Studieren am Limit – die Höhepunkte!

Wenn mir meine Examensarbeit wieder eins gezeigt hat, dann: Computer und ich, wir werden niemals gute Freunde.

Und JA, ich bin mir der Ironie bewusst, dieses Statement über einen COMPUTER in die Welt zu posaunen.

Ich brauchte STUNDEN, um am Schluss die Bilder einzufügen und verstehe immer noch nicht, warum OpenOffice daraus so ein verdammtes Problem macht. Beispielsweise habe ich immer noch nicht rausgefunden, wie man bereits eingefügte und beschriftete Bilder wieder löschen kann. Das scheint ein Riesendrama zu sein. Genauso wie die richtige Platzierung. OpenOffice scheint nicht zu checken, warum es irgendwie uncool ist, wenn Bilder Text und Fußnoten überdecken!

Irgendwie hab ich es aber hingekriegt. Und wenn ich „irgendwie“ schreibe, dann meine ich: Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ich das letztendlich geschafft habe. Wie ich ein Bild, das einfach hartnäckig am unteren Rand hängen bleiben wollte, obwohl das ein totales Desaster war (wie gesagt, die Fußnoten…!), trotzdem nach dem achtzigsten panischen Versuch in die Mitte platziert bekam. Kein Plan, was ich gemacht habe. Beziehungsweise warum eine Maßnahme, die dreizehn Mal nicht funktioniert hat, beim vierzehnten Mal plötzlich doch funktionierte. Ich verstehe die ganzen Funktionen schlicht und ergreifend nicht, glaube aber, dass das in dem Fall nicht unbedingt nur an mir hängt!

Und dann das ewige Drama: das Einfügen der Seitenzahlen. Es gibt nämlich keine einfache Methode, in einem Dokument die Seitenzahlen mit Nummer 1 erst ab Seite X beginnen zu lassen. Das ganz locker in einem Menü einstellen zu können wäre ja auch viel zu einfach. Deshalb versuchte ich gar nicht erst rauszufinden, welche Atomphysik man betreiben muss, um das bei OpenOffice hinzupfriemeln. Wenn ich mich recht erinnere, denn ich benutze das Programm nicht mehr, geht das bei Word sogar ÜBERHAUPT NICHT.
Konsequenz: Ich speichere Deckblatt und Gliederung immer separat in einem zweiten Dokument, was an sich keinen unerträglichen Mehraufwand bedeutet – wenn es nicht so UNNÖTIG wäre! Ich meine, wie schwer kann es sein, in einem Schreibprogamm so eine Funktion verfügbar und leicht bedienbar zu machen? Bin ich etwa der einzige Mensch auf der Welt, der gerne eine Arbeit für die Uni in einem einzigen Dokument speichern und die Seitenzahlen erst ab Seite 3 mit Nummer 1 beginnen lassen würde?! Das kann doch wohl nicht sein!

Jedenfalls entschloss ich mich für meine Standardlösung, speicherte zwei Dokumente und fügte die Seitenzahlen ein. Halleluja! Damit war die äußere Form komplett. Ich blätterte zufrieden durch meine Arbeit, nur um zu sehen, dass plötzlich wieder alle Bilder verschoben waren.
An der Stelle hatte ich einen kleinen nervous breakdown, auch weil ich mir zuerst gar nicht erklären konnte, was der Grund dafür war. Die Bilder taten anscheinend völlig random mal wieder nur das, was sie wollten. Deshalb dauerte es ewig, bis ich darauf kam, dass tatsächlich die Seitenzahlen dafür verantwortlich waren. Denn: Die MÜSSEN ja unbedingt in eine Extrazeile. WEIL. Und das verschob mal eben so den kompletten Text und die Bilder.

Ich probierte, den Schaden an den Bildern wieder grade zu rücken, aber wieder mal hingen sie bombenfest an Stellen, wo sie nicht hingehörten. Und weil mir die Zeit davon lief, entschied ich mich zähneknirschend für die manuelle Methode. Sprich: Ich löschte die Seitenzahlen wieder und entschied, sie handschriftlich nachzutragen, sobald alles gedruckt war. Was mir einen richtigen Stich versetzt hat. Die Arbeit sah nach dem Druck (der für zwei Exemplare über 50 Euro gekostet hat, gottverdammt) so unheimlich professionell aus, die Bilder knallten so richtig schön und alles, und darunter von Hand geschriebene Seitenzahlen. Ich hätte gleich einmal quer drüber kotzen können, war mein erster Gedanke, nachdem ich die Blätter, verbissen um eine wenigstens lesbare Schrift bemüht, nummeriert hatte. Aber ach. Ich werde einfach lernen müssen, damit zu leben. Jeden Tag, Stück für Stück -.-

Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich die Seitenzahlen in Zukunft von Anfang an einfügen werde. Denn nachdem ich die letzten 19 Seiten in einer finalen Nachtsitzung runtergeschrieben hatte und dabei die ganze Zeit die Worte „80 Seiten! 80 Seiten! 80 Seiten!“ in meinem Kopf widerhallten wie ein enervierendes Mantra, habe ich am Schluss tatsächlich eine Punktlandung geschafft und war auf genau 80 Seiten gekommen. Nur, um zu sehen, dass es Dank der Extrazeile nach Einfügen der Seitenzahlen eigentlich 84 Seiten waren. Well.

rudy cries

Interessant war auch das Desaster mit meiner Literaturliste. Ich hatte eine ellenlange Liste zusammen gestellt, von der ich letztendlich vielleicht die Hälfte wirklich verwendet habe (zusätzlich habe ich natürlich Zeugs benutzt, das nicht draufstand – ist ja immer so), deshalb habe ich jeden Titel, sobald ich ihn wirklich zitiert hatte, aus der entsprechenden Fußnote in meine endgültige Literaturliste kopiert. Mit dem Ergebnis, dass OpenOffice dort in der Zeile, in der die Fußnote gewesen war, eine andere Seitenrandeinstellung verwendete als bei den restlichen Zeilen.

Das sah so unglaublich beschissen aus, ließ sich aber nicht ändern. Jedenfalls nicht mit OpenOffice, nicht mit meiner nichtvorhandenen Expertise. Und ich war wirklich völlig hilflos. Normalerweise kriege ich fast jedes technische Problem mit viel Flucherei und exzessiven googeln irgendwann gebacken, aber hier wusste ich nicht mal, nach was ich suchen sollte!!
„Lass es halt so, du hast keine Zeit mehr!“ war der Ratschlag von Mitbewohner Dave, den ich zur Hilfe gerufen hatte und der mit dieser Art Problem auch total überfordert war. Aber das ging einfach gar nicht klar! ES SAH SO BLÖD AUS!!!

Nachdem auch das manuelle Verschieben der Seitenränder nicht so wirklich funktionierte und außerdem viel zu lange gedauert hätte, kam mir die rettende Idee. Ich kopierte die gesamte Liste, fügte sie hier bei WordPress ein (als Email hätte es vermutlich auch geklappt), kopierte diese neue Liste wieder zurück in mein Dokument und voilá – Seitenränder alle gerade und auf einer Linie. Manchmal reicht ein bisschen Bauernschläue, wo die technische Unfähigkeit offensichtlich wird 😀
Deshalb bin ich auch furchtbar stolz darauf, ganz allein herausgefunden zu haben, wie ich die Liste alphabetisch sortieren kann. Dafür gibt’s eine Funktion, aber die nützt nichts, wenn die Buch- und Aufsatztitel so lang sind, dass sie über mehr als eine Zeile hinaus gehen. Alles passt jedoch in eine Zeile, wenn man die Schriftgröße gaaaaanz ganz klein macht – und dass ich darauf ohne Hilfe gekommen bin, macht mich völlig übertrieben froh. Man muss schon über Kleinigkeiten dankbar sein!

Diese ganzen großen und kleinen Katastrophen haben mich so viel Zeit gekostet, dass ein letztes Korrekturlesen nicht mehr drin war. Ich muss nun damit leben, eine wissenschaftliche Arbeit mit Tippfehlern abgegeben zu haben. Die Rechtschreibprüfung hat nämlich irgendwann auch nicht mehr funktioniert. Keine Ahnung wieso. Sie ließ sich jedenfalls nicht einschalten. Manchmal ging sie jedoch von selbst an. Und auch wieder aus. Aber natürlich nie dann, wenn ich sie gebraucht hätte. Und solche Sachen sind der Grund, weshalb ich mit Computern nicht klar komme: Sie sind einfach nicht logisch.

Jedenfalls kratzt eine fehlergespickte Arbeit an meinem akademischen Ego. Deshalb muss ich mir immer wieder an den Schluss meiner Arbeit ins Gedächtnis rufen. Da habe ich Umberto Eco so richtig den Mittelfinger in die Fresse gestreckt. Dieser elitäre, überkultivierte Intelligenzler findet Comics nämlich scheiße. Außer Peanuts. Kein Witz. Aber weil das gegen SEIN akademisches Ego geht, hat er einfach beschlossen, dass Peanuts kein Comicstrip ist. Nein, das ist nämlich Kunst. Auf die Weise darf er weiterhin Charlie Brown beim täglichen Scheitern am Leben zukucken, ohne sich dem gar schröcklichen Vorwurf auszusetzen, proletarischen Schund wie Comics zu konsumieren. Ist das Leben nicht wunderbar einfach, wenn man auf Logik scheißt. Vielleicht sollte Charlie Brown das mal probieren.
Jedenfalls habe ich seiner, nennen wir es mal Argumentation, ein Zitat von Da Vinci entgegen gestellt. Man möge es sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein – Zitat – von – Leonardo Da Vinci. Das ist vermutlich das Abgehobenste, was ich in meinem ganzen Leben jemals fabrizieren werde, und ich bin auf gehässige Weise so dermaßen stolz drauf, dass es schon echt peinlich ist. Aber ich gönne mir diese kleinen Erfolge und deswegen solltet ihr das auch 😀

Es fällt mir immer noch schwer, es zu realisieren, aber es ist wirklich wahr: Ich habe eine Examensarbeit geschrieben – und das über Comics. Das ist ein nerdiges Erfolgserlebnis, das mir niemand mehr nehmen kann.

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