#nudelnmitketchup – über dieses Hashtag (und über mich)

Erst muss ich mal ein Geständnis machen. Aufgepasst. Wird hart. Fertig? Also los:

Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Nudeln mit Ketchup gegessen.

Also, Nudeln mit Ei und Ketchup, okay, öfter. Oder Nudeln mit zu wenig Käsesoße, aufgepeppt mit Ketchup. Aber einfach nur Nudeln mit NUR Ketchup, daran kann ich mich nicht erinnern.

Trotzdem steht dieses Gericht auch bei mir metaphorisch für Elend, Armut, am-Existenzminimum-herum-krebsen. Deshalb habe ich diesen Hashtag vorgeschlagen.

Aber warum eigentlich? Mal ein bisschen Chronologie:

Gestern also dieser doofe Spiegelartikel, dessen Titel ich schon Stunden vorher gelesen hatte, ohne ihn anzuklicken, weil ich mir schon dachte, dass sich da nichts grandioses hinter versteckt, den ich dann aber doch lesen musste, nachdem sich einige Leute in meiner Timeline über ihn aufregten.
Tatsächlich fand ich ihn relativ harmlos. Das Schlimmste daran war eigentlich, dass er einfach nicht sonderlich witzig ist (um eine Bloggerkollegin zu zitieren: „Das ist doch nicht lustig :/“). Aber manchmal verursachen auch Nichtigkeiten eine Lawine, wenn sie den richtigen Nerv treffen.

Aber ich greife vor. Jedenfalls hat mich diese locker-elitäre Scheißegalhaltung des Autors ein bisschen genervt. Zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr. Das ist einfach eine Art Klassismus, die einem viel zu oft begegnet, als dass es mich noch groß stören könnte, und eigentlich kann er persönlich ja auch nichts dafür, aus einer Akademikerfamilie zu stammen (falls es denn stimmt) und gar nicht zu wissen, was für ein Scheißglück er hatte, gleich dreimal studieren zu können.

Aber ja, es nervt halt. Also gab ich ein Statement ab, das noch gar nicht so sehr gegen irgendjemand im Speziellen ging:

Damit hätte es eigentlich schon erledigt sein können (abgesehen von meiner leichten Verwunderung, dafür für meine Verhältnisse so viele Retweets zu kassieren – ich bin normalerweise schon wegen einem überglücklich). Aber dann fing @harryliebs an, ein paar Erlebnisse zu twittern, z.B. das hier:

Und da wurde mir klar: Das braucht doch nen Hashtag!

Zusammen mit @harryliebs und @Marenleinchen66 gab es dann ein bisschen Brainstorming, bis der Hashtag das Licht der Welt erblickte. Ich posaunte es raus, schrieb ein paar Tweets und ging schlafen.

Und jetzt? Dieser gottverdammte Hashtag ist momentan Platz 1 in den Trends und ich hab plötzlich 50 Follower mehr (wenn man bedenkt, dass ich vorher nur 83 hatte…!).

Das muss man sich mal reinziehen!!! Vorgestern, als sich ein neuer Follower zu mir verirrte, dachte ich noch: „Yay, wenn es so weiter geht, bin ich in ein paar Monaten dreistellig! Meinen 100. Follower begrüße ich dann aber persönlich!“ – Und jetzt ging das über Nacht so schnell, dass ich gar nicht sehen konnte, wer jetzt Nummer 100 gewesen war.

Das macht mich ein bisschen stolz (irrationalerweise – ich hab ja eigentlich nix gemacht). Aber während ich wirklich versuche, alle #nudelnmitketchup-Tweets zu lesen, gibt es natürlich darunter (neben dem üblichen Getrolle) auch reflexartig Kritik. Zumindest einen Kritikpunkt – nämlich, dass es uncool ist, nur über Klassismus im Unialltag zu twittern – kann ich sogar nachvollziehen.

Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass ich eh nicht glaubte, irgendjemand außer zwei oder drei der Follower, mit denen ich mich öfter unterhalte, würde den Hashtag benutzen. Ich bin gleichzeitig aber heilfroh, dass ein anderer Vorschlag (#art26, nach Artikel 26, dem „Recht auf Bildung“ in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) verworfen worden ist, denn DER wäre dann wirklich nur auf Schul- und Unialltag beschränkt gewesen. #nudelnmitketchup hingegen darf gerne für alle Klassismuserfahrungen benutzt werden, die es so gibt – es würde mich sogar freuen.

Dennoch nervt es mich extrem, wenn einige, die sich quasi berufsmäßig mit Privilegien welcher Art auch immer beschäftigen, direkt eine solche Aktion kritisieren, weil es Leute „ausschließt“ oder „unsichtbar macht“, und anregen, doch direkt mal eine Diskussion über die Strukturen und Mehrfachdiskriminierungen etc. anzufangen.

Sorry, aber das ist mir zu akademisch und in meinen Augen auch Klassismus. Und genau daran krankte auch diese sogenannte „Klassismus-Debatte“ (die in meinen Augen keine war – zwei oder drei saudumme „Beschwert euch nicht!“-Artikel neben vielen, vielen krassen Erfahrungsberichten von Betroffenen machen noch keine Debatte!), von der im März die Rede war und von der ICH beispielsweise an prominenter Stelle ausgeschlossen wurde, weil ich mit der Meinung mancher Leute nicht konform gehe, was ich einfach nur unglaublich verletzend fand (mich allerdings nicht sonderlich überraschte).

Ich finde es okay, erst einmal Erfahrungsberichte zu sammeln, ein Bewusstsein zu schaffen. Muss man das innerhalb kürzester Zeit akademisieren?

Sollte das Hashtag noch ein paar Stunden überleben, wird sich diese Frage leider nur allzu schnell beantworten -.-

Für mich persönlich stellt sich jetzt allerdings ein anderes Problem, wenn ich die ganzen Tweets lese. Ich fange an, mich schlecht zu fühlen, wenn ich von Leuten lese, die tatsächlich oft nichts anderes zu essen hatten. Das ist einfach nur so megascheiße und tut mir unheimlich leid.

Ich wäre wahrscheinlich öfter auch nicht drumrum gekommen, wenn ich nicht vom Land käme und wir nach der Maxime leben würden: Hauptsache Essen auf dem Tisch, der Rest ist Luxus. Zwar esse ich auch heute noch meistens nur Nudeln, aber wenigstens habe ich eine ordentliche Soße dazu (= passierte Tomaten mit Gewürz und vielleicht Käse und so). Denn auch in der Zeit, als es mir finanziell am schlechtesten ging und ich nach Abzug aller Fixkosten noch 200 Euro zum Leben hatte, habe ich davon erst Essen gekauft und wenn dann nichts mehr übrig war, musste ich halt kucken, wie ich mich den Rest des Monats selbst unterhalte (zum Beispiel, indem ich mich hinsetzte, um meine einzige Jeans zu flicken).

Inzwischen geht es mir etwas besser. Ich befinde mich momentan in einer seltsamen Grauzone. Ich habe tatsächlich 30.000 Euro Schulden wegen meines Studienkredits – aber ich habe auch 3000 Euro auf meinem Girokonto. (Richtigerweise müsste ich also von 27.000 Euro Schulden reden. Man möge mir es verzeihen.)
Das Geld habe ich in den letzten zwei Jahren gespart, als ich endlich einen Job fand. Der Lohn besserte meinen monatlichen Studienkredit in einer Weise auf, die mir endlich ein wenig Luft verschaffte. Heute kann ich sagen, dass ich mich nicht mehr in einer Kneipe an einem Cola festhalten muss, weil es für mehr nicht reicht, sondern auch mal auf den Putz hauen kann, wenn ich will.

Aber oft genug, wenn ich gerade irgendwo stehe und was sehe, was ich haben will und ich einfach glücklich bin, weil ich es mir LEISTEN KANN – oft genug fallen dann urplötzlich meine Schulden auf mich herab wie das Beil einer Guillotine. Und das war’s dann mit der Freude.

Ich denke, ich bin weit davon entfernt, wirklich arm zu sein. Das ist mir klar, das habe ich auch schon in meinem ersten Beitrag über Klassismus heraus gestellt, hoffe ich. Dennoch habe ich einige unschöne Dinge erlebt, bin genervt von Kommilitonen, die einfach nicht checken, dass nicht jeder so viel Geld hat wie sie, kenne das Gefühl, wenn plötzlich 5 Euro fehlen und man nicht weiß, wen man anpumpen soll, weil man sich so schämt.

Natürlich sind das alles irgendwie first world problems. Ich hätte ja auch einfach eine Lehre machen können, wie mir meine Oma nicht müde wird vorzuhalten. Auch will ich auf gar keinen Fall den Eindruck erwecken, alle meine Probleme resultierten aus klassistischen Benachteiligungen. Da spielt noch sehr viel mehr mit rein, unter anderem ein paar persönliche Befindlichkeiten und dann auch noch schlicht die Tatsache, dass ich ebenfalls ein Uni-Loser bin. Ich hätte schon vor Jahren fertig sein können – dass ich es nicht bin, daran hat z.B. der aus finanziellen Gründen nicht zu vermeidende Umstand, oft bis spät nachts oder früh morgens arbeiten zu müssen und dann am nächsten Tag einfach zu kaputt zu sein, um ein Unibuch in die Hand zu nehmen, nur marginal Anteil.

An vielen, vielen Dingen bin ich selbst Schuld. An anderen aber halt auch nicht. Und das ist scheiße – unabhängig davon, dass ich die größte Scheißzeit hinter mir habe und endlich Hochdeutsch kann und der ganze andere Schrott.

Gleichzeitig heißt das jedoch nicht, dass ich andere nicht sehe, denen es viel dreckiger geht, ob sie jetzt studieren oder nicht. Ich hoffe einfach sehr (gegen besseres Wissen…), dass diese unbedarfte Aktion, die plötzlich zu einer Lawine wurde, die für mich viel zu groß ist (was aber doch auch nur deutlich zeigt, wie unzufrieden viele mit dem bestehenden System sind), weiter geht, ohne dass es plötzlich in einer Schlägerei nach allen Seiten ausartet und jeder dem anderen die Butter auf der Stulle nicht gönnt. Man kann sich über bestehende Ungerechtigkeiten beschweren, ohne die Leute zu vergessen, denen es noch viel schlechter geht.
Ich frage mich immer, ob Leute, die so etwas anprangern, null multitaskingfähig sind, denn ich kann in der Tat an beides gleichzeitig denken (und noch einiges mehr).

Vergessen wir doch bitte nicht die wahren Feinde. Nämlich die Bonzen da oben :mrgreen:

Einer davon schreibt jetzt also für Spiegel Online. Wie gesagt – ich gönne es Leuten wie ihm ja, nicht bedürftig zu sein. Wenn ich studierte Eltern hätte und die Möglichkeit, gleich dreimal ein Studium anzufangen, hätte ich es vielleicht auch gemacht. Nur ist das eben halt auch keine Leistung. Das scheinen er und die anderen Wohlstandsbubis leider oft zu vergessen, wenn ich mir jetzt ansehe, wie er sich über #nudelnmitketchup lustig macht. Dabei fing er gerade an, mir Leid zu tun, weil ich nicht davon ausgegangen bin, dass er den jammerigen sexistischen Unterton und den subtilen klassistischen Hauch, der sich durch seinen Text zieht, wirklich bewusst beabsichtigt hat, und er dieses ganze Gebashe vielleicht nicht verdient hat.

Aber naja, das war halt einmal -.-

Er wird jetzt also bald „Literarisches Schreiben“ studieren. DAS wäre ja was. Ein absoluter Traum für mich. Stattdessen studiere ich Lehramt, also was langweilig-bodenständiges, weil ich mir allein den Gedanken, später vielleicht aufgrund eines unnützen Abschlusses, der auf einem reinen Interessenstudium basiert, keinen Job zu haben, nicht leisten kann (ich werde trotzdem mit aller Kraft versuchen, eine gute Lehrerin zu sein, wenn es mal soweit ist – aber mein Lebenstraum ist es halt nicht gerade).

Ich würde mir wünschen, dass er und alle anderen, die sich jetzt so smart darüber lustig machen, vielleicht irgendwann verstehen, wie es ist, nicht alle Möglichkeiten offen stehen zu haben.

Aber auch das ist wohl nur so ein blödsinniger Traum.

Gibt es eine bessere Gelegenheit, um Geld zu betteln? Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Ich habe jahrelang die Falschen gewählt!

Ich hatte gerade ein regelrecht verstörendes Gespräch über die Wahl. Wisst ihr, bisher war ich immer der Meinung, man solle das wählen, was man gut und richtig und gerecht findet. Alles andere fand ich egoistisch, weil, ich bin ja nicht allein auf der Welt, ne?
Aber mein Gesprächspartner hat mir die Augen geöffnet: Zu wählen, was einzig und allein für MICH gut ist, ist nicht egoistisch, sondern pragmatisch.

Und das hat mein Leben total verändert. Mir ist klar geworden, dass meine Einstellung all die Jahre über unvernünftig gewesen war. Das muss man sich mal vorstellen! Ich darf seit 10 Jahren wählen und hab mir all die Jahre über tatsächlich über andere Menschen Gedanken gemacht, die nicht das geringste mit mir zu tun haben! Wie viel Zeit ich damit verschwendet habe! Wie viel Geld ich dadurch verschwendet habe!

Wenn jeder an sich selbst denkt, ist doch an jeden gedacht, ne? Also muss ich meine Wahlentscheidungen völlig neu überdenken. Glücklicherweise gibt es aber ja den Wahl-O-Mat, der mir bei der Entscheidungsfindung helfen kann!

Ich habe die Antworten einfach mal transparent gemacht, damit ihr vielleicht auch von dieser aufregend neuen Wertvorstellung profitieren könnt (also, nicht, dass es mich interessiert, ob ich irgendjemanden mit einem meiner Artikel helfe oder auch nur ein wenig Zerstreuung liefere. Das wäre ja unpragmatisch, geradezu verrückt!).

1. Es soll ein gesetzlicher flächendeckender Mindestlohn eingeführt werden.
Hach, gleich sowas. Es ist schwieriger als man denkt, einfach nur pragmatisch zu sein!
Momentan würde mir das als Kellnerin noch was nutzen. Aber wenn ich JETZT eine Partei wähle, die für den Mindestlohn ist und das wirklich durchsetzt, wann wird der wohl kommen? Wohl frühestens in ein, zwei Jahren. Bis dahin bin ich schon im Referendariat. Und als Lehrerin bin ich auf Mindestlohn nicht angewiesen, ne? Also fort mit dem Scheiß!

2. Eltern, deren Kinder nicht in die Kita gehen, sollen ein Betreuungsgeld erhalten.
Hm, tricky. Ob Kita oder Betreuungsgeld, für diese Blagen muss doch sowieso ich bezahlen, die aufrechte Steuerzahlerin. Andererseits, wenn die Leute ihre Kinder zuhause halten, kriegen MEINE Kinder später vielleicht eher nen Kitaplatz. Und wenn die Eltern dafür zuhause bleiben, kriege ich vielleicht eher nen Job. Also definitiv ja!

3. Generelles Tempolimit auf Autobahnen!
Um Gottes Willen, nein. Ich fahre gerne schnell. Mir doch egal, wenn andere Leute dafür zu blöd sind und Unfälle bauen. Das ist gut für den Genpool.

4. Deutschland soll den Euro als Währung behalten.
Es wird wohl verdammt teuer werden, die Mark wieder einzuführen, aber wenigstens wären wir dann diese ganzen Loserstaaten los, für die aufrechte Steuerzahler wie ich immer blechen müssen.

5. Der Strompreis soll vom Staat stärker reguliert werden.
Was interessiert mich das? Ich habe einen Gasherd und steh auf Kerzen.

6. Die Videoüberwachung im öffentlichen Raum soll ausgebaut werden.
Dann kann ich diesen ganzen Assis, die glauben, ich würde mir meine #aufschrei-Geschichten nur ausdenken, endlich das Gegenteil beweisen. Fettes ja!

7. In Deutschland soll ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden.
Wäre ja nett, einfach so Geld für nix zu bekommen. Aber da ich ja trotzdem arbeiten gehe, müssen aufrechte Steuerzahler wie ich den anderen Schlendrianen diesen Luxus bezahlen. Ich glaub, es hackt!

8. Nur ökologische Landwirtschaft soll finanzielle Förderung erhalten.
Ökozeug ist mir zu teuer. Warum sollte ich denen Geld in den Rachen schmeißen?

9. Alle Kinder sollen ungeachtet ihres kulturellen Hintergrundes gemeinsam unterrichtet werden.
Ich habe wirklich keine Lust, mich später mit Schülern rumschlagen zu müssen, die nicht mal wissen, warum Pfingsten frei ist!

10. Der Spitzensteuersatz soll erhöht werden.
Klingt auf den ersten Blick verlockend. Andererseits verlassen diese Leistungsträger dann Deutschland, nehmen ihre Firmen mit, entlassen alle Arbeiter und für diese Arbeitslosen muss dann ICH aufkommen. No way!

11. Deutschland soll aus der NATO austreten.
Ja. Hat die NATO jemals was für mich gemacht?

12. Kein Neubau von Kohlekraftwerken!
Was interessiert mich das? Auf dem Land haben wir sowieso frische Luft.

13. Die „Pille danach“ soll rezeptpflichtig bleiben.
Einerseits wäre das ja ganz nützlich, falls ich die mal brauche. Andererseits hab ich mir grade eine Packung auf Vorrat aus Spanien mitgebracht. Also bin ich aus dem Schneider! Pech für den Rest.

14. Alle Banken in Deutschland sollen verstaatlicht werden.
Und am Ende muss ich dafür auch noch zahlen, oder was? NIEMALS!

15. Deutschland soll mehr Flüchtlinge aufnehmen.
Nein. Ich bin ja kein Flüchtling.

16. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen für die Zeit, in der sie Angehörige pflegen, staatliche Lohnersatzleistungen erhalten.
Nein. Ich pflege ja keine Angehörigen.

17. Verfassungswidrige Parteien sollen weiterhin verboten werden dürfen.
Ach… die tun doch auch nur, was das Beste für sie ist. Eigentlich könnten die mir egal sein, aber ich bin ja gerade erst dabei, vernünftig zu werden. Die kriegen einen Sympathiepunkt, aber psst.

18. BAföG soll unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt werden.
Zu spät für mich. Nö.

19. An allen deutschen Grenzen sollen wieder Einreisekontrollen durchgeführt werden.
Die Kontrolle würde mich zwar nerven, aber wenigstens kommen dann weniger Schmarotzer in unser Land!

20. In Aufsichtsräten und Vorständen von Unternehmen soll eine gesetzliche Frauenquote gelten.
Nein. Ich bin zwar eine Frau, aber Aufsichtsräte und Vorstände tangieren mich ja nicht.

21. Finanzstarke Bundesländer sollen schwache Bundesländer weniger unterstützen müssen.
Oh, da muss ich ja mal eben googeln.
Aha! Ich wohne in einem Geberland! Na dann ist die Antwort ja klar.

22. Das gesetzliche Renteneintrittsalter soll wieder gesenkt werden.
Nö. Ich gehe ja später nicht in Rente, sondern werde pensioniert.

23. Der Staat soll im öffentlichen Dienst verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund einstellen.
Nein. Ich bin ja kein Migrant.

24. Rüstungsexporte sollen verboten werden.
Aber die bringen Deutschland doch so viel Geld! Alberner Vorschlag!

25. Das Ehegattensplitting soll beibehalten werden.
Neutral. Das kommt ja ganz darauf an, was mein Mann später verdient.

26. Deutschland soll sich für einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union einsetzen.
Ja. Dann brauche ich keinen Reisepass, wenn ich dort Urlaub machen will.

27. Abgeordnete des Bundestags sollen ihre Nebeneinkünfte auf den Euro genau offenlegen müssen.
Na, schwierig. Einerseits könnte man denen ja das Gehalt kürzen, wenn sie zu viel nebenbei dazu verdienen (heißt: weniger Steuern für uns aufrechte Steuerzahler!). Andererseits will ich das ehrlich gesagt gar nicht wissen – das macht die Entscheidungsfindung ja NOCH schwieriger!

28. Energieintensive Industrien sollen sich stärker als bisher an der Finanzierung der Energiewende beteiligen müssen.
Ich finde ja, die Energiewende sollte überhaupt gestoppt werden. Viel zu teuer! Daher kann ich diese Frage nicht eindeutig beantworten. Sie ist völlig falsch gestellt!

29. Hartz-IV-Empfängern und -Empfängerinnen sollen weiterhin Leistungen gekürzt werden, wenn sie Jobangebote ablehnen.
Ja. Ich bin ja keine Hartz-IV-Empfängerin.

30. Der Staat soll weiterhin für Religionsgemeinschaften Kirchensteuer einziehen.
Ja. Ich bezahle eh keine Kirchensteuer.

31. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen in gesetzlichen Krankenkassen versichert sein müssen.
Hm. Wenn sie es nicht mehr müssen, werden es wohl viele auch nicht tun. Heißt: Es wird billiger für mich. Find ich gut!

32. In der Euro-Zone soll jeder Staat alleine für seine Schulden haften.
Das ist ja wohl keine Frage. Was habe ich mit den Schulden anderer Leute zu schaffen?

33. Auch gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften sollen ein gemeinsames Adoptionsrecht erhalten.
Nein. Ich bin ja keine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft.

34. Keine Speicherung von Kommunikationsdaten (z.B. Telefon, Internet) ohne konkreten Anlass!
Warum denn nicht? Mein Gewissen ist rein!

35. Bei Neuvermietungen soll der Mietpreis nur begrenzt angehoben werden dürfen.
Ich werde mal ein Haus erben, in dem ich nicht wohnen will. Wenn ich den Mietpreis nicht so hoch setzen kann wie ich will wär das echt scheiße!

36. Volljährige deutsche Staatsangehörige sollen keine weitere Staatsangehörigkeit besitzen dürfen.
Ja. Ich habe ja keine zweite Staatsangehörigkeit.

37. Die Nutzung von Autobahnen soll kostenpflichtig sein.
Wäre schon ätzend, wenn ich sowas bezahlen müsste. Allerdings fahre ich ja kaum Autobahn. Längerfristig spare ich damit wohl mehr Geld als ich verliere!

38. Einführung von Volksentscheiden auf Bundesebene!
Niemals. Dafür sind die Menschen viel zu blöd.

Auswertung
Ich war sehr aufgeregt, als das Ergebnis näher rückte. Ob es sich wohl geändert hatte? Noch letztes Wochenende habe ich den Wahl-O-Mat nach diesen unwichtigen, selbstlosen Kriterien ausgefüllt, von denen ich jetzt weiß, dass sie falsch waren. Also muss wohl sicherlich ein anderes Ergebnis heraus gekommen sein.
Aber zunächst musste ich noch meine Schwerpunkte markieren, die mir besonders wichtig sind, denn diese werden doppelt gezählt. Das ist durchaus schwierig: Viele Thesen haben ja schon Vor- und Nachteile und bei einigen habe ich lange nachdenken müssen, denn es ist vielleicht jetzt noch gar nicht abzusehen, welche Entscheidung für mich wohl billiger kommt. Deshalb legte ich meine Schwerpunkte auf die Antworten, die ich aus vollem Herzen unterstützen kann. Da ich weder Flüchtling, noch bafögberechtigt, noch Migrantin, noch Hartz-IV-Empfängerin und auch nicht lesbisch bin und ebenfalls weder Angehörigen pflege, noch eine doppelte Staatsbürgerschaft anstrebe, war das ganz leicht!

Das Ergebnis!!
Ihr könnt euch meinen Ärger gar nicht vorstellen, als ich endlich die Zahlen schwarz auf weiß vor mir sah und sich meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten – eine Partei, die ich in meiner arglosen Dummheit noch NIE gewählt habe, ungeschlagen mit 73,3% auf dem ersten Platz!
Ich brach über meiner Tastatur zusammen. Diese Verschwendung! Bundestagswahlen, Landtagswahlen, Europawahlen, keine Ahnung wie viele insgesamt, aber jedes Mal: Mist gewählt! Ich dachte, ich hätte vielleicht wenigstens EINMAL intuitiv die richtige Entscheidung getroffen, aber nein! 10 Jahre Wahlberechtigung, 10 verlorene Jahre!

Aber was soll man machen? Die Zeit lässt sich nicht zurück drehen. Wenigstens weiß ich jetzt, was ich tun muss und dieses Wissen wird mir niemand mehr nehmen. Ich verspreche euch, unlogische Schwachheiten wie Gerechtigkeitssinn, Mitleid oder der Glaube an unsere Verfassung werden ich mir jetzt sicher nicht mehr erlauben!

Fortan werde ich mich von tiefschwarzen Pragmatismus leiten lassen und darf der CDU zu einer neuen Stammwählerin gratulieren! Herzlichen Glückwunsch, CDU! Du willst nur das BESTE für mich!

Wobei du als pragmatischste Partei sicher Verständnis dafür hast, wenn ich in Zukunft meine Entscheidung meinen veränderten Lebensbedingungen anpassen werde. Sollte ich also mal arbeitslos werden, Kinder kriegen, die studieren wollen, einen Mann heiraten, der kein Deutscher ist, meine Eltern krank werden oder mein Sohn schwul, dann wird mir der Wahl-O-Mat sicher auch bei dieser Entscheidung helfen. Ein Glück!

Wenn dir dieser Beitrag gezeigt hat, dass gnadenloser Egoismus einfach super ist, darfst du mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Nachdem ich dir so viel Geld in Zukunft gespart habe, weil du danach nie wieder für irgendetwas spenden wirst, habe ich das verdient!

Cat Content!

Was braucht eigentlich JEDER (jeder. Punkt.) Blog? Eine gute Portion CAT CONTENT :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Leider habe ich ja nun mal keine Katze, obwohl ich Katzen so liebe. Meine Mutter hat nie eine gewollt, weil sie Katze nicht leiden kann und als ich dann auszog wollte ICH keine, weil ich so ein freiheitsliebendes Tier nicht in einer Wohnung einsperren will. Ich komme vom Land, da geht das gar nicht. Später werde ich aber definitiv eine haben, wenn ich irgendwo mit Garten wohne.

Bis dahin muss ich mich an die Katzen halten, die mir so über den Weg laufen. Erfreulicherweise ist man da ja in Spanien an der richtigen Adresse. An dieser Stelle noch mal meine kleine Chica, die mein Herz im Sturm eroberte…

Ach, Schatzi. Ich vermisse dich :(
Ach, Schatzi. Ich vermisse dich 😦

Ich weiß, es ist albern. Aber mindestens eine Woche lang haderte ich mit diesem Vieh. Wenn ich irgendeine Möglichkeit gewusst hätte, sie mit nach Deutschland zu nehmen, hätte ich den Jakobsweg sofort abgebrochen! Aber ich fand keine Möglichkeit, zumindest keine, die man einem so kleinen Tier zumuten kann. Laut Tierarzt war sie gerade mal einen Monat alt. Außerdem meinte er lachend, was man auf der Straße findet, soll man auch dort lassen (dabei hab ich sie nicht mal auf der Straße gefunden… sie ist zu MIR gekommen!!!). Ein so kleines Kätzchen! Aber es war ihm egal, dass sie das nicht überlebt hätte. Warum werden solche Leute Tierarzt?!
Ich hoffe, sie hat es gut dort, wo wir sie schließlich hingebracht haben. Ich könnte jetzt noch heulen, wenn ich an sie denke. Bei mir hätte sie es gut gehabt 😦

Aber ich habe auch Katzen getroffen, die glücklich schienen. Zum Beispiel in Manjarín, einen echt schieren Ort. Er liegt in den Bergen von León und ist eigentlich verlassen, aber irgendwann hat sich dort einfach ein Typ nieder gelassen und ein Lager aufgebaut, das heute als (sehr… SEHR!) provisorische Pilgerherberge fungiert. Er und seine Anhänger nennen sich die letzten Templer (die Tempelritter hatten sich dem Schutz der Pilgerwege verschrieben) und, naja… ein bisschen durch sind die Leute schon. Aber nett. Und offensichtlich kümmern sie sich gut um ihre Tiere, denn dieses stolze Wesen sieht rundherum gesund aus! Und offensichtlich findet sie meinen Rucksack ganz fantastisch 🙂

Und an dem Tag, an dem ich zum O Cebreiro hochstieg, ein Anstieg, der abgesehen vom Gang über die Pyrenäen als schlimmster Berg des Camino francés gilt, traf ich das folgende freche Kätzchen nebst seinen Geschwistern (nicht im Video). Das hat an einem echt guten Tag eine schöne Pause noch besser gemacht! Weil Katzen ALLES besser machen!!! :mrgreen:
Solltet ihr zu den seltsamen Gestalten gehören, die sich sowas nicht stundenlang ansehen können, so solltet ihr ausnahmsweise trotzdem bis zum Ende durchhalten 😉

Ähm… man verzeihe mir übrigens bei beiden Videos meine Babysprache und meine etwas debile Lache :mrgreen: Sowas machen Katzen mit einem… oder zumindest mir ^^

So, damit habe ich meine Schuldigkeit getan und dem Internet Cat Content gespendet. Wofür ist es denn sonst auch da. Damit bin ich jetzt offiziell im Club!

Wenn du Katzen auch liebst, kannst du mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen!

Here I come, right back where I started from…

IMG_0495Einige dürften es ja schon mitgekriegt haben, aber… yay, ich bin wieder da! :mrgreen:

Sogar schon seit Donnerstag, aber ich hab die paar Tage einfach gebraucht, um ein bisschen auszuspannen. Auch passierte das, was immer passiert, wenn ich vom Jakobsweg zurück komme: Ich wurde krank. Dieses Mal aber irgendwie nicht so richtig, weil sich mein Körper nicht so recht entscheiden konnte, aber ein paar Tage habe ich mich ziemlich platt gefühlt. Bei gleichzeitiger innerer Unruhe und dem Gedanken: „Könnte ich in der Zeit zurück reisen, würde ich noch einen Camino dranhängen!“

Aber das geht ja leider nicht. Ich hab ja noch andere Sachen zu tun, leider. Und die Finanzen sind natürlich auch ein Problem, wobei ich überrascht davon war, wie viel sich jetzt noch auf meinem Konto findet. Ich habe wesentlich mehr ausgegeben, als ich vorgehabt hatte (genaueres muss ich noch ausrechnen), aber mein Kontostand ist nur unwesentlich gesunken. Dann muss ich mir ja auch keine großen Gedanken machen!

Meine letzten Tage in Fisterra waren richtig schön. Weil ich zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass das mit dem Sparen nicht sooo gut geklappt hat, habe ich mir für drei Übernachtungen ein Hotelzimmer gegönnt, statt in eine Herberge zu gehen. Was ich (für 25 Euro) bekam, war ultraputzig. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin :mrgreen:

<img class="size-medium wp-image-1204" alt="hach hach ❤

Am ersten Tag kam ich nach über 30 km um 18 Uhr abends an, deshalb erklomm ich die letzten 3,5 km zum Kap an diesem Tag nicht mehr, sondern verschob das auf den nächsten Tag. Dafür sah ich mir das Spektakel am westlichen Strand an (der nicht in der Stadtkarte eingezeichnet ist – soll wohl ein Geheimtipp bleiben, wo doch jetzt schon 20 Hipster dort zelten ^^).
Der Sonnenuntergang war wunderschön, sogar schöner als auf dem Kap am Tag später.

Ja, das ist 12 Minuten nur Horizont und Wellenrauschen 😉 Und kommt natürlich an das Original nicht heran, erst recht nicht mit meiner Kamera. Aber naja, vielleicht wollt ihr es ja mal im Hintergrund laufen lassen, wenn ihr einen meditativen Moment habt ❤

Und weil sich nach einem Bild meines gestählten Körpers am Strand erkundigt worden ist: HIER IST ES :mrgreen:

Fitness pur!

In der Tat hat mir meine Waage verkündet, dass ich auf dem Jakobsweg ganz genau 6 Kilo verloren habe, plus Muskelaufbau. Ich fühle mich extrem wohl damit und sehe das als perfekten Startpunkt, um weiter zu machen. Meine Füße sind wieder in Ordnung, deshalb ist bald wieder Fitnessstudio angesagt, Schwimmen will ich auch gehen (auch wenn ich leider KEINEN schönen Bikini in Santiago gefunden habe… offensichtlich sind dieses Jahr trägerlose Oberteile in, was bei mir leider GAR nicht geht!) und Unisport gibt’s ja auch noch. Ich mag meinen Körper einfach definitiv mehr, wenn er schlank und durchtrainiert ist.
Dadurch passen mir auch endlich wieder meine vielen Shirts :mrgreen: Zusammen mit einer Jeans, die vor dem Camino zwar passte, aber unangenehm eng war, und jetzt einfach fantastisch sitzt, fühle ich mich einfach großartig. Ich hoffe so sehr, dass es auch so bleibt!!

Naja, was gibt es sonst noch zu sagen. Eigentlich nicht viel. Die Leute erwarten immer, dass man als völlig anderer vom Jakobsweg heimkehrt, aber dem ist nicht so. Ich bin immer noch die selbe, nur dünner :mrgreen: Und deshalb geht es hier auch so weiter wie gehabt. Ich bin mit total vielen Ideen wieder gekommen, die mich vermutlich locker über das nächste Bloggerjahr bringen 😉

Ich will jedem, der meine Berichte gelesen, gemocht und kommentiert hat, ein Küsschen schicken! Zu wissen, dass es wenige ein paar Leute in Deutschland gibt, die ein bisschen mitfiebern, ist unheimlich motivierend ❤
Übrigens habe ich gestern damit verbracht, die alten Beiträge mit den versprochenen Bildern zu versehen, es lohnt sich also durchaus, nochmal drüber zu kucken 😉

Ach, und die 1000 Kilometer habe ich übrigens tatsächlich voll bekommen. Was sagt ihr dazu :mrgreen:

 

Und jetzt: Fame, Respekt und Applaus für meine Chucks!!!

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Wenn dir das gefallen hat und du mir helfen willst, meine Pilgerkasse ein wenig aufzubessern, kannst du mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen!