Der Endgegner im Badezimmer 6: Rezepttipp: Oopsie!

Auf der Suche nach leckeren und sättigenden Gerichten, die in meine kalorienreduzierte Diät passen, erwartete ich eigentlich keine neuen Sensationen. Umso härter traf mich daher der Schlag: Oopsie!

Und das ist in der Tat nicht das, was ich reflexartig von mir gebe, wenn mich wieder mal der Schlag trifft (der Vollständigkeit halber: Das wäre „Ah, Fuck!!“), sondern der Name des Corpus Delicti.

„Oopsie“ ist eine Art Teig und in der LowCarb-Küche zuhause. Das Zeug enthält nämlich kein Mehl. Nicht ein Krümel! Der Grundteig besteht nur aus Eigelb, Eischnee und Frischkäse (nebst einigen Variationen und natürlich Gewürzen).

Ich bin zufällig bei Frau Yu drüber gestolpert und zog erstmal die Nase kraus, als ich das Rezept sah. Ein Teig aus Eiern und Frischkäse? Die erste Frage, die ich mir selbst stellte, war dann interessanterweise nicht „Schmeckt das?“, sondern „Und das soll weniger Kalorien haben als normaler Teig?“

Womit wir wieder mal bei dem Beweis angekommen wären, dass Kalorienzählen der Eckpfeiler jeder bewussten Ernährung sein sollte und man sich dahingehend auf sein Gefühl null verlassen kann. Denn so ging es weiter:

Ich war sofort elektrisiert und machte mich umgehend an einen Vergleich. Wie viele Kalorien hat normaler Pizzateig?

Da ich selbst Hefeteig nie nach Rezept, sondern nach Gefühl mache und deshalb nicht weiß, wie viel von allem in meine Version genau reinkommt, nahm ich einfach das erste Rezept, das mir Chefkoch für „Pizzateig Blech“ präsentierte. Dieses enthält an relevanten, da kalorienhaltigen Substanzen 300gr Mehl und 2 Esslöffel Öl (Hefe, Gewürze und natürlich Wasser kann man hier meiner Meinung nach vernachlässigen). Und diese beiden Komponenten allein enthalten nun laut FDDB-Rechner 1300 Kalorien.
Tausend. Fucking. Dreihundert!!

Ich war relativ entsetzt und das änderte sich auch wenig, als ich auch noch gekauften Pizzateig überprüfte, auf den ich aus Faulheitsgründen oft zurück greife, statt selbst zu kneten. Der „frische Pizzateig mit feinem Olivenöl“ von Rewe hat dann auch tatsächlich „nur“ ca. 970 Kalorien.

Damit war klar, dass mich mein inneres Kalorienlexikon wieder mal verarscht hat und Oopsie-Teig plötzlich recht interessant aussah. Ich schmiss also meinen Ernährungsplan für diesen Tag über Bord, sah mir noch ein paar Rezepte an und ging einkaufen.

Da es hierbei dutzende Variationen zu geben scheint, entschied ich, mich mengenmäßig an Frau Yus Rezept zu orientieren, aber da ich von ihrem Ernährungsprogramm LCHF (das steht für „low carb, high fat“) leider nicht wirklich überzeugt bin, ersetzte ich den Frischkäse „Sahnestufe“ mit Buko Kräuterkäse, der nur 16,5% Fett enthält. Andere Rezepte sprachen hier sogar von Magerquark, also hielt ich das für einen ganz guten Kompromiss.

Und dann konnte es auch schon losgehen!

Oopsie-Flammkuchenteig

4 Eier (ca. 220gr)
100gr Kräuterfrischkäse (Buko)
bisschen Hefe
Salz, Pfeffer
(ca. 500 kcal)

Die Eier trennen und das Eiklar zu festen Eischnee schlagen. Das Eigelb mit dem Frischkäse, der Hefe und den Gewürzen zu einer glatten Masse schlagen. Den Eischnee unterheben.

Das Ergebnis ist kein knetbarer Teig, sondern eine recht flüssige Masse. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech kippen und mit einem Löffel glattstreichen bzw. verteilen.

20150505_190508

An dieser Stelle stellte ich fest, dass mir die Masse zuviel war, denn Flammkuchen sollte meiner Meinung nach sehr dünn sein, also habe ich etwa ein Fünftel der Masse zurück behalten (zur späteren Verwendung – ich kippe nicht gern Essen weg). Der Teig auf dem Blech hatte demnach ziemlich genau 400 Kalorien.

Den Teig bei ca. 210 Grad für etwa 10 Minuten im Ofen vorbacken und dann rausnehmen. Nun kann er belegt werden!

(In einem Youtube-Video, das ich mir dazu angesehen habe, wurde behauptet, dass man den Teig nun umdrehen sollte, da die Oberseite nicht so glatt wäre wie die Unterseite und darum die Pizza matschig werden könnte, weil die Soße einsickert. Da meine Oberseite aber SEHR glatt war, die Unterseite dagegen logischerweise wie bei allem was man backt porös, habe ich darauf verzichtet.)

Gerne hätte ich ausprobiert, wie eine Pizza mit Oopsie-Teig schmeckt, aber da ich ja immer noch auf Diät bin, habe ich mich für die käse- und salamifreie und damit kalorienärmere Flammkuchen-Variante entschieden. Der Belag bestand darum aus

80gr Créme Fraiche
1 mittelgroßen Zwiebel (ca. 85gr)
75gr Schinkenwürfel light
(ca. 350 kcal)

Alles schön verteilen, darüber kamen dann noch ein paar Kräuter der Provence. Ab in den Ofen für ca. 15 Minuten – und schon hatte ich dieses Ergebnis:

20150505_195323

Insgesamt hatte dieses Gericht ca. 750 Kalorien, was ganz gut in meinen Ernährungsplan passt.

Satt bin ich davon geworden. Aber ganz so unwichtig ist der Geschmack ja nun doch nicht. Also: Wie lecker war nun mein Oopsie-Flammkuchen?

Ich muss sagen, dass der Teig mich ziemlich überrascht hat. Er war entgegen meiner Erwartung null matschig, sondern sogar sehr kross. Nicht auf eine Hefeteigart, sondern eher krümelig, wie man das von einem zu lange gebackenen Rührei erwartet. Denn ja, selbstverständlich schmeckte der Teig sehr eierlastig, während der Frischkäse eigentlich überhaupt nicht identifizierbar war – was aber auch an meiner falschen Dosierung lag. Offensichtlich habe ich mir nämlich zu viele Rezepte angesehen, war dann verwirrt und habe vier Eier genommen statt den von Frau Yu veranschlagten zwei. Argh. Damit wäre wohl auch das Problem der überflüssigen Masse gelöst und der Frischkäse dominanter gewesen.
Trotz dieses Fails muss ich sagen, dass dieser dünne Teig doch überraschend flammkuchenartig geworden ist. Das Gesamtergebnis war durchaus etwas trocken – aber das ist normaler Flammkuchen ja auch. Dennoch würde ich beim nächsten Mal ein bisschen mehr Créme Fraiche nehmen.

Fazit:
Ist Oopsie-Teig ein gleichwertiger Ersatz für Hefeteig? Hier muss ich sagen: nein. Geschmacklich kann Oopsie da leider nicht mithalten, auch wenn ich demnächst eine richtige Oopsie-Pizza ausprobieren will und darauf schon sehr gespannt bin.
Dennoch ist Oopsie nicht nur in dieser Form (denn man kann daraus auch noch Burgerbrötchen machen und vieles mehr – einfach mal wild googlen oder bei Frau Yu stöbern!) im Rahmen einer Diät eine gute Alternative, denn wie man sieht, enthält der Teig nur ein Bruchteil der Menge an Kalorien von normalen Hefeteig. Zudem ist er, sofern man ein Rührgerät sein Eigen nennen darf, furchtbar einfach und schnell herzustellen. Und das ist definitiv Grund genug, um dem Oopsie mal eine Chance zu geben – so dämlich sein Name auch ist!

Zum Schluss noch ein paar Nährwertangaben:

oopsie

Der Vollständigkeit halber möchte ich hier nochmal erwähnen, dass eine normale Tiefkühlpizza, in diesem Fall mein Favorit, „Die Ofenfrische Pepperoni-Salami“, ganze 900 Kalorien hat – und das MIT krass fettigem Belag. Da für mich jedoch eine Tiefkühlpizza, eine selbstgemachte Pizza, eine Lieferdienst-Pizza und eine Restaurant-Pizza vier völlig unterschiedliche Gerichte sind (und ja, mir wurde schon oft gesagt, wie bescheuert das ist), möchte ich hier nicht einfach die Tiefkühl-Variante empfehlen, auch wenn das eigentlich geschmacklich und kalorientechnisch am sinnigsten wäre – sofern man nicht wie ich auf die Tiefkühlpizza noch mehr Käse und anderes Zeug draufschmeißt!


Weitere Beiträge zur Themenwoche:
Der ewige Kampf
Fatshaming und Fatacceptance
Buchtipp
The war is won!
Meine Diät!
Geheimtipp: Die Nudel ohne Kalorien!
Bonus – das beste Rezept der Welt! (Zum Mitmachen!)

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.