(K)ein Jahresrückblick 2013

Das neue Jahr ist schon über eine Woche alt, aber so richtig in Gang gekommen bin ich immer noch nicht. Das erklärt, warum ich erst jetzt mit dem Jahresrückblick für 2013 um die Ecke komme.

Doch leider, leider kann ich euch hier nichts tolles bieten. Es gibt so viele Blogger-Jahresrückblicke mit diversen Kategorien: Bester Film, schönstes Erlebnis, neueste Erkenntnis etc.pp. Doch immer, wenn ich in den vergangenen Wochen darüber nachsinnierte, was 2013 eigentlich alles so passiert ist, schob sich mir wie eine Sperre nur ein einziges Ereignis dazwischen, und zwar der Tod meines Patenonkels im April.
So ganz glauben kann ich es immer noch nicht. Er war gerade mal Mitte 40. Warum ausgerechnet er, mein Lieblingsonkel? Er hinterlässt zwei Kinder, die beide noch nicht mal mit der Schule fertig sind. Und ich konnte mich nicht mal verabschieden.

Am meisten quälen mich zwei Gedanken. Erstens: Ich bin wahnsinnig sauer auf den Rest meiner Familie, die es nicht geschafft hat, mir einfach mal klipp und klar zu sagen, dass es mit ihm zu Ende geht und ich mich beeilen soll, ihn noch einmal zu sehen. Ich fühle mich behandelt wie ein Kind, das man vor dem Gedanken an den Tod schützen muss, aber ich bin eine erwachsene Frau, die so etwas aushält, aushalten muss. Bis der Anruf kam, hatte ich keine Ahnung, dass es um ihn wirklich so schlimm steht. Andererseits hat mich die Nachricht irgendwie nicht sehr überrascht, also habe ich unterbewusst wohl schon die vorsichtigen Anspielungen richtig verstanden, sie aber nicht wahrhaben wollen. Deshalb bin ich genauso sauer auf mich selbst!!

Der zweite quälende Gedanke: Ich hätte ihm helfen können. Nein, natürlich kann ich kein Krebs heilen. Aber ich hätte es ihm leichter machen können durch etwas, auf das niemand sonst in meiner konservativen Dorffamilie gekommen wäre.
Ich selbst kiffe nicht. Ist lame. Aber ich bin verdammt noch mal Studentin und weiß, wo ich Stoff herbekommen könnte, wenn ich müsste. Und auch, wenn diese Erkenntnis in Deutschland wider alle medizinischen Erkenntnisse immer noch nicht viele Fans gefunden hat: Kiffen hilft. Es macht die Chemo leichter, es steigert die Lebensqualität. Mein Onkel war immer ein guter Esser, ein Genießer. Ich weiß, dass es besonders schlimm für ihn war, nichts mehr bei sich behalten zu können bzw. ihm von allem total übel wurde. Dagegen hilft Cannabis, praktisch nebenwirkungsfrei. Ein Mittel, das man Krebspatienten endlich flächendeckend zugänglich machen sollte – bisher aber immer noch eine Art Geheimtipp, ne böse Droge halt.
Ich hätte unglaublich viel Stress mit meiner Familie riskiert, wenn ich mit so einem Vorschlag um die Ecke gekommen wäre, aber eigentlich hätte ich gar nicht gefragt, sondern wäre gleich mit ein paar vorgedrehten Joints bei meinem Onkel reingeplatzt. Er war nicht so engstirnig wie der Rest der Bagage. Er hätte sich überzeugen lassen. Da bin ich mir sicher. Und deshalb könnte ich mir fast täglich in den Arsch treten, dass ich nicht in die Gänge gekommen bin und ihm nicht geholfen habe. Dass ich mich von der Vorstellung, dass mein geliebter Patti unmöglich jetzt schon sterben kann, nicht ER, hab einlullen lassen, ich saublöde Kuh. Und das werde ich mir nie verzeihen.

Wenn dieser Beitrag auch nur einen Sinn hat außer mich tierisch runter zu ziehen, dann folgender:
Leute, wenn ihr geliebte Menschen an Krebs und Chemo leiden seht, besorgt ihnen Gras. Das können auch Nicht-Studenten. Halb Deutschland kifft, ob es der Regierung passt oder nicht. Zwar IST es tatsächlich seit 2011 erlaubt, Cannabis zu medizinischen Zwecken zu verschreiben, aber bis die durch viele Studien bestätigte Wirksamkeit endlich durch ein paar Betonköpfe durchgedrungen ist, würde ich mir diesen Stress mit alternden, rückständigen Ärzten und skeptischen Apothekern ersparen. Bevor es zu spät ist.

RIP, Patti. Es tut mir leid.