Weihnachten ist scheiße

Sprach sie und meinte es ernst.

Ich freue mich ja sehr für diese ganzen netten Leute, für die Weihnachten der schönste Feiertag des Jahres ist, weil sie dann mit ihrer Familie scheißglücklich unter dem Christbaum sitzen und „Jingle Bells“ trällern (was übrigens gar kein Weihnachtslied ist, genauso wenig wie „Last Christmas“. Und wenn ihr denkt, dass ich das nur erwähne, weil Klugscheißerei das einzige ist, was mich in dieser Jahreszeit wenigstens ein bisschen aufheitert, habt ihr vollkommen Recht.), aber bei mir war das halt nie so.

Klar, als Kind war Weihnachten super. Geschenke und so. Aber je älter ich wurde, desto beschissener wurde es auch.

Denn: Meine Familie hat leider ein Rad ab. Wir mögen uns nicht sonderlich. Also, untereinander mögen sie sich schon (meistens), aber sie mögen mich nicht und ich mag sie nicht (lieben tu ich sie aber trotzdem. Verdammt.).
Man könnte meinen, dass Weihnachten mal die perfekte Gelegenheit wäre, die Meinungsverschiedenheiten des restlichen Jahres beiseite zu schieben und es sich einfach mal gutgehen zu lassen, aber von sowas hält meine Familie nichts. Einmal das schwarze Schaf, immer das schwarze Schaf, und das an 365 Tagen des Jahres!

Wenn ich das schlimmste Weihnachten küren müsste, wüsste ich nicht, ob letztes Weihnachten oder vorletztes Weihnachten den Preis bekommen sollte. Vorletztes Weihnachten war das erste Weihnachten nach der Trennung meiner Eltern. Dementsprechend megafröhlich war die Stimmung. Ich glaube, nur das nächste Bestattungsinstitut hat ne heißere Party geschmissen als wir vor zwei Jahren.
Tja, und letztes Jahr war dann das erste Weihnachten nach meinem Rausschmiss durch meine Mutter. Darauf folgten viele Wochen der Funkstille. Erst zu Weihnachten wagten wir dann wieder eine Annäherung, die gründlicher nicht hätte schiefgehen können. Es endete damit, dass ich heulend bei meiner Tante lag und gerne sterben wollte, während eine Etage darunter der Rest meiner Familie Bescherung feierte.

Hm, ja, ich glaube, letztes Weihnachten hat dann doch knapp die Nase vorne…

Auch ansonsten waren die Weihnachtsfeste ab meinen Jugendjahren einfach nur zum Kotzen. Ich musste für dumme Witze herhalten, wurde bei jedem Konter gemaßregelt (denn sich verteidigen mag meine Familie nicht so – wenn man beleidigt wird soll man gefälligst den Kopf senken und die Schnauze halten!) und muss mir jedes Jahr wieder anhören, wie schrecklich es ist, dass ich nicht in der Kirche war. Offensichtlich scheint meine Oma, ansonsten noch nicht sehr senil, davon immer wieder aufs neue überrascht zu sein, genauso wie von der Tatsache, dass ich mich seit 8? 9? Jahren um elf Uhr abends von der Familienfeier verabschiede und in meine alte Stammkneipe gehe, um dort mit meinen Freunden zu feiern. Oder wie ich sie in diesem Zusammenhang gerne nenne: „Die Familie, die ich mir ausgesucht habe“.

Furchtbar war auch dieses eine Weihnachten, als meine Familie beschloss, dem unsittlichsten Weihnachtsbrauch überhaupt zu frönen. Das Grauen hat einen Namen: „Würstchen und Kartoffelsalat“.
Sorry, aber das ist doch einfach scheiße. Wenn ich schon gezwungen bin, mit Leuten, die ich nicht leiden kann, einen auf Feiertag zu machen, dann will ich wenigstens was Geiles dabei essen. Glücklicherweise wurde dieses Experiment, auch wenn das alle gaaaanz toll fanden – so bezaubernd schlicht! -, nach einem Versuch wieder eingestellt. Jetzt gibt es wieder Wildragout, Klöße, Rotkohl und einem Eimer voll Bratensoße an Heiligabend, so wie sich das gehört.

Wenn wenigstens die Geschenke gut wären. Geld und Konsumgüter können so wunderbar tröstlich sein. Aber nein, auch das kriegt meine Familie nicht hin. Seit 15 Jahren kriege ich zu Weihnachten jedes Mal Duschgel und Parfum geschenkt. ICH MAG ABER KEIN PARFUM. Ich stinke nicht (das habe ich verifiziert) und brauche sowas nicht. Und WENN ich sowas wollte, was schwer ist, weil mir von Parfumgestank meistens schlecht wird, will ich mir das doch bitte selber aussuchen. Eigentlich sollten sie das wissen, es interessiert sie nur nicht. Ich bin ein Mädchen, ich muss auf Parfum stehen, basta.

Wenn ihnen dann mal in einem klaren Moment bewusst wird, was mir eigentlich gefällt, versauen sie das allerdings auch. Da kriege ich Converse, aber in der falschen Größe. Klasse. Hab ja nicht zehn Paare zuhause stehen, wo man nachsehen könnte, was ich für ne Größe habe.

Oder sie denken: „Sie liest gerne. Kaufen wir ihr ein Buch!“ Und welches Buch wird es dann? Natürlich: irgendeines. Bücher sind ja wie Gummibärchen: Magst du eines, magst du alle. Und was ist schon das Problem daran, ihr einen Band einer Buchreihe zu kaufen und dabei in der Mitte anzufangen?

Ich mag Päckchen und ich mag es, Zeug geschenkt zu bekommen. Aber wenn mir das Zeug nie gefällt, möchte ich vielleicht doch lieber nur Geld und Gutscheine.

Dieses Jahr habe ich fast noch weniger Lust auf Weihnachten als jemals zuvor. Aus diesem Grund werde ich auch nur Heiligabend bei meiner Familie sein. Später geht es dann, wie schon gesagt, in meine Stammkneipe, um mich hemmungslos zu besaufen.
Am 1. Weihnachtsfeiertag möchte meine Mutter mit mir essen gehen, auch wenn ich keinen Bock darauf habe, aber naja. Ich hoffe, trotzdem recht früh wieder zuhause zu sein, wo ich mich mit einer Auflaufform voll Lasagne vor die Glotze setzen und alles ganz allein aufessen werde.
Und am 2. Weihnachtsfeiertag muss ich arbeiten gehen. Halleluja. Und das wird mein Weihnachten sein.

Jaja, diese ganzen glücklichen Menschen, welche die Feiertage besinnlich im Kreis ihrer Liebsten begehen und dann, benebelt von dieser ganzen Glückseligkeit, in ihrem Blog fragen, was MEIN schönstes Weihnachtserlebnis war.

Damit kann ich nicht dienen. Sorry. Stattdessen folgender Aufruf an euch: Was war euer schlimmstes Weihnachtserlebnis? Lasst uns zusammen ein bisschen den freudezerfressenden Zynismus frönen und erzählt!

fuckchristmas

 

Ich freue mich über jede Spende in Form einer Tasse Kaffee. Passend zur Jahreszeit würde ich das Geld dann in etwas eher Festliches investieren – ein Glas Jack Daniel’s mit Zimtstange oder so.

Und da bloggte sie schon wieder…

Nicht verwirren lassen: Ich habe wallendes kastanienbraunes Haar, das wie ein Fluss aus erotischen Weizen strömt
Nicht verwirren lassen: Ich habe wallendes kastanienbraunes Haar, das wie ein Fluss aus erotischen Weizen fließt (nur, dass Weizen gelb ist)

In meinem ersten Blog, der Anfang 2012 an den Start ging, schrieb ich über den Wahnsinn meines Kellnerjobs. Das machte Spaß und bot auch viel Stoff, aber war thematisch doch ziemlich begrenzt.

Nachdem ich lange drüber nachgedacht und mit mir gehadert habe, ist dieser neue Blog nun Resultat meiner Überlegungen. Ich schreibe gerne und gehöre nun mal zu dieser schrecklichen Internetgeneration, die glaubt, ihr Leben online breittreten zu müssen!

Diesen Blog halte ich von vorne herein thematisch offen. Es wird teilweise schnödes Tagebuch sein, in dem ich mich auskotzen kann. Lustige/dumme/bemerkenswerte Alltagserfahrungen sollen ebenfalls ihren Platz haben, genauso wie meine unqualifizierte Meinung zu Buch, Film und Musik. Und darüber hinaus möchte ich auch ein wenig in der großen Welt des Netzfeminismus mitmischen.

 

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