun mal sehr schwer etwas ignorieren, das ich für gefährlich halte. Wieso das so ist, wurde inzwischen hoffentlich deutlich.

Was bleibt sonst noch zu sagen?

Der überwältigende Eindruck beim Lesen von @deinTherapeut ist, dass mir hier etwas verkauft werden soll. Nur was? Er hätte mit dem Account schon viel früher Geld verdienen können – dazu war kein Buchdeal nötig. Tatsächlich glaube ich, dass Norman sich hier nur selbst verkauft. Er verkauft sich als Therapeut für alle Fälle, als warmherziger Twitter-Philosoph, als Lebensberater, als Wellness-Guru, als guter Mensch – dabei ist sein Account und das, was er über psychische Erkrankungen schreibt oberflächlich bis an die Grenze zur Fahrlässigkeit und teilweise darüber hinaus. Er schart unsichere, junge Menschen um sich, die ihm wie Lemminge folgen und anscheinend schon lange die Fähigkeit verloren haben, seine Aussagen zu hinterfragen. Eine Armee von Glückskekssüchtigen, für die es früher oder später ein böses Erwachen geben wird, wenn sich seine Heilsversprechen in Luft auflösen.

Ich unterstelle ihm nicht mal böse Absicht. Aber Norman fehlt definitiv die Reife, mit der Macht, die er sich ertwittert hat, umzugehen. In vieler Hinsicht wirkt er fast schon narzisstisch. Sei es nun, dass er in aller Ernsthaftigkeit glaubt, Diskussionen anstoßen zu können, die schon jeder führt bzw. die zumindest in Deutschland schon lange entschieden sind…

…oder in anmaßender Weise versucht, sich als Dreh- und Angelpunkt einer Hilfsbewegung zu installieren…

… oder hauptsächlich zu Zeiten twittert, in denen in Deutschland viele Leute online sind – obwohl er doch in Boston lebt, was sechs Stunden Zeitverschiebung bedeutet.

Viele von uns geben im Internet einiges von sich Preis. Ich gehöre ja auch dazu. Gefährlich wird’s, wenn die Präsentation zu einer einzigen Show verkommt – und diesen Eindruck habe ich bei Norman zu 100%. Was sein „Mental Health“-Aktivismus angeht, kann ich als depressive Frau dazu nur immer wieder betonen, dass dieser Mensch nicht für mich spricht.

Wenn man eine positive Sache über ihn sagen will, dann diese: Social Media kann er. Seine Mitmach-Tweets und seine Aufforderungen, jemanden wegen Grund X unter seinen Tweets zu verlinken, dienen als Multiplikatoren für mehr Reichweite, was offensichtlich funktioniert.

Nur hilfreich ist es eben nicht. Norman mag für manche ein super Wellness-Coach sein… aber ein Therapeut ist er nicht. Erst recht nicht meiner.


Thementage Depression:

Teil 1: Warum die Suche nach einem Therapieplatz für jeden Depressiven eine absolute Zumutung ist
#SuchDirHilfe – Aufruf und Appell

Teil 2: Es besser machen – wie eine Therapiesuche aussehen könnte

Teil 3: Hürde Mensch – über psychotherapeutische Erstgespräche


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12 Kommentare zu „Was Pseudotherapeuten auf Twitter anrichten können (Teil 3)

  1. Das hast du alles ziemlich gut auseinander genommen. Bin ihm einige Wochen gefolgt und mir gingen diese Wand Tattoo Sprüche auch sehr schnell auf die Nerven. Den Rest habe ich nur nebenbei verfolgt. Ich dachte ja ziemlich schnell, dass er komplett Fake wäre und war erstaunt, dass es ihn wirklich gibt. Eine sehr seltsame Geschichte alles und ich gebe dir Recht, sehr gefährlich für junge Menschen.

  2. Hey, super Beitrag, das ist auch etwas, was mir an Norman negativ aufgefallen ist. Ich hab eigentlich erst bei seiner zweiten Suche so richtig von ihm mitbekommen, vorher schwirrte er alle paar Wochen oder so mal durch meine TL.

    Nur den Vergleich mit der Kirche kann ich nicht ganz unterstützen, weil es ja gerade da so wahnsinnig viele unterschiedliche Strömungen gibt und eigentlich immer diskutiert wird (zumindest dort, wo ich mich herumtreibe).
    Woran es mich allerdings extrem erinnert, ist das, was ein Freund von mir letztens „Eventismus“ genannt hat.
    Kirchen, in denen die Predigt ganz klar auf Event ausgelegt ist und die nicht zum eigenständigen Denken auffordert und einen Input dazu liefert, sondern wo das, was gesagt wird, nicht hinterfragt wird.
    In solchen Kirchen wird auch tendiert, eher den Prediger zu verehren als Gott.
    Und wenn ich dann berichte, dass ich zwar hingehe, aber nur mit ca. 70% übereinstimme, bin ich „zu kritisch“.

    Kleiner Diskurs, aber genau das sehe ich auch hier bei Norman. Es geht nicht mehr um das Thema Mental Health, sondern nur noch um das, was Norman zu diesem Thema zu sagen hat. Und wenn er etwas gut findet, finden seine Follower das gut und wenn er etwas schlecht findet, finden sie es schlecht.

  3. Eine sehr gute Analyse. Ich finde, viele Punkte sind auf andere Twitteraccounts übertragbar, die sich „Aktivismus“ oder „Aufklärung“ auf die Fahne schreiben und dann höchstens potenziell gefährliches Halbwissen und Personenkult verkaufen. Vielleicht bin ich dazu ebenfalls zu zynisch, aber dieses „Heilsbringer“-Selbstverständnis solcher Accounts ekelt mich ein wenig.

  4. Was für eine tolle Artikel-Serie! Mir ist der Typ schon länger aufgestoßen, nur konnte ich meine Probleme mit ihm und seiner naiven Fanbase nicht so gut sezieren wie es im Artikel passiert. Dafür großen Respekt und vielen Dank.

  5. Sag mal, Robin, hast du inzwischen kein eigenes Leben mehr, dass du dich in vier langen Artikeln, wie immer herausragend geschrieben, über diese Null-Nummer „Norman“ auslassen musst?
    Wer auf so etwas hereinfällt und so jemanden zu seinem/ihrem Guru erhebt, ist doch selber schuld.
    Komm mal bitte wieder auf dich zurück. Das liest sich viel angenehmer und interessanter.

    Nen schönen Tag

    Torsten

    1. Ich muss zugeben, dass ich genau durch diese Artikel auf dieses Blog hier aufmerksam geworden bin. (Bin irgendwie über Twittter/Lehnsherr hier reingeflogen)
      Hab die 3 umfangreichen Essays gelesen und quasi aufgesogen, wie ein Schwamm. Insofern hat das befassen mit diesem Pseudotherapeuten Robin einen neuen Leser verschafft.

      Auf _deinen_ Kommentar habe ich lediglich geantwortet, weil ich selbst Blogger bin und finde, dass gerade das eigene Blog immer mit den Themen gefüllt werden muss, die einem wichtig sind. Wenn Robin also jetzt gerade von „Notfallboxen“ über „Discords“ bis hin zu strategisch geplanten „Vatersuchen“ schreibt, ist das natürlich ihr Ding. 🙂

      Fass das bitte nicht als persönliche Kritik auf, ich halte Norman ja auch für eine Luftpumpe. 🙂

  6. Robin, ich bin über den Uebermedien-Artikel hier gelandet und habe nun Deine Norman-Rants gelesen. Ich stimme Dir in fast allem zu und mag Deinen Schreibstil.

    Über diese Stelle bin ich dann aber gestolpert:
    „Er war fünfzehn Jahre alt, als sein Vater die Familie verließ. So etwas tut man nur, wenn man krank ist oder ein Arschloch oder beides.“

    Nein, einfach nein.

    Das sage ich als Vater, der seine beiden Söhne seit fast zwei Jahren nicht gesehen hat. Ich bin weder krank noch ein Arschloch. Wirklich. Manchmal sind die Geschichten einfach anders und komplizierter.

    1. Ich rede an der Stelle nicht von Vätern, die aufgrund von Sorgerechtsstreitigkeiten ihre Kinder nicht sehen, sondern bewusstes Verlassen, ohne sich nochmal zu melden.

  7. > Er war fünfzehn Jahre alt, als sein Vater die Familie verließ. So etwas tut man nur, wenn man krank ist oder ein Arschloch oder beides.
    Da möchte ich einhaken. Du kennst auch die Gründe seines Vaters nicht. Und nach deiner ausführlichen Kritik wirst du ggf. sogar die Gründe des Vaters verstehen, warum er nach der scheinbar glücklichen Wiedervereinigung anscheinend dann doch keine Lust mehr hatte mit Norman ein glückliches Leben zu beginnen. Oder hatte Norman wirklich die Lust sich um seinen Vater zu kümmern oder ihn nur als PR benutzt? Wir wissen es nicht.
    Aber vor allem wissen wir fast nichts über die Motive seines Vaters, ihn krank oder Arschloch zu nennen geht daher zu weit. Und als Vater oder Mutter aus einer unglücklichen Familiensituation zu fliehen kann tatsächlich für sich selber wichtig sein und ein 15jähriger ist sicher nicht begeistert, aber unverantwortlich ist diese Flucht dennoch nicht, wenn sie nicht völlig willkürlich ist. Man kann ja davon ausgehen, dass es nicht wegen einer heißen neuen Freundin passiert ist. Es ist also kritisch hier jemanden zu verurteilen.

  8. Dass sein Vater alkoholkrank ist wird von den Fans des Therapeuten übrigens sehr flexibel eingesetzt. Während er wohl in der Lage ist dem Buchdeal zuzustimmen, behaupten die Fans des Therapeuten, dass der Rückzug der Zustimmung (oder die Aussage, dass er nicht zugestimmt habe) der Krankheit geschuldet sei oder unter Einfluss passiert sei und daher ungültig, da der Vater nicht zurechnungsfähig ist.

    Darf Norman also die Zustimmung eines nicht zurechnungsfähigen Menschen für sein Buch ausnutzen, dieser Mensch aber die Zustimmung nicht zurückrufen? Vielleicht war die Zustimmung nie rechtsgültig? Normans Fans scheint das egal, diese Dinge werden ausgelegt wie es gerade passt.
    Zumal über den Zustand des Vaters gar nicht so viel bekannt ist. Vielleicht ist er voll zurechnungsfähig in dem Sinne, aber psychisch sehr belastet, sodass er nur über andere Twitternutzer seine Meinung kommunizieren lässt?
    Wobei es auch eine rein technische Hürde sein kann. Oder Norman vorherige Versuche sofort blockiert haben könnte und er technisch nicht fit genug ist um trotzdem in die Blase vorzustoßen (was dem Fuchs-Account anscheinend gelungen ist).

    Bisher klingt es danach, dass der Vater auch ein Opfer ist. Ich denke es ist falsch ihm etwas vorzuwerfen ohne seine Motivation zu kennen. Und momentan scheint er mir ein Opfer von Normans Eitelkeit, völlig unabhängig von der Vorgeschichte.

    1. „Krank“ ist im diesen Fall nicht abwertend gemeint. Wenn ihn seine Krankheit dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen, kann er nichts dafür. Norman aber eben auch nicht, weshalb er nicht verpflichtet ist, ihm zu helfen. Als 15jähriger war er hilflos und sicher nicht Schuld an seines Vaters Weggang.

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