Meine Top 7 Alben aller Zeiten – Teil 1: HIM „Razorblade Romance“

Ich beginne chronologisch (und, naja… mache dann auch die Woche über so weiter ^^) mit meinem nicht liebsten, aber nun mal ersten Album, welches ich auch heute noch liebe, auch wenn viele die Musik für peinlich halten:

HIM

Tracklist
1. I Love You
2. Poison Girl
3. Join Me
4. Right Here in My Arms
5. Gone with the Sin
6. Razorblade Kiss
7. Bury Me Deep Inside Your Heart
8. Heaven Tonight
9. Death is in Love with Us
10. Resurrection
11. One Last Time
12. Sigillum Diaboli

Erstbegegnung
Ich muss 14 gewesen sein und kuckte VIVA oder MTV (ja, das gab es damals noch!), als das Musikvideo zu Join me über den Bildschirm flimmerte. Die damalige Version, die meines Wissens heute kaum noch gesendet wird, nutzte ganz viel grün-roten Laser und war Teil des Soundtracks des (zurecht vergessenen?) Films The 13th Floor.
Mein 14jähriges Ich, noch unerfahren beim Anblick androgyner Körper, war verunsichert. Lippenstift? Glitzerlidschatten? Ist das ein Typ oder ne Frau?

Die Verwirrung dauerte nicht lange, denn was aus diesem zuckersüßen Schnütchen rauskam, war eindeutig eine männliche Stimme. Und meine Fresse, was für eine. Und ich dann so: „Holy shit, so goddamn sexy!!!“ (in Wahrheit wars wohl eher sowas wie „Oooooh, ist der süüüüß!“ – ich war jung, Leute.)

Der Song flashte mich also ganz extrem, und bald darauf hielt ich das gesamte Album mitsamt wunderschönen Cover in den Händen.

Highlights
Das Album startet sofort sehr druckvoll mit I love you, das eine ganze Ecke rockiger ist als Join me. Ein hammergeiler Song, in dem Ville wunderschön rumtrillert und einfach das tut, was er am besten kann. Das selbe gilt für Right here in my arms, wobei das so ein bisschen sehr klischeehaft ist… dennoch toll!

Gone with the Sin ist dagegen natürlich einfach nur megadüster und wird dereinst wohl auf vielen Beerdigungen laufen. Villes Stimme geht hier aber sowas von unter die Haut. Ein Song zum Träumen und sich dunklen Gedanken hingeben.
Ein bisschen härter wird es dann wieder bei Death is in love with us, dessen Refrain mir einfach supergut gefällt.

Aber, so ausgelutscht es auch manche finden mögen: Join me wird für mich immer DAS Lied dieses Albums bleiben. Ich bin seit dieser Platte ein Fan von HIM und habe daher auch alle anderen Alben, auf denen natürlich auch viel geiler Scheiß zu finden ist, daher ist der Song vermutlich nicht wirklich mein absolutes Favorite der Band – trotzdem: Join me behält für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Tiefpunkte
Jedes Album hat doch mindestens einen Song, der einfach nur im Vergleich ziemlich beschissen ist, ne? Nicht so dieses. Kein einziges der restlichen Lieder ist für mich ein richtiger Fail. Zwar finde ich One last time ein gutes Stück zu Lullaby-mäßig und bei Razorblade kiss, Heaven tonight und Bury me deep inside your heart finde ich die Anfänge etwas verkorkst, aber im Großen und Ganzen kann man über keinen einzigen Song wirklich meckern. Das schafft auch kaum jemand!

Biographisches
Ich war klein, leicht beeinflussbar und einfach absolut hingerissen von Ville Valo, dieser geilen Drecksau diesem schönen Mann. Ziemlich schnell prangte ein Poster in Pink mit seinem freien Oberkörper und dunklen Augen, die einem bis in die Seele zu starren schienen, in meinem Zimmer. HIMs Texte waren die ersten, die ich wirklich versuchte zu verstehen, auch wenn ich mit meinem Englisch damals halt erst auf dem Stand einer Neuntklässlerin war und wir noch kein Internet hatten, das ich fragen konnte.

him2Ich bat also meine Englischlehrerin um Hilfe, die bei manchen Textzeilen einfach nur sichtbar schockiert und alarmiert war. Und sie hatte ja Recht, die Gute. Gemacht oder gesagt hat sie allerdings nix. Und das war eine gute Lehre für mein weiteres Leben.

Konzerterfahrung
Ich habe HIM, ach Gottchen… vier Mal live gesehen? Zum ersten Mal auf einem richtigen Konzert, das müsste 2004 oder 2005 gewesen sein. Überhaupt war das eines meiner ersten Konzerte, doch war ich ein wenig enttäuscht: Ville Valo MIT BART!?!? Das hat mir praktisch den Boden unter den Füßen weggezogen.

Danach war HIM noch einige Male auf Rock am Ring. Das schönste Erlebnis hatte ich dabei 2010. Damals hatte ich während Rise Against meine Freunde verloren und saß nass und frierend in der Boxengasse. Rammstein sollte bald spielen, eine Band, die ich wirklich ziemlich hart hasse, doch hatte ich die mir eigentlich ankucken wollen, wennse halt schon mal da sind mit ihren Pyros und so… außerdem wollten alle meine Freunde Rammstein sehen.

Nun waren die aber wie gesagt weg und ich hatte wirklich keine Lust auf diese Ekel, also schlenderte ich über das Festivalgelände, als plötzlich Buried alive by love an mein müdes Ohr drang und mich elektrisierte. Ach, stimmt ja – HIM und Rammstein spielen ja gleichzeitig! Na, dann nix wie hin!

Ich bog um eine Ecke zur Alternastage und blieb erst mal wie angewurzelt stehen. Sich Rammstein ankucken, wennse halt schon mal da sind – auf die Idee sind wohl noch ein paar Leute gekommen. Die Alternastage war LEER. Ein paar hundert Leute, maximal. Vor einem so kleinen Publikum hat HIM sicher seit 10 Jahren nicht mehr gespielt!!

Bestimmt leicht ätzend für die Jungs, supergeil für mich. Ich kam ohne Probleme ganz nach vorne, hatte sogar noch Bewegungsfreiheit und SAH ZUM ERSTEN MAL IN MEINEM LEBEN DIE BÜHNE!!!

Das Konzert war dann auch einfach traumhaft. Eine friedliche, wunderschöne Stimmung, dazu Ville direkt vor mir, seine liebliche, immer noch verdammt sexy Stimme, überhaupt seine hocherotische Ausstrahlung (OMG, ich klinge immer noch wie 14, aber ich find’s voll okay!)… es war fantastisch.

Als es beendet war, ging ich wie auf Wolken zurück zur Centerstage – nur um direkt in Till Lindemanns verschwitzte Psychopathenfresse starren zu müssen. Grmpf.

Was das Album mich lehrte
„This life ain’t worth living“ – Join me

Trivia
Damals, als das Album erschien, gab es natürlich auch immer wieder Berichte über die Band Ville Valo. Und oft war zu lesen, dass er 80 Zigaretten am Tag raucht.
Das hat mich damals absolut fertig gemacht. 80 Zigaretten am Tag, wie macht er das, das ist doch völlig unmöglich!
Heute weiß ich: Och, das geht schon. Hust.

him3


Weitere Beiträge zur Themenwoche:

Teil 2: The Offspring – Americana

Teil 3: Nirvana – Nevermind

Teil 4: System of A Down – Mezmerize

Teil 5: Ignite – Our Darkesst Days

Teil 6: TBA


Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!

Rock am Ring ist total scheiße. Echt.

„This song is a
poem to myself
it helps me to live…“

– Taproot

Rock am Ring, das Thema hatte ich ja schon mal. Wer die Beiträge damals gelesen hat, könnte vielleicht auf die Idee gekommen sein, dass Rock am Ring für mich ein jährliches Highlight ist, dem ich schon Wochen vorher entgegen fiebere.

Aber das stimmt überhaupt nicht. Rock am Ring ist nämlich eigentlich voll scheiße!

Ich hatte ja schon mal vorgerechnet, wie viel Schotter man für die paar Tage hinblättern muss. Allein das ist schon so’n Ding, bei dem man hellhörig werden sollte. Aber ja längst nicht das Schlimmste.

Zum ersten Mal fuhr ich 2005 zum Ring und war seitdem, von einer Pause 2006 abgesehen, immer da. Sieben Mal insgesamt. Man kann also sagen, dass ich eine richtige Ringrockerin und in der Lage bin, eine Entwicklung zu erkennen, wenn sie denn passiert.

Und die Entwicklungen am Ring sind alle beschissen. Es sind ja nicht nur die Ticketpreise (geschenkt, echt…), sondern das, was dafür geboten wird.

Die Leute allein… wo kommen diese ganzen Kinder her? Und wann sind die alle so asozial geworden?
Der Ring hat den Ruf eines absolut exzessiven Wochenendes. Zurecht. Wir haben immer gesagt: „Für die paar Tage lassen wir unsere Menschenwürde zuhause.“ Und genau so war es dann auch jedes Mal. Das ist völlig okay. Dampf ablassen, um danach den Alltag wieder zu überstehen. Saufen, fressen, tanzen, brüllen, viel zu lange wach bleiben, nicht duschen, den Müll einfach hinter sich schmeißen. Alles super.
ABER. Es sollte doch noch ein PAAR Grenzen geben. Diese sind erreicht, wenn Dixieklos brennen oder umgeworfen werden (während jemand drin ist…), man Leuten vom Zeltplatz nebenan, wenn die nicht da sind, auf den Grill kackt oder einfach überall, wo man gerade steht, der Schwanz ausgepackt und vor sich gepisst wird. Dabei ist der nächste verdammte Zaun oder Busch nur 10 Meter weg.

Ich denke mir sowas nicht aus (nicht mal das mit dem Grill). Gerade letztes Jahr ist mir das unangenehmer aufgefallen als jemals zuvor. Ich frag mich, was das soll? Ich meine, da hat man schon einen Schwanz und damit das Potential, halbwegs diskret überall hinzupissen, wo man will… nur warum dann ausgerechnet mitten auf den Weg, wo sich gerne Leute hinsetzen – und nur einen Meter von tatsächlich friedlich dasitzenden Leuten entfernt? Oder – und da, liebe Leser, wäre ich fast ein BISSCHEN eskaliert!!! – warum zur Hölle in die Waschbecken Schrägstrich EINZIGEN KOSTENLOSEN TRINKWASSERSPENDER VOR DER CENTERSTAGE?!?! Während eine lange Reihe verwaister Pissoirs NUR EINE BOX WEITER ZU FINDEN IST!?!?

Sorry. Ich komme mit fünf Tagen ohne Dusche klar (wir fahren fuhren immer schon mittwochs…), auch wenn das in den letzten Jahren immer ekliger geworden ist, was vielleicht am Alter liegt oder was weiß ich, keine Ahnung. Aber ein Minimum an Hygiene möchte ich dann doch noch gewährleistet wissen. Darum ziere ich mich ein bisschen, aus Wasserhähnen zu trinken, während die Pisse von irgend so einem asozialen Arschloch nur ein paar Zentimeter unter meinem Gesicht rumschwappt. Ja, ich weiß, voll anti Rock’n Roll, aber dann bin ich wohl einfach langweilig!

Solche Zustände sind wohl auch auf die immer größeren Menschenmassen zurück zu führen. Letztes Jahr hatte ich zum ersten Mal überhaupt so etwas wie Platzangst auf dem Festivalgelände. Irgendwann ist einfach Schluss! Es reicht wohl nicht, die Karten immer teurer zu machen… es müssen auch immer mehr Menschen werden, die die Karten kaufen!

Mit einigen eindeutigen Nachteilen. Fängt schon bei der Sicherheit, sprich: der Einlasskontrolle an, deren desolater Zustand letztes Jahr für geradezu hysterische Kritik gesorgt hat.
Mir war das ja ehrlich gesagt scheißegal. Meine Tasche wurde letztes Jahr kein einziges Mal untersucht und das fand ich auch gut so. Ist ja nicht so, als wäre es auch in den Jahren davor immer nur darum gegangen, den mitgebrachten Alkohol zu konfiszieren, wo es doch auf dem Gelände so schön überteuertes (Leicht)Bier zu kaufen gibt.
Man muss der Tatsache ins Auge sehen: Sollte irgendjemand mal ein krummes Ding auf dem Festivalgelände planen, dann wird das auch klappen. Ob mit oder ohne Taschenkontrolle – die paar Securitys, die einen abtasten, verhindern auch keinen Anschlag oder ähnliches, wenn die Akteure das wirklich, wirklich durchziehen wollen. Ich habe mich sowieso schon gefragt, warum sowas noch nie passiert ist (manchmal denke ich, ich wäre eine weitaus bessere Terroristin als so mancher… aber lassen wir das).
Ich selbst hab mal ein Messer reingeschmuggelt. Das war allerdings keine Absicht. Es war das einzige Jahr, in dem wir sonntagmittags schon fertig gepackt hatten und nachts direkt vom letzten Konzert kommend nach Hause fahren wollten. Oben bemerkte dann ein Kumpel, dass er sein Taschenmesser noch in der Hosentasche hatte. Also steckte ich es mir in meinen Schuh, biss die Zähne zusammen (tat weh beim Gehen) und latschte damit durch die Kontrolle. Danach bekam er es wieder. Null Problemo. Außer eben, er wäre ein Terrorist gewesen oder so. Das wäre dann schon scheiße gewesen.
Doch halten wir fest, auch wenn mir das persönlich am Arsch vorbei geht: Die Sicherheitslage ist desaströs!

Das führt uns zu den Zuständen vor den Bühnen. Namentlich der Centerstage, wo die ganz Großen spielen.
Ich kann mich daran erinnern, dass ich 2007, ich war mit einer Freundin unterwegs, mich bzw. uns beide relativ locker bis in die zweite Reihe schlängeln konnte. Für irgendwas muss es ja gut sein, dass ich so klein bin.
Das ging schon 2008 nicht mehr. Ab dann, wenn ich mich recht erinnere, wurden Wellenbrecher installiert, also Barrieren, die den Raum vor der Bühne teilen und schon im Vorfeld quasi entzerrend und deeskalierend wirken sollen. In die vorderen Blocks, also A und B, kam man nur noch über die ziemlich schmale Boxengasse, die ebenfalls abgesperrt werden konnte, wenn die Blocks voll waren.
2008 hat das AUCH noch super geklappt, ebenso 2009, wenn man davon absieht, dass wir einmal samstags oder sonntags einfach die Absperrungen in der Boxengasse überrannt haben. Das war ziemlich cool.
Doch der Ring 2012 hatte wieder Neuerungen zu bieten (ein total ausgeklügeltes Ampelsystem, das anzeigte, ob sich ein Anstellen für den A- und B-Bereich überhaupt lohnt) und seitdem ist es vor der Bühne einfach nur scheiße. Früher hatte man gute Chancen, seine favorisierte Band aus der Nähe zu sehen, wenn man drei, vier Stunden vorher da war. Letztes Jahr saßen teilweise Leute ab zwölf Uhr Mittags vor der Centerstage, weil sie irgendwann um 22 Uhr ne Band sehen wollten!
Und das ist scheiße! Die Stimmung war dann auch entsprechend lahm, so lahm, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich meine, wie kacke ist das bitte für die Bands, vor lauter Menschen zu spielen, die einfach nur da sind, weil sie eine spätere Band sehen wollen, sich für die aktuelle Band aber einen Scheißdreck interessieren?
Und, wie schon gesagt, diese ganzen Kinder. Die sind tatsächlich bescheuert genug, um zehn Stunden Warterei durch zu ziehen. Wahlweise bei Regen oder brütender Hitze, ohne was zu trinken, ohne richtige sanitäre Anlagen, nüchtern. Und dann bei Linkin Park total verwirrt dastehen und nicht wissen, was abgeht, wenn die plötzlich „Sabotage“ spielen. Häää, Beastie Boys, who the fuck?!

Nein, der Ring ist ein riesiger Haufen Scheiße geworden. Und die größte Scheiße ist, dass ich dieses Jahr nicht hinfahre. Denn all das ist völlig und absolut scheißegal, wenn man mit den richtigen Leuten fährt.
Leute, die ich nicht mehr habe. Denn diese Freundschaften sind es, die sich in Scheiße verwandelt haben.

Heul.

Und weil das so zum Kotzen ist und ich irgendwie diese Woche überstehen muss, ohne mich umzubringen, kriegt ihr die nächsten sieben Tage eine neue Serie präsentiert. Die letzte (Kinderserien meiner, äh, Kindheit) hat mir gut gefallen, also werde ich das wohl noch öfter machen. Und da es beim Ring ja irgendwie doch um Musik geht, heißt das Thema ab morgen

Meine Top 7 Alben aller Zeiten

Ich weiß, das dürften eigentlich nur fünf sein. High Fidelity und so. Aber es soll ja ne ganze Woche gehen.

Warum übrigens den Anfang am Dienstag? Weil es dann montags endet, wie mein Ringerlebnis immer. Und weil ich gestern keine Zeit für diesen Beitrag hatte. Jap, dies ist der Artikel der harten Realitäten :/

Und jetzt setze ich mich ein bisschen in meinen Campingstuhl, trinke warmes Bier und heule in meine kalten Ravioli.

Weißt du, was richtig krass ist? Einer wildfremden Person im Internet eine Tasse Kaffee zu spendieren, nur weil dir ihr Beitrag gefallen hat. Das ist Rock’n‘Roll!