DIY: Batik-Shirts! – Das Ergebnis

Hier also die Resultate meines letztwöchigen Batikwahns!

Erstmal noch was zum Farbbad. Dieses sollte aus ca. 3 Litern fast kochendem Wasser bestehen, in dem die Shirts mindestens 20 Minuten, eher aber länger (bei meinen letzten Versuchen habe ich die Shirts glaube ich gerne auch mal über Nacht dringelassen) drin bleiben.

Danach nehmt ihr sie raus, ohne zu sehr euer Interieur zu versauen, und wascht sie mit warmen Wasser aus, bis die Shirts keine Farbe mehr verliert, das Wasser also klar ist. Wenn ihr mit mehreren Farben färbt, solltet ihr darauf achten, dass die auszuwaschende Farbe nicht auf die noch weißen oder schon gefärbten Stellen läuft.

Jap, das Auswaschen ist definitiv das Ätzendste an der ganzen Sache. Aber dann kommt endlich die Belohnung!

Fangen wir mit Shirt 1 an, das einfarbig lila gefärbt wurde:
Lila

Bei dem musste ich nicht mehr tun, als das verschnürte Päckchen ins Farbbad zu schmeißen. Und: Ich mag das Ergebnis! Das Muster gefällt mir sehr und ist viel gewollt unregelmäßiger als bei meinen Versuchen als Teenager. Daher sieht es nicht so dilettantisch aus wie damals!

Rückseite
Rückseite

Einzig die Farbe könnte etwas knalliger sein (es ist in Echt tatsächlich mehr violett als auf dem Bild, aber nicht viel), aber leider war das das einzige Lila, das ich finden konnte. Trotzdem, nicht schlecht!

Damit direkt weiter zu Shirt 2, welches ja für Kollegin Johanna sein sollte. Die abgebundenen Zipfel, entschied ich, sollten rot sein, der Rest dunkelgrün. Damit das zu bewerstelligen war, band ich die Zipfel am unteren Ende locker zusammen und ließ sie ins Farbbad hängen. Nachdem das erledigt und die Farbe ausgewaschen war, das selbe nochmal umgekehrt – also der Rest des Shirts ins grüne Farbbad.grünrot
Als ich die Schnur abdröselte und das Ergebnis ausbreitete, dachte ich erst mal „Wow!“. Das Muster sah weitaus cooler aus (wie meistens übrigens – das ist das Schöne am Batiken!), als ich es mir vorgestellt habe!
Schade finde ich nur, dass das angebliche Scharlach doch leider eher Rosa ist, was aber vielleicht mein Fehler war, weil ich das Shirt nicht lange genug im Farbbad ließ, und mir das dunkelgrün zu viel dunkel ist und zu wenig grün. Naja. Dieser erste Versuch soll ja auch mal dafür da sein, zu sehen, wie sich die Farben tatsächlich auf Stoff machen.

Shirt 3 ließ sich leichter färben, als ich dachte. grüngelbrot„Die Wurst“ hing brav im Farbbad und machte überhaupt keine Anstalten, aus Versehen reinzurutschen. Ich färbte von unten nach oben, also zuerst rot, dann gelb, dann grün.
Joah. Eigentlich genau der Effekt, den ich erreichen wollte! Hat wirklich besser geklappt als erhofft. Ein wenig unzufrieden bin ich höchstens mit dem Grün, denn dieses Saftgrün erscheint mir überhaupt nicht saftig. Und beim nächsten Mal werde ich die Abstände doch mal genauer abmessen. Ich weiß, sowas fällt den meisten überhaupt nicht auf, aber dass der rote Bereich so viel breiter ist als der gelbe und der grüne macht mich fast wahnsinnig.

Shirt 4 sah nass so richtig knallig aus. Das hatte AUCH was, aber dennoch war ich froh, dass das Ergebnis trocken dann doch eher so aussah, wie ich mir das vorgestellt hatte. Halt helle, schöne Frühlingsfarben!
blaugrün
Da soll noch einer behaupten, Türkis wäre grün! Ich mag dieses Blau sehr, das Grün etwas weniger. Vielleicht sollte ich mich doch noch mal nach einer anderen Firma umsehen. Alle Grüntöne wirken auf mich irgendwie ein wenig schmutzig!
Trotzdem ist das, glaube ich, fast mein Lieblingsmuster. Diese Trennung in der Mitte hat genau so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe. Ein cooler Effekt! Das werde ich auf jeden Fall nochmal probieren.

Shirt 5 ist definitiv am knalligsten geworden. Azur, aber sowas von!
rotblau
Auch hier habe ich alle Zipfel locker zusammen gebunden (allerdings nicht alle erwischt, wie man sehen kann, aber das finde ich nicht schlimm) und so ins Farbbad gehängt. Dieses Mal habe ich den Stoff länger im roten Farbbad gelassen, weshalb die Farbe auch kräftiger wurde. Die farbliche Zusammenstellung gefällt mir sehr! Einfach ein wunderschönes Blau. Leider ist blau die einzige Farbe, die mir nicht so wirklich steht -.-

Last, but not least: Kommen wir zu Shirt 6, Flamedas meinen Mitbewohnern am besten gefallen hat. Nachdem ich das verschnürte Shirt gelb gebatikt hatte, öffnete ich es wie gesagt und verschnürte es auf andere Weise erneut, allerdings ein wenig kleiner (es sollen ja gelbe Stellen übrig bleiben). Leider habe ich vergessen, diesen Zwischenschritt zu dokumentieren *grmpf*

Rückseite
Rückseite

Als ich das Shirt nach dem roten Farbbad öffnete dachte ich erst „Scheiße“. Im nassen Zustand sah es so aus, als wäre es fast komplett nur rot. Aber dann trocknete es und… naja, sieht jetzt halt so aus! Ich würde das nicht unbedingt Flammen nennen, aber es ist auf jeden Fall sehr fresh! Das möchte ich noch wahnsinnig gerne in anderen Kombinationen (gelb/dunkelblau, gelb/grün, hellblau/mittelblau, hellgrün/dunkelgrün etc.pp.) ausprobieren.

Und so wurde daraus
Basic

DAS:
Alle

Und dabei behauptet meine Oma immer, ich würde nur Schwarz tragen!!

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob die Shirts die erste Wäsche überstehen. Laut Packung der Farben kann man die Shirts jetzt bei 40 Grad waschen, aber das bezweifle ich eigentlich. Vielleicht probiere ich das mal beim violetten Shirt aus, weil ich das am leichtesten wieder nachmachen kann, falls es das nicht überlebt. Ansonsten würde ich eher zu Handwäsche tendieren, zumal man diese Shirts eigentlich, wenn man sie schon in der Maschine wäscht, einzeln waschen sollte, was ja wohl maximal unökologisch ist.

Insgesamt bin ich mit meinem Projekt eigentlich sehr zufrieden und werde es vermutlich wiederholen, weil es einfach Spaß macht. Das Ergebnis war nicht immer so wie ich es mir vorgestellt habe, doch kam immer etwas hübsches dabei raus. Oder, naja… was sagt ihr dazu?

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DIY: Batik-Shirts! Yay!

Als kürzlich für ungefähr fünf Minuten Frühling war, dachte ich an schöne Dinge wie Sonne, Wärme und Farben. Und bei letzteren führt meine Assoziation dann unweigerlich zu folgendem: BATIK!!!

Oft habe ich mich in der Vergangenheit, vor allem während einer kleinen Hippiephase, an dieser unterschätzten Kunstform versucht, doch ist das letzte Mal bestimmt schon über zehn Jahre her *schluck* Schön finde ich Batik aber immer noch, auch wenn ich kein Hippie mehr bin (und wohl auch nie war).

Ich denke, mein Entschluss, meinen Kleiderschrank mit Batikshirts zu füllen, rührt vor allem daher, dass ich mir selbst verboten habe, mir neue T-Shirts zu kaufen, bevor ich nicht wieder in einige meiner alten (und teilweise praktisch ungetragenen) reinpasse. Der pure Horror für mich, sind T-Shirts doch mein Sammelobjekt Nummer Eins!
Von Batik steht aber nichts in dieser strikten Anweisung an mich selbst :mrgreen: Daher war beschlossen: Ich werde wieder batiken! Und weil ich erst kürzlich gelernt habe, wofür die Abkürzung „DIY“ steht (nämlich für „do it yourself“. Clever!!), möchte ich euch daran teilhaben lassen.
Mir kam nämlich zu Ohren, dass Batik diesen Sommer in ist. Jedenfalls habe ich ein paar Models damit über den Laufsteg flanieren sehen. Das hat meine Freude kurz getrübt, aber naja :/ Bin ich halt ungewollt Trendsetterin. Bis jetzt habe ich allerdings noch kein Batikzeug im H&M rumhängen sehen, also war das vielleicht doch nur eine Falschmeldung…

Batik sollte jeder kennen. Neben dem etwas aufwendigeren Wachsbatiken, bei dem der Batikeffekt dadurch entsteht, dass man bestimmte Stellen des Stoffes mit Wachs praktisch „versiegelt“, so dass keine Farbe drankommt, ist vor allem das Batiken durch Wickeln und Verschnüren sehr angesagt. Eben dieser altbewährten Methode wollte ich mich bedienen.
Dieses Mal wollte ich zum ersten Mal den Schritt wagen und mit mehr als einer Farbe pro Shirt batiken. Das habe ich zuvor noch nie gemacht. Außerdem habe ich mich bewusst dazu entschlossen, mir keine Wickeltechniken online anzusehen, sondern selbst mal ein bisschen rumzuprobieren. Die Möglichkeiten sind praktisch grenzenlos!

Erstmal musste natürlich das passende Equipment her:
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Das Wichtigste sind natürlich die Farben. Diese solltet ihr in jedem gutsortierten Bastelladen finden! Leider musste ich feststellen, dass es die Marke, die ich früher immer benutzte, und die wirklich ohne Untertreibung an die 100 Farben zur Auswahl hatte, wohl nicht mehr gibt. Das ist schade. Aber wie man sieht, gibt es Alternativen. Ich konnte mich letztendlich nicht so wirklich entscheiden, bin dann ein kleines bisschen ausgerastet und habe wie man sieht einfach mal alle Farben gekauft, die mir gefielen. Diese Päckchen kosteten ca. 1,50 € pro Stück, die etwas größeren Pakete ca. 2,50 €, wobei die für eine größere Menge Stoff geeignet sind und schon spezielles Färbesalz (das soll für Farbechtheit sorgen) beinhalten. Für die kleineren Päckchen kaufte ich also noch Färbesalz.
Außerdem braucht ihr eine Rolle Jutekordel zum Abbinden und, nicht im Bild, ein Behältnis zum Färben.

So, natürlich sind jetzt noch Objekte der Verschönerung vonnöten. Batiken kann man praktisch alles von Shirts über Longsleeves bis zu Hosen, Taschen, Tüchern oder Gardinen. Zu Bedenken gibt es hierbei nur weniges:
– Der Stoff darf nicht so fluffig sein (sonst nützt das Abbinden nichts, die Farbe erreicht trotzdem alle Stellen)
– Der Kunstfaseranteil des Stoffes sollte einen bestimmten Prozentsatz nicht übersteigen, da von diesen keine Farbe angenommen wird. Auf den kleinen Päckchen steht, bis zu 20% Kunstfaser sei okay, das halte ich aber für etwas sehr optimistisch. Ich würde zu nicht mehr als 5% greifen. 100%ige Baumwolle geht natürlich auch, diese gerät aber gerade durch die doch etwas heftige Behandlung, die man ihr beim Wickeln etc. angedeihen lässt, schnell aus der Form.

Ich musste leider feststellen, dass es heutzutage praktisch unmöglich ist, nett geschnittene, reinweiße T-Shirts für Frauen zu kriegen. Zumindest offline. Wenn man sie anprobieren will, gibt es wirklich erstaunlich wenige günstige Alternativen!
Obwohl mir der Schnitt nicht hundertprozentig zusagt (warum bei Girlie-Tops immer diese extrem kurzen Ärmel?), habe ich schließlich einige Basic-Shirts von Clockhouse gekauft, für fast unschlagbare 2,50 € das Stück (ich will nicht wissen, wo und wie die hergestellt werden…!).

Zur Illustration:

Basic

Fünf für mich, eines für meine Kollegin Johanna!

Nun wird zur Tat geschritten. Ich hatte mir vorher schon ein wenig Gedanken darum gemacht, welches Design die einzelnen T-Shirts haben sollten und natürlich auch über die Farben.

ein unförmiges Etwas
ein unförmiges Etwas

Shirt 1 war am einfachsten, weil es das einzige war, das ich einfarbig färben wollte, und zwar in Lila. Einfach mal zum Probieren, ob ich es noch kann.
Ich band also einen Zipfel in der Mitte ab, knüllte es zusammen und band einfach dort ab, wo ich Bock drauf hatte. Das Ergebnis war, wie gewünscht, ein unförmiges Etwas. So ist die Spannung am höchsten!

Johanna
Zipfel. hihi.

Shirt 2 habe ich meiner Kollegin Johanna praktisch aufgenötigt. Ich wollte einfach ein paar Versuchskaninchen haben, um halt genug Zeug zu haben, das ich ausprobieren kann!
Sie wünschte sich grün und rot. Wie auf dem Bild zu sehen nahm ich nun drei Zipfel des Shirts, band die zweifach ab und der großflächige Rest, der übrig blieb, ebenfalls einmal.

Reggae
ne Wurst.

Bei Shirt 3 wollte ich ein altbekanntes Design ausprobieren, nämlich ein schlichtes, quergebatiktes Shirt in den Reggaefarben grün, gelb und rot. Man könnte es auch das „Bring die Polizei dazu, dich an der Grenze ganz genau zu durchsuchen“-Design nennen. Dazu habe ich das Shirt einfach in der Mitte zusammengerafft (NICHT rollen oder falten, das gibt einen anderen Effekt, den ich allerdings noch nicht ausprobiert habe) und diese Wurst alle paar Zentimeter verkordelt.

Halbiert
quasi geviertelt.

Für Shirt 4 schwebte mir ein zweifarbiges Design in einem frühlingshaft hellen Blau und Grün vor. Dazu halbierte ich das Shirt über die Querachse (also in diesem Fall vom linken unteren Saum bis zum rechten Ärmel), band die Mitte großzügig ab und die so entstehenden Hälften ebenfalls noch einmal.

Blaurot
Zipfelchen.

Shirt 5 folgte im Prinzip dem selben Schema wie Shirt 2, nur dass ich hier nicht nur drei Zipfel abband, sondern viele kleine Zipfel (und diese auch nur einmal, nicht doppelt abband). Die Zipfel wollte ich gelb färben, den Rest dunkelblau. Mir schwebte ein diffuses Bild von irgendwie sowas wie „Sterne im Nachthimmel“ vor. Weil ich jedoch fürchtete, die Farben würden sich vermischen (was sie normalerweise tun) und an den Rändern dann grün werden, entschied ich mich für ein kräftes Blau und rot.

Flammen
ein noch unförmigeres Etwas.

Bei Shirt 6 wollte ich schließlich wieder etwas ganz anderes probieren: Übereinander färben! Dazu verschnürte ich das Shirt im ersten Schritt zu einem großzügigen Päckchen. Ich wollte das Shirt erst in gelb batiken, dann nach diesem ersten Farbbad öffnen, neu verschnüren und dann rot darüber färben. Mir wurde gesagt, das würde so eine Art Flammeneffekt geben. Und das geht mit allen hellen Farben wie gelb, und, äh… gelb.

Ernsthaft: Die Helligkeit der Farben kann man variieren, indem man das Farbbad mit mehr Wasser anrührt. Überhaupt ist es wichtig, sich beim Batiken an das zu erinnern, was man in der Grundschule über Farbenlehre und das Mischen von Wasserfarben gelernt hat (sofern man es überhaupt vergessen hat).

Das Färben kann beginnen! Bzw. habe ich, da ich ja einige Shirts praktisch gleichzeitig batiken wollte, mich erst mal hingesetzt und überlegt, in welcher Reihenfolge das vonstatten gehen soll. Die kleinen Päckchen sind nämlich für jeweils maximal 150 Gramm Stoff geeignet (was einem normalgroßen T-Shirt entspricht), die größeren, sofern man kräftige Färbungen erreichen will, für 50 Gramm mehr. Auch wenn sie recht günstig sind, ist es eine Sache der Ökonomie, auszubaldowern, welche Shirts ins selbe Farbbad gehören. Da ja meist nur ein Teil des Stoffes gefärbt werden sollte, kollidiert das auch nicht mit den Gewichtsvorgaben.

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Nachdem das erledigt war, konnten also Farbbäder angerührt werden! Wobei mich die Shirts, die ich nur zum Teil in einer bestimmten Farbe haben wollte, vor einige Probleme stellten. Es durfte ja nur der Stoff, der gefärbt werden sollte, im Farbbad hängen! Falls ihr das nachmachen wollt, habe ich eigentlich nur den Tipp an euch, einfach kreativ in der Problemlösung zu sein. Wie im Bild zu sehen habe ich z.B. der weiße Teil des Shirts einfach an irgendetwas festgebunden.

Nach dem Färben kommt dann der spannendste Teil des Batikens, der Teil, der mir auch am meisten Spaß macht! Und dieser wäre: das Öffnen der Shirts! Man kann meistens kaum erahnen, wie das Ergebnis wohl aussehen wird und wird daher regelmäßig überrascht! Und natürlich ist jedes Shirt immer ein Unikat!

Doch eben diesen Part der ganzen Chose, das wunderschön bunte Resultat… liefere ich euch morgen! Chrchr! Bis dahin seid gespannt!

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Spielereview: Gloom (ein gar vortrefflich Kartenspiel!)

Ich bin ein Spielkind. Falls ihr das noch nicht wusstet, wisst ihr es jetzt!

Meine PSone liebte ich immer heiß und innig, aber auch Offline-Games, sprich: Gesellschaftsspiele aller Art sind meine große Leidenschaft. Ein geiler Spieleabend mit den richtigen Leuten würde ich fast einer Partynacht vorziehen!

Glücklicherweise befinde ich mich da in guter Gesellschaft. Meine Mitbewohner spielen ebenfalls sehr gerne und Tim, der Typ, bei dem ich früher immer gewaschen habe, ist sogar eine besondere Koryphäe: Kaum ein Monat vergeht, in dem er nicht ein neues Spiel anschleppt!

Seinen letzten Kauf hat er uns diese Woche präsentiert. Es handelt sich um Gloom, ein Kartenspiel mit wunderbar tiefschwarzen Humor!

gloom2
Prämisse: Düstere Gestalten wie aus einem Tim-Burton-Film bevölkern dieses Spiel. Verschiedene Familien (z.B. eine Zirkusfamilie, eine „Serienmörderfamilie“, eine „Verrückte Erfinder“-Familie) warten nur darauf, ins Unglück gestürzt zu werden. Und genau das ist die Aufgabe des Spielers!

Spielprinzip: Ziel des Spieles ist es, jeden einzelnen Charakter der dem Spieler anvertrauten Familie (die immer aus fünf Personen besteht) die größtmögliche Misere angedeihen zu lassen und sie dann umzubringen. LOL. Gewonnen hat, wer am Ende, das erreicht ist, wenn die erste Familie komplett tot ist, am meisten Minuspunkte gesammelt hat!
Es gibt vier Arten von Karten:

Charakterkarten
Charakterkarten

– Die Charakterkarten: Jeder Spieler bekommt fünf davon, die zur selben Familie gehören, und breitet sie vor sich aus. Auf jeder Karte steht der Name des Charakters und ein paar lustige Informationen.

– Die Punktekarten: Diese hat man auf der Hand und sind dafür da, einen Charakter bzw. seinen Wert zu erhöhen oder zu verringern. Da es ja darum geht, seine Familie in das größtmögliche Verderben zu stürzen, legt man die Pluspunkte natürlich bei den anderen Spielern an! Da sämtliche Karten aus durchsichtigen Plastik sind (sehr nett, übrigens!), können sich Punkte auch addieren.

– Die Todeskarten: Diese Karten hat man ebenfalls auf der Hand und besiegeln, wie man sich denken kann, den Tod eines Charakters. Sie werden wie die Punktekarten auf die Charakterkarten gelegt, woraufhin diese (also die Charakterkarten) umgedreht werden, damit man sieht, dass der Charakter tot ist.

– Die Actionkarten: Auch diese Karten hält man in der Hand und spielt sie gemäß dem aus, was darauf steht: So gibt es Karten, die einen Toten wieder zum Leben erwecken können, Karten, die Charaktere aus dem Spiel ausscheiden lassen, Karten, durch die man neue Handkarten ziehen kann etc.pp. Was man damit tun kann, steht komfortabelerweise darauf!

Spielbeginn:
Jeder sucht sich eine Familie aus (ohne sich dabei gegenseitig an den Hals zu springen), legt diese Karten vor sich aus und zieht fünf Karten auf die Hand, die eben aus Punktekarten, Todeskarten oder Actionkarten bestehen können. Jetzt geht es eben erst einmal drum, Plus- oder Minuspunkte zu verteilen.

Spielverlauf:
Und hier zeigt sich die große Stärke, die absolute Genialität dieses Spiels! Denn es ist jetzt nicht so, dass ich ganz schnöde 10 Minuspunkte an einen meiner Charaktere anlegen kann (wir erinnern uns: Je weniger Punkte, desto eher der Sieg, nicht umgekehrt!) – nein, dazu muss ich eine Geschichte erzählen!

Auf den Punktekarten finden sich nämlich nicht nur Punkte, sondern sie tragen auch eine Überschrift. Diese kann zum Beispiel lauten „Wurde von einem Kredithai verprügelt“ oder „Heiratet sich nach oben“. Das erste Beispiel bringt Minuspunkte, das zweite Pluspunkte. Man kann praktisch jede Karte überall anlegen, doch gilt es, der Phantasie freien Lauf zu lassen und sämtliche auf den Karten genannten Prämissen logisch mit dem vorher Passierten zu verknüpfen!
Wie gesagt: Es geht darum, so viele Minuspunkte wie möglich auf seine eigenen Charaktere zu sammeln, gleichzeitig aber auf die anderen Spieler Pluspunkte zu spielen! Wie das nun genau aussieht, sei in einem Beispiel erklärt:

Ich spielte die „Verrückte Erfinder“-Familie, zu der eine bekloppte Professorin gehört, deren Mann als körperloses Gehirn in einem mit Flüssigkeit gefüllten Tank sein Dasein fristet und deren Tochter eine Schabracke mit Monobraue ist, die so hässlich ist, dass sie ihr einen Bräutigam versucht hat zu bauen, wobei der erste Versuch aus einem Frankenstein-Teddybären besteht! Der fünfte im Bunde der Familie ist ein Totengräber, der Frau Professors sezierte Leichen entsorgt.

eine Punktekarte
eine Punktekarte

So, jetzt wird gespielt, aber wie gesagt: Geschichten dabei erzählen! Dies sieht dann zum Beispiel so aus:
Auf die Tochter der Familie spielte ich erst die Karte „Attackiert von einer Seekuh“, was Minuspunkte einbrachte. Mitbewohner David spielte daraufhin die Karte „Einen Drink nehmen“ und „In tiefen Schlaf fallen“, was beide Male Pluspunkte brachte. Jetzt war ich wieder am Zug und wollte eine starke Minuskarte ausspielen. Erzählt habe ich dann jenes (der erste Teil ist nur eine Zusammenfassung des vorher schon erzählten):

„Nachdem die bezaubernde Miss Melissa Slogar nun beim Lustwandeln im Tierpark von Greenwich schwer verwundet worden war und sich im Bestreben, ihre Schmerzen zu lindern, daraufhin dem Trunke ergeben hatte, schlief sie den seligen Schlaf der vermeintlichen Rekonvaleszenz, bis sie ihr eigenes heftiges Röcheln aus dem Traume riss. Unglücklicherweise war ihr entfallen, dass sie, die sie schon von Geburt an an einer schwächlichen Konstitution litt, dem Portwein, dessen berauschende Wirkung in so vortrefflicher Weise am Abend zuvor ihre Pein zu mildern im Stande gewesen war, unter gar keinen Umständen zusprechen sollte, zumal Alkoholika in jedweder Form tragischerweise nicht ohne Grund eine geradezu auszehrende Wirkung auf zarte Ladys und ihre Gesundheit nachgesagt wird. Eben jene kurze Schwäche des Fleisches, aus Schmerz und Agonie geboren, brachte nun ein Leiden zurück, dessen sie sich noch allzu gut erinnerte, war es doch ein altes Gebrechen ihrer Kindheit, welches sie endgültig überwunden geglaubt hatte, nun jedoch heimtückisch und mit aller Macht erneut zuschlug: Sie erkrankte an Tuberkulose!“

So kann eine Geschichte aussehen, und wie ihr seht: Es ist existenziell wichtig, was sage ich: geradezu UNERLÄSSLICH, sich einer altertümlichen und gar fürnehmen Sprache zu bedienen, befinden wir uns doch im viktorianischen England!!! (Das wurde gestern Abend zum beliebten Running Gag!)
Nee, um ehrlich zu sein ist das keine Regel. Aber so macht es mehr Spaß!

Jeder darf während seines Zuges zwei Karten, egal welcher Art, ausspielen oder ablegen, und zieht am Ende seines Zuges wieder so viele Karten, bis er erneut fünf auf der Hand hat. So geht es dann reihum!

Fazit: Das Design der Karten ist lustig und schön schwarzhumorig, das Spielprinzip mal etwas völlig anderes! Wenn man darauf steht, Geschichten zu erfinden, was ich tue, und auch schräg und kreativ bei der Sache ist, was ich bin, dann ist dieses Spiel einfach nur der absolute Hammer! Wobei es wirklich nicht wichtig ist, ob man gewinnt, denn der Spielspaß ist auch so enorm.
Die Nachteile sehe ich darin, dass dieses Spiel bisher leider nur auf Englisch erhältlich ist, was es für (deutschsprachige) Kinder leider ungeeignet macht. Aber da sich auch auf den Karten einer recht hochgestochenen Sprache bedient wird, kann das selbst für Menschen, die gut in Englisch sind, recht problematisch sein. Unsere Lösung: Laptop neben das Spielgeschehen, Leo Dictionary anschmeißen! Darauf griffen wir im Zweifelsfall zurück.

Auch sehe ich die kleine Gefahr, dass sich nach einigen Runden die Geschichten wiederholen. Das sollte allerdings nicht der Fall sein, zumal es auch einige Erweiterungspacks gibt. Desweiteren sind auf allen Punktekarten unten auch Handlungsanweisungen zu finden, die dem Spielgeschehen eine weitere strategische Note hinzufügen. Diese haben wir dieses Mal nicht beachtet, weil wir das Spiel erst kennen lernen wollten, doch handelt es sich hierbei um eine weitere Facette, die eventuelle Abnutzungserscheinungen entgegen steht.

Was unkreative Mitspieler angeht, die sich keine Mühe geben: Einfach nicht mit solchen Leuten spielen!

Mein Urteil: Sapperlot, welch Pläsier! Einem vortrefflichen Spaß in geselliger Runde steht mit diesem famosen Spiel nichts im Wege. Ein Genuss, sowohl für den distinguierten Gentleman als auch das vorlaute Weibsbild! Also eilt geschwind zum Krämer! Cheerio!

Für diese Art Lobhudelei bekomme ich leider kein Geld. Eine Schande! Wenn du ebenfalls dieser Ansicht bist, kannst du selber tätig werden und mich via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen.

Wo soll’s denn losgehen? – Jakobswegplanung óle!

Es steht fest: Auch dieses Jahr wirds für mich wieder eine Pilgerreise geben!

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine offizielle Jakobswegpilgerin bin. Wer mich noch nicht so lange verfolgt, ist jetzt hoffentlich angemessen schockiert!

Immer, wenn ich davon erzähle, ernte ich bei meinen Zuhörern haargenau die selbe Reaktion: „Du bist den Jakobsweg gegangen? Den GANZEN?“

… und dann muss ich immer lachen. Es gibt nämlich nicht DEN Jakobsweg, ganz im Gegenteil. Der Jakobsweg ist vielmehr ein Wegenetz, das sich durch ganz Europa zieht und gerade im Mittelalter die sicherste Reiseroute darstellte. jakobsweg Ich denke, damit ist klar, dass ich nicht den GANZEN Jakobsweg gepilgert bin!

Zwei Touren habe ich bis jetzt hinter mir, einmal 2010 im Heiligen Jahr und einmal letztes Jahr. Leider hat es letztes Jahr GAR NICHT geklappt. Erst hatte ich eine Sehnenentzündung im Fuß, die mich eine gesamte Woche aus dem Verkehr gezogen hat, was einfach nur die Hölle auf Erden war, und dann war der verdammte Weg auch noch völlig overcrowdet. Es macht keinen Spaß, nach 25-30 Kilometern am Zielort anzukommen und zu erfahren, dass die Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger wieder mal ausgebucht sind.
Das ist übrigens nur die Schuld dieser blöden Sportpilger. Also Pilger, die den Weg nur wandern, weil er halt als gut ausgebautes Wegenetz existiert und sie das als sportliche Herausforderung betrachten. Natürlich IST der Jakobsweg eine sportliche Herausforderung, und nein, man muss um Himmels Willen nicht gläubig sein, um den gehen zu dürfen, aber wenn ich diese Assis an mir vorbei rennen sah mit ihrer funktionellen Sportkleidung für ein paar Hundert Euro, wie sie ohne nach rechts und links zu blicken über den Weg hetzen, ohne Interesse für die Geschichte, die Architektur, die Bedeutung des Ganzen und auch der spanischen Kultur, hätte ich jedes Mal brechen können!
Die Pilgerherbergen sind für die Pilger da. Aber diese Leute sind einfach nur… Wanderer. Pfui! Und als solche nehmen sie den Leuten die Plätze in den Herbergen weg, die auf sie angewiesen sind und sich keine Alternative leisten können. Deshalb sind die Herbergen ja auch so billig!

camino-dela-costa-karteUps… abgeschweift. Also: Nach meinen Erlebnissen vom letzten Jahr kommt der Camino de la Costa, der nördlichste Jakobsweg in Spanien, der Weg, den ich bei meiner ersten Tour gelaufen bin und der daher immer irgendwie MEIN Weg bleiben wird, leider nicht mehr in Frage. Ich hatte in meinem ersten Jahr wohl wirklich einfach Glück. Statt wegen des Heiligen Jahres (das ist übrigens ein Jahr, in dem der Tag des hl. Jakobs auf einen Sonntag fällt – in diesem Jahr darf Santiago de Compostela den erfolgreichen Pilgern als einer von nur vier christlichen Pilgerorten überhaupt auf der Welt eine komplette Absolution aller Sünden erteilen!) überfüllt zu sein, wie befürchtet, sind wegen dieser düsteren Prophezeiungen wohl viele gleich auf dem Hauptweg, dem Camino francés, gestartet (eben jener ging  auch Hape Kerkeling). Daher war ausgerechnet im Heiligen Jahr wesentlich weniger los als letztes Jahr.

Nachdem ich mehrere Nächte hintereinander nur beschissene Schlafmöglichkeiten gehabt hatte und aus diesem Grund übermüdet, gereizt und weinerlich war, beschloss ich eines Tages spontan, auf die Hauptroute zu wechseln und schnappte mir einen Bus nach León. Dieser hat nämlich mehr und besser ausgebaute Herbergen, womit es fast unmöglich ist, keinen Platz zu bekommen, egal wie langsam man latscht.

Das ist allerdings schon der einzige Vorteil, der mir einfällt. Ich bin einfach kein Fan des Camino francés. Dieser ist viel mehr als der Camino de la Costa touristisch orientiert, weshalb man in den Bars am Wege unverschämte Preise bezahlen muss und dann trotzdem nichts ordentliches dafür bekommt. Ich erinnere mich immer noch mit Wut im Bauch an diese blöde Bar hinter dem Crúz de Ferro, die mir tatsächlich Fertigtortillas servierte! Und dafür doppelt so viel verlangte wie für ne richtige, saugeile Tortilla im Norden!
Auch gefällt mir die Landschaft nicht besonders. Vielleicht wird das dieses Mal anders sein, weil ich letztes Jahr direkt vom grünen Norden kam und der Kontrast einfach zu krass war, aber damals fand ich die Aussicht zum Kotzen. Es wirkte auf mich alles völlig tot, flach und langweilig.

Und natürlich: Das Meer fehlt *seufz*

Der Camino francés beginnt in Saint-Jean-Pied-de-Port, einem Ort kurz vor der spanischen Grenze, womit sich leider für mich, sollte ich da losgehen, direkt zwei Probleme ergeben:

1. Der Camino francés ist auf gut zwei Dritteln des Weges absolut flach wie ein Brett. Das fiel mir umso mehr auf, weil der Camino de la Costa das genaue Gegenteil ist. Das ist natürlich recht komfortabel, weil es sich bekanntlich gerade leichter wandert als auf oder ab.
ABER: Von St. Jean aus geht direkt die erste Etappe steil nach oben – über die Pyrenäen. Und das ist für den Anfang ziemlich scheiße! Der Körper muss sich erst an die ungewohnten Strapazen gewöhnen, sonst gibt’s diverse Wehwehchen. Und nach meinen Problemen vom letzten Mal will ich das auf gar keinen Fall riskieren!

2. Das klingt vermutlich saublöd, aber mir ist der Weg einfach zu kurz. 800 km sind es von St. Jean bis Santiago (der Camino de la Costa ist ca. 50 km länger) und das ist irgendwie lahm. 1000 km mindestens, das wärs! Allein, weil es sich so lässig anhört: „Ich bin 1000 km gewandert, Bitches!“ Außerdem habe ich im Sommer viel Zeit, vielleicht zum letzten Mal in meinem Leben, und das möchte ich ausnutzen!

Wo starten, welcher Weg?
So, und da diese gängige Variante ausscheidet, steh ich nun hier und habe fünf, ja, FÜNF mögliche Startpunkte und Routen! Damit ihr mal seht, wie knifflig so eine Planung sein kann, und weil es mir vielleicht hilft, die Vor- und Nachteile schwarz auf weiß vor mir zu sehen, hier meine Überlegungen bis jetzt:

Den Camino francés nach Frankreich hin verlängern
jakobswegfrankreichOffiziell heißt dieser Weg wie gesagt erst ab Saint-Jean-Pied-de-Port Camino francés, aber das heißt nicht, dass er dort erst beginnt. Aus Frankreich streben ganze vier Wege auf dieses kleine Örtchen zu. Aus technischen Gründen (sprich, die Anreisemöglichkeiten) habe ich das auf zwei Möglichkeiten eingegrenzt, nämlich den Via Turonensis ab Bordeaux oder den Via Tolosana ab Montpellier.
Vor- und Nachteile: Bordeaux würde ich Montpellier vorziehen, weil dieser Weg wenigstens so nahe am Meer entlang läuft, dass man es vielleicht ab und zu sogar riechen kann, und die Strecke ab Montpellier sehr bergig aussieht. Nur, selbstverständlich: Ausgerechnet für diesen Weg gibt es offensichtlich keinen Pilgerführer!
Der größte Nachteil ist allerdings, dass ich kein Wort Französisch spreche und daher eigentlich keinen Bock habe, in Frankreich zu wandern. Das ist ein fettes, fettes Minus, auch wenn diese Varianten meine erste Eingebung waren. Dennoch habe ich weiter gesucht und habe weitere Möglichkeiten in Spanien gefunden, die länger sind als der Camino francés.

Der Jakobsweg ab Barcelona
Diesen habe ich auf der Karte entdeckt und war sofort entzückt – doch offensichtlich hat der nicht mal einen Namen. Ich habe versucht, mehr Informationen darüber zu sammeln, aber dieser Weg scheint noch nicht so wirklich erschlossen zu sein. Keinen Namen, daher auch keinen Pilgerführer – das erscheint mir dann leider zu unsicher! Da nützt es nichts, dass der Weg wohl meine Kriterien die Weglänge betreffend erfüllt.

Der Jakobsweg ab Sevilla
viadelaplata Dieser Weg dagegen ist ganz genau 1003 km lang, was natürlich ideal wäre! Der Via de la Plata scheint zudem von den größten Pilgermassen, die ich ja nicht so prall finde, weitestgehend verschont. Also ne schöne Alternative!
Doch schnell sollte mir gezeigt werden, warum er so einsam ist. In Sevilla und noch viele Kilometer weiter werden es im Juli/August bis zu 50 Grad. Fünf.zig.Grad. Dazu kaum Schatten und verbrannte Landschaft. Und da muss ich sagen: Der Mensch, oder zumindest ich, ist für solche Temperaturen nicht geschaffen. Das würde ich schlichtweg nicht überleben! Daher scheidet dieser Weg, jedenfalls für diese Jahreszeit, definitiv AUS!

Der Jakobsweg ab Valenciacaminodelevante
Dies ist nun die fünfte und jüngste Möglichkeit, die mir offenbart worden ist. Der Camino de Levante beginnt in Valencia, macht erst mal nen lustigen Schwenker und führt dann quer durch Spanien, bis er in Astorga (da war ich schon!) auf den Camino francés trifft. Insgesamt ist er mit diesem Wegstück bis Santiago 1200 km lang und scheint wettermäßig milder zu sein (heißt: bis 35 Grad *hust*)
Ich muss sagen, dass mir diese Route bis jetzt am besten gefällt! Der einzige Nachteil, und der ist leider doch schon erheblich, ist die Länge der Etappen. Während es auf dem Camino francés ständig und auch schon nach wenigen Kilometern immer wieder Herbergen gibt, scheint diese Versorgung auf dem Camino de Levante noch nicht gegeben zu sein. Allein die erste Etappe ab Valencia ist 35 km lang, was gerade für den Anfang viel zu viel ist. Wie gesagt, ich hatte letztes Mal erhebliche Schwierigkeiten mit den Füßen, deshalb will ich mich auf gar keinen Fall überanstrengen! Abbrechen kommt nicht in Frage.
Doch da kann ich überlegen, ob es vielleicht möglich ist, einige der längsten Etappen per Bus etc. abzukürzen. Das ist zwar sehr verpönt, doch das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich bin bei meinem ersten Camino 800 km gewandert, obwohl ich sehr untrainiert bin, ich muss mir also von niemanden sagen lassen, dass ich keine richtige Pilgerin sei!

Wie ihr seht, ich so eine Pilgerschaft planungsintensiver als man so gemeinhin denkt. Dennoch hoffe ich, mich bald entscheiden zu können, um meine Anreise zu regeln und mich schon ein bisschen in Vorfreude zu aalen.

Hilfreich ist mir dabei, dass dieser Camino auf gar keinen Fall so schlimm werden kann wie der letzte!

Wenn du was zu meiner Reisekasse beitragen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

This is how I work

So, Prüfungsstress ist rum, zumindest für die nächsten paar Monate. Endlich wieder Zeit zum Schreiben!
Aber ach, knapp eineinhalb Wochen ohne Bloggen (ja, auch der Beitrag gestern war schon länger fertig), praktisch ewig… ob ichs überhaupt noch kann? Was ist… was ist, wenn ich was falsch mache?! Oder üperhaubt nischt märr schraipen kan?!

Naja, erst mal ganz behutsam wieder annähern… sich langsam wieder ans Bloggen gewöhnen… und was wäre da als Mittel besser geeignet als eine hübsche Blogparade?
Isabella hat eine solche gestartet und die ist dazu noch voll meta: Eine Blogparade übers Bloggen. Cool cool cool, da muss ich doch mitmachen und mich dazu gesellen!

Bloggerinnen-Typ:
Alltachszeuch, Bücher und Filme, bisschen Feminismus, den ein oder anderen Wutanfall… und demnächst vielleicht noch ein bisschen DIY (das Wort habe ich jüngst gelernt!!).
Außer, es wird scheiße, dann natürlich nicht.

Gerätschaften digital:
Was Isabella an dieser Stelle schreibt, klingt für mich wie klingonisch. Technik und ich, der ewige Kampf. Jedenfalls hab ich ein Netbook, das ich heiß und innig liebe *streichel* auch wenn es schon ziemlich durch aussieht und mehrere Tasten fehlen (ich wollte es halt mal richtig sauber machen). Es ist… äh… ein Eee PC und, äh… Windows XP ist drauf und, äh… mehr weiß ich darüber nicht. Ach ja, und es ist mittlerweile schon gut 4 Jahre alt, läuft aber immer noch super. Klein, robust, bisschen dick und unzerstörbar – wie ich!

Gerätschaften analog:
Ich hatte mal eine Kladde, die ich zum Schreiben benutzt habe, aber inzwischen schreibe ich eigentlich nur noch auf meinem Netbook, weil ich meine eigene Schrift kaum lesen kann. Und da ich mein Netbook eigentlich überall mit rumschleppe passt das.
Weil meine Kamera wieder funktioniert (musste mir ein neues Akkuladegerät kaufen), gibts demnächst auch mal Bilder!

Arbeitsweise:
Umso konzentrierter, je höher der Angepisstheitsfaktor. Zu jeder Tag- und Nachtzeit!

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?
Irgendwie komme ich mir immer dilettantischer vor…
Ich schreibe hier meist direkt auf WordPress, außer ich bin unterwegs und habe kein Internet, dann habe ich eine Datei für Blogsachen. Das Internet ist auch so ziemlich das einzige, was ich bis dato zum Recherchieren gebraucht habe. Die Bookmark-Verwaltung (ich musste googlen, was das überhaupt ist *grmpf*) erledigt WordPress für mich (bei Blogs von WordPress – Überraschung) und ansonsten merke ich mir einfach, was mir gefallen hat.

Wo sammelst du deine Blogideen?
Die gibt es glücklicherweise überall. Als ich anfing zu bloggen hatte ich Angst, dass mir ziemlich schnell nichts mehr einfallen wird, aber inzwischen denke ich sogar immer öfter: „Das wär doch ein Blogartikel wert.“
Mit dem, was ich noch geplant habe, komme ich locker übers nächste Jahr. Dazu gesellt sich natürlich immer wieder neues. Sei es nun ein blödes Alltagserlebnis, Idioten im Internet oder irgendeine interessante gesellschaftliche Debatte – Nachschub gibts immer!

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?
Ähm. Ich bin jetzt nicht gerade für mein gutes Zeitmanagement bekannt. Aus jüngster Erfahrung kann ich allerdings sagen: Ein paar ständig abwesende Mitbewohner, die man nicht so wirklich leiden kann, sind coolen, witzigen und interessanten Mitbewohnern eindeutig vorzuziehen, wenn man effektiv bloggen will. Weil, letztere halten einem von allen ab durch so Schrecklichkeiten wie gemeinsam kochen, lachen oder spielen. Diese bösen Buben.

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?
Ich benutze keine einzige App, weil ich kein Smartphone habe und auch sonst immer noch nicht genau weiß, was eine App eigentlich ist. Eine To-Do-List, wenn ich denn eine brauche, mache ich ganz klassisch so, wie sie einst erfunden worden ist: Indem ich sie einfach schreibe. Entweder auf nen Zettel oder hier bei WordPress.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät ohne das du nicht leben kannst?
Mein Stopfgerät. Denn ohne das könnte ich mir meine Zigaretten nicht leisten. Man stelle sich diesen Horror vor! Zumal ich beim Bloggen wirklich eine nach der anderen wegquarze.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Zigaretten stopfen. Ich kenne zumindest niemanden, der das schneller kann als ich.
Und sonst? Ich kann mich besonders schön aufregen. Und irgendwie habe ich auch so das Gefühl, dass ichs irgendwie mehr so mit Logik hab als viele andere, die mir so über den Weg laufen.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Die Musik, die ich gerne höre, ist von hinten bis vorne so großartig, dass ich nicht anders kann als mitzusingen und mitzuwippen. Und weil es sich dabei leider nicht so gut schreibt, höre ich beim Bloggen – exakt – nix!

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Lerche?
Eule, aber sowas von. Allerdings jetzt im Frühling (harhar… heul) nicht so schlimm wie im Winter, wo ich nie vor 5 Uhr ins Bett kam und irgendwie nie richtig müde, dafür aber auch nie richtig wach geworden bin! Momentan schlafe ich spätestens um 3 Uhr, außer ich muss arbeiten, und bin spätestens um 11 wieder wach. So gefällt es mir, so könnte es bleiben!

Eher introvertiert oder extrovertiert?
Teils, teils. Ich glaube, von Natur aus bin ich extrovertiert, nur hat das Leben mich verschlossen gemacht… Deshalb merkt man das jetzt nur noch, wenn ich supergut drauf bin oder voll.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?
Alle.

Der beste Rat den du je bekommen hast?
„Wenn dir was anbrennt, mach die Küchentür bitte zu“ – Mitbewohner Dave, gerade eben. Das hat meine ganze Welt verändert!

Noch irgendwas wichtiges?
Wenn ein Blogbeitrag in einem Forum verlinkt wird und den jeder dort supergut findet, dann sagt das doch bitte auch der Blogbetreiberin. Also, nicht dass ihn jeder supergut findet, sondern dass IHR, die ihr ihn dort verlinkt gesehen habt, ihn supergut fandet, sofern ihr ihn denn supergut fandet. Nur so als Info, weil ich das diese Woche hatte. Dann freut die sich und ihr habt ne gute Tat vollbracht. Und dafür sind Kommentare schließlich da!
Und natürlich: *klick*

Stephen Kings „Cujo“

Stephen King – Cujo
Cujo, 1981 (Deutsch 1983)


cujoDonna Trenton macht sich mit ihrem Auto, das nicht mehr so richtig läuft, und ihrem kleinen Sohn auf zur abgelegenen Farm der Cambers, um den Hausherren darum zu bitten, sich das Auto mal anzusehen. Dort angekommen, ist von den menschlichen Bewohnern keine Spur zu sehen – dafür wird sie jedoch sofort von dem riesigen Bernhardiner Cujo attackiert, der eigentlich ein grundgutes Hundchen ist, sich aber nach einer unentdeckten Tollwutinfektion in ein zähnefletschendes Monster verwandelt hat, der zu diesem  Zeitpunkt schon zwei Männer zerfleischte.

Natürlich kann sie nicht flüchten, weil just in diesem Moment das Auto völlig den Geist aufgibt. Eingesperrt im Wagen, während draußen sommerliche Temperaturen herrschen, ohne Wasser und mit einem kleinen Kind, das in der mörderischen Hitze immer schwächer wird, muss Donna erkennen, dass sie nicht auf Hilfe von Außen hoffen kann, da ihr Mann auf Geschäftsreise, die Farm offensichtlich verlassen und niemand weiß, wo sie ist. Sie muss sich bald entscheiden, ob sie sich der Bestie stellt und ihr Leben riskiert, um ihren Sohn zu retten…


Cujo, das Buch, benannt nach dem Hund mit dem ziemlich dämlichen Namen also. Ich habe erst etliche andere Bücher von Stephen King gelesen, bevor ich dieses in die Hand nahm, was daran lag, dass mich die Story einfach nicht so wahnsinnig interessiert hat. Am Ende habe ich es ehrlich gesagt nur gelesen, weil es zu dem Teil seiner Bücher gehört, die in der Kleinstadt Castle Rock spielen, ein Örtchen, das wohl jedem Kingfan ein Begriff ist (und wer jetzt an die Filmproduktionsfirma „Castle Rock Entertainment“ denkt… ja, die hat sich eben nach dieser fiktiven Stadt benannt).

Und weil das so ist, fühlt man sich jedes Mal aufs neue fast so, als kehre man heim. Man kennt einen Teil der (Neben)Charaktere bereits, kann mit etlichen anderen Stadtbewohnern, die lediglich erwähnt werden, was anfangen und hat die Stadt im Kopf schon als Modell aufgebaut.

Cujo bildet indes den dritten Teil dieses sogenannten Castle-Rock-Zyklus, weshalb in den Büchern, die danach spielen, auch immer wieder Verweise auf die geschilderten Ereignisse getätigt werden. Daher sollte man dieses Buch, sofern man gründlich sein will, auch lesen.

Wobei es sich leider nicht sonderlich lohnt. Wie gesagt – die Story hat mich nicht großartig interessiert, tatsächlich war aber der Teil, der sich dem Überlebenskampf Donna Trentons gegen den wildgewordenen Bernhardiner widmet, dennoch überraschend packend. Beklemmung zu erzeugen ist Stephen Kings Spezialität,  ebenso wie sein großes Geschick dafür, eigentliche Nebensächlichkeiten zum wahren Horrorelement hochzustilisieren (das Schlimmste an Donnas Gefangenschaft im liegengebliebenen Auto ist im Grunde nicht Cujo, da der ja nicht reinkommen kann, sondern die unerträgliche Hitze). Auch sind hier einige Passagen aus der Sicht von Cujo selbst geschrieben, was ich immer (er ist nicht der einzige Hund, der jemals bei Stephen King das Wort erhält) recht amüsant und auch ganz authentisch finde,  obwohl natürlich keiner weiß, was und wie Hunde eigentlich denken.

Die Nebenhandlung allerdings, die sich mit den Eheproblemen von Donna und Mrs. Camber befasst, fand ich beim ersten Lesen zum Gähnen langweilig. Vielleicht müsste ich das Buch nochmal lesen (tatsächlich ist es auch eines der King-Werke, die ich nur ein einziges Mal gelesen habe), aber damals war Donnas Fremdgeherei und die Tatsache, dass sie diese mit einem Typen vollzog, der sich hinterher als das größte Arschloch überhaupt entpuppt, nicht gerade dazu angetan, die Figur für mich sympathisch zu machen. Zusammen mit Mrs. Camber soll sie wohl in der Art, wie sie mit ihrem Ehemann umgeht, sowas wie einen Chiasmus darstellen (Donna Trentons Mann ist ein fürsorglicher Vater, aber ein bisschen langweilig und abwesend, weshalb sie fremdgeht, aber auf keinen Fall die Ehe beenden will… Farmer Camber ist ein gewalttätiger Typ, der seinen Sohn verdirbt und so in seiner Frau den Gedanken an Scheidung weckt). Das war mir irgendwie too much und wäre bei der Geschichte, in der es schließlich vor allem um eine tollwütige Bestie gehen soll, zu vernachlässigen gewesen.

Dennoch: Allein schon, weil man als Kingfan einfach erfahren MUSS, was mit dem sympathischen, in späteren Werken fast als Lichtgestalt erscheinenden Sheriff Bannerman passiert, sollte das Buch gelesen werden. Und wer die Verfilmung von 1983 gesehen hat, die Vorlage aber nicht kennt, sollte sich das auch mal antun, da der Film nämlich in einem ganz entscheidenden Punkt dieser widerspricht und Stephen King aus dem Grund viel Hass einstecken musste, da die Filmversion in dieser  Hinsicht besser ankam. Was das ist, wird natürlich nicht verraten, chrchr.

Stephen King war übrigens mal alkoholkrank und in diese Zeit fiel der Roman. Daher kann er sich absolut nicht mehr dran erinnern, ihn geschrieben zu haben…

5 von 10 Riesen-Bernhardinern!


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Stephen Kings „Carrie“

Stephen King – Carrie
Carrie, 1974 (deutsch 1977)


carrieDas Leben der sechzehnjährigen Carrie White ist ein Alptraum: Von ihrer fanatisch religiösen Mutter misshandelt und seelisch gepeinigt, ist sie auch in ihrer Highschool eine Außenseiterin, die ständig gehänselt wird. Der (vorläufige) Gipfel dieser Demütigungen ist am Tag ihrer sehr späten, ersten Periode erreicht, die sie nach dem Sportunterricht in der Dusche ereilt: Während sie selbst glaubt, verbluten und sterben zu müssen, da sie nie aufgeklärt worden ist, bewerfen sie ihre Mitschülerinnen angeekelt mit Tampons und lachen sie aus.

Emotional aufgewühlt passieren immer mehr merkwürdige Dinge um Carrie herum, die in ihr den Verdacht erwecken, telekinetische Kräfte zu besitzen. Während sie diese eifrig trainiert und auch in der Schule aufblüht, weil einige Mitschülerinnen, beschämt über ihr eigenes Verhalten, versuchen, netter zu ihr zu sein, und sie schließlich sogar zum Abschlussball eingeladen wird, hegen andere Schüler weiterhin Groll gegen das unscheinbare Mädchen und schmieden einen Plan zu ihrer ultimativen Demütigung… nichtsahnend, welche Kräfte Carrie inzwischen mobilisieren kann, wenn sie nur wütend genug ist…


Carrie war Stephen Kings allererster Roman und gehört mit Sicherheit zu einem der erfolgreichsten! Dabei wäre er fast nie erschienen. Das ursprüngliche Manuskript war viel zu kurz, um als eigenständiges Werk auf den Markt gebracht zu werden, daher wurde es an Stephen King mit der Bitte um Überarbeitung zurück geschickt. Der fügte der Geschichte Auszüge aus fiktiven Biographien, Zeitungsartikeln, Büchern über den Vorfall etc. hinzu und änderte damit nebenbei mal die ganze Erzählstruktur.

Zum Glück! Die Einschübe peppen das Werk so richtig auf und machen es zu etwas besonderen. Ganz ehrlich: Als ich das Buch mit zwölf Jahren zum ersten Mal las, glaubte ich das alles! Ich dachte, das wäre wirklich so etwas wie ein ausgeschmückter Tatsachenbericht! Jedenfalls habe ich schwer gezweifelt ^^

In bester Colombo’scher Manier weiß der Leser durch die beigefügten fiktiven Sachtexte schon von Anfang an, dass die Geschichte auf ein apokalyptisches Ende zusteuert. Damit ist die Frage „Was?“ direkt von Tisch und der Fokus gleichzeitig auf das „Wie?“ gelegt. Ein erzählerischer Kniff, den ich sehr schätze, sofern er nicht überstrapaziert wird.

Dem Buch selbst merkt man an, dass es sich um Kings ersten Roman handelt, da die Charakterzeichnung noch etwas unterdurchschnittlich ist. Obwohl größtenteils aus Carries Perspektive erzählt wird, bleibt das Mädel leider etwas blass, denn man erfährt praktisch nichts von ihr. Gleichzeitig sind mir andere Figuren, nämlich Chris (Carries Mitschülerin) und ihr Freund Billy eindeutig zu bösartig geraten. Man erfährt zwar, warum Chris sich letztendlich entscheidet, ihren Plan gegen Carrie zu schmieden (als Strafe für ihr beleidigendes Verhalten nach dem Sportunterricht wird sie vom Abschlussball ausgeschlossen und die Schuld daran gibt sie Carrie), aber warum sie von Anfang an so eine Bitch ist, bleibt unklar. Billy, den man nur als mindestens soziopathisch einstufen kann, ist dann noch mal eine ganze Ecke schlimmer.

Auch ist nicht zu übersehen, dass das Buch jetzt schon fast vierzig (!!!) Jahre auf dem Buckel hat. Wie Stephen King mit dem Thema weibliche Sexualität umgeht, lässt auf große Unsicherheiten des damals erst 27jährigen Stephen King schließen (um mal ein bisschen psychoanalytisch – um nicht zu sagen unverschämt zu werden). Religiöser Fanatismus, der hier sogar so weit geht, dass Carries Mutter es  schafft, die natürliche körperliche Entwicklung ihrer Tochter zu verzögern, ist ebenfalls eine Thematik, der er sich hier zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal gewidmet hat (siehe Der Nebel, Needful Things, Kinder des Zorns und unzählige Einzelcharaktere in fast allen Werken, die allesamt ein ein bisschen zu enges Verhältnis zu Jesus haben…). Und das Mobbing-Thema ist natürlich leider zeitlos.

Stephen King hat mit Carrie eine große Geschichte geschaffen, die spätestens nach der Verfilmung von Brian de Palma (der auf deutsch mit dem unsäglichen Untertitel „Des Satans jüngste Tochter“ versehen worden ist – Opferbeschuldigung in Reinform) zu einem fast nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Popkultur geworden ist! Allein deswegen lohnt sich das Lesen schon. Meine Empfehlung!

7 von 10 Monatsbinden!

 

Wo wir gerade bei Verfilmungen sind: Ich fand „Carrie“ als Film immer scheiße. Der Film ist 1976 eingeschlagen wie eine Bombe und Sissy Spacek wurde für ihre Rolle als Carrie wurde sogar für einen Oscar nominiert, aber mit so alten Schinken habe ich meine Probleme, zumal sich de Palma einer mir unerträglichen Bildsprache bedient und das Erzähltempo kaum lahmer sein könnte. 

Daher habe ich mich sehr gefreut, als eine Neuverfilmung angekündigt wurde, in der Carrie von der ziemlich coolen Chloe Moretz (bekannt geworden als Hit-Girl in „Kick-Ass“) gespielt wurde. Jedenfalls hielt ich sie für ziemlich cool… bis ich 2013 den Film sah.

Es lässt sich einfach nicht leugnen, dass Chloe Moretz im direkten Vergleich mit Sissy Spacek gnadenlos untergeht – was allein noch keine Schande wäre, bedenkt man das herausragende Spiel Spaceks. Aber selbst, wenn man die erste Verfilmung nicht kennt, dürfte man von Moretz‘ Leistung nicht überzeugt sein. Nicht eine Sekunde lang nimmt man ihr das eingeschüchterte, völlig in sich gekehrte Mobbingopfer ab, zumal sie für die Rolle einfach wesentlich zu hübsch ist. Das hätte man, wie schon bei Spacek geschehen, in der Maske leicht ändern können – hat sich aber dafür entschieden, auf die Vorlage zu pfeifen und stattdessen ihren Haaren einen besonders schönen Schwung zu geben. Etwas, was Carries Mutter im Roman niemals zugelassen hätte.

Das allein reicht schon, um mir den Film zu vermiesen, aber wie bei fast jedem Film der letzten Jahre komme ich einfach nicht mit den Spezialeffekten klar. CGI, du bringst mich noch ins Grab! – und das in einem Film, den man ohne großen Aufwand auch ohne dieses künstlich aussehende Hilfsmittel hätte drehen können. Aber warum soll man auch Kunstblut anrühren, wenn man das Blut doch einfach ANIMIEREN kann?

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Beschneidungsdebatte, ein Jahr danach. Beschissene Argumente und meine Antworten.

Die Beschneidungsdebatte ist im Prinzip einer der Hauptgründe, warum ich dieses Blog eröffnet habe.

Die Diskussion um die Beschneidung nicht-entscheidungsfähiger Jungs aus anderen Gründen als aus medizinischen war für mich DAS Thema 2012 – und selten hat mich etwas so wütend gemacht. Gleichzeitig war ich auch kaum jemals so sicher, Recht zu haben, obwohl die meisten Medien tatkräftig und gegen die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung die Beschneidungsbefürworter unterstützt haben.

Es juckte mir damals so sehr in den Fingern, meine Meinung dazu zu schreiben, aber ganz ehrlich: In einem Blog, in dem es hauptsächlich um Kneipe, Kellnern und Saufen geht, passt sowas halt einfach absolut nicht. Während die Debatte also auf Hochtouren lief, redete ich mit vielen Leuten darüber, kommentierte, wo ich kommentieren konnte, redete mir den Mund fusselig – aber auf meinem Erstblog findet man dazu nichts.
Dann war ich einige Wochen im Ausland, wo ich weitere Gespräche führte und sich mein Entschluss festigte, ein zweites Blog zu eröffnen, in dem auch solche Themen Platz haben könnten. Zurück in Deutschland dauerte es dann aber nochmal einige Monate, bis ich das in die Tat umsetzte. Und da war die Debatte leider zu einem vorläufigen Ende (markiert durch ein eilig durchgepeitschtes, beschissenes Gesetz) gekommen. Zu diesem Zeitpunkt einen Artikel dieses Inhaltes zu veröffentlichen… naja.

Heute ist der Jahrestag der Entscheidung des Kölner Landgerichts, das in der männlichen Beschneidung eine Körperverletzung sah, die Entscheidung, die diese Debatte anstieß. Heute kann ich endlich auch was dazu schreiben, ohne mir blöd vorzukommen!

Die zahlreichen Diskussionen, die ich über dieses Thema führte (offline und online), haben immer wieder die selben saublöden Argumente hervor gebracht. Diese, sowie meine Antworten, möchte ich hier leidlich geordnet sammeln. Das kann eine längere Angelegenheit werden, aber ich bin froh, endlich mal alles schwarz auf weiß vor mir zu haben. Wenn ihr findet, dass ich ein dummes Argument pro Beschneidung vergessen habe, ergänzt es bitte in den Kommentaren. Und wer denkt: „Meine Güte, das hab ich doch schon da, da und da gelesen!“ – über Links freue ich mich auch.

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Beschneidung: Warum eigentlich?

„Beschnitten ist’s einfach hygienischer!“
Ja… wenn man sich nicht wäscht!
Ich kann mir vorstellen, dass es in einer Wüstenregion, in der das bisschen Wasser, das man hat, getrunken wird, tatsächlich irgendwie hygienischer ist, beschnitten zu sein, aber mein Gott, wir sind hier in Deutschland und haben Duschen! Es sollte wohl möglich sein (und wird wohl von den meisten auch so praktiziert), sich einmal täglich drunter zu stellen. Dabei sollte die Intimzone natürlich nicht ausgespart werden! Es gehört zu den Aufgaben der Eltern, ihren Kindern Hygiene bei zu bringen.

 

„Geschlechtskrankheiten können nicht so leicht verbreitet werden und das Infektionsrisiko sinkt!“
Das ist leider eine Ansicht, die sogar von der WHO verbreitet wird und in ihrer Logik ungefähr genauso sinnig ist wie vorbeugende Blinddarm-OPs für alle.
Tatsache ist: Die Gefahr, sich mit HIV und anderen Geschlechtskrankheiten anzustecken bzw. sie zu übertragen, scheint bei beschnittenen Männern wirklich marginal geringer zu sein als bei unbeschnittenen. Doch das einzige, was bis heute zuverlässig gegen Geschlechtskrankheiten schützt, ist ein Kondom. Alles andere ist Rumschwurbelei und eine Verlagerung auf Nebenkriegsschauplätze!

Dazu kommt… aber dies vielleicht im nächsten Punkt:
„Beschnittene Männer können länger!“
Unglaublicherweise ein Argument, das ich mit am häufigsten gehört habe… auch von Betroffenen!
Ich kenne jemanden, der mit 17 beschnitten wurde, er weiß also, wie es vorher „mit“ war, genauso wie jetzt ohne. Als wir uns bei einem Bier darüber unterhielten, konnte der meine Aufregung über dieses Thema überhaupt nicht verstehen.
„Ich muss sagen… das stimmt schon, das mit dem „Länger können“!“ meinte er und grinste vielsagend.
Ich nippte an meinem Bier. „Kannst du länger oder musst du länger?“
Er wiegelte ab. Nein, es ginge ums KÖNNEN, er wäre ja selbst davon durchaus angetan und seine Freundin sei auch dankbar, zwinkerzwinker.
Es dauerte ziemlich lange, bis ich folgendes aus ihm heraus bekam: Er braucht nun grundsätzlich länger, um zum Ende zu kommen… aber mit Kondom geht es gar nicht mehr.
„Ja… wenn wir dann mal mit Kondom und sie… also, dann denke ich schon oft: ‚War’s das jetzt, kann ich aufhören?’…“ Als er das sagte, schien er zum ersten Mal zu realisieren, was zur Hölle das eigentlich bedeutet!

Ja, nach einer Beschneidung können Männer länger, und das ist so, weil die Eichel, der empfindlichste Teil des Penis, freigelegt und damit desensibilisiert wird. Dazu kommen die zahlreichen Nervenenden, die in der Vorhaut zu finden sind und einfach auf ewig zerstört werden. Aber Leute, das ist nichts Gutes! Und um hier noch mal die Brücke zum vorherigen Punkt zu schlagen: So etwas verhindert nicht diebeschneidung Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, sondern begünstigt sie! Wer mit Kondom nicht mehr zum Orgasmus kommt (das sind sicher nicht alle, aber nun mal einige!), wird darauf verzichten! Und damit ist der einzige wirkliche Schutz vor Geschlechtskrankheiten, den unsere überragende menschliche Kultur bisher hervorgebracht hat, einfach weg! Nochmal, für alle zum Mitschreiben: Die Beschneidung fördert die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten!

Davon abgesehen ist das Argument auch ohne diese Tatsache leider ziemlich beschissen. Als würde die Länge des Koitus über seine Qualität entscheiden! Natürlich gibt es schon einige Männer, vor allem in jungen Jahren, die einfach ein bisschen zu aufgeregt sind, um den Sex wirklich genießen zu können, weil es so schnell vorbei ist. Das ist dann durchaus auch für die Partnerin nicht so cool. Aber, meine Damen und Herren: Das kann man trainieren! Und das ist kein Geheimwissen, sondern etwas, was ich in so ziemlich jeder BRAVO, die ich seit meinem 12. Lebensjahr gekauft habe, mindestens einmal lesen durfte! Warum zur Hölle liest das niemand?

Ganz grob zusammen gefasst: Onanieren, bis man fast so weit ist, aufhören, warten, das Ganze noch mal und noch mal. Ist sicher auch besonders nett als Paaraktivität, wenn man offen über dieses Problem redet. Hilfsmittelchen wie Penisringe, die Druck auf die Peniswurzel ausüben, können die Angelegenheit auch beseitigen. Man sieht, es gibt einige Möglichkeiten! Das mag für Betroffene ein wenig peinlich sein, aber ist immer noch wesentlich besser als ein irreversibler Eingriff!

Leider geht dieses Argument oft einher mit folgendem:
„Beschnitten sieht einfach besser aus! Frauen finden beschnittene Penisse einfach schöner!“
Ganz ehrlich: Mutter Natur hatte wohl Migräne, als sie unsere Geschlechtsorgane modelliert hat. Ich kenne keine Frau, die jemals in meiner Anwesenheit sowas gesagt hat wie: „Es war so schön gestern! Der Sex war großartig! Und der Klaus hat voll den Sixpack und einen so hübschen Schwanz!“

Schwänze sind nichts hübsches. Vaginas übrigens auch nicht. Finde ich zumindest. Nicht, dass ich von den Schwänzen meiner bisherigen Sexualpartner nicht durchaus begeistert gewesen wäre, aber ganz objektiv ist es doch ziemlich schwer, so etwas wie Ästhetik darin zu entdecken. Daran ändert auch eine Beschneidung nichts!
Dabei gibt es Frauen, vor allem in den USA, wo der Großteil der Männer beschnitten ist (allerdings geht die Zahl der neuen Beschneidungen von Jahr zu Jahr zurück), die tatsächlich vor einem unbeschnittenen Penis zurück schrecken. Ich erinnere mich an einen entsprechenden Satz in Lauren Weisbergers „Ein Ring von Tiffany“ (grauenhaftes Buch übrigens, „Der Teufel trägt Prada“ war tausendmal besser). Daraus kann man aber keine allgemeingültige Regel ableiten, sondern das ist einfach eine Sache der Gewöhnung. Hierzulande muss sich doch jeder Mann ernsthaft fragen: Was soll ich mit einer Frau, die mich nur will, wenn mir ein Stück meines Körpers fehlt?

Und darauf gibt es eine einfache Antwort: Weg damit, auf zur Nächsten.
Wenn Körpermodifikationen bei Frauen als Muss angesehen werden, ist das Geschrei groß. Zurecht. Nur, warum bei Männern nicht genauso?

„Eine Beschneidung bei Männern senkt das Gebärmutterhalsrisiko bei Frauen!“
Was absurd erscheint (ich wusste bis vor wenigen Jahren auch nicht, dass eine bestimmte Art von Krebs durch eine Infektion entstehen kann), ist augenscheinlich zutreffend. Sogar Alice Schwarzer verteidigt daher die Beschneidung bei Männern und hat damit mal wieder etliche Sympathiepunkte bei mir eingebüßt.

Keine Ahnung, warum das so schwer zu verstehen ist, aber kein Geschlecht darf zugunsten des anderen Geschlechts in Sippenhaft genommen werden! Und eine solche Sippenhaft stellt die Beschneidung dar. Nur aus der hypothetischen Überlegung heraus, dass ein Mann Gebärmutterhalskrebserreger übertragen könnte, darf man nicht für die flächendeckende Beschneidungen von Kleinkindern eintreten!
Mal angenommen, man lässt seinen Sohn beschneiden und dann stellt sich in der Pubertät heraus, dass er schwul oder asexuell ist. Er wird also niemals freiwillig Sex mit einer Frau haben. Haha… ups. Mag mancher ironisch finden, aber mir jagt die Vorstellung, meinen (hypothetischen) Sohn für nichts und wieder nichts in Gefahr gebracht zu haben, kalte Schauer über den Rücken. Zumal ich ihm auch, wenn er hetero wird, einfach beibringen kann, ein verdammtes Kondom zu benutzen. Das ist sowieso effektiver, denn diese bösen Gebärmutterhalskrebserreger lauern ja nicht nur auf oder unter der Vorhaut!

Die Beschneidung im Kleinkindalter macht aber direkt doppelt keinen Sinn: Kleinkinder haben keinen Sex! Selbst wenn dieses Risiko so hoch wäre, spricht wirklich nicht das Geringste dagegen, mit der Beschneidung zu warten, bis der Junge ca. 14 Jahre alt ist. Früher sind die wenigsten sexuell aktiv. Aber warum wird nicht mal dieser Kompromiss eingegangen?

Ganz einfach: Sexismus. Gegen Männer. Die Vorstellung, dass der weibliche Körper irgendwie schützenswerter ist als der männliche. Und DAS kann ja wohl nicht sein! GERADE als Feministin finde ich so eine Einstellung einfach zum Kotzen!

 

„Beschneidung verhindert die schädliche Onanie!“
So, und hier wären wir dann beim pathologischen Sadismus angekommen!
Eigentlich wollte ich dieses Argument überhaupt nicht mit rein nehmen, aber nachdem es jetzt doch mehrfach erwähnt worden ist, sollte ich mich doch dazu äußern.

Manchen mag das unglaublich erscheinen, aber eben dieser Grund ist rein historisch gesehen neben religiösen Gründen der häufigste Anstoß gewesen, seine Söhne beschneiden zu lassen!
Vor allem im ausgehenden 19. Jahrhundert und noch ein paar Jahrzehnte danach gab es zahlreiche Vertreter dieser Ansicht. John Harvey Kellogg, ja, DER Mr. Kellogg, der für die Cornflakes verantwortlich ist, war ein prominenter Verfechter dieser „Weisheit“!

Und in einem haben sie schon Recht: Beschnitten wichst (huch!) es sich schwerer. Die Vorhaut, die man(n) zum Onanieren vor und zurück schieben kann, fehlt halt einfach, daher ist ein wie auch immer geartetes Gleitmittel (Spucke, Wasser, Öl oder halt tatsächlich Gleitgel) vonnöten, um sich selbst zu befriedigen.

So. Muss ich erwähnen, was für ein hirnerweichender, sexualfeindlicher und schlichtweg sadistischer Grund das ist, seinen Sohn beschneiden zu lassen?! Und ja – das wird auch heute noch getan! Wahrscheinlich weniger in Deutschland als in den USA, aber auch schon EIN Junge, der auf diese Weise missbraucht wird, ist schlimm genug!

Es sollte doch mittlerweile bekannt sein, dass Masturbation eine gesunde, sehr natürliche Art ist, sich selbst ein bisschen Freude zu bereiten. Man lernt seinen Körper kennen, erforscht seine erogenen Zonen, merkt, was einem gefällt und was nicht und bereitet somit den Nährboden für ein erfülltes Sexualleben auch zu zweit. Ein Orgasmus ist gut für das Herz-Kreislauf-System, fördert die Durchblutung und kann gegen Schmerzen helfen (Menstruationsbeschwerden ade – stimmt wirklich, das habe ich verifiziert!).
Man wird davon weder blind, noch wachsen einem Haare auf den Händen! Das einzige alte Klischee, das wohl tatsächlich stimmt: Sex oder Masturbation vor einem wichtigen Match ist nicht so gut, weil man danach so tiefenentspannt ist (das gilt allerdings nur für Männer, bei Frauen werden andere Stoffe ausgeschüttet, die die Leistungsfähigkeit sogar erhöhen können – habe ich zumindest mal gelesen). Aber meine Güte. Dann lässt man es halt einfach mal – oder lügt den Coach halt an!

Nein, eigentlich ist das kein Platz für lahme Witze. Denn ganz im Ernst: Wer eine Beschneidung tatsächlich als Mittel zur Sexualerziehung missbraucht (und leider schließt das aktuelle Gesetz solche Beweggründe nicht aus), dem sollte meiner Meinung nach das Sorgerecht entzogen werden. Denn solche Menschen sind nicht in der Lage, ein glückliches Kind großzuziehen, das mit sich und seiner Sexualität im Reinen ist.

Scheinargumente

„Die Beschneidung ist ein risikofreier Eingriff.“
Nein, ist sie nicht. Es ist eine Operation und KEINE OP ist risikofrei!
Zahlen zu langfristigen Folgen oder gar Todesfällen sind jedoch sehr schwer zu bekommen und schwanken teilweise stark (zwischen 0,06 und 55 Prozent!!). Und krasse Fälle, die es bis in die Öffentlichkeit schaffen, wie der Fall David Reimer, sind selten. Allerdings bestreiten auch nur die dümmsten Idioten, dass es Komplikationen überhaupt gibt.

Leider hält das auch viele andere nicht davon ab, auf die Tatsache, dass es Komplikationen bis hin zum Tod (!) geben kann, folgendes zu antworten:
„Ja, aber das passiert ja nicht bei allen.“
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! So was debiles!! Tatsächlich aber: Das meistgehörte Argument!!!
Der Unterschied zwischen einer Beschneidung und, sagen wir, einer Blinddarm-OP ist, dass die Blinddarm-OP in jedem Fall nötig ist. DA kann man sich zur Beruhigung sagen: Komplikationen während der OP, das passiert ja nicht bei allen. Ja, nicht mal bei den meisten! Dennoch ist es wahnsinnig tragisch, wenn einer während einer Blinddarm-OP stirbt, aber das sind Dinge, die man irgendwie verarbeiten muss, weil er ohne die OP ja auch gestorben wäre.

Das trifft auf die Beschneidung NICHT zu! Von den wenigen Fällen abgesehen, in der eine Phimose vorliegt, die nicht konservativ behandelt werden kann, ist eine Beschneidung UNNÖTIG! Und selbst, wenn nur ein Prozent aller Jungs, die beschnitten werden, später an Komplikationen leiden, ist das genau ein Prozent, das vermeidbar gewesen wäre. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nach Schätzungen etwa ein Drittel aller Männer beschnitten sind! Da kann man sich ja ausrechnen, wie viele mit Komplikationen zu kämpfen haben!

Ich kenne einen Typen, dessen Eichel so desensibilisiert ist, dass er während seines gesamten Sexuallebens nur ein paar Mal einen Orgasmus hatte, wenn er mit einer Frau zusammen war. Wahnsinnig schöne Vorstellung, oder?! Aber wen interessierts? Das ist ja nicht bei ALLEN so!

 

„Ich wurde auch als Kind beschnitten und habe überhaupt keine Probleme damit!“beschneidung5
Herzlichen Glückwunsch! Aber es geht nicht um Sie, mein Herr! Und woher wollen Sie wissen, dass Ihr Sexleben mit einer Vorhaut nicht noch besser wäre? Vergleichsmöglichkeiten haben Sie ja leider nicht!

Ernsthaft: Ich habe wirklich unheimlich viele Männer, die selbst beschnitten sind, gehört und gelesen, und bei vielen war die Empörung über dieser Debatte groß. Das ist eigentlich verständlich: Es ist nicht sonderlich gut für den Selbstwert, wenn man erkennt, dass einem etwas möglicherweise wichtiges genommen worden ist, was man nie wieder zurück bekommen kann. Selbst wenn man im Hier und Jetzt keine Probleme hat, so hatte man doch keine Wahlmöglichkeit als Kind. Dies zuzugeben bedeutet, seine eigene Machtlosigkeit eingestehen zu müssen. Und das ist scheiße und erschütternd.

Dennoch: Verstehen kann ich eine solche Reaktion, akzeptieren aber nicht. Denn man legitimiert seine eigene Verletzung nicht dadurch, dass man sie bei anderen relativiert.

 

Aus der Reihe „saudämliche Vergleiche“:

„Wer die Beschneidung verbieten will, muss auch Ohrstecker bei kleinen Mädchen verbieten!“
Ich bekam meine ersten Ohrlöcher, als ich vier Jahre alt war. Tatsächlich ist dieses Ereignis eines meiner frühesten Erinnerungen. Ich weiß noch, wie wir den Juwelier betraten, und dann erinnere ich mich einfach nur an einen grauenhaften Schmerz. Ich weinte, und meine Mutter zeigte mir eine Kuckkucksuhr in der Ecke, um mich abzulenken.

Dass es wirklich saumäßig wehtut, wenn man Ohrlöcher geschossen bekommt (Piercen war damals noch nicht so), konnte ich 12 Jahre später verifizieren, als ich mir ein zweites Paar Ohrlöcher machen ließ. Lustigerweise tat die Juwelierin das nur widerwillig und nur unter Vorlage meines Ausweises. Ja, offensichtlich ist es okay, schon als Kleinkind von seinen Eltern für ein paar süße Marienkäferohrringe malträtiert zu werden, aber wenn man sich als Sechszehnjährige selbst seinen Körperschmuck aussuchen will, ist das plötzlich bäh!

Ich hasse dieses Argument. Es ist ja wohl ein erheblicher qualitativer Unterschied, ob man nun ein paar eigentlich nutzlose Hautlappen durchbohren lässt (wobei, mein leiblicher Vater wurde nicht müde zu betonen, dass dadurch Akupunkturpunkte zerstört werden…!) oder ein Stück Haut voller wichtiger Nervenenden am Geschlechtsorgan.
Ist das zu schwer zu differenzieren? Naja, egal. Tun wir es doch einfach. Also, Ohrlöcher für Kleinkinder verbieten, weil es weh tut und unnötig ist. Sagen wir, bis Vierzehn oder Sechszehn. Hab ich kein Problem damit!

 

„Wer ein jüdisches Initiationsritual verbieten will, muss auch die christliche Taufe verbieten!“
Auch hier: Wie dämlich kann man sein?
Es geht nicht drum, Eltern zu verbieten, ihre Kinder in ihre religiöse Gemeinschaft einzuführen und entsprechend zu erziehen. Das halte ich auch für relativ unmöglich. Es geht nur drum, Kindern ein irreversibles, schmerzhaftes und potentiell gefährliches Ritual zu ersparen. Ein solches ist die Taufe nicht. Man wäscht Babys ja auch, also ist ein bisschen Weihwasser auf der Stirn nichts, was einen großen emotionalen Schaden anrichtet.

Und sollte sich das Kind später entscheiden, nicht mehr gläubig sein zu wollen, dann ist dieses Weihwasser im Rückblick auch nur Wasser. Der religiöse Aspekt dieser magischen Flüssigkeit verpufft, wenn man nicht daran glaubt.
Aber eine Vorhaut kann nicht wieder angenäht werden.

 

„Wer die Beschneidung verbieten will, weil ihm das Kindeswohl am Herzen liegt, muss auch gegen Abtreibung sein!“
Äh-hä… nein.
Auch hier ist der Unterschied zwischen beiden Maßnahmen eigentlich ganz klar: Bei einer Schwangerschaft sind nun mal zwei Personen involviert, die Mutter und das ungeborene Kind. Es ist unmöglich, diese beiden Menschen in diesem Prozess voneinander zu trennen. Wenn es gut läuft, ist Kindeswohl = Mutterwohl und umgekehrt.

Aber oft läuft es eben nicht gut. Die werdende Mutter will das Kind nicht, oder, besonders tragisch, will es schon, geht aber erhebliche persönliche, sprich medizinische Risiken ein, wenn sie die Schwangerschaft weiter führt. Gründe für ersteres gibt es viele, die sind aber nicht das Thema.
Was ich damit sagen möchte: Die Mutter muss sich teils erheblich einschränken, damit das Kind in ihr leben und wachsen kann. Bis wir wie auf dem Planeten Krypton eine künstliche Geburtsmatrix erfinden, wird das auch so bleiben. Im Regelfall nimmt die Mutter diese Einschränkungen gerne in Kauf. Wenn sie das Kind aber nicht will, eben nicht. Hier kollidieren also die Bedürfnisse zweier Personen miteinander und, so unschön das ist: Das Recht des erwachsenen, alleine lebensfähigen Menschen geht in diesem Fall vor.

Der Unterschied zur Beschneidung ist klar: Hier geht es um einen einzelnen Menschen, dessen Recht auf körperliche Unversehrtheit mit Füßen getreten wird, wenn er ohne seine Zustimmung beschnitten wird. Es existiert keine andere Person, die in unerträglicher Weise darunter leidet, wenn diese Beschneidung nicht passiert. Es gibt schlicht und ergreifend keinen Verlierer, wenn die Beschneidung ausgesetzt wird.
Und darum ist das Abtreibungsargument einfach nur zynisch und beschissen.

 

„Wer die Beschneidung verbieten will, hat den Blick für RICHTIGE Missstände verloren: die weibliche Genitalverstümmelung!“
Ach, Mann.
Ich muss sagen, dass mich der Feminismus bei diesem Thema extrem enttäuscht hat. Nicht nur, dass dieses Thema von den meisten überhaupt nicht aufgegriffen wurde (bei der Mädchenmannschaft beispielsweise findet man bei der Suche nach „Beschneidung“ keinen einzigen Beitrag nach dem 7. Mai 2012), darüber hinaus haben manche wie z.B. Antje Schrupp die Beschneidung gar verteidigt. Und dann gab es wieder andere, die aus irgendeinem Grund die Beschäftigung mit den Nachteilen der männlichen Beschneidung als unvereinbar mit der generellen Ablehnung der weiblichen Genitalverstümmelung sehen.

Muss ich ausführen, warum das Bullshit ist?

Das Bild von der weiblichen Genitalverstümmelung ist folgendes: Da wird einem kleinen Mädchen mit einer Rasierklinge oder einer Glasscherbe Schamlippen und Klitoris abgeschnitten, besser gesagt: weggekratzt und das zerfleischte Ergebnis dann zusammen genäht. Ich finde keine Worte für diese Barbarei. Davon aber abgesehen gibt es auch harmlosere Methoden der weiblichen Genitalverstümmelung. Wohlgemerkt: „Harmloser“, aber auch gar keinen Fall harmlos oder in irgendeiner Weise gerechtfertigt!!!

Einige Formen sind mit der männlichen Beschneidung, was die Effekte betrifft, durchaus vergleichbar. Dennoch bleibt die weibliche Genitalverstümmelung ein ekelhaftes Verbrechen. Mit welchen berechtigten Grund lässt sich nun aber selbst die am wenigsten destruktive Form der weiblichen Genitalverstümmelung ablehnen, die männliche Beschneidung aber nicht? Die Religion etwa? Zieht wohl nicht, das zeugt nur von einem gewissen Eurozentrismus, Kulturrassismus und einer Überhöhung der abrahamitischen Religionen gegenüber Naturreligionen, die sowas praktizieren (jedoch wird es auch in manchen islamischen Gebieten durchgeführt, obwohl es nicht im Koran steht – die männliche Beschneidung allerdings auch nicht).

Ich gebe zu, dass ich rein gefühlsmäßig die weibliche Genitalverstümmelung wesentlich schlimmer finde als die männliche Beschneidung, was wohl daran liegt, dass ich es mir vorstellen kann, wie jemand meine Klitoris wegkratzt, aber nicht, wie es sich anfühlt, seine Vorhaut zu verlieren, weil ich nämlich keine habe. Und trotzdem gibt es für eine Feministin in meinen Augen absolut keine Möglichkeit, gegen weibliche Genitalverstümmelung zu sein, aber nicht gegen männliche Beschneidung. Die Modifikation von kindlichen Sexualorganen ist vom Standpunkt MEINES Feminismus in jedem Fall abzulehnen, ob es sich nun um ein Mädchen oder einen Jungen handelt. Punkt! Und nur, weil ich eine bestimmte Praktik schrecklich finde und das anprangere, wird eine andere Praktik nicht weniger schrecklich dadurch.

Und wem das nicht reicht, der sollte sich mal wirklich gut überlegen, ob er sich bei seiner Zustimmung der männlichen Beschneidung nicht auf gefährliches Glatteis begibt, was die Akzeptanz der weiblichen Genitalverstümmelung angeht.

 

Beschneidung und Religion

„Die Beschneidung gibt es schon seit Tausenden von Jahren und PLÖTZLICH soll das ein Problem sein?!“

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Grabrelief, Zeichnung. Ägypten, 2300 v. Chr.
Quelle: Wikipedia

Es gibt was, das nennt sich Fortschritt.
Zu unklar? Dann ersetzen wir die Beschneidung in dem Satz doch einfach mal:

„Die Todesstrafe gibt es schon seit Tausenden von Jahren und PLÖTZLICH soll das ein Problem sein?!“
„Die Sklaverei gibt es schon seit Tausenden von Jahren und PLÖTZLICH soll das ein Problem sein?!“
„Die Zwangsheirat von minderjährigen Mädchen gibt es schon seit Tausenden von Jahren und PLÖTZLICH soll das ein Problem sein?!“

…kann beliebig fortgesetzt werden. Wer so einen Satz tatsächlich für ein sinniges Argument hält, sollte direkt mal die Finger von der Tastatur nehmen. Einfach mal die Fresse zu halten, wenn man keine Ahnung hat, ist nämlich auch ein seit Tausenden von Jahren erprobtes Mittel, um die eigene Blödheit weniger offensichtlich erscheinen zu lassen.

 

„Eltern haben die Erziehungsgewalt, daher ist das Verbot der Beschneidung ein unzulässiger Eingriff in die Rechte der Eltern!“
Es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, wie man bei diesem Thema ernsthaft mit dem Recht der Eltern, ihre Kinder so zu verkorksen, wie sie Bock drauf haben, argumentieren kann. Inwiefern ist eine Beschneidung eine erzieherische Maßnahme? Ist damit wirklich nur der religiöse Aspekt gemeint? Oder geht es allen Ernstes um Sexualerziehung, der in meinen Augen schlimmstmögliche Grund, eine Beschneidung durchzuführen, ein Grund, der so unterirdisch ist, dass ich ihn nicht mal als gesondertes Argument aufführen werde?

Zur Info, falls es jemand noch nicht mitgekriegt hat: Man darf Kinder in Deutschland nicht mal schlagen. Warum sollte man sie dann verstümmeln dürfen? Wie kann das eine ein Eingriff in die Erziehungsgewalt sein, das andere jedoch nicht?

 

„Die Beschneidung tut dem Säugling nicht weh!“
oft einhergehend mit
„Der Säugling kann sich eh an nichts erinnern!“
Ich werde nie verstehen, wie man diese beiden Argumente gleichzeitig vertreten kann. Warum wäre es denn wichtig, dass er sich an nichts erinnert, wenn es ihm doch sowieso nicht weh tut?

Aber betrachten wir die Sache mal getrennt. Dass eine Beschneidung bei einem Baby nicht weh tut, ist schlicht und ergreifend eine Lüge. Das muss ich, glaube ich, nicht weiter ausführen! Wer das nicht glaubt, kann ja mal sein achttägiges Kind kneifen und kucken, wie begeistert es davon ist!

Zum „Erinnerungs-Argument“: Ja, Babys in diesem Alter und auch noch ne Weile später können sich tatsächlich an eine solche Prozedur nicht erinnern. Nur, macht es das besser? In dem Moment, wo es passiert, hat das Kind nun mal Schmerzen!

Dazu direkt auch folgendes Argument:
„Besser beschneidet man die Jungs so früh wie möglich, weil es später mehr weh tut!“
Das ist schon mal logischer Bullshit. Wir haben doch gerade erfahren, dass sich ein so kleines Kind an nichts erinnern kann. Woher will also irgendjemand wissen, dass es einem Baby weniger weh tut als einem Erwachsenen? Wenn man eine physiologische Besonderheit von kleinen Jungs beachtet, macht das noch weniger Sinn: Bei 96 % aller neugeborenen Jungs ist die Vorhaut mit der Eichel verklebt (was eine normale Schutzfunktion ist und sich bei den meisten von allein im Laufe der Jahre löst), sie muss also von der Eichel abgerissen werden.

Inwiefern soll DAS weniger weh tun als bei einem Jugendlichen oder Erwachsenen, bei dem dieser Ablösungsprozess schon beendet ist?

Einer der wenigen Artikel, die sich während der Debatte vermeintlich kritisch mit der Beschneidung auseinander setzte, war dieser im Spiegel. Da beschreibt ein Journalist mit türkischen Eltern, denen die Beschneidung nicht so wichtig war, wie er mit acht Jahren beschnitten wurde, nur weil seine Eltern einer sehr traditionellen Verwandten, die zu Besuch war, einen Gefallen tun wollten. Er führt aus, wie schrecklich und schmerzhaft das für ihn war.
Der Artikel fängt höchst vielversprechend an, macht dann aber am Ende einen Twist, bei dem ich meinen Kopf mit Volldampf gegen die nächste Wand donnern möchte. Er kommt nämlich zum Schluss, dass Beschneidung okay ist, „aber bitte nur bei Säuglingen. Nicht bei Achtjährigen.“

So etwas verdrehtes habe ich selten gelesen. Erinnert mich an den Richter, der das „zu harte“ Urteil gegen einen Mann, der ein wenige Wochen altes Baby (!) missbraucht hat, wieder aufhob, weil: Das Kind kann sich ja eh nicht dran erinnern.
Und hier noch mal: Macht es das besser? Kann man mit einem Baby umgehen, wie man will, weil es sich eh an nichts erinnert? Existiert so etwas wie ein Unterbewusstsein nicht?

Ja, ein Kind hat keine Erinnerung an seine ersten Lebensjahre. Überhaupt versteht es sehr wenig von dem, was um es herum passiert.
Und aus diesem Grund ist die Beschneidung im Säuglingsalter nicht besser, sondern sogar schlimmer. Ein älteres Kind oder gar ein Erwachsener versteht, was mit ihm passiert, weiß in den meisten Fällen sogar, warum dieser Schmerz jetzt ertragen werden muss (bezogen auf wirklich nötige Schmerzen – das Entfernen eines Splitters, eine Impfung oder auch eine größere OP beispielsweise.). Ein Baby versteht es nicht.

Und das ist einfach nur grausam. Selbst wenn der erwachsene Mann sich nicht daran erinnern kann.

 

„Wenn man das hier in Deutschland verbietet, gehen sie halt woanders hin, wo dann die medizinische Versorgung nicht so gut ist!“ 
Jaja, das Hinterhofargument!

Nicht nur ist dieses Argument irgendwie, naja, rassistisch, weil es impliziert, dass es nur in Deutschland fähige Ärzte gibt, es ist auch einfach sinnlos, wenn man auch nur eine Sekunde darüber nachdenkt. Es gibt viele Sachen, die in Deutschland verboten sind, in anderen Ländern jedoch nicht. Sollen wir einfach alles erlauben, weil: Dann gehen sie halt woanders hin? Das kann ja wohl kaum Ernst gemeint sein!
Mord ist auch verboten, trotzdem begehen jedes Jahr viele Deutsche einen Mord. Sollen wir auch das erlauben, weil sich die Mörder offensichtlich von einem Verbot nicht abhalten lassen?

 

„Die Jungs freuen sich darauf, also…!“
Waris Dirie hat sich auch auf ihre Beschneidung gefreut, also…!
Hammerhartes Argument, las ich von einer Muslima. Bei Moslems wird die Beschneidung nämlich üblicherweise später durchgeführt als im Judentum, so mit vier oder fünf Jahren, was von einer riesigen Feier begleitet wird. Klar, dass sich die Kinder darauf freuen. Als könnte man nicht Kindern alles einreden, wenn man es nur anständig rüber bringt. „Tut nicht weh? Alle kommen um mich zu feiern? Und GESCHENKE!? Yaaaay!!“

 

„Die Beschneidung zu verbieten ist ein unzulässiger Eingriff in die verfassungsmäßig geschützte Religionsfreiheit! Das Recht auf körperliche Unversehrtheit hat da hinten an zu stehen!“
Religionsfreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit – zwei Grundrechte, die absolute Priorität haben. Ein Problem tritt erst auf, wenn sie kollidieren, was hier augenscheinlich der Fall ist.

Nur stimmt das nicht. Religionsfreiheit heißt, dass ICH die Religion wählen kann, die ICH will, und dass mich niemand daran hindern darf. Sie bedeutet NICHT, dass ich anderen Menschen unter meiner Fittiche, sprich, meinen potentiellen Kindern, eine Religion aufzwingen darf! Dies wird, zugegebenermaßen, ständig getan, aber, wie schon erwähnt, lässt sich das wohl auch unmöglich vermeiden. Auch ist der Besuch eines Gottesdienstes, sei er nun in einer Kirche, Synagoge oder Moschee, kein Kindesmissbrauch. Gilt natürlich in noch höheren Maße für religiöse Feste, die Kindern wohl meistens Spaß machen.
Dies ist so lange erlaubt, wie kein anderes deutsches Recht verletzt wird. Wer seine Kinder z.B. aus religiösen Gründen zuhause unterrichten will, verstößt gegen die Schulpflicht. Und da muss man sich fragen: Ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht irgendwie ein bisschen wichtiger als die Einhaltung der Schulpflicht?

 

„Gegen Beschneidung zu sein ist antisemitisch!“
So, damit wären wir bei den Juden angekommen.
Vorbelastet sind wir da natürlich alle, deshalb war eine Debatte in dieser Heftigkeit wohl wirklich nur in Deutschland möglich. Und sie hat wohl nicht eben dazu beigetragen, die Fronten zu erweichen.
Ich habe während der Debatte auch mit einigen Juden diskutiert und wurde meistens augenblicklich in die Nazi-Schublade gesteckt. Und das mir, die ich seit 13 Jahren mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz auf meinem Bundeswehrjacket rumrenne.
Unnötig zu erwähnen, dass mich das ein wenig angepisst hat. Es ist ja nicht so, als könnte ich die Motivation gläubiger Juden nicht verstehen. Die Beschneidung ist ein Symbol für den Bund mit Gott. Ohne Beschneidung ist ein Junge kein Jude, so die gängige Meinung. Und wer nun mal wirklich, wirklich gläubig ist, für den sind alle bisher genannten Gegenargumente obsolet. Selbst die Tatsache, dass schon oft genug Jungen an der Beschneidung gestorben sind. Was ist schon der Tod des irdischen Körpers gegen den Bund mit Gott?
Ich bin in einer katholischen Familie groß geworden. Ich verstehe religiöse Denkweisen. Nur muss ich sie weder gut finden, noch unterstützen… auch nicht, wenn es um das Judentum geht.

Das Gegenteil von Antisemitismus ist nicht, JEDE Äußerung von JEDEN Juden super zu finden. Und er äußert sich auch nicht darin, aus guten Gründen ein veraltetes, gefährliches Ritual abzulehnen, selbst wenn dieses Ritual im Judentum üblich ist.

Doch sorry, aber solange Personen wie dieser eine jüdische Typ, mit dem ich über das Thema stritt bis aufs Blut, nicht mal in Erwägung zu ziehen bereit ist, dass es noch andere Gründe gegen Beschneidung geben kann als Judenhass, muss mich der Vorwurf „Antisemitismus“ nicht tangieren. „Auch lesbische schwarze Behinderte können scheiße sein“, sangen die Toten Hosen mal. Ich möchte ergänzen: Und ein Jude auch.

Wenn es Antisemitismus ist, bei Juden die gleichen Kriterien anzulegen wie bei allen anderen Menschen… tja, dann bin ich wohl antisemitisch. Der gleiche Typ leugnete ja sogar, dass jemals ein Jude in der Geschichte der Menschheit ein Problem mit Beschneidung gehabt haben könnte. Das ist einfach falsch, auch innerhalb des Judentums wächst der Widerstand gegen die Beschneidung. Sind diese Juden auch Antisemiten? Oder einfach nur das Äquivalent zu modernen Christen, die sich beispielsweise dafür einsetzen, das Homosexualität von der Kirche nicht mehr pathologisiert wird?

beschneidung6Religiösen Fanatismus lehne ich in jeder Religion ab. Und fanatisch wird es in meinen Augen, wenn die Menschenrechte nicht gewahrt werden. „Weil Gott es so will“ ist für einen Gläubigen ein Argument, für mich allerdings nicht, da ich mich frage, wie durch ein Gott sein muss, der so etwas verlangt. Und trotz Religionsfreiheit, trotz aller Toleranz: Für den deutschen Staat sollte es auch kein Argument sein.

Das ist kein Antisemitismus, sondern Humanismus.

 

Last, but not least mein absolutes Lieblingsargument:

„Also ohne  Scheiß, ich finde das Thema voll unwichtig.“
Vielen Dank für dein Statement. Und jetzt leg dich wieder hin, bevor du dir weh tust, und halt die Fresse!

 

Mit diesem monströs langen Artikel verabschiede ich mich und mache eine kleine Blogpause, weil ich für eine Prüfung lernen muss. Übernächstes Wochenende bin ich wieder am Start. Bis dahin freue ich mich trotzdem über jeden Kommentar!

Edit: Ich habe die Punkte „Gebärmutterhalskrebs“ und „Onanie“ nachträglich ergänzt.

Wenn dir das Thema genauso wichtig ist wie mir und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.

Mehr Raum für Antifeministen! Antifeministen brauchen unsere Hilfe!

Ich wurde aufgefordert, eine Linksammlung maskulistischer, maskulinistischer und antifeministischer Internetauftritte zu verlinken und komme diesem Wunsch GERNE nach:

Matzes supitolle Auflistung der hehren Kämpfer gegen die Zersetzung der westlichen Kultur durch die Femnazis und den femizentrisch-faschistischen Staatsapparat

Jetzt denken wahrscheinlich einige „WHUUUT?! Die Tussi ist Feministin, warum verlinkt die ihre Nemesis!?“

Ganz einfach: Ich bin es leid. Ich bin es leid, dass jede blöde Äußerung von Alice Schwarzer am nächsten Tag in allen Gazetten verrissen wird, ich bin es leid, dass in der Uni jeder bei der Erwähnung des Wortes „Feministin“ kichert, ich bin es leid, dass sich aus diesem Grund kaum eine traut, sich Feministin zu nennen, auch wenn es tausend Überschneidungen mit der eigenen Überzeugung gibt, ich bin es leid, mich für jede verbale Bösartigkeit, die sich irgendeine Feministin jemals geleistet hat, rechtfertigen zu müssen, auch wenn sowas nie über MEINE Lippen gekommen wäre, ich bin es leid, als männerhassende Täterin da zu stehen, während die ganzen ach so lammfrommen Antifeministen sich als Verteidiger des Abendlandes profilieren und gleichzeitig rumjammern können, ja so dermaßen von ach so diabolischen Frauen ausgebeutet zu werden.

Der Feminismus ist älter als der Antifeminismus, was logisch ist, denn es kann sich niemand „Anti“ positionieren, wenn es dieses Etwas nicht vorher gegeben hat. Der Maskulismus ist ebenfalls jünger einfach deswegen, weil es bisher in der Weltgeschichte kaum einen Anlass gab, eine männerrechtliche Bewegung zu gründen. Aus dem gleichen Grund gehören jenen beiden Gruppen auch viel weniger Aktivisten an. Womit ich nicht sagen will, dass es nicht durchaus viele Menschen in Deutschland gibt, die der selben Denke anhängen, es aber nicht heraushängen lassen.
Damit sind Feministinnen auch präsenter in der Gesellschaft, was an sich ja schön ist, aber leider dazu führt – und hier kommen wir wieder zu meiner Motivation, eine solche Liste zu verlinken – dass auch viele so richtig dumme feministische Statements eine weitaus größere Verbreitung finden als dies bei so manch unterirdischer maskulistischer Sichtweise der Fall ist.

Dennoch bin und bleibe ich Feministin, denn der Feminismus ist vielschichtig und nur, weil ein paar kranke Tussis davon fantasieren, alle Männer zu kastrieren und sogar schon kleine Jungs hassen, weil männlich, muss mich das in meiner Überzeugung nicht tangieren – denn es ist ja nicht meine, im Gegenteil!

Feministin bin ich, weil ich einige eindeutige Missstände gegen Frauen auch heute noch verorte. Mein größtes Anliegen, mein Hauptaugenmerk und Schwerpunkt sozusagen, sehe bzw. lege ich dabei auf sexueller Gewalt und allem, was damit zusammen hängt. Das nur so nebenbei.

Das heißt jedoch nicht, dass mir sämtliche männerrechtlichen Anliegen am Arsch vorbei gehen, im Gegenteil. Männer waren und sind in vielen Bereichen benachteiligt, wofür ich maßgeblich das verkrustete Rollenverständnis verantwortlich mache, welches mein Feminismus kritisiert und bekämpft. Zwangsläufig entstehen dadurch Überschneidungen zwischen meinem Feminismus und meinem Maskulismus, denn dieser ist auf gar keinen Fall per se schlecht!!

Ich denke, ich habe schon oft genug meinen Willen demonstriert, gegen idiotische Auswüchse des Feminismus anzugehen, genauso, wie ich verständliche Anliegen des Maskulismus jederzeit unterstütze, ohne mich dabei im Geringsten in meinem Feminismus gestört zu fühlen. Denn ich mag Männer und möchte beide Geschlechter in einem respektvollen, liebevollen Umgang miteinander sehen.

Was ich NICHT mag, sind Antifeministen – frauenhassende Arschlöcher, ignorante Scheuklappenträger, die jegliche Benachteiligung gegen Frauen in sämtlichen Epochen der Weltgeschichte leugnen und daher dem Feminismus, egal in welcher Ausprägung, jeden auch noch so zarten Hauch Legitimität absprechen. Männer, die im selben Atemzug den Wunsch einer Frau, Karriere zu machen, verdammen können und gleichzeitig süffisant feststellen, dass Frauen spätestens ab 35 ja eh sämtliche Attraktivität und damit Daseinsberechtigung flöten gegangen ist. Leute wie der gute Matze oben, die meinen, Frauen wären intrigante Ausbeuterinnen, die kein anderes Ziel haben, als sich irgendeinen Kerl mit Kohle zu krallen und sich von ihm ein Nest bauen zu lassen, wo sie ihren fetter werdenden Arsch parken und den Rest ihres Lebens darauf verwenden, ihm aus reinem Kalkül und nur, weil es ihnen einen perversen Spaß bereitet, Männer leiden zu sehen, Zärtlichkeit und Sex vorzuenthalten, während sie andererseits ständig auf der Pirsch nach einem Seitensprung sind, denn Frauen sind ja grundsätzlich untreu und können ein Kind wohl nur lieben, wenn es von einem Mann groß gezogen wird, der unwissentlich nicht der biologische Vater ist.

Klingt bescheuert, findet ihr? Ja, das IST es auch! Es ist misogyner, hasserfüllter und nicht zuletzt menschenfeindlicher Bullshit, dessen ständige Wiederholung zur Spaltung der Gesellschaft und damit zum Unglück BEIDER Geschlechter beiträgt!
Trotzdem es einige Antifeministen gibt, die so oder ähnlich denken, ist immer nur von bescheuerten Feministinnen die Rede, die schon eine geschlechtsspezifische Anrede als Gewalt empfinden und die Farbe Rosa am liebsten aus Gottes Tuschkasten verbannen wollen – weil eine Meinung wie obige eben höchstens im Netz, aber niemals in einer ernsthaften Zeitschrift oder TV-Format kursiert.

„Ach, Internet“, mögen manche jetzt vielleicht denken, „unnötig, sich darüber aufzuregen.“
Tja, aber nur, weil diese Leute im echten Leben vermutlich SO klein mit Hut sind, ändert das leider nichts daran, dass solche Meinungen existieren! Und so lange kaum einer weiß, dass sie es tun, kann ich vollkommen nachvollziehen, warum viele die Augen verdrehen, wenn sie eine Feministin reden hören. Wo augenscheinlich kein Problem, da kein Grund zur Aufregung!

Doch sorry: Es GIBT ein Problem! Und einige davon sind in dieser Linksammlung (sowie in allem, was davor und was danach gelabert wird) gesammelt.

Ich habe nicht jeden Link überprüft. Auch möchte ich, um das nochmals zu betonen, dem Maskulismus nicht die Existenzberechtigung absprechen, da es männerrechtlich gesehen einige eindeutige Baustellen gibt (zu einer liefere ich nächste Woche schon einen lange in Arbeit befindlichen Beitrag – man darf gespannt sein). Ich gehe davon aus, dass viele dieser Links völlig in Ordnung sind und nachvollziehbare Forderungen stellen.

Aber der Antifeminismus ist eben nicht der Maskulismus, sondern höchstens eine ekelhafte Facette davon. Und Links mit solchen Inhalten verbreite ich nur zu gerne. Denn die Abartigkeiten, die Antifeministen von sich geben, sollen gehört und gelesen werden, damit die Menschen sehen, wie nötig der Feminismus auch heute noch ist. Entscheidet bitte selbst, welche Seite zu der einen und welche zu der anderen Gruppe gehört. Spezifizierungen zu einzelnen Links nehme ich gerne in den Kommentaren entgegen.

Daher danke ich dem armen Matze für seine Hilfe. Er glaubt, eine Verbreitung dieser Links würde praktisch die Welt retten und den abgrundtief bösen Feminismus ausrotten. Ich sage: Sowas kann dem Feminismus nur gut tun.

Vermutlich wird er das nicht einsehen und sich diebisch über die Verlinkung freuen. Es sei ihm gegönnt. Dann ist er glücklich, ich bin glücklich und der Christian, auf dessen Blog diese Liste zu finden ist und der dort einige der bemerkenswertesten Kandidaten für den Titel „Antifeminist des Jahres“ um sich schart, ist vermutlich auch glücklich wegen der Klicks.

Jeder freut sich – ist das nicht schön. So nett können Feministinnen sein.

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber das muss ja niemand wissen.