It’s called Menstruation and here’s what it means to me!

Reden wir doch mal über Menstruation!

Irgendwie verfolgt mich das Thema. Also, ich meine nicht so, wie es fast jede Frau Jahrzehnte ihres Lebens verfolgt, sondern ganz geballt in letzter Zeit.
Beispielsweise durch diese „Free Bleeding“-Ente, angeblich ne feministische Bewegung, eigentlich aber nur ein bisschen unlustige antifeministische Propaganda, die natürlich von ein paar hysterischen Vollidioten direkt ernst genommen wurde – was einfach nur krass peinlich ist 😀
Dagegen wirklich witzig: dieser Beitrag der Nessy, über den ich sehr gelacht habe (ernsthaft: Seht euch das Video an!). Eine Willkommensparty für die erste Menstruation – es klingt so schrecklich, aber verglichen mit meinen Erfahrungen hätte ich liebend gerne getauscht!

Ich überlegte, ob ich nen Artikel darüber schreiben soll. Ich war unschlüssig.

Dann bekam ich meine Tage. So sei es – das rote Orakel hat gesprochen!
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Ich habe meine Tage zum ersten Mal mit 11 bekommen und hasste es.

Bereits, seit ich zehn war, konnte ich kaum eine Hand auf meinen Bauch legen, ohne dass es zu Spekulationen darüber führte, ob es wohl bald „soweit“ ist. Gerade meine Tante fand das Thema offensichtlich hochinteressant – vielleicht, weil sie selber nur einen Sohn hat. Jedenfalls kommentierte sie jede meiner Klagen über Bauchweh direkt mit einem bedeutungsschwangeren Blick zu meiner Mutter und den Worten „Das müssen sie sein!“

„Sie“. Auch mal „es“. Dieses große Unbekannte, was da unaufhaltsam wie die Zeit auf mich zurollte. Diese biologische Bombe in meinem Unterleib, die nur darauf wartete, in einer Kaskade aus Blut und totem Gewebe zu explodieren.

Bevor es so weit war, hatte ich tatsächlich oft Bauchschmerzen. Keine Ahnung, ob sie wirklich alle meine Menstruation ankündigten, aber einmal waren sie so schlimm, dass meine Mutter mich zum ersten Frauenarztbesuch meines Lebens schleppte und ich Bekanntschaft mit „dem Stuhl“ schloss – dieses Horrormöbel, über das in der Umkleidekabine nach dem Sportunterricht verschreckt getuschelt wurde.
Ohne große Umstände pflanzte die Gynäkologin mich auf den Stuhl und fuhrwerkte bereits an mir rum, bevor ich überhaupt realisieren konnte, was da gerade passiert. Ich saß starr da und bekam erst den Spreizer zu spüren, bevor sie mir dann noch einen Finger in den Arsch steckte, um dort noch vorsorglich alles abzutasten.

Well. Glücklicherweise war ja meine Mutter da. Die genau vor mir saß und einen so guten Einblick in mein Innenleben hatte, dass sie auf diesem Wege praktisch schon mal ihren Enkeln winken konnte. Kinder und Pubertierende haben ja bekanntlich kein Schamgefühl, weshalb man die Patientin nicht fragen muss, ob sich während dieser Prozedur alle überflüssige Personen verpissen sollen.

Die gutgelaunte Ärztin beendete die Untersuchung, konstatierte, dass alles in Ordnung sei und dass ich das nächste Mal doch bitte mit gefüllter Blase kommen solle, denn die Probleme kämen wohl eher daher. Ich lächelte höflich, verließ mit meiner Mutter das Untersuchungszimmer und schwor mir, mich dieser Person nie wieder auch nur auf 10 Meter zu nähern.

Meine Mutter und ich, wir sprachen darüber nicht. Auch war der nächste Termin irgendwie kein Thema. Aber die Zeit schritt unbarmherzig voran und so kam der Tag, etwa drei Monate vor meinem 12. Geburtstag, als ich pinkeln wollte und beim Runterziehen meines Slips ein Massaker vorfand.

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Völlig verstört riss ich meine Hose wieder hoch und rannte in mein Zimmer. Sehr schnell wurde mir aber klar, dass ich das wohl so nicht lassen konnte. Ich zeigte die Bescherung also meiner Mutter, die kreidebleich wurde und mir eine ihrer Slipeinlagen gab. Ich glaube, sie hat auch noch irgendwas über meinen Slip gesagt – dass ich ihn wegschmeißen soll oder so. Ansonsten geschocktes Schweigen.

Ich benutzte die Slipeinlagen laut der Packungsbeilage und ging ins Bett. Und das war meine „Willkommensfeier“.

In der 5. Klasse hatten wir Sexualkundeunterricht gehabt. In meinem Schulbuch war auch eine Geschichte eines Mädchens zu lesen, die zum ersten Mal ihre Tage bekam. Ihre Mutter besorgte ihr Hygieneartikel, redete mit ihr darüber und führte sie dann liebevoll zu einer kleinen Shoppingtour, um zu feiern, dass sie jetzt „eine Frau“ sei.

Der Text war im Unterricht nicht dran gekommen, aber ich hatte die Geschichte trotzdem aufgeregt gelesen. Nun schlug mir die Realität eiskalt in die Fresse.

Warum konnte das bei mir nicht auch so sein?

Meine ersten Erfahrungen mit dem Thema waren somit eine seltsame Mischung aus „Darüber redet man nicht“ und völliger Distanzlosigkeit. (Tatsächlich halte ich die Frauenärztin von damals immer noch für die beschissenste Ärztin, mit der ich je zu tun gehabt hatte.)

Wie reagiert man auf sowas? Natürlich: mit Scham.

Bei meinen Schulkameradinnen wurde dieses neue Kapitel natürlich oft thematisiert, aber irgendwie gingen die damit wesentlich cooler um als ich. Ein Mädel, das ein Jahr älter war als ich und für ihr Alter völlig abgebrüht, merkte schnell, wie gehemmt ich deswegen war und hatte damit etwas gefunden, auf dem sie mit genüsslicher Grausamkeit rumhacken konnte. Wenn sie mitbekam, dass es bei mir mal wieder so weit war, musste ich jederzeit damit rechnen, dass sie mir in der Klasse ein „Robin hat ihre Taaa-geee!!“ entgegen kreischte, was mir vor allem vor den Jungs unglaublich peinlich war. Leider fiel mir dazu nie eine schlagfertige Antwort ein, aber ich hasste das Mädchen deswegen heiß und heftig und verewigte sie schließlich in einem schrecklich gezeichneten Comic in meinem Tagebuch, in dem ich ihr eine grauenhafte Zukunft mit miesen Job und ohne Freunde prophezeite. Aber nicht mal da konnte ich meine Hemmungen ganz ablegen – ihr Comic-Ich sagte „Regel“ statt Tage. Könnt ihr euch sowas blödes vorstellen? Man möchte meinem Vergangenheits-Ich ein paar Cupcakes backen!

Auch meine anderen Freundinnen waren abgeklärter. „Stopf dir halt nen Stöpsel rein!“ kommentierte eine trocken, als ich eine Einladung zum Schwimmen gehen ablehnte, weil ich meine Tage hatte.

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Das war auch so’n Ding. Mit zwölf ging ich fast jede Woche mit meinen Großeltern schwimmen. Weil die „Regel“ in der Anfangszeit ihrem Namen allerdings nicht gerecht wird, ging das für ein paar Monate überhaupt nicht. Schmierblutungen, Zwischenblutungen, eine Menstruation, die scheinbar nach fünf Tagen vorbei war und dann irgendwie doch nicht etc. pp. Ich weiß noch, dass ich irgendwann mal heulend im Bett lag und völlig überzeugt davon war, dass ich wegen dieser Scheiße nie, nie, NIE wieder werde schwimmen gehen können!

Überhaupt waren die Tage der Tage Horror pur. Ich traute mich kaum, mich zu bewegen. Was ist, wenn was daneben ging?! Und die Binden schienen bei jedem Schritt zu knistern und ekelhaft an mir zu kleben.

Also war ein „Stöpsel“ gar keine schlechte Idee. Aber mir die selber kaufen?! OMG!!

Es war also eines dieser typisch verkrampften Gespräche mit meiner Mutter fällig. Wenn meine Mutter über solche Themen spricht, dann klingt sie nicht weniger als welterschütterlich. „Robin,“ sagte sie damals, legte ihre Hände auf meine Schultern und sah mir eindringlich-besorgt in die Augen, „dein Körper ist noch nicht bereit dazu.“

Ich weiß bis heute nicht, woran sie das fest gemacht hat. Soweit ich weiß, wurden Tampons in ihrer Anfangszeit nur für Frauen empfohlen, die bereits Mutter geworden waren, vermutlich, weil man irgendeiner dämlichen Vorstellung anhing, das erste, was die reine Maid in sich aufzunehmen habe, sollte halt der Schwanz ihres ihr ordnungsgemäß angetrauten Ehemannes in der Hochzeitsnacht sein. Aber ich nehme einfach mal nicht an, dass meine Mutter so drauf war.

Argumentativ kam ich gegen sie nicht an (ich bekam eh kaum einen Ton raus), aber mir wurde die Situation immer unerträglicher und schließlich bekam ich von irgendwoher doch OBs. Die ganz kleinen Minis. Die benutzen zu lernen war schwieriger als es aussieht und hat weh getan, aber ich biss die Zähne zusammen und bekam es schließlich hin. Learning by doing!

In dem oben verlinkten Text über dieses saudämliche „Free Bleeding“ heißt es, Tampons wären ein Produkt der Befreiung. Und, Halleluja, so war es auch!!! Plötzlich konnte ich schwimmen gehen, hatte nicht mehr das Gefühl, mich kaum bewegen zu dürfen und genoss ein zu tausend Prozent besseres Körpergefühl. Bis heute habe ich NIE wieder eine Binde oder Slipeinlage benutzt und verstehe auch nicht, wie sich irgendeine Frau das antun kann. Jeder das ihre, aber… für mich kommt das nicht in Frage.

Ein weiterer netter Nebeneffekt meiner neuen Weiblichkeit waren höllische Schmerzen jeden Monat. Die trafen leider zusammen mit einer Mutter, die absolut manisch gegen Schmerzmittel war.

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Wie scheiße ist es doch, minderjährig zu sein. Dürfen Kinder überhaupt Aspirin kaufen? Ich habe es leider nie ausprobiert. Dafür hatte ich schnell alles andere durch. Meine Mutter wälzte Naturheilkundebücher und schüttete mich mit Schafgarbentee zu, was bei der ein oder anderen Frau helfen mag, bei mir jedoch nicht. Mir blieb also nur, mich mit einer Wärmeflasche auf der Couch zusammen zu rollen und zu leiden. Möglichst still, damit ich meinen Stiefvater nicht zu einer abfälligen Bemerkung über diesen Weiberkram provozierte, den er niemals selbst erleben wird. Er schüttelte den Kopf, wenn ich mich wand, denn so schlimm konnte das ja nicht sein und diese Brandblasen, die ich mir einmal zuzog und die Narben hinterließen, welche man noch Jahre später sehen konnte, waren ja auch kein Beweis dafür, dass sowas etwa tatsächlich weh tut.

Die Schmerzen wurden weniger, als ich mit 16 anfing, die Pille zu nehmen, aber verschämt war ich deswegen immer noch. Bis dahin war es mir immer noch unangenehm, Hygieneartikel zu kaufen, doch deutete sich ein langsamer Wandel an. Ich denke, es ist ein Stück weit normal, in der Pubertät total gehemmt zu sein, wenn es bei mir auch eindeutig übertrieben war, aber mit den Jahren kam ich immer besser damit klar.

Woran vielleicht ein ganz spezieller junger Mann seinen Anteil hatte.

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Dieser Typ, ein kleiner Fascho mit lächerlich schütteren Schnauzbärtchen, auf den er wohl grandios stolz war, war der Freund einer Freundin von mir. Es ist mir heute immer noch unbegreiflich, was sie an dem Kerl gefunden hat. Zusätzlich zu einigen eindeutigen Charakterfails – der Idiot war tatsächlich ein Nazi! – hatte er beim Thema Menstruation einen eindeutigen Schuss weg. Ganz klar: Das war eklig und er wollte überhaupt nichts davon hören!!
Er selbst dagegen laberte immer wieder minutenlang davon – eben darüber, wie krass eklig das sei. Daswirdmanjawohlnochsagendürfen!
Und dieser Typ war Metzgerlehrling!!

Immer, wenn ich ihm zuhörte, merkte ich, dass mich das tierisch ankotzte. Klar, irgendwo stimmt es, menstruieren ist jetzt wirklich nicht gerade wie ein Bad in Rosenblüten, aber Herrgott, ICH habe ein Recht dazu, mich darüber zu beschweren, aber ER nicht, zumal er sonst immer den Macho rauskehrte, aber ausgerechnet bei dem Thema zur Mimose mutierte!
Als er eines Tages wieder damit anfing, kramte ich einen Tampon aus meiner Tasche und bewarf ihn damit. Er kreischte theatralisch und hörte schlagartig auf mit der Scheiße, wenn ich dabei war.

So lernte ich einerseits, dass Männer mit einer Sache nichts zu tun haben wollen, die einen essentiellen Bestandteil des Lebens einer Frau ausmacht, und andererseits, dass mir so ein Mimimi scheißegal war.

Klein-Robin ist inzwischen eine Frau, die stark auf die Dreißig zugeht und mit sich und ihren Körperfunktionen im Reinen ist. So nervig es manchmal auch ist, so froh bin ich, dieses Ereignis jeden Monat begrüßen zu können. Irgendwann möchte ich mal Kinder haben und bis es soweit ist, sagt mir dieser regelmäßige Blutschwall, dass mit mir alles in Ordnung ist. Aus diesem Grund habe ich auch eine neue Pille schnellstens wieder abgesetzt, die dazu führen sollte, dass ich meine Tage GAR NICHT mehr bekomme. Mein neuer Frauenarzt konnte überhaupt nicht verstehen, warum ich deshalb nicht jubelte, aber ich habe einfach mal darauf verzichtet, es ihm zu erklären und nahm die Pille nach drei Monaten nicht mehr.
Im Bad steht eine Maxipackung Tampons offen herum, ungeachtet der Tatsache, dass ich mit zwei Männern zusammen lebe – vor einigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Männer, die gefasst genug sind, auf die Frage „Geht’s dir nicht gut?“ ein „Nee, ich hab meine Tage bekommen“ als Antwort zu verkraften, ohne grün um die Nase zu werden.
Die Schmerzen sind kein Vergleich zu früher, zumal ich jetzt endlich schon groß bin und mir selbst Ibuprofen kaufen darf, was bei vielen Frauen nicht wirkt, bei mir aber schon. Jeden Monat nehme ich eine Tablette, denke an meine Mutter, während ich sie runter schlucke und kann nichts weiter tun als kichern.

Ich bin weit davon entfernt, dieses monatliche Massaker zu genießen und habe keine Ahnung, was zur Hölle mit Frauen los ist, die ihre Periode als „Erdbeertage“ bezeichnen, aber Scham – nein, die ist weg. Es mag ein Abfallprodukt des Körpers sein, aber es ist MEIN Abfall. Deshalb könnte ich seit meinem ersten Aufeinandertreffen mit solchen Typen immer noch aufplatzen, wenn Menschen diese natürliche Funktion abwerten oder saudumme Witze drüber machen. Zwar habe ich inzwischen die perfekte Antwort gefunden, wenn man mir mal wieder meine monatlichen Körperfunktionen vorwirft, nur weil ich völlig zurecht sauer oder schlecht drauf bin, aber trotzdem ist es einfach nur krass dämlich.

Denn Witze über die Periode oder PMS sind NIE lustig. Niemals.

Okay, manchmal ein bisschen.

 
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