Heroes and Bastards

Ich glaube, wenn es eines gibt, was sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben zieht, dann ist es meine völlige Faszination für Helden. Mein nerdiges Superhelden-Fantum ist da ja nur die Spitze des Eisberges. Seit jeher bewundere ich Menschen, die für andere ihr Leben riskiert haben, für eine gute Sache einstanden, selbst gegen den Strom, oder ganz einfach für Gerechtigkeit kämpfen.

Aus diesem Grund wäre ich wahnsinnig gern Polizistin geworden. Also so richtig Mordkommission oder ähnliches, jedenfalls nicht Streife. Ich glaube, das hätte ich gut gekonnt. Ich habe reichlich Phantasie, ein super Gedächtnis und kann logisch genug denken, um auch noch den abwegigsten Tathergang rekonstruieren zu können.

Drei Dinge haben mich davon abgehalten:

– meine Depression (obwohl ich das sogar eher positiv auslegen würde… ich weiß, wann ich die Reißleine ziehen muss, daher kann mir eines der größten Probleme von Polizisten – Burnout – nicht passieren. Viele andere Leute, die noch nie psychische Probleme hatten, wissen das nicht.)
– meine Heimatverbundenheit (in meinen Dorf ist in 30 Jahren EIN Mord passiert… und im Umland sieht es ähnlich aus. Wenn ich was „interessantes“ hätte machen wollen, wäre ein Umzug unumgänglich gewesen – in eine furchtbare, riesige Großstadt. Kann ich nicht, will ich nicht.)
– meine Unsportlichkeit (ich hätte im Leben nicht die Sportprüfung bestanden. Tja.)

Und jetzt ist es zu spät, ich bin zu alt. Das ist schade. Ich war immer der Meinung, Polizist wird man aus Überzeugung, um zu dienen und zu schützen. Das ist ein amerikanisches Motto, aber ich glaubte, im Prinzip würde das auf alle Polizisten zutreffen. Und genau deshalb könnte ich einfach nur aufplatzen, wenn ich eine Story wie diese lese.

Da wird eine Frau auf übelste Weise von kranken Perversen bedroht und beleidigt und tut genau das, was man in diesem Fall tun sollte, was sich aber nur wenige trauen: Anzeige erstatten.
An zuständiger Stelle wird sie erstmal mit geballter Inkompetenz belästigt. Ich meine, ich bin längst nicht so internetaffin, wie ich es gerne wäre und halte es für keine Schande, nicht zu wissen, was ein Blog oder Twitter ist… ABER DOCH NICHT ALS FACHFRAU. Wie kann so jemand in der Abteilung „Internetkriminalität“ sitzen?!
So weit, so unbefriedigend, aber noch im Rahmen. Gestern nun wird die selbe Frau unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Präsidium geladen, was sie freut, denn sie glaubt, es gäbe was neues wegen ihrer Anzeige. Stattdessen wird sie dort damit konfrontiert, dass SIE jetzt diejenige ist, gegen die ermittelt wird, wegen „Verbreitung von Pornographie“. Wohlgemerkt, das ist ein Straftatbestand, der, sofern er durch ein Gericht bestätigt wird, das weitere Leben in empfindlicher Weise versauen kann! Und das wegen EINES Bildes, auf dem ganz verschwommen Fellatio zu sehen war.
Der Rest ist einfach nur unfassbar. Ohne Belehrung ihrer Rechte, ohne Anwalt muss Aurelie Fingerabdrücke abgeben, wird fast noch zu einer DNA-Probe verdonnert und schlicht und ergreifend behandelt wie eine Schwerverbrecherin.

Nun bin ich ja leider keine Polizistin geworden, aber wenn sich der Sachverhalt so abgespielt hat, wie sie das schildert, klingen bei mir alle Alarmglocken. Das kann SO auf gar keinen Fall richtig und RECHT sein! Ich bin kein großer Fan von Pornographie, vor allem nicht in Reichweite von Minderjährigen, aber es ist doch absolut lächerlich, gegen eine harmlose Blogbetreiberin wegen EINESversch wommenen Fotos auf diese Weise vorzugehen, während man gleichzeitig auf diversen Seiten wie youporn etc. völlig freien Zugriff auf die allerexplizitesten, abartigsten Sexpraktiken in Videoform hat – Dinge, die selbst mich als Erwachsene verstören!! Und ein Irrer, der ihr Bilder von verstümmelten FRAUENLEICHEN schickt, ist angeblich nicht ermittelbar! Sorry, aber WAS ist wohl gefährlicher für die Allgemeinheit!?

Die ganze Story könnt ihr in Aurelies Blog lesen und sofern ihr es nicht schon getan habt, teilt ihren Beitrag auf Twitter oder Facebook oder macht sonst, was in eurer Macht steht, um diese Absurdität weiter publik zu machen.

Ich bin im Allgemeinen etwas vorsichtig mit sowas. Ich kenne Aurelie nicht persönlich (bisschen gestritten haben wir aber schon ^^), wie wohl die wenigsten. Sie könnte im Grunde sonstwas erzählen, überprüfen können wir das nicht. Aber WENN das stimmt, bin ich einfach nur so richtig, richtig angepisst und stinksauer!
Polizisten sind meine Helden. acab2Vielleicht nur ganz kleine, aber jedenfalls solche,
die den Schutz von Schwachen und Rechtlosen zu ihrem Lebensunterhalt gemacht haben. Genau deshalb enttäuscht mich sowas einfach unglaublich. Ich hatte eine ziemliche Punkphase als Teenager, aber, so wenig das auch passen mag, vor der Polizei hatte ich immer Respekt. All Cops Are Bastards? Nee, der Meinung war ich nie.

Aber sowas erschüttert meinen Glauben an die Gerechtigkeit gewaltig. Und wenn ich sowas lese, erinnere ich mich plötzlich wieder an diesen einen Typen, den ich während eines Praktikums kennen gelernt habe, den einzigen Menschen, dem ich je begegnet bin, den ich für einen waschechten Soziopathen halte. Und dieser Typ wollte – Polizist werden.
Ich weiß nicht, was er heute macht, aber unserem Land zuliebe hoffe ich, dass er seinen Berufswunsch niemals in die Tat umgesetzt hat. Und der Menschheit zuliebe hoffe ich, dass er einen schlimmen Unfall hatte. Denn er war böse. Die Welt ist besser ohne ihn dran.

Ich hoffe weiter, dass die meisten Leute, die Uniform tragen, gute, anständige Menschen sind, die mit einem zufriedenen Gefühl ins Bett gehen, wenn sie jemanden geholfen haben, und die nicht schlafen können, wenn es eine Ungerechtigkeit gab, gegen die sie machtlos waren.

Für den Rest sind wir da. Das Volk, die vierte Gewalt im Staat. Also teilt Aurelies Geschichte, aber teilt sie nicht nur, weil die Reaktion völlig überzogen und in Anbetracht der vorherigen Vorkommnisse absolut unfair war, sondern teilt sie, um bürokratiehörigen Schreibtischtätern mit Allmachtsphantasien mal so richtig auf den Tisch zu kacken und ihnen zu zeigen: So nicht!!

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Fasten, fat positive, „The Biggest Loser“

Mein kleiner Fanartikel über The Biggest Loser ist ja größtenteils negativ aufgenommen worden. Damit habe ich ehrlich gesagt gerechnet, allerdings hat mich die Art der Kritik ziemlich umgehauen.

Ich meine, ich kann vollkommen verstehen, wenn die Serie kritisch gesehen wird, vor allem was den Umgang mit den übergewichtigen Kandidaten angeht. Was ich absolut nicht verstehen kann und auch auf gar keinen Fall unterstützen oder gar gutheißen will: diese leicht verklärte Sicht auf Übergewicht an sich.

Es gibt feministische Strömungen, die haben sich etwas auf die Fahnen geschrieben, was sich fat positive nennt. Den Grundgedanken, sofern ich den richtig verstanden habe, unterstütze ich vollkommen: Kein Mensch sollte aufgrund seines Körpers diskriminiert oder beleidigt werden, vor allem nicht in Hinblick auf ein völlig überzogenes Schönheitsideal, das z.B. dazu führt, dass eine Frau, nennen wir sie mal Britney Spears, in allen Medien als fett bezeichnet werden darf, nur weil sie plötzlich auf elefantöse Größe 36 angeschwollen ist. Größe 36 ist nämlich NORMAL!!
Auch ist es wirklich unübersehbar, dass so eine Häme wirklich hauptsächlich Frauen trifft, und sich sogar megaschlanke Mädchen in aller Öffentlichkeit von einer talentfreien Unsympathin anhören müssen, dass sie immer noch zu fett sind, um Supermodel zu werden.

Nochmal in aller Kürze die Punkte, denen ich zustimme:
– Frauen werden im höchsten Maße auf ihr Äußeres reduziert
– Frauen werden in Bezug auf ihr Gewicht von klein auf verunsichert
– Frauen wird von den Medien etc. ein Körperbild vor Augen gehalten, dass krankhaft und kaum ohne strikte Mangelernährung und exzessiven Sport zu erreichen ist

So weit, so verständlich (finde ich zumindest). Das ist etwas, was man durchaus kritisieren sollte.

Doch hier kommt das große ABER. Es kann ja wohl nicht sein, dass die Kritik an dem einen Extrem (nämlich die Propagierung von Körpern am Rande des Untergewichts oder darüber hinaus als „schön“) in eine Glorifizierung des anderen Extrems umschlägt. Und das fängt schon mit der Bezeichnung dieser Bewegung an: fat positive.

Wir brauchen Kalorien und Fett, um zu überleben. Das wird oft vergessen, gerade, wenn man sein halbes Leben lang versucht, abzunehmen. Darüber hinaus ist aber nichts positives an Fett oder Fettsein. Fettsein schränkt die Bewegungsfreiheit ein, belastet das Herz-Kreislauf-System, verstopft die Arterien, führt zu Diabetes und Bluthochdruck, erschwert das Atmen und ist schlecht für die Kondition. Und nein, damit meine ich NICHT Britney Spears, um das nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen! Ich spreche von Menschen, die wirklich krankhaft adipös sind, mit allen negativen Auswirkungen.

Es ist nicht schön, so dick zu sein. Und in aller Regel wird man das auch nicht, wenn man sich halbwegs ordentlich ernährt und keine andere Erkrankung hat, die Übergewicht zur Folge hat (was dann natürlich, sofern möglich, behandelt werden sollte).
Natürlich gibt es auch sehr schlanke Menschen, denen die Zunge auf dem Boden schleift, wenn sie beim 100-Meter-Lauf mitmachen müssen. Auch gibt es Dicke, die keinerlei medizinischen Beeinträchtigungen haben. Aber nur weil Helmut Schmidt mit seinen über Neunzig immer noch fröhlich am Rumquarzen ist, heißt das noch lange nicht, dass Zigaretten gesund sind (und das schreibe ich als Raucherin!).

Und damit wieder zu The Biggest Loser. Sämtliche Kandidaten dort fühlen sich von ihrem teils gewaltigen Übergewicht beeinträchtigt und die meisten SIND auch schon deswegen krank. Interessanterweise sind Bernhard und Markus (Team Orange) am schlimmsten betroffen, obwohl sie lange nicht die Dicksten sind. Markus hatte schon einen Schlaganfall und Bernhard kam auch schon mit dem Notarzt ins Krankenhaus, zudem ist er aufgrund seines Übergewichts unfruchtbar. So kann es gehen! Fair ist das nicht, aber das ändert nichts an der Prämisse: Übergewicht IST NICHT GESUND!

Und daher bin ich nicht fat positive. Fett ist nämlich nicht positiv. In der jetzigen Form erinnert mich fat positive einfach sehr unangenehm an die Pro-Ana-Bewegung, in der vorzugsweise junge Frauen Magersucht (Anorexie, verniedlichend „Ana“) und Bulimie (verniedlichend „Mia“) verherrlichen, nur dass bei fat positive nicht forciert wird, noch mehr zuzunehmen. Toll ist aber beides nicht!! Und die Versuche, mitunter die „Sichtbarkeit alternativer Körperformen“ mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, sind oft mehr als lächerlich und bewirken genau das Gegenteil von Akzeptanz.

Daher hab ich auch keine Lust, mir zu The Biggest Loser dauernd anzuhören, Übergewicht wäre ja gar nicht schlimm oder die Serie würde Magersucht produzieren. Ähm, nee, zur Magersucht fehlen den meisten noch gut 100 Kilo!

So, und damit noch ein bisschen Fangelaber!

In der letzten Folge am Sonntag sind die Kandidaten erstmals nicht mehr im Doppel angetreten, sondern haben sich in zwei Teams aufteilen müssen. Auch musste zum ersten Mal die Person mit dem wenigsten Gewichtsverlust sofort aus dem Camp, ohne dass die Kandidaten sie rauswählen mussten. Das traf leider Janina, was aber abzusehen war. Wie schon gesagt: Frauen nehmen schwerer ab, vor allem ab einem gewissen Alter und wenn ihr Übergewicht nicht so massiv ist.

Dann ist Macho Michael freiwillig gegangen, als es so aussah, als müsste er zusammen mit Sezer gehen, weil beide gleich viele Raus-Stimmen hatten. Das tut mir nicht sonderlich leid. Als er sich in der gleichen Folge weigerte, zur „Strafe“ für den Misserfolg seines Teams einem Mitglied des Gewinnerteams den Rücken zu massieren, weil er das „schwul“ fand, fand ich das nämlich wieder mal ziemlich meh. Sezer dagegen mag ich, obwohl es bei ihm noch nicht so gut klappt, aber ich hoffe, er kann noch ein paar Wochen bleiben! Bahar, seine Frau, ist jedenfalls immer noch gut dabei und schon unter 100 Kilo.

Auch bei meinem Schätzchen Bernhard funktioniert es endlich, nachdem er die ersten Wochen immer nur Ergebnisse eingefahren hat, die ihn offensichtlich enttäuscht haben. Der Knoten ist geplatzt!

Die Zwillinge haben beim Wiegen den Vogel abgeschossen, was aber auch abzusehen war. Weil das auf Twitter zu Verwirrung geführt hat, möchte ich als TBL-Expertin mal etwas klarstellen:

Vorletzten Sonntag war wieder mal „Versuchung“. Einen ganzen Tag lang gab es immer wieder allerlei Schleckerei zu essen und das Team, das am Ende die meisten Kalorien zu sich genommen hat, gewann „Immunität“, konnte also nicht rausfliegen. Und obwohl eigentlich keiner mitgemacht hat (außer Michael, der musste aber nach sechs gewaltsam reingezwängten Energydrinks kotzen und war damit ausgeschieden), sind die Beiden völlig ausgerastet und haben zusammen ca. 10.000 Kalorien in sich reingestopft. Damit hatten sie zwar gewonnen, bekamen aber vom Trainer einen Anschiss!

Auf der Waage hatten beide dann mehrere Kilo zugenommen, konnten aber wie gesagt nicht rausfliegen. Sofern sie nicht den Rest der Woche ähnlich zugeschlagen haben, waren die Gewichtszunahme trotzdem unverhältnismäßig hoch, was viele Leute nicht verstanden haben. Genauso, wie der Gewichtsverlust in der letzten Folge unverhältnismäßig hoch gewesen war.
Es ist ganz einfach: Der Gewichtsverlust jeder Woche wird ausgehend von dem Gewicht, was man in der Woche zuvor gewogen hat, berechnet. Da die beiden ja ohnehin nicht rausfliegen konnten, haben sie sich vorher vermutlich ein paar Liter Wasser reingeknallt, was sich in dem Moment auf der Waage bemerkbar gemacht, aber natürlich langfristig keine Auswirkungen hat, denn Wasser hat bekanntlich keine Kalorien. Damit hatten sie für die nächste Woche selbstverständlich einen gewaltigen Vorteil, da sie mit einem viel höheren Startgewicht angetreten sind, als sie eigentlich tatsächlich hatten.
Das sind Tricks, die in jeder Staffel wieder auftauchen, sobald jemand Immunität hat. Ziemlich unfair, aber vermutlich nicht zu verhindern! Ich hoffe, ich konnte einige erleuchten.

Zum ersten Mal wurden übrigens beim Wiegen bei manchen Kandidaten Vorher/Nachher-Bilder eingeblendet. Der Unterschied ist wow! Und das nach so kurzer Zeit.

Ich fiebere weiterhin mit den Kandidaten mit und werde nebenbei versuchen, auch noch ein bisschen abzunehmen. Wer das als sogenanntes fat shaming versteht, dem kann ich leider immer noch nicht helfen.

 

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too old to die young…

… bin ich ja jetzt offiziell seit diesem Monat. Das frisst mehr an mir, als ich mit Worten beschreiben und zugeben will und als Außenstehende mir glauben würden!

Aber ich habe auch gute Tage, da erinnere ich mich daran, dass man nur so alt ist, wie man sich fühlt. Sehr gut! Ich fühle mich oft wie zwölf. Das ist ganz angenehm. Außerdem hilft es, sich im Alter mit der Jugend zu umgeben und auch das passt: Die meisten meiner Freunde sind jünger als ich!

Eine dieser Freundinnen, eine der neusten (und jüngsten) ist meine Kollegin Johanna. Sie ist cool, quirlig und scheint mich ein bisschen zu bewundern. Jedenfalls lacht sie über jeden noch so lahmen Spruch von mir.

Okay, ich habe kürzlich festgestellt, dass sie tatsächlich meistens nicht über das lacht, WAS ich sage, sondern darüber, WIE ich es sage, sprich: über meinen Dialekt. Aber wer will schon anspruchsvoll sein, Hauptsache ich mache sie glücklich!

Jedenfalls war sie wie so häufig Gast in unserer Kneipe, während ich arbeitete. Als ich meine Schicht dann beendete und das Zepter an Peggy weitergab, setzte ich mich zu ihr und ihren Freunden und trank mit ihnen mit. Es war der reinste Jungbrunnen: Lauter glatte, frische Gesichter! Die meisten waren um die 21.

Als diese muntere Truppe zu Johanna nach Hause ziehen wollte, zog ich bereitwillig mit. Es war zwar schon vier Uhr und ich entsprechend müde, aber ich wollte mir keine Blöße geben.
Wir ließen uns in ihrer WG in der Küche nieder, Bier kam auf den Tisch und der Laptop mit Musik wurde gestartet.

Und hier fing es an, richtig schlimm zu werden. Nein, das hatte nichts mit der Musik zu tun. Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass Elektro offensichtlich in jeder Subkultur salonfähig geworden ist, statt dass man dieses Genre mit der Verachtung straft, die ihm gebührt. Sei es drum. Ich kann mich an vieles gewöhnen. Aber nichts bereitete mich auf den Schock vor, den ich schließlich in dieser Nacht noch erleiden sollte.

Ich hatte einen guten Blick auf die iTunes-Liste, als ein neuer Song begann, und zwar von einer Band namens „Captain Planet“. Ich las den Namen mit freudiger Überraschung. „Haha, geil, Captain Planet! Die Serie hab ich geliebt!“

Johanna sah mich mit unschuldig-runden Augen an. „Serie?“

„Na… Captain Planet!“

Inzwischen war auch der Rest der Bagage auf mich aufmerksam geworden. In jedem Gesicht spiegelte sich das gleiche Unverständnis, dass auch Johanna an den Tag legte.

Und als mir klar wurde, was das bedeute, fiel mir MEIN Gesicht runter. „Ihr… ihr kennt Captain Planet nicht?“

Allgemeines Kopfschütteln. Das ist doch unfasslich! Nein, das kann ich nicht glauben!

„Ihr müsst doch Captain Planet kennen! Mit den Zauberringen?! Erde, Feuer, Wind, Wasser, Liebe?! Captain Planet, Held der Erde – kämpft, damit die Umwelt sauber werde?!“

Diese verdammten Kinder schienen immer irritierter. Das darf doch nicht wahr sein!!

„Kampf den miesen Umweltsündern – diesen Schurken, die die Erde plündern?!“

Verhaltenes Kichern wurde laut. Grmpf. Okay, der Song IST albern, aber niemand lacht über Captain Planet! Die Serie lehrte mich erstmals, dass es sowas wie Umweltverschmutzung überhaupt gibt! Nur wegen Captain Planet löschte ich schon als Sechsjährige immer das Licht, wenn ich einen Raum verließ! Und mein ganzes Taschengeld steckte ich in Kaugummiautomaten, nur damit ich vielleicht einen Ring kriege, der so ähnlich aussieht wie einer von denen vom Planetenteam! Das sind Werte, Mann!!

Keiner von denen kannte Captain Planet. Das ist die Wahrheit. Die traurige, herzzerreißende, unglaubliche Wahrheit. Und ich schrumpelte auf meinem Stuhl zusammen.

„Captain Planet… wie cool ich den fand… der hatte die gleiche deutsche Synchrostimme wie Clark in Die Abenteuer von Lois und Clark… das war auch so ne tolle Serie…“ murmelte ich ermattet.

Ein Kumpel von Johanna musterte mich von oben bis unten. „Die Abenteuer von WAS?“

!!!

Es half nichts. Ich täuschte Müdigkeit vor, verabschiedete mich und ging. Nein, das war nicht übertrieben. Überhaupt nicht. Es gibt Dinge, die sind nicht diskutabel.

Ach, übrigens: Das Original:

Die schlimme, schlimme Fälschung (von der ich niemals zugeben würde, dass sie irgendwie ganz cool ist):

Übrigens hat Johanna noch niemals Zurück in die Zukunft gesehen. Ist das zu fassen?! Als ich das hörte, bekam ich einen Schock, der mich vermutlich ein Jahr meines Lebens gekostet hat.

Das geht wirklich gar nicht. Deshalb hab ich angeleiert, dass wir uns demnächst mit ein paar Kumpels die komplette Trilogie ansehen und dabei vielleicht noch Sandwichs essen werden. Also… Sandwichs. How I met your mother-Style.

Und jetzt melde sich doch bitte einer meiner etwas älteren Leser und sage mir, dass er diese Anspielung nicht verstanden hat. Dann würde ich mich wirklich besser fühlen!

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Für mehr Katholizismus in den Weltreligionen!

TSCHÜSS!!!
TSCHÜSS!!!

Tja, da haben sie sich wieder mal in ihrer Kirche verrammelt und die ganze Welt starrt auf einen blöden Schornstein.

Nicht nur in Tagen wie diesen ist es irgendwie nicht leicht, die katholische Kirche zu mögen, zumal sie einem ja leider genügend Gründe zum Meckern liefert. Von allen Seiten prasselt Kritik auf sie ein (u.a. auch von mir).

Überraschenderweise ärgert mich das ein bisschen. Ich entstamme einer katholischen Familie und bin mit dem ganzen Scheiß aufgewachsen. Bevor ich in den Kindergarten ging, musste ich erst zu Mutter Maria beten und als ich in die Grundschule kam, natürlich ebenso. Das nervte mich ganz besonders, weil wir, in der Schule angekommen, dann gleich nochmal beten mussten (mir ist natürlich erst Jahre später bewusst geworden, dass sowas in einer staatlichen Schule vermutlich überhaupt nicht erlaubt ist). Dasselbe, bevor es wieder Richtung nach Hause ging. Und, logischerweise: Vorm Schlafengehen war auch nochmal beten angesagt. Dazu: Jede Woche Kirche, bis ich 12 war.

Trotz dieser Folter ärgern mich viele Vorwürfe, die gegen die Kirche erhoben werden. Gerade von Protestantenseite (da, wo ich herkomme, nur abfällig „die Evangelischen“ genannt). Es scheint manchmal so, als hätte noch nie ein Mann ein Kind ungebührlich berührt, der nicht gleichzeitig geweihter katholischer Priester war – was nun mal leider, leider Schwachsinn ist. Auch waren die krassesten Fanatiker, die ich – sporadisch – in den letzten Jahren kennen gelernt habe, NIE katholisch… ich denke da vor allem an meine Spanischnachhilfelehrerin, die einer Freikirche angehörte und glaubte, die Bibel wäre ein Tatsachenbericht…!

Auch wenn ich außer auf dem Papier nicht mehr katholisch bin, ist es dennoch mehr als nervig, ständig von allen Seiten Dinge zu hören, die den Eindruck erwecken, mein in die Wiege gelegter Glaube wäre der Antichrist persönlich, während alle protestantischen Strömungen wie reinweiße brave Lämmchen daher kommen und sich furchtbar viel auf ihren antisemitischen Frauenhasser einbilden, dem sie ihr Dasein verdanken. Und ja, damit meine ich Mr. Luther.

Dabei gibt es etwas, was den Katholizismus von anderen christlichen Strömungen grundsätzlich unterscheidet, ja, sogar von den anderen abrahamitischen Religionen, etwas, was im Katholzismus einfach eindeutig besser ist als im Protestantismus, im Judentum und im Islam.
Was, sowas gibt’s nicht? Oh doch!

Weil wir eine so überaus politisch interessierte WG sind (und niemand aufstehen wollte, um die Fernbedienung zu holen), sahen wir uns vor vielen, vielen Wochen die ziemlich verkorkste Islamismus-Debatte bei Sandra Maischberger an.

Effektvoll drapiert auf dem Couchtischchen (bei Maischberger, nicht bei uns) folgendes Spiegelcover:
spiegel-gott
„So – ein – Scheiß,“ spottete ich, als ich das Cover entdeckte. „‚Der stärkere Gott‘? Wir haben doch alle denselben.“
Mein konfessionsloser Hipster-Mitbewohner Hä-te laut, also erklärte ich ihm, dass Gott, Jahwe und Allah im Prinzip alles nur Namen für den selben Obergott darstellen, da ja alle drei Weltreligionen auf Abraham als Stammvater zurück gehen.
Mein konfessionsloser Hipster-Mitbewohner glaubte mir nicht. Überraschung. Also musste ich mal wieder voll investigativ tätig werden, sprich, Wikipedia anschmeißen!

Und dort erfuhr ich unglaubliches. Ich hatte sowohl Recht als auch Unrecht: Gott, Jahwe, Allah – all das IST derselbe Gott.

Aber NUR für Katholiken.

Ich war völlig von den Socken, wie verständig mir mein verhasster disturbedKindheitsglaube plötzlich erschien. Mit sowas kann man ja auch aus dieser Ecke wirklich nicht rechnen!
Ich meine, der Vorteil einer solchen Regelung liegt ja auf der Hand: Wenn alle Anhänger der abrahamitischen Religionen der Meinung wären, dass alle anderen Gläubigen ja auch die einzig wahre Omnipotenz anbeten, man sich aber nur in Detailfragen uneins ist, dann hasst es sich gleich viel schlechter, ne? Ich meine, der Name, die Propheten, der Messias… wen kann das schon groß stören, solange der Obermotz derselbe ist?

Ich meine, MIR könnte das ja egal sein. Ich bin ja Neuheidin. Aber trotzdem, irgendwie erfüllt es mich mit einer Art grimmigen Befriedigung, dass es wenigstens eine Sache gibt, welche die katholische Kirche, die Kirche meiner Kindheit, nicht versaut hat.

Sondern alle anderen.

Jetzt müssten das nur noch die Katholiken wissen. Meine Oma, zum Beispiel, die weiß es nicht.

Statt dein sauer verdientes Geld nächsten Sonntag in den Klingelbeutel zu werfen, spendiere mir doch lieber via Paypal eine Tasse Kaffee!. Meine Absolution ist dir gewiss!

Guilty Pleasure: The Biggest Loser

thebiggestloser

Manche Leute kucken Germanys Next Topmodel (was ich keine fünf Minuten aushalte), andere DSDS (was ich durchaus eine Weile sehen kann, aber nicht, ohne zu kotzen) – ich kucke The Biggest Loser!

Manche finden diese Sendung schlimmer als alle Castingshows zusammen, aber ich liebe sie. Ich freue mich über jede neue Staffel und sehe mir jede Folge an!

Die Sendung hat viel Kritik eingesteckt… allein der Name The Biggest Loser wäre schon beleidigend Dicken gegenüber.
Ich finde das so doof. Es ist doch klar, dass der Name bewusst provokativ gemeint ist. So erweckt man Interesse und kriegt Zuschauer. Die Kritiker tun gerade so, als hätten die Macher der Sendung nicht gewusst, wie viel Aufsehen eine solche Betitelung erregen würde. Für wie blöd müssen diese Leute Programmmacher halten?

Die Serie kommt aus den USA und auf englisch wird nun mal das Verb „verlieren“ genauso im Sinne von „scheitern“ gebraucht wie auch für „Gewicht verlieren“. Im Deutschen ist es das gleiche. Ich sehe nicht, warum das despektierlich verstanden werden muss.

Dann wäre die Darstellung der Kandidaten furchtbar: Sie würden vorgeführt, wenn man sie mit all ihren überflüssigen Speck durch Parcours jagt und beim Sport beobachtet.
Dazu kann ich nur sagen: Natürlich kann sich ein Mensch mit 50 Kilo Übergewicht nicht so anmutig bewegen wie ein Mensch mit Normalgewicht. Es gibt schlicht und ergreifend keine Möglichkeit, die Kandidaten auf eine Art und Weise darzustellen, die nicht als lächerlich angesehen werden KANN… sofern man sich denn lächerlich machen WILL. Es gibt leider viel zu viele Menschen, die über Dicke lachen.

Ich tue das nicht. Ich hatte noch nie genug Übergewicht, um für eine solche Sendung in Frage zu kommen, aber Sprüche über meinen Hüftspeck oder meinen dicken Hintern kenne ich zur Genüge (selbst in Zeiten, als weder das eine, noch das andere der Wahrheit entsprach). Daher gilt mein ganzes Mitgefühl Menschen, die aus welchem Grund auch immer irgendwann die Kontrolle über ihr Gewicht verloren haben.

Natürlich muss ich auch manchmal lachen (in der letzten Folge plumpste ein Kandidat in einen Whirlpool, weil er das Gleichgewicht verlor… sorry, aber sowas ist bei JEDEM lustig!), aber dies ist ein Fatalismus, den man sich ab einem gewissen Gewicht nicht mehr entziehen kann. Und es gibt einen Unterschied zwischen bösartigen Humor und gutmütigen Spott!

Ich mag die Serie, weil sie für einige Menschen die letzte Möglichkeit darstellt, wieder zu einem normalen Leben zurück zu finden. Nicht jeder schafft es, aber für einige war die Sendung tatsächlich eine unglaubliche Chance, die sie genutzt haben und heute ein gesundes Gewicht ihr Eigenen nennen können. Und das unterscheidet sie von Castingshows und Scripted Reality, mit der sie auch immer verglichen wird: Man kann einen Gewichtsverlust nicht vortäuschen!

Ein paar Kritikpunkte hätte ich aber schon. Zum einen wären da eben doch viele gescripte Szenen, ob nachgestellt nach echten Vorkommnissen oder inszeniert, die man einfach nur ziemlich albern finden kann. Die Kandidaten sind keine Schauspieler – und das merkt man auch bei solchen Szenen. Aber naja, darüber kann ich noch die Augen rollen und es ignorieren…

Dann finde ich, dass ein viel zu großer Fokus auf den Sport gelegt wird. In dem Camp ist es kein Problem jeden Tag Sport zu machen, die Kandidaten haben ja auch im Grunde nichts anderes zu tun. Aber wenn sie erst wieder in ihr normales Leben zurück gekehrt sind, werden sie das nicht so weiterführen können (das weiß ich spätestens seit meinem Fastenvorhaben, 10 Stunden Sport die Woche zu machen… und ich habe KEINEN Acht-Stunden-Job). Deshalb sollte viel mehr über Ernährung geredet werden, was bestimmt gemacht wird, aber einfach nicht gesendet wird. Gerade die Kandidaten mit gewaltigen Übergewicht haben sich vermutlich jahrelang systematisch überfressen und damit ihren Magen gedehnt… die wissen überhaupt nicht, was normale Portionen sind, wie viel eigentlich genug sein sollte, um satt zu werden.

Desweiteren mag ich die „Versuchung“ nicht. Das ist ein Spiel für die Kandidaten, mit denen sie einen Bonus gewinnen können, um später bei der „Entscheidung“ (bei der sie gewogen werden und die beiden Teams mit dem wenigsten verlorenen Gewicht zittern müssen, rausgewählt zu werden) einen Vorteil zu haben. Das funktioniert, indem sie essen (oder halt nicht, wenn sie da nicht mitmachen wollen… was meistens eine gute Entscheidung ist). Und das gefällt mir gar nicht! Es kann ja wohl nicht das Ziel sein, die Kandidaten darauf zu konditionieren, dass sie vom Fressen Vorteile kriegen.
Wäre ich Kandidatin, würde ich das höchstens machen, wenn das, was an Essen angeboten wird, etwas richtig geiles ist. Auch etwas, was vergessen wird: Essen soll nicht immer nur mit quälenden Verzicht einhergehen, sondern auch Genuss sein. Es heißt zu lernen, bewusst zu genießen. Das geht so leider nicht!

Und am Schluss finde ich die Gewinnkriterien ungerecht. Es gewinnt nämlich derjenige, der prozentual am meisten Gewicht verloren hat.
Das ist aus folgenden Grund unfair: Ein Mann, dessen Idealgewicht bei 80 Kilo liegen würde und 120 Kilo wiegt, kann bzw. sollte höchstens 40 Kilo verlieren, was 33% seines Körpergewichts entspricht. Ein anderer Mann, der 240 Kilo wiegt, kann bzw. sollte dagegen 160 Kilo abnehmen, um auf 80 Kilo zu kommen, was 66% Körpergewicht entspricht. Daher KANN der erste Kandidat im Prinzip gar nicht gewinnen, selbst wenn er sein Idealgewicht erreicht!
Meine Lösung: Man sollte ausrechnen, wie viel Gewicht die Kandidaten von ihrem individuellen Idealgewicht trennt und DAVON die Prozente nehmen. Dann muss der schwerere Kandidat zwar mehr abnehmen, um auf die gleichen Prozente zu kommen wie der leichtere Kandidat, aber das ist ja bei der momentanen Methode genauso. Zudem fällt ein Gewichtsverlust ja auch leichter, je mehr Übergewicht man hat. Ich hoffe, Sat1 liest das und denkt darüber nach!

Das wärs dann aber schon an Kritik!

Die aktuelle Staffel läuft heute zum vierten Mal. Einen richtigen Favoriten hab ich noch nicht. Tendenziell bin ich ja meistens für die Frauen, weil die aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen es meistens schwerer haben, abzunehmen (Männer nehmen leichter ab. Is so.). Aber auch junge Kandidaten erwecken meistens meine Sympathie, vielleicht, weil die näher an meiner Lebenswelt sind.

Team „Limette“ (lol) ist so ein junges Team, ein Zwillingspärchen. Zwar wirken beide wie ziemliche Macker, aber sind mit ihrer frechen Bubihaftigkeit irgendwie doch sympathisch. Leider hat es bei ihnen noch nicht so richtig Klick gemacht, aber ich drücke ihnen die Daumen!

Dann mag ich Team Blau, Sezar und Bahar, ein türkisches Ehepaar. Die beiden sind irgendwie herzig! Und Bahar hat bisher für eine Frau gewaltige Gewichtsverluste eingefahren… ich hoffe, das geht so weiter! Hübsch sind jedenfalls beide. Jetzt fehlt nur noch die richtige Figur.

Team Grün sind Frauen und altersmäßig mir am nächsten. Allein deswegen fiebere ich mit ihnen mit!

Und Team Orange ist das kränkste Team im ganzen Camp (wenn auch lange nicht das schwerste), allein deswegen muss ich ihnen beistehen. Dem Bernhard wünsche ich auch deswegen alles Gute, weil er vor allem abnehmen will, weil er sich mit seiner Frau ein Baby wünscht, was momentan wegen seines Übergewichts nicht geht. Außerdem hat er mir auf Twitter geantwortet, was ihn doppelt sympathisch macht ♥
Bisher hatten sie auf der Waage keinen großen Erfolg, obwohl sie eindeutig motiviert sind. Das tut mir dann wirklich leid. Manchmal will der Körper einfach nicht so wie man selbst. Aber sobald der Knoten platzt, haben sie sehr gute Chancen und die Pfunde werden purzeln! Sie wirken wunderbar bodenständig und haben sich den Erfolg einfach verdient!

Es gibt aber auch in jeder Staffel Leute, die einfach nur unsympathisch sind. Ein solcher ist Michael vom Team Türkis. Als der vorgestellt wurde, war ich sicher, dass der schon mindestens Mitte Vierzig ist. Dann wurde sein Alter eingeblendet und mir fielen fast die Augen raus: Der Typ ist 32, nur vier Jahre älter als ich!
Das allein ist ja keine Schande. Darüber hinaus ist er aber auch noch ein übler Macho.
Was ist schlimmer als ein Macho? Ein Macho zu sein, obwohl man überhaupt nichts an sich hat, worauf man sich was einbilden kann!
So nennt er eine Art Völkerball am Strand, das mit einem großen Sitzball gespielt worden ist, abfällig „Frauensport“. Da könnte ich ja direkt lang und bröckelig kotzen. Was ist daran bitte „Frauensport“? Er muss sowas machen, statt einem Fußball hinterher zu hetzen oder was ähnlich männliches zu tun, weil er für „Männersport“ schlicht und ergreifend zu fett ist.
Dann labert er ständig über seine „Taktik“, mit der er die anderen verwirren will, statt sich einfach mal um seinen eigenen Kram zu kümmern. Tze, einfach nur lächerlich.

Hier könnt ihr euch die Kandidaten nochmal ansehen: Klick
Wobei drei Teams, sprich sechs Leute schon rausgeflogen sind.

Und waaaah, jetzt geht es schon los!! Sonntag, 18 Uhr, Sat1!! Schnell einschalten!!!

Wer mit mir fachsimpeln will, kann das gerne in den Kommentaren tun!

 

Wenn dir das gefallen hat und du mich ein bisschen unterstützen willst, lasse ich mich gerne via Paypal zu einer Tasse Kaffee einladen. Der hat ja auch immerhin keine Kalorien.

Und wenn es Gott wirklich gibt, hört er gar nicht mehr auf zu kotzen…

„Lasset die Kinder zu mir kommen.“
– ein palästinensischer Zimmermann


Am Montag strahlte das ZDF „Und alle haben geschwiegen“ aus, einen Film, basierend auf den realen Erlebnissen von Kindern und Jugendlichen, die in den Sechzigern und Siebzigern in katholischen und evangelischen Heimen untergebracht inhaftiert waren (Tante Jay und Schwabenkrawall berichteten).

Ich habe mir den Film angesehen… und auch wenn er einige eindeutige filmische Schwächen hat, war er doch ziemlich erschütternd, selbst wenn man von unserer lieben Mutter Kirche schon einiges gewohnt ist.
Mich hat der Film umso mehr interessiert, weil meine Mutter selbst mal unter der Fuchtel von Nonnen stand (sie nennt sie nur noch „diese Pinguine“…). Sie war zwar nie im Heim, besuchte aber mit 12, 13 ein Jahr lang ein Internat, eine reine katholische Mädchenschule, die eben von Nonnen geführt worden ist.

Dem Geist des Filmes entsprechend dachte ich, ein kleines „Interview“ mit meiner Mutter wäre ganz erhellend, obwohl ich schon ein paar Details aus dieser Zeit kannte.

Ich muss spoilern: Viel herausgekommen ist leider nicht. Aber trotzdem…

Früh heute morgen holte sie mich ab, wir fuhren nämlich in eine Therme (mein Geburtstagsgeschenk, yay). Während der Fahrt erwähnte ich den Film (den sie nicht gesehen hatte) und fragte sie, wie es im Internat gewesen sei.
Sie antwortete: „Schrecklich.“

Viel mehr wollte sie eigentlich gar nicht sagen, also begann ich ihr, von dem Film zu erzählen. Als ich erzählte, dass die weibliche Hauptperson ihre gesamte Kleidung abgeben musste und daraufhin eine einheitliche Heimkluft mit Nummer bekam, mit der sie dann auch immer angesprochen worden ist, verzog sie die Lippen zu einem bitteren Lächeln. „Ich war KD 21… 21? Ja, 21-76.“
Ich staunte. „KD? Kind?“
„Nein, Kandidat…“

Und ab da wurde sie etwas gesprächiger. Im Gegensatz zum Heim gab es keine Schuluniform, aber Hosen waren nicht erlaubt, obwohl es in dem alten Kloster bitterkalt war. Stattdessen durften die Mädchen nur Röcke anziehen, die bis über die Knie gingen.

Der Tagesablauf war immer gleich: Morgens aufstehen, vors Bett knien, beten. Und dann, noch vor dem Frühstück, eine Stunde in die Messe – jeden Tag. „Da bin ich mit meinen Kreislaufproblemen regelmäßig umgekippt…“

Weiter: „In der Zelle…“
„Zelle?“
„Ähm, die Zimmer. Also unsere Zimmer, die hießen Zellen.“
„Musstest du auch mit 20 Mädchen in einem Zimmer schlafen?“
„Hm-hm, jede hatte eine Zelle für sich allein. Also… das war ursprünglich ein großer Raum, der war aber abgetrennt mit solchen, hm…“
„Rigipsplatten?“
„Ja. Da drin stand nur das schmale Bett, ein Stuhl und ein kleiner Nachttisch, sonst nichts.“
„Hm… ich weiß nicht, was schlimmer ist… sich mit 20 Mädchen ein Zimmer teilen zu müssen oder ganz allein in so einem Kabuff.“
Meine Mutter lacht leise. „Ja, ich weiß auch nicht, was schlimmer ist…“

Sie schwieg wieder, also erzählte ich weiter vom Film. Als ich zu der Stelle kam, an der die männliche Hauptperson jedes Mal einen Schlag auf die Finger kriegt, wenn er stottert, zuckte sie zusammen.
„Ja, das war normal. Man wurde für alles bestraft.“
„Für was, zum Beispiel?“
„Na… ich hatte so wahnsinniges Heimweh, aber ich durfte ja nicht weinen! Immer wenn ich geweint habe, wurde ich bestraft. Oder es hieß ‚Ab in die Zelle‘.“
„Und konntest du da weinen?“
„Heimlich,“ antwortete sie leise.

Das muss man sich vorstellen: Ein ganzes Jahr an einem Ort, an dem man nicht weinen darf…

Die Kinder im Film hatten immer die Tage gezählt, bis sie volljährig waren („ja stimmt, damals noch mit 21…“) und raus durften.
„Ich hab auch die Tage gezählt…“
„Warum bist du überhaupt das volle Jahr geblieben?“
„Na, ursprünglich sollte ich ja acht Jahre bleiben bis zum Abitur!“
„Aber trotzdem, das ganze Jahr?“
„Na, ich konnte ja nicht früher. Ich meine…“ Sie machte eine unbestimmte Geste mit der Hand.
Ich riet ins Blaue hinein und riet richtig. „Wegen dem Schulgeld?“
„Ja, dein Opa hatte ja für das ganze Jahr bezahlt. Und als deine Oma und dein Opa dann zum Elternsprechtag kamen, hab ich gebettelt, dass ich wieder heim darf. Deiner Oma war das ja egal, die sagte nur ‚Du wolltest hier hin, jetzt bleibst du auch hier‘. Aber dein Opa meinte, ich solle dann halt meine Sachen packen und mitkommen.“

Hach, mein Opa… schrecklich in seinem Zorn, aber innerlich doch butterweich…

Eigentlich wollte ich noch viel mehr fragen… ich hätte gerne gewusst, wie genau die Bestrafungen aussahen, mehr über den Tagesablauf, über einzelne Personen, die ihr besonders im Gedächtnis geblieben sind… aber an dieser Stelle schluckte meine Mutter und sagte: „Ich erinnere mich wirklich nicht gerne an diese Zeit zurück“ – und ihr stiegen Tränen in die Augen.

Ich hab das dann gelassen. Ich finde, Tränen in den Augen einer über Fünfzigjährigen, die sich an Ereignisse zurück erinnert, die über vierzig Jahre her sind, sagen mehr als tausend Worte.

Übrigens endet der Film mit dem Hinweis, dass kürzlich ein Hilfsfond mit 150 Millionen Euro eingerichtet worden ist, um die ca. 800.000 betroffenen Kinder und Jugendliche, die in dieser Zeit in christlichen Heimen eingepfercht waren und seelisch und körperlich misshandelt wurden, zu entschädigen.

Das entspricht nicht mal 200 Euro pro Opfer.