my feminism: Über diese Kategorie

In meinem Eingangspost habe ich es ja schon angekündigt, nun mache ich es wahr und eröffne eine eigene Kategorie, die sich mit Themen rund um Feminismus und Sexismus gefüllt werden soll. Warum, wieso, weshalb und vor allem: wie? Naja, dazu sollte ich mich wohl erstmal erklären.

Mein Background
Ich stamme aus einem kleinen katholischen Dörflein irgendwo in Deutschland, an dem viele Errungenschaften des modernen Lebens spurlos vorbei gegangen sind.

Und damit ist selbstverständlich nicht die technische Ausstattung gemeint, sondern *die Denke*.

Ich war ein schwieriges Kind. Fing schon damit an, dass meine Mutter die Dreistigkeit besaß, mich ohne Ehemann auf die Welt zu bringen. Ein regelrechter Skandal.
Und so ging es weiter. Ich bin nun mal nicht das, was man gemeinhin meint, wenn man „Mädchen“ sagt. Und dazu wurde ich nicht durch Erziehung gemacht, sondern wurde so geboren.

Meine Lieblingsfarbe war blau. Ich hasste Puppen und liebte Bäume klettern. Kleidchen waren mir zuwider. Mathe war mein bestes Fach. Und die Turtles interessierten mich mehr als Barbie.

Ich finde das nicht schlimm, denn Menschen sind halt verschieden, aber meiner Familie war das ein Gräuel. Aber weil ich außerdem noch ziemlich stur bin, habe ich mich erfolgreich dagegen gewehrt, in eine Schablone i wish i was a boygepresst zu werden, die mir nicht passte. Dennoch bin ich unter der Prämisse aufgezogen worden, dass ich nicht alles machen darf, weil ich ein Mädchen bin, dass ich nicht alles sagen darf, weil ich ein Mädchen bin, und dass ich meine männlichen Familienmitglieder bedienen „darf“, weil ich ein Mädchen bin, während die gleichzeitig tun und lassen konnten, was sie wollten.

Wie kann man in so einem Umfeld aufwachsen und NICHT Feministin werden?

Wie es weiter ging
Ich wurde älter und bekam Titten. Und ab da fingen die Probleme erst richtig an.
images6Vielleicht war ich durch meine Vorgeschichte sensibilisiert, aber ich regte mich über einen Klaps auf den Hintern und einem dummen Spruch wesentlich mehr auf als meine Freundinnen, die in etwas fortschrittlicheren Familien groß geworden sind.
Und was soll ich sagen… ich habe nie aufgehört, mich aufzuregen. Es existiert ein Umgang mit Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft, den ich zum Kotzen finde. Und daher muss ich meine große Schnauze immer dann aufmachen, wenn ich diese Ungerechtigkeit wittere.

Aber warum jetzt?
Der Feminismus hat mich lange abgeschreckt. Sowohl von außen wie auch von innen.
Lange Zeit wehrte ich mich gegen diesen Stempel, wenn man mir während einer Diskussion abfällig konstatierte, eine Feministin zu sein. Denn Feministinnen, das sind doch diese Hardcore-Emanzen, die in Jutesäcken durch die Straßen ziehen und BHs verbrennen? Und Alice Schwarzer, deren Verdienste man zwar würdigen muss, die aber trotzdem oft genug unglaublich viel Scheiße von sich gibt? Damit wollte ich nicht in einen Topf geworfen werden.
Doch irgendwann las ich einen Spruch, der mir die Augen öffnete. Er verbarg sich ganz klein auf einer Infowand an der Uni und ist ebenso simpel wie kurz und wahr:

Unbenannt
Und ich stand da und dachte: „Hmhmhm… stimmt.“

Tja, damit war ich Feministin, ganz ohne meinen BH zu verbrennen.

Ich war aber auch gleichzeitig Bloggerin, da ich auch gerade meinen ersten Blog gestartet habe. Der Gedanke, über meinen Ansichten zum Feminismus zu bloggen, war aber noch weit weg. Denn: Ich traute mich schlicht und ergreifend nicht. Je mehr ich mich mit dem Netzfeminismus beschäftigte, desto mehr Fragezeichen erschienen über meinen Kopf. Ich konnte mit vielen Begriffen überhaupt nichts anfangen, aber was noch schlimmer war: Ich konnte auch mit vielen Inhalten nichts anfangen.

Vieles geht völlig an der Realität vorbei und hat stimmt weder mit dem Bild, was ich vom Feminismus habe noch mit meinem Frauenbild überein. Auch trieft bei manchen doch tatsächlich die Akademikerarroganz aus jedem Wort – während ich doch immer noch nur ein armes katholisches Mädchen vom Lande bin, das so ein bisschen planlos durch die Uni stolpert und irgendwie versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hielt mich schlichtweg für zu blöd, um da mitmischen zu können. Trotzdem versuche ich das jetzt. Und der Grund ist ganz einfach:

1. BIN ICH NICHT BLÖD, nur weil ich ein paar schicke englische Begriffe nicht kenne oder der Meinung bin, es sei scheißegal, ob man „sexuelle Orientierung“ oder „sexuelle Positionierung“ sagt (dazu weiter unten).

2. traf ich unlängst zwei Feministinnen, die sich, anders als ich, auch im Real Life in feministischen Organisationen betätigen und damit ja eigentlich die „besseren“ Feministinnen sind… und ich dennoch feststellen musste, dass beide absolute Trottel sind. Habe ich etwa tatsächlich Angst, mich mit sowas anzulegen? Bitch please!

Es sei also beschlossen: Ich bin eine Feministin, die über ihren Feminismus bloggt – und zwar so, wie ICH es will!

Die Sprache
Nun herrscht allerdings gerade in diesem Bereich bei einigen Menschen ein, wie drücke ich das nett aus… gewisser Sprachfaschismus (uh). Wer nicht mitmacht, wird dabei wohl als Teil des Systems gesehen, das es eigentlich zu bekämpfen gilt.
Tja, das ist mir aber scheißegal. Ich studiere nicht Germanistik, ohne die Sprache zu lieben, die ich gelernt habecanwordsdoit. Da sehe ich es schlicht und ergreifend nicht ein, im Zuge einer völlig überrissenen politischen Korrektheit meine Texte durchzugendern und damit unlesbar zu machen. Tut mir leid, aber nö. Vorstöße wie solche, die Antje Schrupp gestern vorgestellt hat, sind in meinen Augen einfach nur lächerlich.

Die Sprache ist ein gewachsen Ding und ständig im Wandel begriffen. Diesen Wandel beeinflussen zu wollen, bringt indes überhaupt nichts, denn hier ist die Unsichtbare Hand am Werk. Manche Vorschläge zur Änderung der Sprache werden vielleicht angenommen, weil sie einleuchten – aber „Mann Meier“, Frau* /Mann* oder „mensch“ statt „man“ gehören definitiv nicht dazu.
Und was noch schlimmer ist: Solche Eingriffe in unser schönes Deutsch verprellen viele Menschen, die sich mit feministischen Themen gerne beschäftigen wollen, aber auf solche Albernheiten einfach keinen Bock haben. Das ist für den Normalbürger schlicht nicht vermittelbar, daher lasse ich es.
Wer das doof findet, darf sich gerne bei mir beschweren – oder liest es halt einfach nicht!

Was bleibt noch zu sagen?
So, ich hoffe, ich habe jetzt niemanden verprellt. Ich weiß noch nicht genau, worüber ich schreiben werde, obwohl ich einige Ideen habe, aber die werde ich euch erst präsentieren, wenn ich zufrieden mit der Ausarbeitung bin. Ich hoffe damit, auch wenn ich die Welt sicher nicht retten werde, wenigstens ein paar Machos zu nerven und Arsche zu treten :mrgreen:
black canary

Wer das fresh findet, von dem nehme ich gerne eine Spende entgegen.