Awareness: Ein Nachtrag an meine Leser

Noch ein Nachtrag zu meinem Artikel Eure Awareness kotzt mich an! und zum Nachfolgeartikel Awareness – und jetzt? Dieser richtet sich an die vielen Leser, die dadurch – oft erstmalig – zu meinem Blog gefunden haben.

Lange habe ich mich nicht geäußert, auch wenn mich immer noch fast täglich Kommentare zu den Artikeln erreichen – ob nun hier im Blog, auf Twitter oder persönlich per Mail. Die Resonanz auf meine Artikel hat mich absolut überwältigt und ich habe mich über jeden gefreut, der sich dafür bedankt hat oder wichtige Anmerkungen hinterlassen hat.

Leider habe ich es nicht geschafft, auf alle Kommentare zu antworten (sogar auf die meisten nicht). Einerseits, weil mich die pure Masse erschlagen hat, andererseits aber auch, weil ich im echten Leben grade sehr viel Stress habe und damit einfach keine Zeit. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle ein fettes DANKE! hinterlassen an alle, die sich die Zeit genommen haben, sich damit auseinander zu setzen. Ihr seid toll!

Einige Kommentare enthielten auch Fragen, auf die ich im Folgenden kurz eingehen will. Vor allem aber möchte ich einiges ergänzen und erzählen, wie es mir momentan geht.

Zuerst mal ein bisschen mehr zu meinem Werdegang. Mein erster Artikel enthielt ein gewaltiges Plothole, von dem ich sicher war, dass es mir zur Last gelegt werden wird. Tatsächlich ist es aber nur einen Kommentatorin aufgefallen und die kam auch noch ziemlich spät. Leute, ihr müsst mehr aufpassen! ^^
Das Plothole äußert sich in folgender Frage: „Woher weißt du eigentlich, dass du depressiv bist?“ – denn ohne Facharzt keine Diagnose. Das ist eine gute Frage, auf die ich näher eingehen will.

Als ich mich an die Konzeption des Artikels machte, war der Teil, der sich mit meinem persönlichen Werdegang beschäftigt, viel länger. Aus Gründen der Lesbarkeit habe ich einiges davon rausgeschmissen, um den ohnehin schon viel zu langen Artikel zu straffen. Ich entschied mich für die Phase der letzten paar Jahre, die mir wegen dem erfolglosen Kampf für einen Therapieplatz besonders enttäuschend im Gedächtnis geblieben ist.

Tatsächlich war ich aber einer ambulanten Therapie bereits einmal sehr nahe. Dem voraus ging eine ziemlich beschissene Jugend, während der sich meine Depression manifestierte. Ich schätze heute, dass ich wirklich ernsthaft depressiv bin seit meinem 13. oder 14. Lebensjahr. Damit einher ging Soziale Phobie, SVV (selbstverletzendes Verhalten) und spätestens nach dem Abitur auch eine dicke Adoleszentenkrise. In dieser Phase wurde von mir erwartet, einen Berufsweg einzuschlagen, obwohl es mir damals aufgrund der Depression unmöglich war, sinnvolle Entscheidungen dahingehend zu treffen oder mich darum zu kümmern. Dies führte zu (weiteren) gewaltigen Stress mit meiner Familie.

Mit 20, immer noch ohne Studienplatz oder Lehrstelle, offenbarte ich schließlich nach langem Ringen meinen Eltern meine Vermutung, depressiv zu sein. Wenn ich dadurch Hilfe erwartet habe, dann wurde diese Hoffnung enttäuscht – meine Eltern taten gar nichts. Aber da das böse D-Wort nun endlich ausgesprochen war, versuchte ich, mich um einen Therapeuten zu kümmern, von denen es auf dem Land leider noch weniger gibt als in der Stadt.
Der erste Therapeut entpuppte sich als Neurologe, der mir Fluoxetin verschrieb, das ich wegen gewaltiger Nebenwirkungen jedoch schnell wieder absetzte. Ansonsten konnte er, da ohne Therapeutenausbildung, nicht viel für mich tun, aber er regte für mich an, in eine Psychosomatische Klinik zu gehen, um die Zeit zu überbrücken, bis ich einen ambulanten Therapeutenplatz bekomme.

Um dort aufgenommen zu werden, sollte ich in der Klinik ein Gespräch mit dem Oberarzt führen – das meine Mutter eine Woche vorher ohne meine Zustimmung absagte. Das hätte sie selbstverständlich, da ich volljährig war, nicht gedurft, aber offensichtlich kann sie sehr überzeugend sein.
Der Grund ist wohl in ihrer absoluten Panik zu suchen, ich könnte irgendwie „nicht normal“ sein. Das passte nicht in ihr Konzept und ihre Familienplanung, also schleppte sie mich stattdessen zu Heilpraktikern und schickte mich zu einer ambulanten Gruppentherapie in ein Krankenhaus, das so weit weg lag, dass ich fast eine Stunde Auto fahren musste – und das im tiefsten Winter, obwohl sie mich sonst nie fahren ließ, wenn das Thermometer den Nullpunkt auch nur kratzte. Außerdem war es IHR Auto, das ich dafür nutzen musste, obwohl das bedeutet hätte, dass sie einmal in der Woche mit dem Bus zur Arbeit hätte fahren müssen. (Die Gruppentherapie entpuppte sich aber bereits beim Anmeldegespräch als absoluter Fail und die Therapeutin war selbst der Ansicht, dass ein stationärer Aufenthalt besser für mich wäre, also blieb es bei diesem einzigen Besuch.)

Mit all dem wollte meine Mutter mich über ihr absolut übergriffiges Verhalten hinweg trösten, aber ich ließ das nicht mit mir machen und vereinbarte einen neuen Termin in der Klinik, was sich aber Dank Feiertagen, Jahreswechsel etc. weiter nach hinten schob.

Dennoch konnte ich wenige Monate später in die Psychosomatische Klinik gehen, wo die Diagnose „Depression“, die mein Neurologe gestellt hatte, nochmal bestätigt wurde.

Ich sollte sechs Wochen dort bleiben, was später auf acht Wochen verlängert wurde. Leider kann ich nicht sagen, dass mir irgendetwas davon geholfen hätte. Ich war dort für Wochen die einzige Depressive und zudem die mit Abstand Jüngste. Ich saß dort mit Menschen mit Panikattacken, Leuten, die um Angehörige trauerten und nicht zuletzt einigen Patienten, die an Schmerzen litten, für die keine körperlichen Ursachen ermittelt werden konnten (Psychosomatik eben), aber überhaupt nicht verstanden, weshalb sie deshalb über GEFÜHLE REDEN sollten. Mit anderen Worten: Ich habe mich sehr, sehr unwohl gefühlt. Erst Recht, da alle um mich herum sehr schnell gesund zu werden schienen, aber anscheinend niemand meine Erkrankung nachvollziehen konnte. Ich wurde von Pflegern dafür kritisiert, dass ich soviel schlief und nicht aufstand, wenn plötzlich zehn Leute bei der morgendlichen Visite vor mir standen und wissen wollten, wie es mir geht. Bei der Gruppentherapie heulte ich meist durchgängig die ganze Sitzung lang, aber da die Therapeutin der Meinung war, dass ich mich schon selber melden müsse, wenn ich über was reden wollte, blieb es meistens dabei, also heulte ich, während ich zum 20. Mal die traurige Geschichte einer viel zu früh verstorbenen Ehefrau hören musste oder die verständnislosen Fragen einer Frau, die offensichtlich nicht kapiert hatte, warum man sie wegen ominöser Ohrenschmerzen in die „Klapse“ schickt.
Die Therapeutin dagegen, die meine Einzelsitzungen leitete, schien hingegen schlichtweg überfordert. Ihr offensichtlich rein verhaltenstherapeutischer Ansatz erschöpfte sich in Phrasen wie „Und wenn Sie versuchen, das nicht so anzugehen, sondern so oder so?“, mit denen ich damals einfach nichts anfangen konnte. Alternativen hatte sie aber nicht, also gab sie mir am Ende die resignierte Bemerkung mit auf den Weg, gegen diesen „Berg aus Traurigkeit“ einfach nicht anzukommen.

Ich verließ die Klinik also mit dem erhebenden Gefühl, ein hoffnungsloser Fall zu sein, und der traurigen Gewissheit, dass die Entscheidung, in eine Klinik zu gehen, zum endgültigen Bruch mit meiner Familie geführt hatte. Seitdem habe ich außerdem eine bereits geschilderte Abneigung gegen Gruppentherapien, an der sich bis heute nichts geändert hat.

Diese Klinik war für mich nicht der richtige Ort gewesen – aber am meisten verbittert mich, dass man sich dort nicht für mich um eine ordentliche Nachsorge gekümmert hat. Diese Leute hatten die Zeit, die Ressourcen und die Expertise, mir an meinem Studienort (denn direkt an den Klinikaufenthalt schloss sich endlich mein erstes Semester an, das ich aber vollständig an mir vorbei gehen ließ) oder auch Zuhause einen ambulanten Therapieplatz zu besorgen, aber dahingehend ist NICHTS passiert. Ich wurde nach dem Maximum der möglichen Zeit ungeheilt praktisch auf die Straße geworfen und bin seitdem ohne Behandlung. Die Suche danach habe ich ja schon erschöpfend geschildert.

Es ist schwer zu sagen, ob es mir heute besser oder schlechter geht als damals. Einerseits hat sich vieles bei mir verbessert. Meine Soziale Phobie, damals ganz massiv, habe ich selbstständig und unter großen Anstrengungen alleine in den Griff gekriegt. Das habe ich geschafft, indem ich mich bewusst immer wieder in für mich unangenehme Situationen gebracht habe, bis sie nicht mehr unangenehm waren – klassische Desensibilisierung. Übrig geblieben ist eine gewisse Social Akwardness, die aber vielleicht auch einfach Teil meines Charakters ist und mit der ich leben kann. Auch hat mir meine Arbeit als Kellnerin, der ich seit vier Jahren nachgehe, was vor neun Jahren völlig unmöglich gewesen wäre, mehr Selbstbewusstsein verschafft.
Dennoch sind die schwarzen Phasen, so scheint es mir zumindest, heutzutage wesentlich schwärzer als damals. Sie suchen mich allerdings auch nicht mehr so häufig heim – wenn aber doch, dann voll in die Fresse. Eine solche Phase hatte ich diesen Winter, was ich als die schlimmste Zeit meines Lebens in Erinnerung habe.

Momentan sieht es also so aus, dass es mir besser geht, ich aber dennoch weiterhin eine Therapie suche. Dank des vielen positiven Feedbacks sehe ich das allerdings nicht mehr so pessimistisch wie noch vor kurzem.
So sollte ich erwähnen, dass die Passagen, die sich mit der Therapeutensuche beschäftigten, alle im Präsens geschrieben waren, aber der letzte Teil davon – der, in dem ich diesen blöden Anamnesebogen vor mir habe – bereits drei Monate zurück liegt. Ich habe das dämliche Teil nicht nur ausgefüllt (mit ein bisschen Hilfe meiner Mitbewohner), sondern sogar geschafft, es zur Post zu bringen. Ich habe also schon die Hälfte der sechsmonatigen Wartezeit rum und vielleicht ergibt sich da ja was.
Andere Vorschläge wie Tagesklinik oder die Empfehlung, es doch mal in der Psychiatrie zu versuchen, sind leider mit meinem Leben momentan nicht vereinbar. Ich erhalte zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei finanzielle Unterstützung von irgendjemanden oder irgendeinem Amt, weshalb ich arbeiten gehen MUSS, allein um meine Wohnung und mein Essen zu bezahlen. Auch halte ich eine Psychiatrie (und eine Tagesklinik ist meist einer Psychiatrie angeschlossen) immer noch für den für mich letzten Ausweg, der für mich nur im absoluten Notfall in Frage kommt.

Was sich jedoch geändert hat: Die vielen Tipps bezüglich sozialpsychatrischem Dienst, der einem bei der Therapeutensuche helfen kann, möchte ich definitiv in Anspruch nehmen, sobald mein aktueller Real-Life-Stress etwas nachgelassen hat. Das soll mein zweites Standbein sein, falls es mit der oben angesprochenen Therapie nicht klappt. Und außerdem hat sich eine sehr nette Expertin bei mir per Twitter-DM gemeldet und es geschafft, mir meine absolute Abneigung gegen Psychopharmaka zu nehmen. Möglicherweise kann sich dadurch ja auch einiges verbessern. Zumindest ist es nach 10 Jahren ein neuer Versuch wert.

Ihr seht, so krass am Boden bin ich momentan nicht, auch weil sich unlängst einige positive Entwicklungen im Real Life ergeben haben, die mich sehr aufgebaut haben. Dennoch fühle ich mich seit meinen Artikel etwas unsicher gerade im Hinblick auf diesen Blog. Ich habe seitdem einige Twitter-Follower dazu gewonnen, aber allein die Followerzahlen meines Blogs gingen danach von ca. 160 hoch auf über 210!! Verglichen mit manch anderen Bloggern mag das nicht viel sein, aber es ist immerhin eine Erhöhung um ein fettes Drittel. Gleichzeitig zeigen mir meine Statistiken, dass unmöglich alle diese neuen Abonnenten in meinem Blog quergelesen haben können, um zu sehen, was ich eigentlich sonst so von mir gebe.

Ich befürchte, die könnten am Ende alle enttäuscht sein, wenn ich plötzlich wieder zu meinen normalen Themen zurück kehre und höchstens einmal im Monat etwas schreibe, was über einen kurzen Lacher oder einen Rant über einen doofen Film hinaus geht. Und Depressionen waren hier bisher sehr selten Thema, was eigentlich auch so bleiben soll, da ich vermutlich schon viel zu viel erzählt habe und das Gefühl nicht mag, nur noch darüber definiert zu werden. Ich möchte wirklich nicht von Leuten, die mit mir vorher ganz ungezwungen Quatsch gemacht haben, plötzlich wie ein rohes Ei behandelt werden.

Deshalb sitze ich jetzt hier und grüble über Blogideen. So fehlt ja immer noch mein Reisebericht aus den USA, den ich unbedingt schreiben wollte. Außerdem hatte ich eigentlich vorgehabt, zur Feier meines jüngsten Nebenbroterwerbs (DJ!) ein paar Mixtapes zu veröffentlichen, wobei ich als erstes einen von mir so betitelten „Depressive“-Mix vorgesehen hatte, aber nach diesen letzten Wochen habe ich keine Ahnung, wie sowas wohl ankommen würde. Ohnehin neige ich dazu, über meine Depression Witze zu reißen, was bestimmt auch einige sehr seltsam finden.

Andererseits kann ich sowieso nicht aus meiner Haut, also werden sich meine Themen wohl nicht wirklich ändern. Mehr kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt dazu aber leider nicht sagen, außer, dass ich hoffe, euch nicht allzu sehr zu enttäuschen ^^

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Awareness: Ein Nachtrag an meine Kritiker

Dies ist ein weiterer Nachtrag zu meinem Artikel Eure Awareness kotzt mich an! und richtet sich an diejenigen, die ihn kritisiert haben. Alle anderen bitte hier entlang.

Liebe Leser, liebe Kritiker: Ich habe einen Fehler gemacht.

Aber bevor ihr euch jetzt freut: Nein, dies wird keine Entschuldigung für meinen Artikel. Er war mir sehr wichtig und ich stehe hinter jedem Wort. Dennoch habe ich einen Fehler gemacht. Und auch, wenn ihr so tierisch gut darin seid, über Nonmentions zu hetzen und mir Dinge zu unterstellen ohne den geringsten Willen, vielleicht mal nachzufragen, ob die leise Möglichkeit besteht, dass ihr vielleicht etwas falsch verstanden habt, damit ich mich erklären kann, sei mir auf meinem eigenen Blog eine Klarstellung gestattet. Diese geht so:

Dies ist mein Blog. Die Artikel, die ich hier schreibe, ordne ich in Geiste in zwei Kategorien. Die erste Kategorie nenne ich „banal“ – es geht um Dinge (meist Filme, Musik, lustiger Alltag) die mich interessieren, die aber, so ehrlich muss man sein, nicht gerade weltbewegend sind, auch wenn es mir Spaß macht, Beiträge darüber zu schreiben und es hoffentlich ein paar Leuten Spaß macht, sie zu lesen.
Die zweite Kategorie nenne ich „Debattenbeitrag“ – und hier ordne ich Artikel ein, die ich in irgendeiner Weise für relevant halte, so beschränkt das auch manchmal sein mag.

Es befinden sich Artikel in dieser Kategorie, die ich selber nicht besonders gelungen finde. Andere dagegen schon. Mein „Awareness“-Artikel gehört zu letzteren.

Nun kann ich nach ein paar Jahren bloggen ungefähr abschätzen, wie gut ein Artikel ankommt oder auch nicht. An normalen Tagen, an dem ich gar keinen Artikel veröffentliche, bekomme ich etwa 200-300 Klicks, an Tagen mit Artikel bis zu doppelt so viel. Mein bisher bester Artikel erreichte, wenn ich mich recht erinnere, knapp tausend Klicks am Tag seiner Veröffentlichung. Das mag für diverse etablierte Blogger ein Fliegenschiss sein, aber für meine Verhältnisse war das sehr viel.

Was ich damit sagen will: Ich war und bin stolz auf meinen Artikel und ich wusste auch, dass er gut ist, aber nichts, was ich bisher blogtechnisch veranstaltet habe, hätte mich darauf vorbereiten können, wie sehr dieser Artikel einschlägt. Oder um das zu illustrieren:

Blogstatistik

Normalerweise gehe ich davon aus, dass meine Artikel von Bloggerfreunden und einigen Followern auf Twitter geklickt und gelesen werden. Mit anderen Worten: Leuten, die mich ein bisschen kennen. Und hier lag mein Fehler. Ich habe schlicht unterschätzt, wie relevant der Artikel tatsächlich war (und es ist mir scheißegal, ob das jetzt arrogant klingt). Ich konnte nicht damit rechnen, dass er so oft geteilt wird und ein Stefan Niggemeier ihn auf Facebook verlinkt und dass er deshalb hauptsächlich Leser erreicht, die mich NICHT kennen und deshalb einige davon gewisse Inhalte falsch einordnen (wollen).

Ich stelle darum hiermit klar:

Ich habe weder etwas gegen den Hashtag #notjustsad, noch sollte der Artikel ein Angriff gegen seine Initiatorinnen sein, da ich diesen im Gegenteil für den Hashtag sehr dankbar war, und erst Recht nicht wollte ich damit Menschen verhöhnen, die unter diesem Hashtag von ihren Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen berichtet haben.

Tja, aber das glaubt ihr mir jetzt nicht, stimmt’s? Das Label „Feind“ passt ja auch so gut. Aber wenn ihr mich und meine Onlineaktivitäten schon nicht kennt, dann wäre ein bisschen Recherche ja vielleicht ganz hilfreich gewesen. Dabei wäre man beispielsweise auf diesen Tweet gestoßen:

Oder den hier:

Oder den:

See? Ich habe VON ANFANG AN unter diesen Hashtag getwittert. Die (vollständige?) Liste findet man ganz einfach bei Twitter, wenn man sich denn die Mühe macht, danach zu suchen. Meine vielen Retweets sind da leider nicht enthalten, ich weiß nicht, wie man die ermitteln kann. Warum um alles in der Welt sollte ich jetzt Leute dumm anmachen, die den Hashtag benutzen? Ich habe ihn doch selber benutzt!! Das gilt im Übrigen auch für den vergleichbaren, aber zu meinem Thema an sich viel passenderen Hashtag #isjairre, der leider nicht so viel Würdigung erfahren hat.

Falls das immer noch nicht reicht: Ich habe mich auch regelmäßig an ähnlichen Hashtags beteiligt. #Aufschrei war sogar der Grund, weshalb ich mich überhaupt bei Twitter angemeldet habe!!! Zudem habe ich ihn, wenn nötig, immer verteidigt (nachzulesen beispielsweise hier, hier und hier).

Und um dem Ganzen noch ein Krönchen aufzusetzen, habe ich SOGAR SELBST mal einen aktivistischen Hashtag erfunden, der wenigstens kurze Zeit munter benutzt worden ist.

So. Sehe ich mit diesem Hintergrund für euch wie eine Person aus, die Leute blöd von der Seite ankackt, weil sie Hashtags erfinden oder sich gar nur des schröcklichen Verbrechens schuldig machen, darunter zu twittern?!

Hätte ich gewusst, dass der Artikel so populär wird, hätte ich ihn anders geschrieben. Nicht, weil ich nicht hinter der harten Kritik stehe, die ich darin äußere, sondern weil ich nicht davon ausgehe, dass diese ganzen mir unbekannten Leser auf Twitter aktiv sind und den Hashtag #notjustsad kennen. Twitter ist und bleibt in Deutschland ein Minderheitenmedium. Ich hätte die ein oder andere Erklärung mit eingeschoben, aber an meiner Kritik hätte sich nichts geändert, auch wenn mir die zahlreichen Kommentare egal ob auf meinem Blog, auf Twitter oder persönlich per Mail von Betroffenen, die sich bei mir bedankt haben, deutlich zeigten, dass die meisten sich nur von dem Teil „persönlicher Erfahrungsbericht“ angesprochen gefühlt haben. Das ist für mich völlig ok, beweist mir aber auch, dass die Kritik, ich hätte ALLE Betroffene damit beleidigt, absolut substanzlos ist!

Meine einzige Sorge bei dem Artikel war, dass sich Leute angesprochen fühlen könnten, die mir in den letzten schlimmen Monaten durch liebe Worte, virtuelle Hugs oder besorgte Nachrichten beigestanden haben. Das hat mir sehr gut getan, auch wenn ich oft nicht darauf reagieren konnte, und ich fürchtete sehr, dass sich von DIESEN Leuten jemand attackiert fühlen könnte. Deshalb habe ich den Disclaimer gesetzt:

Ich bin Robin, ich leide an Depressionen und möchte mich bei jedem bedanken, der mir in den vergangenen schlimmen Wochen und Monaten seine ehrliche Anteilnahme schenkte, mir wirklich helfen wollte und besorgt war.
Ihr seid lieb. Aber: Es werden keine Lieder mehr für Helden geschrieben. Darum fühlt euch nicht angesprochen von dem, was folgt. Es ist nicht für euch.

 

Und that’s it. Im Leben nicht wäre ich auf die Idee gekommen, man könnte dahinter einen Angriff gegen #notjustsad und seine Nutzer vermuten.

Jetzt könnte ich hier einen Cut machen und es mir am Arsch vorbei gehen lassen, dass manche den Artikel falsch verstanden haben. Aber einiges, was ich an Kritik dazu gelesen habe (und ich habe bewusst nicht viel dazu gelesen – wenn man schon zu feige ist, mich persönlich anzusprechen), ist so himmelschreiend blöd, dass ich ein paar Perlen herauspicken will.

Damit also nochmal zu dem Vorwurf, ich hätte ALLE Betroffenen beleidigen wollen, die den Hashtag benutzt oder Tweets, die darunter geschrieben wurden, retweetet haben. Das ist Schwachsinn. An wen ich adressiere, wird bereits in einem der ersten Absätze klar, wenn man denn willig ist zu verstehen:

Schlimm, hm? Plastisch. #Notjustsad, indeed. Diese armen Depressiven, unterstützen muss man die. Das fave ich doch mal, und noch einen Retweet als Kirsche oben drauf. Ah, jetzt geht’s mir besser. Ich bin ein guter Mensch. Ich bin aware.

Diese Sätze stammen von mir, sind aber ganz klar NICHT aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben und jeder, der das nicht erkennt, sollte vielleicht die 7. Klasse Deutsch wiederholen. Glaubt ihr ernsthaft, irgendein Betroffener würde von „diesen armen Depressiven“ reden? Oder sich gar GUT fühlen, wenn er einen solchen Tweet teilt?
Ich sage euch, wie ICH mich bei jedem Retweet gefühlt habe: absolut beschissen. Weil die Tweets Dinge ansprachen, die ich kenne und unter denen ich leide. Das zu retweeten hat KEINEN Spaß gemacht und hat mir auch keine moralische Erleichterung verschafft!

Stattdessen habe ich damit Menschen ansprechen wollen, die glauben, sie hätten durch ein oder zwei Retweets ihre gute Tat des Tages vollbracht und sich ganz arg cool dabei fühlen, Dinge zu wissen (sprich, aware zu sein), die eigentlich jedes Schulkind wissen sollte. Euch ist bewusst, dass eine Depression NICHT NUR TRAURIGKEIT bedeutet? Herzlichen Glückwunsch: DAS IST KEINE LEISTUNG!!!
Es können hier gar keine Betroffenen gemeint sein, denn diese sind sich logischerweise ihrer Probleme aware, ob sie wollen oder nicht!

Die Awareness dieser Menschen – und erzählt mir BITTE nicht, dass es solche Leute nicht gibt!! – ist nichts dolles, sondern Scheiße! Selbstzentrierte „Ach was bin ich doch so ein guter Mensch“-Scheiße! Ein reines Kreisen um sich selbst, pure Selbstbeweihräucherung, die, wenn überhaupt, Betroffenen nur aus Versehen tatsächlich nutzt – und darum ist es eine völlig falsche Art Awareness, die ich weder akzeptieren, noch abfeiern muss!

Es wurde mir darüber hinaus zur Last gelegt, ich sei mit einem bestimmten Artikel dazu nicht einverstanden gewesen. Das ist ebenfalls Bullshit. Ich war mit fast KEINEM Überblicksartikel dazu so richtig einverstanden, egal ob in Blogs oder, für mich wesentlich massiver, in Onlinemedien! Diese waren, ich schrieb es bereits, „beiläufig, oberflächlich und an den tatsächlichen Problemen vorbei“.

Ich könnte hier jeden beliebigen Artikel dazu rauspicken, egal ob Spiegel, Focus, FAZ etc. pp.. Am besten haben mir ja die gefallen, die ganz „kompakt“ in einem Satz aufgezählt haben, was für Symptome mit Depressionen einher gehen. Darunter natürlich die Evergreens: „Schlaflosigkeit“ (tja, ich habe genau das Gegenteil!), „Antrieblosigkeit“ (mein großes Hauptthema, das in dieser Kürze aber nur zu der dämlichen Frage führt, warum ich es dann schaffe, einen so langen Text darüber zu schreiben) oder „verminderter Appetit“ (mein Liebling, da völlig unzutreffend. Ich höre sie schon ungläubig stammeln: „Wenn du depressiv bist, warum bist du dann so fett?“).
Viele dieser Symptome treffen nur auf einen Teil der Betroffenen zu und viele Symptome äußern sich bei einen Teil in umgekehrter Weise. Es ist genau diese Art Halbwissen, das für mich keine Awareness darstellt, sondern das Gegenteil! Und wenn das Ganze, wie bei fast jedem Artikel dazu, dann noch von einem semiinformierten Autor, der gerade Geld dafür bekommen hat, seinen Lesern einen Wikipedia-Besuch zu ersparen, mit einem lieblos hingeklatschten Link zum Sorgentelefon (das übrigens zu meiner Zeit immer besetzt war) garniert wird, fühle ich mich als Betroffene nicht nur nicht wirklich repräsentiert, sondern offen beleidigt!

Dann haben sich einige offensichtlich an dieser Passage gestoßen:

Keine Chance, unter sechs Monaten Wartezeit irgendwo unter zu kommen – außer Psychiatrie, die MÜSSEN einen ja nehmen, aber für Menschen mit Depressionen ist das nichts anderes als eine Verwahranstalt. Aggressive Leute, Schizophrene mit Wahnvorstellungen, drogeninduziere Psychosen vor allem.

Ich las, ich würde damit einerseits allgemein Leute beleidigen, die sich in Psychiatrien einweisen lassen, und Menschen mit Schizophrenie und Psychosen im Besonderen. Ähähä – nein.

Kurze Anekdote: Ich war mal in einer Drogenrehaklinik. Nicht als Klientin, sondern als Praktikantin. Dort traf ich ein Mädchen, das die 9-monatige Reha nach drei Tagen abbrach und deshalb von den Therapeuten total gehatet wurde.
Dabei war das Mädchen dort einfach nur falsch. Sie hatte mit Sicherheit psychische Probleme und brauchte Hilfe, aber in dieser Klinik war sie eine Kifferin unter Junkies. Männern, die sich mit Beschaffungskriminalität strafbar gemacht haben, Frauen, die sich (teilweise von frühster Jugend an) prostituieren mussten, um ihre Sucht zu finanzieren. Ein Teil bestand aus verurteilten Gewaltverbrechern, deren Gefängnisstrafe vom Gericht mit der Auflage zur Bewährung ausgesetzt worden war, eine Drogentherapie zu machen, ein Teil hatte ansteckende Krankheiten wie HIV oder Hepatitis C, jeder einzelne entstammte einer völlig anderen Lebenswelt.
Versteht mich nicht falsch: Alle Klienten hatte eine schwere Vergangenheit hinter sich und die meisten waren furchtbar liebe Menschen, die einfach nie eine Chance im Leben hatten. Aber das Mädchen passte da nicht rein. Sie hat, Herrgott nochmal, nur gekifft. Vermutlich ist sie von ihren Eltern dorthin verfrachtet worden, die nicht sehen wollten, dass ihr Substanzmissbrauch lediglich ein Symptom für eine andere psychische Erkrankung war. Sie steckte da mit Hardcore-Drogensüchtigen mit Lebensgeschichten wie aus einem Thriller, die noch dazu auf sie herab blickten, und fühlte sich so unwohl, dass sie es nicht mal eine Woche ausgehalten hat.

Versteht ihr, was ich damit sagen will? Sowohl das Mädchen als auch die anderen Klienten brauchten Hilfe, VERDIENTEN Hilfe, aber das heißt noch lange nicht, dass man sie ZUSAMMEN behandeln sollte und kann!!

Man legt eine Frau, die gerade ihr Baby verloren hat, im Krankenhaus nicht mit einer frischgebackenen Mutter auf ein Zimmer, man steckt 60jährige Alkoholiker nicht in eine Klinik für Magersüchtige, man behandelt traumatisierte Missbrauchsopfer nicht zusammen mit Pädophilen. Komischerweise leuchtet DAS jedem ein. Warum darf also ICH nicht für MICH bestimmen, was ich ertragen kann und was nicht?

Hier äußert sich eine weitere abartige Scheinheiligkeit dieser sogenannten Awareness, die einerseits weit über’s Ziel hinaus schießt, als auch völlig an der Sache vorbei geht: der diskriminierte Mensch als ewig unschuldiges Opfer. Und das ist wiederum diskriminierender (wenn ihr es so wollt „ableistischer“) als viele andere Diskriminierungserfahrungen.

Ich bin kein besserer Mensch, weil ich Depressionen habe. Im Gegenteil. Ich weiß, dass ich dadurch schwieriger werde, meinem Umfeld einiges abverlange. Als ich vor einigen Monaten so richtig am Boden war und mein Mitbewohner mich hilflos trösten wollte, antworte ich auf die Frage, woran ich gerade denke: „Wem ich mein ganzes Zeug vermache.“
Klar ist es scheiße, dass ich armes krankes Ding in diesem Moment an Selbstmord dachte – aber es war auch scheiße, ihn mit einem solchen Spruch zu belasten. Nun ist es von meiner Seite aus absoluter Standard, auch in den schlimmsten Momenten seinen Freunden beizustehen, aber dennoch kann man sich deswegen nicht alles erlauben! Genau das scheinen jedoch einige für uns Betroffene in Anspruch zu nehmen – dass wir in Watte gepackt und jedes noch so belastende Verhalten unsererseits nicht hingenommen werden kann, sondern hingenommen werden muss.

Und DAS ist diskriminierend. Ich leide NUR an Depressionen. Mein Verstand funktioniert hervorragend. Ich WEISS, wenn ich mit einem solchen Verhalten zuweit gehe und möchte KEINE Sonderrechte auf Kosten der Gesundheit anderer. Das bedeutet für mich nur, dass ich nicht für voll genommen werde. Und DAS ist beleidigend!

Aber genau diese Haltung macht mich nun offensichtlich nicht mehr zum unschuldigen Opfer, sondern zur verachtenswerten Täterin, die es doch tatsächlich wagt zu sagen, dass psychisch Kranke anstrengend sein können.

Aber eine Psychiatrie ist kein Mädchenpensionat. Ich habe mehrere als Besucherin von innen gesehen und von noch mehr ist mir berichtet worden. Natürlich ist eine Psychiatrie für viele die letzte Rettung und daher absolut notwendig und jedem, der sich einweisen lassen will, gebe ich meine besten Wünsche auf den Weg. Aber ich fühle mich dort nicht wohl. ICH fühle MICH dort nicht wohl. Und ja, das liegt auch an Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen, die ich weder komplett erfassen, noch in Situationen, in denen es mir so richtig dreckig geht, ertragen kann. Schizophrenie ist eine oft (nicht immer) schwere Krankheit mit Wahrnehmungsstörungen, mit der ich selbst in meiner besten Verfassung nicht umgehen kann. Und eine Psychose, ob drogeninduziert oder nicht, ist einfach ein krasser Ausnahmezustand für alle Beteiligten, womit ich ebenfalls nicht klar komme. Von gesunden Menschen, die einfach nur zu viel gesoffen haben, aber deswegen die halbe Nacht randalieren oder kotzen, gar nicht erst zu reden. In einem solchen Umfeld kann ich mich nicht meiner eigenen Genesung widmen, in einem solchen Umfeld stünde ich permanent unter Stress, den man sonst nur professionell ausgebildetem Personal zumutet.

Ich weiß nicht, wie oft schon rumgejault wurde, weil Veranstaltung X oder Barcamp Y keine „Safe Spaces“ bietet, und das längst nicht nur von Personen mit Beeinträchtigungen, sondern körperlich und geistig völlig gesunden Menschen, die trotzdem aus welchem Grund auch immer keine Lust hatten, mit bestimmten Personengruppen einen Raum zu teilen. Wer seid IHR, MIR als einer Betroffenen einer psychischen Erkrankung dieses Recht in einem Raum, der auf Heilung ausgelegt ist, abzusprechen!? Wer seid IHR, dass ihr MICH dazu zwingen wollt, mich in meinen schlimmsten Momenten mit schwerwiegenden Störungen auseinander setzen zu müssen, mit denen ihr als Nichtbetroffene niemals in Berührung kommen werdet?! Und wer seid IHR, MIR wegen dieses realistischen Blicks auf diese Störungen, gegen den ihr die Augen verschließt und das Awareness nennt, und meiner eigenen Einschätzung meiner Fähigkeit, damit umzugehen, DISKRIMINIERUNG vorzuwerfen?!

Was, zur Hölle, erlaubt ihr euch?! Um es mal in eurem Jargon zu sagen: CHECKT MAL EURE VERDAMMTEN PRIVILEGIEN!!!

Und damit wären wir bei den größten Heuchlern von allen angekommen. Die, die ich ganz besonders ansprechen wollte. Die, die an andere moralische Maßstäbe anlegen, die bis zum Mond reichen, aber selber so unreflektiert und anmaßend sind wie Scheiße.

Das größte Problem nämlich, das einige mit meinem Artikel zu haben schienen, war dieses: Ich bin ich. Ich habe eine Meinung. Diese Meinung deckt sich nicht mit ihrer Meinung. Und darum bin ich The Ultimate Evil, schlimmer als Hitler und die AfD zusammen.

Warum sonst, liebe Leute, spielt es auch nur die geringste Rolle, dass ich feministische Positionen vertrete, die andere nicht teilen? Was um alles in der Welt hat das damit zu tun, dass ich als Depressive nicht die Hilfe bekomme, die ich brauche? Was steckt dahinter, wenn nicht purer Hass gegen alles, was nicht mit diesen Leuten auf einer Linie ist?

Es ist das und GENAU DAS, was ich schon in meinem Artikel schrieb: „Definitionsmacht? Nur, wenn es ins politische Programm passt.“

Und das ist die pure Heuchelei. ICH halte „Definitionsmacht“ und „Privilegientheorie“ für unzureichende Konzepte – aber IHR nicht. IHR müsst euch an euren eigenen moralische Ansprüchen messen – und versagt dabei kläglich. Eine Betroffene, die von Diskriminierungserfahrungen berichtet, jede Kompetenz abzusprechen, weil sie bei einem anderen Thema anderer Meinung ist, ist reine Bösartigkeit und genau die Art beschissene Awareness, die einzig dem Selbstzweck dient, sich toll und gut zu fühlen. Aber ihr seid nichts davon. Ihr seid keine guten Menschen. Euch sind andere Leute E-G-A-L. Und wenn es jemanden wie mich braucht, das auszusprechen und dafür die Twitterprügel zu kassieren, dann ist das eben so. Es ist nur der eindrückliche Beweis für eure Scheinheiligkeit, wenn ihr euch jede Debatte unter den Nagel reißt, sobald ein Thema aufkommt, und sie mit eurer Scheißmeinung füllt, bis jeder, der das nicht schluckt, der Feind ist und mit allen Mitteln bekämpft gehört.

Ein großes Thema dieser Meinungsführerinnen ist stets die „Intersektionalität“. Intersektionalität am Arsch. Es reicht ja nicht, depressiv zu sein, nein, man muss depressiv sein UND euren Feminismus teilen, sonst hat man von euch GAR NICHTS zu erwarten. Das ist kein Aktivismus, das ist Faschismus in Reinform!!

Das halte ich im Übrigen auch für den Grund, warum die Klassismusdebatte in Deutschland nie so wirklich in Gang gekommen ist. Von Klassismus betroffene Menschen sind nämlich nicht so fancy gebildet wie ihr, wählen in der Regel keine Studiengänge, bei denen man nicht sicher sein kann, danach einen Job zu bekommen und verstehen die ganzen Pseudoprobleme nicht, die ihr aus eurer Literatur ableitet, weil sie sie nicht gelesen und wichtigere Probleme haben oder, Gott bewahre, sie HABEN sie gelesen und kommen zu einem anderen Urteil als ihr. Dabei ist Klassismus Bildungskiller Nummer Eins in Deutschland. Nicht das Geschlecht, nicht die Herkunft, nicht die Hautfarbe – nein, es ist Klassismus. Aber die Betroffenen machen sich halt nicht so gut, die geben gar Widerworte, das sind keine guten Opfer, die man vorführen kann, also weg mit ihnen, auf zum nächsten Thema, die sind eh scheiße, ne?!

Es wurde über mich gehetzt, Anschuldigungen erhoben und mir auf eine Art und Weise die Möglichkeit geraubt, mich zu erklären, die mich sprachlos machen würde, wenn ich das jetzt nicht schon so oft beobachtet hätte. Keine Sau hat es interessiert, wie es MIR dabei geht. Glücklicherweise bin ich auf dem Loch wieder rausgekrochen, in dem ich den halben Winter lang saß, aber das ist nicht EUER Verdienst, wie überhaupt gar nichts, was Betroffenen hilft, euer Verdienst ist, weil ihr euch nur um euch selbst und die Bestätigung eurer Filterbubble dreht. Ich kann nur heilfroh sein, dass mich diese Scheiße nicht in einer schlimmen Phase erwischt hat. Nicht, dass das EUCH interessieren würde.

Und das war der letzte Tropfen in diesem Fass, das bereits randvoll war mit radikalfeministischer Scheiße der selbsternannten Twitterelite, die Menschen, sobald sie auch nur ein Jota von ihrer Meinung abweichen, mit Hohn und Hass überziehen und sich dafür von ihren Lemmingen feiern lassen.

Aber ich mache da nicht mit. Kapiert einfach, dass ich mich nicht an euren moralischen Maßstäben messen lasse, weil ich nämlich andere habe. Ich habe mich eurer Maßstäbe teilweise in meinem Artikel bedient, um zu demonstrieren, was ihr damit anrichtet, und dafür hattet ihr nichts als Verleumdung und Hass übrig, ohne die geringste Reflexion darüber, dass ihr euch damit gerade selbst fickt. Deshalb seid ihr nichts als Heuchler. Umso mehr, wenn ihr die Unzulänglichkeiten des Gesundheitssektors, die ich mit dem Artikel thematisiert habe, jetzt totschweigt, nur weil der aktuelle Anstoß dazu von MIR kam.

Und jetzt lasst meinetwegen den Mob los, twittert, wütetet und empört euch. Es interessiert mich nicht. Ich habe die nächsten Tage im Real Life zu viel zu tun, um mich mit eurer Scheiße zu befassen. Tobt euch aus auf Kosten einer psychisch Kranken und teilt morgen einen traurigen Tweet, wenn ihr euch dann besser fühlt. Aber erwartet dafür von MIR keinen Respekt, ihr ach so awaren scheinheiligen Pseudos, denn ihr kotzt mich immer noch an!

Fickt euch und Tschüss!

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